TAUCHERGLOCKE

O Taucher, ewig unter der Glocke!

Ein ganzes Meer von ewig warmem Glas!

Ein ganzes regungsloses Leben mit langen grünen Pendelschlägen!

Und so viel fremde Wesen durch die Scheiben,

Die zu berühren ewig untersagt ist,

Wo so viel Leben draussen herrscht im klaren Wasser!

Gib acht! Der Schatten grosser Segelschiffe fliegt

Über den Blumenflor der Meereswälder!

Und plötzlich bin ich unterm Schatten grosser Wale,

Die nach dem Pole ziehn!

Jetzt löschen wohl die Andern in dem Hafen

Die Ladung der beschneiten Schiffe!

Ein Gletscher, der noch starrt auf Sommerwiesen!

Sie schwimmen rückwärts durch die grüne Flut der Meeresbucht!

Am Mittag dringen sie in düstre Grotten

Und Meeresbrisen fegen die Terrassen!

Gib acht! Das sind des Golfstroms Flammenzungen!

Halt' ihre Küsse fern den Wänden des Verdrusses!

Man tat den Fieberkranken keinen Schnee mehr auf die Stirn!

Die Siechen haben Freudenfeuer angezündet

Und werfen grüne Lilien mit vollen Händen in die Glut!

Lehn' deine Stirn an, wo die Wände kühler sind,

Und warte, bis der Mond die Glockenspitze trifft,

Und schliess die Augen fest vor jenen Wäldern

Von blauen Pendelschlägen und von violettem Gallert:

Und bleib den Flüsterworten taub der lauen Flut!

Dann trockne deine schweissgeschwächten Wünsche.

Tritt erst zu denen, die der Ohnmacht nahe sind:

Es ist, als ob sie Brautnacht feierten im Keller,

Als ob sie mittags einen unterirdischen Gang, mit Lampen ausgehängt,

beträten.

Sie zieh'n im Festzug durch ein Land, das einer Waise Kindheit gleicht.

Tritt dann zu denen, die im Sterben liegen.

Sie kommen an wie Jungfraun nach einem langen Weg im Sommer an einem

Fasttag.

Sie sind so bleich wie Kranke, die den Regen

Sanft auf die Gärten des Spitales rieseln hören,

Sie sind wie Überlebende, die auf dem Schlachtfeld Mahlzeit halten,

Und wie Gefangene, die wissen, dass alle Wächter sich im Flusse baden,

Und hören, dass man Gras im Kerkergarten mäht.

Gedichte(#67399) · 第 24 / 63 题