Abb. 55. Masken der Bunduteufel.]

In gewissen Teilen des nordwestlichen Nigeria stehen die Eltern vor

dem Hause, wenn der Bräutigam eintritt; zwei seiner Freunde halten

das Mädchen bei den Beinen fest. Ist die Braut noch jungfräulich,

dann wird den Eltern nach dem Hochzeitsakt ein weißes Tuch mit den

üblichen Abzeichen gezeigt und es werden ihnen Geschenke dargebracht.

Hat sich aber gezeigt, daß die junge Frau ihre Jungfernschaft bereits

verloren hatte, dann errichtet der Mann vor seinem Hause eine Stange,

hängt jene zum Schein daran auf und zerschlägt ihre Schüsseln und

Töpfe. Er will damit andeuten, daß die Frau von selbst zu ihren Eltern

zurückkehre; denn wenn sie aus freien Stücken von ihm geht, müssen ihre

Eltern die Heiratsgebühr zurückerstatten, während sie den Brautpreis

behalten, wenn der Mann sie forttreibt. -- Bei den Filani wird Ende

des Jahres ein Ritus, den sie Girewali nennen, im Walde abgehalten.

Die Jünglinge stellen sich in einer Reihe auf, die Mädchen stürzen

auf ihre Günstlinge zu und nehmen sie mit sich; nachdem ein Festmahl

stattgefunden hat, schlafen die betreffenden Paare zusammen. -- Bei den

Sobo lebt die Ehefrau die erste Zeit im Hause ihrer Eltern, ihr Mann

aber wohnt mit ihr nicht zusammen, sondern besucht sie nur jeden Abend;

bei Tagesanbruch geht er dann wieder fort. Erst nach drei Monaten

bringen Angehörige ihrer Familie die junge Frau in das Haus des Gatten.

-- Bei den Bassa-Komo pflegen alle Männer in einem Teile des Dorfes zu

leben, alle Frauen in einem anderen; die Männer besuchen ihre Frauen

oder umgekehrt die Frauen ihre Männer, wie es gerade die Gelegenheit

ergibt. Bei den Mbres am Tschadsee besteht noch Gruppenheirat, die

Männer müssen aber alle Brüder, die Frauen alle Schwestern sein. -- Bei

den Ekoi besteht die bindende Förmlichkeit darin, daß das Mädchen ein

Hochzeitsgeschenk als solches annimmt; die Annahme verkündet darauf der

Bewerber im ganzen Dorfe. Vor der Hochzeit muß das Mädchen, wie wir

bereits hörten, eine Zeitlang im Masthaus bleiben; währenddessen geht

es weder aus noch arbeitet es. Auf Mädchen, die sich dies nicht leisten

können, entweder aus Mangel an Geld oder aus sonstigen Gründen, wird

scheel herabgesehen. Wenn einer Mutter ihr zukünftiger Schwiegersohn

nicht angenehm ist, so sucht sie es manchmal dahin zu bringen, daß

er die Verlobung wieder rückgängig macht, indem sie ihm droht, ihre

Tochter vor der Hochzeit knapp zu halten, damit sie nicht fett werde.

[Illustration:

Phot. C. H. Firmin.

Abb. 56. Bunduteufel in ihrer Amtstracht.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 68 / 203 题