Endlich erschien die lang erseufzte Morgenstunde; -- es regnete zwar
nicht mehr, allein die Wolken hingen noch an den Bergen, und verhießen
einen baldigen Herabsturz; ich beschloß jedoch mich lieber ihrer Wuth
Preis zu gehen, als noch länger in dieser Kothe zu verweilen, und ließ
die Pferde satteln.
Vor der Abreise setzte man mir noch Lammsbraten und Butter auf. Ich
dankte dafür und nahm Nichts, indem ich mich mit Mangel an Eßlust
entschuldigte, was auch wirklich der Fall war, denn wenn ich diese
schmutzigen Menschen nur ansah, war mir schon aller Appetit vergangen.
-- So lange ich noch Käs und Brod hatte, hielt ich mich daran, und
genoß nichts anderes.
Wir nahmen also von den guten Leuten Abschied, und machten unsere
Reise nach Reikjavik auf demselben Wege zurück, den ich schon auf der
Herreise gemacht hatte. -- Es war dieß bei der Abreise von Reikjavik
nicht in meinem Plane gelegen; ich wollte gleich von Thingvalla den Weg
nach dem _Gaiser_, _Hekla_ u. s. w. einschlagen; allein die Pferde
waren schon erschöpft, die Witterung war so furchtbar schlecht, und
ließ so gar keine baldige Aenderung hoffen, daß ich es vorzog, nach
Reikjavik zurück zu kehren und da in meinem freundlichen Stübchen bei
meiner guten Bäckerfamilie auf bessere Tage zu warten.
Wir ritten, so gut es ging, unter beständigen Regengüssen und
Stürmen. Das Unangenehmste war, daß wir die Raststunden unter Gottes
freiem, heute wie gestern, sehr unfreundlichem Himmel, ausharren
mußten, da es auf dem ganzen Wege keine andere Hütte gab, als jene in
der Lavawüste, die den Reisenden im Winter zur Station dient. Wir zogen
also fort, bis wir eine magere Wiese erreichten. Hier konnte ich nun
zwei Stunden entweder spazieren gehen, oder mich in das nasse Gras
setzen. Ich wußte nichts Besseres zu thun, als Sturm und Regen den
Rücken zu kehren, auf demselben Flecke stehen zu bleiben, mich in
Geduld zu fassen, und zum Zeitvertreib den Gang der Wolken zu studieren.
Mehr aus Langweile als aus Hunger verzehrte ich dabei mein frugales
Mahl; -- fühlte ich Durst, durfte ich mich nur umwenden, und den Mund
öffnen.
Wenn es Naturen gibt, die zum Reisen geboren sind, so ist eine davon,
glücklicher Weise, die meine. -- Keine Nässe, keine Erkältung war
vermögend, mir auch nur einen Schnupfen zuzuziehen. -- Ich hatte
während der ganzen Tour keine warme, oder überhaupt kräftige Nahrung
genossen, ich hatte alle Nächte auf Bänken oder Kisten geschlafen,
hatte in sechs Tagen bei 55 Meilen gemacht, und war noch dazu in der
Höhle Surthellir tüchtig herum geklettert, -- und trotz all diesen
Entbehrungen und Strapatzen kam ich munter und gesund in Reikjavik an.
Kurze Uebersicht dieser Reise:
Meilen.