in den Heimatbüchern des Brandstetterschen Verlags zuerst angewendete
Schema, die Entwickelung einer Landschaft durch chronologisch geordnete
zeitgenössische Schriftstellen und entsprechende Bilder zu schildern,
dadurch zu erweitern und zu vertiefen, daß es auf eine einzige
Stadt, allerdings eine der bedeutendsten Deutschlands, auf _Dresden_
angewendet wurde. Was die beiden Herausgeber den originalen Quellen
selbst hinzugefügt haben, beschränkt sich, abgesehen von den zu den
ausgewählten Aufsätzen gehörenden Erläuterungen, auf einen einleitenden
Artikel Haenels »Die Stadt der Vergangenheit« und einen das Ganze
abschließenden Kalkschmidts »Die Großstadt bis zur Jahrhundertwende«.
Die Auswahl unter den Berichterstattern und ebenso die Auswahl unter
den Textstellen zeigt die umfassende Kenntnis und den guten Geschmack
der Herausgeber. Sie haben ein reichhaltiges und für verschiedene
Zwecke brauchbares Quellenmaterial zusammengestellt, das den Forscher
im ganzen ebenso zu befriedigen vermag wie den gebildeten Laien,
das in der Schule ebenso Nutzen stiften kann wie im Familienkreise,
indem es den Werdegang der eigenartigen Dresdner Kultur in den
Hauptzügen offenbart, daneben aber auch die schwächeren Perioden und
den teilweisen Rückgang des geistigen und künstlerischen Lebens nicht
verhüllt. Natürlich wird jeder, der den Stoff einigermaßen beherrscht,
hie und da auch eine Lücke spüren oder eine andere Schriftstelle
vorziehen. So habe ich z. B. den Eindruck, daß das Dresden des
18. Jahrhunderts im Vergleiche zu dem des 19. Jahrhunderts etwas
stiefmütterlich behandelt worden ist und würde zur Wesenszeichnung des
Ministers Grafen Brühl und seiner Zeit statt der Stelle Seite 33 f.
aus der unzuverlässigen Schmähschrift »Leben und Charakter des Grafen
Brühl« lieber einen Originalbrief Brühls in deutscher Übersetzung
aufgenommen haben, der seine Wirtschaftsführung und seine Bauten oder
sein Verwaltungssystem klarzulegen vermöchte (vgl. mein Buch »Minister
Graf Brühl und Karl Heinrich von Heinecken«, Leipzig-Berlin 1921).
Auch treten die leitenden Staatsmänner Sachsens im allgemeinen zu sehr
hinter den Künstlern und diese wieder hie und da hinter den bloßen
Originalen und »Zelebritäten« zurück. So wird z. B. von den bedeutenden
Dresdner Bildhauern des 18. Jahrhunderts weder Permoser noch Gottfried
Knöffler erwähnt, ebenso findet sich von einem Manne wie Heinecken, der
ein Vierteljahrhundert den künstlerischen Geschmack der Dresdner sehr
stark beeinflußte und die literarischen Fehden zwischen den Dresdner
und Leipziger Schriftstellern lenkte, nicht einmal der Name. Einigen
anderen kleineren Anstößen begegnen wir in den erklärenden Zusätzen
der Herausgeber. Es wäre vielleicht praktischer gewesen, wenn statt
des gesonderten Literaturverzeichnisses gleich unter jedem Aufsatz die
Quelle genannt wäre. Denn man findet Kaspar Risbeck, den Verfasser
von »Lichter und Schatten«, Seite 53, im Literaturverzeichnisse
schwer, da sein Werk nicht unter seinem Namen, sondern unter dem Titel
»Briefe eines reisenden Franzosen usw.« angeführt ist. »Die Mundart
der Dresdner«, Seite 77, läßt einige Richtigstellungen vermissen,
denn niemals hat man in Dresden statt »Zeit« gesagt »Zeht« (vgl.
darüber Poeschel in meinem »Sachsenland«, 2. Auflage, Seite 226).
Auch das Verhältnis, in dem Nelson zur Lady Hamilton stand, ist von
Kosegarten Seite 81 verzeichnet und auch in dem Zusatze der Herausgeber
nicht richtig angegeben. Stärkere Irrtümer, die nicht unwiderlegt
bleiben durften, enthält der Brief des Reichsfreiherrn vom Stein an
den russischen Kanzler Nesselrode über die Stimmungen der Dresdner
Bevölkerung und die Haltung des Königs von Sachsen bei Beginn des
Freiheitskrieges 1813 (vgl. dazu meine Darlegungen in dem Buche »Aus
der Zeit der Freiheitskriege und des Wiener Kongresses«, Leipzig-Berlin
1914). Der Friede zwischen Napoleon und dem Kurfürsten Friedrich August
III. wurde nicht unmittelbar nach der Schlacht von Jena geschlossen
(Seite 86), sondern erst im Dezember 1806. Irreführend ist auch die
Bezeichnung »Gefecht bei Lützen«, Seite 93, für die gewaltige und für
die erste Hälfte des Feldzugs entscheidende Schlacht bei Groß-Görschen
vom 2. Mai 1813. Die Angabe, wo Findlaters Weinberg zu suchen sei,
gehört nicht zu Seite 227, sondern schon zu Seite 190.
Doch diese kleinen Ausstellungen, die sich bei einer zweiten Auflage
des Buches leicht berichtigen lassen, sollen nicht den Wert der
trefflichen Leistung herabsetzen. Sie erfreut durch viele helleuchtende
Perlen, wie z. B. durch die geistvolle Aussprache Karl Immelmanns im
»Reisejournal von 1831« über Pillnitz und Dresden, Seite 187, durch
die stimmungsreiche Studie eines Unbekannten »Gesellschaftlicher
Naturgenuß um 1830« (Seite 187 f.), durch die feinen literarischen
und künstlerischen Porträts Alfred Meißners und Friedrich Pechts und
schließlich auch dadurch, daß manches weitverbreitete falsche Urteil
stillschweigend berichtigt wird. So hatte unser temperamentvoller,
alles Sächsische mit einem gewissen Haß verfolgende Landsmann Heinrich
von Treitschke von dem allerdings etwas zeremoniösen König Friedrich
August I. übertreibend geschrieben, er habe niemals mit einem
Menschen gesprochen, der nicht wenigstens den Rang eines Obersten
besaß. Nun lesen wir aber im »alten Dresden«, Seite 180, in einem
kulturgeschichtlichen Brief von Gustav Klemm: »Bei diesen Jagden
war der König sehr liebenswürdig, er sprach mit den Bettmeistern
der Jagdschlösser, mit den Forstbedienten und Jagdbeamten, die er
allesamt persönlich kannte.« Und darnach folgt die reizende Geschichte
vom Wildschwein, das die Lakaien und der Kutscher heimlich auf des
Königs Wagen gepackt hatten, um es in Dresden – doch das mag nur jeder
selbst im »alten Dresden« nachlesen, denn wir wünschen diesem Buche,
dessen reichhaltiger Bilderapparat in Auswahl und Ausführung geradezu
mustergültig ist, die weiteste Verbreitung.
Otto Eduard Schmidt.
=Alte Kunst in Sachsen.= Band I. Sächsische Plastik um 1500 von Walter
Hentschel. Gebunden 15 Mark. Wilhelm Limpert, Dresden.
Das Sächsische Landesamt für Denkmalpflege plant die Herausgabe einer
größeren Reihe von Einzeldarstellungen aus dem Gebiete der alten
sächsischen Kunst. Als erster Band ist bereits die Sächsische Plastik
um 1500, bearbeitet von Dr. Walter Hentschel, erschienen. Man kann sich
dieses Erfolges der Sächsischen Denkmalbehörden nur von ganzem Herzen
freuen, denn was hier druck- und reproduktionstechnisch hervorragend
auf hundert stattlichen Tafeln im Großquartformat vorgeführt wird,
ist auch für den Kenner der sächsischen Kunst eine Überraschung.
Diese reiche Schaffenskraft unserer Väter aus einer örtlich eng
begrenzten Schaffensperiode erfüllt uns mit ehrlicher Bewunderung,
ja sie weitet auch unseren Blick gegenüber dem Arbeitswillen
unserer Tage. Die Versenkung in die künstlerischen Werte längst
vergangener Zeitabschnitte bewahrt uns ebensosehr vor der Über- wie
der Unterschätzung der Leistungen unserer eigenen Zeit. Und darauf
müßte es uns, die wir alle um den Aufbau einer ehrlichen Volkskultur
bemühen, in erster Linie ankommen. Die Schärfung des eigenen Urteils,
die vorurteilslose Einstellung zum Kunstwerk selbst, sei es alt oder
neu, müßte Gemeingut aller werden. Wir beglückwünschen Herausgeber und
Verleger zu dem schönen Werke und empfehlen den Freunden unserer Heimat
die Anschaffung des Werkes.
Dr. Paul Goldhardt.
Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner
Schmidt – Druck: Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden
Photographische Platten »Perutz« – Photographische Aufnahmen:
Max Nowak – Auflage 50000
Einbanddecken
=Jahrgang 1926 (Band XV)= in Leinen =Mark 1.50=
und 30 Pfg. Postgeld und Verpackung
Bestellungen erbitten durch beiliegende Karte
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Erholungsheim Bienhof
bei Gottleuba
in herrlichster, nervenberuhigender Lage unweit unserer
Naturschutzgebiete _Sattelbergwiesen_
Preis für das Bett 75 Pfg. die Nacht / Gute Verpflegung täglich M. 3.50
Anmeldungen an unsere
Geschäftsstelle, Dresden-A.
Schießgasse 24
(Für die Sommerferien erbitten wir umgehende Bestellung!)
Dresdner Heimatschutz-Vorträge
abends 8 Uhr im _Vereinshaus_, Zinzendorfstraße
=Freitag, den 11. Februar=: »=Das Erzgebirge=«. Seine Mundart.
– Sein Gesang. Max Wenzel, Chemnitz. – Anton Günther,
Gottesgab.
=Freitag, den 18. Februar=: »=Schuch-Abend=«. Liesel von
Schuch, Käthe von Schuch, Hans von Schuch. Dr. Arthur Chitz.
=Freitag, den 25. Februar=: =Filmvortrag: »Unsere Meeresvögel
im Schutze der Heimat«.= Professor Dr. Günther Neumann,
Dresden.
=Donnerstag, den 3. März=: =Lichtbildervortrag: »Deutschland«.=
Professor Franz Goerke, Berlin.
=Mittwoch, den 9. März=: =Lichtbildervortrag: »Mit deutscher
Jugend durch deutsches Land«.= Oberlehrer Jänichen, Bautzen.
Gastspiele vom Dresdner Kasperle
unter besonderer Befürwortung von Hofrat Professor Seyffert
=Donnerstag, 3. Februar, nachmittags 4 Uhr=: Der Butzemann von
Seiffen oder die Wunderblume.
=Abends 8 Uhr=: Der Freischütz oder die Beschwörung in der
Wolfsschlucht, frei nach der alten Volkssage.
=Freitag, 4. Februar, nachmittags 4 Uhr=: Das Märchen von der
schönen geraubten Prinzessin Rosa.
=Abends 8 Uhr=: Dr. Faustens Höllenfahrt, gespielt in einer
alten Dresdner Fassung von 1600.
=Sonnabend, 5. Februar, nachmittags 4 Uhr=: König Bosel und die
Winzer von Meißen.
=Abends 8 Uhr=: Seltsame und wunderliche Erlebnisse eines
Sachsen in Spanien. Große romantische Kasperle-Oper.
=Sonntag, 6. Februar, nachmittags 4 Uhr=: Das Brückenmännlein
an der Augustusbrücke oder die Wendische Hochzeit.
=Abends 8 Uhr=: Das alte Kölner Puppenspiel von Jedermann.
Nach Fassung des Meisters Ehrhardt, um 1700.
Erwachsene 1.-- M., Kinder --.50 M.
Vortragsraum wird noch bekannt gegeben
Kartenverkauf: =Heimatschutz, Dresden-A.=
Schießgasse 24
Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-N.
Weitere Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die
Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.