Und plötzlich sprang sie vom Stuhle auf und wollte heim.
Aber dagegen wehrte sich Therese energisch.
»Was fällt dir ein? Du bist ja gerade gekommen.«
Sie goß ihr frischen Tee ein, und als ihr Mann hinausging, bog sie sich
vertraulich über sie:
»Ich muß dich auch noch etwas ganz Besonderes fragen. Sag, wirst du denn
nicht auch endlich daran denken?«
»Warum ich?«
»Ich meine wegen Stephan.«
Maria umschloß heimlich die Karte in ihrer Tasche.
»Was hat das mit Stephan zu tun?«
Nun wurde Therese sehr ernst.
»Alles. Weil er nicht heiraten kann, solange du zu Hause bist.«
»Warum nicht?«
»Weil das immer so war, die Mädchen heiraten, und dann erst bringt der
Bauer die junge Frau, denn eine junge Frau und Schwestern, das täte nie
gut.«
Maria umschloß die Karte fester.
»Du meinst, man könnte sich nicht vertragen?«
»Ja, eine neue Frau bringt neue Dinge, schafft manches ab und führt
manches ein. Und sie hat das Recht dazu, denn der Hof ist jetzt ihr Hof.
Dort ist ihr Heim, dort gehört sie hin.«
»So meinst du, ich gehöre nicht mehr hin?«
Darauf wurde die nüchterne, praktische Therese böse.
»Das ist ein Unsinn. Solange du dort bist, gehörst du hin, denn Stephan
wird nicht heiraten, solange du zu Hause bist ... und jetzt komm mit in
die Ställe, es ist eine Freude, wie das Viehzeug gedeiht.«
So gingen sie zusammen in die Ställe, wo sie auch Theresens Mann fanden.
Er war mit einem jungen Stier beschäftigt, der seine Kette gelockert hatte
und störrisch daran riß. Mit echtem Bauernstolz machte der Hausherr Maria
auf die gutgehaltenen Tiere aufmerksam und erwähnte immer wieder, daß
Therese und nur Therese alles Lob gehöre, denn es sei im ganzen Land keine
Bäuerin umsichtiger und unermüdlicher als Therese. Das ganze Haus war ein
Loblied auf Therese.
Maria aber gab jetzt nicht mehr nach und drängte heim.
»Es ist heute Weihnachtstag,« sagte sie, »und du wirst auch noch manches
zu richten haben.«
Da blickte Therese auf ihren Mann und sagte:
»Dieses Jahr wollen wir nichts tun, aber nächstes ...«
Maria ergriff ihre Hand und drückte sie leise:
»Ich wünsche dir alles Glück, Therese ... und wenn du jemand brauchst,
schicke hinauf zu uns.«
Therese nickte wortlos. Irgendwo weit hinten saß plötzlich ein Schatten,
eine Sorge ... Irgendwo weit hinten ...
»Grüß die Mutter,« sagte sie endlich, »und Stephan, und die Leute.«