Die nachweisbar älteste Handschrift war ein in Unzialen ohne
Worttrennung oder Interpunktion geschriebener mit zahlreichen
Randbemerkungen versehener und spätestens dem 5./6. Jahrh. angehöriger
Kodex, dem der Schluß der Poetik aber ebenfalls bereits abhanden
gekommen war. Im 9. Jahrh. wurde er von einem Nestorianischen Mönch
wörtlich ins Syrische übersetzt. Diese Übertragung bildete ihrerseits
die Vorlage für die arabische Übersetzung des _Abu Bishar Matta_
(990--1037), die in einer arg ververstümmelten und lückenhaften Pariser
Hs des 11. Jahrh. erhalten ist. Aufs dem arabischen Text beruhte die
jämmerlich verkürzte, zum Teil sinnlose Paraphrase des berühmten
arabischen Gelehrten _Averröes_ (1126 bis 1198), denn die
orientalischen Übersetzer standen (S. XIV) dem Inhalt der Poetik mit der
denkbar tiefsten Verständnislosigkeit gegenüber. Eine genaue
Untersuchung hat aber den unwiderleglichen Beweis erbracht, daß jene
alte, griechische Hs einen weit vorzüglicheren Text darbot als die
älteste uns erhaltene Hs, der Parisinus 1741 aus dem 10. Jahrh. und daß
die bisher fast allgemein geltende Ansicht, dieser sei der Stammvater
aller späteren, übrigens sehr zahlreichen Hss, den Tatsachen nicht
entspricht.
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