[1] Fjodor Michailowitsch hätte sich natürlich gern auch als offiziellen
Redakteur der Zeitschrift gesehen, doch stand er damals noch unter
polizeilicher Aufsicht, weshalb er erst 1873 als Redakteur des „Bürger“
bestätigt werden konnte. Da aber die beiden Brüder in größtem
Einvernehmen lebten, so ergab sich daraus die beste Arbeitsteilung: M.
M. übernahm alles Geschäftliche, während F. M. sich nur mit der
geistigen Leitung der Zeitschrift befaßte. N. N. Strachoff.
[2] Russischer Publizist von Ruf, geboren 1845. E. K. R.
[3] Alexander Herzen, Sohn eines russischen Aristokraten und einer
Württembergerin (geb. 1812 in Moskau, gest. 1870 in Paris). Er war
Schriftsteller und Politiker, wurde schon als Student verbannt, gab in
London von 1856–65 die Zeitschrift „Die Glocke“ heraus. Seinem
ungeheueren Einfluß auf die Intelligenz jener Zeit, sowie seinem offenen
Brief an Kaiser Alexander II. wird der Anstoß zur Verwirklichung der
Bauernbefreiung zugeschrieben. E. K. R.
[4] Professor der Geschichte. Näheres Bd. XI, S. 311. E. K. R.
[5] Der Held der „Aufzeichnungen eines Irrsinnigen“ von Gogol. E. K. R.
[6] Publizist, Politiker, Panslawist. E. K. R.
[7] Führer der slawophilen Partei in Moskau. E. K. R.
[8] Russischer Philosoph. E. K. R.
[9] Herausgeber der Werke Puschkins. E. K. R.
[10] Der Held in Puschkins Poem „Die Zigeuner“. E. K. R.
[11] Petschorin, die Hauptperson in Lermontoffs Roman „Der Held unserer
Zeit“; Tschitschikoff, die Hauptperson in Gogols Roman „Die toten
Seelen“; Rudin und Lawretzkij, ersterer im Roman gleichen Namens und
letzterer im Roman „Eine adlige Familie“ von Turgenjeff. E. K. R.
[12] Fürst Andrej Bolkonskij, der Vertreter desselben Typs in Tolstois
Roman „Krieg und Frieden“. E. K. R.
[13] In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, unter Batyj, dem Enkel
Dschingis-Chans. E. K. R.
[14] Seit dem Tode des letzten Nachkommen Ruriks, Feodors I., 1598
(nachdem Boris Godunoff den Thronfolger Dmitri 1591 hatte ermorden
lassen) – bis Michail Romanoff 1613 den Thron bestieg. E. K. R.
[15] Russisches Nationalgetränk aus gesäuertem Brot. E. K. R.
[16] Rechtgläubigkeit. E. K. R.
[17] Geb. 1799, fiel 1837 im Duell. E. K. R.
[18] Geb. 1672, seit 1689, nach Ausschluß seines Bruders und seiner
Halbschwester von der Regierung, Alleinherrscher; begann mit der Reform
Rußlands nach seiner Reise ins Ausland 1697 und starb 1725. E. K. R.
[19] Ein Mensch, der keinen Verbleib hat. E. K. R.
[20] Aleko ersticht die Geliebte und einen jungen Zigeuner, die er bei
einem Stelldichein überrascht. E. K. R.
[21] Ein junger Gutsbesitzer und Dichter, Onegins Nachbar und Bräutigam
der Olga Larina, der jüngeren Schwester Tatjanas. Onegin, der auf seinem
Gut wie ein blasierter Einsiedler lebt, wird von Lenskij überredet, mit
ihm zu einem Familienfest in Larins, den Gutsnachbarn, zu reiten.
Nachträglich ärgert sich Onegin über seine Einwilligung, und um nun
seinerseits Lenskij zu ärgern, tanzt er auf dem Fest ausschließlich mit
dessen Braut. Lenskij wird eifersüchtig, fordert den Freund und fällt im
Duell. E. K. R.
[22] Der alte Mönch in Puschkins Drama „Boris Godunoff“. E. K. R.
[23] Das Stadthaupt (der Bürgermeister) in Gogols Komödie „Der Revisor“.
E. K. R.
[24] Der Obergorodowoi (Schutzmann) in Gogols Komödie „Der Revisor“. E.
K. R.
[25] Diese Bezeichnung rührt von Turgenjeff her, dessen Romanhelden
fast ausnahmslos „überflüssige Menschen“ sind, die im Vaterlande
keine Arbeit zu finden verstehen, sich mit Vorliebe im Auslande – in
Paris oder in süddeutschen Kurorten – aufhalten und sich im Grunde
nur selbst zur Last fallen. E. K. R.
[26] Frau Korobotschka ist eine Gutsbesitzerin, Ssobakewitsch ein
Gutsbesitzer oder vielmehr „Besitzer von Leibeigenen“ in Gogols
„Toten Seelen“, Tjäpkin-Ljäpkin ist der Friedensrichter in Gogols
„Revisor“. Die Namen der Gestalten Gogols enthalten gewöhnlich
bereits die ganze Charakteristik der Personen: Frau Korobotschka =
Frau Kästchen, ist ein beschränktes, geiziges Frauenzimmer.
Ssobakewitsch, – etwa Herr Hundemann –, behandelt seine Bauern, als
wären sie Hunde. Dershimorda – Haltsmaul – hält vornehmlich mit
diesem Befehl die Ordnung aufrecht. Skwosnik bedeutet
„durchtriebener Schelm“, während Dmuchanowskij an die
kirchenslawische Bezeichnung für „Aufgeblasenheit“ erinnert. Der
Name Tjäpkin-Ljäpkin ist gebildet aus „Tjäp-da-ljäp,“ dem vulgären
Ausdruck für „obenhin“ oder „irgendwie“. „Tjäp-da-ljäp, da i kletka“
heißt: eins, zwei, drei mit etwas fertig sein – ganz wie der
Friedensrichter Tjäpkin-Ljäpkin mit den Gerichtssachen eins, zwei,
drei fertig ist. E. K. R.
[27] Da die Leibeigenen im Plural meist einfach „Seelen“ genannt wurden,
so nannte man eine Volkszählung oder eine gerichtliche bezw. notarielle
Feststellung des Besitzes der Gutsherrn „Seelenrevision“. E. K. R.
[28] Die bedeutendsten Slawophilen. E. K. R.
[29] Publizist und Slawophile. E. K. R.
[30] Das russische Wort für „Bauer“: es ist die ältere Form von
„Christjanin“, d. h. „Christ“, und hat somit nichts – wie die
Bezeichnung des Bauern in anderen Sprachen – mit „Land“ (Landmann) oder
bauen, bebauen gemein. E. K. R.
[31] Gogol und Lermontoff. E. K. R.
[32] Tolstoi, Dostojewski, Turgenjeff, Gontscharoff, Grigorowitsch. E.
K. R.
[33] Russischer General, der 1876 in Serbien gegen die Türken kämpfte.
E. K. R.
[34] Usurpator, Führer im großen Bauernaufstand unter Katharina II., gab
sich für (den ermordeten) Peter III. aus, wurde 1775 in Moskau
hingerichtet. E. K. R.
[35] Dostojewski hat den Seite 321–325 wiedergegebenen Entwurf in
demselben Oktoberheft seiner Monatsschrift „_Das Verdikt_“ genannt und
„die Überlegung eines Selbstmörders _aus Langeweile_, selbstredend eines
Materialisten.“ E. K. R.
[36] Anhänger einer lutheranisierenden Sekte in Südrußland, von der
Regierung verfolgt. Sie verwerfen die Sakramente und alle
gottesdienstlichen Gebräuche und haben keine Priester. E. K. R.
[37] Verfasser einer kleinen Broschüre: „Unsere neuen Christen – Graf L.
N. Tolstoi und F. M. Dostojewski“. E. K. R.