Der Tanz soll den Zwerg Makuko versöhnen.]

Bei den Karayá werden die Jünglinge aus den Hütten ihrer Eltern

in besondere Häuser gebracht, die für die Junggesellen des Dorfes

errichtet sind. Hier wohnen sie bis zu ihrer Verheiratung und führen

ein sorgloses Leben, denn die ganze Gemeinde steuert in freigebiger

Weise zu ihrem Unterhalt bei; auch empfangen die Burschen hier den

Besuch der Mädchen. Die Zeit vertreiben sie sich mit Jagen und Fischen.

-- Die +Mädchen+ genießen im allgemeinen die +größte Freiheit+ und

verfügen über ihren Körper ganz nach Belieben; früher scheint mehr

Sittsamkeit gewaltet zu haben. Bei den Ashluslay- und Chorotistämmen

im Gran Chaco ist Prostitution der Mädchen nichts Ungewöhnliches; das

Chorotimädchen tut bei Liebesabenteuern zumeist den ersten Schritt: es

entführt den Burschen, den es sich für die Nacht zum Liebhaber wünscht,

ganz einfach vom Tanze fort in den Wald. Bei der Werbung der Mädchen

um einen Mann kommt es öfters zu Eifersuchtszenen. Mit Boxhandschuhen

aus Tapirhaut oder mit einem anderen widerstandsfähigen Gegenstand,

schlimmstenfalls sogar mit Pfriemen aus Knochen, gehen die beiden

Eifersüchtigen aufeinander los, um sich in den Besitz des geliebten

Mannes zu setzen. Für gewöhnlich sucht sich ein Chorotimädchen nach

ihrer ersten Menstruation einen Mann aus, der für einige Monate ihr

Geliebter wird, dann wechselt sie und lebt für einige Jahre sorglos

und in Freuden. Später entschließt sie sich dazu, sich einen ständigen

Lebensgefährten zu wählen, und wird eine fleißige Hausfrau, treue

Gattin und sorgsame Mutter. Ein Choroti- und Ashluslaymädchen küßt den

Geliebten niemals; seine Verliebtheit findet in Kratzen und Anspeien

des Gesichts ihren Ausdruck. Ganz anders steht es um die Sittlichkeit

der Mädchen der Chané und Chiriguano, die doch ganz nahe bei jenen

Stämmen im Chaco wohnen. Diese werden ängstlich von ihren Müttern

behütet und zu Hause behalten, bis sich ein Mann für sie gefunden hat.

[Illustration:

Phot. Th. Koch-Grünberg.

Abb. 240. Maskierte Tänzer der Yahunaindianer vom Rio Apaporis,

Ostkolumbien.

Sie stellen den männlichen und weiblichen bösen Waldgeist Uadyayleru

vor. Die Jacke und die Gesichtsumhüllung ist aus rotem Bast

angefertigt, der Kopfputz besteht aus Holz und ist bemalt; den

Unterkörper bedeckt eine Schürze aus gelbem Bast.]

[Illustration:

Phot. Th. Koch-Grünberg.

Abb. 241. Maskentanz der Káuaindianer vom Rio Aiary.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 116 / 203 题