5. Juni.

Vor sieben Uhr früh ist an ein Aufbrechen und Fortkommen bei der

schrecklichen Schläfrigkeit und Trägheit eines isländischen Führers

wohl gar nicht zu denken. Uebrigens hat dieß auch wenig zu bedeuten, da

es in dieser Jahreszeit hier nie Nacht wird.

Ich nahm, trotz der bedeutend größeren Entfernung, den Rückweg

nach Reikjavik über Grundivik und Keblevik, um die unwirthbarste der

bewohnten Gegenden Islands kennen zu lernen. --

Die erste, drei Meilen lange Tour von Krisuvik nach Grundivik ging über

lauter Lava-Felder, die meist aus kleinen Steinblöcken und Gerölle

bestanden, und die Thäler so ausfüllten, daß auch nicht das kleinste

grüne Plätzchen zu sehen war. Hier traf ich auf Lavaströme anderer

Art, die einen unbeschreiblich schönen Anblick gewähren.

Es waren 10-12 Fuß hohe, in den verschiedensten Formen aufgethürmte

schwarze Massen, deren untere Theile mit weißlichem Moose, wie mit

einem dichten Reife überzogen waren, während die obern als Spitzen und

Zacken emporragten und häufig durchbrochen, die sonderbarsten Aufsätze

und Gestalten bildeten. -- Diese Lavaströme scheinen aus neuerer Zeit

zu stammen, da die Massen mehr schlackenartig und glasig sind.

_Grundivik_, ein kleines grünes Plätzchen mit einigen elenden Kothen,

liegt wie eine Oase in dieser Schlacken-Wüste.

Mein Führer wollte hier bleiben, indem er behauptete, zwischen hier und

Keblevik sei kein Ort, wo ich ein Nachtlager finden würde, und bis nach

Keblevik zu reiten sei für unsere Pferde, die noch von den gestrigen

schlechten Wegen ermüdet seien, doch gar zu weit. -- Es war ihm aber

nur darum zu thun, die Reise um einen Tag zu verlängern.

Ich führte aber zum Glücke eine gute Karte bei mir, aus der ich die

Entfernung so ziemlich beurtheilen konnte; auch erkundigte ich mich

stets vor dem Antritte einer Reise um die tägliche Eintheilung

derselben.

Ich drang also auf die Weiter-Reise, und bald ging es wieder fort

durch lauter Lavafelder nach dem drei Stunden von Grundivik entfernten

Oertchen, _Stad_.

Auf dieser Tour fiel mir ein Berg auf, der sich wunderbar ausnahm. Er

hatte eine vollkommene Eisenfarbe, war von allen Seiten glatt, beinahe

glänzend, und nur hin und wieder mit gelb braunen, ockerähnlichen

Streifen durchzogen.

Stad ist der Sitz eines Priesters. -- Gegen die Behauptung meines

Führers fand ich diesen Ort viel hübscher und wohnlicher, als

Grundivik. -- Während die Pferde ruhten, machte mir der Priester seine

Aufwartung, und führte mich -- nicht etwa, wie ich erwartete in

sein Haus, nein, in die -- -- Kirche, da ließ er Stühle und einen

Fußschemel hinbringen, stellte mir seine Frau und seine Kinder vor,

und bewirthete mich mit Kaffee, Butter, Käse u. d. gl. -- Auf dem

Geländer um den Altar hingen die Kleider des Priesters und

seiner Familie, die sich von denen des Bauervolkes nur sehr wenig

unterschieden.

Der Priester selbst schien mir ein recht belesener und unterrichteter

Mann zu sein. Ich sprach schon so ziemlich dänisch, und konnte mich

daher mit ihm über Vieles unterhalten. Als er erfuhr, daß ich bereits

in Palästina gewesen war, stellte er mir eine Menge Fragen, aus welchen

ich entnehmen konnte, daß er in der Geographie, Naturgeschichte,

Völkerkunde u. s. w. sehr bewandert war. -- Er begleitete mich zwei

Stunden, die wir recht angenehm verplauderten.

Die Entfernung von Krisuvik nach _Keblevik_ beträgt gegen neun Meilen.

-- Der Weg führt immerfort durch die erstorbensten Gegenden, durch

große öde Thäler, die oft fünf bis sechs Meilen im Umfange haben,

die durchaus jeder Vegetation entbehren und in ihrer ganzen Ausdehnung

mit Lavamassen überdeckt sind, -- -- düstere Bilder vulkanischer

Revolutionen! -- Und doch sah ich hier an diesem Haupt-Herde des Feuers

nur einen einzigen Berg, welcher oben eingesunken war, und daher einem

Krater glich. Alle übrigen waren vollkommen geschlossen, und endigten

in einer schönen runden Kegelform, oder ganz spitz, oder bildeten lange

schmale Rücken.

Wer kann sagen, woher diese Alles verwüstende Lavamassen sich ergoßen,

und wie viel Jahrhunderte schon sie versteinert in diesen Thälern

liegen?! --

Keblevik liegt am Meere, besitzt aber einen nur unsichern Hafen, in

welchem die Schiffe so kurze Zeit als möglich vor Anker bleiben; man

sieht oft auch kaum mehr als 2-3 Schiffe im Hafen.

Einige hölzerne Häuser, von welchen zwei Herrn Knudson gehören, und

einige Kothen bilden die ganzen Baulichkeiten dieses Oertchens. -- Bei

Herrn Siverson, dem Faktor Herrn Knudson's, fand ich eine sehr gute

Aufnahme und Erholung von der heutigen angestrengten Tagreise.

Auch den folgenden Tag (6. Juni) hatte ich bis Reikjavik einen starken

Ritt, gute acht Meilen, zu machen, und zwar wieder größtentheils über

Lavafelder.

Man nennt auch die ganze Gegend von Grundivik bis gegen Havenfiord, die

_Lavafelder von Reikianes_.

Müde und halb erstarrt kam ich Abends in Reikjavik an, mit keinem

andern Wunsche, als mich so bald als möglich zur Ruhe zu begeben.

Ich hatte in diesen drei Tagen 25 Meilen gemacht, und dabei viel von

Kälte, Sturm und Regen ausgestanden. Die Wege waren zu meinem Erstaunen

größtentheils gut gewesen; doch gab es auch viele Stellen, die im

höchsten Grade beschwerlich waren.

Aber all' diese Beschwerden und Mühseligkeiten, wie so schnell waren

sie schon nach der ersten Nachtruhe vergessen, während das gesehene

Einzig-Schöne, diese wirklichen Wunder des Nordens, mir unvergeßlich

blieben, und meinem Gedächtnisse hoffentlich nie entschwinden

werden! --

Von Reikjavik bis Krisuvik 8 Meil.

Von Krisuvik bis Keblevik 8½ "

Von Keblevik bis Reikjavik 8⅓ "

--------

25 Meil.

Reise nach Reikholt (Reikiadal) und der Grotte Surthellir.

Da die Witterung gut und schön war, wollte ich keine Zeit versäumen,

meine Wanderungen nach und nach fortzusetzen. -- Ich hatte nun eine Tour

von ungefähr 130 deutschen Meilen zu machen, und mußte daher noch ein

Pferd mehr mitnehmen, theils um demselben mein Bischen Gepäck,

welches aus einem Kissen, Roggenbrod, Käse, Kaffee und Zucker bestand,

aufzuladen, theils, und hauptsächlich, um täglich wechseln zu können,

da ein Pferd die Mühen einer großen Reise nicht ausgehalten haben

würde.

Mein erster Führer konnte mich auf dieser Reise nicht begleiten,

weil er der meisten Wege unkundig war. Meine gütigen Beschützer Herr

Knudson und Herr Bernhöft hatten abermal die Güte, für einen Andern

zu sorgen; eine schwere Aufgabe, da man selten auf einen nüchternen

Mann trifft, und zugleich auch auf einen solchen, der der dänischen

Sprache mächtig ist. Endlich wurde ein tauglicher Bauer gefunden, dem

waren aber 2 fl. CM. täglich zu wenig, und ich mußte per Tag noch

einen Zwanziger (⅓ Gulden) zulegen, dagegen wurde ausbedungen, daß

auch er zwei Pferde haben müsse, um täglich wechseln zu können.

Der 16. Juni war zur Abreise bestimmt. Mein neuer Führer zeigte

sich schon am ersten Tage nicht von der besten Seite. Er ließ seinen

Pferdesattel erst an demselben Morgen unserer Abreise zusammenflicken

und kam statt mit zwei Pferden, nur mit einem. Freilich versprach er,

einige Meilen von hier ein zweites zu kaufen, da er, entfernter von

der _Hauptstadt_, billiger dazu käme. Doch vermuthete ich gleich, daß

dieß nur eine Ausrede sei, und er dadurch blos der Mühe, auf vier

Pferde zu sehen, entgehen wollte, -- und richtig wurde nirgends ein

zweites taugliches Pferd gefunden, und mein armes Thierchen mußte auch

noch des Führers Bedarf tragen.

Das Bepacken der Pferde macht stets viel zu schaffen, es geschieht auf

folgende Weise: Man legt über den Rücken des Thieres einige große

ausgetrocknete Rasenstücke die nicht befestiget werden, und schnallt

darüber ein etwas rund gebogenes Stück Holz, das oben mit 2-3

hölzernen Spitzen versehen ist. An diese Spitzen hängt man nun die

Koffer oder Päcke. Ist die Ladung auf beiden Seiten nicht gleich

schwer, so muß alle Augenblicke angehalten und neuerdings gepackt

werden, da das ganze Ding gleich schief sitzt.

Die Koffer, die man hier zu Lande hat, sind massiv aus Holz gemacht, mit

einem rauhen Felle überzogen, und von allen Seiten mit Eisen beschlagen

als ob sie für die Ewigkeit bestimmt wären. Schon an den leeren

Koffern hat das arme Thier eine tüchtige Last zu tragen, und man kann

ihm daher nur wenig eigentliches Gepäck aufbürden. Die gewöhnliche

Last, die ein Pferd auf längeren Reisen zu tragen hat, darf höchstens

150 Pf. betragen.

Wie oft unser Gepäck während einer Tagreise neuerdings befestiget

werden mußte, wüßte ich wirklich nicht zu sagen. -- Die großen

Rasenstücke blieben nie lange fest sitzen, und somit ging alle

Augenblicke Alles schief. Einen Isländer aber von seiner gewohnten

Weise abzubringen, gehörte zu einem Wunder; -- _so_ packten seine

Voreltern, und _so_ muß auch er packen.

Wir hatten den ersten Tag 10 M. zu machen, und dessenungeachtet

konnten wir, des beschädigten Sattels wegen, vor acht Uhr Morgens nicht

aufbrechen. --

Der Weg führte uns die ersten drei Meilen durch das große Thal, in

welchen Reikjavik liegt, das von niedern Hügeln durchzogen ist, welche

wir theilweise übersteigen mußten. Auch mehrere Flüsse, darunter

_Lachselv_, der bedeutendste, traten uns als Hemmnisse entgegen; doch

waren sie in dieser Jahreszeit gefahrlos zu durchreiten. -- Fast alle

Thäler, durch welche wir heute kamen, waren mit Lava überdeckt, boten

aber manche schöne Stelle dem Auge dar. Mehrere unbedeutende Hügel, an

denen wir vorüber kamen, schienen mir einstige Feuerspeier gewesen

zu sein, da der ganze obere Theil derselben mit kolossalen Lavaplatten

leicht bedeckt war, als sei der Krater damit geschlossen worden. Rings

herum lag Lava von derselben Art und Farbe, nur in kleineren Stücken.

Während der ersten drei Meilen hat man von jedem Hügel, den man

ersteigt, die Ansicht des Meeres. -- Auch findet man die Gegend noch

ziemlich bewohnt, später aber durchreiset man eine Strecke von mehr als

6 Meilen, ohne auf eine menschliche Wohnung zu treffen. Man kömmt von

einem großen Thale in das andere, und findet in der Mitte all dieser

von ziemlich hohen Bergen eingeschlossenen Einöden nur ein einziges

Hüttchen, das für Reisende errichtet ist, die im Winter die lange

Strecke in _einem_ Tage nicht zurück legen können, und hier zu

übernachten pflegen. Man darf sich aber nicht schmeicheln in ihr ein

lebendes Wesen, etwa in Gestalt eines Wirthes, zu finden; das Häuschen

ist ganz leer und besteht nur aus einem kleinen Gemache mit vier

schmucklosen Wänden. Der Reisende ist nur an das gewiesen, was er

selbst mitbringt.

Die Thäler, welche wir heute durchzogen, waren durchgängig von einer

und derselben Gattung Lava bedeckt; sie kömmt in kleineren Steinen und

als Gerölle vor, ist nicht sehr porös, von lichtgrauer Farbe und an

vielen Stellen mit Sand oder Erde vermengt.

Einige Meilen von _Thingvalla_ kömmt man in ein Thal, das schöne

Erde hat, aber dennoch nur spärlich mit Gras bedeckt ist. Es ist voll

kleiner Erhöhungen, die größtentheils mit zartem Moos bewachsen sind.

Ich glaube, daß die Einwohner manch Stück Grund in einen viel besseren

Zustand versetzen könnten, wenn sie nur nicht so träge wären. Um

Reikjavik selbst ist der schlechteste Grund und Boden, und doch wurde

ihm durch Müh und Arbeit manch Stück Garten, manche gute Wiese

abgerungen. -- -- Warum sollte hier, wo die Natur bereits vorgearbeitet

hat, nicht noch leichter etwas zu erzielen sein?

_Thingvalla_, unsere heutige Nachtstation, liegt an dem See gleichen

Namens, wird aber erst sichtbar, wenn man schon davor steht. Der See

ist ziemlich bedeutend, er ist mehr als ein eine halbe Meile lang und

an manchen Stellen gewiß eine halbe Meile breit, auch enthält er zwei

Inselchen -- kahle Hügel -- _Sandey_ und _Nesey_.

Noch fesselte der See und dessen kahle, finstere Gebirgseinfassung

meine ganze Aufmerksamkeit, als sich plötzlich zu meinen Füßen, wie

hingezaubert, ein Schlund öffnete, in welchen hinab zu sehen wahrhaft

Grausen erregend war; -- unwillkührlich fiel mir Webers »Freischütz«

und die Wolfsschlucht ein.

Um so mehr überrascht dieser Anblick, da man, von dieser Seite kommend,

nur die fortlaufenden Thäler sieht, und gar keine Ahnung hat, daß eine

solche Schlucht dazwischen liegen könne. -- Es war eine Spalte kaum 4-5

Klafter breit, dafür aber mehrere hundert Fuß tief, und da mußten wir

hinab, auf einem schmalen, schroffen, höchst gefährlichen Pfade, über

große Lavatrümmer. Je tiefer man kommt, desto schauerlicher

gestaltet sich die Bahn, desto ängstlicher wird Einem zu Muthe. -- Auf

hochaufgethürmten Lavawänden, die den ganzen langen Schlund, gleich

einer Gallerie umschließen, stützen sich lose und schwebend, in Form

von Pyramiden oder Säulentrümmern, einzelne Steinkolosse, die dem

armen Wanderer mit Tod und Vernichtung drohen. Stumm, ängstlich und

beklommen klettert man hinab, durchzieht einen Theil dieser Kluft, und

wagt kaum aufzublicken, viel weniger auch nur den geringsten Laut von

sich zu geben, um ja nicht diese Steinlawinen, von deren furchtbarer

Gewalt umherliegende Felstrümmer zeugen, zu erschüttern und zum Sturze

zu bringen. -- Merkwürdig ist das Echo, das den schwächsten Hufschlag,

den leisesten Ton wiedergibt.

Einen ganz eigenthümlichen Anblick gewährt es, wenn man bereits in der

Tiefe angelangt, erst die Pferde hinab klettern läßt; es sieht gerade

so aus als hingen sie an den Wänden.

Diese Schlucht ist unter dem Namen _Almanagiau_ bekannt. Ihre Länge

beträgt ungefähr eine viertel Meile, doch kann man nur eine kurze

Strecke durchwandeln; der größere Theil davon ist durch über einander

geworfene Lavatrümmer gänzlich versperrt. -- Auf der rechten Seite

theilt sieh die Felswand, und bildet den Ausweg, der ebenfalls wieder

über schreckliche Lavamassen in das schöne, große Thal Thingvalla

führt. -- Mir kam es vor, als wandelte ich in den Tiefen eines Kraters,

der vor undenklichen Zeiten in fessellosem Wüthen diese Wände um sich

aufgestellt hatte.

Das Thal Thingvalla gilt für eines der schönsten in Island. Es

enthält mehrere Wiesengründe, die dem Menschen eine genügende

Zufluchtsstätte gewähren und ihn in den Stand setzen, selbst mehreres

Vieh zu halten. -- Der Isländer hält dieß kleine, grüne Thal für

den schönsten Fleck der Erde. -- Das Oertchen Thingvalla liegt unweit

vom Ausgange der Schlucht, jenseits des Flusses _Oxer_, am See und

besteht aus 3-4 Kothen und einem Kirchlein. -- Man sieht einige einzelne

Höfe und Kothen zerstreut liegen.

Einst war Thingvalla einer der wichtigsten Orte in Island, und noch

zeigt man dem Fremdling die Wiese, die sich unweit des Oertchens

befindet, auf welcher jährlich der _Alldings_ (die Gerichtsversammlung)

unter Gottes freiem Himmel gehalten wurde. -- Hier versammelten sich das

Volk und seine Führer, und schlugen gleich Nomaden ihre Zelte auf.

-- Hier war es auch, wo manche Meinung, manches Recht durch Gewalt der

Waffen durchgesetzt wurde. Friedlich erschienen die Häuptlinge an der

Spitze ihrer Anhänger, und doch kehrte gar Mancher von ihnen nicht

wieder heim; er fand unter den Streichen seines Gegners die Ruhe, die

Niemand sucht, und doch Jeder findet.

Eine Seite des Thales ist vom See begrenzt, die andere von schönen

Bergen, deren einige ich noch ziemlich mit Schnee bedeckt fand. -- Der

Fluß Oxer bildet unweit des Ausganges der Schlucht einen schönen Fall

über eine ziemlich hohe Felswand.

Es war noch der schönste Tag, als ich zu Thingvalla ankam; und der

Himmel wölbte sich rein und klar über die ganze Landschaft. Um

so wunderbarer kam es mir vor, einige Wolken an der Mitte der Berge

schweben zu sehen, die bald einen Theil derselben einhüllten, bald

sich, gleich Kränzen, um ihre Spitzen wanden, oder in ihr Nichts

zerflossen, um an einer andern Stelle gleich wieder zu erscheinen. --

Es ist dieß eine Erscheinung, die man an den heitersten Tagen in Island

sehr häufig wahrnimmt; ich beobachtete sie oft an den Gebirgen um

Reikjavik. Der Himmel war rein, glänzend und wolkenlos, plötzlich

zeigte sich ein Wölkchen am Rande eines Berges, das oft im Augenblicke

zur Wolke wurde, und eine Zeitlang ruhig stehen blieb, dann wieder

zerrann, oder auch wohl langsam weiter schwebte, -- ein Spiel, das, wenn

auch oft gesehen, doch immer lieblich bleibt.

Der Pastor zu Thingvalla, Herr _Bech_, bot mir zur Nachtherberge

seine Hütte an, die aber eben nicht viel besser aussah, als jene

der nachbarlichen Bauern, und so zog ich es vor, mich in der Kirche

einzuquartiren, wozu man stets nur zu bereitwillig Erlaubniß erhält.

Dieß Kirchlein ist nicht viel größer als jenes zu Krisuvik, und steht

von den paar Kothen etwas entfernt. Dieß mag vielleicht Ursache gewesen

sein, daß ich keine lästigen Besuche erhielt. Mit meinen stummen

Nachbarn im kühlen Grabe war ich auch schon vertrauter geworden, und

so verbrachte ich die Nacht recht ruhig auf einer der hölzernen Kisten,

die ich da vorfand. Ueberall ist nur der Anfang schwer; hat man einige

so düstere Nächte überwunden, so achtet man kaum mehr darauf.

Reise nach dem skandinavischen Norden und der Insel Island im Jahre 1845. Erster Band. · 第 20 / 27 题