Um das Bild der Protoplasmabewegungen nach allen Seiten zu
vervollständigen, ist endlich noch der Form Veränderungen zu gedenken,
welche der Zellkörper gewissermaassen durch +passive Bewegungen+
erfahren kann. Die Zelle befindet sich hier in derselben Lage wie ein
Muskel, der durch eine von aussen auf ihn einwirkende Kraft, die an den
Gliedmaassen ansetzt, gedehnt und wieder verkürzt wird.
[Illustration: =Fig. 51. Epithelmuskelzellen aus der entodermalen
Auskleidung der Tentakeln einer Actinie (Sagartia parasitica).= Nach O.
und ~R. Hertwig~ Taf. VI. Fig. 11. Aus ~Hatschek~ Fig. 108.
_A_ Im ausgedehnten Zustand. _B_ Im stark verkürzten Zustand der
Tentakeln.]
So verändern die Zellen des thierischen Körpers zuweilen in
ausserordentlich hohem Grade ihre Form, indem sie sich allen
Gestaltveränderungen anpassen müssen, welche einzelne Organe in Folge
von Muskelwirkung oder durch Dehnung bei Ansammlung von Flüssigkeit
und Nahrung erfahren. Fadenförmige Epithelzellen müssen sich in
Cylinder, diese in Platten umwandeln, wenn bei Dehnung eines Organs
sich die Oberfläche vergrössert, und die umgekehrte Metamorphose
müssen sie wieder durchmachen, wenn sich dass ganze Organ und mithin
auch seine Oberfläche verkleinert.
Was für gewaltige und urplötzliche Formveränderungen der
Protoplasmakörper einer Zelle ohne Vernichtung seiner feinen Structur
in Folge passiver Bewegungen erträgt, zeigen uns am schönsten die
Coelenteraten, bei welchen sich ausgestreckte Körpertheile wie
Fangfäden auf ein Zehntel oder mehr durch plötzliche, energische
Muskelzusammenziehung verkürzen können. (III. 12a.) Die Form, welche
eine Epithelzelle darbietet, je nachdem sie einem massig oder einem
stark contrahirten Körpertheil entnommen ist, fällt wesentlich
verschieden aus, wie die Figuren 51 _A_ und _B_ lehren. Die
erstere entstammt dem Tentakel einer nur massig contrahirten Actinie,
die durch chemische Stoffe unempfindlich gemacht und dann abgetödtet
worden war, die letztere einem bei der Abtödtung stärker contrahirten
Tentakel eines anderen Individuums.
Literatur. III.
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3) =Bütschli.= _Protozoen. Erster Band von Bronns Classen und
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Zoologie. Bd. I. 1849._
5) =Engelmann.= _Physiologie der Protoplasma- u.
Flimmerbewegung. Hermanns Handbuch der Physiologie. Bd. I._
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Archiv f. die gesammte Physiologie. Bd. XI._
7) +_Derselbe._+ _Ueber die Bewegungen der Oscillarien
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8) +_Derselbe._+ _Ueber die Flimmerbewegung. Jenaische
Zeitschrift f. Medicin und Naturwissensch. Bd. IV. 1868._
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1880._
10) +_Derselbe._+ _Ueber neuere Erklärungsversuche
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11) =Hensen.= _Physiologie der Zeugung. Handbuch der
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eine Colonie bildende Monothalamie des süssen Wassers. Archiv f.
mikroskop. Anat. Bd. X. 1874._
13) =Jürgensen.= _Ueber die in den Zellen der Vallisneria
spiralis stattfindenden Bewegungserscheinungen. Studien des physiol.
Instituts zu Breslau. 1861. Heft 1._
14) =Klebs.= _Form und Wesen der pflanzlichen
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Centralblatt. Bd. II._
16) =C. Nägeli.= _Die Bewegung im Pflanzenreiche. Beiträge zur
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+_Derselbe._+ _Rechts und links. Ortsbewegungen der
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17) =G. Quincke.= _Ueber periodische Ausbreitung
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Bewegungserscheinungen. Sitzungsber. der Akademie der Wissenschaften
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18) =Purkinje= _u._ =Valentin=. _De phaenomeno
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19) =Rossbach.= _Die rhythmischen Bewegungserscheinungen der
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21) =Schwalbe.= _Ueber die contractilen Behälter der
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22) =Velten.= _Einwirkung strömender Elektricität auf die
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23) =Verworn.= _Studien zur Physiologie der Flimmerbewegung.
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24) +_Derselbe._+ _Die Bewegung der lebendigen Substanz.
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25) =de Vries.= _Ueber die Bedeutung der Circulation und der
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Botanische Zeitung. 1885._