Von Prof. Dr. =Friedrich Ludwig.=

Die Beziehungen der Pflanzenwelt zu ihrer belebten und unbelebten

Umgebung sind so mannigfaltige, die Anpassungen so ungeahnt bis ins

einzelne gehend, dass trotz der +grossen+ Zahl der Forscher, die

sich in der Gegenwart auch hier, wie auf allen Gebieten geistiger

Arbeit, zusammengefunden haben, um diese Beziehungen aufzudecken,

fortgesetzt neue Entdeckungen zu verzeichnen, neue Fragen zu

beantworten, neue Probleme zu lösen sind. Wir erinnern nur an die

merkwürdigen gegenseitigen Anpassungen der beiden grossen Familien

der Feigen und der Feigenwespen[1], an die Ameisenpflanzen[2], die

Milbenpflanzen mit ihren Milbenhäuschen (Acarodomatien)[3], die

mannigfachen Eigenschaften, welche die Pflanzen im Zusammenleben mit

den Schnecken und anderen omnivoren niederen Tieren und als Schutz

gegen dieselben erhalten haben[4], an die höchst eigentümliche Art

der Ernährung unserer Waldbäume und vieler anderen Pflanzen durch die

Vermittelung der Pilze (Mycorrhizen der Cupuliferen, Ericaceen etc.),

die Stickstoffernährung der Hülsenfrüchtler durch die Wurzelknöllchen

bildenden Bacillen (_Bacillus radicicola Beyerinck_, _Franks

Rhizobium_), an die fleischverdauenden Pflanzen, an die Beziehungen

zwischen gewissen Wirts- und Schmarotzerfamilien und -Arten, wie

sie z. B. bei der Gruppe der Rostpilze so mannigfach zu Tage treten

(die Gattung _Phragmidium_ ist auf die Rosaceen, die _Ravenelia_ auf

Leguminosen beschränkt, _Gymnosporangium_ bildet die erste Generation

nur auf Pomaceen, die zweite und dritte auf Coniferen aus etc.), --

der grossen Kapitel von den Anpassungen der Blumen und Blüten an

Insekten, Vögel, Wind etc., von den Verbreitungsmitteln der Früchte

und Samen, den Schutzmitteln gegen allerlei schädigende Einflüsse, die

ganz besondere Bearbeitung gefunden haben, nicht zu gedenken. Immerhin

hat man eine stattliche Anzahl solcher Beziehungen der Pflanzen

zu der übrigen organischen und unorganischen Welt aufgedeckt, die

Fäden gefunden, welche die verschiedensten Naturkörper einheitlich

verknüpfen, zu einem Naturganzen zusammenschlingen -- soweit es sich

um Landtiere und Landpflanzen handelt. Nicht so weit ist man in die

Lebensgeheimnisse der Wasserwelt eingedrungen.

Das Pflanzenleben im Wasser ist doch an ganz andere Bedingungen

geknüpft. Luft und Erde mit ihren Organismen und unorganischen

Bestandteilen sind es allein, mit und in welchen die gewöhnliche

Landpflanze zu leben hat. Eine dritte Hülle unseres Planeten, die

Wasserhülle, mit all ihren abweichenden physikalischen und chemischen

Eigenschaften, mit einer ganz anderen Lebewelt, die teils der Pflanze

von Nutzen ist, teils von ihr abgewehrt werden muss, ist das Element

der Wasserpflanzen. Dazu kommt, dass auch das Luftmeer über dem Wasser

und der Erdboden unter dem Wasser andere physikalische Eigenschaften

und ein anderes Tierleben besitzt als Luft und Boden im Trocknen. Das

grössere spezifische Gewicht des Wassers macht gewisse Einrichtungen

der Landpflanzen, welche der Festigung dienen, überflüssig, indem das

Wasser einen guten Teil der Last der Pflanzenorgane bei Wasserpflanzen

trägt. Das Verhalten des Wassers zur Wärme ist der Pflanzenwelt

besonders günstig. Die Temperaturveränderungen erfolgen allmählich,

nicht plötzlich wie die der Luft und des trocknen Bodens, und vermöge

seiner Eigenschaft, bei + 4° C. den kleinsten Raum einzunehmen oder

die grösste Dichtigkeit zu haben, gefriert das Wasser nur an der

Oberfläche, in der Tiefe eine Temperatur von über 0° bewahrend, welche

auch dem Boden der Gewässer zu gute kommt. Im Wasser, am und im Boden

der Gewässer, können daher Gewächse überwintern, welche am Lande im

Winterfrost zugrundegehen würden. Daher sind auch die eigentlichen

Wasserpflanzen ausdauernd, mit Ausnahme der uferbewohnenden

+Tännel+arten (_Elatine_) und des +Nixenkrautes+ (_Najas flexilis_

und _minor_); und auch von solchen Arten, die in einer besondern

einjährigen Landform vorkommen, wie dem +Wasserhahnenfuss+, dem

+schwimmenden Igelkolben+ etc., ist die Wasserform ausdauernd, auch im

Winter flutend.

Die Löslichkeit für die Bestandteile der atmosphärischen Luft ist eine

ungleiche und das Wasser nimmt von ihnen nur 2-3% Sauerstoff auf,

während das Luftmeer davon etwa 21% enthält; dagegen hat das Wasser

einen hohen Kohlensäuregehalt, auch die Bodengase haben eine wesentlich

andere Zusammensetzung auf dem Wassergrund als am Lande. Schliesslich

sind die Beleuchtungsverhältnisse im Wasser, das einen guten Teil der

Sonnenstrahlen absorbiert, andere als in der Luft.

Diese und ähnliche Verhältnisse müssen in dem Bau und der Entwickelung

der Wasserpflanzen zum Ausdruck gekommen sein und thatsächlich werden

uns die wesentlichsten Unterschiede zwischen Land- und Wasserpflanzen

von diesem Gesichtspunkte aus verständlich.

Von vornherein ist im Wasser ein fünffaches Pflanzenleben denkbar: 1.

Das Leben im Boden der Gewässer (Schlammpflanzen). 2. Das Leben in

Boden und Wasser (submerse Wasserpflanzen mit Wurzeln). 3. Das Leben im

Wasser (nichtwurzelnde submerse Wasserpflanzen). 4. Das Leben in Wasser

und Luft (nichtwurzelnde Schwimmpflanzen und nichtwurzelnde submerse

Pflanzen, welche ihren Blütenstand über Wasser zur Entwickelung

bringen) und 5. Das Leben in allen drei Medien zugleich (wurzelnde

Pflanzen, welche ihren Blütenstand über Wasser entwickeln und die

eigentlichen Sumpf- und Uferpflanzen). Von +Schlammpflanzen+, welche

in dem an toter organischer Substanz reichen, lockeren, auch im Winter

nicht gefrierenden Boden unserer Gewässer leben, sind bisher wohl

nur die niedersten Pilzformen bekannt geworden, welche aber zumteil

bedeutende Veränderungen an der Erdoberfläche hervorgebracht haben

und die Zusammensetzung der Nährstoffe für die phanerogamischen

Süsswassergewächse nicht unwesentlich beeinflussen. Erinnert sei an

die Spaltpilze der Cellulosegärung (_Bacillus Amylobacter_ etc.),

die Bildner des Sumpfgases, durch dessen Wirkung der Gips unter

Entwickelung von Schwefelwasserstoff in kohlensauren Kalk umgewandelt

wird, ferner an die „Schwefelbakterien“ (_Beggiatoa_, _Clathrocystis

rosea-persicina_, _Ophidomonas_ etc.), welche den Schwefelwasserstoff

der Cellulosegärung zu Schwefel, den sie in Form kleiner amorpher

Kügelchen in der Zelle aufspeichern, und letztern sodann zu

Schwefelsäure oxydieren. Durch die letztere verwandeln sie die

Karbonate wieder in Sulfate und geben freie Kohlensäure an das Wasser

ab. Auch die von Winogradski als „Eisenbakterien“ bezeichneten Bildner

des Sumpf- und Wiesenerzes u. a. gehören hierher[5].

Die phanerogamischen Wassergewächse gehören den übrigen Abteilungen an,

deren Lebensverhältnisse, soweit sie sicher bekannt sind, im folgenden

an einigen ausführlicheren Beispielen etwas eingehender behandelt

werden sollen.

Die submersen (untergetauchten) Wasserpflanzen.

Die Ernährung der Landpflanzen geht bekanntlich im grossen und ganzen

in der Weise vor sich, dass das Wasser des Bodens mit den darin

gelösten Nährsalzen von der Wurzel nach den chlorophyllhaltigen

Geweben des Blattes emporgehoben und mit der aus der Atmosphäre

durch die Blätter aufgenommenen Kohlensäure zu den ersten

organischen Verbindungen (Stärke etc.) verarbeitet, „assimiliert“

wird. Die Bewegung des Wassers wird dabei wesentlich durch die an

der Blattfläche, besonders auch durch die in den Spaltöffnungen

der untern Blattseite stattfindende Verdunstung und hierdurch

ausgeübte Saugkraft auf die darunter gelegenen Elemente bewirkt.

Dieser „Transspirationsstrom“ geht durch die Gefässe von der Wurzel

durch die Hauptachse zu den seitlichen Auszweigungen und den

Blättern an ihnen, während die Kohlensäure durch die Spaltöffnungen

in das „Schwammparenchym“ des Blattes gelangt. Das Blatt zeigt

in der Regel unter chlorophyllfreier Epidermis oben das zu den

Beleuchtungsverhältnissen in der Luft in Beziehung stehende sogenannte

Pallisadengewebe, unten, innerhalb der von den Spaltöffnungen

durchsetzten Epidermis, das Schwammgewebe mit den Atemhöhlen.

+Bei den submersen Wasserpflanzen kommt dieser Transspirationsstrom,

mit ihm der strenge Gegensatz von Haupt- und Nebenachse und das

Hervortreten der Gefässe in Wegfall.+

+Die Spaltöffnungen fehlen den untergetauchten Blättern.+ +Die

Aufnahme der im Wasser+ gelösten +Kohlensäure+ sowohl, wie der

anorganischen Nährsalze, geschieht +direkt durch die dünnwandige

chlorophyllhaltige Epidermis+[6]. Die +Wurzeln+ dienen in der

Hauptsache da, wo sie vorhanden sind, als +Haftorgane+, haben ihre

Rolle der Nahrungsaufnahme verloren (besitzen keine Wurzelhaare mehr

etc.), in vielen Fällen fehlen sie jedoch gänzlich. Da die ganze

grüne Blattmasse an ihrer Oberfläche durch Diffusion die Aufnahme

der flüssigen Nahrung und den Gasaustausch besorgt, muss bei ihr das

+Prinzip+ der äussern +Oberflächenvergrösserung durch tiefgehende

Zerteilung+ und Verzweigung, das den Grundbau der ganzen höhern

Pflanze (Verzweigung von Wurzel und Stamm) im Gegensatz zu dem der

höheren Tiere beherrscht, besonders zur Geltung kommen. Spaltet

man einen Würfel oder einen andern Körper fortgesetzt, so kann man

bekanntlich, ohne das Gesamtvolumen zu ändern, die Oberfläche bis zu

jeder beliebigen Flächengrösse hinauf wachsen lassen. Derartig ist auch

die Vergrösserung der mit der spärlichen Sauerstoffmenge im Wasser

haushaltenden Atmungsorgane (Kiemen) unserer Wassertiere. Thatsächlich

ist nun den submersen Wasserpflanzen mit wenigen Ausnahmen und nicht

allein ihnen, sondern auch den untergetauchten Wasserblättern der

Pflanzen der vierten und fünften Gruppe eine weitgehende Zerschlitzung

des Blattes bis zu feinen haar- oder borstenförmigen Abschnitten

gemein. So z. B. den Arten des Hornblattes (_Ceratophyllum_), des

Tausendblattes (_Myriophyllum_), des Wasserschlauches (_Utricularia_),

der Sumpffeder (_Hottonia_), der Aldrovandie. So sind wenigstens

die untergetauchten Blätter haarförmig fein geteilt bei den

Wasserhahnenfussarten (_Batrachium_), bei der Rebendolde (_Oenanthe

Phellandrium_ etc.). In anderen Fällen sind die dünnen Blätter

zwar einfach, aber schmallinealisch, so z. B. bei der Wasserpest

(_Elodea_), der Vallisnerie (_Vallisneria spiralis_), den Wassersternen

(_Callitriche_) u. a. Die feine Zerteilung etc. sichert zugleich das

Blatt vor einem Zerreissen durch Wasserströmungen und Wassertiere.

Betrachten wir des weitern die untergetauchte Wasserpflanze in ihren

Beziehungen zu ihrer Umgebung an einigen besonderen Beispielen.

[Illustration: Fig. 6.

Befruchtung des Gemeinen Hornblattes (_Ceratophyllum demersum_: _a_

Männlicher Blütenstand -- _b_ Hüllkelch desselben nach der Entleerung

-- _c_ Ein Staubgefäss (vergrössert) -- _l_ Auftrieb -- _d_ Oberer

Teil desselben (Auftrieb) -- _e_ Pollenkörner -- _f_ Weibliche Blüte

(schwach vergrössert) -- _g_ Griffel -- _h i_ Narbenfläche).]

Das +Gemeine Hornblatt+ (_Ceratophyllum demersum_) ist eine in Teichen,

langsam fliessenden Gewässern und am Rande von Seen weit verbreitete,

wurzellose, frei im Wasser flutende Art mit quirlig stehenden,

wiederholt gabelspaltigen, feingeteilten Blättern an verzweigtem runden

Stengel, der an der Spitze fortwächst, vom untern Ende aus absterbend.

Es ist die +einzige Pflanzengattung des Süsswassers, welche streng

hydrophil ist+, d. h. zur Übertragung des Pollens vom Staubgefäss zur

Narbe des Stempels des Wassers bedarf, während von Meerespflanzen eine

Anzahl hydrophiler Pflanzen bereits seit längerer Zeit bekannt ist.

Als ich vor zehn Jahren auf Veranlassung meines Freundes +Hermann

Müller+ die Bestäubungsverhältnisse unserer Süsswasserpflanzen und

ihre Anpassungen an das Wasser und gewisse wasserbewohnende Insekten

einem eingehenderen Studium unterzog[7], da war über diese -- wie H.

Müller sagt -- „bis dahin auffallend vernachlässigte Gruppe“ noch so

gut wie gar nichts bekannt. _Ceratophyllum demersum_ (Fig. 6) zeigte

mir einen in wunderbarer Weise der Wasserbefruchtung angepassten

Mechanismus. Männliche und weibliche Blüten stehen, kaum gestielt,

getrennt in verschiedenen Blattwirteln ordnungslos durcheinander

(nur scheinen zu unterst die weiblichen Blüten zu überwiegen). Die

männlichen staubgefäss- und pollenreichen Blüten sind in beträchtlich

grösserer Zahl vorhanden, als die weiblichen. Letztere enthalten in

einem anliegenden vielzipfeligen Kelche einen ovalen Fruchtknoten

mit einem den Kelch um das vier- bis fünffache überragenden hakig

nach unten gekrümmten Griffel, der sich nach der Spitze zu allmählich

verschmälert. Der letztere ist nirgends warzig, doch sondert seine

ganze Unterseite einen Klebstoff ab und fungiert als Narbe. -- Der

männliche Blütenstand besteht aus 12-16 sehr kurz gestielten Antheren,

die von einer vielteiligen Hülle umgeben sind. Die einzelnen Teile der

letztern sind linealisch, gestutzt, meist zweidornig. Die Staubgefässe

bestehen im unteren, dem kurzen Stiele aufsitzenden Teile aus zwei

seitlich sich längs öffnenden Pollenkammern und im oberen Drittel aus

lockerem lufthaltigen Gewebe, an der Spitze mit zwei nach der Mitte

zu gekrümmten Dörnchen, zwischen denen meist noch eine schwärzliche,

mehr oder weniger gerade +höckerige Drüse+ sich befindet. Diese

Spitzenanhängsel des pollenerzeugenden Apparates (ebenso wie die sie

einschliessenden Dornspitzen) kommen in fast gleicher Weise an den

Enden der Hüllblätter und Laubblätter vor (vgl. Fig. 6 _k_). Sie sind

nach neueren Untersuchungen[8] +tanninhaltig+ und bilden +nach Stahl[4]

ein wirksames Schutzmittel gegen Wasserschnecken+, wohl auch gegen

andere Wassertiere. Zur Befruchtung stehen sie in keiner Beziehung.

Anders verhält es sich mit dem +aus lockerem lufthaltigen Gewebe

bestehenden Antherenfortsatz+, den ich als „+Auftrieb+“ bezeichnet

habe. +Derselbe macht das ganze Staubgefäss spezifisch leichter als

Wasser und treibt dasselbe, wenn es aus der Blüte losgelöst wird, nach

der Oberfläche+ des Wassers. Die rundlichen oder länglichen +nur+

von +einer+ zarten +Haut umgebenen Pollenkörner haben+ genau +das

spezifische Gewicht des Wassers+, so dass sie in jeder beliebigen

Tiefe suspendiert bleiben. Dieses verschiedene spezifische Gewicht der

Pollenkörner und des gesamten pollenerzeugenden Apparates, zusammen

mit dem Verhalten der starrblättrigen Hülle, bestimmt den eigentlichen

Pollentransport. Die +Hüllblätter haben+ nämlich +das Bestreben, sich

nach innen zu biegen+ -- an entleerten Blütenständen sind sie aufrecht

--, so dass die +Staubgefässe+ zur Zeit ihrer völligen Ausbildung

keinen genügenden Platz mehr haben. Zur Zeit der Dehiscenz werden die

letzteren daher +aus der Hülle herausgepresst+ und +schwimmen unter

der Wirkung des Auftriebes nach oben+, bis sie die Wasseroberfläche

erreicht haben, oder, was häufiger geschieht, zwischen den hakigen

Blättern der oberen Stengelglieder zurückgehalten werden. +Während

dieser Aufwärtsbewegung+ werden +die Antheren entleert+, wobei die

durch den Auftrieb bedingte Vertikalstellung des Staubgefässes

besonders günstig ist, und verbreiten sich -- weil vom spezifischen

Gewicht des Wassers -- über den ganzen vom pollenerzeugenden Apparat

bestrichenen Raum. Wird so schon das Wasser, in welchem _Ceratophyllum_

wächst, überall von dessen grossen Pollenkörnern (40-50 µ breit und

50-75 µ lang) erfüllt, so kommt der Verbreitung der letzteren resp.

einer Fremdbefruchtung durch dieselben nächst den Bewegungen des

Wassers selbst und den passiven Bewegungen des Ceratophyllum durch

Wassertiere ein anderer Umstand zu statten -- +die Eigenbewegung des

Ceratophyllumstammes+, die besonders in ruhigem, stehendem Wasser (in

welchem ich meine Beobachtungen anstellte) nicht unterschätzt werden

darf. Dieselbe wurde zuerst von E. Rodier[9] nachgewiesen. +Die jungen

(blütentragenden) Internodien haben eine vom Lichte unabhängige,

komplizierte Bewegung+, welche einen besonderen Fall der Darwinschen

Circumnutationen[10] darstellt, sich aber von der Mehrzahl dieser

durch die Weite und die verwickelte Art der Bewegung unterscheidet.

+Im allgemeinen biegen sich die Stämme früh von rechts nach links+

und +am Nachmittag in entgegengesetzter Richtung+. Zuweilen werden

in sechs Stunden Winkel von 200°, in einem Fall wurde sogar in drei

Stunden ein Winkel von 220° zurückgelegt. Zudem führen die Zweige um

ihre Wachstumsachse Torsionsbewegungen aus. Die +Biegung+ der Stämme

ist schliesslich eine ganz eigentümliche, sie +beginnt an der Spitze+

und +pflanzt sich+ von da in abnehmender Stärke +nach unten fort+,

+während+ die +Rückwärtsbewegung unten beginnt und oben endigt+, so

dass die letzten Internodien kurz vor ihrer Zurückbewegung zuweilen

mit der Achse einen spitzen Winkel bilden. Berücksichtigt man noch,

dass der Pollen in ausserordentlich reichlicher Menge erzeugt wird,

so dürfte nach alledem eine erfolgreiche Fremdbefruchtung der -- wie

ich glaube etwas vor den Antheren entwickelten -- weiblichen Blüten

gesichert sein. -- Herm. +Beyer+[11] spricht von einer gleichzeitigen

Bewegung der weiblichen Blüten nach der Oberfläche, an welcher der

vorher nicht entleerte Teil des Pollens umherschwimmt, doch habe ich

eine solche Bewegung nicht wahrgenommen.

Die eigentümliche Befruchtungsweise der Ceratophyllumarten (bei den

übrigen deutschen Arten _C. submersum_ und _C. platyacanthum_ wird

sie in gleicher Weise angegeben) steht allem Anschein nach in der

Mitte zwischen der der +Seegräser+ einer- und der Hydrocharidaceen

anderseits. +Bei den Seegräsern+ (_Zostera_, _Cymadocea_, _Halodule_

etc.) besteht der +Pollen aus algenähnlichen+ bis zwei Linien langen

+Schläuchen, welche+, vom spezifischen Gewicht des Wassers, +direkt+

in dieses +entleert werden und von den band- oder hakenförmigen Narben

aufgefangen die Befruchtung bewirken+; auch bei dem +Nixenkraut+

(_Najas_), dessen Blütenverhältnisse +Jönssen+ und +Magnus+ näher

studiert haben, kommen ähnliche Verhältnisse vor; die Pollenkörner

sind aber hier nach +Jönssen+ durch ihren Gehalt an Stärkekörnern

schwerer als das Wasser und sinken nach unten, um von den Fangapparaten

der tiefer sitzenden weiblichen Blüten aufgefangen zu werden (man

vergleiche aber die diese Auffassung berichtigende Bemerkung von

Magnus, nach dem erst die ausgekeimten Pollenkörner verbreitet werden).

+Durch den Mangel der Exine+, +der äusseren+ schützenden und oft mit

Stachelfortsätzen besetzten +Haut der Pollenkörner+ und das hohe

spezifische +Gewicht+ der letzteren stehen +die Hornblattgewächse

diesen+ submers blühenden +Seegräsern nahe+, während sie +durch+ die

sich loslösenden +aufsteigenden Staubgefässe an die Hydrocharideen

erinnern+. Von letzteren ist die Vallisnerie (_Vallisneria spiralis_),

die seit Jahrhunderten bekannte und schon vielfach poetisch und

prosaisch geschilderte Wasserblume, wie eine im indischen Ozean

heimische Verwandte (_Enhalus acoroides_), am charakteristischsten.

Die ganzen +männlichen Blüten lösen sich los und schwimmen+ während

der Dehiscenz +an der Wasserfläche umher, während die weiblichen

Blüten auf langem schraubenförmigen Stiele die Oberfläche erreichen+,

um hier von den im Winde hin und her getriebenen Staubblüten die

Pollenkörner aufzunehmen. Nach geschehener Befruchtung schraubt sich

ihr Stiel wieder auf den Boden zurück, um hier die Früchte zu reifen.

Auch bei der +Wasserpest+ (_Elodea canadensis_), deren weibliche Form

im Jahr 1836, nach Irland kam[12] und sich von da aus mit anfangs

erschreckender Schnelligkeit überall in Europa ausbreitete, steigen in

der nordamerikanischen Heimat die männlichen Blüten zur Höhe, um an

der Oberfläche ihre Pollenmassen in die auf gestrecktem Fruchtknoten

an die Oberfläche gelangten Stempelblüten auszuschütten. Bei _Hydrilla

verticillata_, einer einheimischen Verwandten der Elodea, ist der

Bestäubungsvorgang noch nicht ermittelt, wohl aber ein ähnlicher. Bei

der Verwandten unseres Laichkrautes, der +Meerstrands-Ruppie+ (_Ruppia

spiralis_), streckt sich der Stiel des weiblichen Blütenstandes ähnlich

wie der Blütenstiel der Vallisnerie schraubig zur Oberfläche, aber nur

die aus den Antheren austretenden Pollenkörner gelangen infolge ihres

geringen spezifischen Gewichtes zur Oberfläche, um dort herumschwimmend

die weibliche Narbe zu erreichen.

Die +Verbreitung der hakigen Früchte+ der Hornblattarten geschieht ohne

Zweifel +durch Wassertiere+ (Wasservögel, Wasserratten etc.), wie auch

die leicht zerbrechlichen Zweige, die durch Fische und andere, auch

über Land wandernde Tiere abgebrochen und an ihren hakigen Blättern

verschleppt werden, leicht und schnell weiterwachsen, so dass in

manchen Gegenden das Hornblatt eine der Wasserpest ähnliche Verbreitung

erreicht hat.

Zwei weitere submerse Wasserpflanzen, der Wasserschlauch

(_Utricularia_) und die ihm biologisch verwandte _Aldrovandia_,

verdienen nach den Hornblattgewächsen ohne Zweifel zunächst unsere

Beachtung.

[Illustration: Fig. 7.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Erster Band. · 第 23 / 112 题