IV. Die Reductionstheilung.

In die letzte Entwicklung der Ei- und Samenzellen greifen

eigenthümliche Theilprocesse ein, welche den Zweck haben,

die Geschlechtszellen für ihre Bestimmung vorzubereiten.

+Das Wesentliche derselben beruht darin, dass sich zwei eng

zusammengehörige Theilungen unmittelbar aufeinander folgen und zwar

so, dass sich an die erste gleich die zweite Theilung anschliesst,

ehe noch der Kern in das Ruhestadium eingetreten ist. In Folge

dessen werden die aus der ersten Theilung herrührenden Gruppen von

Kernsegmenten sofort ohne vorausgegangene Längsspaltung abermals

in zwei Tochtergruppen gesondert. Am Schluss der zweiten Theilung

erhalten daher die reifen Ei- und Samenzellen nur halb so viel

Kernsegmente und in Folge dessen auch nur halb so viel Nucleïnmasse

als sonst die Kerne bei einer gewöhnlichen Zelltheilung desselben

Thieres. (Hertwig VI. 34.) Dies Verhältniss soll durch den Namen

Reductionstheilung (Weismann VI. 77) ausgedrückt werden.+

[Illustration: =Fig. 125. Vier Kerne von Samenmutterzellen von Ascaris

megalocephala bivalens auf verschiedenen Vorbereitungsstadien zur

Theilung.=]

[Illustration: =Fig. 126. Schema für die Entstehung der Samenzellen aus

einer Samenmutterzelle von Ascaris megalocephala bivalens.=

_I_ Theilung der Samenmutterzelle in zwei Samentochterzellen.

_II_ Die beiden Samentochterzellen (_A_ u. _B_) bereiten sich gleich

nach der ersten Theilung zu einer zweiten Theilung vor.

_III_ Die Samentochterzelle _A_ theilt sich in zwei Samenenkelzellen.

_B_ und _C_ sind Samenenkelzellen, welche durch Theilung der

Samentochterzelle _B_ der Fig. _II_ hervorgegangen sind.]

Die Reductionstheilung der Samen- und Eizellen lässt sich am klarsten

bei +Ascaris megalocephala+ verfolgen:

In der Hodenröhre wird eine bestimmte Zellenfolge mit dem Namen der

Samenmutterzellen belegt. In dem grossen, bläschenförmigen Kern

(Fig. 125 _I_) bilden sich aus der chromatischen Substanz (ich wähle

zur Beschreibung Asc. megal. bivalens) acht lange Kernfäden, die

in zwei Bündel angeordnet und mit der Kernmembran durch überallhin

ausgespannte Lininfäden verbunden sind. Während der Nucleolus in

einzelne Kügelchen zerfällt, erscheinen dicht an der Aussenfläche der

Kernmembran zwei Polkörperchen nahe bei einander im Protoplasma, von

einer kleinen Sphäre umgeben (Fig. 125 _II_). Die Segmente verkürzen

sich und werden dicker (Fig. 125 _II_, _III_). Die Polkörperchen

rücken weiter auseinander und sind schliesslich an entgegengesetzten

Punkten des bläschenförmigen Kerns und zwar in einiger Entfernung von

demselben anzutreffen. Zu dieser Zeit sind die Reste des Nucleolus

geschwunden; die Kernmembran löst sich auf, die zwei Bündel von je vier

Kernsegmenten ordnen sich im Aequator zwischen den Polkörperchen an und

trennen sich darauf in zwei Tochterbündel von je zwei Kernsegmenten,

die nach den Polen auseinander weichen (Fig. 125 _IV_, Fig. 126

_I_). Die Samenmutterzelle zerfällt hierauf durch Einschnürung in

zwei gleich grosse Tochterzellen (Fig. 126 _II_). Während noch die

Durchschnürung im Gange ist, beginnen schon die Veränderungen,

die zur zweiten Theilung führen (Fig. 126 _I_). Das Polkörperchen

jeder Tochterzelle spaltet sich in zwei Hälften, welche, von ihren

besonderen Sphären umgeben, parallel zur ersten Theilungsebene nach

entgegengesetzten Richtungen auseinander rücken (Fig. 126 _II_, _A_

und _B_). Die von der ersten Theilung herrührenden Kernsegmente

liefern mit Ueberspringung des bläschenförmigen Ruhezustandes gleich

wieder das Material zur zweiten Theilung. Sie kommen durch Umlagerung

zwischen die neuentstandenen Pole der zweiten Theilungsfigur zu liegen

(Fig. 126 _II_, _B_) und trennen sich dann in zwei Gruppen von je

zwei Kernsegmenten, die nach den Polen auseinander weichen, worauf

die zweite Einschnürung beginnt (Fig. 126 _III_, _A_). Während bei

der ersten Theilung jede Tochterzelle von den im ruhenden Kern schon

vorgebildeten, acht Kernsegmenten deren vier erhält, bekommt jetzt

jede Enkelzelle nur ihrer zwei. Denn im Laufe der ohne Ruhezustand

sich folgenden zwei Theilungen hat eine Vermehrung der Kernsubstanz

und eine Zunahme der Kernsegmente auf dem Wege der Längsspaltung nicht

stattgefunden. In Folge dessen ist die Anzahl der Segmente durch die

zweite Theilung auf die Hälfte der typischen Zahl herabgesetzt oder

reducirt worden.

In genau derselben Weise vollzieht sich eine +Reductionstheilung beim

Reifeprocess des Eies+ von Ascaris megalocephala.

Der Samenmutterzelle entspricht das unreife Ei oder die Eimutterzelle.

Auch hier entstehen im Keimbläschen acht in zwei Bündeln angeordnete

Kernsegmente (Fig. 127 _I_). Nach Auflösung der Kernmembran ordnen sie

sich im Aequator der ersten Richtungsspindel an, die zur Oberfläche des

Dotters emporsteigt (Fig. 127 _II_) und in früher beschriebener Weise

(Seite 184) die erste Polzelle bildet. Dieser Process ist der Theilung

der Samenmutterzelle in zwei Tochterzellen vergleichbar. Wie dort

(Fig. 126 _I_) erhält von den zwei Bündeln von je vier Segmenten ein

jedes der beiden hier ungleich grossen Theilproducte, (Fig. 127 _III_)

die Ei-Tochterzelle und die durch Knospung entstandene Polzelle, zwei

Tochterbündel von je zwei Segmenten. Auch hier folgt mit Ueberspringung

des Ruhestadiums gleich eine zweite Theilung. Aus dem Material der

in der Ei-Tochterzelle zurückgebliebenen, halben Spindel bildet sich

direkt eine zweite volle Spindel aus mit nur vier paarweise verbundenen

Segmenten. Aus der zweiten Knospung entsteht die zweite Polzelle

(Fig. 127 _IV_) und die +Ei-Enkelzelle oder das reife Ei+, ein jedes

Theilproduct mit nur zwei Kernsegmenten.

[Illustration: =Fig. 127. Schema für die Bildung der Polzellen und die

Befruchtung des Eies von Ascaris megalocephala bivalens.=]

Abgesehen davon, dass die Theilproducte bei der Eireife von so

ungleicher Grösse sind (Knospung), gleichen die Vorgänge den oben

beschriebenen Theilungsprocessen bei der Samenbildung so vollständig,

dass durch sie Licht auf die Bedeutung der Polzellen geworfen wird.

Während aus einer Samenmutterzelle (Fig. 126 _I_) sich vier Samenzellen

entwickeln (Fig. 126 _III_, _A_ _B_ _C_), entstehen aus einer

Eimutterzelle (Fig. 127 _I_) ein befruchtungsfähiges Ei (Fig. 127

_V_) und drei Abortiveier. Diese haben sich in rudimentärem Zustande

erhalten, weil sie bei der physiologisch wichtigen Reductionstheilung

eine Rolle spielen.

Aehnliche Verhältnisse, wie bei den Nematoden, aus welchen hervorgeht,

dass die reifen Geschlechtsproducte nur halb so viel Kernsegmente

besitzen als die Gewebszellen des betreffenden Organismus, sind noch

für viele andere Objecte festgestellt worden: so von Boveri (VI. 6) für

die reifen Eizellen von Thieren, welche den verschiedensten Klassen des

Thierreichs angehören, von Flemming (VI. 13 _II_), Platner (VI. 52),

Henking (VI. 27), Ishikawa (VI. 40), Häcker (VI. 24), vom Rath (VI. 55)

für die reifen Samenzellen von Salamandra, Gryllotalpa, Pyrrhocoris,

Cyclops etc., von Guignard (VI. 23b) für die bei der Befruchtung in

Verwendung kommenden Kerne der Pollenzellen und für den Kern der reifen

Eizelle der Phanerogamen.

Auch bei +Infusorien+ findet vor der Befruchtung eine Reduction von

Kernsubstanz nach den Untersuchungen von Maupas (VII. 30) und Richard

Hertwig (VII. 21) statt, worüber noch einige nähere Angaben in Capitel

VII, Seite 216 folgen werden.

In allen hier beschriebenen Fällen geschieht +die Reduction der

Kernsubstanz vor der Befruchtung der Eizelle durch die Samenzelle+.

Es scheint nun aber auch die Reduction der Kernmasse, was ja a

priori recht gut möglich ist, erst +nach+ der Befruchtung durch die

ersten Kerntheilungen erfolgen zu können. In dieser Weise möchte

ich wenigstens die so interessanten Beobachtungen deuten, welche

Klebahn (VI. 43) bei zwei Vertretern der niederen Algen-Gattung der

Desmidiaceen, bei Closterium und Cosmarium, gemacht hat. Eine genauere

Darstellung wird erst im Capitel „Befruchtungsprocess“ (Seite 224)

gegeben werden, auf welches hiermit der Leser hingewiesen wird.

IV. Beeinflussung der Zelltheilung durch äussere Factoren. Abnorme

Kerntheilungsfiguren. Kerndegenerationen.

Das complicirte Kräftespiel, das sich dem Beobachter bei jeder

Zelltheilung darbietet, kann ebenso wie das früher studirte Phänomen

der Protoplasmabewegung durch äussere Factoren in auffälliger Weise

beeinflusst werden. Nur werden hier aus naheliegenden Gründen

die Verhältnisse verwickelter als bei der Protoplasmabewegung,

weil stofflich verschiedene Theile, Protoplasma, Kernsegmente,

Spindelfasern, Polkörperchen von der Störung betroffen und in sehr

verschiedenartiger Weise abgeändert werden können. -- Das ganze

Gebiet ist noch wenig experimentell in Angriff genommen. Wenn wir

die Frage aufwerfen, wie verhalten sich die einzelnen Stadien des

Kerntheilungsprocesses thermischen, mechanischen, elektrischen

und chemischen Reizen gegenüber, so können wir nur eine sehr

unbefriedigende Antwort darauf geben. Die zusammenhängendsten

Untersuchungen besitzen wir zur Zeit über Echinodermen-Eier, deren

+Verhalten gegen thermische und chemische Reize während der

Theilung+ einer Prüfung unterworfen wurde.

Was zunächst die thermischen Einflüsse betrifft, so ist im

Allgemeinen bekannt, dass je nach dem Grade der Temperatur

die Zelltheilung langsamer oder rascher verläuft; wo aber das

Temperaturoptimum, wo das Minimum liegt, und welche Veränderungen

Temperaturen, die über das Optimum hinausgehen, an den Kernfiguren

hervorrufen, muss durch Experimente genauer festgestellt werden.

Ueber den Einfluss von Kältegraden von 1 bis 4 Grad Celsius habe ich

selbst (VI. 32, 33) eine Reihe von Experimenten ausgeführt:

Wenn Echinodermen-Eier 15 bis 30 Minuten lang auf 1 bis 4

Grad Celsius unter 0 abgekühlt werden, während sie sich auf

charakteristischen Theilungsstadien befinden, so wird binnen wenigen

Minuten der ganze achromatische Theil der Kernfigur rückgebildet

und vernichtet, während der chromatische, aus den Kernsegmenten

bestehende Theil keine oder nur geringfügige Veränderungen erfährt.

Am lehrreichsten sind die Stadien, auf denen die Kernsegmente im

Aequator angeordnet (Fig. 128 _A_) oder schon nach beiden

Polen vertheilt sind. Wie Figur 128 _B_ lehrt, sind die

Protoplasmastrahlungen und ebenso die Spindelfasern spurlos

verschwunden; die Sphären in der Umgebung der Polkörperchen sind noch

durch hellere Stellen im Dotter bezeichnet. Die Kernsegmente allein

sind nach Aussehen und Lage ganz unverändert geblieben.

[Illustration: =Fig. 128. _A_ Kernfigur eines Eies von

Strongylocentrotus 1 Stunde 20 Minuten nach der Befruchtung.=

=_B_ Kernfigur eines Eies von Strongylocentrotus, welches 1½

Stunden nach Vornahme der Befruchtung 2 Stunden 15 Minuten in eine

Kältemischung von −2 °C. gebracht und dann getödtet wurde.=]

Während der Dauer der Kältewirkung bleibt die Kernfigur in diesem

Zustand fest gebannt; die Starre beginnt aber in kürzester Zeit

zu schwinden, wenn die Eier in einem Tropfen Wasser auf einen

Objectträger gebracht und unter dem Einfluss der Zimmertemperatur

allmählich erwärmt werden. Schon nach 5 bis 10 Minuten bilden sich

die beiden Polstrahlungen an denselben Stellen, erst schwach, dann in

ursprünglicher Schärfe wieder aus; zwischen den beiden Polen treten

wieder die Spindelfasern hervor, worauf es bald zur regelrechten

Theilung kommt. +In diesen Fällen hat die Kälte nur als Hemmung

gewirkt. Der Theilungsprocess setzt einfach an dem Punkte wieder ein,

an welchem er durch die Kälte zum Stillstand gebracht worden war.+

Intensivere Störungen werden durch 2- bis 3stündige Abkühlung auf 2

bis 3 Grad Celsius unter 0 hervorgerufen. Die ganze Kernfigur wird

von Grund aus umgeändert und muss sich, wenn die Kältestarre vorüber

ist, wieder von Anfang an neu aufbauen, wozu eine längere Zeit der

Erholung erforderlich ist. Entweder verschmelzen die Kernsegmente zu

einem unregelmässigen, gezackten Körper untereinander, oder es bildet

sich sogar aus ihnen wieder, wie bei dem Reconstructionsprocess nach

der Theilung, ein kleiner bläschenförmiger Kern. Dann beginnen von

Neuem Veränderungen, welche zur Entstehung von Polstrahlungen und

von häufig mehr oder minder abnorm gestalteten Kerntheilungsfiguren

führen. Auch die Theilung des Eikörpers erfolgt nicht nur sehr

verspätet, sondern ist oft pathologisch abgeändert.

In analoger Weise wie die Kälte, haben einige chemische Stoffe

(Chinium sulfuricum in 0,05%iger Lösung und 0,5% Chloralhydrat) eine

überraschende Wirkung auf den Theilungsprocess. Werden Eier, welche

die Spindel gebildet haben und äquatoriale Anordnung der Kernsegmente

zeigen, 5 bis 10 Minuten der Einwirkung der oben genannten Stoffe

ausgesetzt, so beginnen bald die Polstrahlungen vollkommen zu

verschwinden, entstehen aber nach einiger Zeit der Ruhe wieder von

Neuem, worauf es zu normaler Theilung kommt. Bei einer Einwirkung der

Stoffe während 10 bis 20 Minuten jedoch wird die Störung eine tiefer

greifende und führt in vielen Fällen einen sehr eigenthümlichen

und in seiner Art typischen Verlauf des Theilungsprocesses herbei.

Nicht nur die Polstrahlungen und die Spindelfasern werden vollkommen

zurückgebildet, sondern es geht auch aus den Kernsegmenten in

langsamer Umwandlung der bläschenförmige Ruhezustand des Kerns wieder

hervor (Fig. 129 _A_). Derselbe giebt bald den Ausgangspunkt für

eine neue, jetzt aber wesentlich modificirte Theilung ab (O. und R.

Hertwig VI. 38).

[Illustration: =Fig. 129. Kerne von Eiern von Strongylocentrotus,

welche 1½ Stunden nach Vornahme der Befruchtung 20 Minuten in einer

0,025procentigen Chininlösung gelegen haben.=

_A_ Kernfigur eines Eies, das +eine+ Stunde nach Herausnahme aus der

Chininlösung abgetödtet wurde. _B_ Kernfigur eines Eies, das etwas

später abgetödtet wurde. _C_ Kernfigur eines Eies, das 2 Stunden nach

Herausnahme aus der Chininlösung abgetödtet wurde.]

Anstatt zweier, bilden sich gleich vier Strahlungen an der Oberfläche

der Kernblase aus (Fig. 129 _B_, in welcher eine Strahlung

verdeckt ist). Diese werden nach Behandlung mit Chinin bald scharf

ausgeprägt, bleiben dagegen nach Chloralbehandlung auf die Dauer matt

und auf die nächste Umgebung des Kerns beschränkt. Hierauf löst sich

die Kernmembran auf; zwischen den vier Polen entwickeln sich fünf

Spindeln, auf welche sich die Kernsegmente in äquatorialer Anordnung

vertheilen und dabei eine charakteristische Figur erzeugen (Fig.

129 _C_). Dann weichen die Kernsegmente nach den vier Polen

auseinander und geben die Grundlage für vier bläschenförmige Kerne

ab, welche nach der Oberfläche des Dotters auseinander rücken. Das Ei

beginnt sich darauf durch zwei Kreuzfurchen den Kernen entsprechend

in vier Lappen einzuschnüren; in der Regel kommt es aber nicht zu

einer vollständigen Theilung in vier Stücke, sondern zuvor schicken

sich die vier Kerne wieder zu einer neuen Theilung an, indem sie

sich in Spindeln mit zwei Polstrahlungen umwandeln. Dabei vertiefen

sich die eben erwähnten Einschnürungen langsam, und jede Spindel

kommt in einen Höcker oder eine Knospe zu liegen. Entweder wird die

Trennung jetzt schon eine ziemlich vollständige, oder es treten, noch

ehe die Furchen weit in den Dotter eingeschnitten haben, die vier

Spindeln, indem die Kernsegmente nach den Polen auseinanderweichen,

zuvor in Theilung ein. Dies hat dann wieder zur Folge, dass sich die

vier ersten Höcker, noch ehe sie voneinander getrennt sind, abermals

einzuschnüren beginnen (Knospenfurchung).

Das Auffälligste bei den beschriebenen Erscheinungen ist das

plötzliche Auftreten von vier Polstrahlungen, denen nach Allem, was

wir wissen, ebenso viele Polkörperchen zu Grunde liegen müssen.

Eine Erklärung hierfür bietet sich in den Vorgängen, welche sich an

die Befruchtung des Echinodermen-Eies anschliessen und welche ihre

Besprechung auf Seite 209 finden, auf welche hiermit verwiesen wird.

Modificationen von der in Figur 129 _C_. dargestellten Form der

Kernumwandlung kommen nicht selten vor; sie bestehen darin, dass eine

Strahlung von den drei übrigen etwas weiter entfernt liegt (Fig.

130). In diesem Fall sind nur die drei näher zusammen gelegenen

Strahlungen durch drei Spindeln zu einem Triaster vereinigt. Im

Mittelpunkt des so gebildeten gleichschenkligen Dreiecks stossen drei

Kernplatten zusammen, wieder eine regelmässige Figur erzeugend. Die

vierte abseits liegende Strahlung verbindet sich durch eine einzige

Spindel mit der nächsten Strahlung des Triasters.

[Illustration: Fig. 130]

[Illustration: Fig. 131]

=Fig. 130= u. =131. Vierpolige Kernfiguren von Eiern von

Strongylocentrotus, die 1½ Stunden nach Vornahme der Befruchtung 20

Minuten in einer 0,05procentigen Chininlösung gelegen haben und nach

Herausnahme aus der Chininlösung nach 2 Stunden getödtet worden sind.=

Als ein Uebergang zwischen den Figuren 129 und 130 lässt sich wohl

Figur 131 betrachten. Hier gehen von der mehr isolirt gelegenen

Strahlung x zwei Spindeln nach dem übrigen Theil der Kernfigur,

welche einen Triaster darstellt. Von den beiden Spindeln ist die eine

nur schwach und unvollständig ausgebildet und fällt sofort durch die

geringe Anzahl ihrer Kernsegmente auf. Sie würde wahrscheinlich gar

nicht zur Anlage gelangt sein, wenn die Strahlung x noch etwas weiter

von der Strahlung y entfernt wäre.

+Drei-, vier- und mehrpolige Kerntheilungsfiguren+ (Triaster,

Tetraster, Polyaster, pluripolare Mitosen) +sind auch in krankhaft

veränderten Geweben+ von pathologischen Anatomen, Arnold,

Hansemann, Schottländer, Cornil, Denys etc. (VI. 1, 10, 11, 25,

67), häufig beobachtet worden, besonders häufig in bösartigen

Geschwülsten, wie in den Carcinomen. Sie gleichen in auffallender

Weise den an Eizellen experimentell erzeugten und in den Figuren

129 bis 131 abgebildeten Kernfiguren. Wahrscheinlich ist auch hier

die Ursache für die abnormen Erscheinungen in chemischen Reizen zu

suchen. So konnte Schottländer (VI. 67) pathologische Kerntheilungen

im Endothel der Descemet’schen Membran dadurch hervorrufen, dass

er die Hornhaut des Froschauges mit Chlorzinklösung von bestimmter

Concentration anätzte und so in Entzündung versetzte. Bemerkenswerth

ist das veränderliche Zahlenverhältniss der Kernsegmente in den

einzelnen Spindeln. Denn während in einigen Spindeln zwölf Segmente,

wurden in anderen nur sechs oder sogar nur drei von Schottländer

aufgefunden. Dieselbe Erscheinung wurde bei den Echinodermen-Eiern

beobachtet.

Mehrpolige Kerntheilungsfiguren können übrigens wahrscheinlich

noch durch andere Ursachen, von denen uns zur Zeit die wenigsten

bekannt sind, veranlasst werden. Eine häufige Ursache ist zum

Beispiel +das Vorkommen vieler Kerne in einer Zelle+. Man kann

leicht einen solchen Zustand auf experimentellem Wege willkürlich

hervorrufen, wenn man Eizellen durch irgend welche geeignete

Eingriffe schädigt und dann befruchtet (Fol VI. 19b, Hertwig VI.

30a, 32, 33, 38). Anstatt eines einzigen Samenfadens, wie es bei

der normalen Befruchtung die Regel ist, dringen dann zwei, drei und

mehr in den Dotter hinein. Die Folge einer derartigen Ueberfruchtung

(Polyspermie) ist die Ausbildung vieler, der Zahl der eingedrungenen

Samenfäden entsprechender +Samenkerne+. Dieselben legen sich zum

Theil dem Eikern an, und da jeder von ihnen ein Centralkörperchen mit

in das Ei hineingebracht hat, entstehen um den Eikern entsprechend

viele Polstrahlungen. Und so wandelt sich, je nach der Zahl der

Samenfäden, der Eikern in eine drei-, vier- und mehrstrahlige

Kerntheilungsfigur um.

Auch die nicht mit dem Eikern verbundenen, sondern bei der

Ueberfruchtung im Dotter isolirt gebliebenen Samenkerne werden sehr

häufig der Ausgang eigenthümlicher, mehrpoliger Kernfiguren. Zunächst

werden sie zu kleinen Samenspindeln. Benachbarte Spindeln rücken

dann häufig zusammen der Art, dass zwei Polstrahlungen und mithin

wohl auch die in ihnen gelegenen Polkörperchen zu einem einzigen

verschmelzen. Auf diese Weise können durch allmählich erfolgende

Verschmelzungen, namentlich bei höheren Graden der Ueberfruchtung,

die verschiedenartigsten Spindelaggregate zu Stande kommen. Auch die

vom mehrfach befruchteten Eikern ausgehende, vielstrahlige Figur

kann nachträglich durch Anlagerung von Samenspindeln noch eine

complicirtere Structur erhalten.

In ähnlicher Weise erkläre ich mir die interessanten Befunde, welche

an den +Riesenzellen des Knochenmarks+ von Denys und an den

Riesenzellen der embryonalen Säugethierleber von Kostanecki (VI. 46)

beobachtet worden sind. Im Verhältniss zu den zahlreichen Kernen

werden auch viele Centralkörperchen in der Zelle enthalten sein.

Wenn daher das ganze Kernaggregat in Theilung eintritt, werden sich

viele Polstrahlungen entwickeln müssen, zwischen denen sich dann die

Kernsegmente, deren Zahl unter Umständen mehrere hundert betragen

kann, zu eigenthümlich verzweigten Kernplatten anordnen, wie eine

solche in Figur 132 nach Kostanecki abgebildet worden ist. Wenn

sich später die Muttersegmente in Tochtersegmente spalten, wandern

letztere gruppenweise nach den einzelnen Polen der complicirten

Kerntheilungsfigur und bilden dort zahlreiche, kleine Kreise (Fig.

133). Aus jedem Kreis wird weiterhin ein Kern; zuletzt theilt sich

die Riesenzelle in so viele Stücke als Kerne, resp. Kreise von

Tochtersegmenten, vorhanden waren.

[Illustration: Fig. 132.]

[Illustration: Fig. 133.]

[Illustration: Fig. 134.]

=Fig. 132. Vielpolige Kerntheilungsfigur mit vielen Gruppen

von Muttersegmenten aus einer Riesenzelle der embryonalen

Säugethierleber.= Nach ~Kostanecki~.

=Fig. 133. Vielpolige Kerntheilungsfigur einer Riesenzelle aus

der embryonalen Säugethierleber. Die Tochtersegmente bilden viele

Gruppen, die nach den zahlreichen Polen zu auseinander gerückt

sind.= Nach ~Kostanecki~.

=Fig. 134. Zwei Kernspindeln aus dem Dotter einer

Forellenkeimscheibe. Das Polkörperchen der einen Spindel übt

einen störenden Einfluss auf die Anordnung und Vertheilung

der Tochtersegmente in der zweiten Spindel aus.= Nach

~Henneguy~.

In dieselbe Reihe gehören die von Henneguy (VI. 28) am Forellenei

gemachten Beobachtungen. Bekanntlich sind bei partiell sich

furchenden Eiern zahlreiche Kerne, die Merocyten, in der

Dotterschicht, welche unter den Keimzellen liegt, zerstreut. Zuweilen

treten einige von ihnen, indem sie sich zur Theilung gleichzeitig

vorbereiten, zu kleinen Spindelaggregaten zusammen. Dafür, dass die

Pole hierbei als Attractionscentren wirken, ist sehr lehrreich der

folgende von Henneguy mitgetheilte Fall (Fig. 134): Zwei in Theilung

begriffene Merocyten liegen in der gemeinsamen Dottermasse dicht

bei einander und zwar so, dass die Spindelaxe von _B_ in ihrer

Verlängerung die Spindel _A_ im Aequator schneiden würde und

dass das eine Polkörperchen _b_ sich in grosser Nähe von Spindel

_A_ befindet. Dadurch ist bei der letzteren die Vertheilung der

Tochtersegmente in ganz auffälliger Weise gestört worden. Anstatt

in zwei Gruppen nach den Polen _a_ _a_, wie bei normalem

Verlauf, auseinander zu weichen, hat sich eine Anzahl von ihnen,

welche sich am meisten in der Wirkungssphäre des Polkörperchens

_b_ der nahegelegenen, fremden Spindel befunden hat, nach

_b_ begeben. Mit einem Wort: das Polkörperchen der einen Spindel

hat ganz offenbar einen störenden Einfluss auf die Anordnung und

Vertheilung der Tochtersegmente in der zweiten Spindel ausgeübt.

An demselben Object hat Henneguy in Keimzellen, die sich von der

Merocytenschicht nachträglich abtrennen, auch Triaster, wie ein

solcher in Figur 135 abgebildet ist, und Tetraster wahrgenommen.

[Illustration: Fig. 135.]

[Illustration: Fig. 136.]

=Fig. 135. Zelle mit einer dreipoligen Kernfigur aus einem

Forellenkeim.= Nach ~Henneguy~.

=Fig. 136. _A_ Samenzelle mit entartetem Kern aus dem Hoden

von Salamandra maculata.= Aus ~Flemming~ Taf. 25, Fig. 51 a.

=_B_ Zwischenkörperchen (corps résiduel) aus dem Hoden von

Ascaris megalocephala. Kernrückbildung.=

Am Schluss des vierten Abschnitts sei endlich noch auf

+Degenerationsvorgänge hingewiesen, denen zuweilen die Zellkerne

unterliegen+, wahrscheinlich, weil sie sich unter schädlichen

Einflüssen befinden. Namentlich in den Geschlechtsorganen scheinen

sich häufig einzelne Keimzellen oder Gruppen von solchen, ehe sie

die volle Reife erlangt haben, zurückzubilden, wie von Flemming und

Hermann für Salamandra maculata, von mir für Ascaris megalocephala

festgestellt worden ist. An den Kernen geht das Gerüst zu Grunde. Das

Nucleïn sammelt sich zu einem compacten Klumpen an, der sich durch

eine auffallend starke Färbbarkeit in den verschiedensten Farbstoffen

auszeichnet. Das Protoplasma nimmt im Verhältniss zu entsprechenden

normalen Keimzellen an Masse ab. Derartig verkümmerte Zellen mit

ganz desorganisirten Kernen sind in Figur 136 abgebildet. _A_

ist eine Samenzelle aus einem Hodenfollikel von Salamandra, _B_

eine Keimzelle von Ascaris, wie sie sowohl im Hoden als im Eierstock

vorgefunden wird und in der Literatur unter dem Namen corps résiduel

oder Zwischenkörperchen bekannt ist. Wasielewski hat durch Injection

von Terpentin in den Hoden von Säugethieren die Kerne von Keimzellen

in einen entsprechenden Zustand der Degeneration auf experimentellem

Wege versetzen können.

Ueber die +physiologische Bedeutung des Kerntheilungsprocesses+

vergleiche Capitel IX, Abschnitt 3, besonders den Theil: Die

gleichwerthige Vertheilung der sich vermehrenden Erbmassen auf die

aus dem befruchteten Ei hervorgehenden Zellen.

Literatur. VI.

1) =Julius Arnold.= _Ueber die Theilungsvorgänge an den

Wanderzellen. Archiv für mikroskop. Anatomie. Bd. XXX. Ferner mehrere

Aufsätze in Virchow’s Archiv. Bd. XCIII, XCVIII, CIII._

2a) =Auerbach.= _Organologische Studien. Zweites Heft. Ueber

Neubildung und Vermehrung der Zellkerne._

2b) +_Derselbe._+ _Zur Kenntniss der thierischen Zellen.

Sitzungsber. d. kgl. preuss. Akademie der Wissenschaften zu Berlin.

1890._

3) =Balfour.= _Handb. der vergleichenden Embryologie.

Uebersetzt von Vetter. Jena 1881._]

4a) =van Beneden.= _Recherches sur la maturation de l’œuf, la

fécondation et la division cellulaire. Archives de biologie. Vol. IV.

1883._

4b) =van Beneden= _u._ =Neyt=. _Nouvelles recherches

sur la fécondation et la division mitosique chez l’ascaride

mégalocéphale. Leipzig 1887._

5) =Born.= _Ueber den Einfluss der Schwere auf das Froschei.

Archiv für mikroskop. Anatomie. Bd. XXIV._

6) =Boveri.= _Zellenstudien. Jenaische Zeitschrift. 1887,

1888, 1890._

7) +_Derselbe._+ _Ueber den Antheil des Spermatozoons

an der Theilung der Eier. Sitzungsber. der Gesellsch. f. Morph. u.

Physiol. in München. 1887._

8) =Brandt.= _Neue Radiolarienstudien. Mittheil. des Vereins

Schleswig-Holstein. Aerzte. Januar 1890._

Die Zelle und die Gewebe (Vol. 1/2) · 第 141 / 170 题