IV. +Die Reductionstheilung.+

Die lehrreichsten Beispiele für die verschiedenen Theilungsarten

bieten hauptsächlich die thierischen Eizellen, weil bei ihnen die

Theilungen sich rasch aufeinander folgen und so am klarsten die

gesetzmässigen Beziehungen zu einander erkennen lassen.

Iᵃ. Die äquale Theilung.

Bei der äqualen Theilung zerfällt das Ei, wenn es wie gewöhnlich

die Form einer Kugel besitzt, zuerst in zwei Halbkugeln; bei der

darauf folgenden zweiten Theilung muss sich die Kernspindel nach

der oben auseinander gesetzten Regel parallel zur Grundfläche der

Halbkugel einstellen, so dass diese sich jetzt in zwei Quadranten

theilt. Hierauf muss die Spindelachse mit der Längsachse jedes

Quadranten zusammenfallen, wodurch eine Zerlegung in je zwei Octanten

herbeigeführt wird. In Folge dessen ist während des zweiten und

dritten Furchungsstadiums die Lage, welche die zweite und dritte

Furchungsebene zu einander und zur ersten Theilebene einhalten,

eine streng gesetzmässige. +Es halbirt nämlich stets die zweite

Furchungsebene die erste und schneidet sie rechtwinklig, die

dritte Ebene aber steht wieder senkrecht auf den beiden ersten

und geht durch die Mitte der Axe hindurch, in welcher sich diese

schneiden.+ Wenn man nun die Enden dieser Axe als Pole des Eies

betrachtet, so kann man die beiden ersten Theilungsebenen als

meridionale, die dritte als eine äquatoriale bezeichnen.

Schon nach der zweiten Furchung lassen sich in vielen Fällen

+Verschiebungen der vier Theilstücke+ aneinander beobachten,

welche zur Folge haben, dass die von der zweiten Theilung

herrührenden Furchen sich nicht mehr an den Polen in einem

Punkte schneiden, sondern in geringer Entfernung vom Pol auf

die erst gebildete Meridionalfurche treffen (Fig. 113). Es

entsteht so eine bald kürzere, bald längere Querlinie, welche als

+Brechungslinie+ bezeichnet wird. Besonders schön ausgebildet

habe ich (VI. 30b) eine solche bei den Eiern von Sagitta (Fig. 113)

beobachtet:

Kurze Zeit nach Beendigung der zweiten Furchung des Sagitteneies

haben sich die vier Zellen so angeordnet (Fig. 113), dass nur zwei

von ihnen sich am animalen Pol in einer kurzen queren Furche,

der +animalen Brechungslinie+, treffen; an die beiden Enden

derselben stossen die beiden anderen Zellen, welche von der Berührung

mit dem Pole ausgeschlossen sind, mit zugespitzten Enden an.

Ganz dieselben Verhältnisse wiederholen sich am vegetativen Pol;

nur treffen sich hier die beiden Zellen, welche den animalen Pol

nicht erreichen, in einer +vegetativen Brechungslinie+, und

diese ist dann stets so orientirt, dass sie die entgegengesetzte

Brechungslinie, wenn wir beide auf dieselbe Ebene projiciren,

unter rechtem Winkel kreuzt. Die durch Viertheilung entstandenen

vier Zellen sind also keine regelmässigen Viertel einer Kugel;

an jeder können wir ein stumpfes und ein spitzes, den Polen des

Eies zugewandtes Ende unterscheiden. Je zwei aus einer Halbkugel

abstammende Zellen sind dann in der Weise gruppirt, dass sie mit

ihren stumpfen oder spitzen Enden nach entgegengesetzten Richtungen

schauen.

Eine ähnliche Anordnung der vier ersten Furchungszellen ist an andern

Objecten, so von Rabl an den Eiern von Planorbis, von Rauber (VI. 56)

an Froscheiern beschrieben und von letzterem ausführlicher erörtert

worden.

Auch bei ovalgeformten Eiern, bei denen die erste Theilungsebene nach

unserem Gesetz quer zur Längsaxe orientirt ist, finden während der

zweiten Furchung, die auf die erste senkrecht erfolgt, bedeutende

Verschiebungen statt und kommen dadurch wieder deutlich ausgeprägte

Brechungslinien zu Stande, wie die Figur 114 von Ascaris nigrovenosa

ohne weitere Erklärung lehrt.

[Illustration: Fig. 113.]

[Illustration: Fig. 114.]

=Fig. 113. Viergetheiltes Ei von Sagitta vom animalen Pol aus

gesehen.= 160mal vergrössert. ~Hertwig~ Taf. V, Fig. 5.

=Fig. 114. Viergetheiltes Ei von Ascaris nigrovenosa.= Nach

~Auerbach~ Taf. IV, Fig. 19.

Iᵇ. Die inäquale Theilung.

Von der äqualen lässt sich leicht die inäquale Theilung ableiten.

Am häufigsten ist dieselbe dadurch bedingt, dass in der Zelle

Protoplasma und Dottermaterialien in ungleicher Weise vertheilt

sind. Als Beispiel diene das polar differenzirte Froschei. Bei

diesem liegt, wie schon gezeigt wurde, der Kern in der nach oben

gekehrten, animalen Hälfte der Kugel (Seite 174). Wenn er sich hier

zur Theilung anschickt, kann sich seine Axe nicht mehr in jeden

beliebigen Radius des Eies einstellen; in Folge der ungleichmässigen

Vertheilung des Protoplasma im Eiraum steht er unter dem Einflusse

des protoplasmareicheren, pigmentirten Theils des Eies, welcher

wie eine Calotte dem mehr deutoplasmahaltigen Theil aufliegt und

wegen seiner geringeren specifischen Schwere obenauf schwimmt

und horizontal ausgebreitet ist (Fig. 115 _A_). In einer

horizontalen Protoplasmascheibe aber kommt die Kernspindel horizontal

zu liegen; mithin muss die Theilungsebene sich in verticaler Richtung

bilden. Zuerst beginnt sich eine kleine Furche am animalen Pole zu

zeigen, weil derselbe mehr unter dem Einfluss der ihm genäherten

Kernspindel steht und mehr Protoplasma enthält, von welchem die

Bewegungserscheinungen bei der Theilung ausgehen. Die Furche vertieft

sich langsam nach abwärts und schneidet nach dem vegetativen Pole zu

durch.

[Illustration: =Fig. 115. Schema der Theilung des Froscheies.=

~O. Hertwig~, Entwicklungsgesch. Fig. 31.

_A_ Erstes Theilungsstadium. _B_ Drittes Theilungsstadium.

Die vier Theilstücke des zweiten Theilungsstadiums beginnen durch

eine Aequatorialfurche in acht Stücke zu zerfallen. _P_

Pigmentirte Oberfläche des Eies am animalen Pol, _pr_

protoplasmareicher, _d_ deutoplasmareicher Theil des Eies;

_sp_ Kernspindel.]

Die durch den ersten Theilungsakt entstandenen zwei Halbkugeln

sind aus einem protoplasmareicheren, nach oben gerichteten und

aus einem nach abwärts gekehrten, protoplasmaärmeren Quadranten

zusammengesetzt. Dadurch wird erstens wieder die Lage und zweitens

die Axe des Kerns, wenn er in die zweite Theilung eintritt, fest

bestimmt. Den Kern haben wir nach dem früher aufgestellten Gesetz im

protoplasmareicheren Quadranten aufzusuchen; die Axe der Spindel muss

sich hier parallel zur Längsaxe des Quadranten einstellen, muss also

horizontal zu liegen kommen. Die zweite Theilungsebene ist daher, wie

die erste, lothrecht und schneidet dieselbe rechtwinklig.

Nach Ablauf der zweiten Furchung besteht das Amphibienei aus

vier Quadranten, die durch verticale Theilungsebenen voneinander

getrennt sind und zwei ungleichwerthige Pole besitzen, einen

protoplasmareicheren, leichteren, nach oben gerichteten und einen

dotterreicheren, schwereren, nach abwärts gekehrten. Beim äqual

sich furchenden Ei sahen wir, dass auf dem dritten Theilungsstadium

die Axen der Kernspindeln sich parallel zur Längsaxe der Quadranten

einstellen. Das ist auch hier in einer etwas modificirten Weise der

Fall (Fig. 115 _B_). Wegen des grösseren Protoplasmareichthums

der oberen Hälfte jedes Quadranten kann die Spindel nicht wie bei

dem äqual sich furchenden Ei in der Mitte desselben liegen, sondern

muss dem animalen Pol des Eies mehr genähert sein. Ferner steht

sie genau vertical, da die Quadranten des Amphibieneies wegen der

ungleichen Schwere ihrer beiden Hälften im Raum fest orientirt sind.

In Folge dessen muss jetzt die dritte Theilungsebene eine horizontale

werden (Fig. 116 _A_), ferner muss sie oberhalb des Aequators

der Eikugel mehr oder minder nach dem animalen Pole zu gelegen

sein. +Die Theilproducte sind von sehr ungleicher Grösse und

Beschaffenheit und sind der Grund, warum man diese Form der Furchung

als die+ =inäquale= +bezeichnet+ hat. Die vier nach oben

gelegenen Segmente sind kleiner und dotterärmer, die vier unteren

viel grösser und dotterreicher. Nach den Polen, denen sie zugekehrt

sind, werden sie auch als animale und als vegetative Zellen von

einander unterschieden.

[Illustration: =Fig. 116. Furchungsstadien von Petromyzon.= Aus

~Hatschek~ Fig. 72. _A_ und _B_ nach ~Shipley~, _C_ und _D_ nach ~M.

Schultze~.]

Im weiteren Verlauf der Entwicklung (Fig. 116 _B_, _C_, _D_) wird der

Unterschied zwischen den animalen und den vegetativen Zellen immer

grösser, da die Zellen, je protoplasmareicher sie sind, um so rascher

und häufiger sich theilen, wie gleichfalls schon oben hervorgehoben

wurde.

Auch +bei ovalen Eiern kann eine äquale Furchung+ vorkommen. So

zerfällt bei Fabricia (Fig. 117) das Ei wegen der schon beschriebenen

Ansammlung des Dotters an einem Pol (Fig. 109) in eine kleinere,

protoplasmareichere und eine grössere dotterreichere Zelle, die sich im

weiteren Verlauf verschieden rasch weiter furchen.

[Illustration: =Fig. 117. Zweigetheiltes Ei von Fabricia.= Nach

~Haeckel~.]

Iᶜ. Knospung.

Von Knospung redet man, wenn das eine Theilproduct an Grösse hinter

dem andern so sehr zurückbleibt, dass es nur als ein kleines

Anhängsel an ihm erscheint und kaum zu einer Verminderung seiner

Körpermasse führt. Das kleinere Theilproduct nennt man die Knospe,

das andere die Mutterzelle. Bei dieser Vermehrungsweise giebt es zwei

Unterarten, je nachdem eine oder mehrere Knospen an der Mutterzelle

ihren Ursprung nehmen.

Im Thierreiche spielt der Knospungsprocess bei der Reife des Eies

eine Rolle und führt zur Entstehung der +Richtungskörper oder

Polzellen+. Hierunter versteht man zwei bis drei kleine Kügelchen,

welche aus Protoplasma und Kernsubstanz zusammengesetzt sind, daher

den Werth von kleinen Zellen besitzen und häufig innerhalb der

Dotterhaut dem animalen Pol des Eies aufliegen. Der Hergang beim

Knospungsprocess ist folgender:

Währenddem sich das Keimbläschen auflöst, entsteht aus Bestandteilen

seines Inhaltes eine typische Kernspindel mit zwei Polstrahlungen an

ihren Enden. Dieselbe verändert ihre Lage im Dotter (Fig. 118 _I_) und

rückt allmählich nach dem animalen Pol empor, bis sie mit ihrer einen

Spitze an der Oberfläche anstösst. Hier angelangt, stellt sie sich mit

ihrer Längsaxe in die Richtung eines Eiradius ein. Bald beginnt die

Knospung; an der Stelle, wo der eine Pol der Kernfigur die Oberfläche

berührt, wölbt sich der Dotter zu einem kleinen Hügel empor, in welchen

die Spindel selbst zur Hälfte hineinrückt (Fig. 118 _II_).

[Illustration: =Fig. 118. Bildung der Polzellen bei Asterias

glacialis.= ~O. Hertwig~, Entwicklungsgesch. Fig. 13.

In Fig. _I_ ist die Kernspindel (_sp_) an die Oberfläche des Eies

gerückt. In Fig. _II_ hat sich ein kleiner Hügel (_rk¹_) gebildet, der

die Hälfte der Spindel aufnimmt. In Fig. _III_ ist der Hügel zu einer

Polzelle (_rk¹_) abgeschnürt. Aus der Hälfte der früheren Spindel ist

wieder eine zweite vollständige Spindel (_sp_) entstanden. In Fig. _IV_

wölbt sich unter der ersten Polzelle ein zweiter Hügel hervor, der sich

in Fig. _V_ zur zweiten Polzelle (_rk²_) abgeschnürt hat. Aus dem Rest

der Spindel entwickelt sich der Eikern (ek) in Fig. _VI_.]

Der Hügel schnürt sich darauf an seiner Basis ein und löst sich mit

der Hälfte der Spindel vom Dotter als eine sehr kleine Zelle ab (Fig.

118 _III_). Hierauf wiederholt sich genau derselbe Vorgang

noch einmal (Fig. 118 _IV_–_VI_), nachdem sich die im Ei

zurückgebliebene Hälfte der Spindel, ohne in das bläschenförmige

Ruhestadium des Kerns zuvor eingetreten zu sein, wieder zu einer

ganzen Spindel ergänzt hat. Auf die feineren Einzelheiten des

Vorgangs, welche die Kernspindel betreffen, wird auf Seite 191 noch

genauer eingegangen werden.

Knospungsprocesse kommen bei einigen Abteilungen einzelliger

Organismen häufiger vor, und entnehme ich aus ihrem Kreise ein

zweites Beispiel, die von Richard Hertwig (VI. 35) untersuchte

+Podophrya gemmipara+, eine marine Acinete, welche mit ihrem

hinteren Körperende vermittelst eines Stiels an anderen Gegenständen

festsitzt. Am freien Körperende, welches Fangfäden und Saugröhren

trägt, bilden sich nicht selten 8–12 Knospen aus, welche zu einem nur

das Centrum der freien Fläche freilassenden Kranz angeordnet sind.

Der Kern ist hierbei in eigenthümlicher Weise betheiligt. Derselbe

bildet, wie bei vielen Infusorien, solange die Podophrya noch jung

und noch nicht in den Knospungsprocess eingetreten ist, die Form

eines langen, hufeisenförmig gewundenen Bandes (Fig. 119 _b_).

Später wachsen aus ihm zahlreiche Fortsätze in verticaler Richtung

nach der freien Seite des Körpers hervor; sie schwellen mit ihren

Enden bald kolbig an, während ihre Verbindung mit dem Haupttheil

des Kerns sich meist zu einem feinen Faden verdünnt. Ueberall, wo

die kolbigen Kernenden an die freie Fläche herantreten, bilden

sich kleine Hügel, welche die Kernenden, wenn sie noch weiter vor

wachsen, in sich aufnehmen, je ein Hügel ein kolbiges Kernende. Die

ganze Knospe vergrössert sich hierauf noch etwas, schnürt sich am

Ursprung vom Mutterorganismus etwas ein; der in sie hineingewachsene

Kerntheil nimmt die Form eines Hufeisens an und löst sich dann von

dem feinen Verbindungsfaden ab, durch den er mit dem mütterlichen

Kern zusammenhing. Die Knospen sind jetzt reif und bewegen sich nach

ihrer Abtrennung vom Mutterorganismus eine Zeit lang im Meerwasser

als Schwärmer fort.

[Illustration: =Fig. 119. Zellknospung. Podophrya gemmipara mit

Knospen.= ~O. Hertwig~, Zoologie Fig. 21.

_a_ Knospen, die sich ablösen und zum Schwärmer _b_ werden,

_N_ Kern.]

Die Zelle und die Gewebe (Vol. 1/2) · 第 138 / 170 题