Und mit jedem Schlag wuchs die rechnende Besinnung in den beiden
Menschen.
»Nun sag,« drängte sie schroff. Aber er stand wie gelähmt. Der Gedanke,
der ihn sein ganzes Leben hindurch beherrscht hatte, daß er seine
Zukunft im Auge behalten müsse, daß er alle Hilfsmittel wahrnehmen, eine
reiche Frau heiraten, und weder links noch rechts abirren dürfe, der war
plötzlich riesengroß in ihm aufgeschossen und hielt ihn fest. -- Er wand
sich, wie unter einem körperlichen Schmerz.
Doch sie besaß wohl wirklich die Hexenkraft, alles von seiner Stirn
lesen zu können.
»Pfui!« schrie sie laut auf.
Wie einen blühenden Rotdorn, den der Sturm peitscht, so faßte der Zorn
all die feinen Glieder in dem roten Gewande an. Der Betroffene sah sie
sich förmlich zusammenkrümmen, dann riß sie ihr Kleid enger um sich
zusammen, und vor Scham und Wut aufschluchzend stürzte sie auf den
Alkoven zu.
Das war der Stoß, den der über den Abgrund Gebeugte noch erhalten mußte.
Als er diese prachtvollen wilden Bewegungen sah, diesen ganzen
hinrasenden Zorn, da hatte die Hexe ihr Werk vollbracht. Wie es kam,
wußte er später auch nicht mehr, er hielt sie mit seinen Armen
umklammert, und mit hervorbrechender Angst flehte er, sie solle nicht
weinen, alles, was sie nur wolle, würde er tun. Alles und jedes.
»Ja?« fragte sie unter ihren Tränen siegreich lächelnd und sich von ihm
befreiend.
»Ja.«
»Dann gib mir den Ring, den du da trägst.«
Rasch steckte er den Reif an ihren Finger.
»Was noch?«
»Schwöre mir, daß du mich nie verlassen wirst.«
»Nein, niemals.«
»So nicht, bei unsrer Mutter. Draußen in Moorluke sollst du's tun.«
In schüttelnder Angst stammelte er ihre Worte nach.
Als der letzte Laut verklungen war, trat sie nochmals, wie prüfend,
einen Schritt zurück, plötzlich aber stieß sie ein helles Jauchzen aus,
und ihre Arme hoch über seinen Hals hebend warf sie sich stürmisch an
seine Brust.
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Das verblaßte Bild der Handarbeitslehrerin über dem Sofa errötete und
schüttelte den Kopf, aber oll Chronos, der unten durch die einsame
Straße fuhr, brummte hinauf: »Dummheiten, alte Schachtel, laß sie; es
sind die Jahre.«