In Skandinavien legt man große Bedeutung dem Julstroh bei. Die Mägde
hängen am Abend, wenn sie das ganze Haus gereinigt und alles blitzblank
gescheuert haben, mit Zierat versehene Strohkränze über dem Eßtisch auf
und stecken kleine Bündelchen Roggenähren unter das Dach. Der Landmann
legt Stroh in die Ställe, damit es Gänse und Hühner gegen Marder und
Hexen schütze und die Kühe vor Krankheit und Fortlaufen bewahre, streut
es ferner auf die Äcker, damit die Saat gedeihe, und windet es um die
Obstbäume, damit sie reichlich Früchte tragen. Überhaupt ist der Bauer
überall eifrig bemüht, auch den Bäumen seines Gartens und den Früchten
des Feldes besondere Sorgfalt angedeihen zu lassen. So stellt er in
Ungarn das auszusäende Korn unter den Tisch und deckt es mit Stroh oder
Heu zu, weil er meint, daß in der Nacht das Jesuskindlein komme und
ein wenig darauf ausruhe, was eine reichliche Ernte zur Folge habe. In
anderen Gegenden begießt er die Obstbäume mit dem Wasser, in dem die
Festspeisen geknetet wurden oder der Mohn angerührt wurde; in Alpach
(Tirol) läßt er die Bäume von dem Mädchen, das den Teig zurechtmachte,
mit den noch nassen Händen anfassen. Stellenweise begegnet man auch der
Sitte, daß in die Rinde der Bäume Geldstücke gesteckt werden, damit sie
reichlich tragen, oder, wie in Tirol, daß man die Bäume schlägt oder
tüchtig schüttelt, oder, wie in Belgien, daß man sie am Weihnachtstage
mit einem Beil anschlägt -- alles dies, um ihre Fruchtbarkeit zu
steigern.
[Illustration:
Phot. Wilhelm Müller, Bozen.