Das jüdische Problem ist reich an Geheimnissen. Auf vielfache Weisen,
auch auf Weisen, die wir vielfach übersehen, tritt es immer stärker in
den Vordergrund. Vielleicht sind gewisse typische Christusmenschen
jüdischer Abkunft das Unverjudetste, was es gibt. Ihrer wurden in
Deutschland während der letzten Jahre eine Anzahl um die Ecke gebracht.
Ist da nicht der Moment gekommen, uns über die Juden zu äußern, statt
diese ausschließlich von sich reden zu lassen? Man gestatte es uns ganz
ohne Empfindelei: es ist immer so langweilig, was ein Volk über sich
selber sagt. Räumen wir auch mit allen gefälligen Fiktionen auf, als sei
der Haß der Juden für uns in Frage. Vielmehr bildet die Attraktion,
welche unsere Typen, je ausgesprochener sie sind, auf sie ausüben – das
Wort ist heraußen –, einen Bestandteil des Rätsels, dessen endliche
Lösung mit unserer endlichen Erlösung insgeheim verwoben ist. Aber die
Judenfrage ist eine Christenfrage. Das Wort ist nicht von mir.
Man mißverstehe nicht absichtlich folgende einfache Bemerkungen zum
schwierigsten aller Themen: Wie jeder hochgezüchtete Deutsche das
lebendige Gegenteil ist von einem Boche, also ein Anti-Boche, so ist
nicht nur der Unterschied, sondern der Gegensatz zwischen dem
losgelösten und dem, was wir den stofflichen Juden nennen wollen, so
groß, daß wir in jenem den eigentlichen Anti-Semiten erkennen dürften.
Freilich nicht nach Art der Haken-Kreuzler, die das Verjudetste sind,
was es heute gibt. Man kann es ihnen nicht oft genug wiederholen, auch
wenn sie einen dafür auf ihre Liste setzen.