12. Schlußbetrachtung.

Mit dem Cambarysu wollen wir den Rundblick auf die physikalischen

Errungenschaften der Naturvölker einstweilen beschließen. Dieser

kleine Wunderapparat wendet sich bewußt an die nur geringe Schar

der Eingeweihten. Das ist falsche Bescheidenheit, denn ein kurzer

Überschlag alles von uns Gebrachten beweist doch unzweideutig, daß die

Naturvölker keineswegs jene halb- oder ganztierischen Lebewesen sind,

für die sie in Laienkreisen so oft gehalten werden. Alle Völker der

Erde sind, wie wir in den Kosmosbändchen so oft betont haben, gleich

alt, und alle haben genugsam Zeit und Gelegenheit gehabt, Erfahrungen

zu sammeln und Entdeckungen und Erfindungen der verschiedensten Art

zu machen. Wenn die weiße Rasse dabei ungleich erfolgreicher gewesen

ist als alle übrigen, so haben ihr dabei zahlreiche Umstände geholfen,

auf die hier einzugehen wir um so weniger Veranlassung haben, als der

Unterschied keineswegs dem Wesen, sondern lediglich dem Grade nach

besteht. Ganz ohne Errungenschaften ist nicht einmal das primitivste

Völkchen geblieben, ja die Mehrzahl kann sich sogar eines oft nicht

einmal unbeträchtlichen Schatzes an technischen Mitteln rühmen.

Aber die Herrschaft über die Natur? Besitzen sie auch die? In dem Sinn,

wie wir sie auffassen, sicherlich nicht; weder verfügen sie so souverän

über die Kräfte der Luft und des Wassers, noch über die der Tierwelt,

des Dampfes, der Elektrizität und der explosiblen Gase, wie wir das von

uns rühmen. Aber Herrscher sind sie bei alledem doch, wenn auch nur

über ihren eigenen, mehr oder weniger beengten Lebensraum. Und auch

das verstehen wir zuweilen falsch. Wie bedauern wir den unglückseligen

Buschmann in seiner kargen Heimat! Kaum jemals fühlbarer Überfluß,

dafür aber um so häufiger der bitterste Mangel an allem, was uns zur

bloßen Fristung des nackten Daseins erforderlich dünkt. Dabei fühlt

sich dieser Wilde in seinem Dasein entschieden geborgener als mancher

Großstadtbewohner in dem seinigen. Das Nahrungsbedürfnis? Als Sammler

und Jäger kennt er alle Schliche und Methoden, die seiner Umwelt

angepaßt sind. Die in jenen Regionen doppelt brennende Wasserfrage?

Auch sie hat er zu lösen verstanden allezeit, vom Völkchen der

Buschmänner lebte sonst längst nicht einer mehr. Wie im wahrsten Sinn

souverän deren Herrschaft über ihre Heimat ist, lehrt nichts besser

und einwandfreier als die noch immer zu wenig beachtete Tatsache,

daß alle die Herero, die nach der Schlacht am Waterberg im August

1904 nach Osten in das Sandfeld zogen, sich nur dadurch vom sicheren

Untergang haben retten können, daß sie sämtliche Lebensgewohnheiten der

vordem von ihnen so verachteten Vorbewohner dieser Region, eben der

Buschmänner, sklavisch angenommen haben.

So ist es allerorts; in allen Zonen hat der Mensch sich förmlich erst

seine Lebensbasis geschaffen, sowenig das scheinbar rein vegetative,

pflanzenähnliche Dahindämmern so manches Naturvolkes dafür zu

sprechen scheint. Um das im einzelnen zu beweisen, müßte man eine

umfassende Völkerkunde größten Umfanges schreiben. Einige wenige

Belege rein _physikalischen_ Charakters haben wir in den vorstehenden

Ausführungen gebracht, die gleichsam nur als Stichproben aus dem

gesamten Kenntnisschatz der Naturvölker betrachtet sein wollen. Den auf

vorwaltend _chemischer_ Grundlage beruhenden Errungenschaften soll das

nächste Kosmosbändchen gewidmet sein. Somit bleibt uns heute nur noch

die Aufgabe einer mehr andeutungsweisen, unsystematischen Übersicht

wenigstens der Hauptsache dessen, was unsere so oft falsch beurteilten

Freunde an weiteren physikalischen Leistungen und Kenntnissen zu

verzeichnen haben.

Wie weit reicht die künstliche Beleuchtung der menschlichen Wohnung

zurück? Nun, sicher doch ebensoweit, wie das Feuer im Dienst

unseres Geschlechtes steht; das Herdfeuer seiner Urhütte diente am

Abend zugleich auch zu deren Erhellung. Auf dieser Stufe stehen

seltsamerweise die meisten Naturvölker noch heute; sie haben kein

höheres Lichtbedürfnis, sondern sitzen bis zum frühen Schlafengehen

malerisch um ihr Universalfeuer herum. Kienspan, Fackel und Lampe

sind unter diesen Umständen nur dünn verteilt zu finden, jener im

alteuropäischen Kulturkreis, die Fackel aus Pflanzenharzen und stark

ölartigen Früchten bei westafrikanischen und malaio-polynesischen

Völkerschaften, die Lampe endlich bei den Eskimo und im alten

Südeuropa. Schalenförmige Steine, die man als Lampen deutet,

hat man neuerdings in südfranzösischen Höhlen des ausgehenden

Paläolithikums gefunden; sie wie auch die Specksteinlampe der Eskimo

brennen nur mit Hilfe eines Dochtes, und bestehe er auch nur aus

einem zusammengedrehten Pflanzenflöckchen; sie beruhen also auf dem

Gesetz der Kapillarität, deren wenn auch unbewußte Heranziehung in

die menschliche Wirtschaft damit bis in überraschend ferne Zeiten

zurückreicht. Unter Kapillarität verstehen wir die Erscheinung, daß

in engen Röhren, die man in eine Flüssigkeit taucht, diese höher oder

tiefer steht als außerhalb. Die Erscheinung erklärt sich aus der

molekularen Anziehung zwischen den Flüssigkeitsteilchen unter sich (der

Kohäsion) und zwischen den Teilchen der Flüssigkeit und der festen Wand

(der Adhäsion). Ihre Wirkungsweise kann jedes Schulkind tagtäglich an

seinem Löschblatt feststellen. Badeschwamm, Handtuch, Pinsel und Docht

beruhen auf demselben Prinzip.

Für den einzelnen Mitteleuropäer gibt es insofern keine

Trinkwasserfrage, als er bloß an die Wasserleitung oder an den Brunnen

zu gehen braucht. Beim Primitiven liegt die Sache so einfach nicht;

in Trockengebieten bedroht ihn ständig die Frage der Beschaffung

schlechthin; in Sumpfregionen oder solchen des Brackwassers muß er sich

fragen: Wie mache ich die Flüssigkeit genießbar und bekömmlich? Beide

Zwangslagen haben selbst schon die einfachsten Menschheitsgruppen zu

den mannigfachsten Maßnahmen und Einrichtungen veranlaßt, so daß ein

Ethnologe neuerdings ein ganzes Buch über den Gegenstand schreiben

konnte.[11]

Uns galt das Seewasser so lange für gänzlich unbenutzbar, bis wir es

destillieren lernten. Wenn den Andamanesen und den Mikronesiern auf

ihren langen Seefahrten das Süßwasser ausgegangen ist, springen sie

morgens und abends je für lange Zeit in die salzige Flut, wodurch

der Körper durch die Hautporen Wasser aufnimmt. Das rettet sie

immerhin eine ganze Zeitlang vor dem Verdursten. Von den Polynesiern

wird berichtet, daß sie neben Wasservorräten stets auch solche

von bestimmten Pflanzen mitnehmen. Das Kauen dieser Blätter soll

die Wirkung haben, daß man Seewasser genießen kann, ohne Schaden

zu erleiden. Sickerlöcher für Brack- und Sumpfwasser finden sich

vielerorts; im Gebiet des Schari südöstlich vom Tschadsee liegen sie

bis zu 2 Kilometer vom Fluß ab, und im Lande Bornu umsäumen sie ganz

systematisch die modrigen und brackigen Seen des Landes. Man hat also

Sand und Kies als treffliche Filter erkannt. Für die Filtrierung des

Meerwassers dienen auf vielen Südseeinseln ganz gleichartige, im Innern

des Landes abgeteufte Anlagen. Selbst das von vielen Ethnologen als

besonders primitiv angesehene Völkchen der Wedda auf Ceylon greift zu

ihnen, da man das Wasser von Tümpeln und selbst dasjenige klarer Flüsse

für giftig hält.

Eine recht niedliche Erfindung wird von den Australiern berichtet.

Diesen fehlt die Töpferei, so daß sie sich mit flachen Rindenmulden

für den Wassertransport behelfen müssen. Um ein Ausschwappen

und Ausspritzen des in diesem Lande doppelt kostbaren Inhalts

zu verhindern, bedecken sie ihn mit buschigen Zweigen. Bei den

Völkern des südlichen Deutsch-Ostafrika traf ich dasselbe Verfahren

an; es entspricht vollständig der Verwendung jener kleinen

Bretterkreuze, die bei uns zu Lande auf die gefüllten Wasser- oder

Milcheimer gelegt werden. Physikalisch fällt die Erscheinung unter

den Begriff der Interferenz, d. h. der gegenseitigen Einwirkung

zusammentreffender Wellen. Begegnen sich auf einer Wasserfläche zwei

gleiche Wellensysteme, so wirken sie bei ihrer Durchkreuzung derart

aufeinander ein, daß an allen Stellen, wo die Wellenberge des einen

Systems mit den Wellenbergen des andern zusammentreffen, das Wasser zu

doppelter Höhe erhoben, an den Stellen, wo zwei Täler zusammenkommen,

zu doppelter Tiefe herabgedrückt wird, während es dort, wo je ein

Wellenberg mit einem Wellental zusammenfällt, seine ursprüngliche

Höhenlage beibehält. Das Entstehen solcher überhohen Wellenberge durch

Einlegen von Fremdkörpern zu verhüten, ist der Zweck der einfachen,

aber sinnreichen Einrichtung.

Mit dem Begriff des spezifischen Gewichts ist der Mensch vertraut

geworden, seitdem er zum erstenmal selbst ins Wasser gegangen oder

sich ihm auf einem schwimmenden Fremdkörper anvertraut hat. Hätte er

sein absolutes Gewicht feststellen können und es durch sein Volumen

dividiert, so würde er haben feststellen müssen, daß er leichter war

als das Wasser, trotzdem sein erster Schwimmversuch dem Anschein nach

das Gegenteil erwies.

Neben Schwimmen und Schiffahrt spielt das spezifische Gewicht im Leben

der Naturvölker wohl nur dort eine Rolle, wo es auf das Abscheiden

fester Bestandteile aus Flüssigkeiten ankommt. Bei dem Auspressen

des Maniokmehls mit dem Tipití unter den Amazonasindianern nimmt der

abfließende Saft noch eine Menge feinverteilter fester Teilchen mit,

die sich in der untergestellten Schale sammeln. Die Indianerfrau

läßt das volle Gefäß ruhig stehen; die festen Teilchen setzen sich

ab, werden abgegossen und ergeben getrocknet ein Mehl, das von den

Indianern weit höher geschätzt wird als die ausgepreßte Masse selbst.

Weit allgemeiner findet sich der gleiche Prozeß überall dort, wo der

Sago den Grundstock der Nahrung bildet, also in ganz Hinterindien, im

Malaiischen Archipel und auf Neuguinea. Die Sagopalme hat die angenehme

Eigenschaft, in ihrem ganzen Innern aus der geschätzten Speise zu

bestehen, nur daß sie einstweilen noch innig mit holzigen Bestandteilen

durchsetzt ist. Hat man den übermannsstarken Baum gefällt, so gilt

es, dieses durchwachsene Mark herauszuschlagen und zu zerkleinern,

was mit stumpfen Hacken oder Klöpfeln verschiedener Konstruktion

geschieht. Dann endlich erfolgt der Abscheidungsprozeß. Wie er am

Kaiserin-Augusta-Fluß in Kaiser-Wilhelms-Land durchgeführt wird, zeigt

Abbildung 42. Man wählt einen Trog, nämlich den unteren konischen

Teil einer der gewaltigen Blattscheiden des Sagobaumes selbst, legt

ihn etwas schräg auf Böcke und baut in das tiefer liegende Ende ein

Gitter aus feinen Stäben ein, gegen welches sich ein Stück getrockneter

Kokosblattscheide als eigentlicher Filter legt. Im Troge selbst knetet

man nun die rohe Masse mit Wasser durch, wobei die Späne zurückbleiben,

während das Sagomehl mit dem Wasser durch eine vorgesetzte steile

Rinne in einen auf dem Boden stehenden Behälter abfließt. Der weitere

Vorgang gleicht dem der Behandlung des Maniokmehls.

Die letzten, hier noch eben zu streifenden Errungenschaften ragen

gewissermaßen schon in die höhere Technik herein; sie eignen sich

demgemäß auch vortrefflich zu einem natürlichen Abschluß. Die eine ist

die Töpferscheibe; andere hängen eng mit den Anfängen der Metalltechnik

zusammen; die letzten schließlich fallen unter den Begriff der

Elastizität.

[Illustration: Abb. 42. Sagoschlämmen am Sepik, Neuguinea. (Nach

Reche.)]

Die Töpferscheibe ist eine senkrecht stehende Achse mit einer schweren

Scheibe in Tritthöhe unten und einer kleineren auf dem oberen

Achsenende. Der Töpfer versetzt die Maschine durch Treten der unteren,

zugleich als Schwungrad dienenden Scheibe in Rotation, während er mit

den Händen auf der oberen die Tonmasse formt; also eine höchst einfache

Vorrichtung. Trotzdem -- vielleicht auch gerade deshalb -- ist man

über Alter und Herkunft noch immer nicht unterrichtet. In Ägypten ist

sie uralt, bei uns erscheint sie erst mit den Slawen, also vor noch

nicht 1½ Jahrtausenden; bei den Naturvölkern existiert sie gar nicht

oder doch nur in leisen Anfängen in Gestalt von Topfscherben, die

die Töpferin bei ihrer Modellierarbeit als immerhin schon drehbare

Unterlage benutzt. Die Rotation hat unserm Geschlecht, wie man immer

wieder sieht, überraschend viele Schwierigkeiten bereitet.

Die vorkolumbische Menschheit schied sich in zwei große Teile: den

metallverarbeitenden Westen, aus Europa, Asien und Afrika bestehend,

und den metallosen Osten, der aus Australien, Ozeanien und Amerika

bestand. Wer das erste Kupfer geschmolzen und verarbeitet, die erste

Bronze legiert und das erste Eisen verhüttet hat, ist noch immer

eine Streitfrage, doch denkt man bei Kupfer und Bronze einheitlich

wenigstens an den vorderasiatisch-europäischen Kulturkreis. Beim

Eisen ist man nicht einmal so weit, da für seine Entdeckung und erste

Verarbeitung auch die Neger Afrikas in Frage kommen können; ja,

Professor v. Luschan hat direkt den Beweis zu führen versucht, daß

unsere Eisentechnik aus Afrika komme, also beim Neger älter sei als

selbst im alten Orient. Träfe das zu, so bedeutete es einen ungeheuern

Triumph für diese Rasse, zugleich allerdings auch einen ebenso

niederschmetternden Beweis für ihre technische Unfähigkeit, etwas nicht

einmal ohne Geschick Errungenes nun auch zielbewußt weiter auszubauen.

[Illustration: Abb. 43. Afrikanische und malaiische Blasebälge beim

Verhüttungsprozeß.]

Die Anfänge sind in der Tat vollkommen sachgemäß und einwandfrei:

richtige Hochöfen vom Prinzip unseres älteren rheinischen Ofens

mit Gicht, Schachtraum, Rast, Schmelzraum und Herd und vollkommen

rationeller Beschickung mit abwechselnden Lagen von Holzkohle und

Eisenstein; dazu Einlaßdüsen für Gebläse, die das Erz zwar nicht bis

zum Schmelzfluß bringen, wohl aber zum Zusammensintern, so daß es sich

mit leichter Mühe aus der entstandenen Luppe herausschmieden läßt. Also

alles in allem ein vortrefflicher, vielversprechender Auftakt, nur

schade, daß das Stück nicht weitergeführt worden ist.

Genau dasselbe Bild zeigen die Gebläse. Abbildung 43 zeigt die

beiden afrikanischen Typen kombiniert mit dem malaiischen. Von jenen

besteht der eine aus einem abgezogenen Tierbalg mit drei zugebundenen

Beinen, während in das vierte die zum Hochofen oder Schmiedefeuer

führende Düse eingefügt ist. Ventil ist der oben belassene

Schlitz, der beim Herunterdrücken mit Hilfe zweier angebundener

Längsstäbchen geschlossen, beim Hochziehen geöffnet wird. Das ist

der Schlauchblasebalg. Der andere Typ besteht aus einer Art großen

Doppellöffels aus Holz oder Ton, dessen beide Aushöhlungen mit Fell

oder großen Blättern überspannt sind, in deren Mitte je ein langer Stab

eingebunden ist. Das ist der Gefäßblasebalg. Die Handhabung geschieht

durch abwechselndes Heben und Senken beider Stäbe, wodurch ein

annähernd gleichmäßiger Luftstrom entsteht. Der malaiische Blasebalg

endlich gleicht im Aufbau unserer Saug- und Druckpumpe, wie sie

jedermann von der Feuerspritze her kennt: in den Bambuszylindern laufen

an Stöcken befestigte Kolben auf und nieder und pressen die Luft in die

seitlich angesetzte Düse.

[Illustration: Abb. 44. Schwippgalgen, in ganz Mittel- und Südafrika

angewandt.

(Nach Weule, Negerleben in Ostafrika.)]

Allen drei Systemen gemeinsam ist der Mangel an eigentlichen Ventilen,

d. h. Klappen, durch welche die Luft beim Hub von unten her oder

seitlich zugeführt werden könnte; überall muß sie sich vielmehr einen

Weg durch die Düse selbst oder, wie beim malaiischen Blasebalg, an der

Undichtigkeit der Stempel entlang suchen. Hier sind wir also an der

oberen Grenze des Schlußvermögens jener Rassen angelangt; darüber hilft

auch der Umstand nicht hinweg, daß der Malaie sich die Elastizität

der eingespannten Bambusstange zunutze macht, die ihn wenigstens des

Stempelhubs überhebt und dadurch nicht unerheblich entlastet.

Mit der Elastizität haben sich sowohl der Arktiker wie der Südasiat und

der Neger ungleich besser zu stellen verstanden als mit so knifflichen

Fragen wie der des Ventils, was aus der unendlich langen Holzzeit,

welche die junge Menschheit hat durchlaufen müssen, durchaus erklärlich

erscheint. Das Hauptverwendungsbereich liegt natürlich da, wo es auf

die Auslösung plötzlicher Energie ankommt, also beim Bogen und der

Armbrust und den unterschiedlichen Tierfallen. Alle drei sind so späte

Errungenschaften, daß sie nicht Zeit gefunden haben, den Weg um die

ganze Erde zurückzulegen. Mehrfach erfunden zu werden, sind sie aber

bereits zu kompliziert, so einfach sie uns verwöhnten Europäern auch

erscheinen mögen. Abbildung 44 zeigt den indonesisch-afrikanischen

Haupttypus, Abbildung 45 eine in Hinterindien heimische Form dieser

Tierfallen. Jeder halbwüchsige europäische Knabe wird imstande sein,

die Konstruktion alsbald nachzuempfinden und zu erläutern; wieviel

Generationen sich aber dort unten am Äquator den Kopf an dieser

immerhin nicht ganz kleinen Häufung physikalischer Probleme zermartert

haben mögen, bis das Werk zu der heutigen Vollendung heranreifte, das

ist nicht auszudenken.

[Illustration: Abb. 45. Selbstschuß bei den Senoi, Malakka.]

Fußnoten:

[1] _K. Weule_, Die Kultur der Kulturlosen. Kosmos, Gesellschaft der

Naturfreunde Franckh'sche Verlagshandlung. Stuttgart 1910. S. 51-60.

Auch die beiden anderen einschlägigen Kosmosbändchen »Kulturelemente

der Menschheit« und »Die Urgesellschaft und ihre Lebensfürsorge« sind

in den folgenden Ausführungen oftmals herangezogen worden.

[2] Illustrierter Führer durch die vorgeschichtliche Abteilung des

Weimarer Städtischen Museums. Herausgegeben im Auftrage der Stadt

Weimar von Armin Möller, Kustos. Verlag des Städtischen Museums.

[3] _L. v. Pfaundler_, Die Physik des täglichen Lebens. 3. Auflage.

Stuttgart und Berlin 1913. S. 272. Auf das ausgezeichnete Buch hat

oftmals zurückgegriffen werden können.

[4] _A. Heilborn_, Allgemeine Völkerkunde. ~I.~ Aus Natur und

Geisteswelt Nr. 487. S. 64.

[5] _H. Th. Horwitz_, Beiträge zur außereuropäischen und

vorgeschichtlichen Technik. Jahrbuch des Vereins deutscher Ingenieure.

1916. Bd. 7. S. 181; _F. M. Feldhaus_, Über die Saftpresse der

Guayana-Indianer. Zeitschrift für angewandte Chemie. Jahrgang 31.

Nr. 53 vom 2. Juli 1918; _K. Weule_, Zusammenhänge und Konvergenz.

Petermanns geograph. Mitteilungen. 1920. S. 70.

[6] _O. T. Mason_, ~The human beast of burden~. ~Report of the United

States National Museum 1887~, S. 255.

[7] _Berthold Laufer_, ~Chinese pottery of the Han Dynasty~. Leiden

1909, S. 72 ff.

[8] _Globus_, Band 79 und 80; _M. P. Porsild_, ~The principle of the

screw in the technique of the Eskimo~. ~American Anthropologist. N. S.

Vol. 17~, Nr. 1; _B. Laufer_, ~The Eskimo screw as a Culture-Historical

Problem~, ebenda, Nr. 2; _Horwitz_, a. a. O.

[9] Vgl. _Walther Vogel_, Geschichte der deutschen Seeschiffahrt. ~I.~

Berlin 1915. S. 515.

[10] Vgl. Dr. _P. Hambruch_, Die Schiffahrt auf den Karolinen- und

Marshall-Inseln. Meereskunde. Sammlung volkstümlicher Vorträge.

6. Jahrgang, 6. Heft. S. 10.

[11] Dr. _A. Haberlandt_, Die Trinkwasserversorgung primitiver Völker.

Petermanns geogr. Mitteilungen. Erg.-Heft 174. Gotha 1912.

Die Anfänge der Naturbeherrschung. 1. Frühformen der Mechanik · 第 24 / 39 题