[4] Diese Rubrik, die ihrer Natur nach die umfangreichste des
ganzen Werkchens darstellen müßte, wurde auf Veranlassung
des Verlegers »als unerheblich« (?!) auf das »unbedingt
Notwendige« beschränkt.
=Gregor Samarow= (Pseudon. für Oskar Meding), geb. am 11. April 1829
in Königsberg i. Pr., kultivierte besonders den sensationell gefärbten
Zeitroman (»Scepter und Kronen«, »Europäische Minen und Gegenminen«,
»Zwei Kaiserkronen« und Dutzend andere).
=Dr. Alfred Friedmann=, geb. am 26. Okt. 1845 in Frankfurt a. M., »ist
seit 27 Jahren auf allen Gebieten erfolgreich thätig, seine Romane
standen in der »Köln. Ztg.«, in »Westermanns Monatsheften«, »Nord und
Süd«, »Berliner Tageblatt« etc., seine Gedichte in 3 Bänden gesammelt,
standen überall. Zahlreiche Feuilletons trugen ihm Briefe bis aus
Ostindien ein, Heyse, Geibel, Bodenstedt, Lingg etc. schrieben über den
Dichter und waren ihm befreundet. F. war Redakteur in Wien, ist es in
Berlin, reiste zu Kongressen und wurde von Reclam in 7 Bänden von je 8
Auflagen ~à~ 5000 Exemplare verlegt«.[5]
[5] Unverkürzt nach den eigenen Angaben des Dichters.
Die dramatischen Hauptmänner der Gegenwart.
=Ernst von Wildenbruch=, geb. in Beirut am 3. Febr. 1845, ist einer
der erfolgreichsten Dramatiker der Gegenwart, seiner Artung nach mehr
den Älteren, denen Schiller noch keine abgethane Größe ist, als den
Modernen zuzuzählen. Wird auch bei ihm die Charakteristik sehr oft
durch die Rhetorik ersetzt, so ist er doch unerreicht in der Schaffung
wirkungsvoller Scenen. Von seinen erfolgreichsten Stücken der ersten
Zeit führen wir an »Die Karolinger«, »Harold«, »Der Mennonit«, »Väter
und Söhne«. Später entnahm W. hauptsächlich den Stoff seiner Dramen,
in denen sich der Hurrahpatriotismus auf Kosten des dichterischen
Gehalts breit macht, der Geschichte der Hohenzollern (»Die Quitzows«,
»Der Generalfeldoberst«, »Der neue Herr«, »Heinrich und Heinrichs
Geschlecht«). Den Einfluß Sudermanns zeigt das realistische Stück »Die
Haubenlerche«. Neben dem Dramatiker W. feierte der Erzähler Triumphe
(»Humoresken«, »Der Astronom«, »Eifernde Liebe«, »Schwester-Seele« u.
a.). W.'s dichterisches Können findet den stärksten Ausdruck in seinen
Kindergeschichten: »Das edle Blut«, »Kinderthränen«.
=Gerhart Hauptmann=, geb. am 15. Nov. 1862 in Salzbrunn, hat sich
in verschiedenen Berufen versucht, bevor er den Dichter in sich
entdeckte. Durch Arno Holz wurde er dem konsequenten Naturalismus
gewonnen; sein erstes Stück: »Vor Sonnenaufgang« steht ganz unter dem
Einflusse ausländischer Vorbilder, vor allem Ibsens. Nicht höher sind
die nächsten Dramen: »Das Friedensfest« und »Einsame Menschen« zu
werten. Erst das sociale Drama »Die Weber«, das ein Bild von der Lage
des deutschen Arbeiters in der letzten Vergangenheit giebt, brachte ihm
den ersehnten Erfolg, der durch die beiden nächsten Stücke »College
Crampton« und »Der Biberpelz«, die hauptsächlich Charakterstudien sind,
in denen sich eine humoristische, stark mit Satire vermischte Ader
offenbart, noch mehr befestigt wurde. Die nun folgende Traumdichtung
»Hannele« zeigt den Dichter im Lager der Symbolisten. Im »Florian
Geyer« sucht er mit vergeblichem Bemühen das historische Drama zu
meistern. Den Mißerfolg des letzteren Stücks, das alles andere, nur
nicht historisch ist, glich H. mit der »Versunkenen Glocke« aus, die
auf allen großen Theatern den Ruhm des Dichters kündete, der durch sein
nächstes Stück »Fuhrmann Henschel« zu einem unbestrittenen wurde. Ein
Mißerfolg war seiner letzten Schöpfung, »einer unbesorgten Laune Kind«:
»Schluck und Jau, Spiel zu Scherz und Schimpf mit 5 Unterbrechungen«,
die er noch bezeichnender Erlösungen hätte benamsen können, beschieden.
Sie beweist aufs neue, welch' großer Dichter Shakespeare war, von
dem sich H. zu dem Stücke »anregen« ließ. H. ist in erster Linie
novellistisches Talent, (vgl. auch »Bahnwärter Thiel«), ein scharfer
Beobachter und ein Meister der Kleinmalerei. Seine dichterische
Entwicklung ist sprungweise vor sich gegangen, er hat sich auf
allen Gebieten versucht, ehe er das Rechte fand, das ihn aus einem
psychologischen Destillateur zum Dichter machte.
=Hermann Sudermann=, geb. am 30. Sept. 1857 in Matziken in Ostpreußen,
ergriff zuerst wie Ibsen -- mit dem er sonst keine Berührungspunkte
hat -- den Apothekerberuf, studierte dann in Königsberg und Berlin
Geschichte und Sprachen und wandte sich später ganz der Litteratur
zu. Ursprünglich als Romanschriftsteller thätig, errang er seinen
ersten glänzenden Erfolg mit dem Schauspiel »Ehre«, das über sämtliche
deutsche und ausländische Bühnen ging. Ein starkes theatralisches
Talent, hat er es immer verstanden, Konzessionen an die große Menge
zu machen. Er kennt sein Publikum und weiß, was er ihm vorzusetzen
hat, daher findet er selten den Mut einer Tendenz. Ein trostloser
Pessimismus geht durch seine Stücke, in denen er das Faule und Morsche
mit besonderer Vorliebe behandelt, ohne jedoch den Weg zu einer
besseren Zukunft auch nur anzudeuten. Über den Mangel an dichterischem
Gehalt täuscht er hinweg durch eine brillante Technik und eine
feine Witterung für die modernsten Probleme. Seine Kunst ist keine
innerliche, sie läßt eine selbständige Weltanschauung vermissen. Das
tritt nicht nur in seinem ersten Stück, sondern auch in seinen späteren
Schöpfungen: »Sodoms Ende«, »Heimat«, »Schmetterlingsschlacht«,
»Morituri«, »Das Glück im Winkel«, »Johannes«, »Die drei Reiherfedern«
zu Tage. Über dem Dramatiker wird häufig der Romancier Sudermann
vergessen, der uns mit einer Reihe spannend geschriebener Romane
und Novellen: »Im Zwielicht«, »Frau Sorge«, »Geschwister«, »Der
Katzensteg«, »Jolandes Hochzeit«, »Es war« beschenkt hat, unter denen
»Frau Sorge« obenan steht.
Die kleineren Dramatiker der Neuzeit.
=Max Halbe=, geb. am 4. Okt. 1865 in Guettland bei Danzig, errang
einen durchschlagenden Erfolg mit dem Stücke: »Jugend«, der ihn für
kurze Zeit in die Reihe der ersten Dramatiker stellte. Es gelang
ihm jedoch nicht, mit seinen späteren Stücken »Der Amerikafahrer«,
»Lebenswende«, »Mutter Erde«, »Das tausendjährige Reich«, von denen
das letztgenannte ein bedeutsamer Ansatz zum modern-historischen
Drama ist, diese Stellung zu behaupten, so sehr sie auch Zeugnis von
seinem ernsten künstlerischen Streben ablegen. H.'s Kunst wurzelt in
seiner heimatlichen westpreußischen Erde und hat ihre stärksten Seiten
in lyrischen Feinheiten. Von starkem dichterischen Gehalt ist seine
Dorfgeschichte »Frau Meseck«.
=Ludwig Fulda=, geb. am 15. Juli 1862 in Frankfurt a/M., erweckte
bei dem Erscheinen der Schauspiele »Das verlorene Paradies« und
»Talisman« große Hoffnungen, die jedoch nicht verwirklicht wurden, da
sich seine Muse immer mehr zu Roderich Benedix hingezogen fühlte. F.
ist ein geistreicher, formgewandter Causeurpoet, seine Stücke hübsch
gedrechselte Salonware, ohne großen Gehalt, aber amüsant und auf
Massenerfolg hin geschrieben (»Die Kameraden«, »Robinsons Eiland«, »Der
Sohn des Kalifen«, »Jugendfreunde«, »Schlaraffenland«). Bemerkenswertes
leistete F., der über große Formgewandtheit und sprachliches Talent
verfügt, auf dem Gebiete des Epigramms und der Spruchdichtung, sowie
als Übersetzer (Molière, Rostand).
=Arthur Schnitzler=, geb. am 15. Mai 1862 in Wien, hatte bedeutende
Bühnenerfolge mit seinen Schauspielen »Anatol«, »Märchen«, »Liebelei«,
»Freiwild«. Er ist der Liebespsychologe der Halbwelt, ein Dichter der
tändelnden, leichten, freien Liebe, der »kleinen süßen Mädels«, wie sie
Wien kennt. Seine Männer sind echte Lebemänner, die skrupellos ihrem
Vergnügen nachgehen und es dort suchen, »wo man lächelnd den ersten Kuß
empfängt und mit sehr sanfter Rührung scheidet«.
=Josef Lauff=, geb. am 16. Nov. 1855 in Köln, begann seine
litterarische Laufbahn mit epischen Gedichten (»Jan van Calker«, »Der
Helfensteiner«, »Die Overstolzin«, »Klaus Störtebecker« u. a.) und
wandte sich dann unter kaiserlicher Protektion dem Drama zu (»Der
Burggraf«, »Der Eisenzahn«). In seinen Epen ist er ein verwässerter
Julius Wolff, in seinen Dramen ein verwässerter Wildenbruch.
=Felix Philippi=, geb. am 5. Aug. 1851 in Berlin, wandte sich fast
ausschließlich der dramatischen Produktion zu (»Daniela«, »Wohlthäter
der Menschheit«, »Wer war's?«, »Das Erbe«, »Der goldene Käfig« u. a.).
Seine letzten Stücke, die meist sensationellen Hofgeschichten oder
politischen Vorkommnissen ihre Entstehung verdanken, wurden beifälliger
vom Publikum als von der Kritik aufgenommen.
=Max Dreyer=, geb. am 25. Sept. 1862 in Rostock, führte sich vor ein
paar Jahren mit dem Drama »Eine« verheißungsvoll in die Litteratur
ein, schuf jedoch bald Stücke (»In Behandlung«, »Großmama«, »Hans«,
»Der Probekandidat«), an denen der klug rechnende Verstand mehr Anteil
hat, als das künstlerische Gewissen. Sie sind weniger Dichtungen als
Rechenexempel, deren Richtigkeit allerdings durch den Erfolg bestätigt
wird.
=Josef Ruederer=, geb. am 15. Okt. 1861 in München, schuf in seinem
Erstlingsromane: »Ein Verrückter. Kampf und Ende eines Lehrers«
prächtige Gestalten und in der »Fahnenweihe« eine lebendige
Sittenkomödie. Seine neuesten Veröffentlichungen: der Novellenband
»Tragödien« und »Wallfahrer-, Maler- und Mördergeschichten« stehen
nicht ganz auf gleicher Höhe.
=Caesar Flaischlen=, geb. am 12. Mai 1864 in Stuttgart, Redakteur
des »Pan«, ist ein sprödes und nicht sehr ergiebiges Dichtertalent,
das stets die »Moderne« auf sich einwirken ließ. Seine Dramen: »Toni
Stürmer« und »Martin Lehnhardt, ein Kampf um Gott« stehen ganz unter
dem Einflusse Strindbergs.
=Otto Erich Hartleben=, geb. am 3. Juni 1864 in Clausthal, ist der
Ironiker unter den Modernen, der bei Maupassant in die Schule gegangen
ist und mit liebenswürdigem Humor seine Geschichten und Schnurren,
die er vorsorglich meist irgend einem Philister in den Mund legt, zu
erzählen weiß (»Die Geschichte vom abgerissenen Knopf«, »Vom gastfreien
Pastor«, »Der römische Maler«). Als Dramatiker ist er Thesendichter
(»Ein Ehrenwort«, »Die Erziehung zur Ehe«, »Ein wahrhaft guter Mensch«
u. a.).
=Philipp Langmann=, geb. am 5. Febr. 1862 in Brünn, errang einen
großen und verdienten Erfolg mit seinem socialen Arbeiterdrama »Bartel
Turaser«, der seiner späteren dramatischen Produktion (»Die vier
Gewinner«, »Gertrud Antleß«) ebenso verdienter Weise versagt blieb.
Seine ganz in impressionistischem Stile geschriebenen »Realistischen
Erzählungen« und »Ein junger Mann von 1895 und andere Novellen« sind
bedeutungslos. Hübsche stimmungsvolle Bilder enthält dagegen sein
neuester Novellenband »Verflogene Rufe«.
=Ernst Rosmer= (~recte~ Frau Elsa Bernstein) schrieb »Wir Drei«,
»Dämmerung«, »Königskinder«, sowie den Novellenband »Madonna«, in denen
sie den Spuren Gerhart Hauptmanns folgt.
=Georg Hirschfeld=, geb. am 17. Febr. 1873 in Berlin, schuf seine
Schauspiele aus dem engen Kreise seiner (jüdischen) Familie heraus. »Zu
Hause«, »Die Mutter« und »Agnes Jordan« errangen daher bei dem Berliner
Premièrenpublikum freundliche Erfolge.
Tendenzfreie Lyriker der jüngsten Zeit.
=Detlev von Liliencron=, geb. am 3. Juni 1844 in Kiel, war Offizier
und wandte sich erst im reifen Mannesalter der Litteratur zu. Seine
litterarische Stellung verdankt er hauptsächlich seinen Gedichten,
in denen er sich als durchwegs subjektiver Dichter zeigt, dessen
Werke den Stempel der Ursprünglichkeit und des Selbsterlebten tragen.
(»Adjutantenritte«, »Gedichte«, »Der Haidegänger«, »Neue Gedichte«,
»Ausgewählte Gedichte«, »Kämpfe und Ziele«.) Die Form seiner Werke ist
nicht immer einwandfrei, weil oft ein burschikoses Sichgehenlassen
hervortritt, aber die Unmittelbarkeit seiner Empfindungsdarstellung
und die Frische seiner Gedanken vermögen wohl für diese Fehler zu
entschädigen. Sein bester Roman ist »Breide Hummelsbüttel«, der in den
Kreisen des holsteinischen Landadels spielt. Viel Lob ernteten auch
seine Novellensammlungen: »Eine Sommerschlacht«, »Kriegsnovellen«,
»Unter flatternden Fahnen« und sein neuester Roman: »Mit dem linken
Ellenbogen.«
=Gustav Falke=, geb. am 11. Januar 1853 in Lübeck, steht hinsichtlich
der Begabung Detlev v. Liliencron am nächsten. Obwohl seine Lyrik
viel Formales enthält, hat er doch die Mittel, die höchsten und
reinsten Wirkungen zu erzielen und den Leser in seine Stimmungen
hineinzuzwingen. Gedichte: »Mynheer der Tod und andere Gedichte«,
»Tanz und Andacht«, »Zwischen zwei Nächten«, »Neue Fahrt«, »Mit dem
Leben«. Seinem stark realistisch gefärbten Hamburger Roman »Landen
und Stranden« ließ er vor kurzem den psychologischen Roman eines
~fin-de-siècle~-Menschen: »Der Mann im Nebel« folgen.
=Carl Busse=, geb. am 12. Nov. 1872 zu Lindenstadt in Posen, lenkte
schon als Schüler die Aufmerksamkeit litterarischer Kreise auf sein
dichterisches Schaffen. In seinen »Gedichten« und »Neuen Gedichten«,
die in der Form von größter Reinheit sind, ist alles Farbe, Glanz und
Stimmung. Seine Romane und Novellen entbehren der Charakteristik,
während seine litteraturgeschichtlichen Untersuchungen feine
Bemerkungen und treffende Urteile aufweisen.
=Ludwig Jacobowski=, geb. am 21. Januar 1868 in Strelno, Herausgeber
der »Gesellschaft«, ist einer der fleißigsten und begabtesten der
jüngeren Dichtergeneration. Seine Gedichte (»Aus bewegten Stunden«,
»Funken«, »Aus Tag und Traum«, »Leuchtende Tage«), zeigen ein
eigenartiges Gepräge, das auch in seinen Romanen »Werther der Jude«,
»Loki« und der Novellensammlung »Und Satan lachte« zu Tage tritt.
=Richard Zoozmann=, geb. am 13. März 1863 in Berlin, mehr Dilettant als
Dichter, gab eine ganze Reihe von Gedichtsammlungen heraus, von denen
hier »Minneborn«, »Lieder, Romanzen und Balladen«, »Neue Dichtungen«,
»Aus Herz und Welt«, »Aus allen Zonen« genannt sein mögen.
=Reinhold Fuchs=, geb. am 8. Juni 1858 in Leipzig, ist gleich
ausgezeichnet als Lyriker wie als Epiker. Die Versnovellen »Strandgut«
und »Herzenskämpfe«, drei Erzählungen in Versen, sind »goldene Früchte
in silbernen Schalen« und brauchten den Vergleich mit Tennyson nicht zu
scheuen.
=Jeannot Emil Freiherr von Grotthuß=, geb. am 5. April 1865 in
Riga, Chefredakteur des »Türmer«, zeigt sich in seinen auch formell
einwandfreien Gedichten »Gottsuchers Wanderlieder«, sowie in der
Erzählung: »Der Segen der Sünde« als ein überzeugungstreuer Christ.
=Ricarda Huch= (~recte~ Frau Ricarda Ceconi), geb. am 16. Juli 1864
zu Porte Alegre, bekundete in ihren im Denken und Fühlen modernen
»Gedichten«, sowie in dem Roman »Erinnerungen von Ludolf Urslen dem
Jüngeren« ein starkes poetisches Talent.
=Alfred Beetschen=, geb. am 8. Okt. 1864 in Aarau, ist ein
feinsinniger, liebenswürdiger Dichter, dem auch Witz und Satire nicht
fremd sind. Seine »Gedichte«, die er 1898 herausgab, spiegeln fast
durchweg Selbsterlebtes und -empfundenes wider. Ein hübsches wenn
auch nicht gerade bedeutendes novellistisches Talent spricht aus den
»Flegeljahren der Liebe«.
=Hans Bethge=, geb. am 9. Januar 1876 in Dessau, der Jüngsten einer
in der Litteratur, debütierte mit dem Skizzenbuche »Syrinx«, dem er
Gedichte: »Die stillen Inseln« folgen ließ, in denen sich eine frische,
fröhliche Jugend ausspricht, die aber dank des Storm'schen Vorbildes
künstlerisch nicht auf Abwege gerät. Er ist ein Moderner und doch
»unmodern«, weil er noch Ideale hat.
=Anna Ritter=, geb. am 23. Febr. 1865 in Coburg, gab 1898 »Gedichte«
heraus, die die leidenschaftliche hingebende Liebe des Weibes in
formvollendeten Versen zum Ausdruck bringen.
=Johanna Ambrosius= (~recte~ Johanna Voigt), geb. am 3. August 1854
in Lengwethen, führte sich als »arme Bäuerin« in die Litteratur ein
und verdankte dieser Darstellung einen großen buchhändlerischen Erfolg
ihrer »Gedichte«.
=Ludwig Palmer= brauchte kaum als »Arbeiter« gleichsam entschuldigend
in die Litteratur eingeführt zu werden. Ein großer Teil seiner »Lieder
eines Arbeiters« sind, bei tiefem Gefühlsgehalt, in der Form tadellos.
=Gustav Renner=, geb. am 17. Oktober 1866 in Freiburg in Schl., war
ursprünglich Buchbinder und ging dann zur Kunstmalerei über. Seine
»Gedichte« erregten Aufsehen und wurden von der Kritik ebenso günstig
aufgenommen, wie die »Neuen Gedichte«, die eher eine Steigerung als
eine Abnahme seines dichterischen Könnens verraten.
Philosophische und polemische Dichter.
=Ferdinand Avenarius=, geb. am 20. Dez. 1856 in Berlin, zeigt sich
in seinen Gedichtsammlungen als objektiver Lyriker, der oft statt
Empfindungen Grundsätze zum Ausdruck bringt. (»Wandern und Werden«,
»Lebe« und das lyrische Epos: »Die Kinder von Wohldorf«.) Als
Herausgeber des »Kunstwart« hat er auf unser litterarisches und
künstlerisches Leben vielfach Einfluß gewonnen.
=Otto Ernst= (Pseudon. für Otto Ernst Schmidt), geb. am 7. Okt. 1862
in Ottensen bei Hamburg, von Beruf Lehrer, ist eine kampfesfrohe,
polemische Natur, die sich gern gegen das Althergebrachte wendet und
auch in der Litteratur oft den Herrn Lehrer spielt. (Gesammelte Essays
aus Litteratur, Pädagogik und öffentlichem Leben unter dem Titel:
»Offenes Visier«, »Buch der Hoffnung«.) Seine besten Werke sind die
Novellensammlung »Aus verborgenen Tiefen«, die »Karthäusergeschichten«
und die humoristischen Skizzen: »Ein frohes Farbenspiel«. Das Ende 1899
erschienene Schauspiel: »Die Jugend von heute« ist trotz stellenweise
treffender Satire ein verfehlter Versuch zu einer »deutschen Komödie«.
=Wilhelm Weigand=, geb. am 13. März 1862 in Gissigheim, gab sich als
geistvoller Essayist in seinen litteraturgeschichtlichen Schriften.
Außer dem Roman: »Die Frankenthaler« und einer Reihe dramatischer
Schriften »Die Renaissance« (Dramencyklus) u. a. gab er »Dramatische
Gedichte«, »Sommer« (Neue Gedichte) u. a. heraus.
=Carl Spitteler= (Pseudon. Felix Tandem), geb. am 24. April 1845 in
Luzern, der bedeutendste lebende Dichter der Schweiz, debütierte mit
der Dichtung »Prometheus und Epimetheus«, der er die Gedichtsammlung
»Schmetterlinge« und »Balladen« folgen ließ. Als geistreicher Causeur
zeigt er sich in den »Lachenden Wahrheiten«.
=Josef Viktor Widmann=, geb. am 20. Febr. 1842 in Nennowitz i. M.,
bekannt als litterarischer Kritiker des »Berner Bund«, begann seine
Laufbahn mit Dramen und Epen, die stark philosophisch angehaucht sind.
Von seinen letzten Werken wurde das Epos »Maikäfer-Komödie«, das sich
durch liebenswürdigen Humor auszeichnet und viele satirische Spitzen
und Anspielungen enthält, beifällig aufgenommen.
=Christian Wagner=, geb. am 5. August 1835 in Warmbrunn, lebt als Bauer
in seinem Geburtsorte. Er ist ein tüchtiger Botaniker und weiß in
seinen prosaisch-poetischen Naturbetrachtungen die charakteristischen
Eigentümlichkeiten der Blumen zu kleinen Märchen auszugestalten.
(»Märchenerzähler, Bramine und Seher« [in 2. Aufl. unter dem Titel:
»Sonntagsgänge«], »Balladen und Blumenlieder«, »Weihegeschenke«, »Neue
Dichtungen«.) Seine buddhistisch-brahmanistische Weltanschauung legte
er in seinem letzten Werke »Mein Glaube« nieder.
=Wilhelm Bölsche=, geb. am 2. Jan. 1861 in Köln, hat sich durch seine
auf naturwissenschaftlicher Grundlage aufgebauten Schriften über
die moderne Dichtung und Wissenschaft einen Namen gemacht. Als sein
reifstes und bestes Werk gilt der Roman: »Die Mittagsgöttin«.
=Walther Siegfried=, geb. am 20. März 1858 in Zofingen (Schweiz),
errang mit seinem Künstlerroman »Tino Moralt«, der sich durch feine
Seelenmalerei auszeichnet, einen vollen Erfolg. Auf nicht ganz gleicher
Stufe stehen seine späteren Werke: »Fermont« und »Um der Heimat willen«.
=Benno Rüttenauer=, geb. am 2. Febr. 1855 in Oberwittstadt, machte
sich durch gediegene litterarische Essays bekannt. Die alte gute
Kunstüberlieferung suchte er, im Gegensatz zur modernen Schule, in
seinen Romanen und Novellen (»Unmoderne Geschichten«, »Zwei Rassen«)
wieder zur Geltung zu bringen.
Die Amazonen des Geistes.
=Marie Eugenie delle Grazie=, geb. am 14. Aug. 1864 in
Unter-Weißkirchen, veröffentlichte Gedichte und Epen, von denen das
moderne großangelegte Epos »Robespierre« das bekannteste ist.
=Helene Böhlau= (Mädchenname der Frau al Raschid Bey), geb. am 22.
Nov. 1859 in Weimar als Tochter des dortigen Hofbuchhändlers Herm. B.,
gelangte früh durch diese ›Verbindung‹ in die »Deutsche Rundschau« und
zur Anerkennung. Als ihre besten Werke sind die »Ratsmädel-Geschichten«
und »Der Rangierbahnhof« anzusehen. Ihr neuester Roman »Halbtier«,
der viel Staub aufwirbelte, gehört der hysterischen weiblichen
Anklagelitteratur an.
=Anna Croissant-Rust=, geb. am 10. Dez. 1860 in Dürkheim a/H., ist die
Naturalistin ~par excellence~ in der deutschen Litteratur. (»Feierabend
und andere Münchner Geschichten«, »Lebensstücke«, »Der standhafte
Zinnsoldat«, »Der Kakadu und die Prinzessin auf der Erbse«.)
=Maria Janitschek=, geb. am 23. Juli 1860 in Mödling, ist ein starkes,
dichterisches Talent, das eine besondere Vorliebe für absonderliche und
krankhafte ~fin-de-siècle~-Menschen bekundet. Mit Laura Marholm steht
sie an der Spitze der weiblichen Emanzipationsgegner und giebt ihren
Gedanken über das moderne Weib rückhaltlosen Eindruck. (»Gesammelte
Gedichte«, »Raoul und Irene«, »Aus der Schmiede des Lebens«, »Vom
Weibe«, »Ins Leben verirrt«.)
=Emil Marriot= (Pseudon. für Emilie Mataja), geb. am 20. Nov.
1855 in Wien, gehört der realistischen Schule an. In ihren stark
katholisch gefärbten Werken »Geistlicher Tod«, »Die Unzufriedenen«,
»Caritas«, »Der Heiratsmarkt« u. a. kämpft sie mit Vorliebe für die
Frauenemancipation.
=Hermione von Preuschen=, geb. am 7. August 1857 in Darmstadt, die
Gattin Konrad Telmanns, versuchte sich als Dichterin und Malerin,
ohne jedoch trotz aller Sensationsbestrebungen und Effekthascherei zu
reüssieren (»Regina Vitae«, »Tollkraut«, »Via Passionis« u. a.).
=Lou Andreas-Salomé=, ist eine der gehaltvollsten und tiefsinnigsten
Erzählerinnen, auf deren künstlerischen Werdegang die Nietzsche'sche
Philosophie großen Einfluß gewann. Ihre Stärke liegt vor allem in
der Zergliederung des Menschencharakters, der Analyse der geheimsten
Seelenregungen. (»Ruth«, »Aus fremder Seele«, »Fenitschka«.)
=Gabriele Reuter=, geb. am 8. Februar 1859 in Alexandrien, errang
einen vollen Erfolg mit ihrem viel von dem eigenen Denken und Fühlen
verratenden Roman: »Aus guter Familie«, der die Leidensgeschichte eines
jungen Mädchens enthält, das an der Erziehungslüge zu Grunde geht. 1896
folgte ein Novellenband: »Der Lebenskünstler«. Anfang 1900 ein neuer
Roman: »Frau Bürgelin und ihre Söhne«.
=Anselm Heine= (Pseudon. für Selma Heine), geb. am 18. Juni 1855
in Bonn, gewann mit ihren Novellensammlungen: »Drei Novellen« und
»Unterwegs« die Gunst des Publikums und der Kritik.
=Hans von Kahlenberg= (Pseudon. für Helene von Monbart), geb. am 23.
Febr. 1870 in Heiligenstadt, zeichnete sich in ihren Werken »Ein
Narr«, »Die Jungen«, »Die Familie von Barchewitz« und dem Briefwechsel
»Nixchen« durch eine Erotik aus, die die Wahl eines Pseudonyms zur
unbedingten Notwendigkeit machte.
=Elsa Asenijeff= (Pseudon. für Elsa Nestoroff), eine aus slavischer
Abstammung geborene Wienerin, greift in ihren mit philosophischen
Anschauungen durchtränkten Schriften, die an Offenheit nichts zu
wünschen übrig lassen, vorzugsweise das »Ewig-Männliche« an. (»Ist das
die Liebe?«, »Aufruhr der Weiber«, »Sehnsucht.«)
»Artisten«, Symbolisten und Unverstandene.
=Johannes Schlaf=, geb. am 21. Juni 1862 in Querfurt, ging vom
Naturalismus aus (»Papa Hamlet«, »Familie Selicke« [in Gemeinschaft
mit Arno Holz], »Meister Olze«) und wandte sich dann dem Symbolismus
zu (»Frühling«, »Sommertod«, »Gertrud«). Von seiner Romantrilogie,
die den Entwicklungsprozeß eines »Neumenschen« hamletschen Gepräges
zeigen soll, ist bisher nur der 1. Band unter dem Titel: »Das dritte
Reich«, ein Berliner Roman, erschienen. Sch.'s Produktion nach seiner
Emancipation von Arno Holz zeigt, daß er dichterisch der bedeutendere
der beiden war, wenn ihm auch das Kraftvoll-Männliche abgeht und ein
weicher, verträumter Zug über seinen Werken liegt.
=Otto Julius Bierbaum=, geb. am 28. Juni 1865 in Grünberg, redigierte
eine Zeitlang die »Freie Bühne«, die er in die »Neue Deutsche
Rundschau« umtaufte, gab den »Modernen Musenalmanach« heraus, gründete
mit dem Halbpariser Julius Meier-Gräfe den »Pan« und ist gegenwärtig
Mitherausgeber der »Insel«. B. warf sich zum Herold der Symbolisten
auf, mit denen er eine Versicherungsgesellschaft auf gegenseitige
Hochachtung und Anerkennung gründete, schrieb »Erlebte Gedichte«,
»Studentenbeichten«, »Nemt Frouwe disen Kranz«, »Pankrazius Graunzer«,
»Stilpe«, »Das schöne Mädchen von Pao« u. a., und giebt mit Vorliebe
seinen Bierulk für Humor aus. Der Originalität wegen sieht er sich
gern im Mittelalter, wenn nötig auch im Auslande, nach Gewändern
um, seine Figuren damit zu behängen und ihnen auf diese Weise ein
»charakteristisches Gepräge« zu geben, das ihnen sonst abgehen würde.
=Franz Evers=, geb. am 10. Juli 1871 in Winsen, erweckte mit seinen
ersten Gedichtsammlungen »Symphonie« und »Fundamente« Hoffnungen,
verlor sich jedoch später ganz in die Irrgänge der Mystik (»Hohe
Lieder«, »Maria«, »Paradiese«), aus denen er bisher noch keinen Ausweg
gefunden hat.
=Stanislaw Przybyszewski=, geb. am 7. Mai 1868 in Lojewo (Prov. Posen)
sucht in seinen Schriften den Beweis von der Verwandtschaft des Genies
mit dem Irrsinn zu erbringen, oder ist wenigstens bestrebt, beide so
mit einander zu verquicken, daß es dem Leser schwer fällt, in dem
einen das andere und in dem anderen das eine herauszufinden. Seine
dämonisch-verrückt-genialen Dichtungen peinigen den Leser geradezu mit
der Darstellung all' der wirklichen und eingebildeten Schmerzen einer
zerfaserten ~fin-de-siècle~-Seele. Für Gleichgesinnte, die erfahren
wollen, wie schwer sich der moderne Mensch das Leben machen kann und
wie sehr er leidet, wie nicht minder für Irrenärzte, sind die P.'schen
Werke (»~Homo sapiens~«, »~De profundis~«, »Satans Kinder«, »In diesem
Erdenthal der Thränen«) eine pathologische Goldgrube.
=Richard Dehmel=, geb. den 18. November 1863 zu Wendisch-Hermsdorf,
ist einer der vielumstrittensten und einflußreichsten Litteraten der
Gegenwart, der, selbst ein Grübler, es verstanden hat, unklare Köpfe
durch seine lyrischen Stammeleien noch unklarer zu machen. Neben den
barocksten und verworrensten Gedichten gelingt ihm hin und wieder ein
sehr gutes. Wir besitzen von ihm die Gedichtsammlungen »Erlösungen«,
»Aber die Liebe«, »Lebensblätter«, »Weib und Welt«, ein Drama: »Der
Mitmensch« und das Tanzspiel: »Luzifer.«
=Frank Wedekind=, geb. am 24. Juli 1864 in Hannover, hat sich mit
Vorliebe auf dem Gebiete des Dramas oder richtiger des Schwankes
bewegt. Er ist der Litteratur-Clown ~par excellence~, dessen tolle
Sprünge und Capriolen leider nicht für den Mangel an jeder Handlung in
seinen »Dramen«, die Groteskes und Tragisches in kunterbunter Mischung
enthalten, entschädigen können. (»Die junge Welt«, »Der Erdgeist«,
»Der Liebestrank« u. a.). Um seine litterarische Art und Stellung
noch präziser zu kennzeichnen, sei daran erinnert, daß er einer der
Hauptmitarbeiter des »Simplizissimus« war.
=Wilhelm von Scholz=, geb. am 15. Juli 1874 in Berlin, ist Verfasser
von Gedichten (»Frühlingsfahrt«, »Hohenklingen«), die eine Neigung zu
altdeutsch-romantischer Mystik bekunden, wie auch zweier Dramen oder
richtiger lyrischer Gedichte in dramatischer Form (»Der Gast«, »Der
Besiegte«), denen dieselben Merkmale anhaften.
=Felix Dörmann= (Pseudon. für Felix Biedermann), geb. am 29. Mai
1870 in Wien, liebte frühzeitig »die hektischen schlanken Narzissen,
alles was krank und faul und wund«. Dieser Geschmacksrichtung
entsprechen seine Gedichtsammlungen »Neurotica«, »Sensationen« und
die Sittenkomödie »Ledige Leute«, in denen er sich als krampfhafter
Dekadent erweist.
=Hugo von Hofmannsthal=, geb. am 1. Febr. 1874 in Wien, schrieb
formschöne, feincisilierte, wenn auch dem Leben abgewandte Dichtungen.
Seine Begabung ist hauptsächlich formalistischer und stilistischer
Natur und seine Dramen (»Der Thor und der Tod«, »Der Abenteurer«, »Die
Hochzeit der Sobeïde«), deren Stoffe zumeist der Märchenwelt entnommen
sind, erinnern in vielem an D'Annunzio's letzte Werke. Als eine
Bereicherung unserer Bühne sind sie nicht anzusehen.
=Hugo Salus=, geb. am 3. Aug. 1866 in Böhm.-Leipa, machte sich zuerst
durch Gedichte im »Simplizissimus« und der »Jugend« bekannt, in denen
schwere Gedanken mit übermütiger Schelmerei, ~fin-de-siècle~-tum mit
altdeutscher Romantik in buntem Reigen vorüberziehen. (»Gedichte«,
»Neue Gedichte«, »Ehefrühling«.)
=Peter Altenberg=, geb. am 9. März 1862 in Wien, machte mit einer
Sammlung von Stimmungsbildern: »Wie ich es sehe« in Litteratenkreisen
Aufsehen. Sie ist ebenso wie »Aschantee« ganz im impressionistischen
Stile geschrieben, der sehr bequemerweise nur Andeutungen giebt und es
dem Leser überläßt, sie weiter auszuführen.
=Stephan George=, geb. 1868 in Bingen a. Rhein, schrieb »Hymnen,
Pilgerfahrten, Algabal«, »Die Bücher der Hirten und Preisgedichte,
der Sagen und Sänge und der hängenden Gärten«, denen sich 1898 »Das
Jahr der Seele«, 1899 »Der Teppich des Lebens und die Lieder von Traum
und Tod« anschlossen. Seine Dichtungen -- ihrem »Wert« entsprechend
meist auf das feinste Büttenpapier gedruckt -- sind oft nicht weniger
verworren als die Titel, unter denen er sie herausgab.
=Alfred Mombert= kann denjenigen jüngstdeutschen Lyrikern zugezählt
werden, deren überreizte, krankhafte Phantasie sich jeden Stoffes,
jeder Empfindung bemächtigt, um ihnen dichterischen Ausdruck zu geben.
Sein Gedichtband: »Die Schöpfung« läßt nicht klar erkennen, ob es sich
um einen langatmigen Scherz oder um Phantasien eines geistig Gestörten
handelt.
=Paul Scheerbart=, geb. am 8. Jan. 1863 in Danzig, früher »Bureauchef
im Verlag deutscher Phantasten«, ist einer der seltsamsten Käuze in der
neuzeitlichen Litteratur, der neben phantastischen Einfällen eine gute
Dosis Blödsinn in seinen Schriften ablagert (»Tarub, Bagdads berühmte
Köchin«, »Der Tod der Barmekiden« u. a.).
Nationale Jungösterreicher.
=Arthur von Wallpach=, geb. am 6. März 1866 in Vintl (Tirol),
Schriftleiter des »Scherer«, veröffentlichte »Im Sommersturm« und
»Sonnenlieder«, ernste formvollendete Dichtungen, die von nationalem
Bewußtsein beseelt sind.
=Franz Herold=, geb. am 15. Febr. 1854 in Böhmisch-Leipa, gab heraus
»Wachsen und Werden«, »Spuren«, »Fremde und Vaterland«, meistens
Gedankendichtungen, denen er eine ansprechende Form zu geben versteht.
=Hermann Hango=, geb. am 16. Mai 1861 in Wien, verfaßte: »Zum Licht«,
»Neue Gedichte«, »Faust und Prometheus«, »Nausikaa« (Trauerspiel), die
sich durch schöne Form und Gedanken auszeichnen.
=Josef Kitir=, geb. am 11. Febr. 1867 in Aspang in Niederösterreich,
Herausgeber der »Poetischen Flugblätter«, hat die Gabe, Ereignisse des
alltäglichen Lebens mit großer dichterischer Stimmung zu schildern. K.
veröffentlichte »Leben und Stimmung«, »Lyrische Radierungen«.
=Oskar Weilhart= (Pseudon. für Oskar Gerzer), geb. am 26. September
1868 in Mattighafen, schrieb mit seinem Bruder Josef Hafner eine Reihe
von Dramen: (»Keine Sühne«, »Der Frauenkongreß«, »Brotlose Kunst«),
die trotz mancher dramatischer Unbeholfenheiten das Ringen ehrlichen
Könnens mit großen Stoffen beweisen.
=Franz Adamus=, geb. am 15. Okt. 1867 in Auschwitz, wurde durch sein
in den schlesischen Bergwerksdistrikten spielendes Drama: »Familie
Wawroch« bekannt, in welchem er mit gutem Gelingen den gesunden
Realismus aus den Anfängen der modernen Litteraturentwickelung wieder
auf die Bühne bringt.
=Emil Ertl=, geb. am 11. März 1860 in Wien, hat sich durch seine
Novellen »Opfer der Zeit«, »Miß Grant«, »Die Perlenschnur« u. a. als
feinsinniger Erzähler einen guten Namen errungen.
=Heinrich von Schullern=, geb. am 17. April 1865 in Innsbruck, wurde
durch seine Skizzen (»Helldunkel«) bekannt, in denen man Stil, Grazie
und Esprit, oft auch nicht immer gut verteilte satirische Spitzen
findet. In seinem stellenweise stark polemisierenden Roman »Im Vormärz
der Liebe« schildert er die Geschichte einer zur Lebenserkenntnis
gelangenden Jugend.
=Hanns Weber-Lutkow= (Pseudon. für ~Dr.~ Hanns Pokorny), geb. am 27.
September 1861 in Lemberg, veröffentlichte zahlreiche Skizzen und
kritische Arbeiten und entrollte in seinen »Schlummernden Seelen«
ergreifende Bilder aus dem Fühlen und Leben des niederen Volkes in
Kleinrußland.
=Hugo Greinz=, geb. am 3. Juni 1873 in Innsbruck, Herausgeber des
»Kyffhäuser«, gilt als kritischer Vorkämpfer für die Idee einer von
der Großstadt unabhängigen österreichischen Provinzlitteratur. Seine
Novellen »Küsse« stehen unter Jacobsen'schem Einflusse. Mit Heinrich
von Schullern gab er 1898 den modernen Musenalmanach »Jung-Tirol«
heraus.
Zur Charakteristik litterarischer und verwandter Blätter.
An der Spitze unserer Revuen und litterarischen Zeitschriften
marschiert noch immer die von Julius Rodenberg gegründete und geleitete
»Deutsche Rundschau«, der in Inhalt und Ausstattung die »~Revue des
deux Mondes~« als Vorbild gedient hat. Erreichte sie auch nicht die
Verbreitung und den Einfluß ihrer französischen Schwester, so hat sie
doch alle Eigenschaften, die sie als ein vornehmes Organ im besten
Sinne charakterisieren, das die Lobsprüche, welche ihm anläßlich des
25jährigen Bestehens, im November 1899, gewidmet wurden, durchaus
verdient. In gewissem Abstande folgen »Nord und Süd«, herausgegeben
von Paul Lindau, und die »Deutsche Revue«, von denen sich die letztere
in neuester Zeit besonders durch ihre zahlreichen und umfangreichen
Bismarckpublikationen hervorgethan hat.
Mehr dem Gebiet und dem Geiste der »Gartenlaube«, des »Daheims« u.
s. w. nähern sich »Westermann's Monatshefte«, eine sehr konservativ
gehaltene Zeitschrift, und »Velhagen und Klasings Monatshefte«, die dem
litterarischen Schaffen unserer Tage, besonders dem der Tagesgrößen,
aufmerksame Beachtung schenken und das Publikum gern einen Blick in
die litterarischen Werkstätten thun lassen. Nicht für das große
Publikum berechnet ist die »Neue Deutsche Rundschau«, die aus der
»Freien Bühne« hervorging, eine der »freiesten« Monatsschriften,
in der sich oft die wagehalsigsten Geschichtchen im Stile der
Allermodernsten finden. Sie hat den Erfolg Hauptmanns und seine
litterarische Stellung mit begründen helfen und uns mit einer Reihe
Ausländer, namentlich nordischer Schriftsteller, bekannt gemacht, die
ohne dieses Organ schwerlich in Deutschland zu Gehör gekommen wäre. Die
»Neue Deutsche Rundschau« hat in den 90er Jahren im Litteraturleben
fast dieselbe Stellung eingenommen, wie im vorausgegangenen Jahrzehnt
»Die Gesellschaft«. Als die Sturm- und Drangperiode der 80er Jahre
inauguriert wurde, scharten sich die neuen Streiter, alles was in
Litteratur machte und revoltierte, aber keinen Verleger finden konnte,
um das Banner der »Gesellschaft«, an deren Spitze M. G. Conrad und Karl
Bleibtreu standen. Wie die Mitarbeiter der »Neuen Deutschen Rundschau«
in S. Fischer, Berlin, so fanden die Jüngsten der »Gesellschaft« in
Wilhelm Friedrich, Leipzig, ihren Verleger. Als die Bewegung, deren
Bedeutung man nicht unterschätzen darf, wenngleich ihre Haupthelden
viel gethan haben, sich um allen Kredit zu bringen, in ein ruhigeres
Fahrwasser glitt, als man das Geschrei von der Wolle sonderte, da sank
auch die »Gesellschaft« von Stufe zu Stufe, trieb sich, ohne festen Fuß
fassen zu können, bei allen Verlegern umher und ist jetzt endlich im
Verlage von E. Pierson, Dresden, vor Anker gegangen. Sie büßt nun ihre
litterarische Vergangenheit, und es wird der energischen, zielbewußten
Leitung des jetzigen Redakteurs, Dr. Ludwig Jacobowskis, bedürfen, sie
in litterarischen Kreisen wieder »gesellschafts«fähig zu machen.
Mehr auf politischem als litterarischem Gebiete liegt die Bedeutung
der »Grenzboten« und der »Preußischen Jahrbücher«. Ihre Glanzperioden
gehören der Vergangenheit an, und namentlich die erstere, die früher
auch in Österreich eine Rolle spielte, ist jetzt nur der Schatten von
ehedem, als noch Gustav Freytag auf dem Redaktionssessel saß. Als
gut geleitete, angesehene Zeitschriften sind noch die Zolling'sche
»Gegenwart« und die »Nation«, das Organ des freisinnigen Abgeordneten
Dr. Barth, zu nennen. Den gleichen Rang, nur mit stärkerer Betonung
des politischen Teiles, nehmen in Österreich »Die Zeit« und die
von Dr. Rudolf Lothar geleitete »Wage« ein. Zu ihnen hat sich
seit April 1899 »Der Kyffhäuser«, eine von Hugo Greinz geleitete
Monatsschrift, gesellt, die ihre Hilfe und Unterstützung den bedrohten
nationalgesinnten Deutschen leiht. Von geringer Bedeutung und wohl
nur in Litteratenkreisen begehrt, ist die »Wiener Rundschau«,
eine von Constantin Christomanos und Felix Rappaport geleitete
Halbmonatsschrift, die einen starken Zug nach Mystik und Symbolismus ~à
la~ Strindberg und Maeterlinck bekundet.
Eine Ausnahmestellung nimmt der »Simplizissimus« ein, der ebenso wie
die Münchener »Jugend« nur bedingungsweise in diese Übersicht gehört.
Die »Jugend« hat sich nicht so ungebärdig gezeigt, wie das Langensche
Blatt, obwohl sie schon durch ihren Titel ein größeres Recht auf
Ungebundenheit herleiten könnte. Manch hübsche Zeichnung und manch
guter Beitrag ist in ihren Spalten erschienen, und der frische,
fröhliche Zug, der durch das Ganze geht, haben ihr, trotz manches
Minderguten, das man schon der »Jugend« zu gute halten mußte, viele
Freunde und Anhänger geschaffen. Anders der »Simplizissimus«, der
seiner Zeit mit dem Anspruche auftrat, ein deutsches Familienblatt
zu sein, in seinen Spalten die politischen und socialen Verhältnisse
in humoristischer und satirischer Form widerzuspiegeln und lachend
die Wahrheit zu sagen. Selten ist zwischen einem Programm und seiner
Ausführung ein so großes Mißverhältnis eingetreten, wie dies beim
»Simplizissimus« der Fall ist, selten ist das Wort Humor so falsch
verstanden und interpretiert worden, wie bei dieser Zeitschrift. Die
Mitarbeiter, die sich um die Fahne des neuen Blattes sammelten, sind
fast sämtlich bei den Franzosen in die Schule gegangen und haben dort
alles, was deutsch an ihnen war, weit hinter sich gelassen. »Die
deutsche Sprak ist eine zu arme Sprak, eine plumpe Sprak« und das
deutsche Wesen ein zu schwerfälliges, zu gründliches, als daß man es
für ein Blatt hätte brauchen können, das in erster Linie auf starke
Effekte berechnet war. Eine »Gartenlaube« oder ein »Daheim« hätte die
Zeitschrift nicht zu werden brauchen, aber noch weniger das, was sie
geworden ist: ein in deutscher Sprache geschriebenes französisches
Skandal-Boulevardblatt. Was dem Blatte vor allem fehlt, ist der
sittliche Ernst, den man auch aus Witz und Humor herausfühlen muß und
der uns sagt, daß die Absicht des Zeichners wie des Dichters, trotz
der stark aufgetragenen Farben, eine gute war, daß sie nicht _nur_ auf
Skandal und Effekthascherei ausgegangen ist. Daß dieses Gefühl in uns
nicht aufkommt, dafür sorgen die fast in jeder Nummer enthaltenen
echt französischen Cochonnerien, die, man mag mit noch so viel gutem
Willen versuchen, in sie etwas hineinzulegen, nichts anderes bleiben
als »Caviar« für Lebemänner im Sinne des Herrn Grimm in Budapest[6]. --
Vom »Simplizissimus« zur »Zukunft« ist trotz der großen Verschiedenheit
der inneren und äußeren Gestaltung beider Blätter kein allzuweiter
Schritt: sie begegnen sich in der destruktiven Tendenz, die gegen
alles Bestehende gerichtet ist und ihre Freude nur am Negieren und
Verreißen hat. Wo der »Simplizissimus« grob und derb zugreift, da
finden wir die »Zukunft« und ihren Herausgeber in stiller Minierarbeit
thätig. Harden ist zweifellos ein begabter und tüchtiger Journalist
mit einem Stich ins Exotische und einer feinen Witterung für das
Aktuelle. Er geht selten gerade aufs Ziel los, aber er versteht es,
in Gleichnissen, Bildern und Allegorien sein Ziel sicher zu treffen.
Dabei besitzt er eine erstaunliche Bekanntschaft mit Büchern, die außer
ihm kein Mensch kennt, oder vielleicht richtiger, die Gabe, seine
gesamten Kenntnisse in jedem einzelnen Artikel in kursfähige, kleine
Münze umzusetzen. Er ist ein Mann nach dem Herzen des Staatsanwalts,
der schon wiederholt verlangend die Arme nach ihm ausgestreckt hat,
ein Mann, dem der Erfolg und der Effekt über alles gehen, der sich in
Gegensatz zur herrschenden Partei schon aus Freude an der Opposition
überhaupt stellen würde. Maximilian Harden ist aber noch mehr. Er ist
vor allem der Geschäftsmann ~par excellence~, der sein Publikum kennt
und weiß, was er ihm vorzusetzen hat. Er vertritt das monarchische
Prinzip, aber er mag den Kaiser nicht, er ist für Verfassung, aber
sie paßt ihm nicht, er ist ein glühender Verehrer Bismarck's, aber er
wäre es kaum, wenn Bismarck noch amtiert hätte, als seine Zeitschrift
zu erscheinen begann. Auf diese Weise sammelte er die Partei jener
um sich, die, wenngleich gute Monarchisten, mit den bestehenden
Verhältnissen unzufrieden sind, jene vor allem, die es als nicht in
den Kreis der Herrscherpflichten fallend erachten, wenn ein Kaiser
nicht nur ein guter Regent, sondern auch ein guter Redner sein will. --
Völlig bedeutungslos ist die von ~Dr.~ Wrede herausgegebene »Kritik«
geblieben, die ursprünglich als Konkurrenz der »Zukunft« gegründet
wurde. Trotz aller polemischen Versuche Wredes, die oft komisch genug
ausfielen, hat sich die »Kritik« nie mit dieser ganz aus Persönlichem
heraus geschaffenen Zeitschrift auch nur entfernt messen können. Harden
ist auch als Journalist Schriftsteller und ein geistreicher Kopf,
während sich Wrede von den Brosamen nährt, die von des Reichen Tische
fallen.
[6] In den gegen Ende 1899 gegründeten Zeitschriften
»Münchhausen« (inzwischen wieder eingegangen) und »Satyr«,
von denen die letztere auch schon wiederholt konfisziert
wurde, hat der »Simplizissimus« bereits würdige Nachfolger
gefunden.
Zu unseren bestgeleiteten Zeitschriften gehört der von Jeannot Emil
Freiherrn von Grotthuß herausgegebene »Türmer«, der den Untertitel:
Monatsschrift für Gemüt und Geist führt. »Der Türmer« will die
Sehenden zu Schauenden machen, »umsaust von Schlagworten, von Parteien
und Schulen umhergezerrt, will er den stillen Winkel bieten, wo ein
jeder nach dem harten Tagewerk in Feierabendstimmung die Flut der
Erscheinungen des socialen und künstlerischen Lebens erörtern und
verarbeiten kann«. Diesem Programm hat der »Türmer« mit Erfolg gerecht
zu werden versucht. Er ist kein Organ für Freidenker, wie sich das
bei dem Herausgeber und dem lyrisch-religiös angehauchten Verlage von
Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, von selbst versteht, und es ist nur zu
wünschen, daß er nicht im Laufe der Zeit in eine kirchlich-reaktionäre
Strömung gerät, die ihn aus dem jetzigen Interessentenkreis hinaus
in die enge Stube des Pfarrhauses trägt. -- Einen vornehmen Anstrich
hat sich auch die von Karl Emil Franzos herausgegebene »Deutsche
Dichtung« bewahrt, ohne daß man ihr jedoch einen besonderen Einfluß
auf unser Geistesleben zugestehen könnte. -- Zu erwähnen wären hier
noch zwei politisch-litterarische Zeitschriften, die vor Jahresfrist
gleichzeitig unter dem vielverheißenden Titel: »Das neue Jahrhundert«,
die eine in Köln, die andere in Berlin, erschienen, sowie die von
August Scherl herausgegebene »Woche«, auf die die Tendenzen des
»Berliner Lokalanzeigers« -- eine gesinnungstüchtige Parteilosigkeit --
litterarisch-künstlerisch gefärbt, übertragen wurden. Die Auflage der
»Woche« ist infolgedessen binnen kurzem auf über 400000 gestiegen.
Sieht man von einigen kleineren Blättern ab, von denen man nicht
weiß, ob sie bei Ausgabe dieses Werkchens noch existieren werden,
so bleiben von jenen Zeitschriften, die man in den Katalogen als
»Revuen für Kunst, Wissenschaft und öffentliches Leben« aufgeführt
findet, die große Kunstzeitschrift »Pan«, einsam in stolzer Höhe
thronend, für das Kunstverständnis und den Geldbeutel aller jener zu
hoch, für die sie ins Leben gerufen wurde, und die im Oktober 1899
gegründete Zeitschrift »Die Insel« übrig. »Pan« hat die Erwartungen,
die sich an sein Erscheinen knüpften, in keiner Weise erfüllt, er ist
-- ohne jede feste, zielbewußte Redaktion -- so unverständlich und
geheimnisvoll geblieben, wie sein Ahn, der große »Pan«, und wohl nur
der Opferwilligkeit einiger Bankiers und sonstiger wohlsituierter
Leute, die ihr künstlerisches Interesse durch Hergabe einiger
Goldfüchse zu bethätigen suchen, ist es zu danken, daß er -- wenn
auch fast unter Ausschluß der Öffentlichkeit -- noch erscheint. --
»Die Insel«, herausgegeben von Otto Julius Bierbaum, A. W. Heymel
und R. A. Schröder, von der jetzt 4 Hefte vorliegen, scheint sich
nach Ausstattung, Inhalt und Preis -- Jahresabonnement 36 Mk. -- mehr
an die Liebhaber und Sammler, als an die wirklichen Litteratur- und
Kunstfreunde zu wenden. Die litterarischen Beiträge sind ohne jede
Bedeutung, einzelne direkt albern, der »Bilderschmuck« primitiv wie der
einer Kinderfibel und die Druckschrift so verschnörkelt und entartet,
daß nur Leute, die über viel Zeit verfügen, als Leser in Frage kommen
können. Alles in allem: schade um das schöne Papier.
Zwei Zeitschriften nicht rein litterarischer Art, aber für Kunstfreunde
von besonderem Interesse sind die »Zeitschrift für Bücherfreunde« und
»Bühne und Welt«. Die erstere hat sich die Aufgabe gestellt, alles in
ihren Kreis zu ziehen, was für Bibliophilen besonderes Interesse hat.
Ist auch diese Gemeinde in Deutschland gegenüber ihrer Verbreitung
in anderen Ländern, besonders in Frankreich und England, noch eine
bescheidene, so scheint es dieser Zeitschrift doch gelungen zu sein,
festen Fuß zu fassen. Noch jüngeren Datums ist »Bühne der Welt«,
die anfangs tastend und schwankend ihren Weg suchend, nach kaum
Jahresfrist sich zu einer unserer vornehmsten Revuen aufgeschwungen
hat, in deren Spalten sich das Kunstleben unserer Tage getreulich
widerspiegelt. Sie kann sowohl denen zur Lektüre empfohlen werden,
die unsere Bühnenkünstler »bei der Arbeit« und zu Hause sehen wollen,
als auch dem Kreis derer, die sich für die dramatische Produktion der
Gegenwart interessieren.
Übergehend zu den rein litterarischen Zeitschriften wären
vorerst noch der »Kunstwart«, der den Untertitel »Rundschau über
Dichtung, Theater, Musik und bildende Künste« führt, die »Deutsche
Zeitschrift« (Fortsetzung des »Kynast«), Monatschrift für Politik
und Volkswirtschaft, Kultur und Kunst, und die »Heimat« (Neue Folge
des »Boten für die deutsche Litteratur«) zu nennen. Der »Kunstwart«
hat vor Jahresfrist eine vollständige Umgestaltung erfahren, die
nicht nur eine Änderung des äußeren Gewandes, sondern vor allem eine
bedeutende Vermehrung des Textes unter gleichzeitiger Beigabe von
Kunst- und Musikbeilagen herbeiführte. Sein Herausgeber Ferdinand
Avenarius besitzt in künstlerischen Dingen ein feinsinniges Urteil,
das er auch bei der Wahl seiner Mitarbeiter, zu denen Adolf Bartels,
Oscar Bie, Schultze-Naumburg u. a. zählen, bekundet. So ist der
»Kunstwart« eine unserer gediegensten künstlerischen Zeitschriften,
trotz aller Vielseitigkeit von Einseitigkeit im Urteil nicht
freizusprechen, aber ehrlich und vornehm geleitet. -- Die von Ernst
Wachler herausgegebene »Deutsche Zeitschrift« bezweckt vorzugsweise die
Pflege und Förderung unserer National- und Kulturinteressen im Geiste
der Politik des Fürsten Bismarck. Gleich der »Heimat«, deren Gründung
Ende 1899 erfolgte, sucht sie Kunst und Dichtung von der Ausländerei
freizumachen und nationalen Zielen zuzuführen.
Von den rein litterarischen Blättern stand das »Magazin für die in-
und ausländische Litteratur« jahrelang an der Spitze, und es verdiente
diese Stellung noch anfangs der achtziger Jahre, als Wilhelm Friedrich,
Leipzig, noch Verleger des Blattes war, das seinen Ursprung bis auf
das Jahr von Goethes Tode zurückführt. Seinem alten Programm, eine
Übersicht über die Litteratur aller Länder und Völker zu geben, ist
es ganz untreu geworden, eine redaktionelle Leitung, trotzdem oder
weil? drei Herausgeber (Rudolph Steiner, Otto Erich Hartleben und
Moritz Zitter) vorhanden sind, ist kaum noch wahrzunehmen; das »Magazin
für Litteratur«, wie es sich jetzt nennt, bringt Artikel aus allen
möglichen Gebieten kunterbunt durcheinander ohne jede Bezugnahme zu
seinem Titel. Seit Wilhelm Friedrich, Leipzig, den Verlag des Blattes
nicht mehr führt, ist es fast immer »unterwegs« auf der Suche nach
einem Verleger gewesen. Hin und wieder ist ein neues, wenn auch
schwächliches Reis dem alten Stamme aufgepfropft worden, ohne daß die
Lebenssäfte des Blattes durch diese Okulation gewonnen hätten; auch
die Beigabe der »Dramaturgischen Blätter« konnte dem steten Sinken des
»Magazins« keinen Einhalt thun. Ob jetzt das Blatt im Verlage von S.
Cronbach, Berlin, eine Heimstätte gefunden oder ob auch dieser nur eine
Durchgangsstation bedeutet, vermögen wir nicht zu entscheiden.
An die Stelle des »Magazins«, was Einfluß und Bedeutung anlangt,
sind die »Internationalen Litteraturberichte« (Herausgeber Emil
Thomas) getreten, die auch der Abonnentenzahl nach die anderen
Litteraturblätter weit hinter sich lassen. Sie haben sich die Aufgabe
gestellt, alles in ihren Kreis zu ziehen, was an litterarischen
Bestrebungen im In- und Auslande in Erscheinung tritt und es in
Artikeln, Übersichten, Einzelbesprechungen etc. festzuhalten.
Eine Konkurrenz ist ihnen durch das im Verlage von F. Fontane &
Co., Berlin, erscheinende »Litterarische Echo« erstanden, das gut
geleitet ist und eine Fülle von Notizen bringt, unter denen die
Übersichtlichkeit etwas leidet. Ob und inwieweit sich für die
Dauer die ständige Berücksichtigung kleinerer Litteratur- und
Sprachgebiete, wie des Polnischen, Czechischen u. s. w., für die in
Deutschland nur ein ganz bescheidener Interessentenkreis vorhanden
ist, empfiehlt, wird der Herausgeber, z. Z. ~Dr.~ Ettlinger, bald
herausfinden. -- Eine besondere Erwähnung, wenngleich infolge ihres
unregelmäßigen Erscheinens kaum noch als Zeitschrift aufzufassen,
verdienen die »Jahresberichte für deutsche Litteraturgeschichte«,
die in übersichtlich geordneten und zusammenhängenden Abschnitten
zeigen wollen, welche Bücher, Aufsätze, Artikel und Kritiken auf dem
Gebiete der jüngsten Geisteswissenschaft erscheinen, und was sie
Neues und Wertvolles enthalten. -- Fast ganz auf wissenschaftliche
Kreise und Bibliotheken beschränkt war das 1850 von dem hervorragenden
Leipziger Germanisten Prof. Friedr. Zarncke gegründete »Litterarische
Centralblatt«, das lange darauf verzichtend, eine _Übersicht_ der
deutschen Litteratur zu geben, fast ausschließlich Rezensionen
einzelner Werke brachte und es dem Einzelnen überließ, aus diesen
Bruchstücken sich das Gesamtbild der Litteratur zusammenzusetzen. Erst
seit Januar 1900 erscheint eine Beilage zum »Centralblatt«, die vor
allem größere zusammenfassende kritische Übersichten der verschiedenen
Gattungen dichterischer Werke und orientierende Aufsätze allgemeinen
Inhalts enthält.
Dem »Litterarischen Centralblatt« verwandt sind »Euphorion«, die
»Deutsche Litteraturzeitung«, das »Allgemeine Litteraturblatt« (das
früher unter dem Titel »Österreichisches Litteraturblatt« erschien),
die »Zeitschrift für vergleichende Litteraturgeschichte« und die
vor kurzem von ~Dr.~ Erich Bischoff gegründete »Zeitschrift für
wissenschaftliche Kritik und Antikritik«. Sie sind alle auf einen
kleinen Kreis beschränkt und ein wirklicher Einfluß auf unser
Litteraturleben ist ihnen kaum zuzusprechen. Die »Blätter für
litterarische Unterhaltung«, eine sehr alte und angesehene Zeitschrift,
ist seit Januar 1899 aus den Reihen der Litteraturzeitungen
verschwunden; selbst der Klang der Weltfirma F. A. Brockhaus, Leipzig,
war nicht stark genug, um sie am Einschlafen zu behindern. -- An
der Spitze der katholischen Litteratur stehen der »Litterarische
Handweiser« und die »Deutsche Rundschau für das katholische
Deutschland«, beide -- sehr oft zum Schaden einer objektiven Kritik, --
bemüht, litterarische Interessen mit religiösen Fragen zu verquicken.
Von der Aufzählung der Winkel- und Cliquenblättchen, die ein kärgliches
Dasein fristen, um -- nachdem Drucker und Verleger um einige
Erfahrungen reicher und ein paar Hundertmarkscheine ärmer -- wieder
in den Orkus zu versinken, wollen wir Abstand nehmen: der Litteratur
nützen sie so wenig wie ihren Herausgebern, die da hofften, durch sie
eine litterarische Position oder pekuniäre Vorteile zu erlangen.
Der deutsche Verlagsbuchhandel und sein Anteil an der Litteratur der
Gegenwart.
Die Cotta, Goeschen, Brockhaus und wie die bedeutenden Buchhändler alle
heißen, sind tot, und an Stelle der großen, von weitausschauenden,
scharf ausgeprägten Persönlichkeiten getragenen Verlagsgeschäfte, die
bestimmenden Einfluß auf die Litteratur ausübten, sind zwar nicht
minder große, aber desto unpersönlichere Aktiengesellschaften getreten,
die zum weitaus größten Teil den litterarischen Markt beherrschen. Für
diese Geschäfte handelt es sich nicht so sehr um die Förderung des
Schrifttums durch den Verlag guter Litteratur, sondern in erster Linie
um die Erzielung hoher Dividenden, zu deren Erhalt weniger Wert auf
die litterarische Bedeutung eines Buches, als auf seine Gangbarkeit
zu legen ist. Gerade das Fehlen jedes persönlichen Moments und das
ausschließliche Werten eines Werkes nach seiner Absatzfähigkeit,
für die ein Anhalt in dem Namen des Autors, hin und wieder auch in
dem behandelten Stoffe oder einer momentan herrschenden Strömung
liegt, läßt fast alle großen Verlagsfirmen aus einem großen Aufsatz
scheiden, der von der Anteilnahme des Verlagsbuchhandels an unserem
modernen Schrifttum sprechen soll. Nichtsdestoweniger stehen diese
Firmen in erster Reihe, nicht zuletzt durch die großen mit einem
enormen Kapitalaufwand gegründeten Familienblätter, durch die sie
auf die Geschmacksrichtung und das Urteil des großen Publikums den
bedeutendsten Einfluß ausüben. »Über Land und Meer«, »Buch für Alle«,
»Zur guten Stunde«, »Moderne Kunst«, »Daheim«, »Gartenlaube«, »Vom
Fels zum Meer«, »Für alle Welt« u. s. w. sind Unternehmungen, die das
Lesebedürfnis von Hunderttausenden befriedigen, neben den Tagesblättern
den größten Teil der litterarischen Produktion an sich reißen und den
Wünschen ihres Publikums entsprechend beeinflussen und zustutzen.
Der Buchverlag ist für den Schriftsteller wie für den Verleger in
den meisten Fällen nicht mehr lohnend genug und der vom Ertrage
seiner Feder lebende Autor gezwungen, Konzessionen zu machen, sein
künstlerisches Gewissen auszuschalten und das zu produzieren, was der
Moloch, das große Publikum, am liebsten verschlingt: leicht verdauliche
Unterhaltungsware. Gerade in der letzten Zeit sind aus den Kreisen der
Schriftsteller Stimmen laut geworden, die auf den verderblichen Einfluß
hinwiesen, dem ihre eigene Produktion unterworfen ist, seit man sie in
die Zwangsjacke der Familienlitteratur gesteckt hat. Das Publikum hat
an diesen Zuständen sicher mehr Schuld als die Verleger und Redaktionen
der Zeitschriften, die nicht mit dem gebildeten Geschmack einer kleinen
Gemeinde, sondern mit dem rechnen müssen, was Hunderttausenden gefällt.
Um keine Abonnenten zu verlieren und sie der Konkurrenz in die Arme zu
treiben, müssen sie, deren Unternehmungen auf Massenabsatz angewiesen
sind, geben, was das große Publikum verlangt, müssen -- im Gegensatz
zu der Aufgabe eines wahren Familienblattes -- verzichten, bildend
und veredelnd auf den Geschmack des Volkes zu wirken. Was immer auf
dem Gebiete der Litteratur bezw. der Ästhetik seit der politischen
Wiedergeburt Deutschlands geleistet wurde: das große Publikum ist
davon unberührt geblieben; ja es betrachtet noch heute die Litteratur
nicht anders als eine angenehme Spielerei für müßige Stunden. Nur die
eine Forderung: die nach mehr Wirklichkeitssinn, nach einer stärkeren
Betonung des Lebens und seine Erscheinungen in der Litteratur hat --
vielleicht mehr unbewußt, mehr vom Leben und seinen Forderungen selbst
beeinflußt -- auch im Publikum Anerkennung gefunden. In Bezug auf
künstlerisches Verständnis sind keinerlei Fortschritte zu verzeichnen
und die Existenzbedingungen des Buchhandels, in dem sich immer mehr
eine rein kaufmännische Auffassung des Berufes geltend macht, sind
nicht derart, um sich den Luxus gestatten zu können, in künstlerischer
Hinsicht erzieherisch auf das Publikum zu wirken.
Der deutsche Buchhandel früherer Zeiten hat für Litteratur und
Wissenschaft viel gethan und manches Werk, das weder die Unterstützung
einer Regierung, noch einer Akademie oder eines Instituts gefunden
hat, verdankt ihm allein sein Erscheinen. Nicht aus Liebe zum Geld,
sondern aus Liebe zur Litteratur und Wissenschaft wurden Werke
publiziert, für die kein Kaufmann, kein Geschäftsmann eine Hand gerührt
hätte. So schrieb noch 1839 ein Gelehrter: »Der deutsche Buchhandel
hat von jeher bewiesen, daß er seine eigentümliche Stellung in den
nachbarlichen Grenzen der Intelligenz und Industrie zu würdigen
wisse. Man prüfe die neuesten Kataloge und entscheide dann, ob jener
ehrenhafte Grundsatz: einen Teil des Gewinnes, den die Muse dem
häuslichen Altar beschieden, der Muse selber zu opfern, nicht bis
auf unsere Zeit herab sich fortgesetzt habe.« Der Anteil, den der
Verlagsbuchhandel an dem Wachstum unserer Litteratur, insonderheit an
der deutschen Wissenschaft hat, ist sicher ein nicht geringer, aber
er ist in den letzten Jahren, seitdem das Großkapital seinen Einzug
im Buchhandel gehalten hat, bedeutend zurückgegangen. Die Aktionäre
unserer großen Verlagsanstalten legen auf hohe Dividenden bei weitem
mehr Gewicht als auf den Ruhmestitel Förderer der Litteratur und Kunst
zu sein. Wirft man heute einen Blick in Kataloge, so wird man bei
näherem Zusehen finden, daß das litterarische Interesse dem merkantilen
gewichen ist, daß alljährlich Tausende von Schriften erscheinen,
die nicht in der Absicht, eine Bereicherung unserer Litteratur,
sondern eine solche des verlegerischen Geldbeutels herbeizuführen,
publiziert wurden. War früher das jüdische Element hauptsächlich
im Antiquariats- und Ramschbuchhandel thätig, so hat es sich in
neuerer Zeit in hervorragender Weise des Verlagsbuchhhandels als
Spekulationsobjekt bemächtigt, und neben angesehenen Firmen, die sich
in jüdischen Händen befinden, ist eine ganze Reihe jüdischer Verleger
aufgetaucht, die das Buch als Ware ausschließlich als Ware ansieht und
demgemäß behandelt. Daß die Litteratur der Neuzeit so wenig Förderung
seitens des Buchhandels findet, hat nicht sowohl seinen Grund in der
materialistischen Anschauung, die in dem Buche nur ein Handelsobjekt
sieht, aus dem so viel als möglich Kapital zu schlagen ist, sondern
zum guten Teil auch in dem Mangel an Urteil, der viele Verleger von
heutzutage nur nach dem greifen läßt, was sich durch einen klangvollen
Namen oder eine hübsche Etikette auszeichnet. Andere wieder sind so
im Banne der Moderne, daß sie sich für jedes Werk begeistern, das
modern um jeden Preis, selbst um den des guten Geschmacks, erscheinen
will, mag es künstlerisch auch noch so unbedeutend sein. An dieser
Verständnislosigkeit in künstlerischen Fragen ist nicht zuletzt die
Stellung schuld, auf die im Laufe der Zeit die Litteraturblätter und
die Revuen mit litterarischem Anstrich herabgedrückt worden sind.
* * * * *
Union, Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, und Bong & Co.,
Berlin, werden, was die Höhe des Umsatzes anbetrifft, an die Spitze
des Verlagsbuchhandels gestellt werden müssen, obwohl der Schwerpunkt
dieser Geschäfte weniger im Buch- als im Zeitschriften-Verlag zu
suchen ist. Der Hauptaktionär der Union, in der der große Spemann'sche
Verlag mit den Kürschner'schen Unternehmungen aufging, ist Geheimrat
Kröner, der Inhaber, bezw. Mitinhaber von A. G. Liebeskind, der
J. G. Cottaschen Buchhandlung, Ernst Keil's Nachf., Leipzig u.
a. Fast ebenbürtig steht der Union das ehemalige Hallberger'sche
Geschäft, jetzt Deutsche Verlagsanstalt, gegenüber, das im
verflossenen Jahre sein 50jähriges Jubiläum feiern konnte. Der aus
diesem Anlaß herausgegebene Katalog umfaßt ca. 250 Seiten und giebt
ein anschauliches Bild von dem Wachstum und der Bedeutung dieses
Geschäfts, das sich allerdings in den letzten Jahren -- namentlich
seit Gründung der Zeitschrift »Aus fremden Zungen« -- vorzugsweise der
Übersetzungslitteratur zugewandt hat, so daß es wenig Autoren von Klang
und Namen, gleichviel ob Engländer, Franzosen, Italiener, Spanier,
Russen oder Schweden, giebt, die nicht mit einem oder mehreren Werken
in der Deutschen Verlagsanstalt vertreten sind. Als bedeutendster
Konkurrent des Zeitschriftenverlags der Union und Deutschen
Verlagsanstalt, bezw. der Zeitschriften: »Vom Fels zum Meer«, »Buch für
Alle« und »Über Land und Meer« trat Ende der 80er Jahre Richard Bong
auf, ein Mann, der sich aus kleinen Verhältnissen emporarbeitend, »der
Leiter höchste Staffel rasch erstieg« und in den Zeitschriften »Moderne
Kunst«, »Zur guten Stunde« und »Für Alle Welt« Unternehmungen schuf,
in denen er besonderes Gewicht auf den Farbendruck legte, mit dem er
erfolgreich gegen den Holzschnitt der Stuttgarter Blätter zu Felde zog.
Ob und inwieweit geschäftliche Manipulationen, insbesondere die höhere
Rabattierung seiner Zeitschriften zu diesem Erfolge beitrugen, dürfte
an dieser Stelle wenig interessieren. Der Buchverlag der Firma -- meist
Romane, die in ihren Zeitschriften zum Abdruck gelangten -- ist ohne
besonderes charakteristisches Gepräge.
Das alte Verlagsgeschäft von F. A. Brockhaus, Leipzig, hat sich in den
letzten Jahren neben der Pflege des Konversationslexikons, das jetzt
in 14. bezw. 15. Auflage vorliegt, fast ausschließlich auf das Gebiet
der Reisebeschreibungen geworfen. Den Reisen Stanleys und Wißmanns in
Afrika folgten Nansens »In Nacht und Eis«, Landors »Auf verbotenen
Wegen in Tibet« und neuerdings die Reisen Sven Hedins in Asien, alles
Werke, die eine ungeahnte Verbreitung erlangten. Vom Buchverlag fast
ganz zurückgezogen hat sich die Firma Breitkopf & Härtel, Leipzig,
die den Schwerpunkt ihres Geschäftes auf den Musikverlag legte.
Dagegen entwickelt das Bibliographische Institut, Leipzig, eine fast
unheimliche Rührigkeit. Seine Spezialität liegt in den Sammelwerken,
an deren Spitze Meyers Konversationslexikon steht; ihm schließen
sich umfangreiche Publikationen an, wie die Klassiker-Ausgaben,
Meyers Volksbücher, Sprachführer, Reisebücher, Allgemeine Naturkunde,
Allgemeine Länderkunde, Sammlung illustrierter Litteraturgeschichten,
Bilder-Atlanten zur Geographie und Naturgeschichte u. s. w., meist
Unternehmen, die der Initiative der Geschäftsinhaber entsprungen sind.
Die erwähnten Meyer'schen Volksbücher, die erst neuerdings wieder von
sich reden machen, haben nicht entfernt die Bedeutung der Reclam'schen
Universalbibliothek erlangt, von der jetzt mehr als 4000 Bändchen
vorliegen: sie bilden den Grundstock des Verlags von Philipp Reclam
jr., Leipzig, der mit ihnen in die Reihe der ersten Verleger trat.
Überraschend kam den Meisten der vor einigen Jahren erfolgte Ankauf
der Familienzeitschrift »Universum«, durch Reclam, die er seither
zu einer Blüte geführt hat, die sie im früheren Hauschild'schen
Verlage nicht erreichen konnte. Den 20 Pfennig-Heften Reclams und
den 10 Pfennig-Volksbüchern Meyers stellte Otto Hendel, Halle, seine
Bibliothek der Weltlitteratur ~à~ Heft 25 Pfennig gegenüber, die,
obwohl in größerem Format und besserer Ausstattung, dem Unternehmen
Reclams doch kaum wesentlichen Abbruch machen konnte.
Weder Otto Hendel, Halle, noch Hermann Hillgers Verlag, Berlin, den ich
hier nur nenne, da auch er oder richtiger Professor Kürschner, nach
dem Muster der Reclam-Bändchen einen »Bücherschatz« herausgegeben hat,
der wenigstens numerisch schon zu großer Entwickelung gelangt ist,
gehören an diese Stelle, die vielmehr den großen wissenschaftlichen
oder belletristischen Verlagsanstalten zukommt. Von den letzteren sind
hier zu nennen: J. G. Cotta'sche Buchhandlung, Nachf., Stuttgart, die
Verlegerin der »Gedanken und Erinnerungen des Fürsten Bismarck«, die
Sudermann, Fulda, Wilbrandt u. a. zu ihren Autoren zählt und auch
wissenschaftliche, besonders historische Werke auf den Markt bringt.
Der Hauch der Klassizität, der den alten Verlag noch aus der Goethe-
und Schillerzeit umwehte, hat sich allerdings sehr verflüchtigt: er
befaßt sich nur noch mit Werken, die »gehen«. Ein ähnliches Urteil
läßt sich über den ehemaligen Stuttgarter G. J. Goeschen'schen Verlag
fällen, mit dem die Dichterfürsten gleichfalls in Verbindung standen
und der in den letzten Jahren, besonders seit seiner Übersiedelung nach
Leipzig, sich mehr »praktischen« Verlagsbestrebungen (Sammlung Goeschen
u. s. w.) zugewandt hat. -- Auf praktischem Gebiet bewegt sich jetzt
auch, abgesehen von dem Verlage der »Illustrierten Zeitung« und der
Pflege des Holzschnitts, J. J. Weber, Leipzig (Katechismen u. s. w.).
Von großen wissenschaftlichen Verlagshäusern, die sich besonderen
Spezialitäten zugewandt haben, verdienen genannt zu werden: B. G.
Teubner, Leipzig (Pädagogik, altklassische Sprachwissenschaft),
Weidmann'sche Buchhandlung, Berlin (Klassische Philologie,
Pädagogik, Litteraturgeschichte, Rechtswissenschaft), Paul
Parey, Berlin (Landwirtschaft, Gartenbau), Mittler & Sohn,
Berlin (Militärwissenschaften), Wilhelm Engelmann, Leipzig
(Naturwissenschaften), Friedrich Vieweg & Sohn, Braunschweig
(Physik, Chemie, Mathematik), Hirschwald'sche Buchhandlung, Berlin
(Medizin), J. C. B. Mohr, Tübingen (Protestantische Theologie,
Rechtswissenschaft, Geschichte, Philosophie), Duncker & Humblot,
Leipzig (Socialwissenschaft, Geschichte, Rechtswissenschaft,
Naturwissenschaft), Gustav Fischer, Jena (Medizin, Socialwissenschaft,
Rechtswissenschaft), Julius Springer, Berlin (Pharmazeutik, Forst-
und Jagdwissenschaft, Rechtswissenschaft, Geschichte), F. C. W. Vogel,
Leipzig (Medizin), Karl J. Trübner, Straßburg i. Els. und O. R.
Reisland, Leipzig (Germanische und romanische Philologie), Emil Felber,
Berlin und Eduard Avenarius, Leipzig (Litteraturgeschichte), Gothaische
Verlagsanstalt vorm. F. A. Perthes, Gotha (Geschichte, Protestant.
Theologie), R. Oldenbourg, München (Geschichte, Rechtswissenschaft,
Pädagogik), sowie die großen rechtswissenschaftlichen Verlagsanstalten:
Carl Heymann, J. Guttentag, G. m. b. H., Frz. Vahlen, Berlin, Ferd.
Enke, Stuttgart und Veit & Co., Leipzig. Die Langenscheidt'sche
Buchhandlung (Professor G. Langenscheidt), Berlin, die mit ihren
für das Selbststudium des Englischen und Französischen berechneten
Unterrichtsbriefen einen ungeheuren Erfolg hatte, darf, da sich diese,
sowie die ausgezeichneten Lexika, auf wissenschaftlicher Grundlage
aufbauen, Anspruch erheben, hier mitgenannt zu werden. Daß sie in den
letzten Jahren Werke größeren Umfanges nicht mehr publizierte, mag
seinen Grund in den Vorbereitungen haben, die sich zur Herausgabe der
italienischen und spanischen Selbstunterrichtsbriefe notwendig machen.
Halb wissenschaftlicher, halb belletristischer Natur, aber immer ernst
und vornehm, ist der Verlag von S. Hirzel, Leipzig, dessen Belletristen
Wissenschaftler und dessen Wissenschaftler Belletristen sind. Auf der
Grenzscheide steht auch der Verlag von Alfred Schall, Berlin (vorm.
Schall & Grund), der neben einer Reihe populärwissenschaftlicher
Werke über Länder- und Völkerkunde, Heere und Flotten einen großen
belletristischen Verlag pflegt. Bekannt ist besonders das Verlagshaus
durch den »Verein der Bücherfreunde« geworden, der in seiner Blütezeit
einen »Mitglieder«bestand von 12000 zählte.
Von großen belletristischen Verlagshäusern ist in erster Linie Gebr.
Paetel (Verlag der »Deutschen Rundschau«), Berlin, zu nennen, deren
Verlagsfirma eine ausreichende Gewähr für die Güte der von ihr
verlegten Bücher giebt. In dem 280 Seiten umfassenden Verlagskatalog,
der über die Thätigkeit der Firma in den Jahren 1837--1895, die
sich neben der Belletristik auch auf die Gebiete der Geschichte,
Kulturgeschichte, Völkerkunde, Litteratur- und Militärwissenschaft
erstreckt, berichtet, findet sich eine Fülle wertvoller Bücher,
zumeist von Mitarbeitern der »Deutschen Rundschau«, die es von jeher
verstanden hat, tüchtige Kräfte heranzuziehen. Eine ähnliche Stellung
nimmt der Verlag von Bonz & Co., Stuttgart, und Fr. Wilhelm Grunow,
Leipzig, ein, obwohl der letztere durch den Verlag der »Grenzboten«
und der »Buschschen Tagebücher« sich die Sympathien vieler Kreise
verscherzt hat. Nur Verleger zweier Autoren, die aber ein paar hundert
aufwiegen, ist L. Staackmann, Leipzig, dem Rosegger und Spielhagen
ihre Werke übergeben. -- Ein besonderes Gepräge trägt, sowohl die Art
der Verlagsartikel, als auch ihre Ausstattung anlangend, der Verlag
von A. G. Liebeskind, hinter dem eine markante und eigenartige,
vielleicht auch eigenwillige Persönlichkeit stand, die dem Ganzen
ihre Physiognomie lieh. Ob sie der Verlag nach dem Tode L.'s noch
beibehalten wird -- er ist inzwischen nach Stuttgart übergesiedelt
und in Händen des Geheimrat Kröner -- bleibt abzuwarten. Das große
Verlagshaus Velhagen & Klasing, Bielefeld, das sich durch den Verlag
des stark religiös angehauchten »Daheim« einen Weltruf erwarb,
hat sich neuerdings dem Gebiet der Geschichte und Kunstgeschichte
(Monographien zur Kunstgeschichte. -- Monographien zur Weltgeschichte)
noch intensiver zugewandt. Es findet seinen Partner in dem katholischen
Verlag der Firma J. P. Bachem, Köln a. Rh. (»Kölnische Volkszeitung«),
deren Katalog eine große Anzahl Werke katholischer Tendenz aufweist.
Ausschließlich Werke katholischer Richtung wissenschaftlicher und
belletristischer Natur verlegen auch Ferd. Schöningh, Paderborn,
der den Dichter der »Dreizehnlinden« zu seinen Autoren zählt, und
die B. Herder'sche Verlagsbuchhandlung, Freiburg i. Br., eins der
bedeutendsten Verlagsgeschäfte, das auch im Auslande sich große
Absatzquellen erschlossen hat.
Hauptsächlich belletristischen Verlag, aber ohne besondere Eigenart
pflegen Otto Jancke, Berlin (Verlag der »Romanzeitung«), Schles.
Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Breslau (Verlag von »Nord und Süd«,
»Unterwegs und daheim«), Carl Reißner, Dresden, Paul List, Leipzig,
Heinrich Minden, Dresden, Hermann Costenoble, Jena, J. Bensheimer,
Mannheim, Albert Ahn, Köln a. Rh., und E. Pierson, Dresden, von denen
die beiden letztgenannten auch vielfach als bloße Kommissionsverleger
auftreten. -- Mehr dem Gebiet der Buchfabrikation nähert sich der
Verlag von Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, durch seine für das große
Publikum berechneten Anthologien, deren Ausstattung von der »Moderne«
noch unberührt geblieben ist. Erst durch den Verlag des »Türmers« ist
die Firma in die Reihe der für die Litteratur in Betracht kommenden
Verleger getreten, obwohl die genannte Zeitschrift nichts weniger als
»modern« im landläufigen Sinne des Wortes ist. -- Fast ausschließlich
auf Übersetzungen beschränkt sich der Stuttgarter Verlag von J.
Engelhorn, dessen Romanbibliothek ihrer Wohlfeilheit wegen einen
ungeheuren Absatz zu verzeichnen hat. Die Zahl deutscher Autoren, die
sich an diesem Unternehmen beteiligt, ist eine äußerst bescheidene, und
wird wohl nur dann vermehrt, wenn der Romanbibliothek frisches Blut und
erhöhtes Interesse zugeführt werden soll.
Mehr litterarisches Gepräge tragen der Verlag der Besserschen
Buchhandlung, Berlin, Verlegerin Paul Heyse's, und Fr. Bahn,
Schwerin. Als ein äußerst rühriger Verleger, der sich namentlich um
die Einführung amerikanischer Litteratur in Deutschland besondere
Verdienste erworben hat (Sternbanner-Serie), aber auch auf den Verlag
guter deutscher Romane nicht verzichtet, gilt Robert Lutz, Stuttgart.
Zu den Verlegern modernen Schlages übergehend, ist neben Freund &
Jeckel, Berlin, und Fontane & Co., Berlin, die ebensogut noch zur
vorhergehenden Gruppe gerechnet werden können, an erster Stelle S.
Fischer, Berlin, zu nennen. Auch er ist wie Pierson, Dresden, und
Ahn, Köln, bis zu einem gewissen Grade Kommissionsverleger, selbst
seinen ersten Autoren, wie Hauptmann, gegenüber. Der bierfidele Otto
Erich Hartleben, der Halbpariser Hermann Bahr, der jugendliche Georg
Hirschfeld, die Berliner Felix Hollaender und Hans Land haben ihre
Werke bei S. Fischer verlegt, der die Hauptmann-Gemeinde und alles,
was nach »Moderne« aussieht, durch seine »Neue Deutsche Rundschau«,
die ehemalige »Freie Bühne«, um sich zu scharen wußte. Fast noch
ungeberdiger als dieser Verlag geben sich Schuster & Löffler, Berlin.
Manch gutes Buch findet sich in dem Verlagskatalog der erst seit 4
Jahre bestehenden Firma, aber es fehlt auch der direkte Schund nicht,
oder wenn das besser klingt, jene Litteratur, die nach dem Grundsatze
~l'art pour l'art~ geschrieben, kein vernünftiger Mensch, vor allem
nicht das sogenannte Publikum liest, die sich aber in Litteratenkreisen
großer Beliebtheit erfreut. Schuster & Löffler haben vielfach neue
Bahnen eingeschlagen, aber es waren nicht immer die rechten. Ein Buch
kann modern, sehr modern sein und braucht doch nichts zu taugen! Dieser
Unterschied ist ihnen leider nicht immer zum Bewußtsein gekommen.
Ähnlichen Tendenzen wie Schuster & Löffler huldigt auch Vita, Deutsches
Verlagshaus, Berlin, wenngleich dieses bei weitem mehr Konzessionen
an das Publikum macht. Neue Wege, soweit namentlich die Ausstattung
in Frage kommt, ist auch der Verlag von Fischer & Franke, Berlin,
gegangen, der von allen seinen Mitbewerbern wohl das meiste Geschick
gezeigt hat, Inhalt und Ausstattung seiner Verlagsartikel mit einander
in Einklang zu bringen. In die Reihe der modernen Verleger hat sich
auch G. Bondi, Berlin, gestellt, durch den Halbes Werke und das große
Schlenther'sche Unternehmen zur Ausgabe gelangen.
Albert Langen, München, der Verleger des »Simplizissimus«, hat ein
paar Jahre in Paris zugebracht, und man kann ihm das Zeugnis nicht
versagen, daß er dort manches gelernt hat und bestrebt ist, immer etwas
Originelles zu bringen, seinem Verlage ein charakteristisches Gepräge
zu geben. Auf den Umschlägen seiner Bücher hat die Moderne schon
wahre Orgien gefeiert: da sind Zeichnungen, so mystisch und dunkel,
in denen gar nichts liegt, so daß man sich gemüßigt fühlt, selbst
alles hineinzulegen; Frauen und Männer werden dargestellt, denen
das Laster oder die Schwindsucht auf dem Gesicht geschrieben stehen,
und das alles in jenen fließenden Linien, hingeworfen ohne Saft und
Kraft -- dazwischen einmal ein Mädchenkopf, so fein und künstlerisch,
daß man sich verwundert fragt, wie der in diese Gesellschaft kommen
konnte. Dann stelle man sich den »Simplizissimus« vor, ein »deutsches
Blatt«, an dem nichts, aber auch gar nichts deutsch ist, ein Blatt,
bestimmt, »die Kunst dem Volke zu vermitteln«. Man muß schon 10 Jahre
in Paris oder bei den Wilden gelebt haben, um zu glauben, daß man ein
solches Programm mit einer Zeitschrift vom Schlage des »Simplizissimus«
durchführen kann. Nur wenig deutschen Namen begegnet man in seinem
Verlagskataloge und auch diese haben einen fremden Klang; dagegen
finden Ausländer: Franzosen, Russen, Skandinavier u. s. w. bei ihm
bereitwilligst Unterkommen. -- Durch eine ultramoderne Ausstattung
hat sich auch der kleine Verlag von Joh. Sassenbach, Berlin, in
Litteratenkreisen einen Namen gemacht. Er ist Verleger von Arno Holz
und seiner Schule, die die Preisfrage: Wie kann jedermann innerhalb 24
Stunden lyrischer Dichter werden? mit einer verblüffenden Sicherheit
und einer Naivetät, wie sie sonst nur den wirklichen Dichtern eigen
ist, gelöst haben. Diese neueste Schule hat sich um Sassenbach
gesammelt, der für die Allerjüngsten das zu werden verspricht, was
für die Jungen der 80er Jahre Wilhelm Friedrich, Leipzig, war, der an
das neue Evangelium und an die Mission der Bleibtreu, M. G. Conrad,
Alberti, Walloth, Conradi, wie an seinen Herrgott glaubte. Und heute,
nachdem kaum 10 Jahre ins Land gezogen sind? Wo ehemals die Mistbeete
des Realismus standen, da blühen jetzt stille, bleiche »Lotosblüten«.
Wilhelm Friedrich, der jetzt hauptsächlich Theosophie verlegt, ist
immer mit der Zeit gegangen oder hat versucht, ihr vorauszugehen.
Als ein »Verlag für moderne Bestrebungen in Litteratur,
Socialwissenschaft und Naturwissenschaft« hat sich Eugen Diederichs,
Leipzig, eingeführt, und wenn auch bei ihm der Moderne hin und wieder
Rücksprache mit dem Geschäftsmann nimmt, so ist er doch immer bestrebt
gewesen, namentlich hinsichtlich der Buchausstattung die alten Gleise
zu verlassen und neue Bahnen zu wandeln. -- Berührungspunkte mit dem
Verlage von Eugen Diederichs weist Georg Heinr. Meyers Verlag, Berlin,
auf, der sich besonders als Pflegevater der deutsch-österreichischen
Schriftsteller bewährt. Freilich sind die praktischen Erfahrungen, die
er und mit ihm andere an dem österreichischen Verlage gemacht haben,
wenig ermutigend: verdient hat er an keinem Buche aus Österreich, und
selbst die Verlagskosten sind durch die wenigsten gedeckt worden.
Durch die Gründung der »Heimat« ist sein Verlag der Mittelpunkt jener
Bestrebungen geworden, die die »Heimatkunst« in den Vordergrund des
litterarischen Interesses zu stellen suchen.