Damit ist aber die Wirkung des Leimrings nicht erschöpft. Im Laufe

ihres Lebens kommen zahllose Raupen, wie alle früheren und jetzigen

Beobachtungen beweisen, sei es nun durch Sturm oder Regen oder aus

eigenem Antriebe, z. B. während der viermaligen Häutungen oder wegen

übergroßer Sonnenwärme in den Wipfeln, wenigstens einmal vom Baum herab

und werden dann am Wiederaufklettern durch den Leimring gehindert. Es

sammeln sich deshalb unter den Leimringen auch gewaltige Massen von

fast ausgewachsenen Raupen an, wie Abbildung 4 zeigt. Diese Raupen

können leicht vernichtet werden. Unterläßt man dies, so sind sie

doch, nachdem sie den etwaigen Unterwuchs und das Heidelbeerkraut

am Boden kahlgefressen haben, dem Nahrungsmangel ausgesetzt, so daß

sie massenhaft zugrunde gehen oder für Krankheitskeime besonders

empfänglich werden und bei dem dicht gedrängten Beisammensitzen,

manchmal in doppelter Schicht übereinander, sich gegenseitig anstecken.

Selbst der ungläubigste Thomas müßte beim Anblick derartiger Bilder

in der Natur sich zu der Überzeugung durchringen, daß der Leimring

gegenwärtig noch das relativ beste Mittel auch zur Einschränkung der

Massenvermehrung der Nonne ist.

[Illustration: Abb. 3 =Nonnenraupengespinste unter den Leimringen=

(Phot. Oberverwaltungs-Inspektor Herrmann, Zittau)]

Das ist aber nicht seine einzige Wirkung. Fast größer noch ist seine

wirtschaftliche Bedeutung, insofern als er viele Bestände, deren

Eibelag für einen vollständigen Kahlfraß gerade hinreichen würde, durch

Vernichtung eines großen Teiles der fressenden Raupen davor bewahrt.

Dadurch werden große volkswirtschaftliche Schäden vermieden, die durch

den Abtrieb hiebsunreifer und darum minderwertiger Bestände, sowie

durch die übermäßige Vergrößerung der Wiederanbauflächen entstehen. Bei

früheren Nonnenkalamitäten sind die ungeheueren Kahlschlagsflächen erst

in zehn und mehr Jahren, nachdem der Boden durch das lange Bloßliegen

stark gelitten hatte, mit sehr großen Schwierigkeiten und Kosten wieder

angebaut worden. Außerdem wird durch den unregelmäßigen Kahlfraß der

Nonne, mitten aus den geschlossenen Beständen heraus, vielfach die

geordnete Bestandslagerung zerstört und Anlaß zu späterem ausgedehnten

Windbruch gegeben.

Man kann daher jedem Waldbesitzer nur den Rat geben, seine

Fichtenbestände, wenn durch die nötigen Probeeizählungen der starke

Eibelag festgestellt ist, zu leimen, er erweist damit nicht nur

sich selbst einen Dienst, sondern auch der Allgemeinheit, indem er

dadurch zur Einschränkung der Weiterausbreitung der Nonnenplage

beiträgt. Die Bereitstellung erheblicher Staatsmittel zur möglichst

weitgehenden Durchführung der Leimung wäre deshalb vom allgemeinen

volkswirtschaftlichen Standpunkt aus durchaus gerechtfertigt. Ein

kleiner Waldbesitzer, der vielleicht nicht einmal schlagbaren Wald,

sondern nur jüngere Bestände besitzt, die ihm keinen Ertrag liefern,

könnte sonst die erheblichen Mittel, die das Leimen erfordert, vielfach

gar nicht aufbringen. Will er sich das Geld zu den in diesem Jahre

erheblichen Leimungskosten borgen, so wäre er mit Schulden belastet,

die ihn zugrunde richten könnten.

Wie sich aus dem Gesagten ergibt, besitzen wir leider keine absolut

sicher wirkenden Bekämpfungsmittel gegen die Nonne. Mißerfolge bei

Anwendung eines oder des andern der geschilderten Mittel und selbst bei

Anwendung aller dieser Mittel gleichzeitig sind bei dem stellenweise

ungeheuren Massenauftreten der Raupen nicht ausgeschlossen. Das hat

vielfach zu der fatalistischen Auffassung geführt, überhaupt nichts

gegen die Nonne zu tun und alles der Natur zu überlassen. Diese

Auffassung muß verhängnisvoll wirken. Für die Natur ist es vollkommen

gleichgültig, ob eine gewisse Bodenfläche mit Wald bestockt ist oder ob

sie zur Grassteppe, zu Moor oder Heide oder Flugsandboden wird, für den

Menschen dagegen bedeutet dieses unter Umständen den Untergang.

Große Hoffnungen hat man auf die »biologische« Bekämpfung, jetzt ein

sehr beliebtes Schlagwort, gesetzt, leider auch vergebens, denn alle

Versuche, künstlich Krankheiten bei den Nonnenraupen, namentlich die

sogenannte Wipfelkrankheit, zu erzeugen oder zu verbreiten, sind bis

jetzt gescheitert. Alle Infektionsversuche im Großen in der freien

Natur durch Ausbreiten von toten Raupen, Streu und Kot aus Orten, wo

die Wipfelkrankheit unter den Raupen bereits herrschte, waren erfolglos.

Ebenso trügt die Hoffnung, die man auf die Wirkung von Schmarotzern,

Schlupfwespen und Raupenfliegen (Tachinen) setzt. Diese Tachinen sind,

wenn sich die Insektenwelt in der Natur im Gleichgewicht befindet,

nur in verhältnismäßig geringer Zahl vorhanden, da sie von der Zahl

der Wirtstiere abhängig sind, in denen sie sich entwickeln. Ihre

Massenentwicklung tritt deshalb erst ein, wenn die Wirtstiere sich

schon außergewöhnlich vermehrt haben. Sie können also den Nonnenschaden

ebenfalls nicht aufhalten, denn sie sind erst dann in Überzahl

vorhanden, wenn der Schaden im Walde bereits geschehen ist.

[Illustration: Abb. 4 =Anhäufung von Nonnenraupen unter dem Leimring=

(Phot. Forstwart Hohlfeld, Zeughaus, Sächs. Schweiz)]

Auch die Wipfelkrankheit, die in früheren Fällen jedesmal der

Nonnenplage schließlich ein rasches Ende machte, tritt ebenfalls immer

erst dann ein, wenn der Kahlfraß weite Flächen der Waldungen bereits

vernichtet hat. So lange es uns nicht gelingt, die Erreger der immer

noch ungeklärten Wipfelkrankheit zu finden und auch außerhalb der

Raupen künstlich zu züchten, um sie schon beim Eintreten einer größeren

Nonnenvermehrung sofort zur Infektion von Raupen verwenden zu können,

um so die vernichtende Krankheit mit Erfolg künstlich zu verbreiten,

wird unsere biologische Bekämpfung der Nonne, wie zeither, so gut wie

erfolglos bleiben.

Das ist zunächst das bis zu einem gewissen Grade betrübende Ergebnis

unserer heutigen biologischen Forschungen. Das darf uns aber nicht

entmutigen, diese Forschungen fortzusetzen. Ebensogut wie das

jahrzehntelange Suchen nach den Erregern mancher menschlichen

Krankheiten schließlich von Erfolg gewesen ist, wird dies hoffentlich

auch bei der rätselhaften Wipfelkrankheit, die seit Jahrzehnten die

Wissenschaft beschäftigt hat, gelingen.

Jedenfalls dürfen wir die Hände nicht in den Schoß legen, so lange uns

die Wissenschaft keine besseren Bekämpfungsmittel in die Hand gibt,

sondern müssen die bisher angewendeten, erfahrungsmäßig wirksamen

Vorbeugungs- und Bekämpfungsmaßnahmen des Sammelns von Faltern, Eiern,

Raupen und Puppen und namentlich des Leimens der besonders gefährdeten

Bestände auch weiterhin im weitesten Umfang anwenden. Namentlich in den

erst in diesem Jahre neu befallenen Landesteilen Mittelsachsens und des

Niederlandes, wo die Plage noch in der Entwicklung begriffen ist, ist

das eine zwingende Notwendigkeit. Je umfassender und gründlicher die

Bekämpfung beim ersten Auftreten der Plage einsetzt, um so mehr ist auf

einen Erfolg zu hoffen.

Johann Pezel und die Turmsonate

Von _Herbert Biehle_, Bautzen

Zu den vielen musikalischen Gebräuchen aus vergangenen Zeiten gehört

auch das Turmblasen. Wie 1670 der damalige Leipziger Stadtpfeifer und

spätere Bautzener Stadtmusikant Johann Pezel im Vorwort zu seiner

»Musicalischen Arbeit zum Abblasen um zehn Uhr in Leipzig« schrieb, war

es schon bei Persern und Türken üblich, beim Opfern die Gottheiten von

Türmen anzurufen. Derselbe Gedanke, Gott möglichst nahe zu stehen, und

eine gewisse Himmelssehnsucht, wie sie auch bei den gotischen Domen zum

Ausdruck kommt, liegt dem Turmblasen zugrunde. Diese schöne Sitte ist

hervorgegangen aus dem Hornrufe des Turmwächters, der das Herannahen

von Feinden, Feuerausbruch und die Stunden verkündete. So entstand

die besondere Hervorhebung der Haupttageszeiten mit ausgedehnteren

Melodien. Später erfuhr das Turmblasen durch Luther eine kräftige

Anregung; das von ihm begründete deutsche evangelische Kirchenlied

wurde eine wertvolle Bereicherung der Turmmusik. Und wie stimmungsvoll

und andachterweckend wirkt es, wenn im Sonnenglanze Trompeten und

Posaunen in den lichten Morgen hinein rufen: Wachet auf, ruft uns die

Stimme! Indessen entwickelte sich allmählich eine eigene Turmliteratur,

die in der Turmsonate gipfelt. Sie ist aus der einfachen Liedform nach

dem Vorbilde der italienischen Orchestersonate gestaltet.

Unter den wenigen, die Turmsonate vertretenden Komponisten steht

Johann Pezel voran. Seine vierzig Turmsonaten sind für zwei Cornetti,

zwei Tromboni und Basso trombone gesetzt. Heute würde die Ausführung

technischen Schwierigkeiten begegnen; denn die edle Trompeterkunst wird

nicht mehr gepflegt. Pezel bevorzugt das strahlende ~C-dur~ oder die

ernste Stimmung des ~a-moll~. Er hat die »Musicalische Arbeit« in Druck

gegeben, weil er »verspüret, daß auch an anderen Orten dergleichen

verlanget werde«; und in der Tat sind seine anmutigen Bläserstücke

in sächsisch-thüringischen Landen oft erklungen und weit verbreitet

gewesen. Hier war ja durch die protestantische Idee der Laienhilfe beim

Gottesdienste der Musiksinn jedes einzelnen Bürgers geweckt und so der

geeignete Boden bereitet worden, auf dem auch die Turmmusik gedeihen

konnte.

Pezel hat 1664–1669 als Kunstgeiger, 1669–1681 als Stadtpfeifer in

Leipzig gewirkt und war dann nach Bautzen berufen worden, wo er bis

zu seinem Tode 1694 als ~Director musicae instrumentalis~ lebte.

Aber nicht nur in seiner Eigenschaft als Stadtmusicus war er eine

bemerkenswerte Persönlichkeit. Die große Anzahl seiner gedruckten

Instrumentalwerke sicherte ihm besonders nach außen hin einen

bedeutenden Ruf und einen festen Platz in der Geschichte der deutschen

Instrumentalmusik. Um so verwunderlicher ist es, daß man sich über

Pezels nähere Lebensumstände noch ganz im Dunklen befand, bis es

Verfasser gelang, in den Akten des Bautzener Ratsarchivs darüber

Klarheit zu erlangen. Pezels Schaffenszeit gehörte jener Glanzperiode

sächsischer Musikpflege an, als dieses Land, wie kein zweites, die

bedeutendsten Musiker hervorbrachte. So wurde Sachsen auch die

Hauptpflegestätte der Werke Meister Pezels, den wir als den Klassiker

des gesamten deutschen Kunstpfeifertums seiner Zeit bezeichnen dürfen;

er war für unser weiteres Vaterland ein Stück bodenständige Heimatkunst.

Außer Pezel hat 1696 der Leipziger Stadtpfeifer Gottfried Reiche

Turmsonaten geschrieben, und ihr letzter Vertreter ist der durch

sein Oratorium »Das Weltgericht« berühmte Friedrich Schneider aus

Altwaltersdorf bei Zittau gewesen. Er fand schließlich in einem

Oberlausitzer Bauern Schönfelder noch einen Nachfolger im vorigen

Jahrhundert.

In vielen Städten, wie beispielsweise in Leipzig, Bautzen, Löbau,

Görlitz, gehörte es zu den Amtspflichten des Stadtmusikanten, mit

seinen Stadtpfeifergesellen in den Sommermonaten fast täglich vom

Rathausturme zu blasen, wie auch an den ersten Feiertagen, zu Neujahr

und bei sonstigen festlichen Anlässen. Vielleicht gibt diese Abhandlung

auch den Architekten und Kunsthistorikern Anlaß, die Frage zu

verfolgen, wieweit der Turmbau der damaligen und früheren Zeit diesen

musikalischen Veranstaltungen durch bauliche Maßnahmen zur Aufstellung

der Mitwirkenden in Gestalt von Galerien, Umgängen oder Balkonen

Rechnung trug. Gegenwärtig ist dieser musikalische Brauch fast völlig

in Vergessenheit geraten; wo er noch besteht, geschieht es auf Grund

alter Stiftungen mit dem Abblasen von Chorälen.

Die Turmmusikpflege selbst darf als ein getreues Abbild jener alten

Beschaulichkeit gelten, als man noch Muße und Sinn hatte, den

schlichten Weisen der Stadtpfeifer vom Rathaus- oder Kirchturme zu

lauschen. Und zu dem Begriff des deutschen Kleinstadtidylls um 1700

gehört auch die Turmsonate. Es wäre wohl lohnend, diese Perlen früherer

Kunst auch der Gegenwart zugänglich zu machen; denn sie war ein Stück

blühender Romantik. Und eine fromme Kunst.

Schußpreise für Raubvögel

Von _Martin Braeß_

Während die Jagdschutzvereine im Sinne des Natur- und Heimatschutzes

die »Raubzeugprämien« teils wesentlich eingeschränkt, teils vollständig

abgeschafft haben, glauben die _Brieftaubenzüchter_ ohne solche

Schußpreise nicht auskommen zu können, wie folgende, in verschiedenen

Tageszeitungen erschienene Veröffentlichung beweist: »Der Verband

deutscher Brieftaubenzüchter-Vereine setzt für das Jahr 1922 für den

Abschuß der den Brieftauben schädlichen Raubvögel, als Wanderfalken,

Hühnerhabichte und Sperberweibchen, eine Belohnung von zwanzig Mark für

das Paar Fänge aus. Diese Belohnung wird Ende Dezember 1922 ausgezahlt.

Zur Erhebung eines Anspruchs auf diesen Preis müssen die beiden Fänge

eines Raubvogels (nicht der ganze Raubvogel) bis spätestens Ende

November 1922 ... frei zugesandt werden.«

Wenn man den _Sperber_ kurz hält, so haben wir dagegen gewiß nichts

einzuwenden. Er ist ein böser Geselle, der für unsre Kleinvögel

zu einer schlimmen Geißel wird; dazu findet er sich fast in allen

waldreichen Gegenden noch so häufig, daß eine Ausrottung dieses

Vogels vorläufig nicht zu befürchten ist. Aber was der Sperber gerade

den Brieftauben zuleide tun soll, ist nicht recht einzusehen. Auf

Haustauben stößt er nur dann, wenn sich in dem Schwarm eine junge

befindet, die noch nicht ganz flüchtig ist, wie er auch nur auf junge

Wildtauben Jagd macht. Eine _gesunde, flugfähige Brieftaube_ hat von

dem kleinen Räuber wohl nichts zu befürchten. Anders _Hühnerhabicht_

und _Wanderfalke_. Indessen, diese schönen Vögel sind in den meisten

Gegenden unsres Vaterlandes bereits so selten geworden, daß man sie

schonen sollte; keineswegs aber darf man durch Schußbelohnungen

zu ihrer völligen Ausrottung auffordern. Die Brieftaubenzucht ist

gewiß kein bloßer Sport, keine nutzlose Spielerei, sondern hat ihre

Berechtigung, aber doch nur so lange und so weit, als sie sich nicht

in bewußten Gegensatz zu andern Bestrebungen setzt, die wie Heimat-

und Naturschutz von einer ungleich höheren und allgemeineren Bedeutung

sind. Der Brieftaubenzüchter muß eben beim Freiflug seiner Tauben mit

Verlusten mancherlei Art rechnen und darf nicht verlangen, daß die

Natur lediglich um seinetwillen ihrer schönsten Geschöpfe beraubt

werde, an deren herrlichem Fluge so viele Naturfreunde ihre Freude

haben. In Norddeutschland, namentlich auf der Seenplatte, die von

Ostpreußen bis nach Schleswig-Holstein zieht, mag der Wanderfalke noch

häufiger vorkommen; bei uns in Sachsen gehört er aber als Brutvogel

bereits zu den seltensten Naturdenkmälern, und auch seine Wanderflüge

im Herbst und Frühling führen ihn nicht allzuoft in unser Land. Ähnlich

verhält es sich mit dem Hühnerhabicht, wenn auch dessen völlige

Vernichtung für unsre Heimat noch nicht zu befürchten ist. Ich hoffe,

es wird sich, wenigstens in Sachsen, kein Jagdberechtigter finden, der

sich durch Abschuß so seltener Raubvögel die Prämie von zwanzig Mark

verdienen will – was sind übrigens heute zwanzig Mark nach Abzug der

Kosten für Patrone und Porto!

Aber die Aufforderung der Brieftaubenzüchter-Vereine hat noch eine

schlimme Seite. Es ist bekannt, daß nicht jeder Jagdberechtigte die

Raubvögel nach ihrem Flugbilde richtig anzusprechen versteht, und so

wird gewiß mancher unschuldige Bussard, Turmfalke, manche Weihe u. a.

unerfahrenen Schützen zum Opfer fallen.

Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß das Sächsische

Finanzministerium schon unter dem 30. Januar 1911, bzw. 20. Mai

1912 zwei Generalverordnungen erlassen hat, nach denen, »soweit

irgend zulässig«, die Turmfalken, _Wanderfalken_, Schrei-, See- und

Fischadler, die Uhus, Eulen, Weihe, Bussarde, ebenso der schwarze und

rote Milan zu schonen sind, selbst die Reiher, obgleich diese für

die Fischereiberechtigten gewiß ebenso und noch mehr als Schädlinge

bezeichnet werden müssen, wie jene obengenannten Raubvögel für die

Brieftaubenzüchter. Die einzelnen Berufs- und Interessentenkreise haben

sich eben der allgemeinen großen Idee unterzuordnen, und diese kann in

unserm Falle nur heißen: _Schutz der Natur_!

Schattenbäume für den Hof

Von Gartenarchitekt _Hans S. Kammeyer_

Wenn die brennende Mittagssonne in den Sommermonaten ungehindert vom

Himmel in den Hof strahlt, dann suchen Tier und Mensch ein schattiges

Plätzchen. Der Hof, auf dem sonst reges Leben herrscht, liegt

verlassen, selbst das Hühnervolk meidet die überreiche Wärme.

Es ist unbedingt notwendig, daß ein breitkroniger Baum in einem

sonnigen Hof im Sommer Schatten bietet. Obstbäume sind so recht

geeignet als Hofbäume, weil sie alljährlich auch einen Ertrag bringen.

Während die Linde ein richtiger Hausbaum ist, wenn nicht mit dem Nutzen

gerechnet wird, wähle man breitkronige Sorten für den Hof, die zu

großen Bäumen heranwachsen. Ein rechtes Beispiel hierfür bietet der

Birnbaum. Wie prächtig sieht er in weißem Blütenschmuck aus. In seinem

Schatten stehen die Futterschüsseln und Trinkgefäße für das Federvieh.

Hier werden die Hühner in der Mittagsstunde gefüttert, ohne daß sie

unter der brennenden Sonne zu leiden haben. Zu allen diesen Vorteilen

hat man dann noch im Herbst die reiche Ernte. Wir laben uns an den

saftigen Birnen, die der Baum bietet.

Höfe und Hofplätze, die nach Süden offen sind und die volle Sonne

hereinlassen, bepflanze man deshalb mit einem großwachsenden Hofbaum,

an dem sich später noch die Kinder und Kindeskinder erfreuen.

An Obstbäumen kommen in Frage: _Apfel_: Reichsobstsorte Jacob

Lebel, Weißer geflammter Cardinal, Landsberger Renette; _Birne_:

Reichsobstsorte William Christbirne, Pastorenbirne und Prinzeß Marianne.

Von Zierbäumen, die sich ebenfalls zur Anpflanzung eignen, sind zu

nennen: ~Aesculas hippocastanum~, Roßkastanie; ~Ailanthus glandulosa~,

Götterbaum; ~Catalpa speciosa~, Trompetenbaum; ~Juglans regia~,

Walnußbaum; ~Liriodendron tulipifera~, Tulpenbaum; ~Platanus

occidentalis~ und ~orientalis~, Platane.

»Pflanz’ einen Baum, und kannst du auch nicht ahnen,

Wer einst in seinem Schatten tanzt,

Bedenke Mensch, es haben deine Ahnen

Eh’ sie dich kannten, auch für dich gepflanzt.«

Förderung des Anbaues von Nußbäumen

Von _Hans Jacob_

Die Anpflanzung des Walnußbaumes ist infolge der Verwüstungen durch

die Kriegsjahre für die Zukunft besonders bedeutsam geworden.

Viele Nußbäume sind der Holzgewinnung wegen abgeschlagen worden.

Der Walnußanbau soll und muß deshalb mit allen Mitteln gefördert

werden. Allerdings nicht wahllos, mit unsicherem Ergebnis, sondern in

planmäßiger Weise. Zur Pflanzung müssen solche Pflanzstätten ausgesucht

werden, an welchen erfahrungsgemäß der Nußbaum gut gedeiht und sichere

Erträge bringt. Nußbäume sind in geschlossenen Pflanzungen nur da

anzubauen, wo auf einen Ertrag der Unternutzung verzichtet werden kann.

Für Einzelpflanzungen aber, und hierzu ist der Nußbaum mehr als alle

andern Obstarten geeignet, gibt es fast allerorts noch eine ganze Menge

brauchbarer Stellen. So auf Gutshöfen, Dorfplätzen, an Wegescheiden

und an andern Orten, wo die Bäume nicht nur durch ihre Früchte Segen

bringen, sondern auch zur Verschönerung der Heimat beitragen. Während

man für solche Plätze die Anpflanzung fertig vorgebildeter Bäume

bevorzugen soll, dürfte für den Großanbau die Aussaat an Ort und

Stelle in Betracht zu ziehen sein. Da eine spätere Veredelung der

Nüsse erhebliche Schwierigkeiten bietet, hat man auf jeden Fall dafür

zu sorgen, daß als Saatgut nur Nüsse allerbester Abstammung verwendet

werden. Nur reichtragende, spätblühende, widerstandsfähige Sorten mit

großen, mäßig dünnschaligen Früchten sind geeignet.

Die Postsäule von Aue

Wenige Tage bevor das Heft 4/6 der »Mitteilungen« mit ~Dr.~ Kuhfahls

Postsäulenaufsatz in meine Hände kam, war es mir gelungen, einen Rest

der alten Auer Postsäule aufzufinden. Aufmerksam geworden darauf war

ich bei Gelegenheit einer Ausstellung: »Die Gesamtentwicklung der

Stadt Aue«, die ich eingerichtet hatte. Auf mehreren alten Bildern vom

Marktplatz war dort eine Postsäule zu sehen, und zwar an der Ecke der

jetzigen Markt- und Bahnhofsstraße (ehedem Lößnitzer Straße). Ältere

Leute kannten sie noch. Der einstige Posthalter Walther hatte sie,

als sie beseitigt werden sollte, in seinen Hof gestellt. Sein Sohn

half mir, die Säule ausfindig machen. Sie dient jetzt als Steinbank

an einem Hause Wiesenstraße 2, ist auf den sichtbaren zwei Seiten

ziemlich abgenutzt, läßt aber noch ein Posthorn, den Namen Schneeberg,

sowie Zahlenreste erkennen. Sockel und Spitze fehlen. Der Stein

(Granit) weist unten ein Loch zur Befestigung auf und verjüngt sich

obeliskenartig. Es besteht die Hoffnung, daß er wieder an geeigneter

Stelle aufgerichtet wird.

~Dr.~ _Sieber_, Aue.

=Postmeilensäulen=: Zum Aufsatz von ~Dr.~ Kuhfahl im Heft 4/6 XI sind

uns und dem Verfasser erfreulicherweise eine Reihe von Mitteilungen

zugegangen. Allen Einsendern sei bestens gedankt. Um weitere

Ergänzungen wird gebeten. Dies neue Material wird später in einem

Nachtrag veröffentlicht werden.

Die Schriftleitung.

Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt –

Druck: Lehmannsche Buchdruckerei

Klischees von Römmler & Jonas, sämtlich in Dresden.

Soeben erschienen:

Die Vegetationsverhältnisse des östlichen Erzgebirges

von

Professor ~Dr.~ Arno Naumann

*

Mit einer Kartenskizze

(Sonderdruck aus der »Isis«, 46 Seiten Oktav)

*

Preis 20 Mark und Postgeld

Zu beziehen:

Landesverein Sächsischer Heimatschutz Dresden-A.

Schießgasse Nr. 24

_Friedhof und Denkmal_

Halbmonatsschrift

herausgegeben von

Robert B. Witte

Für Künstler, Gartenfachleute, Industrie und Gewerbe das _erste und

einzige reichillustrierte_ Organ der gesamten Friedhofskultur

Das unentbehrliche Fachblatt für alle zuständigen Behörden

Probenummer

durch den Verlag der Zeitschrift

_Friedhof und Denkmal_

G. m. b. H., Dresden-N. 6

Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-A.

Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die

Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.

Korrekturen:

S. 139: Heist → Geist

~scrato~ = böser {Geist}

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XI, Heft 7-9 · 第 7 / 7 段