Nach einem Gemälde von Otto H. Engel.]

Auch mit dem +Gang zur Trauung+ ist mancherlei Aberglaube verknüpft.

Die alte Vorstellung, daß irgendein böser Einfluß dem jungen Paare

unterwegs schaden könnte, kommt in verschiedenen Gebräuchen zum

Ausdruck. So ist es vielfach Sitte, daß die Brautleute zum Schutz

gegen bösen Zauber stark riechende Kräuter, wie Kümmel, Dill, Wermut,

Beifuß, Rosmarin und anderes derart bei sich tragen. Um mit Reichtümern

gesegnet zu sein, müssen sie einen auf ihren Haushalt oder ihr

Handwerk bezüglichen Gegenstand zu sich stecken, wie Brot, Messer,

Gabel, Löffel, Getreide, Nähzeug (bei einem Schneider), Nägel (bei

einem Schmied), etwas Geld (für gewöhnlich im Schuh der Braut) und

manche andere Dinge. -- Beim Verlassen des Hauses muß das Brautpaar

über ein Messer oder ein Beil, auch wohl über einen Besen schreiten.

Auf dem Wege zur Kirche sollen beide möglichst dicht nebeneinander

gehen, damit der böse Geist nicht zwischen sie fahren könne; auch

sollen sie fein sittsam auf den Boden sehen und sich ja nicht umsehen,

weil sonst der Betreffende in der Ehe nach einem anderen Gatten Umschau

halten und untreu werden könnte; die Braut darf auch bei Schmutzwetter

ihr Kleid nicht aufheben, ebensowenig etwas, das auf der Straße liegt,

an sich nehmen, weil es von Hexen herrühren könnte. Bestimmte Personen

oder Tiere, die dem Brautpaar zuerst begegnen, werden als entscheidend

für sein künftiges Schicksal angesehen; so bringen eine alte Frau, ein

Fuhrwerk, ein Hase, eine Katze Unglück, hingegen ein Mann, ein Schwein,

ein Schaf und anderes Glück. In England sind auch die Farben, die man

trägt, für die Zukunft der Neuvermählten ausschlaggebend; ein Tabu ruht

dabei auf Grün. Dies wird in Schottland sogar auf die Farbe des Gemüses

für die Hochzeitstafel ausgedehnt. -- In England wirft man ferner dem

Brautpaar beim Antritt seines Kirchganges oder bei der Rückkehr von der

Trauung ein paar alte Schuhe nach, damit die Ehe fruchtbar sei. -- In

Norwegen muß die junge Frau, wenn sie aus der Kirche kommt, rasch den

Sattelgurt ihres Pferdes lösen, damit sie leichte Geburten habe.

[Illustration:

Phot. The Exclusive News Agency.

Abb. 340. Isländerin im Brautstaat.

Das Kleid ist aus Seide oder Sammet hergestellt und mit Hermelin und

Stickereien besetzt; wertvolle Schmucksachen vervollständigen den

Anzug. Die Kopfbedeckung bildet eine Art Helm, von dem ein langer

weißer Schleier herabhängt.]

[Illustration: Abb. 341. Brautkastenführer in Kärnten.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 156 / 203 题