Dieser Macht konnte =Ehrensvärd= nur 48 Schiffe entgegenstellen. Nassau

plante, gegen die Schweden von Osten her vorzugehen und ihnen durch Kruse

im Südwesten den Rückzug zu verlegen; es folgte die $Schärenschlacht im

Svensksunde$. =Ehrensvärd= hatte das Fahrwasser im Osten notdürftig durch

Versenken von Schiffen gesperrt und hier kleine Abteilungen stationiert,

seine Hauptmacht dagegen im Südwesten in Halbmondform verankert. Hier

griff =Kruse= am 24. August an, wurde aber abgewiesen. Der schwedische

Admiral soll beabsichtigt haben, sich nun nach Westen zurückzuziehen, er

erhielt jedoch von =König Gustav=, der dem Kampfe am Lande beigewohnt,

ausdrücklichen Befehl, =Nassau= entgegenzutreten, der jetzt nach

Wegräumung der Hindernisse vordrang; vor der großen Übermacht mußten die

Schweden abends weichen, zumal ihnen auch die Munition ausging. Der Feind

verfolgte während der Nacht bis zur Schärenfestung Svartholm, etwa 20

Seemeilen westlich der Mündung des Kymeneflusses.

Der schwedische Verlust betrug 7 Fahrzeuge und 1350 Mann, der russische

über 2000 Mann und 3 Schiffe; viele ihrer Schiffe waren stark beschädigt.

Die Russen gingen nicht weiter vor, aber sie hatten die Freiheit der

Landung westlich vom Grenzflusse erzwungen und so das schwedische

Landheer genötigt, über diesen zurückzugehen. Das Fahrwasser bei Porkala

ward erst wieder frei, als die letzten Schiffe der russischen

Hochseeflotte am 23. Oktober die Küste verließen; Mitte September hatten

sie noch eine schwedische Küstendivision im Barösunde angegriffen.

=Die Kriegführung= 1789 zeigt überall Fehler der Schweden. Für ihr

Landheer war die Tätigkeit der Schärenflotte zur Unterstützung des

rechten Flügels, sowie zur Sicherung des Verkehrs in den Schären

unentbehrlich. Sie war aber andauernd durch die feindliche Stellung bei

Porkala getrennt, die man selber hätte besetzen müssen. Diese mußte man

zunächst von beiden Seiten angreifen, anstatt die Kräfte auf

Wachstationen zu verzetteln. Die Hochseeflotte aber hätte wiederum den

Schutz der Schärenflotte übernehmen und zu diesem Zwecke alles

daransetzen müssen, frühzeitig im Finnischen Meerbusen aufzutreten, um

hier die Seeherrschaft zu erringen. =Tschitschagoff= handelte mithin

richtig, wenn er =Herzog Karl= in der Ostsee ohne Entscheidungsschlacht

festhielt, bis er überlegen war. Daß Rußland zu Lande nicht tatkräftiger

vorging, scheint an der Unfertigkeit seines Heeres gelegen zu haben;

=Potemkin=, der gegen die Türken kommandierte, weigerte sich hartnäckig,

Truppen nach dem Norden abzugeben.

* * * * *

$Der Kriegsplan Schwedens 1790$ ähnelte dem des ersten Jahres. Versuche

=König Gustavs=, durch Preußens Vermittlung Frieden zu schließen, hatte

=Katharina= mit maßlosen Forderungen beantwortet. Neben der

Aufrechterhaltung der Friedensbedingungen von Nystad und Abo verlangte

sie eine Änderung der schwedischen Verfassung, um die Rechte des Königs

über Krieg und Frieden noch mehr wie bisher einzuschränken, und von

diesem selber eine Abbitte wegen seines bisherigen Vorgehens. =Gustav=

war empört und beschloß wie 1788, durch einen raschen Angriff auf

Petersburg die Entscheidung schnell herbeizuführen. Der Umstand, daß im

allgemeinen Karlskrona am 15., Stockholm am 25. April, Sweaborg am 1. und

Kronstadt erst am 7. Mai vom Eise frei wird, sollte benützt werden, die

eigenen Streitkräfte so zeitig zu sammeln, daß man imstande wäre, die in

Reval und Kronstadt getrennt liegenden Geschwader der russischen

Hochseeflotte, sowie die auf Frederikshamn, Wiborg und Kronstadt

verteilten feindlichen Küstenstreitkräfte vor ihrer Vereinigung einzeln

zu vernichten; dann sollte bei Petersburg gelandet werden.

Der Plan wich insofern von dem früheren ab, daß die Armeeflotte vor der

Landung bei der Hauptstadt erst die Festungen Frederikshamn und Wiborg

nehmen sollte; es wäre wohl richtiger gewesen, nur die Fesselung der

feindlichen Streitkräfte dort durchzuführen, wenn der Hauptstoß

überraschend sein sollte. Um die Aufmerksamkeit des Feindes von dem

Vorgehen zur See abzulenken, beabsichtigte der König, schon Ende Februar

oder Anfang März in Person mit dem Heere von Finnland aus in Karelien

einzubrechen und zwar wie im Vorjahre mit der Hauptmacht in der Mitte,

nördlich und an der Küste mit je einem kleineren Korps.

=Der Angriff am Lande= verzögerte sich aber, da der König aus politischen

Gründen Stockholm erst Ende März verlassen konnte, und wenn dann auch die

Schweden anfangs überall Erfolge erzielten, so kam ihr Vordringen doch

Ende Mai zum Stehen; das Heer wartete nun auf den Ausgang der

Unternehmungen zur See.

$Die Operationen der Hochseeflotten bis Juni 1790.$ =Die schwedische

Flotte= verließ unter =Herzog Karl von Södermanland= -- Chef des Stabes

Kontreadmiral =Nordenskjöld= -- 21 Linienschiffe und 13 Fregatten stark

am 29. April Karlskrona. Schon am 4. März waren 2 Fregatten, eine Brigg

und ein Schoner in See gegangen und hatten am 17. die Stadt Raagervik,

das jetzige Baltischport, etwa 20 Seemeilen westlich von Reval zur

Übergabe gezwungen. Zwar hatte man hier Munition, Schiffsbedürfnisse und

andere Vorräte im Werte von einer Million Taler vernichtet, aber den

Russen war durch diesen Vorstoß klar geworden, daß sie auf ein baldiges

Auftreten stärkerer Kräfte gefaßt sein müßten, und sie beschleunigten

überall ihre Rüstungen sowie Verteidigungsmaßnahmen. Die große Flotte

erreichte infolge Gegenwindes erst am 9. Mai Hangö, nahm hier Wasser und

ankerte am 12. bei Raagervik.

=Die Schlacht bei Reval, 13. Mai 1790.= Admiral =Tschitschagoff= hatte 8

Linienschiffe und 3 Fregatten ungefähr eine Seemeile nördlich von der

Hafenmole in einer etwa Ost-West laufenden Linie mit den Breitseiten nach

See zu verankert, 3 Fregatten lagen dahinter, und sperrte so fast die

ganze Bucht. =Herzog Karl= griff diese Stellung am 13. Mai an, indem er

bei westlichem Winde in Kiellinie auf deren linken Flügel zusteuerte, an

der Linie entlang lief und dann wieder nach Norden segelte. Infolge des

starken und böigen Windes war das Manöver schwierig; der Angriff stieß

erst auf das dritte Schiff des feindlichen Flügels, die schwedische Linie

war schlecht geschlossen, das Anluven zum Wiederabsteuern mußte der

Leeküste wegen frühzeitig begonnen werden, so daß die Schiffe fast

beständig manövrierten. So kam es, daß die Schweden ihr Feuer eigentlich

nur auf 3 Russen unter ungünstigen Umständen abgeben konnten, während

diese das ihrige mit Ruhe auf die Passierenden richteten. Da der Wind

während des Kampfes zum Sturm wurde, gab =Herzog Karl= den Befehl zum

Abbrechen des Gefechtes, ehe die letzten 12 Schiffe, 4 Linienschiffe und

8 Fregatten, die feindliche Stellung passiert hatten. Die Flotte ankerte

dann vor der Bucht.

=Die Verluste= der Russen waren ganz unbedeutend. Die Schweden verloren

auch nur 132 Tote und Verwundete, aber ihre Schiffe, soweit sie ins Feuer

gekommen waren, hatten arg in der Takelage gelitten und 2 Linienschiffe

gingen verloren. Eins war schon beim Ansegeln auf einer Bank festgekommen

und mußte verbrannt werden, um es nicht in Feindeshand fallen zu lassen;

ein anderes war beim Passieren manövrierunfähig geworden, gleichfalls auf

Grund geraten und ward von den Russen genommen.

Die Schweden unternahmen keinen zweiten Angriff, obgleich sie jetzt die

Stellung des Feindes ganz genau kannten und bei günstigem Wetter mit

Übermacht vor der feindlichen Linie hätten ankern und die Flügel durch

leichtere Linienschiffe, sowie die Fregatten umgehen können. =Herzog

Karl= schickte einige sehr beschädigte Schiffe zur schleunigen

Ausbesserung nach Sweaborg, erhielt dafür aber am 21. Mai eine

Verstärkung von 2 Linienschiffen und einer Fregatte. Er blieb bis zum

24. Mai vor Reval, ging dann nach der Insel Hogland und von hier erst am

31. auf Befehl des Königs gegen Kronstadt vor. =Tschitschagoffs= Flotte

ließ man im Rücken, nachdem man ihr zwei und eine halbe Woche Zeit

gelassen hatte, ihre Ausrüstung zu vervollständigen. =Herzog Karl= und

Admiral =Nordenskjöld= sollen dies allerdings gemißbilligt haben.

$Die Operationen der Küstenflottillen bis Juni 1790.$ =In Schweden= waren

durch Neubauten die Küstenstreitkräfte auf 19 große Segelfahrzeuge, 27

Galeren, 214 Kanonenschaluppen und Jollen, 25 Kanonen- und

Mörserbarkassen und 21 Chef- und Avisofahrzeuge gebracht; diese Macht

wurde bis Ende Mai in Finnland zusammengezogen.

=Angriff auf Frederikshamn.= Am 14. Mai erschien =König Gustav= mit etwa

100 Fahrzeugen im Svensksunde. Die russische Küstenflottille von

Frederikshamn war, 49 Schiffe stark, am Eingange des engen

Innenfahrwassers zur Stadt verankert, an den Flügeln durch Landbatterien

unterstützt. Am 15. um 2 Uhr morgens griffen die Schweden an und trieben

den Feind bald bis unter die Kanonen der Stadt, aber um 9 Uhr ließ der

König den Kampf abbrechen, um seinen Leuten Erholung zu gönnen; auch

knüpfte er Übergabeverhandlungen an. Der Festungskommandant zögerte mit

der Antwort, erhielt inzwischen Verstärkung und wies einen zweiten

Angriff nachmittags so kräftig ab, daß sich die Schweden abends

zurückzogen. Nicht mehr Erfolg hatte ein Vorgehen gegen die Stadt am 19.

Mai, das allerdings nur mit schwächeren Kräften unternommen wurde. Wie

die Hochseeflotte vor Reval, so gab auch die Schärenflotte hier weitere

Versuche auf und blieb untätig liegen. Erst am 25. Mai ging sie weiter

nach Osten vor, am 31. gewann sie Fühlung mit der Hochseeflotte,

passierte am 2. Juni die Bucht von Wiborg und ankerte am Abend im

Björkösunde etwa 30 Seemeilen südlich dieser Stadt; sie hatte durch

Zuzüge von Westen nach und nach fast ihre volle Stärke, 282 armierte

Fahrzeuge, erreicht.

=Gustav= entschloß sich endlich, mit der vereinten Hochsee- und der

Küstenflotte schnell gegen Petersburg vorzudringen, aber jetzt war auch

die russische Hochseeflotte bereit und mußte zunächst vertrieben werden.

$Die Seeschlacht in der Kronstädter Bucht, 3. und 4. Juni 1790.$ Schon

während die schwedische Hochseeflotte ihr Küstengeschwader nach dem

Björkösunde geleitete, war die russische in Sicht gewesen und =Herzog

Karl= hatte versucht, sich ihr zu nähern, sobald die Schärenfahrzeuge den

Ankerplatz erreicht hatten; eintretende Stille verhinderte dies, aber am

3. Juni kam es zur Schlacht.

$Die Stärke der Flotten.$ =Die russische= unter =Vizeadmiral Kruse=

zählte 17 Linienschiffe, 5 Dreidecker zu 108, 12 Zweidecker zu 74

Kanonen und 13 Fregatten. Die Schiffe waren in guter Verfassung, die

Besatzungen jedoch noch nicht ausgebildet. Die =schwedische= bestand

aus 21 Linienschiffen zu 64-74 Kanonen und 13 Fregatten. Zwei schwere

Fregatten hatte man in die Linie eingestellt, dennoch standen in dieser

nur 1180 Kanonen 1430 russischen gegenüber, weil die Schiffe des

Gegners im Durchschnitt stärker waren. Aus weiteren 6 schweren

Fregatten wurde eine leichte Division gebildet, die selbständig an

geeigneter Stelle in den Kampf eingreifen sollte.

Am 3. Juni, 4 Uhr morgens, stand =Kruse= bei leichtem östlichen Winde

etwa 4 Seemeilen zu Luward der schwedischen Flotte, die über Backbordbug

in Kiellinie beim Winde lag. Er hielt auf sie ab und griff in üblicher

Weise Schiff gegen Schiff auf der ganzen Linie an. Um 4-1/2 Uhr begann

der Kampf der Vorhuten und um 5 Uhr der der Mitten; die Nachhuten kamen

erst später ins Gefecht und wie gewöhnlich nur auf weitere Entfernung.

Manöver der Flotten infolge von Windänderungen trennten sie gegen 8 Uhr,

auch scheint =Kruse= einen zu scharfen Kampf gescheut zu haben. Am

Nachmittage kam westlicher Wind auf. Wieder lagen die Gegner über

Backbordbug, aber jetzt die Schweden zu Luward und =Herzog Karl= griff um

2-1/2 Uhr an. Da aber Kruse stets auswich, zeitweise sogar vor dem Winde

abhielt, kam es immer nur zu kurzen Kämpfen, oft nur zu Teilgefechten.

=Herzog Karl= erkannte, daß der Feind ihn in die innere Bucht von

Kronstadt locken, aber bis zum Eintreffen der Revalflotte hinziehen

wollte. Er beschloß, sich nur beobachtend zu verhalten, bekam jedoch am

Abend Befehl vom König, den Kampf zu suchen. Am 4. Juni vormittags wehte

es hart aus Osten, so daß die Schweden nicht an den Feind herankommen

konnten. Nachmittags sprang der Wind auf SW, aber der Versuch Karls, eine

Entscheidung herbeizuführen, mißlang wiederum, weil Kruse nicht

standhielt; nur für kurze Zeit kam es zum Gefecht auf der ganzen Linie.

Die Flotten hatten sich nach und nach der Außenrhede von Kronstadt bis

auf 12-15 Seemeilen genähert, so daß sie am Spätnachmittag, sowie um 8

Uhr abends zum Halsen genötigt waren, weil sie zuerst der südlichen, dann

der nördlichen Küste zu nahe kamen.

Wesentliche =Verluste= hatten die Kämpfe der beiden Tage nicht gebracht,

nur 2 schwedische und 3 russische Schiffe waren schwerer beschädigt.

Bald nach 8 Uhr abends kam nun aber Admiral =Tschitschagoff= mit der

Revalflotte -- 10 Linienschiffe, darunter 2 Dreidecker, und 8 Fregatten

-- in Sicht und =Herzog Karl= mußte sich vor allen Dingen aus dem engen

Fahrwasser herauszuziehen suchen. Er plante, sich auf die Revalflotte zu

werfen, ehe die russische Hauptmacht herankäme, sollte dies aber nicht

gelingen, dann bis zu den Aspöschären zurückzugehen. Er erwartete, daß

dann auch =König Gustav= mit der Armeeflotte bis zum Svensksunde weichen

und von hier aus ein neues gemeinsames Vorgehen erfolgen würde.

Dementsprechend berichtete er.

Dem Rückzuge der Schweden folgte =Kruse=, der die Revalflotte gleichfalls

gesehen hatte, in Gefechtslinie, aber in gemessener Entfernung. Es war

ein Glück für =Herzog Karl=, daß der Wind während der Nacht abflaute und

auch am nächsten Tage Stillen vorherrschten; zugleich war es diesig, so

daß die russischen Flotten sich gegenseitig nicht sehen konnten und

deshalb beide zurückhielten. So zog sich Karl unbehelligt aus der Enge,

erhielt aber am 5. Juni als Antwort auf seinen Bericht Befehl, in die

Bucht von Wiborg zu kommen, um die Schärenflotte zu decken; er ankerte

am 6. morgens in deren Eingange.

Dies war eine verhängnisvolle Maßnahme, denn nun wurden die gesamten

schwedischen See- und Küstenstreitkräfte zusammen blockiert.

$Die Blockade der schwedischen Flotten bei Wiborg und deren Durchbruch.$

Die Breite des Einganges zu der SW-NO laufenden Außenbucht von Wiborg

beträgt zwischen der Landspitze Krosserort im Westen und der Insel

Biskopö im Osten etwa 6 Seemeilen. Durch flaches Wasser vor diesen

Punkten und durch den in der Mitte der Einfahrt liegenden Salvögrund wird

aber das Fahrwasser auf eine kaum eine Seemeile breite Rinne bei

Krosserort sowie auf eine zweite von 3 Seemeilen bei Biskopö beschränkt.

Hinter diesen Durchfahrten wurden die Schiffe der Hochseeflotte -- 21

Linienschiffe, 13 Fregatten, 4 Fahrzeuge -- in Verteidigungslinien

verankert.

Zwischen der Insel Biskopö und der sich südlich daran schließenden Insel

Björkö einerseits und dem Festlande anderseits führt eine im Durchschnitt

1-1/2, an ihrer engsten Stelle nur eine halbe Seemeile breite Straße von

Südosten her in die Außenbucht von Wiborg, der Björkösund. Hier lag die

schwedische Armeeflotte, 282 armierte Fahrzeuge mit 24000 Mann

Besatzung[204].

[204] Die Zahlenangaben über die Stärken der Küstenflottillen schwanken

in den Quellen sehr. Wir geben sie durchweg nach Kirchhoff.

Obenstehende Angabe erscheint sehr hoch, denn nach derselben

Quelle besaß Schweden 1790 überhaupt nur 285 armierte Fahrzeuge

und die pommersche Abteilung scheint nicht in Wiborg gewesen zu

sein. Nach dem Durchbruch fanden sich dann nach Kirchhoff nur 195

im Svensksunde zusammen, obgleich nicht mehr als 21 verloren

gegangen waren.

Schon am 7. Juni ankerte die russische Hochseeflotte, jetzt unter dem

Oberbefehl des Admirals =Tschitschagoff=, 30 Linienschiffe und 20

Fregatten stark, quer vor dem Haupteingange zur Bucht, etwa 8 Seemeilen

von der feindlichen Stellung entfernt und die Küstengeschwader sammelten

sich in der Umajockibucht unmittelbar östlich vom Eingange in den

Björkösund unter dem Prinzen =von Nassau=. Anfangs waren es nur 49

Fahrzeuge aus Frederikshamn und Reval, aber durch Eintreffen der Kräfte

von Kronstadt wuchs die Zahl nach und nach bis auf 3 Linienschiffe, 7

Fregatten und 74 Schärenfahrzeuge am 2. Juli. In Wiborg lagen 48

Fahrzeuge.

Die Schweden waren völlig blockiert und ihre Lage wurde im Laufe der

nächsten Wochen immer gefährdeter. =Tschitschagoff= legte nach genauem

Ausloten seine Blockadelinie näher heran, wobei er die vielen Inselchen

und Gründe benutzte, um die möglichen Durchbruchspunkte dichter

abzuschließen, und auch die Wiborgflottille drang bis zum Trangsund, dem

Eingange zur inneren Bucht, vor. Ein Versuch des =Königs Gustav= vom

11.-20. Juni mit einem großen Teile der Armeeflotte, sie zu vernichten,

um sich den Rücken freizumachen, mißlang, weil Landbatterien das

Fahrwasser beherrschten. Auf den schwedischen Schiffen und Fahrzeugen

mit ihren etwa 40000 Mann Besatzung trat Mangel an Proviant und Wasser

ein, da russische Jäger und Kosaken die Wasserplätze besetzt hatten. Am

29. Juni ging =Nassau= gegen den Björkösund vor und warf den Feind bis

zur engsten Stelle zurück.

Unter diesen Umständen mußte =Gustav= alles daransetzen, sich aus seiner

unhaltbaren Lage zu befreien. Nach längeren Beratungen und Erwägung

verschiedener Pläne ward =der Durchbruch mit beiden Flotten= in der engen

Wasserrinne zwischen Krosserort und dem Salvögrunde beschlossen. =Herzog

Karl= hatte schon früher wiederholt hierzu geraten, ehe die Einschließung

so eng geworden war, der König aber wies es schroff zurück, weil er es

für feige hielt.

$Der Durchbruch am 3. Juli 1790.$ Der Plan zum Durchbruch war genau

ausgearbeitet. Um 2 Uhr morgens zog sich das Gros der Küstenflotte aus

dem Björkösunde in die äußere Wiborgbucht hinter die Linie der

Hochseeflotte. 3 Divisionen Kanonenschaluppen, sowie die

Mörserbarkassen eröffneten gleichzeitig zur Diversion ein Gefecht mit

der im Süden liegenden russischen Schärenflotte, das sie erst um 4-1/2

Uhr abbrachen, um dem Gros zu folgen; auffallenderweise folgte der

Feind nicht, vielleicht wollte er den Leuten nach dem nächtlichen

Kampfe Ruhe gönnen.

Die Schiffe der Hochseeflotte hatten während der Nacht das Ankerlichten

vorbereitet; die Segel waren nur mit leicht zerreißbarem Schiemannsgarn

festgemacht, so daß sie gesetzt werden konnten, ohne Leute in die

Takelage zu schicken und dadurch die Aufmerksamkeit des Feindes zu

erregen. Um 6 Uhr morgens verließen sie ihre Ankerplätze und setzten

sich an die Spitze der in Marschordnung versammelten Schärenflotte. Um

7-1/2 Uhr passierte der Leiter die russische Sperrlinie bei Krosserort.

Hier lagen 5 Linienschiffe eng aufgeschlossen mit den Breitseiten quer

zum Fahrwasser. Die Schweden brachen in der Mitte durch, wobei sie ihr

Feuer mit solchem Erfolge abgaben, daß sämtliche Gegner die Flagge

bereits gestrichen hatten, als das Flaggschiff passierte; von den etwa

4000 Mann dieser Schiffe sollen nur 3-400 unverwundet geblieben sein.

Drei Seemeilen westlich von Krosserort lagen 6 russische Fregatten in

Linie seitlich vom Fahrwasser, doch wurde deren Feuer durch Pulverrauch

behindert.

Die Schweden würden mit verhältnismäßig geringem Verluste die freie See

erreicht haben, wenn nicht ein besonderer Unglücksfall eingetreten

wäre. Beim Passieren von Krosserort wurden ein Linienschiff und eine

Fregatte durch einen eigenen Brander in Flammen gesetzt und flogen auf;

der Führer des Branders hatte in trunkenem Zustande sein Fahrzeug ohne

Grund angezündet. In dem dadurch entstehenden Rauche liefen

verschiedene Schiffe auf Grund.

=Nach dem geglückten Durchbruch= nahm =die schwedische Hochseeflotte=

Kurs auf Hogland. Die russische begann erst gegen 10 Uhr vormittags zur

Verfolgung unter Segel zu gehen. =Tschitschagoff= scheint das Vorgehen

der Schweden längere Zeit nur für ein Scheinmanöver gehalten und den

eigentlichen Angriff in dem breiteren östlichen Fahrwasser erwartet zu

haben; dann dauerte auch das Ankerlichten und Formieren der Flotte

unverständlich lange. So gewann =Herzog Karl= einen großen Vorsprung und

erreichte am 5. Juli abends die Rhede von Sweaborg; nur zwischen den

vordersten russischen und einigen zurückgebliebenen schwedischen Schiffen

kam es zum Kampfe, wobei zwei der letzteren genommen wurden.

=Die schwedische Schärenflotte= folgte zunächst der Hochseeflotte, hielt

dann aber früher zur Küste ab und erreichte die Aspöschären. Auf dem Wege

dorthin ward sie von einer Fregattendivisjon angegriffen, die bisher etwa

10 Seemeilen westlich der Wiborgbucht beim Pitkepasse das

Schärenfahrwasser gesperrt und auch tatsächlich den Zuzug einiger

Abteilungen schwedischer Fahrzeuge gehindert hatte. Diese Division brach

in die Küstenflotte ein und zwang eine große Zahl von Fahrzeugen, die

Flagge zu streichen, konnte aber nur einige von ihnen in Besitz nehmen.

=Der Verlust der Schweden= betrug in der Hochseeflotte 7 Linienschiffe, 3

Fregatten und 4000 Mann, in der Küstenflotte 21 Kriegs- und 30

Transportfahrzeuge, sowie rund 2000 Mann. Der Verlust der letzteren würde

sicher noch viel größer gewesen sein, wenn der Gegner im Björkösunde

sofort nachgedrängt hätte. Aber dies geschah erst spät und die vordersten

Fahrzeuge hielten sich dann bei den festgekommenen schwedischen Schiffen

auf.

=Die Russen= büßten 4-5000 Mann ein und 11 ihrer Linienschiffe waren so

beschädigt, daß sie für längere Zeit nicht verwendet werden konnten,

einige wurden sogar völlig unbrauchbar.

$Die zweite Schlacht im Svensksunde am 9. Juli 1790$ war das letzte

größere Ereignis des Krieges. Die schwedische Hochseeflotte -- 14

Linienschiffe, 9 Fregatten -- ward von der russischen -- 19 Linienschiffe

-- in Sweaborg blockiert. Mit der Küstenflotte hatte sich =König Gustav=

von den Aspöschären in den Svensksund zurückgezogen; sie zählte am 8.

Juli 195 armierte Fahrzeuge mit 450 schweren Geschützen und 14000 Mann.

Sie nahm hier eine ähnliche Verteidigungsstellung ein wie 1789 unter

=Ehrensvärd= (vgl. Seite 433) und wurde am 9. Juli durch =Nassau= von

Frederikshamn aus mit 160 Fahrzeugen angegriffen. Sie war zwar den Russen

an Zahl überlegen, aber deren Schiffe waren im allgemeinen größer,

schwerer armiert und stärker bemannt, sie führten 850 schwere Geschütze

und 18500 Mann.

=Nassau= ließ den Nordostausgang des Sundes nur durch schwache Kräfte

beobachten und richtete den Angriff gegen die Hauptmacht des Gegners im

Südwesteingange, aus dem die Schweden im Jahre vorher durchgebrochen

waren. Er führte bei südwestlichem Winde die Flotte in 3 Kolonnen an die

schwedische Stellung heran. Die mittlere, 20 der größten Schiffe, ankerte

vor der Mitte der feindlichen Linie, die beiden anderen vor deren

Flügeln. Um 9-1/2 Uhr vormittags begann der Kampf, und schon nach zwei

Stunden sah sich der russische linke Flügel zum Rückzuge genötigt. Dies

war um so verhängnisvoller, als der schwedische rechte Flügel einen

Winkel mit seiner Mitte und dem linken bildete, mithin imstande war, die

russische Mitte in der Flanke zu bedrohen. Zwar stießen die Gewichenen

nochmals vor, aber wieder vergeblich, da die Schweden hier jetzt

Verstärkung durch die Kräfte am Nordosteingange erhalten hatten, die

nicht angegriffen waren.

Durch das Flankenfeuer der Schweden sah sich auch die russische Mitte

gegen 4 Uhr nachmittags zum Rückzuge genötigt, und der rechte Flügel

schloß sich an, da auch sein Gegner verstärkt worden war. Der Rückzug

gelang den Ruderfahrzeugen verhältnismäßig gut, aber die größeren Segler

konnten mit ihren zerschossenen Takelagen nur schwer gegen den Wind

aufkreuzen. Durch Zusammentreiben entstand ein Gewirr, in das die

schwedischen Kanonenschaluppen bis 10 Uhr abends hineinfeuerten; viele

Russen kamen auf Grund oder trieben an den Strand. Die Nacht brachte eine

Pause, aber am nächsten Morgen nahmen die Schweden die Verfolgung wieder

auf und verjagten den Feind auch aus den Aspöschären, in die er sich

zurückgezogen hatte; in Einzelgefechten wurden noch viele Fahrzeuge

genommen.

=Der Verlust der Russen= betrug 5 Fregatten, 48 Fahrzeuge, 3000 Tote und

Verwundete, sowie 6500 Gefangene; die Schweden büßten nach eigener Angabe

nur etwa 300 Mann ein.

Seekriege und Seekriegswesen, Zweiter Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. · 第 60 / 63 段