abgeben, wenn ich selbst oder Dr. Knorr die in Frage kommenden
Fälle mitbeobachten, solange, bis wir auch mit kleineren Mengen bei
subcutaner Injection schwere und vorgeschrittene Tetanusfälle sicher
heilen können. Das Angebot der Serumabgabe durch Vermittelung von Herrn
Meinhardt und Herrn Lautenschläger, welches in meiner Blutserumtherapie
II, S. 81 ff. enthalten ist, wird demnach hierdurch aufgehoben, und
zunächst wird überhaupt nur innerhalb von Berlin von Dr. Knorr_
(Institut für Infectionskrankheiten, Charitéstr. 1) _Tetanusheilserum,
welches von mir geprüft ist, zu bekommen sein. Für Militärärzte in
Garnisonlazarethen wird Tetanusheilserum von Herrn Stabsarzt Wernicke,
Klosterstr. 36 abgegeben._
Auch die Gründe, aus welchen ich bisher über Diphtherieheilungsversuche
an Menschen nichts habe verlauten lassen, trotzdem dieselben an
verschiedenen Orten schon seit einem Jahre ausgeführt werden, sind auf
meine Erfahrung beim Tetanus zurückzuführen.
Wenn man sich eine Vorstellung davon zu machen sucht, wie es
anzufangen ist, um ein Urtheil zu bekommen, ob die Heilkraft des
Diphtherie- oder Tetanusheilserums schon gross genug ist, um damit
in die Oeffentlichkeit treten zu können, dann sollte man glauben,
dass nichts einleuchtender wäre als die Nothwendigkeit, sowohl solche
Dosirung zu versuchen, welche unterhalb der heilenden bleibt, als
diejenige, welche ein Multiplum derselben darstellt; denn unter der
Voraussetzung, dass für eine bestimmte Kategorie von Krankheitsfällen
das Serum überhaupt specifisch heilend und lebensrettend wirkt,
wollen wir zwar eine _ausreichende_ Dosirung haben, wir wollen aber
das Mittel auch nicht _verschwenden_. Da macht man’s dann wie der
Artillerist, wenn er sich auf ein Ziel einschiesst; zuerst geht man
darüber weg, dann schiesst man zu kurz, und zuletzt stellt man die
Richtung des Geschützes so ein, dass dieselbe ziemlich genau auf
das Ziel gerichtet ist. Der Vergleich hinkt zwar etwas; unser Ziel,
die Krankheit zu heilen, erreichen wir auch, wenn wir die Dosis
grösser nehmen als nothwendig; _worauf ich aber hinaus will, ist die
Kenntniss der heilenden Minimaldosis, und diese kann nicht erlangt
werden, ohne dass probeweise man absichtlich unter der heilenden
Dosis bleibt_; es sind demnach bei dem Versuch, die richtige Dosirung
herauszubekommen, eo ipso Misserfolge in der Behandlung nothwendig,
und es wäre ganz verfehlt, danach den Werth oder Unwerth des Mittels
aus solchen _Vorversuchen_ abmessen zu wollen; da ich gleichwohl
aber ein Verständniss hierfür bei meinen Erfahrungen über den
Tetanus nicht gefunden habe, so theile ich die Vorversuche bei der
Diphtherie überhaupt nicht mit, bevor sich nicht für mich aus denselben
diejenige Dosirung ergeben hat, welche ohne Serumverschwendung zur
Heilung ausreicht. Nachdem diejenigen Herren Kliniker, welche im
Einverständniss mit mir die Diphtherieheilversuche vornehmen, von
der Unschädlichkeit des Diphtherieheilserums einerseits, von seinem
Nutzen andererseits sich überzeugt haben, wird es nicht schwer sein,
an Hunderten von Fällen schliesslich zu einem gesicherten Urtheil zu
kommen.
Zum Schluss dieses Capitels habe ich noch einer praktisch wichtigen
Frage zu gedenken, die gleichfalls schon in der oben citirten Arbeit
von _Wernicke_ und mir berührt ist, der Frage nach der _Dauer der durch
das Diphtherieheilserum übertragenen Immunität_. Wir sagten dort (S.
9): „Was die Dauer der Immunität betrifft, wenn Meerschweinchen bloss
Serum bekommen haben und keine nachfolgenden Diphtherieinfectionen
erlitten hatten, so können wir darüber noch nichts Endgiltiges
aussagen. Mindestens einige Wochen dauert in diesem Falle die Immunität
an.“ Diesen Worten kann gegenwärtig hinzugefügt werden, dass die
Dauer der Immunität abhängig ist von der Menge der incorporirten
Heilsubstanz. Je grösser dieselbe ist, für um so längere Zeit kann man
das behandelte Individuum immun machen.
Bei der weitgehenden Analogie zwischen den Heilkörpern für die
Diphtherie und für andere Infectionskrankheiten trage ich kein
Bedenken, hier auch die Erfahrungen zu verwerthen, welche für
den Tetanus und für die Hundswuth beweisen, dass die Dauer der
Immunität über das Individualleben hinaus auf die Descendenten sich
erstrecken kann. Es sind dabei die Untersuchungen von _Ehrlich_ zu
berücksichtigen, welche die Vererbung der Tetanusimmunität _von der
Mutter_ auf die Nachkommen unter gewissen Bedingungen ergeben haben,
und die Untersuchungen von _Tizzoni_ und seiner Mitarbeiter, aus
welchen hervorgeht, dass sowohl bei der Hundswuth, wie beim Tetanus die
erworbene Immunität _vom Vater_ auf die Descendenten vererbt werden
kann.
Bezüglich der Tragweite namentlich der Resultate _Tizzoni_’s schliesse
ich mich durchaus der Auffassung des letzteren an, welcher er in seinen
Mittheilungen vom December 1892 („Die Vererbung der Immunität gegen
Rabies von dem Vater auf das Kind“, Centralblatt für Bacteriologie und
Parasitenkunde 1893, No. 3) Ausdruck gegeben hat. _In der That, die
Thatsache der germinalen Vererbung eines Krankheitsschutzes ist ein
weiterer Ansporn, die Immunisirungsarbeiten zum Wohle der Menschheit
mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln fortzusetzen._
[6] Ueber die Einzelbeobachtungen wird erst in späterer Zeit berichtet
werden.
Schlusswort zum geschichtlichen Theil.
Wenn wir zurücksehen auf die Thatsachen und Probleme in der
Krankheitslehre der Diphtherie, die bisher erörtert worden sind, so
lässt sich erkennen, wie dieselben in innigem Zusammenhang stehen mit
denen der Krankheitslehre überhaupt.
Die Diphtherie zeigt vieles Bemerkenswerthe in der Art ihres
_epidemischen_ und _endemischen_ Auftretens. Das Entstehen und
Vergehen der Epidemien; ihr Charakter in Bezug auf den Procentsatz
der befallenen Individuen und in Bezug auf die grössere oder
geringere Mortalität derselben; die in verschiedenen Epidemien,
Ländern, Zeiten und bei verschiedenen Racen und Lebensaltern zu Tage
tretenden Differenzen im Krankheitsbilde und in den Morbiditäts- und
Mortalitätsziffern bieten noch immer eine unerschöpfliche Fundgrube für
die epidemiologische Forschung; aber die Errungenschaften der genialen
Arbeiten _Bretonneau_’s auf diesem Gebiete sind nicht der Diphtherie
allein zugute gekommen, sondern haben anregend und klärend gewirkt auf
die Auffassungsweise auch aller anderen Infectionskrankheiten.
Die Lehre von der _Contagiosität_, die für die Diphtherie von
_Bretonneau_ fest begründet wurde, und die in seinem offenen Briefe
einen so überzeugenden Ausdruck gefunden hat, kann fast mit denselben
Worten auf die Cholera übertragen werden; sie zeigt aber auch, wenn
wir uns in dieselbe vertiefen, wie sehr man sich hüten muss, mit
Schlagworten und Gemeinplätzen _alle_ Infectionskrankheiten nach
demselben Schema rücksichtlich ihrer Verbreitungsweise zu beurtheilen.
Die Unterschiede sind da so gross, dass man fast einen vollständigen
Gegensatz herausfinden kann, wenn man _die acuten Exantheme_ damit
vergleicht. Bei einer solchen Gegenüberstellung wird es verständlich,
wie man zu einer Eintheilung der Infectionskrankheiten in _contagiöse_
und _miasmatische_ kommen konnte. Auf der einen Seite die Diphtherie,
die Syphilis, die Pocken; auf der anderen Scharlach, Masern,
Flecktyphus.
Wie unzulänglich aber solche Unterscheidungen sind, das zeigte sich
schon früher darin, dass man sich zur Aufstellung einer Gruppe
von contagiös-miasmatischen Krankheiten genöthigt sah; und seit
von _R. Koch_ eine Reihe von Krankheiten als Infectionen erkannt
sind, deren _specifisch infectiösen Charakter_ noch jetzt manche
Leute in Frage stellen möchten, die Cholera, die Tuberkulose, die
Pneumonie, der Tetanus, der Abdominaltyphus, da ist es bloss noch
ein _Streit um Worte, ob man eine Krankheit, welche durch belebte
und vermehrungsfähige Parasiten übertragen werden kann, deswegen als
contagiös oder nicht contagiös bezeichnen will, weil der Krankheitskeim
leichter oder schwerer haften bleibt_.
Der die Diphtherie erzeugende Bacillus haftet im Allgemeinen ziemlich
leicht, insbesondere bei jugendlichen Individuen und zumal in Zeiten,
in welchen erfahrungsgemäss die zur Aufnahme der Bacillen befähigten
Schleimhäute unter dem _Einfluss atmosphärischer Verhältnisse_
stehen, welche Reizzustände derselben bedingen. Aber wie bei allen
Infectionskrankheiten gehört zum Entstehen von Diphtherieepidemien
ausser dem _specifischen Krankheitserreger_ und ausser einer durch
Witterungseinflüsse und andere Verhältnisse bedingten _Disponirung_
der Schleimhäute nach manches andere. Unter sonst gleichen Bedingungen
wird das Umsichgreifen der Diphtherie um so leichter erfolgen, je
_virulenter_ die in einer Gegend, in einem Hause oder in einem
bestimmten Zimmer deponirten Krankheitskeime sind. Es wird aber weniger
leicht stattfinden, je mehr Individuen durch das _Ueberstehen der
Krankheit_ vor weiteren Infectionen geschützt sind.
In dieser Richtung sind freilich die statistischen Erhebungen noch
nicht ausreichend, um auch den bisherigen Zweiflern an der _Schutzkraft
der einmaligen Erkrankung_ zu beweisen, dass eine solche besteht.
Aber ich habe in der ganzen Litteratur keinen nennenswerthen Autor
gefunden, welcher nicht mindestens zugesteht, dass eine mehrmalige
Infection zu den Ausnahmen gehört; und die wenigen beglaubigten Angaben
darüber sind ausserdem noch einer verschiedenen Deutung fähig; so
werden von _Millet_ aus _Tours_, einem Schüler _Bretonneau_’s, in
dessen Preisarbeit vom Jahre 1863 („Traité de la diphtherie“ [ouvrage
couronné par la société des sciences de Bruxelles] Paris bei F. Savy)
die oft citirten Fälle von mehrmaliger Tracheotomie bei denselben
Individuen als _Recidive_ gedeutet, nicht als _Neuinfectionen_, und
ich möchte glauben, mit vollem Recht, wenn ich meine Erfahrungen in
den Thierexperimenten berücksichtige. Dass Recidive bei der Diphtherie
vorkommen, ebensogut wie bei der Syphilis, ohne dass man deswegen an
der Schutzkraft des einmaligen Ueberstehens der letzteren zweifelt, ist
ganz sicher; nur nehmen dann dieselben noch viel häufiger als bei der
Syphilis _besondere Krankheitsformen_ an. Sie documentiren sich als
Lähmungen und Kachexien; ob aber solche Erkrankungen, die der _primären
Diphtherie_ gleichen, als Recidive aufzufassen sind oder nicht, das
lässt sich hier nicht so leicht feststellen, wie bei der Syphilis, beim
Typhus, bei der Malaria.
Wie lange die Schutzkraft andauert, darüber wissen wir noch weniger
Sicheres. Von grossem Interesse war es mir bei _Millet_ davon zu
lesen, dass man in _Tours_, wo _Bretonneau_’s Wirksamkeit naturgemäss
die Augen für die epidemiologische Beobachtung geschärft hatte, sogar
über das Individualleben hinaus für die Descendenten eine solche
nicht ausschloss. Seite 358 (l. c.) sagt er: „A Tours, on dit que
le croup suit le sang.“ Allerdings wird, wie der Krankheitsschutz,
auch die _vermehrte Krankheitsdisposition_ „im Blute“ liegen; für
die hier angeregte Frage nach den Bedingungen des Zustandekommens
von Diphtherieepidemien werden wir dadurch aber nur noch mehr darin
bestärkt werden, auch _die Heredität_ als einen wirksamen Factor in
Rechnung zu ziehen.
Wir sehen, es sind das die gleichen Probleme, die uns bei anderen
verderblichen Krankheiten des Menschengeschlechts beschäftigen.
Mehr, als je hat aber in neuerer Zeit die medicinische Forschung
bewiesen, wie man aus der Klarlegung des Krankheitswesens _einer_
Krankheit reichen Gewinn ziehen kann auch für das Verständniss vieler
anderer.
Nachdem für die Diphtherie auf’s strengste bewiesen ist, wie
bei ätiologischer Einheit ein fast in’s Ungemessene gehender
_Polymorphismus ihrer Erscheinungsformen_[7] bestehen kann, können wir
mit gutem Muth auch an die Aufgabe herangehen, das vielgestaltige Bild
der Streptococcenkrankheiten einheitlich zu betrachten, und welchen
praktischen Werth eine solche Betrachtungsweise für die Verhütung und
Heilung der Infectionen zur Folge haben kann, das können wir so recht
erkennen, wenn wir die Tragweite berücksichtigen, welche _die auf dem
Boden der ätiologischen Einheit erwachsene Lehre von der Specificität
des krankheitserzeugenden Diphtheriegiftes_ bekommen hat.
Es dürfte in der Geschichte der Medicin noch nicht dagewesen sein,
dass in dem kurzen Zeitraum von wenigen Jahren sich eine so totale
Umwälzung in der Krankheitslehre vollzogen hat, wie wir sie erlebten.
Man lese _Hufeland_’s und _Schönlein_’s oder auch _Virchow_’s
Darstellung solcher Krankheiten, die wir jetzt als tuberculöse,
pneumonische, diphtherische u. s. w. bezeichnen, und vergleiche damit,
was seit _R. Koch_’s Eintreten in die medicinische Forschung daraus
geworden ist. Man vergegenwärtige sich den gegenwärtigen Stand unserer
Kenntniss von der Natur der Krankheitsgifte, seitdem vor vier Jahren
das Diphtheriegift entdeckt ist, und erinnere sich dabei an die vorher
an die Herstellung der sogenannten Ptomaïne geknüpften Hoffnungen. Man
berücksichtige die Thatsache, dass seit der Entdeckung von specifischen
Krankheitsgiften es kaum noch eine Infection giebt, gegen welche
man nicht willkürlich _unter Zuhülfenahme der Abschwächungsmethode
Immunität_ erzeugen kann, wo doch, nach den ersten Mittheilungen
_Pasteur_’s darüber, auf Grund von epidemiologischen Erwägungen
selbst die _Möglichkeit_ der Schutzimpfung gegenüber der Mehrzahl
der menschlichen Infectionskrankheiten in Abrede gestellt wurde. Man
denke daran, dass noch vor wenigen Jahren auf medicinischen Congressen
die versammelten Kliniker Europa’s kategorisch erklärten, dass _die
Entgiftung im lebenden Organismus_ in Ewigkeit ein frommer Wunsch
bleiben werde, und dass _das Auffinden specifischer Heilmittel_ nie und
nimmer in irgend wie beschaffenen Laboratorien erwartet werden könne,
während jetzt selbst die hartnäckigsten medicinischen Pessimisten
zum mindesten eine wohlwollend abwartende Stellung gegenüber der
_Blutserumtherapie_ für angezeigt halten: und man wird zugeben, dass es
der Mühe werth ist, sich in das Studium _einer_ Krankheit zu vertiefen.
Denn in der That, diese Errungenschaften sind nicht das Verdienst der
Encyclopädisten, die sich ein System zurecht machten, in welchem sie
von allgemeinen Krankheitsbegriffen ausgehend die wissenschaftliche
Medicin zu einer Sammlung von schönen Wortdefinitionen machten; sondern
sie sind das Verdienst von Männern, die in einsamer Arbeit vom Kleinen
und Kleinsten anfingen, und die sich nicht beirren liessen durch den
Vorwurf, als ob sie bei ihren bacteriologischen Studien den Blick für’s
Grosse und Ganze verloren hätten. All’ diese Errungenschaften sind
schrittweise erworben worden in der Art, dass an einer kleinen Stelle
zuerst Fuss gefasst und kein Schritt weiter gethan wurde, ehe nicht
fester Boden für das weitere Vorschreiten gewonnen war.
Diese Art des Vorgehens garantirt auch den neuen Lehren Dauer und
Bestand. Wohl ist es verständlich, wenn die in der speculativen und
systematisirenden Methode der medicinischen Wissenschaft alt gewordenen
verdienstvollen Forscher skeptisch bleiben. Wer nicht mitten in der
neuen Arbeit drin steht, kann ja über die Zuverlässigkeit der durch
dieselbe gewonnenen Resultate sich ein eigenes Urtheil nicht bilden.
_Für die selbstthätig experimentell arbeitenden Mediciner ist es aber
kein Zweifel mehr, dass diese Zuverlässigkeit eine ganz andere ist,
in Bezug auf die Diagnose der Infectionskrankheiten sowohl, wie in
Bezug auf ihre Heilung und Verhütung, als wie die, welche man früher
durch die Statistik bekam._ Wir werden die Statistik auch jetzt noch
als ein werthvolles Mittel benutzen, um uns Auskunft zu verschaffen
über die Häufigkeit der Diphtherie und anderer Krankheiten in
verschiedenen Klimaten und Lebensaltern, über ihre Prognose und über
den Werth von Abwehrmaassregeln und Heilmitteln; wir werden uns dabei
aber immer bewusst bleiben der ausserordentlich zahlreichen und meist
unvermeidbaren Fehlerquellen, welche den aus der Statistik gezogenen
_Schlussfolgerungen_ anhaften. Der Boden, auf welchem wir fussen,
wenn wir zum Zweck der Beantwortung wissenschaftlicher Fragen den Weg
der Statistik beschreiten, ist eben ein so schwankender, dass man da
nicht weit kommt. _Ganz anders verhält es sich mit den experimentell
gewonnenen, in jedem Einzelfall ausnahmslos wie ein Naturgesetz
sich wiederholenden Ergebnissen, die zur Kenntniss der Specificität
der Krankheitserreger, der Specificität der Krankheitsgifte, der
Specificität der Immunisirungsmittel und der Specificität der
Heilkörper im Blute immunisirter Thiere geführt haben._ Mit diesen
Dingen wird gerechnet werden müssen, solange es eine medicinische
Forschung giebt.
Mehr noch als die Statistik muss die _Speculation_ mit kritischem
Auge betrachtet werden, wenn sie den Anspruch erhebt, auf unser
medicinisches Handeln Einfluss zu gewinnen. _Die Krankheitstheorien_ in
der Medicin, die humoral-pathologische, die solidare und cellulare und
alle ihre Unterarten und Abarten sind als speculative Constructionen
von der Zeitmeinung und dem Stande unserer Kenntnisse abhängig;
brauchbares Material enthalten sie alle, und jede von ihnen besitzt
einen gewissen heuristischen Werth, den experimentell arbeitende
Mediciner nicht hoch genug schätzen können; die Krankheitstheorien
werden aber verderblich, wenn man sich ihnen nicht als _Kritiker_
gegenüberstellt, sondern als _Dogmatiker_.
Im Uebrigen giebt es über jede wichtigere medicinische Thatsache ebenso
viele Theorien, als selbstständig darüber nachdenkende Mediciner;
und es wäre ein vergebliches Bemühen, wenn ich in dieser Geschichte
der Diphtherie den Spuren für das _Entstehen der individuellen
Auffassungsweise von dem Wesen der Krankheit, ihrer Heilung und ihrer
Verhütung_ ebenso würde nachgehen wollen, wie ich es in Bezug auf
feststehende Thatsachen und wichtige Probleme gethan habe.
[7] Dieser Polymorphismus geht jedoch nicht so weit, wie ein Kliniker
der Jetztzeit annimmt, der sogar eine _Diphtherie mit
Tetanussymptomen_ für möglich hält.
Namen-Register.
A.
Adamkiewicz 87 (Reaction auf die Indolgruppe).
Aetius 19.
Alayma 10 (Egyptisch. Geschwüre).
Albers 13 (Napoleons Crouppreis).
Althoff 191.
Aretaeus 4. 10. 12. 19. 104. 106.
Aronson 153 (Diphtherie-Immunisirung von Hunden).
B.
Bard, Samuel 39. (Hautdiphtherie) 48. (Diphtherische Lähmungen) 54.
Bartels 120 (Quecksilberbehandlung bei Diphtherie).
Behring 150. (-- u. Kitasato) 153. (-- u. Wernicke) 182. 183.
Bergmann, v. 97 (-- u. Schmiedeberg -- „Sepsin“).
Billroth 97 (Putrider Eiter).
Blache 3. 4. 118. 133.
Blin 55 (-- u. Chavanne, Diphtherie im Anschluss an operirte
Urogenitalfisteln).
Boer 123. (Antiseptica) 148. 149. 153 (Diphtherie-Immunisirung).
Bohn 120 (Inunctionscur bei Diphtherie).
Bonac 48 (Demoiselle de).
Bose 117 (Stimmbandlähmung in Folge von Nichtgebrauch).
Bouchard 125 (Zählmethode). 156. 159 (Vaccination). 160. 171. 172.
174 (produits bactériens vaccinantes) 178.
Bouchut 118 (tubage de la glotte).
Bourges 119 („La diphtherie“).
Boussuge 55 (de la diphthéroide).
Brault 9.
Bretonneau 3. 4. 8. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24.
25. 26. 27. 28. 29. 30. 31. 32. 33. 34. 35. 36. 37. 38. 39. 40.
41. 44. 48. 49. 52. 53. 54. 55. 57. 59. 72. 99. 100. 101. 102.
104. 106. 107. 108. 109. 110. 111. 112. 116. 118. 119. 122.
127. 132. 134. 135. 136. 197. 199. 200.
Brieger 84 (-- und Fraenkel). 97. (Ptomaïne) 171. (-- Kitasato u.
Wassermann) 178.
Buchner 94 (Alexine).
Buhl 50 (Diphtherische Affection der peripherischen Nerven).
C.
Carnevale 19. 134.
Caron 111 (Tracheotomie).
Chamberland 155 (-- Pasteur und Roux).
Champagny 58 (Napoleons Crouppreis).
Charcot 50.
Charrin 156. 171 (Pyocyaneus-Immunisirung).
Chassaignac 113. 114. 116 (Tracheotomie).
Chaussier 59 (Arteficielle Erzeugung von Croup).
Chauveau 155 (Immunität, Vererbung derselben).
Chavanne 55 (-- u. Blin).
Chenusson 30. 104 (Diphtherieepidemie).
Chomel 48. 54 (Hautdiphtherie).
Christmas-Dirking-Holmfeld 80. 92 (Jecquiritygift).
Cohn 67. 77.
v. Coler 191.
Corvisart 14.
D.
Deguise 130 (Tracheotomie).
Déjérine 50. 51 (Diphtherische Lähmung).
Dieffenbach 118 (cathéterisme laryngien).
Duclaux 85. 86. 91 (Eiweisskörper). 156 (Brief Pasteur’s an --).
E.
Ehrlich 195 (Vererbung erworbener Immunität).
F.
Fränkel, A., 52 (Pneumoniebacillus).
Fränkel, C., 84. 147. 150. 151. 154. 156. 171. 173.
Ferrichs 120 (Inunctionscur bei Diphtherie).
Friedländer 58 (Napoleon’s Crouppreis).
G.
Gadet de Gassicourt 50 (Diphtherische Herzlähmung).
Galen 12.
Gamaleïa 82. 84. 97 („Les poisons bactériens“).
Gaucher 119 (Methodische Diphtheriebehandlung).
Gerhardt 28 (Maligne Angina). 31 (Scorbutische Gangrän). 32. 34
(Scarlatinöse Angina). 53. 120. 121 (Kritik). 132. 133
(Contagiosiät).
Ghisi 18. 19. 47. 48. 53.
Gombault 50 (Diphtherische Herzlähmung).
Gosselin 130 (Tracheotomie).
Grimaux 87 (Biuret-Reaction).
Günther 129 (Operationslehre).
Guersant 3. 39. 132.
Guimier 49 (Diphtherische Lähmung).
Guinochet 81 (Züchtung von Diphtheriebacillen im menschlichen Urin).
Gyoux 55 (Hautdiphtherie).
H.
Habermann 86 (-- u. Hlasiwetz, Eiweisskörper).
Hallier 66. 67. 71. 77.
Hansemann 51.
Heine 133 (Tod an Diphtherie).
Henoch 34. 35. 40. 47. 49. 51. 52.
Hericourt 159. 160. 161 (u. Richet).
Herpin 14 (Tod an diphtherischer Lähmung).
Hippocrates 12. 138.
Hlasiwetz 86 (-- u. Habermann).
Hochhaus 51 (Diphtherische Muskelentzündung).
Home 18. 19. 21. 111 (Croup).
Hortense 13. 14 (Königin, Gingivitis diphtheritica).
Hufeland 201.
Huguier 130 (Tracheotomie).
Hunter 41 (Immunität gegen Eiterungsprocesse).
Husson 7 (Secretär des Pockenimpfungs-Comité).
I (J).
Jenner 4. 154. 156.
Jobert de Lamballe 55 (Diphtherie bei Urogenitalfisteln).
Josephine 13 (Kaiserin, Tod an Croup).
Isambert 113.
Jurine 13. 111. 112 (Crouppreis).
K.
Kitasato 98. 150. 151. 152. 154. 171. 177.
Klebs 72. 73. 75 (Diphtheriebacillus).
Knorr 165. 170. 175. 176. 178. 184. 193.
Koch, Robert 37. 73. 76. 77. 78. 96. 97. 98. 134. 138. 147. 163. 169.
189. 191. 198. 201.
König 114. 115. 116. 128 (Tracheotomie).
Kolisko 34 (-- u. Paltauff, scarlatinöse Angina).
Kühn 129 (Tracheotomie).
L.
Laënnec 16. 21 (Tuberculose). 22. 58 (Napoleon’s Crouppreis,
Commission).
Lautenschläger 193.
Lewin, G. 120 (Inunctionscur bei Diphtherie). 127 (Literatur über
Diphtherie).
Lichtheim 61 (Diphtherie-Aetiologie).
Löffler 34. 72. 73. 75. 76. 77. 80. 81. 84. 92. 98. 156. 157. 158.
Loiseau 118 (cathéterisme laryngien).
Löw 87 (Biuret-Reactlon).
Loyatete 49 (Diphtherische Lähmung).
Lübbert 153 (Wasserstoffsuperoxydmethode).
M.
Maingault 48. 49 (Monographie über diphtherische Lähmungen).
Maisonneuve 114 („Tracheotom“).
Malgaigne 117. 120 (Kritik des Werthes der Tracheotomie).
Mead 7 (Pockenerkrankung des Fötus ohne Erkrankung der Mutter).
Meinhardt 193.
Meister, Lucius & Brüning 191 (Farbwerke in Höchst a. M.).
Mercatus 19.
Meyer, P. 50 (Parenchymatöse Neuritis nach Diphtherie).
Millet 113. 199. 200 (Traité de la diphthérie).
Millon 86 (Eiweissreaction).
Mohr 18 (Uebersetzung von Home’s Crouparbeit).
Montague 155 (lady; Pockenimpfung).
Moore 15 (Motto zu Bretonneau’s traité de la diphthérite).
Moreau 58 (Commission für Napoleon’s Crouppreis).
Moynier 55 (Schüler Trousseau’s).
N.
Napoleon 13 (Crouppreis).
Naegeli 67. 71. 77.
Nasse 90 (Fällungsreactionen für Eiweisskörper).
Nencki 97 (Ptomaïne).
Nola, Franciskus 16. 17. 18 („Bodentheorie“ betreffend die Entstehung
der Diphtherie).
O.
Oertel 61. 62. 64. 71. 72. 77 (Aetiologie der Diphtherie).
Orillard 49 (Taubheit und Sehstörungen nach Diphtherie).