3. Textgeschichte.

Die nachweisbar älteste Handschrift war ein in Unzialen ohne

Worttrennung oder Interpunktion geschriebener mit zahlreichen

Randbemerkungen versehener und spätestens dem 5./6. Jahrh. angehöriger

Kodex, dem der Schluß der Poetik aber ebenfalls bereits abhanden

gekommen war. Im 9. Jahrh. wurde er von einem Nestorianischen Mönch

wörtlich ins Syrische übersetzt. Diese Übertragung bildete ihrerseits

die Vorlage für die arabische Übersetzung des _Abu Bishar Matta_

(990--1037), die in einer arg ververstümmelten und lückenhaften Pariser

Hs des 11. Jahrh. erhalten ist. Aufs dem arabischen Text beruhte die

jämmerlich verkürzte, zum Teil sinnlose Paraphrase des berühmten

arabischen Gelehrten _Averröes_ (1126 bis 1198), denn die

orientalischen Übersetzer standen (S. XIV) dem Inhalt der Poetik mit der

denkbar tiefsten Verständnislosigkeit gegenüber. Eine genaue

Untersuchung hat aber den unwiderleglichen Beweis erbracht, daß jene

alte, griechische Hs einen weit vorzüglicheren Text darbot als die

älteste uns erhaltene Hs, der Parisinus 1741 aus dem 10. Jahrh. und daß

die bisher fast allgemein geltende Ansicht, dieser sei der Stammvater

aller späteren, übrigens sehr zahlreichen Hss, den Tatsachen nicht

entspricht.

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Über die Dichtkunst beim Aristoteles Neu übersetzt und mit Einleitung und einem erklärenden Namen- und Sachverzeichnis versehen von Alfred Gudemann 1921 · 第 30 / 65 题