mit Narbenverzierung (Keloidbildung) auf dem Rücken.]
Die +Schilluk+ dagegen stehen unter einem König. Er, seine Kinder,
Enkelkinder und Urenkel stellen die Aristokratie dar; über vier
Menschenalter hinaus wird königliche Abstammung nicht anerkannt. Für
den König sorgt man in jeder Weise und behandelt ihn mit größter
Hochachtung. Früher durfte er nicht einmal in den Krieg ziehen, und
auch jetzt noch bewegt er sich nie ohne eine Leibgarde von etwa
zwölf bis zwanzig Mann, die gut bewaffnet und jederzeit bereit sind,
seinem leisesten Wunsch zu gehorchen. Sein Wort ist Gesetz, und die
Geldstrafen, die er verhängt, werden aus guten Gründen schleunigst
bezahlt. Zeugnis für den großen Einfluß, den er auf sein Volk ausübt,
legt die Tatsache ab, daß der stattliche Hügel, auf dem sein Wohnhaus
(Abb. 100) steht, trotz der den Schilluk angeborenen Trägheit mit
größter Eile und ohne Widerspruch aufgeführt wurde. -- Sobald sich an
den Königen Spuren schlechter Gesundheit oder hohes Alter bemerkbar
machen, fürchtet man, daß dadurch Unglück, wie Mißlingen der Ernte,
allgemeine Krankheit, Schwäche des Viehs, über das Volk hereinbrechen
könnte. Denn je älter und gebrechlicher ein König wird, um so mehr
büßt auch der Geist seines Ahnen an Rüstigkeit ein, und man fürchtet,
daß hieraus allgemeines Unglück entstehen könne. Daher tötet man den
König, bevor er zu alt wird; sein Geist kann dann sofort auf eine
andere, jüngere Persönlichkeit übergehen. Zu diesem Zwecke wurde in
früheren Zeiten der König in eine besonders dazu hergerichtete Hütte
gebracht, mit ihm eine heiratsfähige Jungfrau (man sagt eine der
Töchter seines Bruders), auf deren Schoß er sein Haupt legte; darauf
wurde der Eingang zur Hütte fest verschlossen und das Paar dem Hunger
und Durst preisgegeben. Einige Monate später öffnete man die Hütte
wieder, sammelte die Überreste der beiden in einem Fell und begrub sie
in einem besonderen Grabe. Über diesem erstand eine neue Hütte, und
diese wurde zu einem Götterschrein. Dieser Brauch soll vor ungefähr
fünf Menschenaltern abgekommen sein, wie man sagt wegen der Qualen,
die ein König erdulden mußte; dieser, der seine Gefährtin um ein paar
Tage überlebte, gab der draußen versammelten Menge den Auftrag, sie
dürften unter keinen Umständen seinen Nachfolger auf diese qualvolle
Weise so langsam sterben lassen. Eine öffentliche Verkündigung vom
Tode eines Königs scheint nicht stattgefunden zu haben; man ließ
die Kunde davon ganz allmählich sich verbreiten. Während der so
entstehenden Übergangszeit entschieden die mächtigsten Häuptlinge alle
kleineren Angelegenheiten, während sie die wichtigeren dem neuen König
vorbehielten, der von den Häuptlingen gewählt wurde. -- Die Königswahl
ist von zahlreichen Förmlichkeiten begleitet. Der neue König wird
zunächst in ein Dorf in der Nähe der Hauptstadt Faschoda geleitet,
während sich andere Häuptlinge an die nördlichen Grenzen des Reiches
begeben und den Priestern eines Schreines im Akurwadorfe mitteilen,
sie möchten den heiligen vierbeinigen Schemel und den Nyakang, ein roh
geformtes Bildnis des Ahnherrn der Könige, haben. Wenn der Nyakang
die Wahl des neuen Fürsten nicht billigt, dann wird nach dem Glauben
der Schilluk sein Bildnis so schwer, daß man es nicht von dem Schrein
wegnehmen kann. Ist er aber damit einverstanden, dann ziehen die Leute
mit dem Schemel und dem Bildnis ab. Sobald sie bei ihrer Rückkehr mit
dem neuen König und seinem Gefolge zusammentreffen, entspinnt sich ein
Scheinkampf, der für jene stets glücklich abläuft. Darauf begleiten
sie den König nach Faschoda. Hier wird der heilige Gegenstand,
der Nyakang, in den dortigen Schrein getragen, bald darauf aber
wieder herausgebracht und auf dem heiligen Schemel vor dem Eingange
niedergesetzt. Der neuerwählte König hält ein Bein des Nyakang, ein
vornehmer Häuptling das andere. Ein Ochse wird geschlachtet, doch
genießen nur ein paar Auserwählte von seinem Fleisch. Der Nyakang wird
schließlich wieder in den Schrein zurückgebracht, der König hochgehoben
und auf den Schemel gesetzt; hier bleibt er eine Zeitlang sitzen,
manchmal bis Sonnenuntergang, worauf man ihn zu drei neuen, für ihn
besonders erbauten Hütten führt. Hier muß er drei Tage lang verharren,
erst dann geleitet man ihn in aller Ruhe zu seinem königlichen Wohnort
in Faschoda. Nachdem noch einmal ein Ochse getötet und verspeist worden
ist, darf der König endlich zum ersten Male öffentlich erscheinen. Die
drei neuen Hütten werden zerstört und ihre Bestandteile in den Fluß
geworfen.
Die +Bari+ sind in Gruppen eingeteilt, jede von ihnen besitzt einen
Häuptling, der als das Oberhaupt in gemeinsamen Angelegenheiten
anerkannt wird. Er ist gleichzeitig auch Regenmacher und erfreut sich
großen Ansehens, solange ihm der Glaube entgegengebracht wird, daß er
imstande sei, den Regen zur rechten Zeit herbeizuführen. Gelingt ihm
dies aber nicht, so besteht oder bestand wenigstens früher für ihn
die Möglichkeit, daß er umgebracht wurde. Die Regenmacher legen ihre
Dörfer stets auf den Abhängen von ziemlich hohen Hügeln an, damit sie
den Regen leichter anziehen können, denn erfahrungsgemäß schlägt sich
die Feuchtigkeit aus den Wolken am ersten auf Bergen nieder. Zu Anfang
dieses Jahrhunderts stand im Ruf eines Hauptregenmachers ein gewisser
Ledju; ihm wurden auch noch andere Fähigkeiten zugesprochen: so glaubte
man von ihm, er könne veranlassen, daß Frauen reichen Kindersegen
bekämen, sobald er ein kurzes Spiel mit einem kleinen Eisenstab über
ihnen vollzog. Diesen Stab bewegte er unter Zaubergemurmel über ihren
Köpfen, wobei die Steine in den Kugeln an seinem Ende klapperten.
[Illustration:
Phot. G. H. Morbig.
Abb. 94. Ein Dinkakrieger in seiner Ausrüstung,
an der der große Schild aus Elefantenhaut bemerkenswert ist.]
[Illustration:
Phot. H. A. McMichael.
Abb. 95. Eine Kamelsänfte für die Weiber der Kawahla auf dem Marsche.
In dem oberen Teil werden die Kinder untergebracht, soweit sie schon
groß genug sind, um nicht mehr steter Aufsicht zu bedürfen.]
Zur Vollziehung der +Regenzeremonie+ werden von den Bari hauptsächlich
ausgehöhlte Gneisblöcke benutzt, die mit einem der unter den Negern
üblichen Wetzsteine Ähnlichkeit haben. Sie werden in einer kleinen
Umfriedigung aufgestellt; jeder von ihnen enthält in Aushöhlungen zwei
bis acht Stücke Bergkristall oder Granit von Kegel- oder Kreisform.
In der Nähe der Steine steht eine größere Anzahl irdener Töpfe;
schließlich werden über die hohlen Steine noch viele Eisenstäbe von
verschiedener Größe und Form gelegt (Abb. 99). Die Bitte um Regen
wird dem Regenmacher für gewöhnlich durch das Dorfoberhaupt und
einige Dorfälteste vorgetragen; dazu bringen sie ein Geschenk mit
in Gestalt von Hühnern, Schafen oder Ziegen, je nach den vorhandenen
Mitteln. Eines oder mehrere dieser Tiere werden getötet und gemeinsam
verzehrt, wobei die Regenmacher den Löwenanteil erhalten. Nach der
Mahlzeit begeben sich die Hilfsregenmacher zur Umfriedigung, entfernen
die Eisenstäbe und lehnen sie gegen eine darüber ausgespannte Schnur.
Darauf waschen sie die kleinen Steine und Kristalle mit Wasser aus den
Töpfen und legen sie wieder in die ausgehöhlten Steine. Jeder Gehilfe
hat seine eigenen Steine, die seiner besonderen Obhut unterstellt
und ihm mit Namen bekannt sind; gewöhnlich sind dies Namen früherer
Regenmacher. Jetzt findet sich der Hauptregenmacher ein mit einem
kleinen Topf voll Fett oder Pflanzenöl. Nachdem er niedergehockt
ist, gießt er sich etwas davon in die Hände, reibt die Flächen gegen
einander, nimmt die Kristalle und kleinen Steine nacheinander aus ihren
Löchern und reibt sie mit Öl ein, indem er singt oder etwas vor sich
hin murmelt; dies ist die Bitte um Regen für die Ernte. Er ergreift
auch einen der Eisenstäbe, deutet damit in die Richtung der Regenwolke,
die er anziehen möchte, und bewegt die Arme auf und nieder, wodurch
er die Wolke auf sich niederzuziehen vermeint. Will sie nicht kommen,
dann nimmt er den Stab wie ein Krieger, stampft damit mehrmals auf den
Boden, macht heftige Gebärden und stößt mit lauter Stimme seltsame
Worte aus. Die Eingeborenen setzen sehr großes Vertrauen in das Können
des Regenmachers während der Regenzeit. Gelingt es ihm aber nicht, es
zu rechtfertigen, dann ist unter Umständen sein Leben bedroht und er
kann genötigt sein, die Gegend zu verlassen. Die Regensteine werden
als etwas Heiliges angesehen und vererben sich von Geschlecht zu
Geschlecht. Jeder Regenmacher besitzt auch einen geweihten Speer, der
in einer besonderen Hütte aufbewahrt, aber nur herausgenommen wird,
wenn ein Bündnis geschlossen werden soll. Bevor er wieder in sein Heim
zurückgeführt wird, muß ein Opfer dargebracht werden. -- Bei den Nuba
Kordofans, die ähnliche Maßnahmen zur Erzeugung von Regen kennen, wird
dieser Speer aus seinem Aufbewahrungsort herausgenommen, um das Tier zu
töten, das bei der Feierlichkeit geopfert werden soll.
[Illustration:
Phot. C. G. Seligmann.
Abb. 96. Eine prunkvolle Kamelsänfte,
wie sie vornehme Frauen bei den Kababisch und Kawahla (beides
Araberstämme im ägyptischen Sudan) zu benutzen pflegen.]
[Illustration:
Phot. Jennings Bramley.