Es war ein guter Gedanke von Erich Haenel und Eugen Kalkschmidt, das

in den Heimatbüchern des Brandstetterschen Verlags zuerst angewendete

Schema, die Entwickelung einer Landschaft durch chronologisch geordnete

zeitgenössische Schriftstellen und entsprechende Bilder zu schildern,

dadurch zu erweitern und zu vertiefen, daß es auf eine einzige

Stadt, allerdings eine der bedeutendsten Deutschlands, auf _Dresden_

angewendet wurde. Was die beiden Herausgeber den originalen Quellen

selbst hinzugefügt haben, beschränkt sich, abgesehen von den zu den

ausgewählten Aufsätzen gehörenden Erläuterungen, auf einen einleitenden

Artikel Haenels »Die Stadt der Vergangenheit« und einen das Ganze

abschließenden Kalkschmidts »Die Großstadt bis zur Jahrhundertwende«.

Die Auswahl unter den Berichterstattern und ebenso die Auswahl unter

den Textstellen zeigt die umfassende Kenntnis und den guten Geschmack

der Herausgeber. Sie haben ein reichhaltiges und für verschiedene

Zwecke brauchbares Quellenmaterial zusammengestellt, das den Forscher

im ganzen ebenso zu befriedigen vermag wie den gebildeten Laien,

das in der Schule ebenso Nutzen stiften kann wie im Familienkreise,

indem es den Werdegang der eigenartigen Dresdner Kultur in den

Hauptzügen offenbart, daneben aber auch die schwächeren Perioden und

den teilweisen Rückgang des geistigen und künstlerischen Lebens nicht

verhüllt. Natürlich wird jeder, der den Stoff einigermaßen beherrscht,

hie und da auch eine Lücke spüren oder eine andere Schriftstelle

vorziehen. So habe ich z. B. den Eindruck, daß das Dresden des

18. Jahrhunderts im Vergleiche zu dem des 19. Jahrhunderts etwas

stiefmütterlich behandelt worden ist und würde zur Wesenszeichnung des

Ministers Grafen Brühl und seiner Zeit statt der Stelle Seite 33 f.

aus der unzuverlässigen Schmähschrift »Leben und Charakter des Grafen

Brühl« lieber einen Originalbrief Brühls in deutscher Übersetzung

aufgenommen haben, der seine Wirtschaftsführung und seine Bauten oder

sein Verwaltungssystem klarzulegen vermöchte (vgl. mein Buch »Minister

Graf Brühl und Karl Heinrich von Heinecken«, Leipzig-Berlin 1921).

Auch treten die leitenden Staatsmänner Sachsens im allgemeinen zu sehr

hinter den Künstlern und diese wieder hie und da hinter den bloßen

Originalen und »Zelebritäten« zurück. So wird z. B. von den bedeutenden

Dresdner Bildhauern des 18. Jahrhunderts weder Permoser noch Gottfried

Knöffler erwähnt, ebenso findet sich von einem Manne wie Heinecken, der

ein Vierteljahrhundert den künstlerischen Geschmack der Dresdner sehr

stark beeinflußte und die literarischen Fehden zwischen den Dresdner

und Leipziger Schriftstellern lenkte, nicht einmal der Name. Einigen

anderen kleineren Anstößen begegnen wir in den erklärenden Zusätzen

der Herausgeber. Es wäre vielleicht praktischer gewesen, wenn statt

des gesonderten Literaturverzeichnisses gleich unter jedem Aufsatz die

Quelle genannt wäre. Denn man findet Kaspar Risbeck, den Verfasser

von »Lichter und Schatten«, Seite 53, im Literaturverzeichnisse

schwer, da sein Werk nicht unter seinem Namen, sondern unter dem Titel

»Briefe eines reisenden Franzosen usw.« angeführt ist. »Die Mundart

der Dresdner«, Seite 77, läßt einige Richtigstellungen vermissen,

denn niemals hat man in Dresden statt »Zeit« gesagt »Zeht« (vgl.

darüber Poeschel in meinem »Sachsenland«, 2. Auflage, Seite 226).

Auch das Verhältnis, in dem Nelson zur Lady Hamilton stand, ist von

Kosegarten Seite 81 verzeichnet und auch in dem Zusatze der Herausgeber

nicht richtig angegeben. Stärkere Irrtümer, die nicht unwiderlegt

bleiben durften, enthält der Brief des Reichsfreiherrn vom Stein an

den russischen Kanzler Nesselrode über die Stimmungen der Dresdner

Bevölkerung und die Haltung des Königs von Sachsen bei Beginn des

Freiheitskrieges 1813 (vgl. dazu meine Darlegungen in dem Buche »Aus

der Zeit der Freiheitskriege und des Wiener Kongresses«, Leipzig-Berlin

1914). Der Friede zwischen Napoleon und dem Kurfürsten Friedrich August

III. wurde nicht unmittelbar nach der Schlacht von Jena geschlossen

(Seite 86), sondern erst im Dezember 1806. Irreführend ist auch die

Bezeichnung »Gefecht bei Lützen«, Seite 93, für die gewaltige und für

die erste Hälfte des Feldzugs entscheidende Schlacht bei Groß-Görschen

vom 2. Mai 1813. Die Angabe, wo Findlaters Weinberg zu suchen sei,

gehört nicht zu Seite 227, sondern schon zu Seite 190.

Doch diese kleinen Ausstellungen, die sich bei einer zweiten Auflage

des Buches leicht berichtigen lassen, sollen nicht den Wert der

trefflichen Leistung herabsetzen. Sie erfreut durch viele helleuchtende

Perlen, wie z. B. durch die geistvolle Aussprache Karl Immelmanns im

»Reisejournal von 1831« über Pillnitz und Dresden, Seite 187, durch

die stimmungsreiche Studie eines Unbekannten »Gesellschaftlicher

Naturgenuß um 1830« (Seite 187 f.), durch die feinen literarischen

und künstlerischen Porträts Alfred Meißners und Friedrich Pechts und

schließlich auch dadurch, daß manches weitverbreitete falsche Urteil

stillschweigend berichtigt wird. So hatte unser temperamentvoller,

alles Sächsische mit einem gewissen Haß verfolgende Landsmann Heinrich

von Treitschke von dem allerdings etwas zeremoniösen König Friedrich

August I. übertreibend geschrieben, er habe niemals mit einem

Menschen gesprochen, der nicht wenigstens den Rang eines Obersten

besaß. Nun lesen wir aber im »alten Dresden«, Seite 180, in einem

kulturgeschichtlichen Brief von Gustav Klemm: »Bei diesen Jagden

war der König sehr liebenswürdig, er sprach mit den Bettmeistern

der Jagdschlösser, mit den Forstbedienten und Jagdbeamten, die er

allesamt persönlich kannte.« Und darnach folgt die reizende Geschichte

vom Wildschwein, das die Lakaien und der Kutscher heimlich auf des

Königs Wagen gepackt hatten, um es in Dresden – doch das mag nur jeder

selbst im »alten Dresden« nachlesen, denn wir wünschen diesem Buche,

dessen reichhaltiger Bilderapparat in Auswahl und Ausführung geradezu

mustergültig ist, die weiteste Verbreitung.

Otto Eduard Schmidt.

=Alte Kunst in Sachsen.= Band I. Sächsische Plastik um 1500 von Walter

Hentschel. Gebunden 15 Mark. Wilhelm Limpert, Dresden.

Das Sächsische Landesamt für Denkmalpflege plant die Herausgabe einer

größeren Reihe von Einzeldarstellungen aus dem Gebiete der alten

sächsischen Kunst. Als erster Band ist bereits die Sächsische Plastik

um 1500, bearbeitet von Dr. Walter Hentschel, erschienen. Man kann sich

dieses Erfolges der Sächsischen Denkmalbehörden nur von ganzem Herzen

freuen, denn was hier druck- und reproduktionstechnisch hervorragend

auf hundert stattlichen Tafeln im Großquartformat vorgeführt wird,

ist auch für den Kenner der sächsischen Kunst eine Überraschung.

Diese reiche Schaffenskraft unserer Väter aus einer örtlich eng

begrenzten Schaffensperiode erfüllt uns mit ehrlicher Bewunderung,

ja sie weitet auch unseren Blick gegenüber dem Arbeitswillen

unserer Tage. Die Versenkung in die künstlerischen Werte längst

vergangener Zeitabschnitte bewahrt uns ebensosehr vor der Über- wie

der Unterschätzung der Leistungen unserer eigenen Zeit. Und darauf

müßte es uns, die wir alle um den Aufbau einer ehrlichen Volkskultur

bemühen, in erster Linie ankommen. Die Schärfung des eigenen Urteils,

die vorurteilslose Einstellung zum Kunstwerk selbst, sei es alt oder

neu, müßte Gemeingut aller werden. Wir beglückwünschen Herausgeber und

Verleger zu dem schönen Werke und empfehlen den Freunden unserer Heimat

die Anschaffung des Werkes.

Dr. Paul Goldhardt.

Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner

Schmidt – Druck: Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden

Photographische Platten »Perutz« – Photographische Aufnahmen:

Max Nowak – Auflage 50000

Einbanddecken

=Jahrgang 1926 (Band XV)= in Leinen =Mark 1.50=

und 30 Pfg. Postgeld und Verpackung

Bestellungen erbitten durch beiliegende Karte

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Anmeldungen an unsere

Geschäftsstelle, Dresden-A.

Schießgasse 24

(Für die Sommerferien erbitten wir umgehende Bestellung!)

Dresdner Heimatschutz-Vorträge

abends 8 Uhr im _Vereinshaus_, Zinzendorfstraße

=Freitag, den 11. Februar=: »=Das Erzgebirge=«. Seine Mundart.

– Sein Gesang. Max Wenzel, Chemnitz. – Anton Günther,

Gottesgab.

=Freitag, den 18. Februar=: »=Schuch-Abend=«. Liesel von

Schuch, Käthe von Schuch, Hans von Schuch. Dr. Arthur Chitz.

=Freitag, den 25. Februar=: =Filmvortrag: »Unsere Meeresvögel

im Schutze der Heimat«.= Professor Dr. Günther Neumann,

Dresden.

=Donnerstag, den 3. März=: =Lichtbildervortrag: »Deutschland«.=

Professor Franz Goerke, Berlin.

=Mittwoch, den 9. März=: =Lichtbildervortrag: »Mit deutscher

Jugend durch deutsches Land«.= Oberlehrer Jänichen, Bautzen.

Gastspiele vom Dresdner Kasperle

unter besonderer Befürwortung von Hofrat Professor Seyffert

=Donnerstag, 3. Februar, nachmittags 4 Uhr=: Der Butzemann von

Seiffen oder die Wunderblume.

=Abends 8 Uhr=: Der Freischütz oder die Beschwörung in der

Wolfsschlucht, frei nach der alten Volkssage.

=Freitag, 4. Februar, nachmittags 4 Uhr=: Das Märchen von der

schönen geraubten Prinzessin Rosa.

=Abends 8 Uhr=: Dr. Faustens Höllenfahrt, gespielt in einer

alten Dresdner Fassung von 1600.

=Sonnabend, 5. Februar, nachmittags 4 Uhr=: König Bosel und die

Winzer von Meißen.

=Abends 8 Uhr=: Seltsame und wunderliche Erlebnisse eines

Sachsen in Spanien. Große romantische Kasperle-Oper.

=Sonntag, 6. Februar, nachmittags 4 Uhr=: Das Brückenmännlein

an der Augustusbrücke oder die Wendische Hochzeit.

=Abends 8 Uhr=: Das alte Kölner Puppenspiel von Jedermann.

Nach Fassung des Meisters Ehrhardt, um 1700.

Erwachsene 1.-- M., Kinder --.50 M.

Vortragsraum wird noch bekannt gegeben

Kartenverkauf: =Heimatschutz, Dresden-A.=

Schießgasse 24

Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-N.

Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die

Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XV, Heft 11–12 · 第 6 / 6 段