A. Das kann nützen. Dann wird es ihnen selbst um die Freude unter der
Ausarbeitung, um die Wollust des Erfinders, wie Schiller spricht, zu
thun seyn.
B. Dieser Egoismus -- wäre er zu tadeln?
A. Ich wüßte nicht. Ferner wird es ihnen schmeicheln, auf dem Wege der
Wissenschaft, in einem größeren Umkreise von Menschen bekannt zu werden,
als der enggezogene des gemeinen Lebens.
B. Wollte ich das bestreiten, zögen sie meine Wahrheitsliebe in
Verdacht.
A. Der Gedanke an Bekanntheit, führt zu den an Lob, dieser zu den an
Ruhm.
B. Ein schwierig vorgestecktes Ziel fordert große Anstrengungen auf.
Wird es nicht erreicht, blieben die Kräfte nicht ungeübt.
A. Endlich, da Jeder mit seinem Pfunde zu wuchern berechtigt ist, sie
ein, wenig einträgliches, Amt bekleiden, und sonst sich keines Vermögens
erfreuen, so hoffen sie von ihren Bemühungen -- wäre es auch im Anfang
noch gar nicht, und später mit billigen Ansprüchen -- Gewinn.
B. Ich läugne es nicht.
A. Ihre Geständnisse wird Jedermann vertheidigen. -- Doch machten sie
sich auch schon mit den Hindernissen bekannt, die ihnen in dieser
Laufbahn begegnen werden?
B. Wo gäbe es deren nicht. Das Leben ist ein fortwährender Kampf. Ich
hasse ihn aber nicht, da er ja offenbar die Urbestimmung, höhere
Entwickelung, fördert. Wer wird die Chimäre von unthätiger
Glückseligkeit träumen? Es gilt aber nur den festen Willen zu kämpfen,
und das an sich nicht Unbesiegbare, fällt.
A. Gute Basis des Lebensmuthes in diesen Grundsätzen. Bei dem allen
kämpft der metaphysische Begriff nicht allein. Es gilt Waffen des
Alltagslebens. Sie müssen den Widerstand, auf den sie zu zählen haben,
seiner Natur nach, kennen.
B. Die Gelegenheit dazu, liegt vor mir.
A. Erfahrung ist eine kostbare Schule. Sie läßt sogar viele ihrer
Lehrlinge untergehn. Wie wäre es, wenn ich sie mit einigen der Feinde,
gegen die sie sich werden zu vertheidigen haben, im Voraus bekannt
machte?
B. Es würde meinen Dank fordern.
A. Zuerst stählen sie ihr Gefühl ja gegen eine Beleidigung, die ihnen
unfehlbar widerfährt, und die um so tiefer verwundet, als die ersten
Erwartungen poetisch sind.
B. Die wäre?
A. Nichtachtung. Sie vollendeten ein Manuskript und suchen nun einen
Verleger, der es der Lesewelt gedruckt in die Hände geben soll. Sie
schreiben dem Manne, oder suchen ihn in seinem Comtoir auf. In beiden
Fällen wird ihm ihr unbekannter Name ein Anstoß. Er hat sich gewöhnt,
den Namen als ein Simbol der geringeren oder besseren Gangbarkeit der
Werke anzusehn. Mit dem Neuling hat er nicht gern etwas zu schaffen, da
er dann fürchten muß, das Unvollkommene auf den Markt zu bringen. Er
liest nun entweder, oder hat einen Literaten seiner Bekanntschaft, der
ihn der Mühe überhebt. Auch dieser theilt das Vorurtheil. Haben die in
ihrem Werke enthaltenen Gedanken Aehnlichkeit mit schon ausgesprochenen,
(was der Vielbelesene bald ausfindig macht), so gelten sie ein
Nachahmer, und man erinnert sich, daß schon Horaz da ein
Verdammungsurtheil fällte. Weicht der Inhalt ihres Werkes ab, so
mißversteht man ihn, oder faßt nicht, wie doch der Anfänger schon eine
ganz eigne Bahn zu wandeln, sich vermessen kann. Zweifelhaft in
jedem Fall, hält man für das rathsamste, mit einem höflichen
Ablehnungsschreiben ihr Produkt zurückzusenden. Das wird sich bei
mehreren Versuchen wiederholen.
B. Ermüde ich nicht, gelingt doch wohl einer.
A. Und wenn das geschieht, dringt das Vorurtheil erst mit der größeren
Kraft auf das neue Beginnen ein. Die auf der Messe versammelten
Buchhändler gewinnen kein Zutrauen gegen den neuen Autor, nehmen wenig
oder nichts, wollen erst Rezensionen abwarten, und thun Recht daran,
indem sie wissen, daß von ihren Bekannten niemand gerne das Buch eines
Schriftstellers kauft, von dem er noch nichts hörte. Selbst
Leihbibliotheken greifen nicht willig zu, weil sie aus Erfahrung wissen,
daß ihre Leser nach den Namen wählen. Die kritischen Blätter haben die
vorzüglichste Aufmerksamkeit, den Werken gerühmter oder schon früher
getadelter Männer zugewendet, es währt lange, bis man über ihr Buch
etwas sagt, wenn es nicht ganz übergangen wird. Der Rezensent, dem es in
die Hände fällt, wird vielleicht ohne Interesse flüchtig übersehn,
wegwerfend absprechen, oder ein frostig Lob, nicht besser als Tadel,
hinspenden. Ihr Buch bleibt dem Verleger auf dem Lager, das wird andern
bekannt, und das Zweitemal erreichen sie noch schwieriger ihre Absicht.
B. Das heißt, mit ihrer Erlaubniß, alles in Schatten stellen. Sollte die
Güte des Buches an sich, ihm nicht selbst eine Bahn brechen?
A. Glauben sie es meiner Erfahrung, manches gute Werk liegt ungewürdigt
in den Buchläden, während Hundert mittelmäßige, frivole, schädliche
Ephemeren Leser finden, oft sogar verschlungen werden.
B. Wo soll man aber die Ursache dieser befremdenden Erscheinung
aufsuchen?
A. In den Ansichten der Menge, im Intriguengeist vieler Autoren, in der
Partheilichkeit öffentlicher Geschmacksrichter.
B. Daß in der Menge nicht auf Einheit der Ansichten zu bauen ist,
begreife ich wohl, wie aber kann die Gewandtheit der Autoren auf diese
Menge einwirken?
A. Daß sie davon nichts wissen, nichts ahnen, verbürgt ihnen eben kein
hohes Gedeihen. Ein Schriftsteller höfelt Männern von Bedeutung und
Einfluß. Diese lassen sich bewegen, seinen oberflächlichen Blick in ihre
Werke zu thun, rühmen, das pflanzt sich weiter, und der Ton will, daß
das Werk gelesen werde. Oft wird auf diese Art selbst der Kunstrichter
mit bestochen. Ein anderer schickt kritischen Autoren seine Werke mit
schmeichelhaften Bitten, ihrer in Güte zu gedenken, ein, und ihm wird
ein ^casus pro amico^. Oder auch, was immer gebräuchlicher wird, sie
rezensiren unter der Hand selbst, und rühmen die eignen Kinder nicht
stiefväterlich. Die prunkenden Anzeigen in den Intelligenzblättern
rühren gar oft von den Verfassern her, denen selbst die Kaufmannssprache
ihrer Verleger zu kühl ist. Andere wissen irgend etwas vom Zeitgeschmack
beizumischen, wodurch schlechte Waare blankgeputzt wird, sie verschmähen
nicht sittenlose Wendungen, nicht hämische Ausfälle auf bedeutende
Männer, kurz, auch nicht das Verworfene, um nur ihr Ziel zu umarmen.
Haben sie Lust diese Wege einzuschlagen, so gebe ich mehr Hoffnung.
B. Nicht Einen davon, nicht Einen! Müßt ich mich nicht verachten? --
Nein, doch von fortgesetztem Fleiß, von fester Beharrlichkeit hoffe ich
viel. Endlich denke ich durchzudringen, endlich bemerkt zu werden.
A. O, wenn sie erst bemerkt werden, dann kömmt ein neuer, und viel
schlimmerer Kampf, wie der gegen die Kälte. Ueberall giebt es Blätter,
deren Existenz auf Nachrichten aus der gelehrten Welt gebaut ist. Man
will gern hohen Ton zeigen, absprechen. Sie haben in ihrer Bekanntschaft
Autoren, die keinen eignen Stoff in ihrer Talentarmuth aufzubringen
wissen, diese schwängern sich, so zu sagen, aus neuen Werken, und reden
über die Erscheinung mit eben daraus geschöpften Ideen. Dies sind
besonders die Männer der Journale, weil Zeitungen auszuspähn, ihre Sache
ist. Einen im Kaffeehause gehörten Witz bringen sie bei der Gelegenheit
selbst an, um witzig zu scheinen, erlangen auch wohl auf diese Art den
Zweck, mit der fremden Feder zu glänzen, denn das ganze Lesepublikum
konnte doch nicht auf dem Kaffeehause sein. Diese sind zugleich neidisch
wie ein gewisses Thier, das man wegen des nicht wohlklingenden Namens,
ungern nennt. Sie werden es ihnen nimmer verzeihen, wenn sie ihr
Bekannter, und doch geschätzt sind. Von diesen Leuten gilt genau, was
der Spötter Swift sagte:
Fortuna spende deine Gaben,
Mit vollen Händen meinem Feinde,
Nur aber meinem Freunde nicht,
Das eine ist mir noch erträglich,
Das andre macht vor Neid mich bersten.
Sind sie gleich nicht ihr Freund, waren sie doch einmal auf dem
Kaffeehause mit ihnen. Das Wort Freund ist ja schon lange ein
Universaltitel. Zu *** legte ein junger Kunst- und Indüstrie-Komtorist
eine Art Bücherkasino an. Er begegnete bei dieser Gelegenheit dem
würdigen Kapellmeister *** auf der Treppe in irgend einem Hause. Nach
dem gewöhnlichen Complimentenwechsel fragte er ihn höflich: Ob er ihm
nicht in musikalischen Angelegenheiten, mit Rath an die Hand zu gehn,
die Gewogenheit haben wollte? Herr *** immer artig, erwiederte: mir
Vergnügen, so weit ich es im Stande bin. Was würde auch ein gefälliger
Mann anders haben antworten können? Nun ließ der Kunst- und
Indüstrie-Comtorist neben andern, mit Posaunen, Orgeln, Kanonen und
Karthaunen begleiteten Zeitungsankündigungen auch sich vernehmen: »Mein
Freund *** wird mich ebenfalls unterstützen.« Genug, diese Männlein
werden beginnen, sie zu necken, und oft bitter, unartig, pöbelhaft, denn
das gilt manchen Leuten kurz und kräftig.
B. Darum bekümmert man sich nicht.
A. Ach mit der Großmuth ist hier nichts auszurichten. Eiserne Stirnen
fühlen ihre glühenden Kohlen nicht, die Männlein glauben, sie
ermangelten der Kraft in ihrer Feder, und witzeln aufs Neue. Wie lachte
nicht der neue Herausgeber des Freimüthigen, der gern witzig wäre wie
sein Vorgänger, aber von dessen Ader wenig ^in bonis^ hat, als er den
braven Schütz (der gar kein Mann ist, wie der Herausgeber des neuen
Freimüthigen, sondern ein Gelehrter) der seine Teutona zu einer
ungünstigen Zeit begonnen hatte, bescheiden auf seinen lieblosen
Sarcasmus antworten sah. Nein, es geht mit dem Schweigen nicht wohl, das
sahen ja Schiller und Göthe ein, wie sie die Xenien ausschleuderten,
Kotzebue, wie er so manches bittre Pamphlet erließ, manche derbe Satyre
in seine Stücke verwebte; Nikolai und andere, welche auch den
Sanscülotten in der Gelehrtenrepublik antworteten. Denn es giebt immer
einen Theil im Publikum, (mögte es ein kleiner sein) der dem _Drukke_
glaubt, und von dem leider die ziemlich unfeine Bemerkung in den
Expektorationen gelten kann:
Nennt mir doch nicht das Publikum,
Es ist geduldig, fromm und dumm,
Mit eignem Urtheil befaßt sichs nicht
Es schnattert nach, was ein andrer spricht.
Sie antworten also. Glauben den Aufwand einer witzigen Pointe sei der
Handel wohl werth, und meinen, da sie sie ausspendeten, den naseweisen
Mann abgefertigt zu haben. Aber nun gewinnt er, der immer an Stoff
Verarmte, ja mit Einemmale neue Materie, über die er sich, plump oder
gewandt, fertig oder elend ergießen kann. Vermag er nichts im
bravgeführten Streite, im interessanten Federkampf wider sie, so verläßt
er sich auf Geschrei, auf Grobheit, auf Personalität, auf das letzte
Wort, von dem er nicht abgeht. Bei allem guten Selbstgefühl, bei aller
Rechtlichkeit, aller überlegenen Kraft, kann es doch nicht ausbleiben,
daß sie sich nicht schwer gekränkt fühlen. Und wie verdrießlich ist
überhaupt so ein Kampf.