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Robinson
in
Australien.
Ein Lehr- und Lesebuch
für gute Kinder.
von
Amalia Schoppe,
geborne Weise.
Heidelberg.
Verlagshandlung von _Joseph Engelmann_.
1843.
An meine jungen Leser und Leserinnen.
Hoffentlich, meine Geliebten, erzeuge ich Euch einen Gefallen mit diesem
neuen _Robinson_; einmal, weil mir fortwährend von vielen lieben Kindern
die Versicherung gegeben wird, daß sie meine Jugendschriften gerne lesen;
dann aber auch, weil der Titel viel Lockendes für Euch haben wird, indem
gewiß Euer junges Herz bei dem Namen _Robinson_ höher schlägt. Ihr werdet
also dieses neue Buch Eurer Freundin mit gespannter Erwartung in die Hände
nehmen und Euch hoffentlich nicht in derselben getäuscht sehen.
Mein Zweck war, als ich diesen neuen Robinson verfaßte, und in ihm die
Schicksale eines zwar armen, aber sinnigen und wackern Knaben mittheilte,
Euch zugleich mit einem Welttheile bekannt zu machen, von dem selbst viele
gebildete Erwachsene noch wenig wissen: Ihr sollt Australien, den zuletzt
entdeckten, nur noch mangelhaft erforschten Welttheil, in seinem Clima,
seinem Boden und Pflanzen- und Thierreiche näher kennen lernen; und somit
bitte ich Euch, mein Buch nicht bloß zur flüchtigen Unterhaltung, gleichsam
um die Zeit, unser Kostbarstes zu tödten, in die Hand zu nehmen, sondern
zugleich auch Belehrung, Bereicherung Eures Wissens, daraus zu schöpfen.
Daß der _Robinson_ Euch nebenbei auf eine angenehme Weise unterhalten soll,
glaube ich Euch versprechen zu dürfen.
Zu dem doppelten Zwecke: zu _bilden_, zu _belehren_ und Euch _frohe Stunden
zu bereiten_, schrieb ich bisher alle meine Bücher, und da Euch die frühern
immer willkommen waren, hoffe ich, wird es auch dieses sein.
Ich grüße Euch sämmtlich mit dem Gruße inniger Liebe. Nicht mehr in dem
großen, prächtigen Hamburg, nicht zwischen den Trümmerhaufen dieser mir
ewig theuren Stadt, sondern in _Jena_, dem freundlichen Orte zwischen den
Bergen, die das reizende Saalthal rings wie ein Rahmen umfassen, schrieb
ich den _Robinson_ für Euch.
Der Geber alles Guten sei mit Euch Allen, meine geliebten Kinder.
_Jena_, im October 1842.
_Eure treugesinnte_
#Amalia#.
Der neue Robinson.
Erstes Kapitel.
Viele von Euch, meine geliebten Kinder, werden schon einmal von der großen
Handelsstadt Hamburg gehört haben. Sie liegt an einem herrlichen Flusse,
der Elbe, die hier schon eine Meile breit und ihrem Einflusse in die nur
zwölf Meilen von Hamburg entfernte Nordsee nahe ist.
In dieser großen Welt- und Handelsstadt giebt es viele prächtige Paläste,
dagegen aber auch eine Menge enger Gassen und kleiner Häuser; ja, ein Theil
der Bevölkerung wohnt sogar unter der Erde in sogenannten Kellern, trüben,
feuchten Wohnungen, in die das goldene Tageslicht nur spärlich fällt,
weßhalb auch die Bewohner derselben in der Regel bleich und kränklich
aussehen. Denn eben die Sonne, welche den duftigen Kelch der Rose färbt,
färbt auch die Wangen der Menschen.
In einem dieser Keller wohnte eine arme Wittwe mit ihrem einzigen Kinde,
einem Sohne von etwa zwölf bis dreizehn Jahren. Sie hatte, seit dem Tode
ihres Mannes, der ein Schiffscapitän gewesen war, einen kleinen Handel
angefangen, um sich und ihren _William_ -- so hieß der Knabe -- nothdürftig
zu ernähren. Allein das Geschäft ging seit einiger Zeit schlecht, da sich
in einem benachbarten Hause eine ähnliche Handlung, wie die der Wittwe
_Robinson_, etablirt hatte und diese ihr die Nahrung schmälerte. So sah die
arme Frau sorgenvollen Tagen und schlaflosen Nächten entgegen, besonders da
es bereits gegen den Winter ging, wo der Mensch zu seinem Unterhalte mehr
bedarf, als im Sommer.
Die Hülfe Anderer anzusprechen, davor würde sich Frau Robinson geschämt
und weit lieber den bittersten Hunger, als das demüthigende Gefühl ertragen
haben, von der Gnade anderer Menschen abhängig zu sein. Denn sie hatte
einst bessere Tage gesehen und gehörte durch ihre Geburt einer Nation an,
die sich in der Regel durch einen edlen Stolz auszeichnet: Der englischen
nämlich.
Ihr Vater war, wie ihr verstorbener Mann, ein Schiffscapitain gewesen und
zwar ein so erfahrener, geschickter, daß ein bedeutendes Handlungshaus,
das Rhederei trieb, ihn von England berief und ihm sein bestes Schiff,
die _Fortuna_, zur Führung anvertraute. Damit segelte dann der Capitain
_Elliot_ -- so hieß Frau Robinsons Vater -- durch alle Meere und führte von
allen Welttheilen die kostbarsten Waaren in den Hafen von Hamburg. Er galt
nicht nur für einen streng rechtlichen Mann, sondern er war es in der
That: denn statt sich selbst zu bereichern, wie so Manche es in seiner Lage
gethan haben würden, dachte er nur an den Vortheil seiner Rheder, das will
sagen, der Kaufleute, deren Schiff er führte, und so kam es, daß, als
er starb, er seiner einzigen, bereits mit einem ihm befreundeten
Schiffscapitain verheiratheten Tochter kaum mehr hinterließ, als einen
unbefleckten Namen und den Ruf eines durchaus redlichen und geschickten
Mannes.
Mit diesem Erbtheile war aber sowohl seine Tochter _Anna_, als auch deren
Mann, der wackere Schiffscapitain _Robinson_, völlig zufrieden; mit Recht
sagten Beide, daß ein guter Leumund das erste und köstlichste aller Güter
sei.
Der Ruf von strenger Redlichkeit, den sich Capitain Elliot erworben hatte,
kam auch seinem Schwiegersohne Robinson zu Gute; denn kaum hatte Elliot, in
Folge einer langwierigen Krankheit, seine Augen geschlossen, so trugen die
Rheder der Fortuna seinem Schwiegersohn die Führung des herrlichen Schiffes
an. Mit Recht schloß man, daß der ein Biedermann sein müsse, dem Capitain
Elliot seinen besten Schatz, die einzige geliebte Tochter, zum Eigenthume
gegeben hatte.
So stand also Capitain Robinson nach dem Tode seines Schwiegervaters als
Befehlshaber und Führer auf dem Verdeck der Fortuna und zwar unter noch
günstigeren Aussichten, als der wackere Elliot: die Rheder hatten ihm einen
Antheil an dem Gewinne zugesagt und wenn die Geschäfte nur einigermaßen
gingen, so konnte der junge Capitain in einigen Jahren ein wohlhabender
Mann sein.
Daß er das werden würde, dazu hatte es den besten Anschein. Er brachte zu
einer sehr gelegenen Zeit eine Ladung Gewürze von den molukkischen Inseln
bei Asien und der Gewinn war für die Rheder so bedeutend, daß eine
Summe von 10,000 Mark, etwa 4000 Thaler preußisch für den thätigen und
umsichtigen Robinson abfiel. Dieses Vermögen vermehrte sich noch im Laufe
einiger Jahre und man durfte glauben, daß unser Capitain binnen Kurzem ein
reicher Mann sein würde.
Wenn ihm diese Aussicht eine erfreuliche war, so war dies mehr um seine
liebe Frau und sein einziges Söhnchen William, als weil er den Reichthum an
und für sich schätzte. Diesen beiden Geliebten eine angenehme, sorgenlose
Existenz verschaffen zu können, der Gedanke war es, der seine Seele mit
Freude erfüllte und ihn ohne Murren den größesten Gefahren trotzen ließ.
So hatte Robinson schon fünf bis sechs Reisen mit der Fortuna gemacht und
auf jeder derselben bedeutende Vortheile für die Rheder und sich selbst
erzielt, als der Vorsteher des Hauses, ein eben so braver als geschickter
und vorsichtiger Kaufmann, starb. Zwei Söhne, die zum Kaufmannsstande
erzogen worden waren, erbten sein Vermögen und seine weltberühmte Handlung.
Allein des Vaters Geist ruhte nicht auf ihnen: sie wollten noch reicher
werden, als sie ohnehin schon waren, ließen sich auf große Speculationen
ein und, da diese mißglückten, sahen sie sich nach Verlauf einiger Jahre
um all ihr Erbgut gebracht. Ihnen blieb fast nichts mehr übrig, als die
Fortuna, das seither vom Capitain Robinson geführte Schiff.
Aber auch dieses Besitzthum war im Grunde nur noch ein eingebildetes; denn
die Fortuna war durch die Reihe von Jahren, die sie See gehalten hatte, so
morsch und schadhaft geworden, daß Capitain Robinson erklärte: es hieße
das Leben seiner Matrosen und sein eigenes auf's Spiel setzen, wenn er noch
eine Reise damit machte, und aus diesem Grunde verweigerte er es geradehin.
Man kann sich vorstellen, wie ungelegen eine solche Erklärung den beiden
jungen Rhedern kam, besonders in diesem Augenblick, wo sie fast ihre letzte
Hoffnung auf die Fortuna gesetzt hatten. Sie ließen auch nicht mit Bitten
und Vorstellungen nach, bis sie Robinson dahin vermocht hatten, noch eine
Reise mit der Fortuna zu machen, nachdem diese nothdürftig ausgebessert
worden war.
Es war ein sehr trüber Abend, als der Capitain Abschied von seiner lieben
Anna und seinem Söhnchen William nahm, um sich an den Bord der Fortuna zu
begeben. Zum ersten Male in seinem Leben empfand er eine Anwandlung von
Furcht; zum ersten Male, seitdem er in das Mannesalter getreten, drängte
sich ihm eine Thräne zwischen die Wimpern, als er seine Frau und sein Kind
umarmte, indem er Abschied von ihnen nahm. Auch sie konnten sich diesmal
nicht von ihm losreißen; auch sie hingen laut schluchzend an seinem Halse
und bedeckten ihn mit ihren Thränen und Küssen: allen dreien war, als gälte
es einen Abschied auf immer.
Aber es mußte doch geschieden sein und früh am andern Morgen, mit Anbruch
des Tages, segelte die Fortuna die Elbe hinab. Ein frischer Ostwind
schwellte ihre weißen Segel und da sich die Ebbe mit dem günstigen Winde
vereinte, erreichte die Fortuna schon nach wenigen Stunden die Nordsee bei
Cuxhafen. An diesem Orte nahm Capitain Robinson, wie es gebräuchlich ist,
Lootsen an Bord, die ihn durch die gefährlichen Stellen bis in die offene
See führen mußten, wo er selbst sein Schiff zu lenken verstand.
Da es unter meinen lieben jungen Lesern und Leserinnen gewiß viele gibt,
die nicht wissen, was _Lootsen_ für Leute sind, will ich es ihnen erklären.
Man benennt Männer mit diesem Namen, die eine so vollkommene Kenntniß
des Fahrwassers haben, daß sie die Tiefen, Klippen und Sandbänke auf das
Genaueste kennen. Solcher Hindernisse für die Schifffahrt gibt es nun am
meisten an der Mündung der Flüsse, weßhalb man an solchen Orten gewöhnlich
Lootsen annimmt, um keinen Schaden zu leiden. Ist man aber über die
gefährlichen Stellen hinaus, so besteigen die Lootsen ihr an das große
Seeschiff angehängtes kleineres Fahrzeug und kehren in den Hafen zurück.
Das thaten auch die Lootsen der Fortuna. Beim Scheiden händigte Capitain
Robinson denselben noch einen Brief an seine liebe Frau mit dem Befehl ein,
ihn in Cuxhafen auf die Post zu geben, und er kam der Madame Robinson auch
richtig zu Händen. Ach! er sollte das letzte Lebenszeichen sein, das die
arme Frau von ihrem geliebten Manne erhielt!
Zwar war die Fortuna noch in dem Hafen von Vera Cruz eingelaufen und
hatte daselbst eine Ladung an Bord genommen, mit der Robinson nach Hamburg
zurückkehren wollte; allein seit dem Augenblick, wo man die Fortuna von
diesem Hafen aus dem Gesichte verlor, wurde nichts weiter von ihr gesehen
noch gehört. Aller Wahrscheinlichkeit nach war also das Schiff gesunken,
indem es, alt und morsch wie es war, zu viel Wasser geschöpft hatte.
So vergingen sechs Monate, ohne daß Frau Robinson etwas von ihrem lieben
Manne, die Rheder etwas von der Fortuna hörten und jetzt fing man an, sich
erst leisen, dann immer heftigeren Besorgnissen hinzugeben. Endlich waren
neun Monate, dann ein rundes Jahr verstrichen und die Fortuna war noch
immer nicht in den Hafen eingelaufen. Da konnte die arme Frau nicht länger
an ihrem Unglück zweifeln: ihr geliebter Mann war auf der See geblieben und
sie sollte ihn nie wieder sehen!
Ihr Schmerz war grenzenlos und sie brachte Tag und Nacht fast nur mit
Weinen zu. Ihr einziger Trost war der kleine William, der ganz das Ebenbild
seines guten Vaters und ein schöner, freundlicher Knabe war. Wenn er die
Mutter weinen sah, umschlang er ihren Hals mit seinen beiden Aermchen und
bat: »Gute Mutter, weine doch nicht! Ich will auch ganz artig sein und Dir
und dem lieben Vater keinen Kummer machen!« Wenn er aber das sagte, dann
weinte die Mutter noch heftiger und er endlich mit ihr.
In einem alten Sprichwort heißt es: »Ein Unglück kommt selten allein.«
Dieser Spruch schien sich auch an Frau Robinson bewähren zu wollen.
Ein Jahr war kaum seit dem Verschwinden ihres Gatten dahingeflossen, so
erklärten die jungen Kaufleute, denen die Fortuna zugehört hatte, daß
sie ihren Gläubigern nicht gerecht werden, das heißt, ihre Schulden nicht
bezahlen könnten. Eine solche Erklärung heißt man _bancerott_ machen. Das
Wort stammt aus dem Italienischen von =Banca rotta= -- zerbrochenen Bank
-- her, indem es in Genua Gebrauch war, den Kaufleuten, die nicht bezahlen
konnten, zum Schimpfe die Zahlbank zu zerschlagen oder zu zerbrechen.
Einen solchen Bancerott machten nun die jungen Kaufleute und da der
Kapitain Robinson ihnen all sein erworbenes Geld anvertraut hatte, ging es
mit verloren. Frau Robinson erhielt von dem Vielen, das man ihr schuldete,
nur eine sehr geringe Summe ausbezahlt und von dieser war schon nach einem
Jahre kein Heller mehr übrig, da die Arme durch den erlittenen großen
Kummer in eine schwere Krankheit verfallen war, die ihre letzten
Hülfsmittel aufzehrte.
Endlich durch die Hülfe der Aerzte von dieser Krankheit wieder genesen,
sah sich die arme Frau aller Hülfsmittel für ihre eigene und ihres
Kindes Existenz beraubt. Sie mußte also darauf denken, durch Arbeit ihren
Unterhalt zu verdienen und so suchte sie eine ihren Kräften und Fähigkeiten
angemessene Beschäftigung. Man kam ihren Wünschen freundlich entgegen und
gab ihr feine Wäsche zum Nähen. Sie verrichtete diese Arbeit eine Zeitlang
mit großem Fleiße und der ihr eigenthümlichen Pünktlichkeit; allein zu
ihrem nicht geringen Erschrecken entdeckte sie, daß ihre Augen nicht mehr
recht dienen wollten und sie sie theils durch das viele Weinen, theils
durch die feine die Sehkraft allzusehr anstrengende Arbeit gänzlich
verdorben hatte. Sie befragte jetzt einen Arzt und dieser erklärte ihr,
daß, wenn sie nicht gänzlich erblinden wolle, sie die feine Arbeit ganz
aufgeben und eine andere Lebensweise ergreifen müsse.
»Wovon soll ich aber?« rief die arme Frau bei dieser Erklärung im höchsten
Grade erschrocken aus, »mich und mein armes Kind in Zukunft ernähren? Sie
werden wissen, lieber Herr Doktor,« fügte sie mit einem schweren Seufzer
hinzu, »daß ich meinen geliebten Mann und zu gleicher Zeit auch das von
ihm erworbene Vermögen verloren habe, folglich durch Arbeiten Brod für mein
Kind und mich erwerben muß.«
»Wohl weiß ich das, liebe Madame Robinson,« erwiederte ihr der Arzt, der
ein vortrefflicher Mann und ein wahrer Menschenfreund war; »aber ich muß
trotz dem bei meinem Ausspruche beharren und Sie dringend ermahnen, für
die Folge ihres Lebens allen feinen, die Augen anstrengenden Arbeiten zu
entsagen.«
»So würde mir nichts weiter übrig bleiben, als mein Kind an die Hand zu
nehmen und von Haus zu Haus betteln zu gehen,« sagte sie, indem ein Strom
von Thränen ihr über die bleichen Wangen schoß, »und das Herr Doktor,
vermöchte ich nicht. Lieber sterben, als betteln!«
»Kommen Sie morgen um dieselbe Stunde wieder zu mir,« sagte der Arzt nach
einem kurzen Nachdenken. »Ich will die Sache mit meiner Frau überlegen; sie
ist wohlmeinend und verständig; ich hoffe, sie wird uns irgend einen Ausweg
zeigen können, und was an mir liegt, so können Sie auf mich rechnen; so
weit es meine Kräfte erlauben, will ich Ihnen beistehen. Ich bin leider
noch ein junger Arzt und besitze kein eigenes Vermögen; auch ist meine
Praxis noch klein, sonst würde ich gewiß mehr thun, als ich jetzt werde
thun können. Sorgen Sie indeß weder für die Bezahlung meiner ärztlichen
Bemühungen, noch für die Medicin und wenden Sie die Ihnen von mir
verschriebenen Medicamente sorgfältig an.«
Er reichte ihr bei diesen Worten zum Abschiede die Hand und die arme,
grambeladene Frau kehrte in ihre bescheidene Wohnung zurück. Am andern
Morgen war sie wieder bei ihrem zur Hülfe willigen Freunde. Dieser schien
sie schon erwartet zu haben und führte sie zu seiner Frau, die sie zu sich
auf den Sopha lud und sie auf das Liebevollste und Zuvorkommendste empfing.
Gute und gefühlvolle Menschen sind stets am höflichsten gegen Unglückliche;
niedere Seelen dagegen kriechen vor Reichthum, Ansehen und Macht. Wenn
ich Personen hart und unhöflich mit Leidenden, in ihrem Vermögen
Heruntergekommenen umgehen sehe, dann habe ich gleich keine gute Meinung
weder von ihrem Herzen, noch von ihrem Verstande.
»Meine liebe Madame Robinson,« sagte die treffliche Frau, indem sie ihr die
Hand reichte, mit jener herzgewinnenden Freundlichkeit, die Leidenden so
wohl thut, »mein guter Mann hat mir von Ihnen und Ihrem unverschuldeten
Leiden erzählt, indem er mich zugleich aufforderte, Ihnen nach Kräften
mit Rath und That zu Hülfe zu kommen. Nach längerem Nachsinnen ist mir
ein Ausweg eingefallen. Da drüben,« -- sie wies auf ein gegenüberliegendes
Häuschen -- »wohnte eine Frau, die sich lange Zeit hindurch anständig durch
den Verkauf von Südfrüchten und allerlei Eingemachtem ernährte. Es war
freilich bei dem kleinen Handel nicht viel übrig; allein er schützte die
Frau gegen Mangel und Sorge. Seit wenigen Tagen ist sie gestorben und das
Häuschen steht zur Miethe. Wenn Sie wollen, miethen _wir_ es für Sie --
der sehr geizige Hauswirth würde es wohl schwerlich ohne eine genügende
Bürgschaft an _Sie_ vermiethen -- und strecken Ihnen ein Sümmchen zum
Ankaufe der nöthigen Artikel vor. Auf diese Weise, so scheint es mir,
würden Sie das Nothwendige erwerben können, ohne Ihre armen Augen noch
ferner anzustrengen. Was sagen Sie zu diesem Vorschlage?«
Die gute Frau Robinson glaubte die Stimme eines Engels zu hören, als sie
diese Worte vernahm. Es fehlte nicht viel, so wäre sie der trefflichen Frau
zu Füßen gefallen, um ihr zu danken, wie es ihr Herz ihr gebot; sie hatte
kaum Worte, nur Thränen.
»Nicht wahr,« fragte ihre Wohlthäterin gerührt, »nicht wahr, Sie gehen
auf meinen Vorschlag ein und mein Mann macht noch heute die Sache mit dem
Hauswirthe richtig, damit uns kein Anderer zuvorkomme?«
»O, wenn Sie die Güte haben wollten!« stammelte Frau Robinson, indem sie
die Hände der Trefflichen ergriff. Sie wollte mehr sagen, vermochte es aber
vor Rührung nicht.
»Die Sache ist so gut wie abgemacht,« entgegnete ihr diese, »und jetzt, ich
bitte Sie, beruhigen Sie sich, regen Sie sich nicht zu sehr auf,« fügte
sie liebevoll hinzu; »mein Mann behauptet, daß Sie solche Gemüthsbewegungen
nicht gut ertragen können, und namentlich Ihren Augen dadurch schaden
würden.«
Frau Robinson ging jetzt und schon nach acht Tagen bezog sie mit ihrem
lieben William die neue Wohnung und trat ihr neues Geschäft an.
Zweites Kapitel.
Drei Jahre hindurch verlebte Frau Robinson, wenn auch nicht in Glück und
Freude -- denn noch immer konnte sie sich nicht über den Verlust ihres
Mannes trösten -- doch in Friede und ohne allzuschwere Sorge in dem ihr von
dem wackern Arzte gemietheten Hause. Das Geschäft war leicht und nicht eben
unangenehm und William, der jetzt zwölf Jahre alt geworden war, ging ihr in
seinen Musestunden so wacker dabei zur Hand, als wäre er noch einmal so alt
gewesen. Er war ein überaus sinniger und verständiger Knabe, der auf Alles
Acht gab und schnell diesen und jenen ihm gezeigten Handgriff begriff.
In der Schule, die er fast unausgesetzt besuchte -- so wollte es seine
verständige Mutter -- liebten ihn die Lehrer und seine Mitschüler, weil
er gegen erstere stets ehrerbietig, gegen die letzteren hülfreich und
freundlich war. Man konnte ihn freilich nicht eben einen großen Kopf
nennen, und ein Licht der Gelehrsamkeit würde wohl schwerlich, selbst
bei dem besten Unterrichte, aus ihm geworden sein; allein er war fleißig,
sinnig und ein höchst verständiger Knabe, der zu mechanischen Arbeiten eine
große Neigung hatte; auch wollte er, wie er sagte, entweder ein Tischler
oder Drechsler werden und die Mutter hatte nichts dagegen, daß er ein
Handwerk ergriffe.
Die edle Familie, welche sich der Frau Robinson in der Zeit ihrer Noth so
menschenfreundlich angenommen, hatte indeß seit länger denn einem Jahre
Hamburg verlassen, indem der junge Arzt einem ehrenvollen Rufe nach Rußland
folgte, wo er bei der Armee als Stabsarzt angestellt wurde. Er hatte
nämlich das Glück gehabt, einem reisenden, sehr reichen und vornehmen
Russen, einem Prinzen, durch seine große Geschicklichkeit und Sorgfalt das
Leben zu retten. Als dieser heimgekehrt war, empfahl er dem Kaiser seinen
Erretter so dringend, daß man den geschickten Mann unter den glänzendsten
Bedingungen nach Rußland berief, wo er in der Folge eben so reich als
angesehen wurde.
Durch diesen Zufall hatte Frau Robinson ihre großmüthigen Beschützer
verloren, und so glücklich es für diese war, so unglücklich war er für die
arme Frau. Kurz nach der Abreise der Beiden fiel es einem Speculanten ein,
die kleinen Häuser, wovon Frau Robinson das eine bewohnte, zu kaufen,
sie bis auf den Grund niederreißen und an deren Stelle große, prachtvolle
Häuser erbauen zu lassen, und da er dem Besitzer der kleinen Wohnungen eine
ansehnliche Summe bot, war man des Handels bald einig. Frau Robinson mußte
also ihre bisherige Wohnung, in der es ihr so wohl ergangen war, verlassen
und sich nach einer andern umsehen. Da sie in der Gegend als eine redliche
und zuverlässige Frau bekannt war und fürchten mußte, ihre Kundschaft zu
verlieren, wenn sie in einen andern Theil der sehr großen Stadt zöge, sah
sie sich in der Nähe ihrer bisherigen Wohnung nach einer andern um. Allein
die Häuser waren zum Theil so groß und die Miethe so theuer, daß ihr
endlich nichts weiter übrig blieb, als einen eben frei werdenden Keller zu
miethen.
Dies war ein enger, trauriger und düsterer Aufenthalt; nur auf wenige
Augenblicke fiel ein Sonnenstrahl in das kleine, dumpfe Stübchen und die
noch kleinere Schlafstätte entbehrte sogar gänzlich des lieben Tageslichts.
Indeß mußte man sich doch noch glücklich schätzen, diese Wohnung um einen
mäßigen Preis erstanden zu haben und Williams Umsicht und Liebe wußte sie
zu verschönern.
An Sparsamkeit von Jugend auf gewöhnt, hatte er alle seine Schulhefte
aufgehoben und beklebte mit dem dadurch gewonnenen Papier die nur mit Kalk
beworfenen Wände. Als er damit fertig und alles gehörig getrocknet war,
verschaffte er sich Farbe und einen Malerpinsel und strich die Papierwände
so eben und gut mit einer hellen Farbe an, daß das Ganze wirklich ein recht
freundliches Ansehen gewann. Dann zog er auch vor dem kleinen Fenster des
Stübchens eine Menge Blumen, die er sich zu verschaffen gewußt hatte. Da
er bei Allen beliebt war, gab ihm bald dieser, bald jener seiner Mitschüler
ein hübsches Pflänzchen oder auch nur einen Absenker und er verstand es
so zu hegen und zu pflegen, daß es in kurzer Zeit freudig emporwuchs
und Stengel, Blüthen und Blumen trieb. So oft er eine Stunde Zeit hatte,
beschäftigte er sich mit seinen Blumen, trug sie ins Freie hinaus, begoß
und putzte sie und hatte seine herzinnige Freude daran, wenn die Blicke
seiner lieben Mutter mit Wohlgefallen darauf ruhten.
An diesem Orte verlebte man so noch ein Jahr und es schien, als ob das
Schicksal müde geworden sei, die arme Frau Robinson zu verfolgen. Die
alten Kunden blieben ihr getreu und der kleine Handel ging ganz so gut,
wie vorher. Da, als man sich dessen nicht versah, miethete einer der ersten
Fruchthändler der Stadt, ein Mann, der bereits durch diesen Handel reich
geworden war, eins der neu erbauten Häuser und etablirte sich in demselben,
indem er einen Gehülfen hineinsetzte. Alle nur erdenklichen Früchte und
die Leckereien aller Zonen und Welttheile wurden hinter Spiegelfenstern
zur Schau ausgestellt; in krystallenen Gefäßen schwammen Forellen und
Goldfische; hier glühten Orangen, Citronen und Apfelsinen; dort dufteten
Ananasse, Melonen und Granatäpfel; von den köstlichsten Trauben waren
Guirlanden gebildet, Käse standen da in Ananasform; Kastanien, Rosienen,
Mandeln u. s. w. bildeten den Hintergrund; kurz, Alles was nur Auge und
Gaumen reizen konnte, war da und in der größesten Fülle.
Wie armselig nahm sich dagegen der Keller der Frau Robinson aus! Auch sah
Keiner mehr auf denselben nieder, sondern die Blicke aller Vorübergehenden
wendeten sich auf das großartige Etablissement in dem schönen Hause; Alles
strömte dahin, während der Keller fast gänzlich verödete.
Dies war ein furchtbarer Schlag für die Vielgeprüfte und hätte sie nicht
Gott im Herzen gehabt, nicht ihm vertraut, so würde sie diesem neuen
Unglücke vielleicht erlegen sein. Sie aber wandte Herz und Auge zum Himmel
empor und sagte: »Herr, in Deine Hände lege ich mein Geschick: Du wirst
wissen, wozu mir diese neue Prüfung nütz ist und Dein Kind nicht allzusehr
prüfen. Dein heiliger Wille geschehe im Himmel, wie auf Erden. Amen!«
Trotz dieses frommen, unerschütterlichen Vertrauens zu ihrem himmlischen
Vater trat ihr aber doch eine Thräne in das Auge, wenn sie an die Zukunft
ihres lieben Williams dachte. Denn die Zeit war nahe, wo er zu einem
Meister in die Lehre gethan werden mußte und dazu war vor allen Dingen Geld
erforderlich. Woher aber dieses nehmen, da der Erwerb so schmal geworden,
daß man an manchen Tagen sich kaum an trockenem Brode satt essen konnte?
Wenn man den Keller hätte verlassen und in einem andern Theile der Stadt
eine andere Wohnung miethen können, so wäre vielleicht noch alles gut
gegangen; allein das konnte man nicht, da man, in der Furcht, vielleicht
von dem Hauswirthe in der Miethe aufgetrieben zu werden, den Keller auf
Contract, das heißt, auf mehrere Jahre gemiethet hatte. Man mußte also
bleiben, wo man war und seinem völligen Ruin entgegensehen.
So standen die Sachen, als der Fruchthändler, welcher das große Haus
gemiethet hatte, zur nicht geringen Verwunderung der Frau Robinson an einem
Morgen zu ihr eintrat und sie fragte; ob sie geneigt sei, seinem Geschäfte
vorzustehen? wofür er ihr eine billige Vergütung geben, auch die Miethe für
den Keller auf sich nehmen wolle.
Zu dieser Anfrage wurde er durch den Umstand veranlaßt, daß er entdeckt
hatte, wie der von ihm eingesetzte Gehülfe ihn um bedeutende Summen
betrogen. Er mußte ihn also aus dem Dienste jagen und sich nach einer
redlichen, auch mit dem Geschäfte vertrauten Person umsehen. Man schlug
ihm dazu Frau Robinson vor, deren Charakter man ihm sehr rühmte, und da
sie überdieß diese Art von Handel kannte, stand er nicht an, auf sie zu
reflectiren.
Ein solcher Vorschlag war nicht zu verachten; allein der hinkende Bote kam
nach: Herr _Berger_ -- so hieß der große Fruchthändler -- forderte von Frau
Robinson, daß sie sich schon jetzt von ihrem Sohne trennen und ihn in
die Lehre geben solle, obgleich er noch nicht das gehörige Alter und
die erforderlichen Körperkräfte erlangt hatte. »Denn,« sagte er, »so ein
Bürschchen kann leicht in Verführung gerathen und könnte es mir eben so mit
ihm ergehen, wie mit meinem früheren Gehülfen, der mein Geld verthat und
mich in großen Verlust brachte.«
Vergebens betheuerte ihm Frau Robinson, daß er dergleichen von ihrem
William nicht zu befürchten habe: er blieb bei seiner Meinung und seinen
Ansichten und verließ sie mit den Worten:
»Ueberlegen Sie meinen Vorschlag: ich lasse Ihnen bis Morgen Mittag Zeit.
Gehen Sie dann nicht auf denselben ein, so muß ich mich nach einer andern
Hülfe umsehen.«
»Mutter,« nahm William das Wort, »liebe Mutter, Du solltest den Vorschlag
des Herrn Berger nur annehmen, und Dir keine unnöthige Sorge um mich
machen.«
»Was redest Du mein Kind?« versetzte die Mutter, »bist Du doch mein Ein und
mein Alles, und lebe ich nur noch für Dich!«
»O, ich weiß, welche große Liebe Du mir schenkst,« versetzte William
gerührt; »aber ich dächte, daß ich doch vielleicht schon einen Meister
fände, der mich zu sich nähme, obschon ich noch nicht das gehörige Alter
habe. Ich würde in diesem Falle ein Jahr länger Lehrbursche sein müssen und
das wollte ich gerne, wenn ich Dich nur einer so schweren Sorge überhoben
sähe. Erlaubst Du mir,« fügte er schmeichelnd hinzu, »erlaubst Du, liebes
Mütterchen, mir, zu dem Meister Brandt zu gehen, und ihn zu fragen, ob er
mich schon jetzt zu sich nehmen und mich in seinem Handwerke unterrichten
wolle? Ich denke, daß er es thun werde, da er gut und freundlich ist und
mir versprochen hat, daß er mein Lehrherr werden wolle.«
Die Mutter machte noch einige Einwendungen gegen diesen Vorschlag, dann
aber willigte sie, den dringenden Bitten Williams nachgebend, endlich
doch ein und der gute Knabe sprang die Gasse hinunter, um sich zum
Tischlermeister Brandt zu begeben, der nicht weit von ihnen wohnte.
Er fand den Meister, einen freundlichen und geschickten Mann, in seiner
Werkstatt beschäftigt. Als er unsern William eintreten sah, ließ er die
fleißige und kunstfertige Hand, die den Hobel führte, einen Augenblick
ruhen, um sie ihm zur Bewillkommung entgegen zu strecken.
»Nun,« sagte er, »da bist Du wieder, um zuzusehen? Es gefällt mir an Dir,
daß Du schon jetzt eine so große Neigung für Dein künftiges Geschäft hast
und in Deinen Mußestunden meiner Arbeit zusiehst. Aus Dir wird, so hoffe
ich zu Gott, einmal ein tüchtiger Mann in unserm Fache werden und ich freue
mich schon auf die Zeit, wo Du zu mir ins Haus und in die Lehre treten
wirst.«
»Lieber Meister,« antwortete ihm William etwas schüchtern, wie man es
allemal zu sein pflegt, wenn man eine Bitte vorzutragen hat, von deren
Gewährung viel für uns abhängt. »Lieber Meister Brandt, sollte es nicht
möglich sein, daß Ihr mich schon jetzt gleich, wo möglich schon Morgen, zu
Euch in die Lehre nähmet?«
»Wenn das von mir abhinge,« versetzte der wackere Mann freundlich, »so
nähme ich Dich lieber heute als morgen um so mehr, da ich so eben einen
Lehrburschen habe fortschicken müssen, der träge, unlustig zur Arbeit,
verlogen und mit so vielen andern Fehlern behaftet war, daß ich ihn nicht
bei mir behalten konnte, schon meiner Kinder wegen, die er mir vielleicht
mit verdorben haben würde. Ich muß mich daher nach einem andern
Lehrburschen umsehen und«.....
»Der werde _ich_ sein? nicht wahr?« unterbrach ihn William mit freudig
bewegter Stimme.
»Der würdest Du unfehlbar sein,« versetzte der Meister, »wenn Du zwei Jahre
älter und schon confirmirt wärest.«
»O, confirmirt könnte ich ja später werden,« sagte William, »und was mein
Alter anbetrifft, so könnte es Euch, lieber Meister, wohl gleichgültig
sein, wenn ich nur die erforderlichen Kräfte und Fähigkeiten besäße; ich
gelobe Euch aber, daß ich durch Fleiß und Aufmerksamkeit ersetzen will, was
mir noch an Jahren abgeht.«
»Weßhalb wünschest Du denn aber, sofort bei mir einzutreten?« forschte der
Meister; »Du hast Dich doch nicht etwa gar mit Deiner braven Mutter erzürnt
und wünschest deßhalb, sie auf der Stelle zu verlassen?«
»Gott bewahre!« rief William, dem bei dieser Aeußerung des Meisters das
Blut in die Wangen stieg, und nun erzählte er dem guten Manne mit seiner
gewohnten Offenheit, wie die Sachen standen und was es eigentlich war, das
ihn zu dem Wunsche bewog, die geliebte Mutter schon jetzt zu verlassen.
Brandt hörte ihm mit theilnehmender Aufmerksamkeit zu, dann, als er geendet
hatte, reichte er ihm die Hand und sagte mit gerührter Stimme:
»Wie glücklich würde ich sein, wenn ich Deinen Wunsch gewähren könnte; das
kann ich aber leider nicht. Wir Handwerker haben unsere eigenen Gesetze
und die verbieten es uns, einen Knaben, der noch nicht das fünfzehnte Jahr
erreicht hat und noch nicht confirmirt ist, in die Lehre zu nehmen. So leid
es mir also auch thut, so muß ich Dir Deine Bitte abschlagen.«
Das war nun für unsern William ein trostloser Bescheid. Er war mit der
größesten Hoffnung hergekommen, da er der Güte Brandt's fest vertraute, und
hoffnungslos sollte er jetzt von ihm scheiden. Der Gedanke, was jetzt aus
seiner guten Mutter werden solle, preßte ihm bittere Thränen aus, deren
Strom Meister Brandt vergebens zu hemmen bemüht war.
In dem Augenblick, wo diese am heftigsten flossen, öffnete sich die
Thür der Werkstatt und ein Mann von mittleren Jahren, von untersetzter,
kräftiger Gestalt, mit einem von der Sonne gebräunten Gesichte, trat zu
den Beiden ein. Seine Kleidung war sehr fein und ganz neu, hing ihm aber
ziemlich weit auf dem Leibe; er hatte einen weißlichen Kastorhut auf dem
Kopfe; um den Hals war ein buntes, seidenes Tuch geknüpft, dessen Zipfel
weit auf die Brust herabfielen; er trug sehr weite Hosen von blauem Tuche,
eine lange, goldene Uhrkette mit einem halben Dutzend goldener Uhrschlüssel
und Pettschaften daran und aus der Tasche seines Rockes guckte ein
hochrothes, seidenes Schnupftuch hervor. Unser William erkannte auf den
ersten Blick einen Schiffskapitain in diesem Manne und im Andenken an
seinen lieben, verschollenen Vater schlug sein Herz mächtig beim Anblick
desselben.
Da er sich, als die Thüre sich öffnete, nach dem Eintretenden umgesehen
hatte, blickte dieser ihm in das von Thränen überströmte Gesicht und mit
seemännischer Freundlichkeit auf ihn zugehend, sagte er:
»Was ist denn dem Jüngelchen, daß es so weint?«
William erröthete über und über bei dieser Frage des fremden Mannes und
Kapitain _Hansen_ -- dies war sein Name -- der es bemerkte, fuhr fort:
»Du brauchst Dich vor mir Deiner Thränen nicht zu schämen, Kleiner;
freilich wenn Du ein großer Kerl wärest und flenntest dann, so würd'
ich 'ne schlechte Idee von Dir bekommen. Sag' mir lieber, was Dir ist,
vielleicht kann ich Dir helfen.«
»Das arme Kind ist übel daran,« nahm jetzt Meister Brandt das Wort, und
nun erzählte er dem Kapitain, wie die Sachen standen. Dieser hörte ihm
mit gespannter Aufmerksamkeit und sichtbarer Theilnahme zu; dann, als er
geendet hatte, nahm er das Wort und sagte:
»Dem armen Jungen und seiner Mutter würde leicht zu helfen sein, wenn beide
keine Abneigung gegen das Seeleben hätten.«
»Die habe ich gewiß nicht,« antwortete ihm William, »waren doch mein Vater
und Großvater eben so gut Schiffscapitaine, als, wie ich glaube, der Herr
es sind.«
»So? Dein Vater und Großvater waren Seeleute?« fragte Kapitain Hansen
überrascht. »Wie hießen sie, mein Jüngelchen?«
»Mein Großvater hieß Elliot und mein Vater Arthur Robinson,« versetzte
William, schon etwas dreister.
»Das sind Namen, die zur See guten Klang halten,« nahm Hansen wieder das
Wort. »Ich hörte oft von ihnen reden, sowohl in Europa, als in andern
Welttheilen, und es freut mich, daß ich die Bekanntschaft des Sohnes
und Enkels so braver Leute gemacht habe,« fügte er liebevoll hinzu.
»Hoffentlich bist Du, mein Kind, nicht aus der Art geschlagen und wenn dem
so sein sollte, würde es eine große Freude für mich sein, erst aus Dir eine
tüchtige Theerjacke,[1] dann aber einen Capitain zu machen, wie es Deine
Vorfahren waren. Hättest Du wohl Lust, mit mir auf die See zu gehen?«
[1]: In der seemännischen Sprache nennt man so die Matrosen.
William erröthete bei diesem Vorschlag über und über. Es war ihm bis jetzt
noch gar nicht eingefallen, daß ein solcher Ausweg ihm übrig bliebe, um
seine gute Mutter von der Sorge um ihn zu befreien und so überraschte er
ihn um so mehr. Hansen, der sein Erröthen falsch deuten, sagte:
»Wenn Du Dich aber fürchtest, so bleib' lieber zu Hause: ein Seemann muß
vor allen Dingen Muth in der Brust haben und sich vor Nichts fürchten.«
»O, ich fürchte mich vor dem Wasser gewiß nicht,« war die Antwort Williams,
»und wenn meine gute Mutter nur wollte, wie ich will, so wäre der Handel
bald geschlossen.«
»So befrage Deine Mutter,« versetzte der Capitain, »und bringe mir Morgen,
zwischen acht und neun Uhr, Deine Antwort. Hier ist meine Adresse,« fügte
er hinzu, indem er ein Blatt Papier aus seiner Brieftasche riß und seinen
Namen und seine Wohnung darauf bemerkte. »Du mußt Dich aber schnell
entschließen,« fuhr er fort; »mein Schiff liegt segelfertig und ich warte
nur noch auf günstigen Wind, um den Hafen zu verlassen. Bringst Du mir
Morgen früh bis neun Uhr keine Antwort, so suche ich mir einen andern
Jungen, denn ich muß einen haben; Du aber würdest mir der liebste sein, da
Du von so wackern Seeleuten abstammst.«
Der Capitain wandte sich jetzt an Meister Brandt, mit dem er von Geschäften
zu sprechen hatte, und unser William, dem durch den Vorschlag Hansens
eine neue Welt aufgegangen war, eilte mit schnellen Schritten nach seiner
Wohnung zurück, um ihn der Mutter mitzutheilen.
Drittes Kapitel.
Als die Mutter ihn so eilig und mit vor Freude glühenden Wangen bei sich
anlangen sah, glaubte sie schon, daß Meister Brandt auf den Wunsch Williams
eingegangen sei und ihm versprochen habe, ihn schon jetzt zu sich in
das Haus zu nehmen. Diese glückliche Täuschung währte aber nur wenige
Augenblicke, indem William ihr die abschlägige Antwort des Tischlers,
zugleich aber den Vorschlag Hansens, ihn mit auf die See nehmen zu wollen,
mittheilte. Die gute Frau wurde todtenbleich vor Schrecken, als William sie
dringend bat, ihm ihre Erlaubniß zur Mitreise nicht versagen zu wollen und
nach einem kurzen Nachdenken erklärte sie mit Bestimmtheit, daß sie lieber
Alles erdulden, als ihr Liebstes dem unsichern Elemente anvertrauen wolle.
»Ich habe,« sagte sie unter Thränen, »kein anderes Gut auf Erden, als Dich
und der Gedanke, mich von Dir trennen zu sollen, würde völlig unerträglich
für mich sein. Möge daher kommen was da will: ich lasse Dich nicht und
will lieber Hunger und Kummer mit Dir ertragen, als getrennt von Dir im
Wohlleben schwelgen.«
Vergebens bot William seine ganze kindliche Beredsamkeit auf, sie zu einem
andern Entschlusse zu bringen: sie beharrte bei dem einmal gefaßten und
befahl ihm, sofort zu dem Capitain Hansen zu gehen, um diesem zu sagen,
daß er nicht auf ihn rechnen und sich sobald als möglich einen andern
Kajütenwächter suchen möge.
Mit schwerem Herzen und zum ersten Male mit innerm Widerstreben
gehorchte William ihr. Nicht mit schnellen Schritten sondern langsam und
niedergedrückt, wanderte er den Vorsetzen zu, wo sich die Wohnung des
Capitains befand. Er traf diesen nicht zu Hause an, wohl aber seine Frau,
die ihm sagte, daß ihr Mann so eben an Bord gegangen sei, weil der Wind
sich gedreht habe.
»Da es möglich ist,« fügte die Frau Capitainin hinzu, »daß mein Mann noch
heute absegelt, lasse ich mich sogleich an das Schiff fahren, um Abschied
von ihm zu nehmen, und wenn Du willst, kannst Du mit mir gehen, um selbst
Deine Bestellung an ihn auszurichten.«
William, der noch nie, so weit seine Erinnerung reichte, auf einem großen
Schiffe gewesen war, nahm diesen Vorschlag mit Freuden an und ehe noch eine
halbe Stunde vergangen war, befanden Beide sich am Bord der _Hoffnung_, wie
das große, prächtige vom Kapitain Hansen befehligte Kauffarteischiff hieß.
Als der Capitain ihn mit seiner Frau an Bord kommen sah, lächelte er ihm
freundlich zu und sagte:
»Nun, ich sehe, Du bist von ächtem Schrot und Korn und zauderst nicht, Dein
Glück auf dem schönen Elemente zu versuchen. Es ist mir sehr lieb, daß Du
da bist; der Wind ist so günstig als möglich und in einer Stunde geht
es vorwärts. Es würde mich, da ich fest auf Dich gerechnet, in große
Verlegenheit gesetzt haben, wenn Du nicht gekommen wärest.«
»Ach, lieber Herr Capitain,« versetzte William mit unsicherer, fast von
Thränen erstickter Stimme, »ich bin nicht hier, um mit Ihnen in See zu
gehen, sondern um Ihnen zu sagen, daß meine Mutter mir mit Bestimmtheit die
Erlaubniß verweigert hat, ein Seemann zu werden.«
»Ei, da mußt Du, sofern Du wirklich Neigung zum Seeleben hast, es ihr über
den Kopf nehmen,« antwortete ihm Hansen. »Die Mütter sind gar zaghafte,
ängstliche Geschöpfe,« fügte er hinzu. »Mit der meinigen ging es mir nicht
besser; die hätte weit lieber einen Federfuchser aus mir gemacht, als einen
Seemann; ich aber schlug ihr ein Schnippchen und ehe sie es sich versah,
schwamm ich auf dem Meere. Als ich einmal fort war, mußte sie sich schon
trösten und beruhigen, und das wird auch die Deinige thun, wenn die Sache
einmal nicht mehr zu ändern ist. Nicht wahr, Du bleibst bei mir?« schloß er
seine Rede, indem er William die Hand reichte.
»Ach, dürfte ich das doch, ohne eine Sünde zu begehen,« sagte der arme
Knabe, dem die hellen Thränen über die Wangen flossen, »aber der liebe
Gott würde es mir, denke ich, nie vergeben, wenn ich meine gute, liebevolle
Mutter durch solchen Ungehorsam betrübte; es könnte überdieß ihr Tod sein,
wenn sie nicht wüßte, wo ich geblieben wäre.«
»Dafür dürfte leicht Rath geschafft werden,« versetzte der Capitain. »Meine
Frau kehrt an's Land zurück und die könnte Deiner Mutter schon Bescheid
sagen. Wo wohnt sie?«
William nannte ihm die Gasse und die Hausnummer, bestand aber trotz dem
darauf, daß er mit der Frau Capitainin an's Land zurückkehren wolle.
»Du kannst Dir das noch ein Weilchen überlegen,« sagte Hansen nach einem
kurzen Nachdenken: »das Schiff segelt noch nicht ab und Du wirst noch
immer vor Dunkelwerden an's Land kommen können. Komm mit in die Kajüte und
verzehre ein Waizenbrod mit mir; dabei kannst Du überlegen, was Du zu thun
hast.«
William, der wirklich mit sich selbst kämpfte, folgte dieser Einladung und
Capitain Hansen bewirthete seinen jungen Gast auf das Beste. Er bot ihm
auch ein Gläschen Cognac an, das William, der nie dergleichen gekostet
hatte, aber verschmähte. Hansen ließ darauf eine Flasche süßen Weins,
Mallaga, bringen und drang William ein Gläschen davon auf; es mundete
ihm, da der Wein sehr süß und angenehm war. Er kannte die Gefahr eines so
feurigen Getränkes nicht und trank in aller Unschuld, schon halb von dem
ersten Glase berauscht, ein zweites, vielleicht gar ein drittes; denn
schon wußte der arme Knabe nicht mehr, was er that, und bevor noch ein
Viertelstündchen vergangen war, lag er in einem so tiefen Schlafe auf dem
Sopha in der Kajüte des Capitains, daß die Welt hätte untergehen können,
ohne daß er es bemerkt haben würde.
»Du willst ihn also mit Gewalt und wider seinen Willen mitnehmen?« fragte
die Frau des Capitains, einen mitleidigen Blick auf den armen Schlafenden
wendend, ihren Mann.
»Gewiß will ich das,« versetzte Hansen mit einem häßlichen Lachen; »kam er
mir doch eben recht und ist mir völlig unentbehrlich. Du weißt, welche Mühe
ich mir gegeben habe, einen Schiffsjungen zu erhalten, nachdem der frühere,
aus Amerika mitgebrachte, mir hier entlaufen ist, und jetzt sollte ich die
gute Gelegenheit unbenutzt lassen, mir das durchaus nothwendige Subjekt zu
verschaffen?«
»Was wird aber die Mutter des armen Knaben sagen? wie wird sie sich
ängstigen und grämen!« wandte die gute Frau ein. »Ich glaube, daß ich vor
Angst stürbe, wenn mir das begegnete,« fügte sie hinzu; »Du solltest ihn
wecken und mit mir an's Land gehen lassen!«
»Daß ich ein Narr wäre!« rief Hansen unwillig. »Wollte man auf
Weibergeschwätz hören und auf Weiberthränen sehen, so würde man zu Nichts
in der Welt kommen. Laß mich mit Deinen Vorstellungen in Ruhe und kehre Du
in Gottesnamen allein an das Land zurück. In einer Stunde sind wir aus dem
Hafen und, wenn der Wind so bleibt wie er jetzt ist, schon über Nacht in
See. In dieser Jahreszeit hat man keine Stunde zu verlieren; der Dezember
ist nahe und wenn ich mich nicht spute, friert mir die Hoffnung gar noch
hier ein.«
Die Frau, welche ihren Mann genau kannte und recht gut wußte, daß man durch
Vorstellungen nichts über seinen starren, bösen Sinn gewann, wandte ihr
Auge seufzend von dem armen Schläfer ab und schickte sich an, das Schiff
ohne ihn zu verlassen, was sie that, nachdem sie einen kurzen Abschied von
ihrem Manne genommen hatte.
Die Sache war die, daß Capitain Hansen in dem Rufe eines bösen Mannes und
argen Tyrannen stand, weßhalb es ihm allemal schwer fiel, sein Schiff zu
bemannen, am allerschwersten aber, einen Kajütenwächter zu finden,
weil diese armen Unglücklichen, in seiner unmittelbaren Nähe lebend, es
schlimmer als die wirklichen Matrosen hatten, die, da sie bereits Männer
waren, ihm bei vorkommenden Gelegenheiten die Stirn boten.
Sobald er den armen William bei dem Tischlermeister erblickte, fuhr der
Gedanke ihm durch den Kopf: das könnte wohl ein Schiffsjunge für dich sein,
und er nahm die Miene großer Freundlichkeit gegen den armen Getäuschten an,
um ihn desto sicherer ins Netz zu locken. Es war auch nicht an dem, daß er
von dem Vater und Großvater William's etwas gehört hatte; da es ihm aber
auf eine Lüge mehr oder minder nicht ankam, brachte er auch die vor, daß
ihm der Name und Ruf derselben bekannt sei.
Trotz dem wäre ihm sein Vorhaben mißlungen und er hätte ohne Kajütenwächter
absegeln müssen, wenn der Zufall den armen William nicht an Bord und in die
Gewalt des bösen Mannes geführt hätte; so wie der Knabe aber das Verdeck
betreten hatte, gelobte Hansen es sich, daß er nicht wieder von Bord solle,
und wir haben gesehen, durch welches abscheuliche Mittel er seinen bösen
Willen durchzusetzen wußte.
Während nun William im tiefsten Schlafe in der Kajüte des Capitains lag und
die Hoffnung alle ihre Segel entfaltete, um den Hafen noch vor Anbruch der
Nacht zu verlassen, stand Frau Robinson eine unbeschreibliche Angst um ihr
armes Kind aus. Es dämmerte bereits und noch immer war William nicht wieder
da. Der Weg bis zu den Vorsetzen, wo, wie sie wußte, Capitain Hansen seine
Wohnung hatte, war zwar weit; aber trotz dem hätte der Knabe, wenn ihm kein
Unfall zugestoßen, doch schon längst zurück sein müssen. Endlich wurde es
völlig dunkel und das Geräusch in den Gassen nahm bereits ab; mit jeder
dahinschwindenden Minute vermehrte sich die Angst der armen Frau und diese
nahm endlich so sehr überhand, daß sie ihren Keller zuschloß und sich
auf den Weg nach den Vorsetzen machte, wo sie sich nach der Wohnung des
Capitains Hansen erkundigen wollte.
Obgleich sie so schnell ging, als es ihre Kräfte nur irgend erlaubten, war
es ihr doch, als ob sie nicht von der Stelle käme. Endlich hatte sie
die Vorsetzen erreicht und nach langem Fragen auch die gesuchte Wohnung
gefunden. Bevor sie diese betrat, mußte sie erst einige Augenblicke an der
Thüre stehen bleiben, um Athem und Muth zu schöpfen; denn was sollte wohl
aus ihr werden, wenn man ihr auch hier keine Nachricht über ihren William
ertheilen könnte?
Nach einigen Minuten der Erholung drückte sie den Thürklopfer nieder und
trat in das Haus. Es war völlig dunkel auf der Flur und es herrschte
eine Stille in der Wohnung, als wäre sie gänzlich unbewohnt. Erst als sie
mehrere Male und mit immer lauterer Stimme »guten Abend!« gerufen hatte,
öffnete sich im Hintergrunde der Flur eine Thür und eine noch ziemlich
junge Frau trat, mit einem Lichte in der Hand, aus derselben ihr entgegen.
»Bin ich hier recht?« fragte Frau Robinson mit vor Angst und Beklemmung
bebender Stimme; »ich suche den Herrn Schiffskapitain Hansen?«
»Wenn Sie den zu sprechen wünschen,« antwortete ihr die Frau, »so kommen
Sie leider zu spät: mein Mann ist bereits seit einigen Stunden abgesegelt.«
»So habe ich die Ehre, seine Frau zu sprechen,« fragte die arme Mutter.
»Ihnen zu dienen,« war die Antwort; »aber treten Sie gütigst zu mir ein,«
fügte die Capitainsfrau hinzu, indem sie die Stubenthür öffnete.
»Verzeihen Sie meine Zudringlichkeit, liebe Madame,« nahm Frau Robinson
wieder das Wort; »einer armen Mutter, die schier vor Angst vergeht, werden
Sie gewiß einige Nachsicht schenken. Ich suche meinen Sohn, den ich
mit einem Auftrage an Ihren Mann schickte, und der, ganz wider seine
Gewohnheit, nicht wieder nach Hause zurückgekehrt ist. Mein Name ist
Robinson; vielleicht hörten sie ihn von Ihrem Manne nennen, der so gütig
sein wollte, meinen William mit sich zu nehmen, was ich aber nicht zugeben
konnte.«
»Ach! Sie sind die Mutter des jungen Menschen?« antwortete ihr die
Capitainin nicht ohne Verlegenheit. »Es freut mich,« fuhr sie nach einigem
Zögern fort, denn ihr fiel die Lüge eben so schwer, als sie ihrem Manne
leicht fiel, »es freut mich, Ihnen sagen zu können, daß er sich in seiner
neuen Lage ganz wohl befindet und wahrscheinlich vollkommen glücklich
fühlt, da er seinen Beruf mit großer Liebe ergriffen hat.«