21. Juni.

Endlich erschien die lang erseufzte Morgenstunde; -- es regnete zwar

nicht mehr, allein die Wolken hingen noch an den Bergen, und verhießen

einen baldigen Herabsturz; ich beschloß jedoch mich lieber ihrer Wuth

Preis zu gehen, als noch länger in dieser Kothe zu verweilen, und ließ

die Pferde satteln.

Vor der Abreise setzte man mir noch Lammsbraten und Butter auf. Ich

dankte dafür und nahm Nichts, indem ich mich mit Mangel an Eßlust

entschuldigte, was auch wirklich der Fall war, denn wenn ich diese

schmutzigen Menschen nur ansah, war mir schon aller Appetit vergangen.

-- So lange ich noch Käs und Brod hatte, hielt ich mich daran, und

genoß nichts anderes.

Wir nahmen also von den guten Leuten Abschied, und machten unsere

Reise nach Reikjavik auf demselben Wege zurück, den ich schon auf der

Herreise gemacht hatte. -- Es war dieß bei der Abreise von Reikjavik

nicht in meinem Plane gelegen; ich wollte gleich von Thingvalla den Weg

nach dem _Gaiser_, _Hekla_ u. s. w. einschlagen; allein die Pferde

waren schon erschöpft, die Witterung war so furchtbar schlecht, und

ließ so gar keine baldige Aenderung hoffen, daß ich es vorzog, nach

Reikjavik zurück zu kehren und da in meinem freundlichen Stübchen bei

meiner guten Bäckerfamilie auf bessere Tage zu warten.

Wir ritten, so gut es ging, unter beständigen Regengüssen und

Stürmen. Das Unangenehmste war, daß wir die Raststunden unter Gottes

freiem, heute wie gestern, sehr unfreundlichem Himmel, ausharren

mußten, da es auf dem ganzen Wege keine andere Hütte gab, als jene in

der Lavawüste, die den Reisenden im Winter zur Station dient. Wir zogen

also fort, bis wir eine magere Wiese erreichten. Hier konnte ich nun

zwei Stunden entweder spazieren gehen, oder mich in das nasse Gras

setzen. Ich wußte nichts Besseres zu thun, als Sturm und Regen den

Rücken zu kehren, auf demselben Flecke stehen zu bleiben, mich in

Geduld zu fassen, und zum Zeitvertreib den Gang der Wolken zu studieren.

Mehr aus Langweile als aus Hunger verzehrte ich dabei mein frugales

Mahl; -- fühlte ich Durst, durfte ich mich nur umwenden, und den Mund

öffnen.

Wenn es Naturen gibt, die zum Reisen geboren sind, so ist eine davon,

glücklicher Weise, die meine. -- Keine Nässe, keine Erkältung war

vermögend, mir auch nur einen Schnupfen zuzuziehen. -- Ich hatte

während der ganzen Tour keine warme, oder überhaupt kräftige Nahrung

genossen, ich hatte alle Nächte auf Bänken oder Kisten geschlafen,

hatte in sechs Tagen bei 55 Meilen gemacht, und war noch dazu in der

Höhle Surthellir tüchtig herum geklettert, -- und trotz all diesen

Entbehrungen und Strapatzen kam ich munter und gesund in Reikjavik an.

Kurze Uebersicht dieser Reise:

Meilen.

Reise nach dem skandinavischen Norden und der Insel Island im Jahre 1845. Erster Band. · 第 25 / 27 题