(Verwandlung. Großer indianischer Garten. Auf der einen Seite ein
Blumenthron für Zoraide, auf der andern der praktikable Eingang in
ein schön verziertes chinesisches Lusthaus. Einzug. Tänzer und
Tänzerinnen voraus, dann Tutus Gefolge. Zum Schlusse tutu,
zoraide, hassar. Zoraide besteigt den Thron, die Zaubergaben
werden ihr auf drei Polstern vorgetragen.)
chor.
Lange herrschte Zoraide
Durch des Geistes Strahlenkranz,
Unser Jubel werd nicht müde
Zu verkünden ihren Glanz.
zoraide (stolz). Ich danke euch! Obwohl es mir durchaus
keine Neuigkeit mehr ist, daß mein Witz und meine
Schönheit sich mit allen weiblichen Vorzügen auf dieser
Erde messen können; so will ich doch nicht so
unbescheiden sein, es heute nicht noch einmal aus eurem
jauchzenden Munde anzuhören.
alles. Heil Zoraide!
zoraide. Papa, nehmen Sie jetzt das Wort.
tutu. Still! ich nehm jetzt das Wort.--Alle meine Herren und
Frauen, laßt euch sagen: wir sind hier versammelt, um ein
Fest zu feiern, welches wir veranstaltet haben, weil meine
Tochter durch die außerordentlichen Gaben ihres
Verstandes, welcher sogar den meinigen noch übertrifft,
dem übermütigen Fremdling, der auf unsere Insel
gekommen ist, drei Zaubergaben von hohem Werte
abgenommen hat.--Weil dieser Fremdling nun--nicht
wahr, meine Tochter?--weil dieser Fremdling so
undankbar an uns gehandelt hat, so--so--weiß ich vor
Zorn gar nicht mehr, was ich reden soll. (Auf Zoraiden
deutend.) Die Fortsetzung folgt.
zoraide. Hier sind die Zaubergaben. Durch dieses Horn ist
unsere Insel vor jedem Überfall gesichert. Dieser Stab
birgt eine goldene Welt, und diese Binde trägt mit
Blitzesschnelle den, er sie trägt, an den entferntesten Ort.
Alle diese Gaben werde ich vorzüglich zu eurem Glück
anwenden.
alle. Heil Tutu! Heil Zoraide!
hassar. Nehmen Sie, gnädigste Gebieterin, hier die Früchte
unserer Muse, welche in den größten indianischen Köpfen
erst heute morgen reif geworden sind.
zoraide. Wo sind sie?
(Vier Sklaven bringen auf einer Trage einen sehr großen, aber
seichten goldenen Korb, worin eine große Menge von Gedichten
aufgehäuft ist von verschiedenen Farben.)
hassar. Hier ist dieser poetische Ragout!
zoraide (nimmt mehrere davon in die Hand, ohne sie anzusehen).
Was enthalten sie?
hassar. Die ungeheuersten Lobsprüche auf deine
Liebenswürdigkeit und deinen Verstand.
zoraide (mit selbstgefälligem Lächeln). Sie gefallen mir. Eine
schöne Schreibart; ich bin ganz zufrieden damit.
tutu (wiegt einige in der Hand). Ah ja, sie sein recht gut, sein
recht gut. Sein mitunter recht frische dabei, wie man jetzt
sagt: mit humoristischer Frische.
hassar. Und nun erlaube auch, daß meine Schönheit es wagt,
dir auch eine Poesie zu übergeben.
zoraide. Was ist es denn?
hassar. Es ist eine Elegie auf deine Liebenswürdigkeit.
tutu. Das hat er gwiß wo abgeschrieben. Das trau ich ihm
nicht zu, daß er eine Negligé machen kann, oder wie das
heißt.
hassar. Herr, bei meiner Schönheit, ich hab es selbst verfaßt.
zoraide. Genug, ich werd Ihm hernach schon etwas
schenken. Tragt die Gedichte auf mein Gemach. (Es
geschieht.) Die Gaben hier hinein, ich werd sie bewachen.
ein sklave. Herr, die Tafel ist bereit.
tutu. Ah, du hast ein schönes Wort gesprochen. (Laut zu
allen.) Die Tafel ist bereit.
alle. Ah!
tutu. Komm, meine Tochter! Der Geist hat seine Mahlzeit
eingenommen, jetzt wollen wir dem Magen auch eine
kleine Vorlesung halten. Man folge uns!
(Alles geht ab, bis auf Hassar und die Tänzer.)
hassar. Wenn ich die Hände klatsche, so beginnt der Tanz.