Abb. 469. Bosnischer Zigeuner (Pferdehändler).]

Dem Einfluß der bösen Geister sucht man auf alle nur mögliche Weise

zu begegnen, durch Opfer, Amulette, Beschwörungen und manches andere.

Bevor man die Zelte zur neuen Wanderung abbricht, umreitet man

dreimal das Lager, um die bösen Geister zu bannen. Aus demselben

Grunde speit man dreimal in das Wasser, wenn man auf der Wanderung

eine Brücke überschreitet. Erwachsene tragen häufig Stechapfelsamen

als wirksames Abwehrmittel in den Schuhen bei sich, um bei wichtigen

Unternehmungen Glück zu haben, hängen sich kleine aus Lindenholz,

gleichfalls einem kräftigen Zaubermittel, geschnittene Täfelchen

auf den bloßen Leib, um vor ansteckenden Krankheiten bewahrt zu

bleiben, schlingen sich eine aus Eselshaaren geflochtene Schnur um

den linken Oberschenkel, um bei Frauen Glück zu haben, und wenden

noch eine ganze Reihe ähnlich gearteter Maßnahmen an. Helferinnen

erstehen den Menschen in den +Zauberfrauen+. In erster Linie sind

diese ihnen sowie den Tieren nützlich als Heilkünstler, denn sie

gelten als mit besonderen Kenntnissen und Kräften ausgestattet, um

das Schlechte, die Krankheitsdämonen, aus dem Körper zu vertreiben.

Hiervon abgesehen, verstehen sie sich aber auch darauf, das Gelingen

eines Unternehmens zu fördern, Liebe und Haß zu entfachen, die Seele

des Menschen zu „binden und zu lösen“, das Wetter zu regeln, das Bild

der Zukünftigen herbeizuzaubern, die Toten zu bannen und dergleichen.

Ihre übernatürlichen Kräfte werden meistens vererbt und von den älteren

Zauberfrauen bei den dafür Begabten weiterentwickelt. Aber auch durch

geschlechtlichen Verkehr mit den Wassergeistern (Niwaschi) oder

Erdmenschen (Pçuvusche) kann man zur Zauberin werden.

[Illustration: Totenwache, ein Brauch bei den spanischen Zigeunern.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 195 / 203 题