NACHTGEBET

Mein nächtliches Gebet ist müd'

In Sehnsuchtsträumerei'n erschlafft.

Ich fühl's, wie jähe Leidenschaft

Und schlimme Wollust mich durchglüht!

Ich seh' des Mondes helles Flirren

Im nächt'gen Kummer meiner Träume;

Ich sehe über giftige Räume

Die Fleischeslust verloren irren.

Ich fühle, wie nach grünen Fernen

Die Gier in meiner Brust erwacht,

Und in der wolkendunklen Nacht

Lechz' ich verdürstend nach den Sternen.

Ich fühle, wie mein Geist sich füllt

Mit bösen, schwarzen Zärtlichkeiten,

Und über sumpfbedeckten Weiten

Verfinstert sich des Mondes Bild.

Dein Groll, o Herr, macht mich zunichte!

O hab Erbarmen, Herr, und beue

Dem Kranken, Schweissgebadeten aufs neue

Das Grün, das er erblickt im Mondenlicht!

Und all den Schierling, Herr, es eilt, es eilt,

Der ringsum wuchert, heiss' ihn niedermähen!

Durch meiner Hoffnung Dunkel muss ich sehen,

Wie grün der Mond auf Schlangenleibern weilt!

Und all die schlimmen Träume dringen

In meinen Blick mit ihren Sündenqualen;

Ich höre blaue Wasserstrahlen

Empor zum kalten Monde springen!

Gedichte(#67399) · 第 20 / 63 题