Bei den mehr arabisierten Kababisch kommen häufig auch
+Kinderverlobungen+ vor. Die Eltern des Knaben schicken denen des
Mädchens in diesem Falle Geschenke, und beide Teile warten ab, bis ihre
Kinder das erforderliche Alter erreicht haben. Ist dieser Zeitpunkt
eingetreten, so setzt der Feki, ein Mann, der im Rufe eines Heiligen
steht, einen bestimmten Tag für die Hochzeit fest. Alle Vereinbarungen
bezüglich der Heirat machen die beiderseitigen Väter untereinander
ab, dagegen wird der Brautpreis nur an die Mutter ausgehändigt. Ein
Mann würde es für unter seiner Würde halten, diesen anzunehmen. Ein
begüterter Kababisch läßt vor die Türe seiner Braut zwei bis drei
weibliche Kamele führen und schlachtet diese am anderen Morgen. Die
Mutter der Braut und die des Bräutigams bekommen jede ein besonderes
Stück des Fleisches, der Rest wird für die Hochzeitsgäste aufgehoben.
Darauf bauen die Angehörigen des Mädchens in ihrem Dorf ein kleines
Zelt, in dem der Bräutigam sechs Tage lang wohnen muß; währenddessen
versorgt ihn seine zukünftige Schwiegermutter mit Speise. Am siebenten
Tage wird ein vorläufiges Zelt in der Nähe errichtet, in das Angehörige
der Braut diese geleiten. Dabei wird von den Frauen getanzt und
gesungen. Der Bräutigam reitet auf dem besten Pferde, das er sich
beschaffen konnte, auf dieses Zelt zu, weigert sich aber nach seiner
Ankunft, von seinem Roß zu steigen, bis der Vater ihm ein Geschenk
versprochen hat, das bei einem Minderbemittelten meistens aus zehn
bis fünfzehn Schafen besteht, dagegen aus fünf bis hundert weiblichen
Kamelen, wenn es sich um einen wohlhabenderen Mann handelt. Nach
Vereinbarung dieses Geschenkes steigt der Bräutigam ab und betritt das
Zelt in Begleitung eines kleinen Knaben, der sein Schwert trägt.
Die Braut tritt jetzt heraus, wird dreimal um das Zelt herumgeführt
und kehrt dann in Begleitung einer Wärterin in dasselbe zurück. Diese
vier Menschen verweilen nun eine Zeitlang darin, wobei Bräutigam und
Braut kein Wort sprechen dürfen. Darauf wird letztere wieder in das
Zelt ihrer Mutter zurückgeführt, während sich der angehende Ehemann
sieben weitere Tage in dem nämlichen Zelt aufhalten muß. Mittlerweile
bauen die Angehörigen der Braut ein bleibendes Zelt an der Stelle des
vorläufigen und statten es mit allerlei Gegenständen aus dem Haushalte
der Brautmutter aus. Der Bräutigam stiftet ein Stück Vieh, das vor
dem Eingang zum Zelt getötet wird, worauf er sich hineinbegibt und
die Ankunft der Braut erwartet, die reichgeschmückt, von den Frauen
begleitet, erscheint. Wenn sie die Schwelle überschritten hat, enthüllt
der Bräutigam dreimal ihr Gesicht, das sie jedesmal wieder von neuem
bedeckt, dann faßt er unter ihr Gewand, reißt ihr den mit Lederfransen
besetzten Gürtel ab und wirft ihn auf einen Baumzweig, der vor dem Zelt
in die Erde gestoßen ist; währenddessen ruft das draußen stehende Volk
dem Paare allerhand gute Wünsche entgegen.
[Illustration:
Phot. C. G. Seligmann.
Abb. 112. Nuba beim Ringkampf,
einem bei beiden Geschlechtern sehr beliebten Sport. Bei den
Ringkämpfen der Frauen, die die Bergbewohner einmal im Jahre abhalten,
dürfen Männer nicht zuschauen.]
[Illustration:
Phot. C. G. Seligmann.