Vor sieben Uhr früh ist an ein Aufbrechen und Fortkommen bei der
schrecklichen Schläfrigkeit und Trägheit eines isländischen Führers
wohl gar nicht zu denken. Uebrigens hat dieß auch wenig zu bedeuten, da
es in dieser Jahreszeit hier nie Nacht wird.
Ich nahm, trotz der bedeutend größeren Entfernung, den Rückweg
nach Reikjavik über Grundivik und Keblevik, um die unwirthbarste der
bewohnten Gegenden Islands kennen zu lernen. --
Die erste, drei Meilen lange Tour von Krisuvik nach Grundivik ging über
lauter Lava-Felder, die meist aus kleinen Steinblöcken und Gerölle
bestanden, und die Thäler so ausfüllten, daß auch nicht das kleinste
grüne Plätzchen zu sehen war. Hier traf ich auf Lavaströme anderer
Art, die einen unbeschreiblich schönen Anblick gewähren.
Es waren 10-12 Fuß hohe, in den verschiedensten Formen aufgethürmte
schwarze Massen, deren untere Theile mit weißlichem Moose, wie mit
einem dichten Reife überzogen waren, während die obern als Spitzen und
Zacken emporragten und häufig durchbrochen, die sonderbarsten Aufsätze
und Gestalten bildeten. -- Diese Lavaströme scheinen aus neuerer Zeit
zu stammen, da die Massen mehr schlackenartig und glasig sind.
_Grundivik_, ein kleines grünes Plätzchen mit einigen elenden Kothen,
liegt wie eine Oase in dieser Schlacken-Wüste.
Mein Führer wollte hier bleiben, indem er behauptete, zwischen hier und
Keblevik sei kein Ort, wo ich ein Nachtlager finden würde, und bis nach
Keblevik zu reiten sei für unsere Pferde, die noch von den gestrigen
schlechten Wegen ermüdet seien, doch gar zu weit. -- Es war ihm aber
nur darum zu thun, die Reise um einen Tag zu verlängern.
Ich führte aber zum Glücke eine gute Karte bei mir, aus der ich die
Entfernung so ziemlich beurtheilen konnte; auch erkundigte ich mich
stets vor dem Antritte einer Reise um die tägliche Eintheilung
derselben.
Ich drang also auf die Weiter-Reise, und bald ging es wieder fort
durch lauter Lavafelder nach dem drei Stunden von Grundivik entfernten
Oertchen, _Stad_.
Auf dieser Tour fiel mir ein Berg auf, der sich wunderbar ausnahm. Er
hatte eine vollkommene Eisenfarbe, war von allen Seiten glatt, beinahe
glänzend, und nur hin und wieder mit gelb braunen, ockerähnlichen
Streifen durchzogen.
Stad ist der Sitz eines Priesters. -- Gegen die Behauptung meines
Führers fand ich diesen Ort viel hübscher und wohnlicher, als
Grundivik. -- Während die Pferde ruhten, machte mir der Priester seine
Aufwartung, und führte mich -- nicht etwa, wie ich erwartete in
sein Haus, nein, in die -- -- Kirche, da ließ er Stühle und einen
Fußschemel hinbringen, stellte mir seine Frau und seine Kinder vor,
und bewirthete mich mit Kaffee, Butter, Käse u. d. gl. -- Auf dem
Geländer um den Altar hingen die Kleider des Priesters und
seiner Familie, die sich von denen des Bauervolkes nur sehr wenig
unterschieden.
Der Priester selbst schien mir ein recht belesener und unterrichteter
Mann zu sein. Ich sprach schon so ziemlich dänisch, und konnte mich
daher mit ihm über Vieles unterhalten. Als er erfuhr, daß ich bereits
in Palästina gewesen war, stellte er mir eine Menge Fragen, aus welchen
ich entnehmen konnte, daß er in der Geographie, Naturgeschichte,
Völkerkunde u. s. w. sehr bewandert war. -- Er begleitete mich zwei
Stunden, die wir recht angenehm verplauderten.
Die Entfernung von Krisuvik nach _Keblevik_ beträgt gegen neun Meilen.
-- Der Weg führt immerfort durch die erstorbensten Gegenden, durch
große öde Thäler, die oft fünf bis sechs Meilen im Umfange haben,
die durchaus jeder Vegetation entbehren und in ihrer ganzen Ausdehnung
mit Lavamassen überdeckt sind, -- -- düstere Bilder vulkanischer
Revolutionen! -- Und doch sah ich hier an diesem Haupt-Herde des Feuers
nur einen einzigen Berg, welcher oben eingesunken war, und daher einem
Krater glich. Alle übrigen waren vollkommen geschlossen, und endigten
in einer schönen runden Kegelform, oder ganz spitz, oder bildeten lange
schmale Rücken.
Wer kann sagen, woher diese Alles verwüstende Lavamassen sich ergoßen,
und wie viel Jahrhunderte schon sie versteinert in diesen Thälern
liegen?! --
Keblevik liegt am Meere, besitzt aber einen nur unsichern Hafen, in
welchem die Schiffe so kurze Zeit als möglich vor Anker bleiben; man
sieht oft auch kaum mehr als 2-3 Schiffe im Hafen.
Einige hölzerne Häuser, von welchen zwei Herrn Knudson gehören, und
einige Kothen bilden die ganzen Baulichkeiten dieses Oertchens. -- Bei
Herrn Siverson, dem Faktor Herrn Knudson's, fand ich eine sehr gute
Aufnahme und Erholung von der heutigen angestrengten Tagreise.
Auch den folgenden Tag (6. Juni) hatte ich bis Reikjavik einen starken
Ritt, gute acht Meilen, zu machen, und zwar wieder größtentheils über
Lavafelder.
Man nennt auch die ganze Gegend von Grundivik bis gegen Havenfiord, die
_Lavafelder von Reikianes_.
Müde und halb erstarrt kam ich Abends in Reikjavik an, mit keinem
andern Wunsche, als mich so bald als möglich zur Ruhe zu begeben.
Ich hatte in diesen drei Tagen 25 Meilen gemacht, und dabei viel von
Kälte, Sturm und Regen ausgestanden. Die Wege waren zu meinem Erstaunen
größtentheils gut gewesen; doch gab es auch viele Stellen, die im
höchsten Grade beschwerlich waren.
Aber all' diese Beschwerden und Mühseligkeiten, wie so schnell waren
sie schon nach der ersten Nachtruhe vergessen, während das gesehene
Einzig-Schöne, diese wirklichen Wunder des Nordens, mir unvergeßlich
blieben, und meinem Gedächtnisse hoffentlich nie entschwinden
werden! --
Von Reikjavik bis Krisuvik 8 Meil.
Von Krisuvik bis Keblevik 8½ "
Von Keblevik bis Reikjavik 8⅓ "
--------
25 Meil.
Reise nach Reikholt (Reikiadal) und der Grotte Surthellir.
Da die Witterung gut und schön war, wollte ich keine Zeit versäumen,
meine Wanderungen nach und nach fortzusetzen. -- Ich hatte nun eine Tour
von ungefähr 130 deutschen Meilen zu machen, und mußte daher noch ein
Pferd mehr mitnehmen, theils um demselben mein Bischen Gepäck,
welches aus einem Kissen, Roggenbrod, Käse, Kaffee und Zucker bestand,
aufzuladen, theils, und hauptsächlich, um täglich wechseln zu können,
da ein Pferd die Mühen einer großen Reise nicht ausgehalten haben
würde.
Mein erster Führer konnte mich auf dieser Reise nicht begleiten,
weil er der meisten Wege unkundig war. Meine gütigen Beschützer Herr
Knudson und Herr Bernhöft hatten abermal die Güte, für einen Andern
zu sorgen; eine schwere Aufgabe, da man selten auf einen nüchternen
Mann trifft, und zugleich auch auf einen solchen, der der dänischen
Sprache mächtig ist. Endlich wurde ein tauglicher Bauer gefunden, dem
waren aber 2 fl. CM. täglich zu wenig, und ich mußte per Tag noch
einen Zwanziger (⅓ Gulden) zulegen, dagegen wurde ausbedungen, daß
auch er zwei Pferde haben müsse, um täglich wechseln zu können.
Der 16. Juni war zur Abreise bestimmt. Mein neuer Führer zeigte
sich schon am ersten Tage nicht von der besten Seite. Er ließ seinen
Pferdesattel erst an demselben Morgen unserer Abreise zusammenflicken
und kam statt mit zwei Pferden, nur mit einem. Freilich versprach er,
einige Meilen von hier ein zweites zu kaufen, da er, entfernter von
der _Hauptstadt_, billiger dazu käme. Doch vermuthete ich gleich, daß
dieß nur eine Ausrede sei, und er dadurch blos der Mühe, auf vier
Pferde zu sehen, entgehen wollte, -- und richtig wurde nirgends ein
zweites taugliches Pferd gefunden, und mein armes Thierchen mußte auch
noch des Führers Bedarf tragen.
Das Bepacken der Pferde macht stets viel zu schaffen, es geschieht auf
folgende Weise: Man legt über den Rücken des Thieres einige große
ausgetrocknete Rasenstücke die nicht befestiget werden, und schnallt
darüber ein etwas rund gebogenes Stück Holz, das oben mit 2-3
hölzernen Spitzen versehen ist. An diese Spitzen hängt man nun die
Koffer oder Päcke. Ist die Ladung auf beiden Seiten nicht gleich
schwer, so muß alle Augenblicke angehalten und neuerdings gepackt
werden, da das ganze Ding gleich schief sitzt.
Die Koffer, die man hier zu Lande hat, sind massiv aus Holz gemacht, mit
einem rauhen Felle überzogen, und von allen Seiten mit Eisen beschlagen
als ob sie für die Ewigkeit bestimmt wären. Schon an den leeren
Koffern hat das arme Thier eine tüchtige Last zu tragen, und man kann
ihm daher nur wenig eigentliches Gepäck aufbürden. Die gewöhnliche
Last, die ein Pferd auf längeren Reisen zu tragen hat, darf höchstens
150 Pf. betragen.
Wie oft unser Gepäck während einer Tagreise neuerdings befestiget
werden mußte, wüßte ich wirklich nicht zu sagen. -- Die großen
Rasenstücke blieben nie lange fest sitzen, und somit ging alle
Augenblicke Alles schief. Einen Isländer aber von seiner gewohnten
Weise abzubringen, gehörte zu einem Wunder; -- _so_ packten seine
Voreltern, und _so_ muß auch er packen.
Wir hatten den ersten Tag 10 M. zu machen, und dessenungeachtet
konnten wir, des beschädigten Sattels wegen, vor acht Uhr Morgens nicht
aufbrechen. --
Der Weg führte uns die ersten drei Meilen durch das große Thal, in
welchen Reikjavik liegt, das von niedern Hügeln durchzogen ist, welche
wir theilweise übersteigen mußten. Auch mehrere Flüsse, darunter
_Lachselv_, der bedeutendste, traten uns als Hemmnisse entgegen; doch
waren sie in dieser Jahreszeit gefahrlos zu durchreiten. -- Fast alle
Thäler, durch welche wir heute kamen, waren mit Lava überdeckt, boten
aber manche schöne Stelle dem Auge dar. Mehrere unbedeutende Hügel, an
denen wir vorüber kamen, schienen mir einstige Feuerspeier gewesen
zu sein, da der ganze obere Theil derselben mit kolossalen Lavaplatten
leicht bedeckt war, als sei der Krater damit geschlossen worden. Rings
herum lag Lava von derselben Art und Farbe, nur in kleineren Stücken.
Während der ersten drei Meilen hat man von jedem Hügel, den man
ersteigt, die Ansicht des Meeres. -- Auch findet man die Gegend noch
ziemlich bewohnt, später aber durchreiset man eine Strecke von mehr als
6 Meilen, ohne auf eine menschliche Wohnung zu treffen. Man kömmt von
einem großen Thale in das andere, und findet in der Mitte all dieser
von ziemlich hohen Bergen eingeschlossenen Einöden nur ein einziges
Hüttchen, das für Reisende errichtet ist, die im Winter die lange
Strecke in _einem_ Tage nicht zurück legen können, und hier zu
übernachten pflegen. Man darf sich aber nicht schmeicheln in ihr ein
lebendes Wesen, etwa in Gestalt eines Wirthes, zu finden; das Häuschen
ist ganz leer und besteht nur aus einem kleinen Gemache mit vier
schmucklosen Wänden. Der Reisende ist nur an das gewiesen, was er
selbst mitbringt.
Die Thäler, welche wir heute durchzogen, waren durchgängig von einer
und derselben Gattung Lava bedeckt; sie kömmt in kleineren Steinen und
als Gerölle vor, ist nicht sehr porös, von lichtgrauer Farbe und an
vielen Stellen mit Sand oder Erde vermengt.
Einige Meilen von _Thingvalla_ kömmt man in ein Thal, das schöne
Erde hat, aber dennoch nur spärlich mit Gras bedeckt ist. Es ist voll
kleiner Erhöhungen, die größtentheils mit zartem Moos bewachsen sind.
Ich glaube, daß die Einwohner manch Stück Grund in einen viel besseren
Zustand versetzen könnten, wenn sie nur nicht so träge wären. Um
Reikjavik selbst ist der schlechteste Grund und Boden, und doch wurde
ihm durch Müh und Arbeit manch Stück Garten, manche gute Wiese
abgerungen. -- -- Warum sollte hier, wo die Natur bereits vorgearbeitet
hat, nicht noch leichter etwas zu erzielen sein?
_Thingvalla_, unsere heutige Nachtstation, liegt an dem See gleichen
Namens, wird aber erst sichtbar, wenn man schon davor steht. Der See
ist ziemlich bedeutend, er ist mehr als ein eine halbe Meile lang und
an manchen Stellen gewiß eine halbe Meile breit, auch enthält er zwei
Inselchen -- kahle Hügel -- _Sandey_ und _Nesey_.
Noch fesselte der See und dessen kahle, finstere Gebirgseinfassung
meine ganze Aufmerksamkeit, als sich plötzlich zu meinen Füßen, wie
hingezaubert, ein Schlund öffnete, in welchen hinab zu sehen wahrhaft
Grausen erregend war; -- unwillkührlich fiel mir Webers »Freischütz«
und die Wolfsschlucht ein.
Um so mehr überrascht dieser Anblick, da man, von dieser Seite kommend,
nur die fortlaufenden Thäler sieht, und gar keine Ahnung hat, daß eine
solche Schlucht dazwischen liegen könne. -- Es war eine Spalte kaum 4-5
Klafter breit, dafür aber mehrere hundert Fuß tief, und da mußten wir
hinab, auf einem schmalen, schroffen, höchst gefährlichen Pfade, über
große Lavatrümmer. Je tiefer man kommt, desto schauerlicher
gestaltet sich die Bahn, desto ängstlicher wird Einem zu Muthe. -- Auf
hochaufgethürmten Lavawänden, die den ganzen langen Schlund, gleich
einer Gallerie umschließen, stützen sich lose und schwebend, in Form
von Pyramiden oder Säulentrümmern, einzelne Steinkolosse, die dem
armen Wanderer mit Tod und Vernichtung drohen. Stumm, ängstlich und
beklommen klettert man hinab, durchzieht einen Theil dieser Kluft, und
wagt kaum aufzublicken, viel weniger auch nur den geringsten Laut von
sich zu geben, um ja nicht diese Steinlawinen, von deren furchtbarer
Gewalt umherliegende Felstrümmer zeugen, zu erschüttern und zum Sturze
zu bringen. -- Merkwürdig ist das Echo, das den schwächsten Hufschlag,
den leisesten Ton wiedergibt.
Einen ganz eigenthümlichen Anblick gewährt es, wenn man bereits in der
Tiefe angelangt, erst die Pferde hinab klettern läßt; es sieht gerade
so aus als hingen sie an den Wänden.
Diese Schlucht ist unter dem Namen _Almanagiau_ bekannt. Ihre Länge
beträgt ungefähr eine viertel Meile, doch kann man nur eine kurze
Strecke durchwandeln; der größere Theil davon ist durch über einander
geworfene Lavatrümmer gänzlich versperrt. -- Auf der rechten Seite
theilt sieh die Felswand, und bildet den Ausweg, der ebenfalls wieder
über schreckliche Lavamassen in das schöne, große Thal Thingvalla
führt. -- Mir kam es vor, als wandelte ich in den Tiefen eines Kraters,
der vor undenklichen Zeiten in fessellosem Wüthen diese Wände um sich
aufgestellt hatte.
Das Thal Thingvalla gilt für eines der schönsten in Island. Es
enthält mehrere Wiesengründe, die dem Menschen eine genügende
Zufluchtsstätte gewähren und ihn in den Stand setzen, selbst mehreres
Vieh zu halten. -- Der Isländer hält dieß kleine, grüne Thal für
den schönsten Fleck der Erde. -- Das Oertchen Thingvalla liegt unweit
vom Ausgange der Schlucht, jenseits des Flusses _Oxer_, am See und
besteht aus 3-4 Kothen und einem Kirchlein. -- Man sieht einige einzelne
Höfe und Kothen zerstreut liegen.
Einst war Thingvalla einer der wichtigsten Orte in Island, und noch
zeigt man dem Fremdling die Wiese, die sich unweit des Oertchens
befindet, auf welcher jährlich der _Alldings_ (die Gerichtsversammlung)
unter Gottes freiem Himmel gehalten wurde. -- Hier versammelten sich das
Volk und seine Führer, und schlugen gleich Nomaden ihre Zelte auf.
-- Hier war es auch, wo manche Meinung, manches Recht durch Gewalt der
Waffen durchgesetzt wurde. Friedlich erschienen die Häuptlinge an der
Spitze ihrer Anhänger, und doch kehrte gar Mancher von ihnen nicht
wieder heim; er fand unter den Streichen seines Gegners die Ruhe, die
Niemand sucht, und doch Jeder findet.
Eine Seite des Thales ist vom See begrenzt, die andere von schönen
Bergen, deren einige ich noch ziemlich mit Schnee bedeckt fand. -- Der
Fluß Oxer bildet unweit des Ausganges der Schlucht einen schönen Fall
über eine ziemlich hohe Felswand.
Es war noch der schönste Tag, als ich zu Thingvalla ankam; und der
Himmel wölbte sich rein und klar über die ganze Landschaft. Um
so wunderbarer kam es mir vor, einige Wolken an der Mitte der Berge
schweben zu sehen, die bald einen Theil derselben einhüllten, bald
sich, gleich Kränzen, um ihre Spitzen wanden, oder in ihr Nichts
zerflossen, um an einer andern Stelle gleich wieder zu erscheinen. --
Es ist dieß eine Erscheinung, die man an den heitersten Tagen in Island
sehr häufig wahrnimmt; ich beobachtete sie oft an den Gebirgen um
Reikjavik. Der Himmel war rein, glänzend und wolkenlos, plötzlich
zeigte sich ein Wölkchen am Rande eines Berges, das oft im Augenblicke
zur Wolke wurde, und eine Zeitlang ruhig stehen blieb, dann wieder
zerrann, oder auch wohl langsam weiter schwebte, -- ein Spiel, das, wenn
auch oft gesehen, doch immer lieblich bleibt.
Der Pastor zu Thingvalla, Herr _Bech_, bot mir zur Nachtherberge
seine Hütte an, die aber eben nicht viel besser aussah, als jene
der nachbarlichen Bauern, und so zog ich es vor, mich in der Kirche
einzuquartiren, wozu man stets nur zu bereitwillig Erlaubniß erhält.
Dieß Kirchlein ist nicht viel größer als jenes zu Krisuvik, und steht
von den paar Kothen etwas entfernt. Dieß mag vielleicht Ursache gewesen
sein, daß ich keine lästigen Besuche erhielt. Mit meinen stummen
Nachbarn im kühlen Grabe war ich auch schon vertrauter geworden, und
so verbrachte ich die Nacht recht ruhig auf einer der hölzernen Kisten,
die ich da vorfand. Ueberall ist nur der Anfang schwer; hat man einige
so düstere Nächte überwunden, so achtet man kaum mehr darauf.