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Kaspar Krumbholtz
Roman
von
Herm. Anders Krüger
Georg Westermann
Braunschweig / Hamburg / Leipzig
+Copyright 1910 by Alfred Janssen, Hamburg+
Der Kampf mit der Welt
~Motto~:
Der letzte leise Schmerz und Spott
Verschwindet aus des Herzens Grund.
Es ist, als tät der alte Gott
Mir endlich seinen Namen kund.
~Gottfried Keller~
Marie v. Ebner-Eschenbach
und der
Germanistic Society of America
zum Dank
Inhaltsverzeichnis
Seite
~Erstes Buch~: ~In der Kelter~ 11
1. Kapitel: Der Holzkollege 13
2. " Antrittsbesuche 26
3. " Der angehende Weltmann 47
4. " Der Gottsucher 70
5. " Das Londoner Magdalenchen 86
6. " Feriengäste 102
7. " Die Tänzer 130
8. " Die pädagogische Ohrfeige 138
9. " Abschiedsbriefe 168
10. " Die Synode 186
~Zweites Buch~: ~Gärender Most~ 215
1. Kapitel: Im Rock des Königs 217
2. " Sündenfälle 227
3. " Charlotte 268
4. " Auseinander 281
5. " Die Moravenrunde 309
6. " Carina 321
7. " Silvester 358
8. " Die neue Welt 370
9. " Shaky San Francisco 387
10. " Heimkehr 411
Erstes Buch
In der Kelter
Erstes Kapitel
Der Holzkollege
Samstag Abend wars. Wieder war eine Woche vorüber, und zwar eine
besonders böse, die letzte der Osterferien, in denen überdies die
Ordnung mit Frühling und Schulfreiheit in harter Fehde lag.
Die Lehrerschaft der Tramberger Knabenanstalt versammelte sich nach und
nach zum gewohnten Teeabend im Konferenzzimmer.
Schmauchend und schwatzend saßen bereits die dienstfreien Stubenlehrer
um den länglichrunden Eichentisch. An den beiden Polen, möglichst
weit voneinander entfernt, hatten sich Herr Schlegelmeyer von der
1. Stube, der sogenannte Chef der heute noch feiernden Lehrerreihe,
und Herr Schnäbele, der angehende Missionar, dem die Vierten in
Liebe untertan waren, niedergelassen; dazwischen Bruder Teuchert
und Behring, die Lehrer der 2. und 3. Stube. Auf den beiden
Ehrenplätzen des alten Ledersofas thronten mit Würde der umfangreiche
Mitdirektor, Bruder Leonhard Ludwig Lohmann, genannt L³, und der
magere Hypochonder, Religionslehrer und Pfleger, Bruder Wiesendahl.
Seitab in seinem geliebten Schmollwinkel, unter 17 Bänden von Meyers
Konversationslexikon, sog still an seiner langen Pfeife der wortkarge
Supernumerar Bruder Hinzelmann, und am Klavier endlich phantasierte
versunken und weltentrückt in leisen Akkorden Herr Vogel, der
Musiklehrer.
Die Tür flog heftig auf und zu. Herr Thilo Kratt, der trotzige
Hessenhüne und Bändiger der Ersten, trat höflich grüßend an den Tisch,
rieb sich behaglich die Hände und knurrte doch scheinbar grimmig: »Mer
hunns, mer kunns, die Bengels sind in der Falle!«
Der Mitdirektor fragte verbindlich lächelnd: »Sie meinen die lieben
Zöglinge?«
»Jawohl, Rasselbande,« erwiderte Kratt mit Laune, »ist ein wahrer
Segen, daß am Montag der Hundetrab wieder beginnt.«
»Sie meinen den angenehmen Schulunterricht --«
»Den Deubel mein ich, mit Verlaub, Herr Mitdirektor, aber wenn man
von 6 Uhr früh bis abends 9 Uhr vor der Rotte Korah da oben mühsam
Schriftdeutsch geheuchelt hat, dann ist man doch heilsfroh, hier
unten mal wieder Männerworte schmettern zu dürfen in der Urväter
Umgangssprache.«
»Sell isch gewieß, sell isch nit verloge!« schwäbelte Herr Schnäbele
bestätigend, und alles lachte. Nur Herr Schlegelmeyer wandte in
edelstem Hannoveranerdeutsch ein: »An Ihrer Stelle spräche ich eben
beständig in der Schriftsprache.«
»Na, dann tun Sies nur in Gottes Namen, will gar nicht stören,«
erwiderte Kratt schmunzelnd, »werde mich freun, wenn Sie mich würdig
bei der Satansbrut da oben vertreten, pardon, Herr Mitdirektor, ich
meine die lieben Zöglinge.«
Geschmeichelt verneigte sich L³ und fragte dann: »Wo bleiben denn die
beiden bösen Buben?«
»Pardon --« unterbrach ihn Kratt nun grinsend, »Sie meinen die lieben
Herren Kollegen Knortz und Muffke.«
Wieder lachte alles, am herzlichsten L³. Da traten die eben genannten
Lehrer der 2. und 3. Stube ein und grüßten mit einem forschen: »Nabend,
Kinnings!«
Karl Knortz, genannt Moritz, und Martin Muffke, genannt Max, waren zwei
handfeste Mecklenburger und als zwei immer vergnügte Menschenkinder
von allen Kollegen gern gesehen; nur Herrn Schlegelmeyer waren sie zu
unfeierlich, oft gar zu kurz angebunden oder zu witzig.
Auch jetzt erregte der ungenierte Moritz des Reihenchefs höchstes
Entsetzen, als er frischweg behauptete: Kollege Schlegelmeyer
(der natürlich die Mäßigkeit in Person war) habe bereits allen
Tee weggetrunken. Und Max bestätigte schleunigst zum allgemeinen
Gaudium: »Natürlich, Schlegelmeyer! Na, so ein Saufaus!«, während
der Angeschuldigte mühsam gute Miene zu dem bösen Spiele machte und
verlegen hüstelte: »Das stimmt wohl nicht ganz.«
Dann holten Max und Moritz ihre langen Pfeifen aus dem Schrank, setzten
sich qualmend an den Tisch und ausgerechnet neben Schlegelmeyer, ja sie
klopften ihm niederträchtig zutraulich auf Schultern und Knie, weil sie
wußten, daß dieser dergleichen durchaus nicht vertragen konnte. Und
wie gewöhnlich rutschte der Hannoveraner auch heute schleunigst mit
seinem Stuhle rückwärts zur schützenden Fensternische, worauf Moritz
behaglich paffend zu der gewaltigen Teekanne griff und sich und Max mit
den Worten einschenkte: »So, Schlegelmeyer ist glücklich in die Flucht
geschlagen, nun wolln wir armen Diensthengste auch man feste supen.«
Alles lachte wieder und recht von Herzen.
* * * * *
»Wer hat denn heute Schlafsaalwache?« fragte der Mitdirektor plötzlich.
»Der Doppelkollege,« sagte Moritz noch schlürfend.
»Dem wirds wohltun,« fügte Max schadenfroh hinzu, »der wird so zu fett
in dem leichten Ortskindergeschirr.«
»Sell isch recht -- ebbes muß er doch leiste für sei Schmerbäuchle.«
»Wie kann man nur so roh sein!« monierte Schlegelmeyer aus der
Fensternische und löste damit abermals eine Lachsalve aus. Trotzdem
fuhr er unbeirrt fort: »Nein, ich lache gar nicht. Ich begreife nämlich
nicht, wie man Herrn Schneese gerade an einem so kritischen Tage wie
heute die Schlafsaalwache anvertrauen kann.«
Thilo Kratt schlunzte seinen Stubenkollegen mit listigen Äuglein
schrägüber an und meinte dazu bombenruhig: »Na, ewig kann man Schneese
auch nich in Watte wickeln, er ist so schon weich genug in seinem Fett
gebettet.«
L³ erklärte lächelnd: »Ich muß dringend gegen die hier scheinbar
allgemein geteilte Ansicht protestieren, daß die Korpulenz etwa
angenehm sei. Im Gegenteil! Wir Schmerbäuche sind sogar sehr übel
dran.«
Wieder dröhnten die Wände von einem stürmischen Gelächter, so daß
auch der verträumte Herr Vogel von seinem Klavier verdutzt aufsah
und schüchtern fragte: »Was ist denn los?« Das entfachte neue
Heiterkeitsstürme, so daß man gar nicht hörte, daß draußen mehrfach an
die Tür geklopft wurde.
Man war daher einigermaßen erstaunt, als plötzlich ein altes, kleines
Frauchen, die Pförtnerin, verlegen hereinhuschte und vergeblich mit
ihrem Nastüchel gegen den Rauch ankämpfte.
Sofort sprangen Max und Moritz auf und schrien: »Hallo, Mutter
Frutschen -- Tasse Tee gefällig?«
Schämig dankte Schwester Frutsch, machte eine Art von Hofknix und sagte
dann unter allgemeinem ehrerbietigem Schweigen: »Ich wollte nur den
Herren Lehrern mitteilen, daß soeben der neue Kollege eingetroffen
ist.«
»Wat forn Kollege denn?« platzte Moritz dazwischen.
»Nun, ich glaube, Herr Holz nannte er sich,« flüsterte Schwester
Frutsch süßlich.
»Hurra -- een Holzkollege,« rief Max, »feine Nummer!«
»Nein, bitte -- keine Witze, er heißt Krumbholtz,« berichtigte der
Mitdirektor.
»Ach wat, Holz is Holz, ob et krumm oder jerade, is schnurz!« erklärte
Moritz.
»Na, da hätte er ja seinen Spitznamen weg,« jammerte Mutter Frutsch,
»und nun bin ich dumme, halbtaube Person noch daran schuld.«
»Nee -- nee -- Mutter Frutschen, heulen Se man nich gleich,« begütigte
Max, »aber wo haben Se n denn hingesteckt, den Holzkollegen?«
»Ich hab ihm gesagt, die Herren hätten hier Teeabend und würden sich
gewiß freuen; aber der neue Herr -- Herr oder Bruder, wie wars, Herr
Mitdirektor?«
»Bruder -- jawohl -- Bruder Krumbholtz,« antwortete L³.
»Ach, etwa -- vom Missionar ein Sohn?«
»Nein -- das wohl nicht -- aber aus der Familie jedenfalls!«
»So -- nein, ach -- wie mich das freut,« sagte Schwester Frutsch,
wieder holdselig lächelnd, »ich habe mal eine Missionsstunde von einem
Bruder Krumbholtz aus Labrador gehört, nein -- was war die schön -- und
so interessant, diese Seehundsgeschichten -- entzückend! Aber nun, was
ich sagen wollte --«
»Ja, wo haben Sie denn nun unsern neuen Kollegen hingetan?«
»O bitte, der Herr scheint sehr selbständig zu sein. Als er Ihren Lärm
hier, um Verzeihung, Ihre Fröhlichkeit hörte, meinte er nur: da wolle
er nicht stören, er wäre überdies müde und für den Direktor wäre es nun
auch schon zu spät. So bät er nur um Angabe seines Kleiderschrankes
auf der Waschkammer -- das wußte er gleich alles -- ließ sich den Weg
zum Schlafsaal zeigen, sein Bett Nr. 24 an der Verbindungstür rechts
angeben, dankte, packte seine Handtasche aus und ist schon soeben auf
den Schlafsaal hinauf gegangen.«
»Na, das kann ja gut werden da oben,« meinte Herr Schlegelmeyer
entrüstet. »Herr Schneese und nun noch dieser blutjunge Neuling, der
nicht mal fertig studiert hat --«
»Ach -- was Sie sagen -- hat er das nicht?« fragte neugierig Schwester
Frutsch, »warum denn nicht? Da hats wohl was gegeben?«
»Unsinn, Schwester Frutsch,« fiel der Mitdirektor, der ihren losen Mund
zur Genüge kannte, vorbeugend ein, »Bruder Krumbholtz wollte nur gern
Lehrer werden --«
»Ach -- aber warum wartete er da nicht, bis er hübsch fertig war?«
»Das können Sie ihn ja morgen selber fragen.«
»Aber was denken Sie denn von mir? Nein, Bruder Lohmann, ich werde mich
doch nicht um Dinge kümmern, die mich nichts angehen -- das tue ich
doch nie!«
»Ach wo,« ulkte Moritz dazwischen, »so wat duht Mutter Frutschen nich.«
»Nun also, sehen Sie, Herr Knortz sagt das auch! Im übrigen scheint
mir dieser Bruder Krumbholtz auch gar nicht der Mann zu sein, der
Geständnisse liebt -- im Gegenteil, er scheint sogar recht kurz
angebunden zu sein. Aber nun will ich nicht weiter die schöne
Geselligkeit der Herren stören, ich wollte Ihnen nur gemeldet haben,
was Ihnen doch gewiß interessant sein würde, und damit allerseits
schönen guten Abend und gesegnete Nachtruhe!«
Lächelnd grüßten die Lehrer wieder.
Max verneigte sich ebenso tief und förmlich wie Mutter Frutsch, und
Moritz klopfte der Abgehenden noch vertraulich auf die Schulter: »Et
jeht nischt über Mutter Frutschen un ihren Hausschlüssel.«
Dann, als er die Tür hinter ihr geschlossen hatte, knurrte er
ärgerlich: »Wat son olles Schalaster doch forn Riecher hat -- nu hat se
dat ok wedder rut --«
»Sell isch mal wieder ganz Schlegelmeyer gesi!« sagte darauf Herr
Schnäbele so laut, daß es der Hannoveraner in der Fensternische hören
mußte.
Prompt kam auch die Antwort zurück: »Ich sagte das nur im Interesse
eines ungestörten Aufsichtdienstes. Ja, ich frage nochmals allen
Ernstes: was soll denn da oben werden?«
»Dafür bin ich wohl in diesem Falle kompetent,« erklärte Herr Kratt
mit der gewohnten Ruhe, »es ist meine Reihe. Im übrigen abwarten
und erst Tee trinken, dann werde ich mir schon mal die neue
Schlafsaalkonstellation ansehen.«
Herr Schlegelmeyer verneigte sich stumm gegen seinen etwas gefürchteten
Stubenkollegen, und dann schwieg man eine geraume Weile wie verstimmt,
bis plötzlich der sonst so schweigsame Bruder Hinzelmann sagte: »Na,
jedenfalls war Ihre Bemerkung, Herr Kollege Schlegelmeyer, wenig
angebracht und kann dem neuen Kollegen nur Schwierigkeiten bereiten.«
»Wieso?« fragte der Hannoveraner sichtlich verlegen, denn Hinzelmann
achtete auch er.
»Na -- bei die olle Klatschsnut,« brummte Max, »da is et morjen abend
rum in der janzen Jemeine Jottes.«
»Aber ich bitte sehr,« verteidigte sich Schlegelmeyer, »es kann doch in
diesen kleinen Verhältnissen so wie so nicht verborgen bleiben, daß der
neue Kollege sein Studium abgebrochen hat!«
»Na, un wat is denn man dabei?« fuhr Moritz streitbar heraus, »ick
un Muffkemartin da haben doch janz datselbe jetan un werden mit die
Bengels da oben man mindestens so jut fertig wie Sie mit Ihrem zweiten
Examen und Ihrer Schriftsprache.«
Jetzt legte sich L³ begütigend ins Mittel und sagte väterlich:
»Kinder, immer hübsch friedlich. Ihre Bemerkung, lieber Schlegelmeyer,
war wirklich nicht ganz schön, zum mindesten unvorsichtig gegenüber
unserer schwatzseligen Oberhof- und Hausschlüsselbewahrerin. Im übrigen
kennen wir den neuen Herrn Kollegen ja gar nicht, und ich bedaure nur,
daß ihn niemand am Bahnhof abgeholt hat. Entweder hat er sich nicht
angemeldet --«
»Oder der Chef hats, wie üblich, versiebt,« vollendete Herr Thilo Kratt
und wollte sich eben erheben, um auf den Schlafsaal zu gehen, als sich
die Tür öffnete, und Herr Schneese mit wohlgerundeten Mienen lächelnd
hereinschaute.
* * * * *
Mit Hallo wurde der Doppelkollege allenthalben begrüßt, nur
Schlegelmeyer sagte mit großer Genugtuung und triumphierender Geste:
»Da haben wir die Bescherung!«
Als nun Kratt, mit Stentorstimme den Radau übertönend, Herrn Schneese
fragte, ob er etwa vor den Knaben geflüchtet sei, und ob er zum Rechten
sehen solle, antwortete der behäbige Ortskinderlehrer seelenruhig:
»I bewahre, es ist oben alles in schönster Ordnung. Der neue Kollege,
der sich mir vorhin vorstellte -- den Namen hab ich aber nicht
verstanden -- hat mir gleich freundlich die Schlafsaalwache abgenommen,
da er so wie so zu Bett gehen wolle.«
Ein Höllengelächter erfüllte jetzt den Raum, endlich fragte Kratt
mühsam: »Und Sie Gemütsmensch nehmen das in aller Bierruhe an, ja sind
Sie denn des Deubels, Schneese? Sie können doch Ihren Posten nicht
verlassen?«
»Aber warum denn nicht, wenn mich ein Kollege ablöst -- das ist doch
ganz in der Ordnung!« --
»Menschenskind, der Mann ist aber doch ganz neu --«
»Nun ja -- das waren wir alle einmal -- anfangen muß doch jeder;
übrigens der Neue schien doch den Rummel recht gut zu kennen, er ist
wohl aus der Gemeine, denke ich -- na also! Nun lassen Sie mich doch in
Ruhe meinen wohlverdienten Tee genehmigen. Haben Sie vielleicht eine
Zigarre übrig, Kollege Schnäbele?«
Wieder lachte die ganze Korona dröhnend, denn es war bekannt, daß der
Doppelkollege den gutmütigen Schwaben stets um Zigarren anging und
richtig, auch jetzt nicht umsonst.
Dann zog sich Schneese den breiten Lehnsessel heran, da alle anderen
Sitzgelegenheiten zu schmal für ihn waren, pflanzte sich, behaglich
paffend, hinein und lächelte zufrieden übers ganze breite Gesicht. Er
wußte ja, daß ihm niemand böse sein konnte, am wenigsten der gutmütige,
humorvolle Kollege Kratt, so grimmig er auch bisweilen tat.
Unterdessen war Bruder Teuchert rasch und neugierig zum Schlafsaal
hinaufgeeilt und brachte die beruhigende Nachricht zurück, daß in der
Tat oben alles in bester Ordnung sei; worauf Thilo Kratt schmunzelnd
wieder zu seiner langen Pfeife griff und erklärte: »Na, Kinder, dieser
Holzkollege hat scheinbar Schneid und Ruhe -- er paßt also in meine
Reihe, und ich werde ihm ein wohlaffektionierter Reihenchef sein.«
Zweites Kapitel
Antrittsbesuche
Es war noch ziemlich früh am Morgen, als Kaspar Krumbholtz in seinem
Bett Nr. 24 erwachte. Das erste Tageslicht blinzelte mit bläulichen
Strahlen wie verstohlen durch die Ladenritze, und ringsum schnarchte
noch alles in absonderlichen Tönen.
Kaspar kam langsam zur Selbstbesinnung und dachte mit seltsamer
Bewegung unwillkürlich an die noch nicht lange vergangenen Tage, da er
als Schüler in einem ähnlichen Schlafsaal gelegen hatte. Und nun sollte
er Lehrer und Vorgesetzter sein, an einem ihm völlig unbekannten Ort,
unter zum Teil fremdartigen Verhältnissen. Zwar der Anstaltbetrieb
würde hier zu Tramberg auch nicht viel anders sein als zu Bethel und
Gnadenzell -- aber die neuen Kollegen stammten großenteils nicht aus
der Brüdergemeine, die Zöglinge waren sogar meist Ausländer. Was konnte
es da für Schwierigkeiten geben, von denen er sich nichts hatte träumen
lassen?
Auch von seinem neuen Direktor hatte Kaspar nicht sonderlich viel
Ansprechendes gehört. Ein Finanzgenie sollte er sein, ein sehr
genauer Herr, der in erster Linie in jedem Schüler einen wandelnden
Tausendmarkschein zu sehen pflegte -- so spöttelte man im Osten. Aber
der Zug zum Geldverdienen lag wohl zu Tramberg überhaupt in der Luft.
Auch die Bürger dieser kleinen schwäbischen Herrnhuterkolonie galten
zu Bethel und Gotteshaag für eifrige Mammonsdiener, die ihr stilles
Friedensörtchen im Laufe der letzten Jahrzehnte in den Dienst einer
einträglichen Fremdenindustrie gestellt hatten. Doch wer wußte denn,
wie viel Tratsch und Klatsch bei diesem Urteil mitspielte, wie bei so
vielem, was man sich in den Gemeinen voneinander erzählte.
Kaspar Krumbholtz wollte selber sehen und prüfen.
Und so stand er mit derselben Eigenmächtigkeit auf, mit der er abends
zuvor schlafen gegangen war, und schritt leise der Türe zu. Aber da
erhob sich plötzlich an der Tür eine schmächtige Gestalt, warf sich
hastig einen Schlafrock über und vertrat ihm den Weg mit den barschen
Worten: »Wo wollen Sie hin?«
Kaspar maß die ein wenig komische Erscheinung mit schmunzelndem
Erstaunen und sagte ruhig: »Sie gestatten -- Krumbholtz, der neue
Lehrer.«
»Ah, so --« lispelte der Schmächtige gönnerhaft, »pardon, ich hielt Sie
für einen neuen Zögling. Sie sind wohl auch noch ein wenig jung. Ich
bin nämlich der heute diensttuende Lehrer der ersten Stube, Kandidat
Schlegelmeyer, und trage als Reihenchef eine gewisse Verantwortung.«
Kaspar Krumbholtz murmelte: »Sehr angenehm gewesen« und wollte weiter,
doch Herr Schlegelmeyer bedeutete ihm, es habe noch nicht geläutet, man
stehe am Sonntag erst um einhalb sieben Uhr auf.
Der neue Kollege bedankte sich höflichst für die ihm interessante
Nachricht, betonte jedoch, er für seine Person pflege aufzustehen, wann
es ihm beliebe.
»Ja, wenn aber die Waschkammern vielleicht noch geschlossen sind,« warf
der hartnäckige Hannoveraner ein.
»Dann suche ich mir einen dienenden Geist oder gehe zum Brunnen.«
»Sie scheinen ja sehr energisch zu sein, Herr Kollege. Übrigens, wenn
ich Ihnen behilflich sein kann -- nur einen Moment, ich will mich rasch
fertig anziehen.«
»Aber bitte!« wehrte Krumbholtz ab, »bemühen Sie sich nicht;
meinetwegen sollen Sie ja nicht vor einhalb sieben Uhr aufstehen. Guten
Morgen!«
Damit entwischte Krumbholtz eiligst zur Tür hinaus.
Herr Kandidat Schlegelmeyer legte sich mit süßsäuerlichen Mienen
wieder zu Bett und nahm sich vor, mit diesem neuen Kollegen möglichst
vorsichtig umzugehen; von der durchschnittmäßigen Herrnhuter Sorte,
die sich alles in brüderlicher Liebe gefallen läßt, schien dieser
Holzkollege nicht gerade zu sein.
* * * * *
Bald darauf schritt Kaspar Krumbholtz zum hinteren Anstalttor in den
strahlenden Frühlingsmorgen hinaus.
Die Anstalt lag einsam, wie eine mächtige Burg, auf halber Höhe über
dem Dörfchen Tramberg, das noch wie traumverloren inmitten seiner
endlosen Nadelholzwälder friedlich zu schlummern schien.
Kein Hahn krähte, kein Schornstein rauchte, nur die ersten Schwalben
strichen mit fröhlichem Kwiwitt pfeilschnell über die hohen Dächer der
wie Kinderspielzeug auf einer Waldwiese verstreuten Häuser.
Überrascht fuhr Kaspar, der am Abend zuvor nichts von dem Ort hatte
sehen können, ein »Donnerwetter, ist das schön« heraus.
Eilends flog er den Hügel hinab und mit immer steigender Befriedigung
spazierte er nun langsamer und alles ungeniert betrachtend durch die
mehrfach gewundene Hauptstraße Trambergs, zu deren beiden Seiten
allerlei städtisch frisierte Villen wie blind, mit ihren geschlossenen
Läden, zwischen alten hochgiebligen Bauernhäusern standen.
Schnell erfaßte der junge Lehrer den eigentümlichen Mischmaschcharakter
dieses Kurortes und dachte bei sich: »So könnte unser gutes Ingelbach
auch mal aussehen, wenn es sich in Oberhof oder Friedrichroda an der
Fremdenepidemie angesteckt hätte. Schade, weder Fisch noch Fleisch!«
Allzulange dauerte es nicht, da ging die Hauptstraße in vornehme,
wohlgepflegte Parkanlagen über. Ein Springbrunnen plätscherte
verschlafen zwischen schlanken Koniferen und leeren Bänken. Einige
verliebte Amselpärchen jagten zankend über eben umgegrabene Beete und
Rabatten, die noch der sommerlichen Bepflanzung harrten.
Im Geist sah Krumbholtz diese jetzt schweigenden und öden Plätze und
Alleen schon von bunten, jauchzenden Kindergruppen, von Damen in
eleganten Toiletten belebt; sein welthungriges Gemüt versöhnte sich im
stillen rasch mit der bösen Fremdenkultur.
Vergnüglich malte er sich so all die bevorstehenden Sommerfreuden aus
und schritt, an Tennisplätzen und einem stattlichen Musikkiosk vorbei,
summend dem nahen Walde zu, dessen vorderste Schutzfichten ihm mit
ihren lang herunterhängenden Riesenarmen wie bewillkommnend zuwinkten.
Es schritt sich wahrlich gut und leicht durch diesen »hohen Tann«,
so hieß die berühmte Hauptpromenade Trambergs. Die Vögel trieben
schon überall ihr vergnügliches Wesen in den Zweigen; Eichkatzen und
Spechtmeisen spielten neckisch um die dicken Stämme oder suchten
an den Zweigen ihr erstes Frühstück, da -- krachten Zweige -- eine
aufgescheuchte Auerhenne purrte ungestüm durchs Dickicht.
Kaspar Krumbholtz sah ihr ein wenig erschrocken mit offenem Munde nach,
-- dann lachte er hell auf über sich selbst. Nun wußte ers vollends,
er war in einer völlig anderen Landschaft als bisher zu Gotteshaag und
Bethel.
Da drüben auf die gradlinigen Bastionen der nahen Rauhen Alp wollte er
baldigst steigen, um in der Ferne die Höhen und Burgen des lieblichen
Hegau, den blinkenden Bodensee und darüber vielleicht auch die ersten
Schneehäupter der Alpen zu schauen. Das sollte eine Lust werden, heidi!
Und pfeifend marschierte das angehende Schulmeisterlein tiefer in den
herrlichen Wald hinein, bis er an den Gottesacker der Gemeine kam, der
stimmungsvoll in feierlicher Waldeinsamkeit sich vor seinen erstaunten
Blicken ausbreitete.
Da dachte die arme Missionswaise in stiller Andacht an seine lieben
Verstorbenen, an den aufrechten, allzu tapferen Vater, der drüben
irgendwo im zentralamerikanischen Urwald verscharrt worden war, an die
treue, stille Mutter, die auf dem Herrnhuter Hutberg nicht weit von den
Zinzendorfgräbern der Auferstehung harrte. Ja -- wenn? Und plötzlich
war der noch eben so fröhliche Kaspar mitten in seinen alten, trüben
Zweifeln.
Nachdenklich setzte er sich auf eine einsame Waldbank und sann und
sann. Seltsam -- daß er, der immer wieder so schwer an Christi
Auferstehung zweifeln mußte, an die Auferstehung seiner Eltern zu
glauben nicht lassen konnte!
In tiefe Gedanken versunken, ging er achtlos wie ein Nachtwandler
denselben Weg langsam zurück, den er soeben noch rasch und mit hellen,
scharfen Augen um sich schauend gekommen war.
Als er am Anstalttor wieder angelangt war, stand ein Entschluß bei
ihm fest: er wollte den neuen Direktor dringend bitten, ihn vom
Religionsunterricht zu dispensieren.
* * * * *
Im Hause stieß Kaspar Krumbholtz zuerst auf das allzeit fröhliche
Dioskurenpaar Knortz und Muffke, die ihren dienstfreien Sonntag schon
mit einer Morgenpfeife feierten.
Man schloß schnell Bekanntschaft und frühstückte behaglich zusammen auf
der Lehrerstube. Dabei weihten die biederen Mecklenburger den neuen
Reihenkollegen humorvoll in allerlei Sach-, Schul- und Personalfragen
ein und wollten sich ausschütten vor Lachen über Kaspars erstes
Abenteuer mit Schlegelmeyer.
Herzhaft klopfte Moritz nach seiner Art dem neuen Kollegen auf die
Schulter und meinte ermutigend: »Nur so weiter, junger Mann! Will Ihnen
wat sagen: Dem hannoverschen Unteroffizier müssen Sie immer gleich
feste auf die Hühneraugen treten, dann werden Sie ihn am ersten los.
Angst muß er haben, sonst spuckt er Gift, wie ne olle Klapperschlange.«
Bald darauf erschien Thilo Kratts ragende Hünengestalt und ward
dem »Fuchsen«, wie Moritz den Neuling frischweg nannte, als sein
nunmehriger Reihenchef vorgestellt; Krumbholtz sollte nämlich
Stubenlehrer bei den Vierten werden.
Herr Kratt gratulierte ihm scherzhaft zu seinem gestern abend bereits
bewährten kalten Blut, und riet ihm recht bald, womöglich noch vor der
Predigt, den »Chef« und den Mitdirektor aufzusuchen, denn Sonntags
wären sonst die beiden nicht leicht zu treffen.
Mit einem nicht ganz behaglichen Gefühl schritt Kaspar Krumbholtz die
Treppe hinauf zu seinem Direktor, Bruder Nitschke, der anscheinend im
ganzen Hause nur kaufmännisch als »Chef« bezeichnet wurde.
Unwillkürlich stieg vor des jungen Schulmeisters Seele das Bild seines
ehemaligen Gnadenzeller »Onkels« auf, der auch des vertraulichen Titels
Bruder nicht gewürdigt wurde. Das gab immerhin zu denken.
Um so angenehmer überrascht war Kaspar, als er auf einen freundlich
lächelnden, liebenswürdigen Mann stieß, der ihn mit weltmännisch
verbindlichen Formen herzlich willkommen hieß und sich sofort höflichst
entschuldigte, daß ihm eine plötzliche Abhaltung das Vergnügen
persönlicher Abholung vom Bahnhof versagt hätte.
Kaspar wunderte sich nur, daß er als Mitglied der Brüdergemeine mit Sie
angeredet wurde, aber er sagte nichts. Der redselige »Chef« half ihm
rasch über jede Verlegenheit fort und deutete ihm an, wie gut er es
hier im schönen Süden und in der wohlausgestatteten Anstalt haben
würde.
»Das Leben,« schloß er, »hat hier einen freieren und reichlicheren
Zuschnitt als im Norden und zumal in Oberschlesien. Wir sind
wahrscheinlich nicht so altgemeinmäßig, wie Sie das vielleicht gewohnt
sind; aber mein verehrter Kollege, warten Sie nur einige Wochen, und
es wird Ihnen bei uns schon gefallen. Bald werden Sie gar nicht mehr
anderswo leben wollen. Sie bekommen ja auch die vierte Stube und damit
einen prächtigen Kollegen, Herrn Schnäbele, der uns nur leider nicht
mehr lang erhalten bleiben wird. Lernen Sie von ihm, mit den Kleinen
recht väterlich umzugehen; das ist oft schwerer als die Großen zu
zügeln. Doch mit Ermahnungen will ich Sie nicht gleich belästigen.
Ich darf Sie überhaupt wohl darauf aufmerksam machen, daß ich im
allgemeinen mehr für die Verwaltung und den äußeren Dienst zuständig
bin. Der innere Dienst dagegen und insonderheit der Schulbetrieb ist
Bruder Lohmanns bewährter Leitung unterstellt, der Ihnen demnächst
alles Nähere mitteilen wird. Was die Reisekosten anlangt, so
liquidieren Sie wohl die üblichen 100 Mark. Darf ich sie Ihnen gleich
aushändigen?«
»Ich habe aber nur 62 Mark und 35 Pfennige gebraucht,« antwortete
Kaspar.
»Nun, da waren Sie ja sehr sparsam,« meinte der Direktor lächelnd.
»Aber Verehrter, Sie werden mir nicht böse sein, wenn ich Ihnen
doch hundert Mark gebe. Sie haben hier gewiß noch allerlei kleine
Einrichtungsausgaben; auch ist Ihr Gehalt -- Sie wissen -- die ersten
zwei Jahre nur 25 Mark monatlich -- nicht sehr reichlich -- ich kanns
leider nicht ändern, so gern ichs täte. Mangel sollen Sie jedoch
darum nicht leiden. Wenn Sie mal nicht auskommen, so wenden Sie sich
nur vertrauensvoll gleich an mich. Ich werde Ihnen da gern einige
Nebeneinnahmen zuwenden; es gibt immer so allerlei, Nachhilfestunden,
Badewachen und dergleichen. Zeichnen Sie nicht auch sehr hübsch? Ich
dächte, Bruder Bauding hätte so etwas geschrieben. Na also, und nicht
wahr -- hier hundert Mark?«
Verlegen dankend nahm Kaspar das Geld und sah seinen Vorgesetzten, der
augenscheinlich eine Verabschiedung erwartete, dann unruhig an.
»Wollten Sie vielleicht noch einen Wunsch äußern?« fragte schließlich
Bruder Nitschke verbindlich.
»Ja, Herr Direktor,« begann Kaspar gedrückt, »ich weiß nicht, ob Herr
Unitätdirektor Bauding Ihnen auch geschrieben hat, warum ich Gotteshaag
eher verlassen habe als sonst wohl üblich.«
»Aber gewiß,« sagte der Direktor lächelnd, »und darum brauchen Sie sich
auch gar keine bitteren Gedanken zu machen. Ich bin kein Ketzerrichter
und überhaupt kein großer Theologus. Ich verlange von meinen Lehrern
nur, daß sie mir meine Zöglinge gut behandeln, sie erziehen und ihnen
-- da es meist Ausländer sind, vor allem ein gutes Deutsch beibringen.
Daran wird es bei Ihnen wohl nicht fehlen, lieber Kollege, trotz der
fehlenden zwei Semester. Im übrigen nur Mut, junger Freund, ich darf
Ihnen verraten, Sie haben sonst eine glänzende Konduite -- gerade
auch als Lehrer -- ich glaube, die Fortbildungsschule haben Sie schon
geleitet. Nun -- im Vertrauen, so schwierig ist unsere Schule hier
nicht einmal. Also ich freue mich, Sie erhalten zu haben.«
»Ich danke Ihnen, Herr Direktor,« brach es freudig aus Kaspars Innerem
hervor, »und so werden Sie es mir wohl nicht verübeln, wenn ich Sie
bitte, mich nicht Religionsunterricht erteilen zu lassen.«
»Wenns weiter nichts ist,« erklärte Bruder Nitschke schmunzelnd, »das
will ich Ihnen gern zusagen, auch wenn das eigentlich Sache Bruder
Lohmanns ist. Sagen Sies ihm nur! Nein, nein, für Religion haben wir
immer Angebot, namentlich von den auswärtigen Herren. Also keine
Sorge. Und nun guten Morgen, lieber Kollege -- und alles Gute! Heute
mittag erwartet meine Frau Sie zum Essen, in meiner Wohnung bitte. Auf
Wiedersehen!«
Mit großer Erleichterung schritt Kaspar Krumbholtz die kleine Treppe am
Direktorzimmer wieder hinab.
Den Mann hatte er sich freilich anders vorgestellt. Was für ein
Zerrbild hatte der schändliche Gemeinklatsch hier wieder einmal
gezeichnet. An »Onkel Herbst« war nicht zu denken.
* * * * *
Als Kaspar nun bei Bruder Lohmann anklopfte, mußte er ziemlich lang
auf die Eintritterlaubnis warten. Erst tönte ein verlegenes »Gleich,
gleich!« von drinnen, weiter ein »Nur noch zwei Minuten«, endlich ein
sonores »Herein!«
Der Besucher trat in eine geräumige, helle Stube, in der ihn ein
zusammengerollter Dachs mit verständig diskretem Gebell von seiner
Sofaecke aus willkommen hieß; auch einige Waldvögel begrüßten aus
ihren am Fenster hoch übereinandergetürmten Käfigen den Ankömmling
mit neugierigem Gezwitscher. Aber der Herr des Zimmers steckte nur
gerade seinen noch unfrisierten Kopf aus der Türspalte von der
nebenanliegenden Kammer herein, rief lächelnd: »Bitte, einstweilen
Platz nehmen, stehe sofort zu Diensten,« und verschwand abermals für
einige Minuten.
Unterdessen sah sich Kaspar in dem ein wenig überladenen Raume um, der
sichtlich den Stempel einer eigenartigen, vielleicht etwas krausen,
jedenfalls bewußt moravischen Persönlichkeit trug.
Da hingen an den Wänden die großen Ölbilder des Grafen Nikolaus Ludwig
von Zinzendorf und seines schier überirdisch verklärten Sohnes
Christian Renatus. Auf eichenen Bücherborten standen wohlgeordnet
sämtliche Ausgaben alter Gemeingesangbücher, eine Menge wertvoller
Brüderschriften, die seltenen Büdingenschen Sammlungen, die +idea
fidei unitatis fratrum+ undsoweiter. Darüber sann das wehmütig milde
Patriarchenhaupt des Brüderbischofs Amos Comenius; daneben hing ein
mächtiges Kupferstichblatt, die Predigt des ersten Brüdermissionars
vor den Indianern darstellend; weiterhin zierten graziöse
Pastellporträts berühmter Brüder und Schwestern, in schönen Empire-
und Biedermeyerrahmen zwischen allerlei feinen Schattenrißbildchen
hängend, die Wände. Und endlich über dem verstaubten Schreibpult, auf
dem Hefte, Bücher, Zigarren, Löffel und allerlei Kästen mit Vogelfutter
in vergnüglichem Wirrwarr durcheinander lagen, grüßte den Beschauer
noch ein herrlicher, weißlockiger Kopf, unter dem stand in klarer
Antiqua: +Leonardus Ludovicus Lohmann, episcopus unitatis fratrum,
suae aetatis LXXIII.+
Leise Schauer erfaßten den Sohn der letzten Neißerin, der wohl wußte,
wer jener Bischof gewesen war, und was er mit seinem Urgroßvater
zusammen für sein Kirchlein geleistet hatte. Hier war heiliger Boden,
hier galt es im Geiste die Schuhe ausziehen und Andacht zu üben.
Da öffnete sich die Kammertür, und der Mitdirektor trat, mit einem
letzten Griff nach seiner verschobenen Krawatte tastend, noch ein
wenig keuchend und verlegen herein und begrüßte den jungen Kollegen
mit warmer Herzlichkeit; natürlich nicht ohne einige umständliche
Entschuldigungen über seine sonntägliche Langschläferei.
»Ich habe unterdessen Ihre vielen Schätze bewundert, Herr Mitdirektor,«
meinte Kaspar.
»Hör mal, wir duzen uns doch,« unterbrach ihn Bruder Lohmann rasch,
»das wäre noch schöner! Von den auswärtigen Herren muß ich mir das Sie
und den Herrn Mitdirektor zwar gefallen lassen, aber von dir nicht. Im
Gegenteil, ich hoffe sogar, lieber Bruder und Kollege, wir werden mit
der Zeit ebenso treue Freunde werden wie vor hundert und einigen Jahren
unsere Urgroßväter.«
Dabei wies Bruder Lohmann sichtlich stolz auf das Bild über seinem
Schreibtisch und reichte dem jungen Kollegen nochmals die Hand, in die
dieser gern und kräftig einschlug. Dann bot der Mitdirektor seinem
Gastfreund eine Zigarre und den Ehrenplatz auf dem Sofa neben dem schon
wieder halbentschlummerten Dachs an.
Bald schmauchte man behaglich, und das Gespräch floß munter dahin wie
unter guten Gesellen. Kaspar fühlte sich hier wirklich wie zu Hause.
Auch Bruder Lohmann orientierte den neuen Kollegen rasch über die
wichtigsten Personalfragen, riet ihm, sich mit Vertrauen an seinen
bewährten Stubenkollegen Schnäbele anzuschließen; nur sich nicht
unnötig gegen den sowieso schon unbeliebten Schlegelmeyer aufhetzen
zu lassen. Der Hannoveraner wäre im ganzen wohl kein sonderlich
angenehmer Kollege, aber ein ganz vorzüglicher Lehrer und ein sehr
ruhiger und zuverlässiger Erzieher, dem auch die ältesten Engländer
sich anstandslos fügten. Und das sei ein heikler Punkt hier im Hause.
Die Engländerkolonie bilde leider seit alters eine +ecclesiola in
ecclesia+, und damit müsse man eben rechnen und sich zu stellen
versuchen, was namentlich die auswärtigen Herren in ihrem sonst sehr
gesunden Nationalstolz nicht recht begriffen oder begreifen wollten.
Auf der vierten Stube spiele die Frage noch keine große Rolle, da
dort die oft recht schwierigen Franzosen und zum Glück auch die
Deutschschweizer, so die prächtigen Basler Büble, in großer Zahl
vertreten seien, nur der Senior Ronald Hooper sei natürlich ein
Engländer, übrigens einer der besten.
Dann kam der Mitdirektor auf den Unterricht und seine in diesem Hause
durch die besonderen Verhältnisse bedingten Methoden zu reden, fragte
schließlich schonend, ob Kaspar sich getraue gleich in den oberen
Klassen zu unterrichten und ob ihm 28 Stunden, darunter freilich
12 präparationsfreie Zeichen- und deutsche Konversationsstunden für
Anfänger, zu viel sein würden.
Kaspar verneinte ruhig und setzte dann scheu hinzu: »Wenn nur keine
Religionstunden darunter sind.«
»Nein, lieber Kollege,« sagte Bruder Lohmann einfach, »davon habe
ich bei deinen besonderen Verhältnissen gleich abgesehen. Du sollst
in dieser Beziehung bei uns ganz in Ruhe gelassen werden; auch zum
Predigen sollst du nicht herangezogen werden, ich habe schon mit Bruder
Wiesendahl darüber gesprochen. Im Vertrauen -- es ist auch keine Freude
zu predigen bei der jetzigen Spannung zwischen Laien und uns jüngeren
Geistlichen. Es steht nicht gut!«
Kaspar Krumbholtz sah sein Gegenüber mit einem warmen,
verständnisinnigen Blick an, und ein unendlich wohltuendes Gefühl der
Ruhe und des Geborgenseins überkam ihn von neuem in diesem heimlichen
Raume, bei diesem echt brüderlichen Manne, von dem er nach einer
köstlichen Stunde reichster Belehrung schied wie von einem alten
Freunde.
* * * * *
Am nächsten Vormittag bereits gab Kaspar Krumbholtz mit gutem Mut und
innerer Freude seine ersten Unterrichtstunden, und nach dem Essen trat
er auf Stube 4 seinen Aufsichtsdienst an, in dem er nun Tag um Tag mit
dem guten Schnäbele, der ihn zunächst wie ein rührend treuer Vormund
bevaterte, abzuwechseln hatte.
Mit »Papa Schnäbele«, wie der wackere Württemberger Theolog bei
seinen ihn vergötternden, freilich ihn auch gehörig plagenden
Vierten hieß, wetteiferte der Senior Ronald Hooper, eine wandelnde
kleine Hausordnung, in Gewissenhaftigkeit, den neuen Lehrer in alle
Geheimnisse und Pflichten seines Stubendienstes einzuweihen. Da
wurde gezeigt, wie die Schränke und Schubladen in richtiger Ordnung
aussehen mußten; da wurde Rechnung abgelegt über die von Ronald
verwaltete Stubenkasse, aus der die kleinen Kaffeespaziergänge, die
Geburtstagteeabende und die Fußballreparaturen bestritten wurden;
da wurden die Obliegenheiten des Wochendieners, die Machtbefugnisse
der Fußballkapitäne, die Vorrechte der Stube und ihres Seniors
genau angegeben, die Sonntagbestimmungen betreffs des Kaffee- und
Kuchenholens und der Erlaubnis, zwei Stunden in der Heimatsprache zu
sprechen, mitgeteilt; endlich das Strafbuch vorgelegt mit dem stolzen
Hinweis, daß seit zwei Monaten auf der vierten Stube überhaupt keine
größere Bestrafung stattgefunden habe im Gegensatz zu der berüchtigten
zweiten Stube, die allein im letzten Monat 38 Strafen gehabt hätte.
Kaspar Krumbholtz hielt sich klug zurück, ließ die 13jährige Weisheit
von Senior ruhig reden und prahlen und staunte doch heimlich über
das unverkennbare Herrschertalent der englischen Rasse, das mit
prachtvoller Naivität auch aus dieser kleinen Energenz strahlte.
Und nun kam die Hauptsache: Präsident Ronald kommandierte nach der
Reihe seine getreuen Stubenuntertanen zur Huldigung heran, nachdem er
kurz zuvor ein knappes, oft verblüffend scharfes, doch -- wie sich
später herausstellte -- ziemlich richtiges Urteil über die einzelnen
Kameraden abgegeben hatte. Die drei Engländer schätzte Ronald natürlich
am höchsten ein, dann kamen einige Schweizer, zwei Schweden und ein
Italiener, endlich die Franzosen und französischen Schweizer, von denen
Ronald offenbar am wenigsten hielt, obgleich er etwas verächtlich
zugab, daß sie in der Klasse die besten seien.
»Wie bist du denn da?« fragte Bruder Krumbholtz zum ersten Male
dazwischen.
»O,« antwortete Jung-Ronald lakonisch, »ziemlich schlecht wie wir
Engländer fast alle. Aber wir sind nur da, für Deutsch lernen, nicht
für studieren, das kommt später in Eaton und Oxford.«
Krumbholtz schmunzelte und dachte bei sich: Menschenkenntnis und
Charakter hilft diesen Albionssöhnen über jede fatale Situation hinweg.
Dann ging er unter Anleitung seines Premierministers Ronald mit seinen
Vierten zum Fußballspiel.
Die Kapitäne, der schlanke Rowles und der stämmige Schaffhuser, wählten
und verfügten auch kurzerhand über den neuen Lehrer.
Als aber Bruder Krumbholtz dreimal spielend den Lagerhalter überrumpelt
hatte, erklärten sie mit einem sonderbaren Gemisch von Verzweiflung und
Ehrerbietung: es müsse anders gewählt werden, Bruder Krumbholtz spiele
ja beinahe so gut wie Huntington und Venobles, die Kapitäne der Ersten.
Die Neuwahl machte Schwierigkeiten; bis Bruder Krumbholtz vorschlug,
die Kapitäne Rowles und Schaffhuser sollten doch beide gegen ihn
spielen. Das leuchtete plötzlich allen ein, die nun vereinten alten
Gegner spielten wetteifernd mit glänzender Bravour. Bruder Krumbholtz
hielt sich darauf ein wenig zurück, und richtig, ein Lager wurde gegen
ihn gewonnen. Nun war der Jubel und der Stolz der beiden siegreichen
Kapitäne groß, und äußerst befriedigt kehrte man heim zur alltäglichen
Arbeitsstunde.
Der geschlagene neue Stubenlehrer der Vierten schmunzelte nicht wenig,
als er im Vorübergehen Ronalds großgünstiges Urteil aufschnappte:
»Weißt du, Rowles, Mister Kobolz spielt ganz gut, aber mit Huntington
und Venobles kann er doch nicht spielen!«
Krumbholtz freute sich, daß er schon so schnell einen Spitznamen weg
hatte. Das ist immer ein gewisses Zeichen von Sympathie bei Buben.
Am nächsten dienstfreien Nachmittag spielte er bei den Ersten mit,
ward allerdings zweimal von dem schwarzen Harryman, dem gefürchtetsten
Hinterspieler der Ersten, zu Boden gebracht, gewann aber trotzdem
schließlich ein Lager.
Ob dieses erstaunlichen Erfolges, zu dem die oft und gern, nur ein
wenig ungeschickt mit den Ersten spielenden mecklenburgischen Dioskuren
dem jüngsten Reihenkollegen herzlich gratulierten, berief die englische
Kolonie in der nächsten Frühstückszeit ein geheimes Meeting, nahm von
dem neuen Mister Kobolz ausführlich Notiz und erklärte ihn für einen
»ganz famosen Kerl«.
Das erleichterte Kaspar Krumbholtz manches in den sechs
Geschichtstunden, die er in den zwei obersten Klassen zu geben hatte.
Drittes Kapitel
Der angehende Weltmann
Mit einem Hochgefühl sondergleichen schritt Hans Sebalt vom wenig
anmutenden Berliner Bahnhof nach der alten Buchhandelmetropole Leipzig
hinein, wo er nun sein neues Studium beginnen sollte.
Zum ersten Male kam der junge Herrnhuter in eine Großstadt, kam mit
einem leidlich gefüllten Beutel, kam mit der festen Absicht, nicht nur
zu studieren, was die Väter wünschten, sondern auch, und vor allem,
aufzunehmen, was das flutende Leben ihm bieten konnte.
Ein Duckmäuser war Hans Sebalt nie gewesen, jetzt wollte er die
Gelegenheit, ein Weltmann zu werden, beim Schopfe fassen -- auch
auf die Gefahr hin, den Ruf eines wahrhaften Gemeinbruders darüber
einzubüßen.
Ein stilles Lächeln umspielte Hans Sebalts siegesgewisse Mienen. Er
blähte übermütig die Nüstern und sog die aus Ruß und Parfümduft seltsam
gemischten Fabrikgerüche der Berliner Straße befriedigt schnobernd
ein, als gäben sie ihm vorweg die Quintessenz des Großstadtdaseins.
Am Ende der langweiligen Berliner Straße bog Hans Sebalt rechts nach
Gohlis ab, wo es -- wie man ihm gesagt hatte -- die billigsten und
behaglichsten Studentenwohnungen geben sollte, unwillkürlich dem alten
Witzwort folgend: »Wems zu wohl is, geh nach Gohlis«.
Gleich an der ersten Ecke neben einem weitläuftigen Barackenkasernement
wies ein stattliches, vierstöckiges Haus zahlreiche Vermietungsplakate,
ein anderes daneben nur ~ein~ Mietangebot auf. Der kluge Hans
Sebalt sagte sich sofort, daß in dem ersten Hause wohl wenig angenehme
Wohnungsverhältnisse herrschen müßten, sonst würden nicht so arg viele
»Buden« leerstehen.
Also trat er kurzerhand in das zweite Haus ein, und nach fünf Minuten
hatte er in dessen viertem Stock bei einer freundlichen Wirtin, Frau
Breutel, ein ganz hübsches Zimmer nebst einer kleinen Kammer für ein
Billiges ermietet.
Das war ein stolzes Bewußtsein für ein armes herrnhutisches
Missionskind: zum erstenmal in seinem Leben besaß er ein Stübchen, ganz
für sich allein, noch dazu eines mit einer weiten, herrlichen Aussicht.
Hans Sebalt setzte sich im Vollgefühl seines Glücks erst eine Weile
ans offene Fenster und sah leise ergriffen hernieder auf die nahe,
menschenwimmelnde und dumpfbrausende Riesenstadt mit ihren Hunderten
qualmender Schlote, ihren Tausenden von nach und nach im blaugrauen
Dämmerdunst aufblitzenden Lichtern, ihrer Unmenge von Straßen und
Gassen, mit ihrem Hasten, Fluten und Drängen und ihren lockenden
Geheimnissen.
Was war das für ein greller Gegensatz gegen die stillen
Herrnhutergemeinen, in deren einer fern der ehrliche »Schelm«
seinen anstrengenden Schul- und Aufsichtdienst tat wie ein braver
Karrengaul. Warum -- der Narr! Er hätte es ebenso gut haben können
wie sein getreuer »Schuft«. Und was hätte das für ein vergnügliches
Zusammenleben, Zusammenstudieren, Zusammengenießen hier werden können!
Nun -- er hatte einmal seinen Dickkopf, der brave Kaspar! Und er,
Hans Sebalt, war nicht der Mann, der ihm nachlief; aber schreiben und
erzählen von all dieser Herrlichkeit wollte er ihm schon einmal, und
zwar so, daß ihm das Wasser im Munde zusammenlaufen sollte.
Mit solchen Gedanken stieg Hans Sebalt seine vier Treppen wieder hinab
und ging zum Bahnhof zurück, um seine Sachen zu holen. Stolz und
trotzig schritt er der Stadt zu, gleichgültig an hunderten vom schweren
Tagwerk eben glücklich erlösten Fabrikarbeitern vorüber, und aus seinen
strahlenden Mienen sprachen deutlich die kecken Worte: »Was kostet die
Welt?«
* * * * *
Schon am nächsten Tage erlebte der hochgemute Hans Sebalt seine ersten
Enttäuschungen.
Als er zur Universitätquästur kam, um sich immatrikulieren zu lassen,
bedeutete man ihm: er könne einstweilen weder als Student noch als
Hörer eingeschrieben werden, da die vielleicht von seiner Behörde
nachgesuchte Reifezeugnisbestätigung bis jetzt vom Kultusministerium
noch nicht eingegangen sei, und der vorgelegte Berechtigungsschein
für den Einjährig-Freiwilligen-Dienst für ihn gar keine Geltung habe,
da er ja als Kapländer englischer Untertan sei. Als der eben noch so
selbstsichere Gentleman aus Südafrika darob hilflos zusammenzuckte und
dann ganz bescheiden bat, man möchte ihn doch wenigstens vorläufig als
Gastteilnehmer zulassen, erwiderte man ihm lakonisch: er solle sich die
Bestimmungen dafür im Sekretariat geben lassen und sich dann an die
dafür zuständige Stelle wenden.
Sehr beschämt schlich Hans Sebalt hinaus.
Auf der Polizei hatte er ebenfalls Schwierigkeiten. Man verlangte
einen ordentlichen englischen Geburtausweis von Sebalt, der deutsche
Taufschein seines Vaters genüge nicht. Er müsse genau nachweisen
können, so hieß es von oben herab, daß er wirklich englischer Untertan
sei und für den deutschen Militärdienst nicht in Frage käme. Ein
Engländer, der nicht englisch spräche, sei immerhin verdächtig.
Wahrscheinlich wolle er sich nur vom Militärdienst drücken.
Hans Sebalt fehlte es zu seinem Glück an Worten, seiner Empörung
genügenden Ausdruck geben zu können. Er dachte nur im stillen: er würde
ja viel zu gern dienen, wenn es die Unität nur bezahlen wollte, und
entfernte sich tief beleidigt.
Nach einem guten Mittagessen, das ihm trotz allen Ärgers trefflich
geschmeckt hatte, ging er nach seiner neuen Wohnung, steckte sich eine
seiner letzten Herrnhuter Zigarren an und streckte sich behaglich auf
seiner schönen Chaiselongue aus, um neue Pläne zu schmieden.
Da klopfte es, und auf sein »Herein« wankte eine lange, schlottrige
Gestalt ins Zimmer, die sich als den Inhaber der Wohnung vorstellte und
um freundliche Vorausbezahlung der Monatsmiete bat.
Hans Sebalt fuhr ärgerlich empor und fragte hochfahrend:
»Na, sind Sie denn nicht der Mann von der Frau Breutel da draußen?«
»Zu dienen, Emanuel Breutel,« flötete süßlich die leis
zusammenklappende Hauswirtsgestalt, »ich bin noch der Ehemann dieser
Frau da draußen, bin auch noch der Besitzer aller dieser Sachen wie
des Buttergeschäfts im Parterre, auch Käse können Sie da haben -- sehr
guten, falls der Herr mal Bedarf haben sollte.«
»Nee, danke,« wehrte Hans Sebalt gnädig ab, »aber nun sagen Sie mal,
was ist denn los? Ich habe doch gestern, als ich mietete, Ihrer Frau
den Mietzins für einen Monat bezahlt! Hat sie Ihnen das denn nicht
gesagt?«