Communikationsweg nach dem Posten Armina aus der oberen Comowyne
angelegt hatte, ging jeden Monat regelmässig eine Patrouille, welche die
militärischen Papiere zu besorgen hatte, vom Posten Prinz Willem Frederik
nach Oranje. Es waren jedesmal drei Soldaten, die auf den Sandbänken längs
der Küste liefen, bis etwa halbwegs die schlammigen Ufer anfingen, die
bis zu dem Posten Oranje sich ausdehnen. Man schlug, wenn man an diese
Schlammbänke kam, den Weg landeinwärts ein, um eine Sandritze zu finden,
die ebenfalls bis an diesen Posten sich hinzieht. Dabei schlief man eine
Nacht im Walde und erreichte am andern Tage den Posten. Im Jahr 1832 nun
machte ein erst vor Kurzem aus Europa gekommener Korporal die Reise mit
und blieb, um ein natürliches Bedürfniss zu befriedigen, hinter seinen
Begleitern zurück. Da er nicht nachfolgte, so kehrten seine Kameraden
um, ihn zu suchen, fanden aber keine Spur mehr von ihm, und da sie keinen
Vorrath an Wasser hatten, so konnten sie ihre Nachforschungen nicht weiter
ausdehnen. -- Obwohl man sogleich von Oranje Soldaten aussandte, ihn
aufzusuchen, so war doch alle Mühe fruchtlos und man nahm an, dass er
verirrt und dem Durste erlegen sey. Ein Jahr darauf landeten Caraiben,
die aus Paramaribo nach der Marowyne zurückkehrten, bei stillem Wetter am
Seestrande und liessen, während sie Krabben fingen, ihre Weiber im Boote.
Plötzlich wurden die Weiber von Wegläufern überfallen, die ihnen ein junges
zehnjähriges Mädchen raubten, und ehe die Männer auf das Hülfegeschrei
der Weiber herbeieilen konnten, mit ihrer Beute flüchteten. Es kehrten nun
sogleich alle Indianer nach Paramaribo zurück und baten den Gouverneur,
eine Militär-Patrouille in diese Gegend machen zu lassen, wozu sie
ihre Hülfe anboten. Es wurde nun sogleich mit den Indianern eine starke
Militär-Patrouille ausgesandt, um das geraubte Kind zu finden und die
Dörfer der Wegläufer zu zerstören. Man fand auch ein bedeutendes, und es
glückte, mehrere Neger und Negerinnen lebend zu fangen. In einer der
Hütten fand man die Uniform des vermissten Korporals, sein Gewehr und
die Ueberbleibsel seiner goldenen Uhr, aus deren Gehäuse die Neger Ringe
gemacht hatten. Die Gefangenen erzählten auch ohne Scheue, dass sie den
unglücklichen Verirrten nahe bei ihren Dörfern gefunden, ihn geschlachtet
und gegessen hätten.
Vierter Abschnitt (S. 68-101).
[1]: Die Kordonwege sollten die Kolonie gegen die Ueberfälle von
weggelaufenen Sklaven und Buschnegern, die die Pflanzungen immer
beunruhigten, beschützen. Sie zogen sich, der rechte Flügel vom Surinam bis
an den Comowyne, der linke von da bis zur See. Die Wege waren ungefähr
80 Fuss breit und hatten, wenn sie durch Waldungen sich zogen, an beiden
Seiten 4 Fuss tiefe und 10 Fuss breite Gräben, in denen die Waldwasser sich
sammelten und die einen Abzug nach den Flüssen oder Kreeken hatten. Alle
Viertelstunden waren Wachthäuser und Pikete, die theils vom Hauptposten
besetzt wurden, theils eine bleibende Besatzung hatten. Das Feldgeschrei
durchlief in wenigen Minuten den Cordonweg von einem Ende bis zum andern.
Der Unterhalt der Wege, Gebäude und Besatzungen verursachte grosse Kosten.
Seit dem Frieden mit den Buschnegern wurden die Posten vermindert und kamen
immermehr in Verfall, bis endlich im Jahr 1844 beide Cordonwege verlassen
wurden und man jetzt beinahe die Spur nicht mehr davon entdecken kann.
[2]: Maschoas sind etwa 5 Fuss lange, aus Palmblattstielen gemachte und mit
Lianen verflochtene, spitz zulaufende Körbe oder vielmehr Schläuche, deren
Oeffnung etwa 9 Zoll Durchmesser hat. Die Palmstäbe stehen etwa ½ Zoll von
einander, so dass das Wasser durchlaufen kann. Um sie zu gebrauchen, dämmt
man mit Palmblättern und Stöcken ein Waldwasser oder den Abfluss eines
Sumpfes ab, so dass kein Fisch durchdringen kann. In diesen Damm werden nun
so viele Abzuglöcher gemacht, als man Maschoas setzen will und diese in
die Löcher gesteckt, so dass die weite Oeffnung des Maschoas dem Laufe des
Wassers entgegensteht. Fische, kleine Wasserschildkröten und dgl. gerathen
nun in diese Körbe, in deren spitz zulaufendem Ende sie stecken bleiben.
Jeden Morgen und Abend untersucht man dieselben und kann sich auf diese
Weise das ganze Jahr über mit Fischen versorgen.
[3]: Diese Schlange bekam ich im August 1842 lebendig und hatte sie mehrere
Wochen lang wohlverwahrt in einem Käfig. Sie frass durchaus nicht und wie
man sie auch plagte, so gebrauchte sie doch nie ihre tödtlichen Waffen. Als
ich eine Reise zu machen hatte, wollte Niemand dieses gefährliche Thier in
Bewahrung nehmen; ich tödtete es desshalb. Ein Neger packte sie beim Kopfe,
worauf ich ihr den Bauch aufschnitt. Sie wendete alle Kraft und Mühe, um
sich loszuringen und drehte ihre giftigen Zähne hin und her; als sie sich
nicht mehr zu helfen wusste, entledigte sie sich ihres Giftes, das wie ein
feiner Strahl aus den Rinnen ihrer Zähne auf meine Hand fiel. Das Gift war
hell und farblos.
[4]: In der Mitte der trockenen Zeit flogen wenigstens 6 Wochen lang eine
solche Menge gelber Tagschmetterlinge von der Grösse der Zitronfalter längs
des etwa 80 Fuss breiten Cordonweges, dass ich manchmal drei auf einen
Schlag mit dem Netze in der Luft fing. Der Schwarm kam etwa um 10 Uhr des
Vormittags an und dauerte ununterbrochen bis 3 Uhr Nachmittags. Sie flogen
in einem fort, ohne sich zu setzen, immer von Osten nach Westen, sowohl
dicht über der Erde, als bis auf eine Höhe von 50 Fuss. In den Waldungen
und über dieselben flogen nur wenige. Der Hauptschwarm blieb im Wege
selbst. Wo sie herkamen und hinzogen weiss ich nicht; die Raupen so vieler
Millionen aber müssen ganze Waldungen abgefressen haben. Ich habe noch
mehrere Male ähnliche Wanderzüge bemerkt. Man betrachtet sie als Vorzeichen
einer grossen Trockenzeit.
Fünfter Abschnitt (S. 102-149).
[1]: Drei Tage vor und nach neuem und vollem Monde steigt die Meeresfluth
bedeutend höher als in den Zwischenzeiten und während der Unterschied
zwischen hohem und niederem Wasser an den Flussmündungen bei den
gewöhnlichen (todten) Fluthen 6-7 Fuss beträgt, so steigt er in jenen auf
9-10. Die Fluth läuft dann gewöhnlich viel rascher und man wählt meistens
zum Reisen diese Zeit. Auch auf den Zuckerpflanzungen, welche keine
Dampfmaschinen haben, wird das Rohr in dieser Zeit gemahlen. Man öffnet
bei der Fluth die Schleusse des Mühlgrabens, durch welchen das Wasser des
Flusses diesen füllt. Hat das Wasser seine höchste Höhe erreicht, so
wird die Schleusse niedergelassen. Ist das Wasser im Flusse etwa 3 Fuss
gefallen, so öffnet man eine andere Schleusse, die vom Mühlgraben in die
Mühle führt, wodurch das ausströmende Wasser ein grosses, unterschlächtiges
Rad treibt, das die Walzen, welche das Rohr zerquetschen, in Bewegung
bringt. Die höchsten Springfluthen sind am Anfang April und September, wenn
die Sonne den Meridian, unter dem die Seeküste liegt, (6° nördl. Breite)
durchschneidet. Das Wasser steigt dann noch um 2 oder 3 Fuss höher und
setzt manchmal die halbe Stadt Paramaribo unter Wasser und überströmt
schlecht eingedämmte Pflanzungen.
[2]: Der Zitteraal (Gymnotus electricus) kommt im innern Lande, wo das
Wasser durch das Seewasser nicht mehr getrübt wird, häufig vor. Er erreicht
manchmal eine Länge von 7 Fuss und die Dicke eines Mannesarmes. Seine
elektrische Eigenschaft ist hinlänglich bekannt. Die Indianer schiessen
ihn mit Pfeilen und fangen ihn häufig mit Stinkholz (siehe Lebensweise der
Caraiben). Dieser Aal, der aus beinahe nichts, als Schwanz besteht, ist
sehr fett, sein Fleisch locker und wird bloss von den Eingebornen gegessen.
Sie werden leicht zahm und man kann sie dann in die Hand nehmen, ohne dass
sie Schläge ertheilen.
[3]: Ein gegohrenes Bier aus gekochten Erdfrüchten, dem man noch den Saft
von Ananas oder indianischen Pflaumen beimischt.
[4]: Pagaien nennt man schaufelförmige, etwa 5 Fuss hohe, aus hartem
Holze geschnitzte Ruder, die man in schmalen Kreeken oder engen Plätzen
gebraucht.
[5]: Hr. _James B._, der Eigenthümer dieser Pflanzung, ist im August
1841 auf derselben gestorben. Seinen Reichthum hatte er in vielen Legaten
theilweise selbst an seine Neger vertheilt. Die Tochter erhielt ein
bedeutendes Vermögen und kaufte kurze Zeit nach dem Tode ihres Vaters die
Freiheit. Nach dem ausdrücklichen Willen des Verstorbenen wurde ein grosses
Begräbnissmahl veranstaltet, bei dem der Todte im Sarge selbst präsidirte
und woran alle Honoratioren des Distriktes theilnahmen. Nach dem Essen
wurde die Leiche in einem in aller Eile auf ebener Erde aufgemauerten
viereckigen Behälter aus Backsteinen beigesetzt, wo zwischen der Mühle und
dem Kochhause die Sklaven sein Monument beständig im Auge haben.
[6]: Der Kwi Kwi (Callichys subulatus) ein 6-7 Zoll langer Fisch, zum
Geschlechte der Welse gehörend, ist über den ganzen Leib mit hornigen,
harten Schienen, wie mit einer Art Panzer, bedeckt. Der Kopf ist breit, der
Mund und die Augen sehr klein und unter dem Munde sind vier Fühlfäden oder
Bärtel, wie bei den Barben. Die Kiemenflossen werden bei ihm durch 1½ Zoll
lange krumme Hacken oder Knochen ersetzt, mit denen er kneipen kann;
eine ähnliche rechtstehende ist auf dem Rücken. Gefangen gibt er einen
trauernden Laut von sich, der durch das Reiben dieser Hacken und seiner
Panzer entsteht. Wenn die Sümpfe eintrocknen, so verkriecht er sich so
tief, wie möglich, ins feuchte Erdreich, bis die Regenzeit eintritt. Auch
erzählen die Indianer, dass er, wenn ein Sumpf austrockne, mehrere hundert
Schritte über Land krieche, um wasserreichere Stellen zu suchen, was ich
gerne glauben will.
[7]: Die Menge Schnepfen oder Strandläufer auf den Schlammbänken längs der
See und in den angrenzenden Morästen übersteigt allen Glauben. Man sieht
mit aufkommender Fluth Wolken dieser Vögel, die wirklich auf kurze Zeit die
Luft verdunkeln. Ein Schuss mit feinem Hagel schlägt manchmal 2-300 nieder.
Die kleinen, nicht viel grösser als eine Schwalbe, sind die zahlreichsten.
-- Ich ging einmal bei einbrechender Nacht vom Posten Oranje über eine
solche nur spärlich mit niederen Gesträuchen bedeckte Schlammbank, um zu
meinem Boote, das in einer kleinen Kreek am Meeresufer lag, zu kommen.
Es hatte sich auf dieser Bank ein Schwarm solcher kleiner Schnepfen zum
Schlafen gesetzt und war durch mich aus seiner Ruhe aufgejagt; der ganze
Schwarm flog ohne alle Ordnung auf und flatterte um mich herum. Hunderte
habe ich vielleicht zertreten und die Flügelschläge einer solchen Menge
Vögel verursachte eine Hitze und Beklommenheit, dass ich herzlich froh war,
als ich dieses Schnepfenheer im Rücken hatte. Die Indianer wissen ebenfalls
die Schnepfen durch leises Pfeifen zu locken. -- Ich konnte nie erfahren,
wo diese Vögel nisten; wahrscheinlich wohl auf den mehr südlicher liegenden
Inseln der Mündung des Amazonenstromes.
[8]: In der Trockenzeit des Jahres 1849 zeigten sich die Moschusenten in
unserer Kolonie und im französischen Guyana besonders zahlreich. Es wurden
in Paramaribo mehr zu Markte gebracht, als seit Menschengedenken geschah.
In der ganzen Kolonie herrschte dieser Ueberfluss. Dabei waren die Enten so
fett und schwer, dass sie einer Gans an Gewicht so ziemlich gleich kamen.
Die Indianer brachten mir viele, sowohl frisch als geräuchert. Auf Mana
liessen die Neger alle Arbeit liegen und schossen Enten, die man zuletzt
nicht mehr kaufen wollte. Dennoch ist die Moschusente bei uns kein Zugvogel
und ich kann mir bloss diese Menge dadurch erklären, dass vielleicht in
anderen Gegenden Südamerika's eine ungewöhnliche Regen- oder Trockenzeit
diese Vögel nöthigte, ihre Nahrung anderswo zu suchen.
[9]: Unter der Menge von Wespen-artigen Insekten, die, was Verschiedenheit
von Sorten und Anzahl betrifft, im Verhältniss zu Europa hier gewiss wie 25
zu 1 vorkommen, ist _eine_ Art besonders lästig und gefährlich. Man nennt
sie schlechtweg Marabonzen (die Franzosen nennen sie Mouche à drague). Sie
halten sich vornehmlich in Häusern auf, die wenig oder nicht bewohnt sind,
oder in den Zuckermühlen und machen ihr Nest aus verfaultem Holze, das sie
von den Schindeln abnagen. Es gleicht einer grauen Masse von Fliesspapier
und wird an den Dachsparren oder Gesimsen befestigt. Die Zellen öffnen sich
nach unten und haben keine äussere Schutzumgebung, wie die der Wespen,
auch keine Etagen. Die Wespe selbst nährt sich von Zucker, Blumensäften
und Früchten, ist von der Grösse einer Hornisse, braunroth, hat einen
schwerfälligen Flug und gibt einen angenehmen, aromatischen Geruch von
sich. Ihr Stich verursacht beinahe immer gefährliche Entzündungen und
Fieber. Wo sich diese Insekten eingenistet haben, sind sie eben so
schwierig zu vertreiben, als die durch ihren widerwärtigen Geruch und
Schmutz lästigen Fledermäuse.
[10]: Der Lokusbaum (Hymenaea courbaril) wächst meistens auf Sandritzen und
erreicht einen Durchmesser von manchmal 6 Fuss. Sein rothes, schweres
Holz nimmt eine herrliche Politur an und wird zu Meubles und Maschinen
verwendet. Am Stamme und an den Wurzeln findet man bei alten Bäumen in
grossen Klumpen den Copalgummi, der zu Firnissen verwandt wird. Die Frucht
ist eine manchmal 6 Zoll lange und 2 Zoll breite rothbraune Schote, die mit
einem trockenen, gelben, süssschmeckenden Mehle angefüllt ist, in dem
sich die harten braunen Bohnen befinden. Es hat den Geschmack des
Johannisbrodes.
[11]: Die Awara-Palme (Astrocaryou vulgare) wächst stets im Sandboden und
liefert dem Indianer Manches in seine Haushaltung. Der Baum wird manchmal
30 Fuss hoch, ist über und über mit 4 Zoll langen, sehr spitzen, schwarzen
Stacheln bedeckt und die Krone theilt sich in 12-15 etwa 25 Fuss lange
gefiederte Blätter. Die Blattstiele, so wie die Seiten der Blättchen, die
etwa 4 Fuss lang und 1 Zoll breit sind, sind ebenfalls dicht mit Stacheln
bedeckt, so dass man keinen Theil der Pflanze berühren kann, ohne sich zu
stechen. Die Samenkapsel ist etwa 3 Fuss lang und 1½ Fuss breit, oval und
braunroth von Farbe. Die Frucht, von der Grösse einer welschen Nuss, ist
mennigroth und besteht aus einem süssen, sehr fetten Fleische, das den
harten, schwarzen, runden Stein umgibt. Der Fruchttross enthält mehrere
Hunderte solcher Nüsse, die im Monat Februar reifen. Die Indianer stampfen
in einem hölzernen Mörser das Fleisch von den Steinen und pressen in einem
Madappi das rothe Oel aus, das sie zum Schmieren der Haare gebrauchen. Die
Früchte werden vom Wild gerne gefressen und die Schweine werden besonders
fett davon. -- Aus den noch nicht ganz entwickelten Blättern machen die
Indianer Fächer u. s. w.
Sechster Abschnitt (S. 150-233).
[1]: Diese Reibeisen, Simaris, werden von den Makusi-Indianern am obern
Rupumuni, im britischen Guyana verfertigt und von den Caraiben, die
manchmal Reisen dahin machen, durch Tausch erhalten.
[2]: Madappis sind 4 Fuss lange, 4 Zoll im Diameter haltende
cylinderförmige elastische Schläuche, die aus dem Baste einer Marantiacee
geflochten werden und haben oben eine Oeffnung, worin man das noch nasse
Cassave-Mehl schüttet und den Schlauch an einer Schleife aufhängt. Unten
ist derselbe zugebunden und es wird durch eine am Ende befindliche andere
Schleife ein Stock befestigt, auf den sich die Weiber setzen, wodurch sich
der Schlauch zusammenzieht und der Saft abfliesst.
[3]: Die Indianer geben nicht gerne Aufschluss über die Bedeutung ihrer
Gebräuche und Gesänge, und ihre sehr reichhaltige Sprache zu erlernen,
fällt sehr schwer, und es ist Niemand in der Kolonie, der ausser ihnen
dieselbe versteht.
[4]: Die Chike, auch Sicca genannt, ist ein kleines hellbraunes Insekt,
ganz von der Gestalt einer Floh, aber bloss halb so gross und hüpft ebenso,
aber nur nicht so weit. Sie hält sich sehr häufig in sandigen trockenen
Plätzen auf, kriecht Menschen, Hunden und Katzen unter die Nägel der Zehen
oder in die weicheren Theile des Fusses, wo sie sich ins Fleisch einfrisst.
Man bemerkt ihr Daseyn an einem leichten Jucken, und an der Stelle, wo das
Insekt sitzt, ist die Haut ein wenig entzündet, und man sieht dasselbe als
einen kleinen schwarzen Punkt im Fleische stecken. Man zieht es mit einer
Nadel heraus. Fühlt man es aber nicht und bleibt es im Fleische sitzen, so
geht eine wunderbare Vergrösserung mit ihm vor. Sein Leib schwillt an und
ist strotzend voll von Eiern, die nach und nach ihre natürliche Grösse
erhalten und dem kaum bemerkbaren Insekte die Grösse einer kleinen Erbse
geben. Wird es nun aus dem Fleische herausgenommen, so entsteht ein
ziemliches Loch, das besonders bei Leuten, welche barfuss laufen, sich
mit Sand und Unreinigkeiten füllt und manchmal bedeutende Geschwülste
verursacht. Ich selbst habe auf dem Posten Nepheusburg in der Trockenzeit
jeden Abend wohl 25 dieser Insekten, welche sich den Tag über eingebissen
hatten, herausgezogen. Nachlässige Leute, die zu faul sind, an ihren
Füssen nachzusehen und diese Flöhe in solcher Menge und Grösse bei sich
beherbergen, bekommen bedeutende Geschwüre und werden manchmal zur Arbeit
untauglich.
[Hinweise zur Transkription
Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, einschließlich
ungewöhnlicher und uneinheitlicher Schreibweisen, mit folgenden Ausnahmen,
Seite 26:
"lezteren" geändert in "letzteren"
(Die letzteren Kunden sind die häufigsten)
Seite 38:
"technicher" geändert in "technischer"
(auch in technischer Beziehung eine gute Schule genossen haben)
Seite 55:
"Meerresküste" geändert in "Meeresküste"
(von der Meeresküste ab, da wo das Flusswasser rein)
Seite 56:
"Mauiok" geändert in "Maniok"
(dem Anbau der Maniok-Wurzel (jatropha) besonders günstig ist)
Seite 57/58:
"Regen" geändert in "Regen-"
(hohen Wasserstande der Regen- und dem niedrigsten der Trockenzeit)
Seite 68:
"dasselbst" geändert in "daselbst"
(Mauritzburg. Kurzer Aufenthalt daselbst.)
Seite 79:
"Manick" geändert in "Maniok"
(und die dortige Besatzung von Reis, Mais und Maniok leben musste)
Seite 93:
"maschiren" geändert in "marschiren"
(in einem Brei von stinkendem Schlamm marschiren musste)
Seite 94:
"mitgebrachten" geändert in "mitgebracht"
(Bananen, welche die Guiden mitgebracht hatten)
Seite 113:
"Mosquitos" vereinheitlicht zu "Mosquittos"
(alle Soldaten, ungeachtet der vielen Mosquittos)
Seite 115/116:
"errrichtet" geändert in "errichtet"
(wurde mit ungeheuren Kosten eine Dampfsägmühle errichtet)
Seite 124:
"Nickerikreek" vereinheitlicht zu "Nickeriekreek"
(ein kleines Sommerhäuschen in die Nickeriekreek hineingebaut)
Seite 147:
"Schidwache" geändert in "Schildwache"
(Die Schildwache, unter deren Aufsicht er stand)
Seite 149:
"anderhalb" geändert in "anderthalb"
(musste man das Regenwasser anderthalb Stunden weit herbeiholen)
Seite 159:
"Apetit" geändert in "Appetit"
(bei schrecklichem Appetit, da ich seit dem Morgen nichts mehr)
Seite 168:
";" geändert in ","
(vier Neger zurückgeblieben, welche mit mir)
Seite 174:
"'" eingefügt
(Vier Pfosten von etwa 4' Höhe sind an vier Ecken)
Seite 175:
"Individium" geändert in "Individuum"
(hier hat jedes Individuum sein Feuerchen unter der Hängematte)
Seite 181:
"Aussgepresster" geändert in "Ausgepresster"
(Ausgepresster Maniok (Madappi) wird in Körbe verpackt)
Seite 183:
"Vergnüngen" geändert in "Vergnügen"
(Ein anderes Vergnügen eigenthümlicher Art sind ihre Tänze)
Seite 184:
"diesselben" geändert in "dieselben"
(um als Trank noch zweimal dieselben zu passiren)
Seite 197:
"Pagaai" vereinheitlicht zu "Pagai"
(ich aber bloss einen einzigen Pagai im Vermögen hatte)
Seite 198:
"ief" geändert in "tief"
(ist tief im Sande eingegraben und wellenförmig)
Seite 198:
"sie" eingefügt
(welche sie häufig zum Verkauf nach den Pflanzungen bringen)
Seite 210:
"Ansehnliclhe" geändert in "Ansehnliche"
(Ansehnliche Summen waren zu diesem Zweck bewilligt worden)
Seite 210:
"Maniko" geändert in "Maniok"
(die in Erdfrüchten, als: Reis und Maniok bestanden)
Seite 216:
"Guiana" vereinheitlicht zu "Guyana"
(Im französischen Guyana bestehen noch viele Rockou-Pflanzungen)
Seite 226:
"Pagalen" vereinheitlicht zu "Pagaalen"
(Meinen Genever bezahlte er mir mit zwei hübschen Pagaalen)
Seite 243:
"Mach" geändert in "Nach"
(Nach zehntägigem Aufenthalt verliessen wir die Judensavanne)
Seite 250:
"Casavebrod" vereinheitlicht zu "Cassavebrod"
(wurde von ihnen mit Cassavebrod und Eiern beschenkt)
Seite 257:
"gänze" geändert in "ganze"
(Der ganze Stamm wird nicht viel über 3000 Köpfe zählen)
Seite 279:
"Tode" geändert in "Todte"
(bei dem der Todte im Sarge selbst präsidirte)
Seite 282:
"ensteht" geändert in "entsteht"
(so entsteht ein ziemliches Loch)]
End of Project Gutenberg's Sechs Jahre in Surinam, by August Kappler