»Heiraten?«
»Nun doch -- einmal ...«
»Glaubst Du, dass ich Marien geheiratet hätte?«
Frau Malcorn nickt zustimmend.
»Ich habe nie daran gedacht.«
Ganz verwirrt lenkt Frau Malcorn ab: »Und was wolltest Du malen? Das
hast Du nicht gesagt.«
»Malen? Wolken.«
»Du Träumer!«
»Frühlingswolken! Ein Wolkenkleid! Dein Kleid!... Dich!«
»Ich habe keine Wolkenkleider mehr.«
»Dann musst Du Dir eines machen lassen ...«
Ganz wehmütig lächelt die zarte Frau. »Nur ein altmodisches weisses
Atlaskleid hab' ich noch, vom letzten Ball her.«
»Ja, -- weiss --« plant Harald. »Ich müsste Dich in weiss malen und --
mit Blumen. Mit irgend welchen heissen, roten Blumen. Mit Blumen, die es
nirgends giebt. Mit solchen, roten ... (wo hab' ich sie doch
gesehen?...) In Deinem Läufer. Mit solchen Blumen. Hast Du die selbst
erfunden?...«
»Durch Zufall --« flüstert sie und wird ganz rot.
»Seltsam, -- o!... Blumen erfindest Du!« Und Harald sieht sie forschend
an, als ob ihr Gesicht in seiner scheuen, schamhaften Befangenheit ihn
an etwas erinnern müsste. Dann unterbricht er sich kurz. »Es ist
vielleicht kindisch, dass ich so spreche. Ich habe doch eigentlich nie
versucht, zu malen. Aber soll ich es deshalb nie versuchen? Vielleicht
bin ich wieder ... ein Beginn ... Mir ist, als hätten wir mal davon
gesprochen, dass die Malcorns immer wieder Könige werden ... Und die
kein Volk haben, -- das sind vielleicht die wahren Könige ...«
»Auch in der Kunst kannst Du Dich über ein Volk setzen ...«
»Vielleicht. Vielleicht kann der Künstler sich aus allen Völkern sein
Volk bilden, kann es sich erziehen .. Aber ich will es nicht. Ich werde
es nie wollen. Ich will nicht erziehen. Ich will nicht den Erfolg,
keinen Erfolg auf keiner Seite. Ich will einfach: Schönheit ...«
»Ja --« sagt Frau Malcorn, wie zu sich selbst.
»Du fühlst das?« Und beinahe überrascht sieht Harald sie an.
»Ja ...« wiederholt sie leiser und wagt kaum die Augen zu heben.
Und nach einer kleinen Stille hört sie ihn sagen: »Wie schön Du bist!«
Und schauernd fühlt sie sich von ihm angeschaut.