Rhodostachys bicolor. (Südl. Grenze 42° n. OCHSENIUS.)

*Piperaceae.*

Peperomia australia.

*Gesneraceae.*

Sarmienta repens.

#Mitraria coccinea.

Asteranthera ovata.

*Cornaceae.*

?Griselinia sp.

Der merkwürdigste Bestandtheil der Epiphytengenossenschaft Süd-Chiles ist

die einer ganz antarktischen Smilaceengruppe gehörende Gattung Luzuriaga,

von welcher die eine Art einen strauchigen, die andere einen kletternden

Epiphyten darstellt.

Wenn es sich bestätigt, dass die Gattung Griselinia in Süd-Chile

epiphytisch wächst, was, nach BALL, wahrscheinlich ist, so würde dieselbe

ebenfalls zu den eigenartigsten Gliedern der Genossenschaft zu rechnen

sein, da die Familie der Cornaceen, soweit meine Erfahrungen reichen,

sonst nur terrestrische Pflanzen enthält.

Dass das antarktische Waldgebiet eine von derjenigen des tropischen

Amerika wesentlich abweichend zusammengesetzte Epiphytengenossenschaft

besitzt, kann uns bei seiner niederen Temperatur und seiner Trennung vom

tropischen Waldgebiete durch ausgedehnte Länder, welche, wegen Mangels an

Feuchtigkeit, der Durchwanderung tropischer Typen grosse Schwierigkeiten

entgegensetzen, nicht wundern. Die Flora des antarktischen Waldgebiets

besitzt, in Folge dieser Umstände, überhaupt mehr den Charakter einer

Inselflora als denjenigen des Theils eines Continents.

Bei der grossen Verbreitungsfähigkeit der Epiphytengenossenschaft könnte

man vielleicht denken, dass letztere im antarktischen Amerika doch nicht

autochthon sei, sondern sich aus Emigranten des östlichen Theils der

Tropenzone recrutirt habe, und zwar durch Vermittelung der temperirten

Süd-Seegebiete, die in ihrer Vegetation so viel Aehnlichkeit mit dem

antarktischen Waldgebiet besitzen, dass ENGLER letzteres mit Neu-Seeland,

Süd-Australien, Tasmanien, den antarktischen Inselgruppen und dem Cap der

guten Hoffnung in ein Florenreich, das altoceanische, vereinigt.

Diese verschiedenen Gebiete des altoceanischen Florenreichs enthalten

theilweise allerdings einige Epiphyten, die tropischen Gattungen,

theilweise sogar Arten der östlichen Hemisphäre angehören. _Solche

gerontogäische tropische Elemente fehlen hingegen im antarktischen

Waldgebiet, mit Ausnahme einiger Hymenophyllen, gänzlich; die epiphytische

__ Vegetation des letzteren ist wesentlich eine autochthone._

Der antarktische Wald ist übrigens nicht das einzige extratropische

Gebiet, wo die einheimischen Gewächse sich der Lebensweise auf Bäumen

anbequemten. Das auf derselben Breite gelegene und klimatisch mit

Süd-Chile sehr ähnliche Neu-Seeland hat vielmehr ebenfalls, ausser einigen

tropischen Einwanderern, eine Anzahl autochthoner Epiphyten aufzuweisen.

*Epiphyten Neu-Seelands.*

*Lycopodiaceae.*

Lycopodium varium.

— Billardieri.

Tmesipteris Forsteri.

Psilotum triquetrum.

*Filices.*

Hymenophyllum rarum.

— tunbridgense.

— unilaterale.

— minimum.

— pulcherrimum.

— flabellatum.

— aeruginosum.

— Lyallii.

Trichomanes humile.

— Colensoi.

— venosum.

Asplenium bulbiferum.

Polypodium australe.

— Grammitidis.

— pustulatum.

— Cunninghami u. a. A.?

*Liliaceae.*

Astelia Curminghami.

— Solandri.

— Banksii.

— u. a. A.?

?Luxuriaga sp.

*Orchideae.*

Earina mucronata.

— autumnalis.

Dendrobium Cunninghami.

Bolbophyllum pygmaeum.

Sarcochilus adversus.

*Piperaceae.*

Peperomia Urvilleana.

Die epiphytische Genossenschaft ist in Neu-Seeland reicher an tropischen

Typen als in Süd-Chile, und unter denselben befindet sich Psilotum, das im

tropischen und subtropischen Amerika, wie auch in den feucht-warmen

Gebieten der alten Welt weit verbreitet, das antarktische Waldgebiet nicht

erreicht. Der eigenartigste Bestandtheil der Epiphytengenossenschaft Neu-

Seelands und, neben Farnen, der gewöhnlichste ist, ähnlich wie in

Süd-Chile, eine ziemlich formenreiche Liliacee, Astelia, die sich in ihrer

Lebensweise an die Bromeliaceen anzuschliessen scheint.

Die Uebereinstimmung zwischen der Zusammensetzung der

Epiphytengenossenschaft in Neu-Seeland und Süd-Chile ist geringer, als man

sie bei der scheinbar grossen klimatischen Aehnlichkeit beider Gebiete

erwartet haben dürfte; sie beschränkt sich auf drei Farne, Hymenophyllum

rarum, H. aeruginosum und Polypodium australe, die in der südlichen

temperirten Zone überhaupt, das erstere auch auf Ceylon etc., sehr

verbreitet sind. Die Ursache davon scheint jedoch eher in klimatischen

Einflüssen als in dem Mangel an Verbreitungsmitteln zu liegen, indem jedes

der Gebiete den eigenartigsten der Typen, aus welchen die epiphytische

Genossenschaft des anderen sich recrutirt hat, besitzt. Eine nicht

epiphytische Astelia wächst nämlich an der Magellanstrasse, während eine

(epiphytische?) Luzuriaga neuerdings, als grosse Seltenheit, auf

Neu-Seeland gefunden worden ist.

Süd-Chile und Neu-Seeland besitzen nur wenige epiphytische Arten, die

Wälder beider Gebiete stehen in dieser Hinsicht weit hinter denjenigen des

tropischen Amerika und des indo-malayischen Florenreichs zurück. Die

Ursache dieser Armuth ist nicht schwer zu errathen. Süd-Chile und

Neu-Seeland besitzen überhaupt eine wenig formenreiche Flora und konnten

daher nur wenige autochthone epiphytische Arten erzeugen, indem die

Fähigkeit, die terrestrische Lebensweise gegen die epiphytische zu

vertauschen, wie wir es gesehen, eine Constellation von Eigenschaften

voraussetzt, die sich nur bei relativ wenigen Pflanzen befindet.

Andererseits standen der Einwanderung von Epiphyten aus den Tropen, dem

Austausch zwischen Neu-Seeland und Süd-Chile klimatische und

topographische Hindernisse entgegen, welche die Bereicherung auf solchem

Wege sehr einschränkten. Ganz anders in den tropischen Waldgebieten der

neuen und der alten Welt. Hier auch müssen wir annehmen, dass eine neue

Form, welche die zur epiphytischen Lebensweise nöthigen Eigenschaften

vereinigte, relativ nur selten entstand; war sie aber einmal gebildet, so

trugen Wind und Vögel ihre Samen in kurzer Zeit von einem Ende des Waldes

zum anderen, wo bei der Gleichmässigkeit der klimatischen Bedingungen der

Kampf gegen die Mitbewerber allein über ihr Fortbestehen entschied. Bei

der ungeheuren Ausdehnung der tropischen Wälder, dem Formenreichthum ihrer

Flora musste die epiphytische Genossenschaft eine reichere werden als in

den kleinen, abgeschlossenen Gebieten der australen temperirten Zone; der

Endemismus musste sich in derselben aber noch weit schwächer erhalten als

in der Bodenvegetation.

Das wesentlichste allgemeine Resultat, zu welchem uns die Betrachtung der

epiphytischen Flora im antarktischen Amerika und in Neu-Seeland führt,

ist, dass, ähnlich wie in den hohen Regionen tropischer Gebirge, _auch in

hohen Breiten autochthone __ Pflanzenformen die epiphytische Lebensweise

annehmen, wenn die atmosphärische Feuchtigkeit hinreichend gross ist_.

9. Dass Feuchtigkeit der maassgebende Factor für das Auftreten

atmosphärischer Gewächse ist, ergibt sich überall in deutlichster Weise

aus den vorhandenen meteorologischen Angaben. HANN’s meteorologischer

Atlas enthält eine allerdings nur provisorische und noch unvollkommene

Karte der jährlichen Regenmenge auf der ganzen Erde und eine solche der

zeitlichen Regenvertheilung. Die Betrachtung Amerikas auf diesen Karten

zeigt uns, dass die Gebiete, deren jährliche Regenmenge 200 cm übertrifft,

allein autochthone Epiphyten aufzuweisen haben. Diesen Bedingungen

entsprechen nämlich, zwischen den Wendekreisen, die Ostküste

Centralamerikas, die Ostseite der grossen Antillen, die kleinen Antillen,

das Orinoco-Delta, ein Theil Guianas, die brasilianische Küste. Eine nur

scheinbare Ausnahme bildet die Hylaea, die nach der Karte 130--200 cm

Regen erhalten soll. Einmal ist die Regenmenge am oberen Amazonas weit

grösser (z. B. 284 cm in Iquitos(30), dann tritt in den Galleriewäldern,

wie an den Ufern aller grossen Flüsse, reichlich Nebel- und Thaubildung

auf. »Diese Nebel tränken die Pflanzen in der trockenen Zeit und gestatten

für die Flussufer eine abweichende und üppige Vegetation« (HANN). Wie

gross die Thaubildung auf dem Amazonenstrom ist, geht u. a. aus folgender

Stelle bei POEPPIG(31) hervor: »Kühl ist dann (d. h. am Morgen) die Luft,

und das Blätterdach des schwimmenden Hauses träuft von dem Thaue der

nächtlichen Fahrt, als sei soeben ein heftiger Platzregen gefallen.«

Ausserhalb der Wendekreise haben in Amerika nur wenige Gebiete sehr

beschränkter Ausdehnung über 200 cm Regen; es sind in Süd-Amerika die

extratropische süd-brasilianische Küste (S. Paulo bis S. Catharina) und

die Westküste Chiles und Feuerlands(32), Gebiete, deren Reichthum an

Epiphyten hervorgehoben wurde. Im extratropischen Nord-Amerika gehört zu

diesen feuchtesten Gebieten nur die dicht bewaldete nordwestliche Küste,

ungefähr vom 46.° bis 60.° N. B. Ueber das Vorkommen oder Fehlen von

Epiphyten in diesen Wäldern ist mir nichts bekannt; dasselbe dürfte aber,

da letztere aus Nadelhölzern bestehen, die wenig transpiriren und die

atmosphärischen Dünste leicht durchlassen, unwahrscheinlich sein.

Die ausgedehntesten Gebiete grosser atmosphärischer Feuchtigkeit befinden

sich in der östlichen Hemisphäre wiederum zwischen den Wendekreisen, und

zwar vorwiegend im nordöstlichen Indien (Sikkim etc.), auf der Malayischen

Halbinsel, dem Malayischen Archipel, den Philippinen und Süd-China. In

Afrika sind die Gebiete, wo die jährliche Regenmenge 200 ccm übersteigt,

von viel geringerer Ausdehnung; daraus dürfte sich zur Genüge die vielfach

angestaunte Armuth der Epiphytengenossenschaft in Afrika erklären.

_Ausserhalb der Tropen besitzt auf der östlichen Hemisphäre Neu-Seeland,

nach der __HANN__’schen Karte, allein über 200 cm jährlichen Regens_,

sodass diese Hauptbedingung für die Entstehung autochthoner Epiphyten

ähnlich erfüllt war wie in den tropischen Waldgebieten und in Süd-Chile.

Neu-Seeland und Süd-Chile sind denn auch die einzigen extratropischen

Gebiete, die autochthone phanerogamische Epiphyten aufzuweisen haben. In

feuchteren Gebirgsgegenden der temperirten Gebiete sieht man zuweilen die

Farne des Bodens auch auf den Bäumen wachsen, so an der atlantischen Küste

Europas Davallia canariensis, Asplenium Hemionitis und das in den feuchten

Gebieten der ganzen Welt verbreitete Hymenophyllum tunbridgense.

In den feuchten Anlagen von Cintra bei Lissabon habe ich Polypodium

vulgare auf vielen Bäumen gesehen, und die gleiche Farnart, allerdings in

einer etwas abweichenden Varietät (var. Teneriffae) bildet mit Davallia

canariensis und Asplenium Hemionitis eine ziemlich üppige atmosphärische

Vegetation in den feuchten Wäldern der Nebelregion auf Teneriffa (CHRIST);

die Davallia ist auch sonst auf der Insel verbreitet und steigt, »ob

Matanzas an der vom Wind bestrichenen feuchten N.O.-Seite der Palmenstämme

bis in deren Wipfel empor« (CHRIST, p. 473). Einige Farne bilden auch, wie

wir es früher gesehen, die einzigen autochthonen Bestandtheile der sonst

aus tropischen Einwanderern bestehenden epiphytischen Genossenschaft

Japans. Die Farne sind demnach weit eher im Stande als die Phanerogamen,

schon bei relativ geringer Feuchtigkeit epiphytische Lebensweise

anzunehmen, und nähern sich in dieser Hinsicht den noch weit mehr

genügsamen Moosen.

In den Gebieten mit geringerer Regenmenge finden wir autochthone Epiphyten

nicht, wohl aber stellenweise xerophile Auswanderer aus den feuchten

Gebieten, z. B. in den Llanos Venezuelas, den Campos und Catingas

Brasiliens zwischen den Wendekreisen; in den südlichen Staaten

Nord-Amerikas und in Argentinien ausserhalb derselben. Das Fehlen der

Epiphyten ist unzweifelhaft auf die geringe Menge und ungleichmässige

Vertheilung der Niederschläge während der Vegetationsperiode

zurückzuführen.

Gänzlich fehlen die epiphytischen Gefasspflanzen in den Gebieten, deren

Temperatur das Gedeihen tropischer Einwanderer nicht mehr erlaubt und

deren Feuchtigkeitsverhältnisse diesen Uebergang terrestrischer Gewächse

auf die Baumrinde nicht gestatten, wie in Nord-Amerika nördlich vom 38.°,

oder wo bei anscheinend günstigen klimatischen Bedingungen, die das

Gedeihen xerophiler Colonisten der tropischen epiphytischen Floren

ermöglichen würden, einer Einwanderung solcher unüberwindliche Hindernisse

entgegenstehen, wie in den Mediterranländern, die durch beinahe baumlose,

für jede atmosphärische Vegetation viel zu trockene Steppen und Wüsten von

den tropischen Waldgebieten getrennt sind. Wir haben gesehen, dass die in

und bei der Stadt Algier gepflanzten Dattelbäume in den Basen ihrer

abgestorbenen Blätter, wo sich reichlich Erde ansammelt, vielfach eine

üppige Vegetation ernähren; auch für diese niederste Stufe des

Epiphytismus ist in den Oasen der Sahara die Regenmenge zu gering; ich

habe auf den zahllosen Dattelbäumen der Oasen von Biskra (jährliche

Regenmenge 3 cm) nie eine Pflanze wachsen sehen, obwohl der Wind

unzweifelhaft, neben Staub, die Samen der an hohe Trockenheit angepassten

Pflanzen der Wüste oft genug in die Basen der abgestorbenen Blätter

bringt.

_Nicht bloss die Regenmenge, sondern der derselben proportionale

Wasserdampf der Luft und der Thau sind als maassgebende Factoren für die

epiphytische Vegetation zu betrachten_, wie daraus hervorgeht, dass in den

Savannengebieten die die Flüsse einfassenden Galleriewälder eine viel

üppigere und formenreichere epiphytische Vegetation ernähren, als der

benachbarte dünne Savannenwald. Autochthone Epiphyten finden wir nur in

Gebieten, in welchen während der feuchten Jahreszeit die Lüft stets nahezu

mit Wasserdampf gesättigt und wo in der trockenen die Thaubildung noch

reichlich ist, wie ich aus dem Vorkommen von Wasser in den Blatttrichtern

der Bromeliaceen während der trockenen Jahreszeit in Venezuela und

Trinidad constatiren konnte.

Dass hygrophile und überhaupt autochthone Epiphyten in Gebieten mit

mehrmonatlicher, nahezu regenloser trockener Jahreszeit vorkommen, ist mir

mehr denn zweifelhaft; so fehlen solche in der Provinz Ceara, die grossen

Dürren(33)ausgesetzt ist, ganz und gar.

An epiphytische Lebensweise angepasste Pflanzenarten sind, nach dem

Vorhergehenden, in Amerika ausschliesslich im tropischen und im

antarktischen Walde entstanden. In beiden beruht der Ursprung der

Epiphytengenossenschaft auf der Thätigkeit des Windes und der Thiere, die

die Samen der Bodenpflanzen auf die Bäume trugen, auf der atmosphärischen

Feuchtigkeit, welche die normale Entwickelung der Pflanzen aus diesen

Samen ermöglichte. Manche Pflanzenarten vermochten sich ebensowohl auf dem

Boden, wie auf den Bäumen zu behaupten, und erhielten daher keine

Anpassungen an epiphytische Lebensweise, während andere nur dem Umstande,

dass sie auf Bäumen (und theilweise auf kahlen Felswänden) gedeihen

konnten, ihr Fortbestehen im Kampfe ums Licht verdankten. Solche Pflanzen

passten sich der epiphytischen Lebensweise mehr oder weniger vollkommen

an, zum Theile jedoch ohne die Fähigkeit einzubüssen, unter günstigen

äusseren Verhältnissen auch als Bodenpflanzen zu leben; die Anpassungen

sind nämlich vielfach nicht derart, dass sie terrestrische Lebensweise

ausschliessen; letzteres ist jedoch häufig, am auffallendsten bei der

wurzellosen Tillandsia usneoides, bei Aëranthus-Arten mit assimilirenden

Wurzeln etc. der Fall.

Von den durch den Kampf ums Licht wesentlich auf epiphytische Lebensweise

angewiesenen Arten verblieben die einen im Schatten und Halbschatten,

während vollkommenere Anpassung eine grosse Zahl anderer in den Stand

setzte, an der Oberfläche des Laubdaches das direkte Sonnenlicht zu

geniessen. Während die ersteren ausgesprochen hygrophil verblieben und den

feuchten Urwald nicht verliessen, waren die Sonnenepiphyten relativ

xerophil geworden und konnten daher auch ausserhalb des Urwalds leben. In

der That haben sich diese xerophilen Elemente der Epiphytengenossenschaft

weit über die Grenzen des Urwalds hinaus verbreitet; sie haben die

Savannenwälder des inneren tropischen Amerika colonisirt und die

Wendekreise nach Norden und Süden bedeutend überschritten.

Der zweite amerikanische Bildungsherd epiphytischer Gewächse, der

antarktische Wald, hat eine weit weniger reiche epiphytische Vegetation

als der tropische aufzuweisen, was auf seine kleine Ausdehnung und die

Gleichartigkeit seines Klimas zurückzuführen ist. Auch die antarktische

Epiphytengenossenschaft hat tropische Colonisten erhalten, jedoch nur in

sehr geringer Zahl, eine Folge der niederen Temperatur und der gleichsam

insularen Lage des antarktischen Waldes, der von dem tropischen durch

Wüsten und Pampas, wo das epiphytische Leben so gut wie ganz fehlt,

getrennt ist.

Von den drei Waldgebieten Amerikas haben, nach dem Gesagten, nur zwei

autochthone Epiphyten aufzuweisen. Epiphyten fehlen im

pacifisch-nordamerikanischen Walde gänzlich und im atlantischen nur durch

tropische Colonisten vertreten. Als die Ursache des Fehlens autochthoner

Epiphyten in den nord-amerikanischen Wäldern haben wir die unzureichende

Menge der atmosphärischen Niederschläge und den zu geringen Dampfgehalt

der Luft erkannt. Während im feuchten tropischen und antarktischen Walde

viele Pflanzen des Bodens auf den Bäumen gedeihen und dann, durch

allmähliche Anpassung, relativ xerophil werden konnten, war in den weniger

feuchten nordamerikanischen Wäldern der erste Schritt, der Uebergang der

terrestrischen Gewächse auf die Bäume, unmöglich und hiermit die

Entstehung einer autochthonen Epiphytengenossenschaft von vornherein

ausgeschlossen. Dagegen ist die Feuchtigkeit in einem grossen Theile des

nord-amerikanischen Waldgebiets für die xerophil gewordenen Epiphyten der

Tropen hinreichend gross, und wir sehen diese daher überall nach Norden

dringen, wo Sommerregen herrschen. So kam die eigenthümliche Erscheinung

zu Stande, dass der temperirte nord-amerikanische Wald eine

ausschliesslich tropische atmosphärische Vegetation trägt. Ganz das

gleiche, wie in Nordamerika, wiederholt sich in den Wäldern Argentiniens,

wo das Klima für die Entstehung einer autochthonen Epiphytenflora

ebenfalls zu trocken war, aber zahlreiche tropische Einwanderer auf den

Stämmen und Aesten der Bäume wachsen, während, weiter nach Süden, im

feuchten Süd-Chile, mit der plötzlichen Zunahme der Feuchtigkeit auf

einmal eine neue autochthone Epiphytengenossenschaft zum Vorschein kommt.

Die epiphytische Vegetation Amerikas · 第 22 / 44 题