Abb. 250. Chorotiindianer beim Fadenspiel.]

Der Aberglaube, daß das Essen von dem Fleisch bestimmter Tiere die

Eigenschaften dieser auf den, der es genießt, und selbst auf die Frucht

in dessen Leibe übergehen lasse, mag Veranlassung dazu gegeben haben,

daß viele Stämme die Aschenreste ihrer Vorfahren unter ihr Getränk

mischen, um sich so deren gute Eigenschaften anzueignen. Die Kobéua,

die diese Unsitte üben, halten dabei zugleich Tänze ab, wo die Masken

eine große Rolle spielen, die wir eingangs schon kennen gelernt haben.

Wir erinnern ferner an die unter vielen Naturvölkern verbreitete oder

richtiger verbreitet gewesene Sitte der +Menschenfresserei+, die

zumeist ähnlichen Zwecken dienen sollte wie das erwähnte Vermischen

des Getränks mit der Asche Verstorbener. Sie war früher allgemein

üblich und soll auch jetzt noch bei gewissen Stämmen, zum Beispiel den

Uitóto, vorkommen. Der Indianer, der dies tut, will dadurch sowohl die

guten Eigenschaften seines Feindes in sich aufnehmen als auch dessen

Persönlichkeit vollständig vernichten und sich dadurch gegen die Rache

des Geistes des Verstorbenen schützen.

[Illustration:

Phot. E. Nordenskjöld.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 122 / 203 题