Über die literarische Tätigkeit Dostojewskis, soweit sie als Material
für Band 12 der Ausgabe in Betracht kam, über die Beteiligung und
Herausgeberschaft des Dichters an den verschiedenen Zeitschriften, in
denen er seine kritischen Arbeiten veröffentlichte, gibt die Einleitung
von N. N. Strachoff die nähere Auskunft. Strachoff (geboren im Jahre
1828 zu Belgorod im Gouvernement Kursk, Literaturhistoriker,
Naturwissenschaftler und Philosoph) war Dostojewskis Freund. Seine
Arbeit über den Dichter, die den vollen Reiz der persönlichen
Anteilnahme an Dostojewskis Entwicklung wie Lebensgang hat, wurde dem
Bande in Übersetzung beigegeben, weil sie unmittelbarer, als es jede
geschichtliche Rückschau heute könnte, in das literarische Milieu des
jungen Rußland einführt, dem Dostojewski angehörte und über das er sich
schließlich führend erhob. Die Nähe, in der Strachoff zu der Welt des
Nihilismus, aber auch des Antinihilismus und hier zu der politischen
Partei der Slawophilen stand, zeigt die Welt, aus der Dostojewski
hervorging und macht sie, die zunächst so überaus ideologisch erscheint,
mit einer Fülle von biographischen und psychologischen Einzelzügen erst
menschlich-begreiflich und darüber hinaus für unser modern-politisches
Verständnis Dostojewskis ungemein wertvoll.
Die Lebensgeschichte Dostojewskis von seiner Kindheit bis zu seiner
Rückkehr aus Sibirien und dem Beginn seiner publizistischen Tätigkeit
(1821–1860), die der ihm gleichfalls befreundet gewesene
Literaturhistoriker Orest Miller sogleich nach dem Tode Dostojewskis
verfaßt hat, wurde dem vorhergehenden Bande der Deutschen Gesamtausgabe,
Bd. XI, zugewiesen. Strachoffs Überblick über die letzten zwei
Jahrzehnte Dostojewskis (1860–1881) ist von ihm als Fortsetzung jener
Biographie der ersten Lebenshälfte Dostojewskis von Miller gedacht und
in einem von ihnen gemeinsam herausgegebenen Bande 1883 erschienen.
Die Entstehung der im vorliegenden Bande vereinigten Aufsätze
Dostojewskis fällt in die Jahre 1861–1880. Die Aufsätze von 1861 sind in
der von seinem Bruder und ihm damals herausgegebenen Monatsschrift „Die
Zeit“ erschienen; die von 1873 in der Zeitschrift „Der Bürger“, deren
Redakteur er ein Jahr lang war; die von 1876–1880 in den von ihm allein
herausgegebenen Monatsheften „Das Tagebuch eines Schriftstellers“. Die
Gedanken aus seinem Notizbuch stammen aus seinem letzten Lebensjahr.
Der Text wurde in Auswahl und – soweit es die Notwendigkeit mit sich
brachte, Dostojewskis Wiederholungen zu vermeiden – in Kürzung
vorgelegt.