Abb. 1. Teilnehmerinnen eines Boritanzes (Benuebezirk)

zur Besänftigung der bösen Geister, der Bori, die den Menschen Unheil

zufügen.]

Westafrika.

Westafrika, worunter ich die Küstengebiete vom Senegal südwärts bis

zum Kongo verstanden wissen will, wird in der Hauptsache von den

westlichen Sudannegern, in seinem südlichsten Abschnitte (Kamerun) auch

von Bantustämmen eingenommen. Über diese Unterschichten haben sich in

weiter Ausdehnung, aber ungleicher Dichte fremdländische, von Norden

und Osten her eingewanderte Elemente gelagert, Hamiten und Araber,

so daß stellenweise mannigfache Verschmelzungsprozesse entstanden

sind. Diese Zuwanderer waren die Fulbe und die Haussa, von denen in

dem Abschnitt Sudan ein wenig eingehender noch die Rede sein wird.

Beide Völker haben in den vergangenen Jahrhunderten, die Fulbe im

neunzehnten, die Haussa bereits im siebzehnten und achtzehnten, eine

große politische Rolle gespielt und mächtige Staaten gegründet, die

aber schon längst ihren Glanz eingebüßt haben.

Die wichtigste Gruppe der westlichen Sudanneger sind die Mandingo,

eine nach Millionen zählende Menschenmasse, die sich vom Senegal in

breiter Zone längs der ganzen Westküste und ihres Hinterlandes bis

Togo hinzieht und durch das gemeinsame Band ihrer Sprache (Mandingo)

miteinander verbunden wird. Im dreizehnten Jahrhundert bildeten die

Mandingo ein mächtiges selbständiges Staatswesen. Zu ihnen zählen als

wichtigste Stämme heutigestags die Soninke an der Küste Senegals, die

Bambara am oberen Senegal und Niger, die Woluffen zwischen Senegal

und Gambia, die Balante in Portugiesisch-Guinea, die Susu in der

Rivière du Sud, die Mendi und Timni in Sierra Leone, die Wei und Kru

in Liberia, die Aschanti und die Eingeborenen von Dahome, sowie die

tschi- und ewesprechenden Stämme, die Yoruba und Timvölker (Tschaudjo,

Bassari, Losso, Kaburi und so weiter) an der Gold- und Sklavenküste.

Die letzteren rechnet man bereits zu den Guineanegern, zu denen

in Kamerun noch die Bali, Bamum, Tikar, Wute, Dschamba, Musgu und

Kanuri als die bedeutendsten Stämme hinzukommen würden. Unter diesem

Himmelsstriche stoßen wir aber gleichzeitig noch auf die von Süden her

zugewanderten Bantu, als deren wichtigste Stämme ich die Fang, Maka,

Bakoko (mit den Duala) und Bakundu anführe. Schließlich wären noch

Überreste der Zwergvölker (Bangielle) in Südkamerun zu erwähnen.

[Illustration:

Phot. C. H. Firmin.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 39 / 203 题