20. szene

(Verwandlung. Großer indianischer Garten. Auf der einen Seite ein

Blumenthron für Zoraide, auf der andern der praktikable Eingang in

ein schön verziertes chinesisches Lusthaus. Einzug. Tänzer und

Tänzerinnen voraus, dann Tutus Gefolge. Zum Schlusse tutu,

zoraide, hassar. Zoraide besteigt den Thron, die Zaubergaben

werden ihr auf drei Polstern vorgetragen.)

chor.

Lange herrschte Zoraide

Durch des Geistes Strahlenkranz,

Unser Jubel werd’ nicht müde

Zu verkünden ihren Glanz.

zoraide (stolz). Ich danke euch! Obwohl es mir durchaus

keine Neuigkeit mehr ist, daß mein Witz und meine

Schönheit sich mit allen weiblichen Vorzügen auf dieser

Erde messen können; so will ich doch nicht so

unbescheiden sein, es heute nicht noch einmal aus eurem

jauchzenden Munde anzuhören.

alles. Heil Zoraide!

zoraide. Papa, nehmen Sie jetzt das Wort.

tutu. Still! ich nehm’ jetzt das Wort.--Alle meine Herren und

Frauen, laßt euch sagen: wir sind hier versammelt, um ein

Fest zu feiern, welches wir veranstaltet haben, weil meine

Tochter durch die außerordentlichen Gaben ihres

Verstandes, welcher sogar den meinigen noch übertrifft,

dem übermütigen Fremdling, der auf unsere Insel

gekommen ist, drei Zaubergaben von hohem Werte

abgenommen hat.--Weil dieser Fremdling nun--nicht

wahr, meine Tochter?--weil dieser Fremdling so

undankbar an uns gehandelt hat, so--so--weiß ich vor

Zorn gar nicht mehr, was ich reden soll. (Auf Zoraiden

deutend.) Die Fortsetzung folgt.

zoraide. Hier sind die Zaubergaben. Durch dieses Horn ist

unsere Insel vor jedem Überfall gesichert. Dieser Stab

birgt eine goldene Welt, und diese Binde trägt mit

Blitzesschnelle den, er sie trägt, an den entferntesten Ort.

Alle diese Gaben werde ich vorzüglich zu eurem Glück

anwenden.

alle. Heil Tutu! Heil Zoraide!

hassar. Nehmen Sie, gnädigste Gebieterin, hier die Früchte

unserer Muse, welche in den größten indianischen Köpfen

erst heute morgen reif geworden sind.

zoraide. Wo sind sie?

(Vier Sklaven bringen auf einer Trage einen sehr großen, aber

seichten goldenen Korb, worin eine große Menge von Gedichten

aufgehäuft ist von verschiedenen Farben.)

hassar. Hier ist dieser poetische Ragout!

zoraide (nimmt mehrere davon in die Hand, ohne sie anzusehen).

Was enthalten sie?

hassar. Die ungeheuersten Lobsprüche auf deine

Liebenswürdigkeit und deinen Verstand.

zoraide (mit selbstgefälligem Lächeln). Sie gefallen mir. Eine

schöne Schreibart; ich bin ganz zufrieden damit.

tutu (wiegt einige in der Hand). Ah ja, sie sein recht gut, sein

recht gut. Sein mitunter recht frische dabei, wie man jetzt

sagt: mit humoristischer Frische.

hassar. Und nun erlaube auch, daß meine Schönheit es wagt,

dir auch eine Poesie zu übergeben.

zoraide. Was ist es denn?

hassar. Es ist eine Elegie auf deine Liebenswürdigkeit.

tutu. Das hat er g’wiß wo abgeschrieben. Das trau’ ich ihm

nicht zu, daß er eine Negligé machen kann, oder wie das

heißt.

hassar. Herr, bei meiner Schönheit, ich hab’ es selbst verfaßt.

zoraide. Genug, ich werd’ Ihm hernach schon etwas

schenken. Tragt die Gedichte auf mein Gemach. (Es

geschieht.) Die Gaben hier hinein, ich werd’ sie bewachen.

ein sklave. Herr, die Tafel ist bereit.

tutu. Ah, du hast ein schönes Wort gesprochen. (Laut zu

allen.) Die Tafel ist bereit.

alle. Ah!

tutu. Komm, meine Tochter! Der Geist hat seine Mahlzeit

eingenommen, jetzt wollen wir dem Magen auch eine

kleine Vorlesung halten. Man folge uns!

(Alles geht ab, bis auf Hassar und die Tänzer.)

hassar. Wenn ich die Hände klatsche, so beginnt der Tanz.

Der Barometermacher auf der Zauberinsel · 第 42 / 49 题