_Agon_: c. 6, 16. 7, 3. 13, 4. Der jährlich zweimal in Athen
stattfindende dramatische Wettkampf an den städtischen Dionysien und
Lenaeen. Die Aufführung begann am frühen Morgen und dauerte mehrere
Tage. Jeder der Mitbewerber trat mit einer Tetralogie (drei Tragödien
und einem Satyrdrama) auf.--In den musikalischen Agonen wurden
hauptsächlich Dithyramben und Nomen gegeben, auf die c. 26, 3 angespielt
wird.--Auch der Redekampf der Parteien im Gerichtssaal hieß Agon. Darauf
bezieht sich die Bemerkung über die Wasseruhr (c. 7, 3).
_Amphibolie_ (Doppelsinn): c. 25, 14.
_Anagnorisis_ (Erkennung): c. 11, 2 definiert.
_Anapaest_ und _Trochaeus_, ohne: c. 12, 2. Weil jener ein
Marschrhythmus, dieser ein Tanzversmaß, eigneten sie sich nicht für das
stehend gesungene Chorlied (Stasimon).
_Artikel_: c. 20, 4. Bei Aristoteles noch nicht in unserem Sinne
gebraucht. So aber schon bei den stoischen Grammatikern. Dies ein
schwerwiegender Beweis gegen die Annahme der Unechtheit unseres
Kapitels.
_Auletik_: c. 1, 2. Da der von der Flöte begleitete Dithyrambus
unmittelbar vorher genannt wurde, so ist hier darunter die reine
Instrumentalmusik zu verstehen.
_Beiwort_, schmückendes (Kosmos): c. 21, 5. Definition und Beispiel sind
ausgefallen, daher die Deutung nicht ganz sicher. Es ist aber wohl das
epitheton ornans gemeint, das im Epos allerdings weit gebräuchlicher als
im Drama ist.
_Beugung_ (Flexion): c. 20, 7.
_Bindewort_: c. 20, 3.
_Buchstabe_: c. 20, 1.
_Demokratie_ in Megara: c. 3, 4. Um 590 v. Chr.
_Dithyrambische_ Dichtung: c. 1, 2. Hier und mit _einer_ Ausnahme auch
sonst nicht das uralte, noch strophisch gegliederte und inhaltlich
beschränkte dionysische Chorlied, aus dem nach c. 4, 8 die Tragödie
hervorgegangen sein soll, sondern der halb dramatische Dithyrambus, wie
ihn Aristoteles allein noch kannte. Die Flötenspieler scheinen dabei
auch schauspielerisch tätig gewesen zu sein (c. 26, 1).
_Episode_: Mit Ausnahme von c. 12, 2. [18, 6], wo das Wort etwa mit
"Akt" gleichbedeutend ist, stets in der auch uns allein gebräuchlichen
Bedeutung von einer Zutat, die mit der Handlung (S. 84) oder Erzählung
in nur losem oder auch gar keinem Zusammenhang steht.
_Flexion_: S. Beugung.
_Furcht_: Definiert c. 13, 2.
_Geschlecht_: S. Grammatik und Protagoras.
_Glosse_ (Fremdwort, Provinzialismus, Dialektwort): c. 21, 3.
_Grammatik_ (Redeteile, Geschlecht, Kasus, u.ä.): c. 20. 21. Trotz
mancher grundlegenden Vorarbeiten (S. Protagoras) befand sich die
Grammatik noch zur Zeit des Aristoteles in den Kinderschuhen Ihr
wissenschaftlicher Ausbau und die Terminologie werden erst den Stoikern
und alexandrinischen Philologen verdankt Der damals festgesetzten
Termini bedienen auch wir uns, durch die Vermittlung des Lateinischen,
bis auf den heutigen Tag, selbst unter Beibehaltung eines
Übersetzungsfehlers (Accusativ statt Causativ).
Wenn man es oft befremdlich gefunden hat, daß derartige scheinbar
elementare Dinge in einer Poetik ausführlich behandelt werden, so sei
dazu bemerkt, daß Aristoteles selbst einmal sie ausdrücklich als ihr
zugehörig bezeichnet hat.
_Halbvokal_ (Liquida): c. 20, 1.
_Jambos_: c. 4, 5. 9. Aristoteles sagt an ersterer Stelle, daß der
Jambos sich besonders passend für das Spottgedicht erwiesen habe. An der
zweiten, daß ebenso naturgemäß der jambische Trimeter sich schließlich
als das für den dramatischen Dialog geeignetste Versmaß herausstellte.
Darin liegt aber kein Widerspruch, denn hier wie dort galt es, soweit
wie irgend möglich, sich der Umgangssprache anzupassen und über den
Gesprächston nicht hinauszugehen.
_Katharsis_: "Reinigung": c. 6, 2. Die seit Lessing und besonders seit
Bernays (s. Einleitung S. XV) umstrittenste Stelle der ganzen Poetik.
Selbst über den Ort, wo die von Aristoteles versprochene genauere
Erklärung des Ausdrucks gestanden habe, ist noch keine Einigung erzielt
worden. Ohne auf die berühmte Kontroverse hier irgendwie näher
einzugehen, sei nur so viel im allgemeinen bemerkt, daß an zwei
Tatsachen nicht gerüttelt werden sollte: 1. Der Ausdruck ist eine
medizinische Metapher. 2. Er bezeichnet die _Wirkung_, nicht den _Zweck_
der Tragödie denn als diesen nennt Aristoteles wiederholt und
unzweideutig (c. 4, 2. 13, 6. 14, 2. 23, 1. 26, 8.) eine ihr
eigentümliche _Lustempfindung_. Damit erledigt sich auch die Frage von
selbst, ob dieses Endziel, von dem hier garnicht (S. 85) die Rede ist,
ein _ethisch-moralisches_ oder ein _aesthetisch-psychologisches_ ist
oder seinsoll. Was dagegen die kathartische _Wirkung_ anbelangt, so
dürfte Aristoteles beide Möglichkeiten anerkannt haben, im Gegensatz zu
Platon, der bekanntlich die erstere zwar forderte, aber der bisherigen
Tragödie wie dem Epos absprach und eine aesthetische überhaupt nicht
berücksichtigte.
_Kitharistik_: c. 1, 2. Die Guitarre (Lyra) war das übliche
Begleitinstrument des Nomos, der hier neben dem aulodischen Dithyrambus
wohl nur zufällig nicht mit aufgezählt wird (S. c. 1, 2). Dennoch wird
man wohl richtiger auch hier, wie bei der Auletik (s.d.) die reine
Instrumentalmusik verstehen müssen
_Klepsydra_: S. Wasseruhr.
_Kosmos_: S. Beiwort, schmückendes.
_Maschine_: c. 15, 7. Gewöhnlich bezieht sich der Ausdruck auf den
bekannten deus ex machina, dessen Erscheinen durch die Theatermaschine
auf der erhöhten, sogenannten Götterplattform (Theologeion)
bewerkstelligt wird. Hier handelt es sich ausnahmsweise in dem einen
Falle um den Drachenwagen der fliehenden Medea. In dem anderen der Ilias
entnommenen Beispiel (s. Homer, Ilias) ist die Bezeichnung rein bildlich
von jeder Göttererscheinung, die plötzlich wie hier Athene in die
Handlung eingreift, gebraucht.
_Metapher_: c. 21, 4 definiert. 22, 2. 7.
_Mimesis_ (nachahmende Darstellung): c. 1, 2 u.ö. Das Wort "Nachahmung"
erschöpft den Begriff dieses Kunstausdrucks nicht, denn er bezeichnet
bei Aristoteles nicht lediglich die Nachbildung von Gegenständen in der
Außenwelt, sondern vornehmlich die von Handlungen und handelnden
Menschen, ist also eine geistige Versinnbildlichung menschlichen Tuns
und Treibens. Es ist daher nicht richtig, wie man behauptet, daß die
künstlerisch schaffende Phantasie in der "Dichtkunst" des Aristoteles
unberücksichtigt geblieben ist. Auch die _lyrische_ Poesie hat
Aristoteles, schon laut Vorwort, von seiner Betrachtung nicht
ausgeschaltet, aber sie kommt für ihn nur soweit in Betracht, als sie
einen Mythos, eine Fabel oder eine Handlung enthält. Deren Erörterung
ist uns aber, wie die über die Komödie, verloren gegangen.
_Mitleid_: c. 13, 2 definiert.
_Nachahmende Darstellung_: S. Mimesis.
_Nichtlauter_ (Muta): c. 20, 1. (S. 86)
_Nomos_: c. 2, 3. Ursprünglich ein Chorlied im Apollokult. Seine
mannigfache und interessante Entwicklungsgeschichte fand durch Timotheos
(s.d.) ihren Abschluß, dessen erst in allerneuester Zeit wieder
entdeckte "Perser" uns jetzt eine klare Vorstellung von dieser
Dichtgattung, wenigstens für die Zeit des Aristoteles, geben. Es fehlt
uns aber noch ein vollständiges Beispiel des zeitgenössischen
Dithyrambus, um die Unterschiede zwischen beiden deutlicher zu erkennen.
In der uns vorliegenden Poetik spielt der Nomos eine sehr untergeordnete
Rolle, wohl weil er einen weniger dramatischen Charakter trug als der
Dithyrambus.
_Probleme_: c. 25, 1--22 Die literarische, wie die Textkritik der
Griechen entwickelte sich, und zwar schon ziemlich frühzeitig, an den
homerischen Gedichten. Von Aristoteles selbst gab es eine Schrift
"Homerische Fragen," die viel benutzt worden ist. In der Folgezeit,
namentlich unter den Alexandrinern, ist die Suche nach Widersprüchen,
sachlichen und textkritischen Schwierigkeiten in den homerischen Epen
und dementsprechend die Auffindung von "Lösungen" fast sportmäßig
betrieben worden. Der darauf verwandte Spürsinn wie die feine
Beobachtungsgabe ist bewunderungswürdig und sie haben begreiflicherweise
oft zu wertvollen Ergebnissen geführt. Andrerseits haben aber auch der
Ehrgeiz durch Scharfsinn zu glänzen und ein Mangel an Verständnis für
homerische Naivität zu sophistischen spitzfindigen und uns oft töricht
oder komisch anmutenden Erklärungen Anlaß gegeben. In einer Anzahl von
Fällen scheint man sogar das "Problem" nur irgend einer gelehrten oder
geistreichen Lösung zu Liebe glatt erfunden zu haben. Für all dies gibt
unser beispielreiches Kapitel Belege. Einige der hier erwähnten
"Probleme und Lösungen" finden sich bei späteren Erklärern des Homer
wieder, andere hat Aristoteles früheren Quellen entnommen. Wie viele
aber sein geistiges Eigentum sind, läßt sich nicht mehr feststellen, da
man ihm nicht ohne weiteres nur die annehmbaren Lösungen zuschreiben
darf.
8. "_Aber die Lanzen_ usw." Man meinte, daß bei der geschilderten
Aufstellung der Lanzen diese leicht umfallen, andere mit sich ziehen und
so die Nachtruhe des Lagers stören könnten. Die vorgeschlagene Erklärung
entlastet den Dichter, löst aber die angebliche Schwierigkeit nicht.
10. "_Die Mäuler zuerst_." Man stieß sich daran, daß bei der von Apollo
gesandten Seuche die "Mäuler" _vor_ den schuldigen Menschen
dahingerafft wurden. Die gegebene Lösung (S. 87) ist hinfällig, denn,
selbst wenn das Wort "Wächter" bedeuten könnte--es kommt nur noch einmal
in einem Verse der Ilias vor,--so trifft sie doch auf das folgende "_und
die hurtigen Hunde_," das demselben Bedenken unterworfen ist, nicht zu.
10. "_Der von Gestalt zwar häßlich_." Das "Problem" ist gar nicht
vorhanden und ist wohl nur erfunden, um die bei den Haaren
herbeigezogene, gelehrte Notiz an den Mann zu bringen. Denn gerade die
merkwürdige Verbindung eines unebenmäßigen Körpers mit Schnelligkeit der
Füße wollte der Dichter hervorheben, wie die Partikeln "men--alla"
(zwar--jedoch) beweisen. Die hier vorgeschlagene Lösung ergibt überdies
gar keinen verständlichen Gegensatz (Häßlich zwar von Angesicht, jedoch
schnellfüßig).
10. "_Mische reineren Wein_:" Den Anstoß, den man daran nahm, gibt
Aristoteles im Text an. Die Lösung beruht auf der ganz willkürlichen
Annahme, daß zōrós im Griechischen auch die Bedeutung "schnell" hat. Das
angeblich ethisch "Unpassende" (aprepés) gab auch später sehr häufig
Anlaß zu gewaltsamen Textänderungen und Deutungen.
11. "_Alle_" im Sinne von "Viele." Aristoteles muß in seinem Homertexte
"alle," nicht "andere," was sämtliche Hss, auch des Homer, bieten,
gelesen haben, denn sonst wäre die gegebene Lösung gegenstandslos. Unter
dieser Voraussetzung ist sie aber annehmbar, wird doch gerade das Wort
"alle" auch in anderen Sprachen besonders häufig hyperbolisch gebraucht.
11. "_Allein nicht teilnimmt_." Die astronomische Unrichtigkeit daß das
Bärengestirn _allein_ unter den am Pol befindlichen Sternbildern nicht
untergehe, hat die Kritiker viel beschäftigt. Die hier gegebene Lösung
findet sich aber sonst nicht. Sie beruht auf der Anschauung der
Allwissenheit des Homer, die später namentlich von den Stoikern zum
Prinzip erhoben wurde. Aristoteles hätte hier ruhig dieselbe
Entschuldigung gelten lassen können, die er für Pindar, der der Hindin
Hörner gab (c. 25, 5), anführt.
12."_Wir gewähren ihm_:" Dieses und das folgende Problem wie seine
Lösung--das erstere wird von Aristoteles noch einmal in einer linderen
Schrift ausführlich besprochen, aber ohne Hippias von Thasos zu
nennen--haben die Tatsache zur Voraussetzung daß Akzente und Handweichen
erst etwa um die Wende des 3. Jahrh. v. Chr. gesetzt wurden. Je nachdem
der Akzent bei dem Wort _didomen_ auf die erste oder zweite (S. 88)
Silbe fällt, kann es "wir gewähren" oder "gewähre!" bedeuten. Hippias
nahm das erstere an, nach dem Grundsatz des "Unpassenden" (s.o.), um so
die Schuld dem Agamemnon ein trügerisches Versprechen gegeben zu haben
von dem höchsten Gott auf den jenem gesandten Traumgott abzuwälzen. Die
spitzfindige Lösung befriedigte scheinbar selbst die alten Kritiker
nicht und so griffen sie zu dem Gewaltmittel den anstößigen Halbvers,
der jetzt an einer weit späteren Stelle steht, durch einen anderen zu
ersetzen, und dieser ist uns daselbst ohne Variante allein überliefert.
Hippias und Aristoteles können ihn aber noch nicht gekannt haben.
12. "_Das zum Teil_": Je nachdem das starke Hauchzeichen gesetzt wird
oder nicht, bedeutet _ou_ entweder "dessen" (hu) oder "nicht" (u). Dem
Sinne nach ist nur das letztere überhaupt möglich und so schreiben alle
unsere Homer hss und die alten Erklärer ignorieren das gar nicht
vorhandene Problem völlig. Hippias scheint es nur der Lösung halber
aufgeworfen zu haben.
13. "_gemischt was lauter zuvor_." Der fast völlige Mangel jeglicher
Interpunktionszeichen in der in großen Buchstaben abgefaßten Schrift war
zumal bei der freien Wortstellung im Griechischen eine beständige Quelle
von Mißverständnissen. Aristoteles sagt selbst einmal, daß es schwierig
sei, die Sätze des Herakleitos sinngemäß zu interpungieren. In unserem
Falle kann man im Griechischen das _zuvor_ ebenso gut mit _gemischt_ als
mit _lauter_ verbinden. Aus der vollständigeren, anderweitig
überlieferten Stelle ergibt sich aber, daß nur das erstere dem
Zusammenhang entspricht.
14. "_der größere Teil_". Man glaubte einen argen Widerspruch in der
angeblichen Behauptung zu finden, daß wenn zwei Drittel der Nacht
verstrichen seien, der größere Teil noch übrig bleiben könne. Ein alter
Erklärer nennt dies ein "überaus abgedroschenes Problem", das viele zu
lösen versuchten, darunter auch Aristoteles (nämlich in den "Homerischen
Fragen"). Das Problem existiert aber gar nicht, wenn man sich die a.a.O.
zitierte Stelle genau ansieht, womit sich auch dessen Lösungen
erübrigen.
15. Die drei auf Grund des Sprachgebrauchs entschuldigten
Ungenauigkeiten beruhen auf einer _Metonymie_, wie der technische
Ausdruck lautet. Wie Ganymed als "Weinschenk" der Götter bezeichnet
wird, obwohl diese keinen Wein, sondern Nektar trinken, so wird in noch
auffälligerer Weise Hebe geradezu _Weinschenkin_ (S. 89) _des Nektar_
(Ilias 4, 3) genannt, was für unsere Stelle ein noch besseres Beispiel
abgegeben hätte. Vergleichen kann man auch Tac. Germ. 22, wo von den
biertrunkenen Germanen _vinolenti_ gebraucht wird.
Daß die Beinschiene nicht nur aus dem weichen Zinn, sondern aus einer
Metallmischung verfertigt wurde, schloß Aristoteles vermutlich daraus,
daß in der betreuenden Iliasstelle die Beinschiene des Achilles vom
Wurfspieß Agenors getroffen nur mächtig erdröhnte ohne durchbohrt zu
werden.--Kupferschmied das ältere Wort, wurde noch beibehalten, als man
schon längst das Eisen bearbeitete.
Vergleichen kann man die Bezeichnung des Centumviralgerichts in Rom, die
bestehen blieb, als die Mitglieder weit über 100 zählten. Ähnlich
verhielt es sich mit den germanischen "Hundertschaften".
16. "_hielt die eherne Lanze an_": Ein vielbehandeltes "Problem". Der
berühmte alexandrinische Homerkritiker Aristarchos verwarf die ganze
Stelle und war der Meinung, die Verse seien von jemandem nur um ein
Problem zu schaffen interpoliert worden. Es handelt sich um die fünf
Metallschichten des Achilles-Schildes, von denen die Lanze des Aineas
zwei durchbohrt hatte und dann stecken blieb. Strittig war nun, ob die
Goldlage in der Mitte oder, was das natürlichste war, an der Außenseite
sich befand. Im ersteren Fall war die Stoßkraft des Speeres stärker
gehemmt. Vermutlich stammt die in unserem Homertext allein überlieferte
Lesart "eschen" statt "ehern" von einem Kritiker, der die weichere
Goldschicht an die Außenseite setzte, womit die Schwierigkeit in der Tat
so ziemlich beseitigt wurde.
_Prolog_: c. 5, 2. Dieser Prolog der primitiven Komödie ist in der uns
allein bekannten aristophanischen nicht vorhanden, aber in der späteren
mittleren und neuen, wie es scheint, wieder eingeführt worden. Wenn es
nun heißt, der Urheber sei unbekannt so setzt dies im Zusammenhang
voraus, daß das gleiche für den Tragödienprolog nicht gilt. Die Späteren
nennen ihn Thespis.--Als ein quantitativer Bestandteil der Tragödie wird
der Prolog c. 12, 1 definiert. Wieder ganz anderer Art war der
euripideische, auf den nur zweimal (Supplices, Bacchae) die Parodos des
Chors unmittelbar folgt.
_Qualen_, übermäßige: c. 11, 5. Falls nur körperliche gemeint sind, so
wäre allein der sophokleische, uns erhaltene Philoktet zu nennen. Sonst
kämen auch die Wahnsinnsausbrüche des (S. 90) Orestes im Orestes und in
der taurischen Iphigeneia wie der Hercules Furens von Euripides in
Betracht.
_Satz_ (Wortgefüge): c. 20, 8.
_Schauspieler_, Zahl der: c. 4, 9. 5, 2. Sie betrug nie mehr als drei.
Schon zur Zeit des Aristoteles waren die Schauspieler zu großem Ansehen
und Einfluß gelangt und erhielten Preise in den dramatischen
Wettkämpfen. Je nach der Bedeutung ihrer Rollen wurden sie als
Protagonisten, Deuteragonisten und Tritagonisten bezeichnet. Bereits
Sophokles soll in der Bearbeitung seiner Dramen berühmten Darstellern
Rollen auf den Leib geschrieben haben.
_Silbe_: c. 20, 2.
_Stasimon_: c. 12, 1.
_Substantivum_: c. 20, 5.
_Szenerie_, gemalte: c. 4, 9. Spätere behaupteten, daß schon Agatharchos
von Samos für Aischylos die Bühnenmalern eingeführt habe.
_Tetrameter_: c. 4, 9. Stets der trochäische. Siehe u. Trochäus.
_Tötung auf der Bühne_: c. 11, 5. Uns ist nur ein Beispiel, der
Selbstmord des Aias, erhalten und ein alter Erklärer des sophokleischen
Dramas bezeichnet dies als eine Seltenheit. Doch muß wohl Aristoteles
zahlreichere Fälle vor Augen gehabt haben. Wenn Hor. Ars Poetica 185
vorschreibt, daß Medea ihre Kinder nicht vor den Augen des Publikums
töten darf, so mag auch er eine derartige Tragödie gekannt haben,
Senecas Medea scheidet als reines Lesedrama aus. Noch am nächsten kommt
für uns der Todesschrei des gemordeten Agamemnon (Aischylos) und der
Klytaimestra (Soph. Elektra).
_Trimeter_: c. 1, 5. Stets der jambische Trimeter.
_Trochaeus_: c. 12, 2. S. Anapaest.
_Tragödie_: c. 1. Wenn hier nicht Thepsis, der allen Späteren als der
"Erfinder" der attischen Tragödie galt, sondern Aischylos als ihr
Begründer erscheint, so beruht dies auf der richtigen Erwägung, daß in
Wahrheit erst mit der Hinzufügung des zweiten Schauspielers eine im
Dialog sich vollziehende Handlung ermöglicht wurde.
/#
--, unglücklicher Ausgang der: c. 13, 4. Einschließlich der noch
erkennbaren Ausgänge verlorener Tragödien gestaltet sich das
Verhältnis der unglücklich verlaufenden zu den glücklich endenden
bei Euripides wie 46:16,[100] bei Sophokles wie 43:24, was (S. 91)
das berühmte Urteil über den ersteren kaum rechtfertigen würde. Ein
solcher Schluß ist jedoch nicht zwingend, wenn man bedenkt, daß dem
Aristoteles ein unendlich reichhaltigeres Beobachtungsmaterial zu
Gebote stand als uns. Es sei aber bemerkt, daß die im Texte
gegebene, auf der syrischen Übersetzung beruhende Fassung jene
Behauptung immerhin etwas abschwächt, denn die bisherige
Überlieferung lautete: "scheint Euripides der tragischste Dichter zu
sein".
#/
_Verbum_: c. 20, 6.
_Verwundungen_: c. 11, 5. Falls es sich nicht auch hier, wie bei den
Tötungen (s.d.), nur um Vorgänge auf der Bühne handelte, wofür es kein
sicheres Beispiel gibt ("Der verwundete Odysseus?" s.d.), so wären hier
allenfalls das Erscheinen des blinden Polyphem im Kyklops des Euripides
und der selbstgeblendete Oidipus im Oid. Tyr. des Sophokles zu nennen.
Aristoteles dürfte aber auch hier wieder, wie der Plural zeigt,
zahlreichere Belege gekannt haben.
_Vokal_: S. Selbstlaut.
_Wasseruhr_ (Klepsydra): c. 7, 3. In athenischen wie auch in römischen
Gerichtsverhandlungen war den Rednern eine bestimmte Zeitdauer
vorgeschrieben, die nach der Wasseruhr bemessen wurde. Zu demselben
Zwecke verwandte man noch im Jahre 1786 in Venedig, wie Goethe
berichtet, eine Sanduhr. Daß eine derartige Maßregel jemals bei einer
szenischen Aufführung im Gebrauch gewesen sein sollte, entbehrt jeder
inneren Wahrscheinlichkeit. Wenn man dies dennoch allgemein angenommen
hat, so geschah dies lediglich auf Grund einer falschen, jetzt in der
syrisch-arabischen Übersetzung aber richtig gestellten Lesart.
* * * * *
FUßNOTE:
[1] Eine kleine Probe der Bedeutung dieser Textesquelle gibt mein
Artikel im Philologus LXXVI (1920) S. 239--265
[2] Ein erneuter Versuch, die von Aristoteles selbst nicht aufgezählten
zwölf Lösungen unter die fünf Probleme zu verteilen.
[3] Poet. 7, 2, 1: Aristoteles, Imperator noster, omnium artium dictator
perpetuus.
[4] Von Heinrich VIII. sehe ich aus bekannten Gründen ab.
[5] Vgl. Goethe: "Original, fahr hin in Deiner Pracht! Wie würde Dich
die Einsicht kränken! Wer kann was Kluges, wer was Dummes denken, Das
nicht schon tausende vor ihm gedacht?" Aber selbst dieser Gedanke
ist--nicht originell! S. Ter. Eun. 41 nullumst iam dictum quod non sit
dictum prius.
[6] Gr. Finsler, Piaton und die aristotelische Poetik, Lpz. 1900: "Wenn
das wesentliche darin als Platonisches Gut erkannt ist, so läßt sich von
einer Kunstlehre des Aristoteles nicht mehr im Sinne einer durchaus ihm
eigentümlichen Theorie sprechen."
"Seine Poetik ist der Abglanz eines größeren Gestirns und hat ihre
Herrschaft durch die Jahrhunderte nur darum ausüben können, weil ihre
systematische Zusammenfassung mehr Eindruck macht als die zerstreuten
Lichter in den platonischen Dialogen" u. ähnl. passim.
[7] c. 3, 3. 4. 8, 1. 13, 4. 5. 18, 2. 22, 4. 25, 16.
[8] Hier ist die in der Politik (8, 7) versprochene, genauere Erklärung
der Katharsis ausgefallen.
[9] Sprachlicher Ausdruck und musikalische Komposition.
[10] Szenische Ausstattung.
[11] Fabel, Charakter, Gedanken.
[12] S. unter Wasseruhr.
[13] Odyss 19, 394--466, aber es ist dies hier nur eine episodische
Einlage, die einen bestimmten künstlerischen Zweck verfolgt.
[14] S. Namenverzeichnis unter Kypria.
[15] Soph. Oed. Tyr. 1002 ff.
[16] Eur. Medea 1225 ff.
[17] Soph. Antig. 1281 ff.
[18] Eur. Iphig. Aulid. 1213 ff. und 1368 ff.
[19] Eur. Medea 1310 ff.
[20] Homer Ilias 2, 155 ff.
[21] Vgl. Oed. Tyr. 103 ff. Vgl. c. 24, 9.
[22] Homer, Od. 19, 386-475.
[23] a.a.O. 21, 207--227.
[24] a.a.O. 19.
[25] Eurip. Iph. Taur. 566 ff. 747--785.
[26] a.a.O. 795--821. 796 "Was sagst Du? Hast Du einen Beweis dafür?"
[27] Homer, Odyss. 8, 521 ff. 9, I ff.27: Homer, Odyss. 8, 521 ff. 9, I
ff.
[28] Aisch. Choeph. 168 ff.
[29] 1002 ff.
[30] Eur. Iph. Taur. 566 ff.
[31] Tauros (Krim).
[32] Artemis.
[33] Eur. Iphig. Taur. 20 ff.
[34] Orestes.
[35] Apollo.
[36 33] a.a.O. 77 ff. 912 ff. 952 ff.
[37] c. 16, 2.
[38] a.a.O. 274 ff.
[39] a.a.O. 1130 ff.
[40] Odysseus.
[41] Poseidon.
[42] Telemachos.
[43] Telemachos, Eumaios, der Sauhirt, Philoitios, der Rinderhirt,
Eurykleia, die Amme des Odysseus.
[44] Ilias 1, 1.
[45] Die Stelle ist in allen Hss als zweite Definition des Bindeworts
wörtlich wiederholt, wo sie aber in der syrisch-arabischen Übersetzung
fehlt. Eine befriedigende Erklärung des Sinnes der beiden Definitionen
ist bisher nicht erzielt worden.
[46] "Mensch (ist) ein auf dem Lande lebendes, zweifüßiges,
vernunftbegabtes Wesen". So Aristoteles öfter, indem das Prädikat als
Apposition gefaßt wird.
[47] Homer, Odyssee 1, 185. 24, 308.
[48] Homer, Ilias 2, 272.
[49] Empedokles, Fragm. 138. 143 D.
[50] Timotheos Fragm. 22 Wilam.
[51] Empedokles Fragm. 152 D.
[52] Unbekannter Herkunft. Vielleicht ebenfalls von Timotheos oder von
Empedokles.
[53] Die Form ist zweifelhaft (ernygé, érnytes?) und sonst nicht
nachweisbar.
[54] Hom. Ilias 1, 11. 94. 5, 78.
[55] Empedokles Fragm. 88 D.
[56] Homer, Ilias, 5, 393.
[57] Kleobulina Fragm. 2 Bgk. Es ist der Schröpfkopf gemeint.
[58] Vgl. das bekannte: In Weimar und Jena macht man Hexameter wie den
da. Aber die Pentameter sind noch viel abscheulicher.
[59] ˘̅ bezeichnet die falsche Verlängerung.
[60] Dieser angebliche Vers ist nicht einwandfrei tiberliefert, doch ist
der Sinn für die Sache belanglos.
[61] Hom. Odyss. 9, 515.
[62] Hom. Odyss. 20, 259.
[63] Hom. Ilias 17, 265.
[64] Nicht mehr nachweisbar. Ähnlich jedoch Eur. Hec. 665, Andr. 63
(dómōn, statt domátōn, apó).
[65] Sehr oft und nicht nur bei Tragikern.
[66] Ebenfalls häufig. Beide zusammen in Eur. Orest 1642. _pros sethen,
ego nin_.
[67] Dieses Beispiel der Anastrophe ist nicht mehr nachzuweisen.
Vermutlich später hinzugefügt oder nach dem ersten zu stellen. _perí_
eigentlich = über, um.
[68] Homer, Ilias 2, 479--779.
[69] S. unter Ilias, die Kleine.
[70] Ilias 22, 198 ff.
[71] Ilias 22, 205: "Seinen Völkern winkte ab mit dem Haupte Achilles."
[72] Odyssee 19, 164--260. Vgl. 203: "Viele der Wahrheit ähnelnde Lügen
erzählte Odysseus." Penelope schloß aus der Wahrheit von 220--248, daß
nun auch, die Erzählung in 164--200 wahr sei, was nicht der Fall war.
[73] Soph. Oed. Tyr. 103 ff.
[74] Soph. Elekt. 681 ff.
[75] Telephos.
[76] Homer, Odyssee 18, 119 ff.
[77] Siehe Sachverzeichnis unter dem Worte.
[78] Siehe c. 24, 7.
[79] Pindar, Olymp. 3, 52, sowie andere Dichter und Künstler.
[80] Xenophanes Fragm. 34 D. "Und was nun die Wahrheit betrifft, so gab
es und wird es Niemand geben, der sie wüßte in bezug auf die Götter."
[81] Homer Ilias 10, 152 f.
[82] Homer Ilias, 1, 50 "_Aber die Mäuler zuerst_ griff er an und die
eilenden Hunde."
[83] Ilias 10, 316. _Der_--_häßlich_, jedoch gar hurtigen Fußes.
[84] Ilias 9, 202.
[85] Ilias 10, 11--13 "_Siehe_--_Felde_" 12 staunte er ... 13 "_ob der
Syringen und Pfeifen Getön und der Menge_ der Menschen".
[86] Ilias 18, 489. Odyss. 5, 275: "_Es_ (das Bärengestirn), _das allein
nicht teilnimmt_ am Bad in den Fluten des Meeres."
[87] Ilias, 2, 15. So im Homertext des Aristoteles, in unserem steht der
Halbvers 21, 297, dort ein ganz anderer. S. Probleme.
[88] Ilias, 23, 328.
[89] Empedokles, Fragm. 35, 14 f, D. (I³ 240). 89:
Empedokles, Fragm. 35, 14 f, D. (I³ 240).
[90] Ilias 10, 252f. Von--Teil. Zwei der Teile, jedoch der dritte Teil
blieb noch übrig.
[91] Ilias 21, 592.
[92] Ilias 20, 234.
[93] Nach Ilias 6, 341.
[94] Ilias 20, 272, wo statt "ehern" "eschen" überliefert ist, S. unter
"Probleme".
[95] Odyssee 4, 1--619.
[96] Eur. Medea 658.
[97] Vgl. c. 15.
[98] Ein Wortspiel, denn kalliás ist ein Wort für Affe und zugleich ein
häufiger Eigenname.
[99] Allbekannte Namen, wie Athener, Argot, Alkibiades u.a. sind hier
nicht aufgenommen, falls nicht ein besonderer Grund vorlag.
[100] Dabei habe ich die Alkestis, den Orestes und den Rhesos, sowie
natürlich die Satyrdramen nicht mitgerechnet, auch nicht die
zweifelhaften Fälle deren es eine kleine Anzahl gibt. Aischylos kommt
wegen der trilogisohan Verknüpfung seiner Dramen hier kaum in Betracht.