Kapitel 5

Ich, Griz Custer, fand sie wieder in der Nähe des Raton Passes. Sie

waren nicht zu übersehen. Etwa eine viertel Meile vom Pfad entfernt, da

sah ich sie auch sitzen. Ich konnte das blonde Haar der beiden Mädchen

klar erkennen. Und da war Julia. Obwohl sie Männerkleider trug, war ihre

weibliche Form doch deutlich erkennbar. Sie hatten ein schönes Camp

gewählt. Steine natürlicherweise in einem Kreis angeordnet, bildeten wie

ein Sofa und Höcker und ein grosser Stein in der Mitte konnte als Tisch

benutzt werden.

Überhaupt war dies eine prächtige Gegend. Im Nordosten, die Prärie, im

Westen die Berge. Gut bewässert, grün bis in den Herbst hinein, verziert

mit den zarten Silbererlen, die hier überall an den Berghängen wuchsen.

Es war zauberhaft hier. Die Natur war noch unberührt. Aber, kaum zu

glauben, nur dreizehn Jahre später würde hier schon das eiserne Pferd, wie

es die Indianer nannten, durchpusten. Die Eisenbahnlinie über den Raton

Pass wurde 1878 vollendet. Auch dann blieb die Gegend noch eine Weile

unzivilisiert, doch die Dinge änderten sich schnell, hier im Westen.

Der Mann, der mit ihnen ritt, wie ich in Taos erfahren hatte, sass bei den

Mädchen. Es schien ein friedliches Bild. Der Mann war also ein guter

Begleiter. Diese Sorge konnte ich aus dem Kopf lassen. Er schien keine

Gefahr für meine Familie zu sein.

Doch da packte mich ein anderer Kummer. Was wäre, wenn Julia sich in ihn

verliebt hätte. Ich würde es ihr nicht übelnehmen. Eine Frau so ganz

allein und ein gut aussehender, netter Mann, da könnte es eben passieren.

Ich hätte auch nichts dagegen, falls sie sich ein Bisschen verliebt hätte.

Aber ich hoffte, es würde bei Liebe bleiben. Die beiden küssen zu sehen,

könnte ich nicht ertragen. Dann würde ich vielleicht davon reiten, um sie

nie wieder zu sehen. Aber das waren ja allzu negative Gedanken. Ich war

froh, dass sie alle da waren. Jack zwar hatte ich noch nicht gesehen.

Der Pfad verlief erhöht gegenüber ihrem Camp und ich konnte meilenweit

über ihr Camp hinaussehen. Trotz dieser guten Sicht über meine Geliebten

wollte ich mich weiter nähern. Dann konnte ich sie genauer sehen und

ihnen auch zuhören. Ich wollte aber nicht dass sie mich sahen.

Es gab da einen langen, niedrigen Hügel der sich vom Pfad bis nördlich von

ihrem Camp streckte. Dieser Hügel war zwischen den Felsen und Steinen mit

Gras bewachsen, doch Bäume gab es keine. Das war gut. Es würde das

Reiten einfacher machen. Der Hügel endete an einem kleinen Fluss. Die

Ufer dieses Flusses waren dicht mit Silbererlen bewaldet. Der Fluss und

dieser Wald zog sich bis ganz in die Nähe ihres Camps. Ich würde mein

Pferd beim Hügel lassen und mich dann durch den Wald in ihre Nähe

schleichen. Wenigstens ein Weilchen würde ich dort verbringen und mich

dann zum Pferd zurückbegeben um selber eine geeignete Campstelle am

Flüsschen zu finden. Doch es kam anders, als ich mir vorstellte.

Ich ritt sehr langsam weiter, um alles genau beobachten zu können. Ich

musste mir die Landschaft genau einprägen. Von hier aus hatte ich einen

guten Überblick. Es gab da noch ein Stück Wald das vom Fluss abwich und

ein Wald-Halbinsel bildete. Vielleicht wäre ich dort noch näher zu ihnen.

Jetzt ging der Pfad den kleinen Hägel hinauf um ihn zu überqueren. Ich

warf noch einen letzten Blick auf sie und sah nun auch Jack. Jetzt gings

die Hügelseite hinunter, die fünf verschwanden aus meinem Blickfeld. Ich

verliess den Pfad.

Jetzt konnte ich, ohne dass sie mich sehen würden, auf der Schattenseite

des Hügels entlangreiten bis zum kleinen Fluss. Es war schwieriges

Gelände mit viel Steinen und Löchern zwischen den Steinen. Ich wollte

nicht, dass Flake ein Bein bräche und so stieg ich ab und führte ihn.

Beim Fluss angelangt, tränkte ich ihn erst einmal ausgiebig. Er war sehr

durstig und ich auch. Wir ergötzten uns an dem klaren Bergwasser und ich

füllte meine Wasserflasche. Dann nahm ich ihm den Sattel ab. Ich band

Flake am Stamm einer Silbererle fest. Ich tat das mit meinem Lasso und

machte es so lang wie möglich, so dass er in diesem sommerlichen, noch

grünen Gras, weiden konnte. Solch gutes Futter hatte er schon lange

nicht mehr gehabt.

Ich liess meinen Hut und andere unnötige Dinge beim Sattel, nahm nur meine

zwei Colts und machte mich auf. Ich konnte kaum warten um sie von nah zu

sehen.

Ich schlich durch den Wald aber nicht besonders sorgfältig. Hier konnten

sie mich sowieso noch nicht sehen. Um so überraschter war ich als ich

plötzlich vor mir eine laute Männerstimme hörte : "Komm wir brauchen noch

mehr, das soll ein rechtes Feuerlein werden."

Ich zuckte zusammen. Ich sah vier Männer beim Holzsuchen. Das hatte ich

nicht erwartet und hatte sie auch erst zu meiner Linken gesehen, als ich

sie gleichzeitig hörte. Sie waren etwa achtzig Yard entfernt, nur der

eine war näher. Wie konnte ich nur so tollpatschig sein. Das sollte mir

eine Lehre sein.

Hatte ich diese Stimme nicht schon gehört. Ich duckte instinktiv. Sie

hatten mich nicht gesehen. Ich blickte durch die Wurzeln eines vom Blitz

gefällten Baumes. Ich traute meinen Augen nicht. Das war doch--ja das

war doch Billy Kane. Was suchte der denn hier. War er etwa meiner Frau

wieder auf der Spur. Oder wusste er überhaupt, dass sie sich in der Nähe

befand. Meine Frage sollte gleich beantwortet werden.

"Wir wollen doch ein kleines Festfeuerchen für die feinen Damen machen.

Die sollen doch bei uns auf Besuch kommen."

"Die kommen doch nicht auf Besuch, Billy, auf jeden Fall nicht freiwillig",

sagte ein anderer.

"Da hast du recht mein Junge. Dann zwingen wir sie halt. Was sagst du,

wir gehen in der Mitte der Nacht mal rüber, sobald die zwei Männer dort

eingeschlafen sind?" fragte Billy.

"Willst du sie im Schlaf erschiessen, Billy?".

"Nein, das könnte jemand hören. Ich sag, wir sollten sie fesseln. Aus

dem Wegchen schaffen können wir sie immer noch", erwiderte Billy. Dann

kicherte er: "Kommt, mehr Holz, mehr Holz, ich will was von den feinen

Dämchen sehen."

Ich war ja gerade zur rechten Zeit gekommen. Dieser Billy führte nichts

Gutes im Schilde. Ich fragte mich, ob er je etwas Gutes getan hatte. Ich

möchte es nicht mit meinem Leben bezeugen, aber ich denke nicht. Sie

schienen nicht den geringsten Respekt vor diesem Mann, der Julia

begleitete, zu haben. Sie schienen dem Gelingen ihrer Absichten gewiss.

Oh hätten die gewusst, dass ich mich hier versteckt hielt. Die würden

mich gleich zu einem Brei geschossen haben.

Zwei hatten sich an einem grossen Ast zu schaffen gemacht, Billy hatte mir

den Rücken zugekehrt und ging mit einem Bündel in Richtung Camp, wie ich

vermutete, denn ich hatte ihr Camp noch nicht gesehen. Der vierte aber

kamm genau in meine Richtung.

Sollte ich mich zurückziehen, jetzt wo er noch etwa vierzig Yard entfernt

war. Vielleicht konnte ich es noch unbemerkt schaffen. Oder sollte ich

warten. Vielleicht würde er gar nicht so weit kommen. Nein ich musste

weg. Er hatte wohl diesen gefällten Baum im Auge. Ich schlich mich weg

wie eine Schlange, auf Ellbogen und Bauch. Sehr langsam nur, denn er

durfte mich nicht hören. Jeden trockenen Zweig schob ich leise beiseite.

Er kam sehr schnell näher. Ich konnte ihn hören. Ich schaffte es gerade

noch hinter einen grossen Stein zu kommen. Er war schon beim toten Baum

angelangt. Würde er weiter gehen? Ich hielt meinen Atem an. Nein, ich

hatte Glück gehabt. Er fing an, Äste abzuhacken und nach einem Weilchen,

nahm er das Bündel und verschwand. Ich atmete erleichtert auf.

Auch ich verschwand. Ich war hier viel zu nahe. Ich ging zurück zum

Pferd und ritt eine Meile weiter dem Fluss entlang. Dort liess ich das

Pferd, und zurück ging es zu Fuss, diesmal vorsichtiger. Die Sonne stand

gerade noch über dem Gipfel des nähesten Berges. Bald würde sie hinter

den Berg sinken. Es würde noch etwa eine gute Stunde hell bleiben.

Ich kam beim gleichen Ort verbei. Hörte nichts. Doch jetzt! Ich konnte

ich sie in ihrem Camp vernehmen. Sie waren nicht gerade die leisesten

Burschen. Ich schlich an den Waldrand. Da war es, ihr Camp. Sie waren

gerade beim Kochen.

In der Ferne, etwa hundert Yard hinter ihnen sah ich Julia, die andern

waren verdeckt von den Bäumen, die hinter Billys Camp in die kleine Ebene

hinauswuchsen. Ich ging in den Wald zurück und schlich mich vom Fluss her

in die kleine Wald-Halbinsel hinein, die zwischen Billys Camp und Julias

Camp lag. Jetzt war ich nur etwa fünfzig Yard von Billys Camp entfernt.

Ich musste vorsichtig sein.

Ich war auch etwa fünfzig Yard von Julia. Ich wollte näher sein. So

kroch ich näher. Bis etwa zehn Yard. Jetzt sah ich ihre Gesichter und

konnte ihnen zuhören. Wie schön das war. Es wäre noch schöner gewesen,

wäre ich nicht so nahe einem Ameisenhaufen zu liegen gekommen. Die

kleinen Biester krochen über mich und verzehrten mich lebendig. Sie

stachen mich am ganzen Körper. Ich musste meine Position ändern. Das

brauchte eine schöne Weile und jetzt war es schon fast dunkel.

Falls ich einen Zweig knacken sollte war es hier nicht so gefährlich, da

Billy denken würde es käme von Julias Camp und Julia denken würde, der

Lärm käme von Billys Camp. Doch es war besser, Acht zu geben. So

brauchte jede Bewegung seine Zeit.

Jetzt konnte ich mich entspannen und zuhören. Es war schon dunkel. Ich

würde die Nacht hier verbringen müssen. Ja, Liebe verlangt ihre Opfer.

Gegessen hatte ich auch nichts, und die Düfte von Reis und Bohnen die von

Julias Camp wehten, waren verführerisch.

"Ich hab keinen grossen Hunger, Mam", klagte Lisa. Ich schon, dachte ich.

Ihr könnt ja das Essen in meine Richtung senden.

"Ich glaube uns ist allen der Appetit vergangen, ausser natürlich Jack,

der kann immer essen", sagte Julia mit trauriger Stimme.

"Mom, was Gutes würde es tun, nicht zu essen?" fragte Jack, der sich

verletzt fühlte, so als ob er sich nicht um das Wohl der Familie sorgte.

"Schon gut Jack. Trotzdem hätte ich gedacht, dass dir das Wohl der

Familie vielleicht ein Bisschen Sorge machen würde."

"Ich muss mich stärken, falls etwas mit diesem Billy passieren sollte.",

entschuldigte sich Jack. Die Stimmung schien gespannt. Sie schienen

alle etwas genervt. Kein Wunder auch, dieser Billy Kane war nicht zu

unterschätzen, auf jeden Fall nicht, wo es Böses und Lasterhaftes

auszudenken gab.

"Mom, glaubst du, wir haben diesen Billy zu fürchten, mit Stuart hier?",

fragte Sara. Das war eine geladene Frage. Julia könnte mit der Antwort

verraten, ob sie Stuart vertraute. Nun wusste ich endlich auch den Namen

dieses Mannes. So Stuart also--der Name gefiel mir.

"Es sind vier gegen einen", erwiderte Julia klug. "Glaubst du den vier

gewachsen zu sein?" wendete sie sich dann an Stuart.

"Mich zählt wohl niemand", brummte Jack.

"Jack, du bist noch jung. Du kannst zwar schiessen, aber du hast nie

gelernt zu Ziehen. Verstehst du", sagte Julia in freundlichem Ton.

"Mam, ich muss lernen, ich muss lernen. Wie kann ich dich sonst

beschützen. Von wem kann ich es nur lernen?"

"Jack du hast noch Zeit. Die Gelegenheit wird sich schon bieten.

Vielleicht kann Stuart dich lehren."

"Ja, Jack beeil dich nur, sonst gehts dir wie mir. Ich hab's immer für

unwichtig gehalten, schiessen zu lernen. Bin lieber Fischen gegangen.

Von mir kannst du wenig lernen, Jack. Ich vertrau mehr auf mein Glück.

Bis jetzt hab ich ja immer überlebt. Ist auch wichtig die richtigen Leute

zu kennen. Mit genug Geld kann man sich immer den nötigen Schutz kaufen."

"Was nützt jetzt Geld", sagte Julia verzweifelt. Ich hatte meine Antwort,

sie traute also Stuart nicht. Dann konnte sie ihn auch nicht lieben. Ich

war jedoch zu früh selbstsicher, denn sie fügte hinzu: "Entschuldigung,

Stuart, ich weiss dass nicht jeder ein Coltswinger sein kann. Wäre auch

nicht so wichtig, wären wir nicht gerade in dieser Situation."

Wären wir nicht in dieser Situation? Was meinte sie mit dem "wir". War

da schon eine Familiarität zwischen den beiden. Ich sorgte mich ein

Bisschen. Oh, Julia, werde mir nicht untreu, dachte ich, ich bin ja hier!

Liebst du mich noch? Du bist ja immer noch so hübsch. Meine Knie werden

immer noch weich, wenn ich dich sehe. Ich hab so ein komisches Gefühl in

meiner Magengegend. Oder waren das die Ameisenstiche?

Nein, sie war wirklich noch wunderschön, so furchteinflössend. Sie hatte

solche Macht über mich. So ist es mit der Liebe. Was für eine Macht eine

Person, die man liebt, über einen hat. Was man nicht alles für sie tut.

Sich mitten in der Nacht in einen Ameisenhaufen legen, nur so dass man

ihre Stimme hören kann. Oh wie demütig ein Liebender doch wird, wie

dienend, wie weich. Ja welche Macht die Liebe. Was ist ein Königreich,

was ist die ganze Welt. Würd ich Julia dafür tauschen? Doch nie!

"Mom, ich wünschte Dad wäre hier. Glaubst du, er könnte uns verteidigen.",

sagte Lisa. Oh danke, Lisa, dachte ich, das bringt ja alles gleich auf

den Tisch.

"Lisa, wir wissen ja nicht einmal, ob er noch am Leben ist. Eins weiss

ich zwar, er würde alles tun um uns zu verteidigen", sagte Julia mit

warmer Stimme. Oh vielleicht war da doch noch ein Bisschen Gefühl für

mich übrig, dachte ich. Aber es gefiel mir nicht, dass sie nicht daran

glaubte, dass ich noch am Leben war.

"Ich glaube, dass er noch am Leben ist", sagte Sara herausfordernd. Oh

es war schön Saras helle Stimme zu hören. Ihre Stimme war so süss.

"Ich hoffe es, ich hoffe es auch", sagte Julia. "Ich geh zu Bett. Gute

Nacht ihr alle."

Oh wie gern hätte ich ihnen ein Zeichen gegeben, dass ich noch am Leben

war. Doch das wäre nicht gut. Gerade jetzt war ich froh, dass ich es nie

getan hatte. Denn jetzt konnte ich sie besser beschützen, als ich es

sonst je hätte können. Sie gingen alle langsam in die Federn und ich

kroch langsam gegen Billys Camp um zwischen den beiden Camps zu sein, so

dass ich sehen konnte was in beiden vorging. Da ich im Wald nicht gut

schiessen konnte--die Kugeln würden sicher von einem Ast oder Aestlein

abgelenkt, es brauchte nicht viel--kroch ich an den Waldrand zwischen den

beiden Camps. Von dieser Position müsste ich nur noch ein Bisschen in die

Ebene hinausgehen und konnte auf beide Camps schiessen.

Ich schlief ein und wurde erst mitten in der Nacht geweckt, als Billy und

seine Burschen haarnahe an mir vorbeitrampten. Sie gingen so leise, wie

sie konnten und hätten doch eine Büffelherde aufgeweckt. Dazu wachte ich

beim kleinsten Geräusch, was seine Vorteile und Nachteile hatte. Im

Saloon zum Beispiel, schlief ich nie besonders gut.

Ich ging langsam und sehr leise hinter ihnen her. Als sie Jack und Stuart

fesselten, liess ich sie gewähren. Julia sollte wissen, dass Stuart kein

Beschützer war, und Jack sollte lernen, vorsichtiger zu sein. Ich

brauchte die beiden nicht. Ich konnte mich dieser Burschen erwehren. Ich

war schneller geworden. Sollten sie jedoch Jack und Stuart erschiessen

wollen, war ich bereit.

Jetzt kamen sie schon mit Julia, Lisa und Sara. Ich konnte mitfühlen, wie

es ihnen zumute sein musste. Sie fühlten sich ausgeliefert, hilflos und

innerlich wütend und zornig über ihre Hilflosigkeit. Die Burschen waren

jetzt alles andere als leise. Es war leicht für mich, mich wieder in den

Wald hinein zu stehlen, bis sie an mir vorbei waren. Dann trat ich wieder

auf die Ebene hinaus und folgte hinterher.

Als einer Sara einen Klaps gab, konnte ich mich kaum beherrschen. Ich

hätte ihn am liebsten gleich erschossen. Sie eilten zu ihrem Camp und

waren mir zwanzig Yard voraus.

Ich war jetzt fast bis zehn Yard an ihr Camp herangekommen. Ich musste

mich nur aus dem Schein des Feuers halten, dass sie sicher bald anzünden

würden. Ich trat hinter einen Baumstamm, der mich ganz deckte. Es war

ein Baum am Rand und da waren keine anderen Bäume mehr zwischen mir und

dem Camp. Ich konnte jetzt gut schiessen. Im Schein des Feuers würden

sie wie sitzende Enten für mich sein. Sie konnten nicht zurückschiessen,

denn geblendet vom Feuer, würden sie mich nicht sehen. Nur eines hoffte

ich, dass meine Frau und Kinder nicht zwischen uns zu stehen kamen.

Jetzt ging das ganze Theater los. Die Burschen beschäftigten sich mit dem

Feuer, um es so gross wie möglich zu machen. Sie packten Bündel von

dünnen Zweigen, drückten sie zusammen und warfen sie aufs Feuer. Das

Feuer loderte hoch und warf einen hellen Schein auf das Camp. Das Feuer

würde nicht lange so hell sein. Sie mussten sich beeilen und sie wollten

sich ja die Damen ansehen, wie sie gesagt hatten.

Trotz der Wärme des Feuers standen Julia, Lisa und Sara schlotternd da.

Ich durfte nicht zu lange warten. Ich hatte keine grossen

Sympathiegefühle für Billy und seine Burschen. Trotzdem wollte ich sie

nicht einfach niederknallen, ohne dass das Geringste geschehen war.

Natürlich hatte Billy schon einiges auf dem Gewissen, möglicherweise auch

den Brand des Saloons in Santa Fe.

Jetzt schupste Billy die drei Frauen vorwärts, um zu sehen, wo er das

beste Licht vom Feuer bekäme. Jetzt traf ein, was ich befürchtet hatte.

Sie kamen gerade zwischen mich und die Burschen zu stehen. Doch

glücklicherweise war er noch nicht zufrieden und schupste sie weiter. Er

schien, noch immer nicht zufrieden zu sein und spornte seine Burschen an,

noch mehr Holz aufs Feuer zu werfen.

Ungeduldig, wie ein Kind das nicht auf seinen Zuckerstengel warten will,

war er aber nicht bereit, länger auf das Feuer zu warten und befiel: "Na

zieht euch mal aus--seid nur nicht scheu. Oder soll ich euch Beine machen?"

Dabei drohte Billy mit seinem scharfen Bowiemesser.

Julia, Sara und Lisa fingen an, sich auszuziehen. Das durfte nicht sein.

Das wollte ich ihnen ersparen. Sie waren zwar nicht prudisch, waren nie

erzogen worden, ihre Körper zu verabscheuen. Es machte ihnen nichts aus,

nackt gesehen zu werden. Doch dies war anders.

Billy war weit genug gegangen. Jetzt war die Zeit gekommen, ihn zu

stoppen. Ich würde keine Gewissensbisse haben, wie früher. Das Gesetz

war nicht im Stande, Gerechtigkeit auszuüben und Leuten wie Billy das

Handwerk zu legen. Das Gesetz aber war hinter Unschuldigen, wie mich, her.

Es gab sicher Leute, die es nicht richtig fänden, dass ich das Gesetz in

die eigene Hand nahm, ohne eine Untersuchung, ohne einen Prozess, ohne

eine Gerichtsverhandlung. Doch welche Gerichte, Prozesse,

Gerichtsverhandlungen suchten die Wahrheit und die Gerechtigkeit. Ging es

nicht vielmehr um Geld und Ansehen. Strebten die Anwälte nicht mehr nach

Geld und Ansehen als Gerechtigkeit. Konnten die guten Anwälte nicht den

Entscheid zu ihren Gunsten beieinflussen. Und wer konnte die besten

Anwälte erhalten, doch der, mit dem meisten Geld. So der mit dem meisten

Geld konnte das Gericht beeinflussen. Die Gerichte waren nicht

unparteiisch und darum nicht gerecht.

Nahm aber jemand wie ich die Gerechtigkeit in die eigenen Hände, weil das

gerichtliche System versagte, dann würde er vom Gesetz gefahndet. Das nur,

weil den Gesetzleuten das Gesetz wichtiger war, als die Gerechtigkeit.

Es hatte ein Weilchen gedauert, bis Billy von der Gerechtigkeit eingeholt

worden war. Doch die Gerechtigkeit kommt. Früher oder später. Meiner

Frau wäre viel Kummer erspart geblieben, hätte die Gerechtigkeit früher

eingeschlagen. Doch alles hat seinen Zweck. Meine Frau würde ohne

Kummer nicht wachsen. Ich wollte aber, dass sie wuchs, dass sie lernte,

mir mehr zu vertrauen. Noch wusste sie nicht, wer ihr Beschützer war,

vielleicht ahnte sie es. Doch eines Tages würde sie es wissen und es

würde unsere Beziehung noch viel besser machen. So wie ich Gott trauen

lernte, der mich beschützte, so würde sie mir trauen lernen, der ich sie

beschützte.

Ich schoss mit beiden Colts. Ich schoss sie in die Stelle, die sie bereit

waren, an meiner Frau und Kindern zu gebrauchen. Ob ich so genau traf,

weiss ich nicht. Doch irgendwo traf ich sie alle, denn alle fielen auf

die Knie und stöhnten, doch nicht für lange. Ich wollte nichts riskieren.

Sie könnten versuchen, auf meine Frau und Kinder zu schiessen. Ich

wollte sie auch nicht quälen. Der erste Schuss war nur zu zeigen, worum

es ging. Ich schoss sie alle in den Kopf.

Es war vorbei. Ich stand still. Ganz still. Julia, Sara und Lisa

standen auch still. Sie standen da mit ihrem Mund offen und wussten nicht,

was sagen. Sara war die Erste, die sich bewegte und ihre Jacke anzog.

Keiner schrie in den Wald, in meine Richtung, in die Richtung von der die

Schüsse gekommen waren, wie ich erwartet hatte. Nur Julia sagte mit

freudiger Stimme : "Kommt." Dann eilten sie alle zu ihrem Camp. Sie

rannten an meinem Baum vorbei so nah, ich hätte sie berühren können und

wie gern hätte ich sie in meine Arme geschlossen. Ich begab mich in ihre

Nähe, und schlief in ihrer Nähe im Wald, bis zum Morgengrauen. Dann

schlich ich zu Billys Camp zurück. Ich brauchte ein Packpferd. Das nahm

ich mir auch und ritt zurück zu meinem Pferd Flake und kochte Frühstück.

Ich hatte Weizen und eine kleine Handmühle. So hatte ich immer frisches

Mehl. Ich kochte mein Flachbrot in der Pfanne und legte mich hin zum

Essen.

Ja, ich war schneller geworden. Ich hatte es geschafft gegen Billy Kane.

Ich konnte Stolz darauf sein. Doch es liess einen bitteren Geschmack im

Munde. Töten war kein schönes Geschäft. Doch ich sollte die gute Seite

sehen. Sehr wahrscheinlich hatte ich das Leben von Stuart und Jack

gerettet.

* * *

Ich folgte dicht hinter ihnen her. Immer hielt ich eine Distanz, von der

ich sie gerade noch sehen konnte, ihnen aber durch meine Anwesenheit nicht

auffiel. Sie sollten sich nicht gefolgt fühlen. Sie reisten weiter

gegen Denver, schienen es nicht eilig zu haben.

Am nächsten Tag sah ich sie in der Ferne vom Pfad rechts abbiegen. Wohin

wollten sie? Es war ja erst Morgen. Es war noch nicht Zeit zum Campieren.

Als ich näher kam, sah ich den reissenden, sprudelnden Fluss. Sie

wollten wohl ein Bad nehmen. Sie hatten es also gar nicht eilig. Mir

war's nicht ums Anhalten. Ich wäre gerne weitergeritten. Immerhin waren

die Black Brothers irgendwo hinter mir her. Doch ich wollte sie nicht

allein lassen.

So ritt ich auf dem Pfad bis zum Fluss. Erstaunlicherweise gab es da eine

Furt. Der Fluss rann hier über eine flache Stelle im Gelände und breitete

sich weit aus, war aber nur noch knöcheltief. Grosse Steine lagen

inmitten des Flusses. Um einige musste man herumreiten. So kam ich auf

die andere Seite des Flusses und suchte einen Weg dem Fluss entlang. So

sollte ich meiner Familie gegenüber kommen, mit nur dem Fluss zwischen uns.

Es gab wirklich einen kleinen Pfad dem Fluss entlang, ausgetreten von den

Reisenden die hier am Fluss halt machten. Ich führte mein Pferd, denn ich

wollte langsam gehen und wenn möglich nicht gesehen werden. Allerdings

wäre es nicht so aussergewöhnlich, dass ein anderer Reisender hier am

Fluss Halt machte.

Als ich in die Nähe kam, wo Julia und die Kinder waren, bog ich vom

kleinen Pfad ab, um einen Platz für meine Pferde zu finden. Es gab

grasige Stellen zwischen den Bäumen und ich band Flake und mein Packpferd

an, in solcher Weise, dass sie grasen konnte. Dann ging ich wieder zum

Fluss zurück und hier aus dem Dickicht konnte ich sie gut sehen, ohne

gesehen zu werden. Sie waren ein Bisschen flussabwärts von mir.

Ich machte mich bequem und schaute ihnen zu. Wegen des Getöses des

Flusses konnte ich ihre Gespräche nicht hören. Nach einer Weile

verschwanden Stuart und Jack. Sie gingen wohl jagen. Ich sah dass sie

ihre Revolver bereit hielten. Hasen gab es hier genug, vielleicht könnten

sie einen erwischen, oder noch ein besseres Gourmet Essen wäre ein wildes

Huhn, oder eine Ente. Wie gerne wäre ich mit Jack jagen gegangen. Ich

könnte ihm ein oder zwei Tricke zeigen. Ich wusste viel über Wild. Oh

könnte ich es doch an ihn weitergeben. Er schien interessiert zu sein.

Hatte das Jagdfieber wohl von mir geerbt. Ich konnte das Leuchten in

seinen Augen fast sehen, vorstellen konnte ich es mir auf jeden Fall, denn

ich war genau so, wenn es ums Jagen ging. Dabei liess es mich kalt, ob

ich etwas erwischte oder nicht, aber ich liebte die Pirsch.

Als die Männer weg waren, nahmen die Mädchen ein Bad. Ich freute mich,

Julia zuzusehen. Ich hatte sie schon lange nicht mehr so gesehen, und ich

staunte, wie gut sie noch beisammen war. Mit ihr ein Bad zu nehmen war

aber nicht mein Traum, den ich hatte Wasser nur zum trinken gern. Ich

hatte zwar ein Bad nötig, aber ein paar Tage konnte das noch warten.

Es war gut zu wissen, dass sie gewartet hatten bis Stuart verschwunden war.

So vertraulich waren sie also noch nicht. Ich war froh. Es fiel mir

ein Stein vom Herzen.

Sara war mir am nächsten, ich konnte sie gut sehen. Sie war so dünn und

trotzdem attraktiv. Sie war hochgewachsen und war eine junge Frau

geworden. Wie schön sie war und was für einen hässlichen Vater sie jetzt

hatte. Wir würden gar nicht mehr zueinander passen, ausser als Schöne und

Biest.

Lisa die immer aktiv war, hatte einen Stein gefunden, von dem sie ins

Wasser springen konnte. Sie wurde nicht müde es wieder und wieder zu tun.

Es war schön sie alle so unbekümmert zu sehen, so wie sie Gott geschaffen

hatte, eins mit der Schöpfung, als wären sie noch in Eden. Gesund,

schlank und kräftig waren sie alle, sicher gab es auf der ganzen weiten

Welt nichts schöneres zu sehen.

Ich lag hier im Gestrüpp so gemütlich und nach einem Weilchen wäre ich

fast eingenickt. Doch dann sah ich etwas, dass mich sofort auf die Kniee

brachte.

Plötzlich wurde Sara weggeschwemmt. Es sah fast so aus, als ob sie selbst

ins tiefe Wasser geplumst wäre, um zu schwimmen. Ich konnte aber schnell

sehen, dass sie nicht schwimmen konnte. Sie schwenkte ihre dünnen Arme

wie wild in der Luft. Sie schrie nicht, schien aber zu kämpfen, um an der

Oberfläche zu bleiben. Das Wasser trug sie mit atemberaubender

Geschwindigkeit.

Sie wurde vom tiefen Wasser um die grössten Steine herumgeschwemmt, an die

sie sich anzuklammern versuchte. Doch ohne Erfolg, den sie waren

schlüpfrig und die Kraft des Wassers viel zu gross. Es war nur ein

schwacher und wahrscheinlich instinktiver Aufwand, denn sie bewegte sich

so schnell, dass jeder Versuch sich anzuklammern, nutzlos schien. Die

kleineren Felsbrocken, über die das Wasser floss, waren viel gefährlicher.

Das Wasser schlug ihre Beine gegen diese Steinbrocken. Falls sie unter

ging, könnte auch ihr Kopf gegen diese schlagen, sie würde bewusstlos

geschlagen und ertrinken.

Ich musste schnell handeln. Es war zu spät hineinzuspringen, denn ich

müsste erst eine Stelle finden, wo ich ins Wasser konnte. Hier war alles

von undurchdringlichem Gestrüpp überwachsen. Sie war jetzt schon etwa

fünfzehn Yard weg von mir, und das Wasser ging schnell. Weiter unten im

Fluss verlangsamte sich das Wasser ein Bisschen, wie ich sehen konnte.

Dort musste ich hin.

Ich stürzte vorwärts zu meinem Pferd. Ich nahm mein Lasso vom Sattel und

sprang auf das Pferd--ohne Sattel. Ich ritt langsam zum Pfad zurück durch

die Bäume. Flake schien die Eile zu spüren. Er ging so schnell er konnte,

ich brauchte ihn nicht anzuspornen. Ich hatte das Mundstück

rausgenommen, so dass er grasen konnte. Ich führte ihn jetzt nur mit den

Sporen. Das war nur mit einem guten Pferd, wie Flake, möglich. Flake war

Gold wert.

Wir waren zum kleinen Pfad gekommen. Jetzt konnten wir galoppieren. Es

war unebenes Gelände und gefährlich. Aber wir mussten uns beeilen. Ich

spornte Flake an. Wenn es darauf an käme, würde ich lieber Flake

verlieren, als Sara.

Ich sah Sara hin und wieder im Wasser. Wir hatten sie überholt. Sie

kämpfte noch im Wasser. Kämpf weiter, dachte ich, kämpf weiter, als ob

ich sie mit meinen Gedanken und meinen gespannten Nerven anspornen könnte.

"Weiter, Flake, weiter!" flüsterte ich in seine Ohren. Er reagierte. Er

gab sein Äusserstes. Weit genug! "Brrrr!" stoppte ich Flake. Ich hatte

eine gute Stelle gefunden. Der Fluss war hier ziemlich schmal. Grosse

Felsbrocken, je einer auf dieser und der anderen Seite, dämmten das Wasser

ein. Das Wasser ergoss sich wie über eine Schwelle in einen tieferen

Teich. Enorme Wassermassen kamen hier durch. Ich sprang vom Pferd und

sprang auf den grossen Felsblock auf dieser Seite. Hatte es Sara so weit

geschafft? Mein Lasso war bereit.

Da kam sie schon, schneller als ich erwartet hatte. Lasso werfen hatte

ich von meiner Jugend auf gelernt. Es war für uns Cowboys nichts

Besonderes, das Hinterbein eines flüchtenden Kalbs vom galoppierenden

Pferd aus zu erwischen--und zwar genau zum richtigen Zeitpunkt, wenn das

Kalb das Bein vom Boden hob, in seinen eiligen Sprüngen.

Eine Hand war in der Luft. Ich warf das Lasso um ihre Hand zu erwischen.

Doch sie zog sie genau im falschen Moment zurück. Ich hatte sie verpasst.

Da gabs nur noch eines. Ich sprang in den Fluss. Sofort wurde ich von

der Gewalt des Wassers gepackt. Ich war noch unter Wasser, kämpfte mich

aber schnell an die Oberfläche. Ich hatte weniger Glück als Sara. Sie

war in der Mitte des Flusses. Das war der säuberste Weg, wo die meisten

Steine vom Wasserstrom auf die Seite geschoben worden waren. Doch ich war

auf der Seite hineingesprungen und wurde nun vom Wasser gegen einen

anderen Stein geschleudert. Er erwischte mich an der Hüfte. Ich glaubte

ich würde entzweigeteilt. Ich schmerzte, konnte mein Bein kaum bewegen.

Doch ich schwamm weiter. Ich vergass meinen Schmerz, denn ich wollte zu

Sara.

Das war ein schlechter Anfang gewesen. Es hatte mich schön gebremst und

mir auch gleich jeden Mut genommen. Sara war mir jetzt ein gutes Stück

voraus. Ich schwamm so schnell ich konnte. Langsam kam ich ihr näher.

Das Wasser ging langsamer hier. Es war ruhig im Vergleich zu vorher. Ich

war angelangt. Ich fasste Saras Arm. Ich hatte sie, oh, ich hatte sie.

Sie klammerte sich ganz schwach an mich. Sie war kaum noch am Leben. Ich

zog sie zum Ufer, zog wie verrückt. Ich hatte einen Arm um ihre Brust

gelegt und schwamm mit dem anderen.

Jetzt galt es eine Stelle zu finden, wo wir aus dem Fluss kriechen konnten.

Ich kam an die Böschung, packte eine Wurzel, doch konnte mich mit einer

Hand kaum halten. Doch jetzt hatten meine Beine Halt gefunden. Doch ich

glitt aus und fiel ins Wasser zurück. Die Wurzel brach und wir waren

wieder im Wasser. Ich versuchte es noch einmal, doch kam ich nicht die

Böschung hinauf. Ich liess mich wieder ins Wasser gleiten.

Ich musste mir etwas Anderes einfallen lassen. Ich hielt Sara über Wasser

in meinem linken Arm. Mit dem rechten Arm zog ich meinen Gürtel von der

Hose. Dann band ich den Gürtel um Saras Brust und hielt das eine Ende in

den Zähnen. Jetzt hatte ich beide Arme frei. Ich fand eine Wurzel und

kletterte die lehmige Böschung hinauf, das Ende des Gürtels noch in den

Zähnen. Es wurde jetzt aber zu kurz. Ich hob ein Bein über einen kleinen

Baumstamm und hielt mich mit dem Bein. Ich zog Sara mit beiden Händen

hinauf und fasste sie unter den Armen. Dann hob ich sie auf meine

Schultern und kletterte den Rest der Böschung hoch.

Wir hatten es geschafft, wenigstens soweit. Ich nahm ihr den Gürtel

schnell ab und hob sie bei der Hüfte auf und liess ihren Oberkörper

baumeln. Dabei kam dass Wasser aus ihren Lungen. Sie hatte viel

geschluckt. Sofort setzte ich meinen Mund an den ihren und blies.

Langsam--einen Atemzug nach dem andern. Ich lauschte. Nichts. Ich blies

wieder und wieder. War es zu spät?

Ich arbeitete mechanisch. Keine Gedanken gingen durch meinen Kopf, weder

hoffnungsvolle noch deprimierte. Ich tat einfach, was ich tun musste.

Dann fing sie an leicht zu atmen. Erst ganz sanft. Ein Weilchen atmete

sie leicht und dann nahm sie plötzlich einen tiefen Atemzug. Ihre Augen

waren immer noch geschlossen. Die Atemzüge waren kurz, zuckend. Doch

langsam wurden sie tiefer und ausgeglichen.

Jetzt entspannte ich mich ein Bisschen. Ich merkte erst jetzt, wie sehr

meine Hüfte schmerzte. Sara sah nicht einmal so schlecht aus. Sie hatte

keine Schrammen. War hier und dort zerkratzt und rot, doch schien nichts

gebrochen zu sein. Sie blutete ein Bisschen von ihren Händen, die

aufgeschürft waren. Jetzt bemerkte ich auch ein paar kleine Wunden an den

Füssen, die bluteten. Es war aber nicht schlimm.

Ich hatte mich auf einen Stein gesetzt und hielt Sara in meinen Armen.

Ich hielt sie sehr nahe, meine Lippen auf ihren Schultern. Ich küsste

ihre Schultern wieder und wieder. Sie fing an zu schlottern. Und da

plötzlich, sie öffnete ihre Augen und starrte mich an. Sie starrte mich

lange an. Ich hoffte sie hatte keinen Gehirnschaden erlitten. Konnte sie

nicht sprechen? Ich wartete.

Ich legte sie auf den Boden und zog meine nassen Hosen und meine Jacke aus.

Dann legte ich die Jacke um Sara und knöpfte sie zu. Vielleicht würde

sie das ein Bisschen aufwärmen. Dann versuchte ich ihr die Hosen

anzuziehen. Doch ich brauchte ihre Hilfe und sie schien noch immer nicht

ganz wach zu sein.

Da hob ich sie wieder auf, nahm sie in meine Arme und zog ihr die Hosen an.

Da hielt ich sie, meine kleine Sara. Wie glücklich ich war, dass sie am

Leben war. Wie glücklich! Sie schien bequem zu sein in meinen Armen und

schloss die Augen. Sie schlief ein. Ihr Herz klopfte immer noch hart.

Sie atmete schön regelmässig jetzt. Ich musste nur Geduld haben. Das war

nicht allzu schwer, denn es war schön, sie zu halten.

Sie schlief ein Weilchen und öffnete die Augen wieder und schaute mich

lange aus ihren grossen blauen Augen an. Von ihrem Gesichtspunkt starrte

sie einen Fremden an. Sie wusste ja nicht, wer ich war. Sie schien

erstaunt und etwas misstrauisch. Ja sie schaute mich geradezu

vorwurfsvoll an. Sie schien auch nicht zu wissen, was passiert war. Sie

nahm die Augen nicht von mir, sie starrte wie eine Puppe. Ich zog sie an

mich und verbarg ihr Gesicht in meinen Armen. So hielt ich sie ein

Weilchen. Dann schien sie die Liebe zu spüren. Sie legte ihre Arme um

meinen Hals und klammerte sich an mich, als wäre ich ein Felsen im

tobenden Meer. Ich hätte gerne gesagt: "Sara, meine kleine Sara". Doch

ich durfte nicht. Ich durfte nicht verraten, dass ich ihren Namen wusste.

Dann liess sie los und ich auch. Sie starrte mich wieder an und sagte

langsam: "Ich fiel in den Fluss." "Ja", sagte ich. Um vorzubeugen, dass

ich ihren Namen aus Ungeschick gebrauchte, fragte ich sie: "Wie heisst

du?" Sie dachte lange nach und wendete ihren Kopf. Ich dachte schon, dass

sie nicht antworten würde, doch dann sagte sie mit leiser Stimme, fast

flüsternd: "Sara."

Oh sie konnte wieder sprechen. Ein gutes Zeichen. Trotzdem war sie noch

nicht die alte Sara. Es würde ein Weilchen dauern. Hoffentlich hatte

sie keinen dauernden Schaden erlitten.

"Haben sie mich gerettet?" fragte sie dann. Manchmal schienen ihren

Gedanken sich nach innen zu kehren. Es schien ihr Mühe zu machen, zu

denken.

"Ja, Sara", antwortete ich. "Gehts dir gut?" Doch sie überschaute meine

Frage und erwiderte: "Wer sind sie?".

"Ich bin Griz Caldwell", sagte ich. "Nenn mich Griz."

"Und wer sind sie?" fragte sie wieder. "Ein Durchreisender, der dich in

den Fluss fallen sah."

"Danke", sagte sie dann still. Sie schien wieder müde zu werden. Dann

schlief sie nochmals ein. Ich legte sie auf den Boden und liess sie

schlafen.

Meine Hüfte sah böse aus. Ich hatte zwar keine Schramme aber der Knochen

schien arg zerquetscht. Jeder Schritt schmerzte. Ob ich wohl reiten

konnte. Hier stand ich nun in Hemd und Unterhosen, wie ein Narr mit einer

zerschmetterten Hüfte und war doch überglücklich dass ich meine Sara hatte

retten dürfen. So ist die Liebe. Ein Geheimnis.

Ich wusste wie besorgt Julia sein müsste, doch ich musste Sara ruhen

lassen. Sie konnte noch nicht zu ihrem Camp zurück. Julia müsste mir

vertrauen lernen. Ich konnte Sara auch nicht allein lassen. Sie hatte

noch nicht alle Tassen im Schrank. Könnte vielleicht sogar noch einmal in

den Fluss fallen. So wartete ich. Es durfte den ganzen Tag dauern. Ich

war froh bei Sara zu sein und dankbar dass sie gerettet war. Ich legte

mich neben Sara und hielt sie warm, sie schlief sehr tief. Auch ich

schlief ein. Ich weiss nicht wie lange wir so hindosten. Ich wachte

zuerst auf.

Dann wachte Sara auf. Sie erschrak ganz schön als sie mich sah. "Wer

sind sie?". Sie schien sich nicht mehr an vorher zu erinnern, doch schien

sie jetzt wieder ganz beieinander zu sein. Sie war die alte Sara. Der

Schlaf hatte ihr gut getan. Sie starrte mich an mit einem gewissen

Bedauern in ihrem Gesicht. Sie hatte die Narben bemerkt.

"Du bist in den Fluss gefallen, ich habe dich herausgeholt", sagte ich,

wie entschuldigend.

"Oh ja", sie schien sich zu erinnern. "Danke, vielen Dank. Ich wäre

ertrunken. Danke, dass sie mich gerettet haben."

"Wie fühlst du dich?" fragte ich. "Oh, gut", sagte sie. "Ich möchte zu

meiner Mutter."

Oh Sara, dachte ich, jetzt ist's wohl aus mit dem Halten und Umarmen. Sie

wollte ihre Mutter. Sie traute mir nicht so ganz. Doch ich war ein

Fremder für sie, sie konnte mich ja nicht erkennen. Ich sollte ihr nicht

böse sein. Ich machte noch einen letzten Versuch.

Ich ging zu ihr hin, legte meinen Arm um ihre Schultern und sagte: "Komm,

gehen wir zu deiner Mutter." Dabei hielt ich sie nah an mich und half ihr

entlang. Doch es schien ihr nicht wohl zu sein in meinen Armen und ihre

Muskeln waren gespannt. Nein, es hatte keinen Sinn, ich musste sie

loslassen. Ich nahm sie bei der Hand und führte sie. Das liess sie sich

gefallen. Doch in der Nähe des Camps war ihr dann auch das peinlich und

sie löste sich von mir.

Wir waren auf der Seite des Flusses wo Julias Camp war. Es ging eine

Weile, bevor wir ihr Camp erreichten. Sara ging sehr langsam. Sie war

immer noch etwas angeschlagen.

Lisa sah uns kommen. Als sie uns bemerkte schrie sie auf: "Sara, Sara du

bists. Wo ist den Mama?" Dann starrte sie mich an und ich sah ihre Augen

an mir heruntergehen. Besonders meine Unterhosen schienen ihr nicht

besonders zu gefallen. Oder waren es meine Beine? "Wer sind denn Sie?",

frage sie misstrauisch. "Gibt es in Ihrem Land keine Hosen?" Sobald sie

das gesagt hatte, sah sie die Männerkleider an Sara und entschuldigte sich

sofort.

"Oh Entschuldigung--sie haben sie ausgeliehen. Das ist aber nett von

Ihnen. Sie können sie gleich zurückhaben." Dabei eilte sie zu den

Packpferden, um Sarah frische Kleider zu holen.

Sara kleidete sich vor mir ohne Hemmungen. Ich bekam meine Hose und Jacke

zurück. Sie waren noch immer nass. Ich zog sie trotzdem an. "Kleines

Mädchen, hättest du mir nicht eine Decke?" fragte ich Lisa.

"Eine Decke habe ich schon, Mister, aber klein bin ich nicht. Vielleicht

sollt ich warten bis Sie das zurücknehmen, bevor ich Ihnen eine Decke hole."

Dabei lachte sie und machte sich auf den Weg. Sie brachte mir eine

Decke und legte sie sogar liebevoll um meine Schultern. Was für zwei

süsse Kinder ich hatte. Sogar mit dreizehn war Lisa reif genug, um über

sich selber lachen zu können. Viele lernen das nicht einmal mit vierzig.

Ich hätte mich davon machen sollen, doch war ich nicht bereit die Mädchen

allein zu lassen. "Wie heissen Sie denn, meine kleine grosse Dame?",

fragte ich Lisa. "Lisa Carter ist mein Name.", sagte sie höflich. Julia

hatte sie gut gelehrt. Ich war froh sie gebrauchten nicht den richtigen

Namen, denn zum Beispiel die Black Brothers hätten sie erkennen können.

Es war zwar nicht wahrscheinlich, dass die Black Brothers meine Familie

treffen würden, aber man konnte nie vorsichtig genug sein. Neuigkeiten

reisten schnell in diesen Gegenden, und ein unbedachtes Wort konnte einen

in Schwierigkeiten bringen.

"Sehr erfreut, Miss Carter. Ich bin Griz Caldwell."

"Caldwell, oh so hat meine Grossmutter geheissen.", sagte sie schnell,

biss sich dann aber auf die Lippen. Solche Information gibt man nicht an

einen Fremden weiter. Je weniger persönliche Daten man aussähte, desto

besser. Ich sah das Lisa das verstand. Es war aber besser, dass sie

diesen Fehler mit mir gemacht hatte, als mit einem wirklich Fremden.

"Haben sie Sara gerettet? Wie ist denn das alles gekommen?" Ich

erzählte ihr die ganze Geschichte in allen Einzelheiten. Ich liess nur

aus, warum ich auf der andern Seite des Flusses gewesen war. Es verstand

sich von selbst. Ich war ein Durchreisender und hatte am Fluss Halt

gemacht und dabei gesehen, wie Sara in den Fluss gefallen war. Ich liess

auch aus, wie sehr ich es genossen hatte, Sara auf meinem Schoss zu halten.

Sie schien meine Geschichte zu geniessen. Da sie ein gutes Ende hatte,

war es auch verständlich. Sie sass da mit gespanntem Körper und schien

nochmal durch alles hindurch zu leben. Sie hörte mit offenem Munde zu,

und nur ab und zu sagte sie "Oh" und "Ah". Das war Lisa.

Auch Sara hörte gespannt zu, denn sie konnte sich nicht mehr an alles

erinnern. Hie und da fügte sie hinzu, wie es von ihrer Perspective

ausgesehen hatte. Sie konnte sich bis an den Moment erinnern, wo ich sie

erreicht hatte und ihren Arm gepackt hatte. Von dort an war alles

schwarz in ihrem Gedächtnis.

"Hab ich Sie nicht schon einmal gesehen?" fragte da Lisa. Ich erschrak.

Ob sie mich erkannt hatte? "Waren Sie nicht im Saloon in Santa Fe?" Oh

gut, von dort erinnerte sie sich also an mich. Ich war erleichtert. Ich

war aufgefallen im Saloon, weil ich gleich beim Wirt stand. Es wäre

unnütz, es zu leugnen. "Ja, sagte ich, ich glaub, ich hab euch auch

gesehen. Wart ihr nicht die, die von Billy Kane belästigt wurden?"

"Ja, das waren wir." Sie sagte nicht mehr. Sie hatte gelernt ihren Mund

zu achten. Es wäre schlecht gewesen, hätte sie herumerzählt, dass Billy

Kane tot war.

"Wie haben Sie ihre Narben gekriegt?", fragte Lisa. Das war Lisa,

unbekümmert, ohne Hemmungen, einfach gerade heraus mit der Frage.

"Im Duell", sagte ich und senkte meinen Kopf. Es machte mich traurig,

dass meine Narben so offensichtlich waren. Lisa bemerkte das sofort und

versuchte mich zu trösten: "Es sieht nicht so schlimm aus, Mister, sie

brauchen nicht traurig zu sein."

"Es macht sie männlich und sie sehen zäh aus", fügte Sara hinzu, deren

Herz sich gegen mich sehr erwärmt hatte in den letzten Minuten, besonders

als sie die Geschichte ihrer Rettung erfuhr.

Da Lisa bemerkte, dass ich immer noch am Schmollen war, versuchte sie mich

weiter aufzumuntern: "Ich möchte Ihnen noch danken, Mister, dass Sie meine

Schwester gerettet haben. Es ist ja nicht selbstverständlich. Ich liebe

sie nämlich und möchte sie nicht verlieren, obwohl wir uns hie und da

necken." Sie wartete auf eine Antwort.

"Oh gern geschehen, Miss Lisa. Ich konnte sie ja nicht ertrinken lassen."

sagte ich ausweichend. Ich hörte Pferdehufe von der Richtung, wo ich mit

Sara hergekommen war. Es war Julia. Sie hing über ihrem Pferd und weinte

bitterlich.

"Mama, Mama, ich war um dich besorgt", schrie Lisa.

"Sara, Sara--träume ich oder hab ich meinen Verstand verloren.

Sara--bist du das wirklich. Bist du ok? Fehlt dir nichts? Bist du nicht

verletzt? Wie hast du es nur geschafft?" schrie Julia. Sara rann ihr

entgegen und die beiden umarmten sich und küssten sich und weinten. Sie

schienen nicht genug voneinander zu bekommen. Besonders Julia wollte Sara

einfach nicht loslassen.

Lisa war inzwischen auch hinzugerannt und nahm Teil an den Umarmungen und

Küssen. Sogar mein hartes Herz wurde gerührt und ich wäre am Liebsten

auch hingerannt. Eine Träne oder zwei rollten auch über meine Wangen.

Dann fingen die Mädchen an zu erzählen. Die Geschichte wurde immer

aufgeblasener. Ich wurde als veritabler Held hingestellt. Ich hatte mein

Leben riskiert, um ihres zu retten. Ich musste mit dem Fluss kämpfen.

Ich ertrank beinahe selbst, als ich versuchte Sara die Böschung

hinaufzubringen. Lisas Phantasie war heissgelaufen.

Nach einer Weile kamen sie näher und als Julia mich sah, erschrak sie.

Sie erbleichte. Hatte sie mich erkannt? Was sonst ging durch ihren Kopf.

Ich versuchte die Geschichte ein Bisschen realistischer zu machen und

sagte: "Missis Carter, so dramatisch war es auch wieder nicht. Mein Leben

war nie in Gefahr."

Doch sie hörte mir gar nicht zu, stattdessen kniete sie bei mir nieder,

nahm meine Hände in die ihren, und dankte mir überschwenglich: "Oh wie

kann ich Ihnen nur danken, Mister. Sie haben keine Ahnung, wie dankbar

ich Ihnen bin. Ich glaubte schon, Sara verloren zu haben. Doch Sie haben

sie gerettet. Ich weiss jetzt vom Geschehen, dass ich es nie hätte

schaffen können. Ich hätte Sara nicht selber retten können. Ich hätte

mein liebes Kind verloren." Dabei fing sie nochmals an zu weinen. "Doch

Sie haben sie gerettet, und ihr eigenes Leben gewagt."

Sie sprach weiter und weiter bis es mir fast peinlich wurde. Es war so

eine komische Situation. Da war meine Frau. Sie hielt meine Hände und

war mir so nah und doch so fremd. Ich durfte ihr nichts zu erkennen geben.

Ich durfte sie nicht merken lassen, wie familiär sie mir war, wie gut

ich sie kannte, wie selbstverständlich es war, dass ich Sara gerettet

hatte.

"Oh gnädige Frau, bitte beruhigen Sie sich. Ich hab doch nur getan, was

natürlich war." Doch ich konnte sie nicht davon abbringen, mir noch

ausführlicher zu danken. Jedesmal wenn ich etwas sagte, um mein Heldentum

auf einen niedrigeren Stand zu setzen, fing sie von Neuem an, mir zu

danken. So wurde ich still und sagte kein Wort mehr. Ich liess es

einfach über mich ergehen.

Als sie sich beruhigte, sagte ich schnell: "Da ihr jetzt alle wieder

zusammen seid, braucht ihr mich nicht mehr. Bitte entschuldigt mich, ich

muss nach meinem Pferd schauen. Ich hab es einfach stehen gelassen." Ich

wollte weg und weitere umbequeme Fragen vermeiden.

"Oh, Mister nehmen Sie doch eins von unseren Pferden, dann müssen sie

nicht zu Ihrem Pferd laufen. Und kommen Sie doch zurück, wir hätten sie

gerne zum Essen hier."

"Ja, bitte kommen sie zurück, wir müssen doch alles Jack und Stuart

erzählen" fügte Lisa hinzu. Sie schien das Drama in der ganzen Affäre zu

geniessen.

Sara kam noch einmal zu mir und schüttelte meine Hand mit einem dankbaren

Blick, ohne etwas zu sagen. Mein Herz stand fast still. Oh wie ich sie

liebte. Ich liebte sie alle, doch ich musste weg.

"Schon gut, Missis Carter, ein kleiner Spaziergang wird mir gut tun. Auf

Wiedersehn. Ich hoffe wirklich euch wieder einmal zu treffen," sagte ich

aufrichtig und schritt schnell weg. Ich versuchte nicht zu hinken, obwohl

meine Hüfte schmerzte, sonst hätten sie mich sicher zum Bleiben überredet.

Ich fand mein Pferd wieder und sogar das Lasso hatte sich in ein paar

Zweigen verfangen und war nicht den Fluss hinuntergeschwemmt worden. Nur

meine Hüfte schmerzte noch. Ich konnte aber reiten. Morgen würde es

noch mehr schmerzen. Ich ritt am Fluss entlang. Ich wollte eine

Campstelle finden. Als ich bei ihrem Camp vorbei kam, sahen sie mich und

winkten über den Fluss. Ich winkte zurück. Ich sah, dass Jack und Stuart,

die mittlerweilen zurückgekommen waren, drei Hühner geschossen hatten.

Ich freute mich mit Jack.

Ein Bisschen Fleisch hätte mir auch gut getan, doch mit meiner Hüfte

wollte ich nicht weit. Ich wollte sowieso in ihrer Nähe bleiben, jedoch

unbemerkt. Ich fand ein Camp am Fluss nicht weit von wo ich in den Fluss

gesprungen war. Ich schnitt einen langen Stock, befestigte Schnur daran

und am Ende der Schnur einen Fischhaken. Mit ein Bisschen Pferdehaar

formte ich eine Fliege und band sie an den Haken. Im Nu hatte ich einige

Forellen gefangen. Das würde mein Dinner sein. Mein Schöpfer hatte mich

aus seiner Schöpfung versorgt.

Ich konnte es mir nicht verkneifen, in der Dunkelheit doch an ihr Camp

anzuschleichen und zwar nah genug, um ihre Konversation zu hören. Im

Besonderen wollte ich erfahren, was Julia über mich, das Narbengesicht,

dachte. Das Gespräch drehte sich auch sehr viel um mich, mit den

Geschehnissen des Tages.

Ich erfuhr, dass sie glaubte, ich hätte die Indianerfrau geschickt. Sie

glaubte auch, dass ich Billy Kane erschossen hätte. Und sie glaubte dass

ich ihnen folgte, denn sie glaubte, dass ich ein Revolvermann war, der von

Josh Custer geschickt worden war, um sie zu beschützen. Sehr interessant,

dachte ich.

Lisas Halstuch hatte ich noch immer nicht zurückgegeben können.

Ende diese Project Gutenberg Etextes "Frauen und Kindern auf der Spur", von

Rohner

*** x-header ***

Frau und Kindern auf der Spur · 第 8 / 8 题