Friedrich J., 24 Jahre alt, hatte in Folge eines Panaritiums des rechten

kleinen Fingers eine Verkrümmung des höchsten Grades erlitten, welche

mehr Folge einer faltenförmigen Längennarbe als einer Sehnencontractur

war. Der Aether betäubte ihn binnen vier Minuten. Die Operation mußte

eine complicirte sein, da die bloße quere Durchschneidung der Narbe

keinen Erfolg haben konnte. Ich führte längs der Narbe an beiden Seiten

zwei Schnitte herab, welche zu Anfang der Handfläche mit abgerundeter

Spitze zusammentrafen, und durchschnitt hier die Beugesehne. Dann wurde

der Hautstreifen bis gegen die Fingerspitze hin gelöst, der Finger etwas

gestreckt, der Hautstreifen nach vorn gerückt und an die seitlichen

Wundränder mit Nähten befestigt. Er diente zur Deckung der beiden

vorderen Glieder, während die Wundränder der hinteren durch

Pflasterstreifen einander genähert waren. Der Kranke gab nach

überstandener Operation an, dieselbe wenig empfunden zu haben.

* * * * *

Carl R., 42 Jahre alt, erlitt eine schwere Verletzung des linken

Unterschenkels, wobei der Fuß nach außen verrenkt, das Wadenbein über

dem äußeren Knöchel gebrochen, die Gelenkkapsel an der inneren Seite des

Fußes sammt der äußeren Haut zerrissen wurde, so daß der ganze innere

Knöchel nackt hervortrat. Da man den Fuß nicht hatte wieder einrenken

können, so war die Heilung in dieser widernatürlichen Stellung erfolgt,

der herausgetriebene innere Knöchel angeschwollen und mit einer dünnen

Haut bedeckt. In diesem Zustande kam der Kranke noch vor der Aetherzeit

in die Klinik. Ich umgab den Knöchel mit zwei halbmondförmigen

Schnitten, präparirte die Haut an beiden Seiten ab, sägte den Knöchel

aus und brachte den Fuß in eine fast natürliche Stellung, so daß die

Sohle dem Boden wieder zugekehrt war. In dieser Richtung wurde das Glied

einige Monate lang bis zur Heilung erhalten. Die Stellung war aber noch

nicht ganz günstig, indem die Ferse zu hoch, und die Spitze des Fußes zu

tief stand, so daß jene den Boden nicht erreichen konnte, wie dies

beim dritten Grade des Pferdefußes der Fall ist. Es mußte also die

Achillessehne durchschnitten werden. Nachdem der Patient vorher 2

Minuten lang ätherisirt worden war, durchschnitt ich die Sehne 1½ Zoll

über der Ferse; die Enden wichen sogleich weit auseinander, und ich

konnte den Fuß in eine bessere Stellung bringen. Beim Schnitt schrie der

Kranke auf, erinnerte sich aber beim Erwachen nicht, daß er Schmerzen

empfunden habe. Dann wurde das Glied verbunden.

* * * * *

Hr. B., Kaufmann, 30 Jahre alt, war mit einem niedrigen Grade des

Klumpfußes beider Extremitäten gekommen. Die Füße waren nur wenig

verdrehet, aber kurz, die Sohle stark ausgehöhlt, der Rücken des

Fußes gewölbt, die Zehen stark zurück- und dabei krallenförmig

zusammengezogen. Nach fünf Minuten langem Einathmen war der Kranke

vollkommen betäubt. Ich durchschnitt darauf die zusammengezogenen Sehnen

an der Fußsohle und sämmtliche Sehnen aller Zehen, ohne daß der Patient

zuckte oder einen Laut von sich gab. Nachdem er wieder zu sich gekommen

war, versicherte er, einige Schmerzen bei der Operation empfunden zu

haben.

* * * * *

Wilhelm B., 19 Jahre alt, litt an Plattfüßen. Der linke hatte den

vierten, der rechte erst den dritten Grad erreicht. Ersterer machte dem

Kranken beim Gehen große Beschwerde, da der innere Knöchel als großer

Buckel hervorragte und der Patient großentheils auf dem inneren Fußrande

zu gehen genöthigt war. Die Wadenmuskeln waren erschlafft, sämmtliche

Strecksehnen und der lange Wadenbeinmuskel stark zusammengezogen. Nach

3 Minuten der Aetherisation trat völlige Betäubung ein, so daß ich alle

Strecksehnen und den langen Wadenmuskel durchschneiden konnte, ohne daß

der junge Mensch das Mindeste davon empfand. Erst nach Beendigung der

Operation, bei der Geradrichtung des Fußes, während der Verband angelegt

wurde, drückte er eine geringe Schmerzempfindung aus.

* * * * *

Bei einem jungen Manne von 24 Jahren, welcher an einem hohen Grade der

seitlichen Einbiegung des linken Kniegelenks litt, so daß Unter- und

Oberschenkel zusammen einen stumpfen Winkel bildeten, das Gehen äußerst

unvollkommen und krüppelhaft war, sollten die Sehnen an der äußeren

Seite des Kniegelenkes durchschnitten werden. Kaum hatte der Kranke

einige Minuten die Aetherdämpfe geathmet, als er plötzlich unter wildem

Geschrei um sich schlug und tobend Alle angriff, welche ihn umgaben.

Acht Menschen rangen mit ihm, um zu verhindern, daß er sich kein Leid

zufüge, und fortwährend vertheilte er Faustschläge nach allen Seiten

hin. Dieser Sturm dauerte vier bis fünf Minuten, dann trat einige Ruhe

ein, welche ich benutzte, um von kleinen Stichwunden aus die verkürzten

Sehnen und Muskeln zu durchschneiden. Nach dieser blutlosen Operation

wurde der Verband angelegt. Der Kranke befand sich jetzt in einer

weichen, weinerlichen Stimmung, nickte wie ein Närrischer noch

fortwährend mit dem Kopfe, machte tausend Entschuldigungen über sein

Betragen, dessen er sich zum Theil bewußt war, versicherte aber, von der

Operation selbst nichts gefühlt zu haben.

* * * * *

Ein junger Mann von 26 Jahren litt in Folge einer in früher

Jugend überstandenen scrophulösen Knieentzündung an einer starken

Einwärtsbiegung des Gliedes. Nur durch die Durchschneidung der äußeren

Sehnen, besonders der des zweiköpfigen Muskels, und eine zweckmäßige

orthopädische Nachbehandlung war die Heilung möglich. Vorher mußte

er sieben Minuten lang Aetherdämpfe einathmen. Erst dann trat

Empfindungslosigkeit mit theilweise aufgehobenem Bewußtsein ein. In dem

Augenblicke, wo ich die Sehne unter der Haut zu durchschneiden begann,

erfolgte ein Ausbruch von Wuth, wobei der Kranke die Augen fürchterlich

rollte und um sich schlug. Dabei war er mit Schweiß bedeckt und verrieth

eine unbeschreibliche Angst. Dann ließ der Sturm der Erscheinungen nach,

mildere Empfindungen traten an die Stelle der heftigen, und die Scene

endete mit scherzhaften Gestikulationen, unaufhörlich freundlichem

Kopfnicken und freundlichem Bitten um Verzeihung, wenn etwa das Betragen

nicht ganz anständig gewesen wäre. »Aber ich konnte nicht anders, sagte

der gute Mensch, ich mußte das thun; daß ich operirt bin, glaube ich,

weil Sie es mir sagen, und ich mein Knie verbunden sehe, gefühlt habe

ich aber gar nichts.«

* * * * *

Fräulein Rosalie M. aus Polen, 22 Jahre alt, hatte vor einem Jahre in

Folge einer scrophulösen Entzündung des linken Kniegelenks, welche in

cariöse Zerstörung übergegangen war, eine Verkrümmung des Gliedes

im rechten Winkel erlitten. Das Glied war abgemagert und im Gelenke

verwachsen. Die Kranke athmete 2 Minuten lang die Dämpfe, worauf sie

völlig betäubt wurde. Bei der Anwendung der nöthigen Kräfte trennte sich

die Verwachsung im Gelenk wieder, worauf ich sämmtliche verkürzte Sehnen

in der Kniebeuge von feinen Einstichspunkten aus durchschnitt, dann das

Glied möglichst gerade bog und den Verband anlegte. Das Alles geschah in

wenigen Augenblicken, und als die Kranke wieder erwachte, glaubte sie,

geträumt zu haben.

* * * * *

Ein Knabe von 13 Jahren mit einer Verkrümmung beider Knieen, wurde in

die Klinik Behufs der Operation und Geraderichtung aufgenommen. Nachdem

ich ihn zuvor 4 Minuten lang Aetherdämpfe hatte einathmen lassen,

trat urplötzlich die Wirkung des Mittels, welche sich als ein äußerst

heiterer Rausch zeigte, ein. Er war so ausgelassen, daß er den Zuhörern

die Zunge zeigte und sie unter den sonderbarsten Grimassen verhöhnte.

Von der Operation, welche in der Durchschneidung der verkürzten Sehnen

unter der Haut und wegen des aufgehobenen Widerstandes in leichter

Streckung der Glieder bestand, verspürte er durchaus nichts. Auch

nach der Anlegung des Verbandes blieb er noch eine Weile in dieser

ungebundenen Heiterkeit.

* * * * *

Ein junger Jurist, welcher seit seiner Kindheit in Folge einer

scrophulösen Gelenkentzündung an einer Verkrümmung des linken

Kniegelenks in einem so hohen Grade litt, daß der Unterschenkel mit dem

Oberschenkel einen Winkel bildete, sollte mittelst Sehnendurchschneidung

von dieser Mißbildung befreit werden. Nachdem derselbe zuvor vier

Minuten lang die Aetherdämpfe eingeathmet hatte, trat plötzlich ein

hoher Grad von Betäubung mit vollkommener Empfindungslosigkeit ein. In

diesem Augenblick führte ich ein strohhalmbreites, sichelförmiges Messer

durch einen kleinen Einstich ein, und durchschnitt die stark verkürzten

Sehnen und die Sehnenhaut in der Kniekehle, welche sich dann, nachdem

der Widerstand aufgehoben war, in eine fast normale Stellung bringen

ließ. Dann wurde ein leichter Verband angelegt. Ich lasse den Kranken

mit eigenen Worten seinen Zustand während der Operation beschreiben.

»Nachdem ich drei oder vier Züge von dem Aetherdunst genommen hatte,

merkte ich, wie ich davon berauscht wurde. Ich fiel um, empfand aber

noch, wie man mich halten wollte. Nachdem ich mit dem Kopfe auf

das Kissen niedergesunken war, dachte ich: Sie haben dir zu viel

beigebracht, nun ist es aus mit dir! Dabei empfand ich, wie man sich mit

mir beschäftigte, wahrscheinlich um mich in die zur Operation

nöthige Lage zu bringen. Zugleich fühlte ich auch Schwingungen, deren

Geschwindigkeit sich immer mehr steigerten, ohne daß ich recht wußte,

wie und wo; dann hörte ich die schönste Militärmusik, hauptsächlich von

Blaseinstrumenten. Im Knie war ein leiser Druck mit Stechen und Prickeln

verbunden. Ich vernahm bloß die Worte: »das wird nicht ausreichen«,

und erwachte, aber ganz trunken. Dann mußte ich noch einmal einathmen,

worauf ich wieder betäubt wurde, ich träumte wieder, aber ich weiß

nicht, was. Beim Erwachen fühlte ich heftige Schmerzen im Knie, so

daß ich laut aufschreien mußte. Während jener schönen aber verworrenen

Phantasieen schien es mir, als wenn ich an zwei Stellen in der Kniekehle

geschnitten würde, auch daß man das Knie streckte, aber ich konnte das

Nähere darüber nicht durch den Schmerz erkennen.

Nachdem Alles vorbei war, fühlte ich den Aether gleichsam im Kopf und im

Knie, mir war zu Muthe, wie wenn ich von einem totalen Rausche erwachte.

Das getrunkene Wasser beseitigte bald Alles; im Bett empfand ich nachher

noch ganz deutlich, wie der Aether den ganzen Körper durchdrungen hatte.

Als er dann aber ganz und gar verschwunden war, fühlte ich ungefähr eine

Stunde lang gelinde Schmerzen in der Wunde.«

_Operation des falschen Gelenkes._

Die von mir angegebene und öfter mit Glück ausgeführte sicherste

Operationsmethode des sonst so schwer zu heilenden widernatürlichen

Gelenkes, welches die Folge eines nicht festgewordenen Knochenbruches

ist, und das Glied unbrauchbar macht, besteht in dem Durchbohren der

überknorpelten Knochenenden von kleinen Stichwunden der Weichtheile aus,

und in der Einführung von Elfenbeinstäben in die Knochen zur Erregung

von Callus-Ausschwitzung. Ein Mann von 32 Jahren, mit einem sehr

beweglichen falschen Gelenk des linken Oberarms, bei dem ich diese

Operation vornahm, verweigerte nach den ersten Athemzügen das weitere

Inspiriren, und ich mußte die Operation nach alter Weise ohne Aether

machen. Er war auch ohne diesen so ruhig, als hätte er den mildesten

Rausch, und stieß nicht ein Mal einen Seufzer aus.

In einem höchst complicirten Fall von widernatürlichem Gelenke wurde

die Kranke nach vier Minuten langem Inspiriren völlig betäubt, und ich

konnte nun zur Operation schreiten. Diese bestand in Folgendem. Die Hand

war in Folge eines schweren Sturzes nach innen abgewichen, so daß sie

zum Arm im stumpfen Winkel stand, außerdem war ein falsches Gelenk zu

Anfange des unteren Drittheils der Speiche vorhanden, und die wackelnden

Enden lagen auf und an dem Ellenbogenknochen. Um diese Uebelstände zu

heben und das Glied, welches ganz unbrauchbar war, zu verbessern, war

Folgendes nöthig: 1) den gesunden Ellenbogenknochen an der Stelle,

wo sich der Bruch in der Speiche befand, auch zu zerbrechen; 2)

die Knochenenden der Speiche subcutan zu durchbohren und Zapfen

hineinzuführen; 3) die verkürzten Sehnen der Handwurzel unter der Haut

zu durchschneiden. Diese einzelnen Theile der Operation wurden nach

einander ausgeführt, und mit dem schwierigsten Akte, der Durchbohrung

des Knochens, angefangen; dann der Radius von vier Menschen zerbrochen,

und endlich die Sehnen durchschnitten. Alles wurde glücklich vollendet,

ohne daß die Kranke dabei erwachte oder nur die mindesten Schmerzen

empfand. Der Erfolg der Operation war nach vier Wochen befriedigend.

_Einrenkung des Oberarms._

Ein Freund von mir, ein hiesiger berühmter Arzt, hatte das Unglück, beim

Herabsteigen einer Treppe auszugleiten, und indem er sich am Geländer

festhielt, den rechten Oberarm auszurenken, gleichsam aus dem Gelenk

herauszudrehen. Eine halbe Stunde nach dem Vorfall sah ich den Kranken,

welcher bleich und von den heftigsten Schmerzen mit dem Gefühl von

Taubheit in dem Gliede gefoltert war. Mein Freund willigte in den

Vorschlag, vor der Einrichtung Aetherdämpfe einzuathmen. Nachdem dies 7

Minuten lang geschehen war, hörten die Schmerzen auf, und an ihre Stelle

trat eine heitere Aufregung. Die Einrichtungsversuche begannen nun

auf einem Tisch, auf welchen eine Matratze gelegt war. Aber trotz der

gehörigen Fixirung, der richtig angewendeten Kräfte von acht Männern,

und den methodisch verstärkten Tractionen, bedurfte es mehrmaliger

Angriffe, um die Widerspenstigkeit der starken Muskulatur zu überwinden.

Endlich fuhr der Kopf mit erschütterndem Geräusch in die Pfanne zurück.

Ich kann nicht sagen, daß die Einrichtung in diesem Falle durch den

Aether erleichtert war, ich habe Hunderte von Verrenkungen des Oberarms

ohne Aether leichter eingerenkt. Die starken Muskeln waren bei dem nicht

bis zur völligen Betäubung gebrachten Kranken nicht erschlafft, und

so ihr Widerstreben nicht verringert. Dennoch versicherte der Kranke

später, daß durch das Einathmen des Aethers alle Schmerzen beim

Einrenken gehoben worden wären, und daß er nur eine undeutliche

Erinnerung von dem Vorgegangenen habe.

_Ansetzen von Moxen._

Einem Manne in den dreißiger Jahren, welcher an einer Lähmung der

unteren Gliedmaßen litt, sollten Brenncylinder auf dem unteren Theil des

Rückens abgebrannt werden. Zwölf Athemzüge des Aetherdampfes reichten

hin, den Kranken empfindungs- und bewußtlos zu machen. Kaum waren die

Moxen angezündet so bemächtigten sich die wildesten Phantasieen

des Patienten. Ihr Verfluchten! Ihr Vermaledeiten! Ihr Mörder! Ihr

Höllenbrut! rief er ein Mal über das andere. So fuhr er noch eine Weile,

ganz regungslos da liegend, in den bittersten Schmähungen gegen seinen

Arzt, den Hrn. Dr. Philipp, gegen mich und die anderen Umstehenden fort.

Als er dann aus seinem Traume erwachte, das Brennen fast beendet war,

sagte er, er fühle, was mit ihm vorgehe, ganz deutlich. Er versicherte

übrigens, daß der Zustand, in welchen er durch den Aether versetzt

worden, ein höchst unangenehmer sei, doch verschwand derselbe bald

wieder vollständig.

* * * * *

Einem Kranken, welcher an einer langwierigen Entzündung des Kniegelenks

litt, mußten zwei Brenncylinder an das Knie gesetzt werden.

Vorher athmete derselbe fünf Minuten lang Aetherdämpfe, bis

Empfindungslosigkeit und halbe Bewußtlosigkeit eintraten. Bei dem sonst

so schmerzhaften Abbrennen der Moxen zuckte er nur wenig, und als er

erwachte, wollte er kaum glauben, daß die Operation schon beendet sei.

Das Gefühl während derselben schilderte er, daß es ihm so vorgekommen

wäre, als hätte ihm Jemand die Zehen gedrückt. Voll Verwunderung

betrachtete er die Brandflecke auf der Haut und meinte, daß er recht

leicht davon gekommen wäre.

* * * * *

Ich muß hier noch am Schlusse erwähnen, daß man auch bereits

angefangen hat die Anwendung der Aetherdünste auf verschiedene Weise

zu modificiren. So räth Lebert verschiedene der Verflüchtigung fähige

Arzeneistoffe mit Aetherdämpfe einathmen zu lassen, und Dupuy und

Pirogoff ihn durch Klystiere in den Körper zu bringen.

Schlussfolgerungen.

Nach dem was wir bis jetzt über die Anwendung der Aetherdämpfe bei

chirurgischen Operationen erfahren haben, sind wir zu folgenden

Schlüssen berechtigt.

Die Aetherisation ist im Stande, den höchsten Schmerz bei den größten

chirurgischen Operationen vollständig aufzuheben.

Die Aetherisation ist daher für den Kranken die größte Erleichterung.

Dem Arzte (mit Ausnahme bei Verrenkungen) immer eine Erschwerung.

Die Aetherisation kann aber auch Steigerung des Schmerzgefühls und

Tobsucht zur Folge haben.

Die Aetherisation ist lebensgefährlich bei Neigung zum Schlagfluß,

Blutsturz und manchen anderen Zuständen.

Uebertreibung der Aetherisation kann augenblicklichen Tod herbeiführen.

Die Blutung ist stärker, als sonst bei Operationen eben so die Neigung

zu Nachblutungen.

Wunden, welche unmittelbar vereinigt werden, heilen eben so schnell.

Wunden mit Substanzverlust gewöhnlich langsamer.

Das Befinden der Aetherisirten nach chirurgischen Operationen ist im

Allgemeinen minder günstig, als bei denen welche ohne Aether operirt

worden.

Das Mittel ist eben so sehr überschätzt als verachtet worden. Rechnet

man nun alle die kleinen mit der Aetherisation verbundenen Nachtheile

bei vielen Personen zusammen, so ergiebt sich daraus eine größere

Krankheitssumme, daß von Tausend Aetherisirten und Tausend

Nichtätherisirten, auf jene einige Todesfälle mehr als auf diese kommen.

Dennoch ist der Werth des Mittels bei schmerzhaften Operationen ein

großer, von dem bei umsichtiger Anwendung für die leidende Menschheit

ein bedeutender Gewinn erwachsen ist, besonders wenn es mit großer

Behutsamkeit und nur bei sehr schmerzhaften Operationen angewendet wird.

Gedruckt bei _J. Petsch_.

[Hinweise zur Transkription

Der Halbtitel wurde entfernt.

Die Ligatur aus "langem s" und "s" wurde als "ß" dargestellt.

Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten,

einschließlich uneinheitlicher und ungebräuchlicher Schreibweisen, mit

folgenden Ausnahmen:

Seite VI: "Atherisirten" geändert in "Aetherisirten"

(Chirurgische Wahrnehmungen bei Aetherisirten)

Seite VII: im Inhaltsverzeichnis "51" geändert in "53"

(Verschiedene Arten des Aetherrausches 53)

Seite VII: im Inhaltsverzeichnis "71" geändert in "70"

(Aetherdämpfe bei den einzelnen chirurgischen Operationen 70)

Seite VIII, im Inhaltsverzeichnis

hinzugefügt: "Schlussfolgerungen 227"

Seite 18: "blos" geändert in "bloß"

(berauschten sie Kranke nicht bloß beim Zahnausziehen)

Seite 23: "angewender" geändert in "angewendet"

(von Itard und Wolf wirklich früher angewendet worden)

Seite 34: "Aetherrrausches" geändert in "Aetherrausches"

(nur den ersten und niedrigsten Grad des Aetherrausches)

Seite 47: "Das" geändert in "»Das"

(»Das Gefühl von Uebelkeit kann sich in dem ersten Zeitraume)

Seite 49: "»Die" geändert in "Die"

(Die Träume der Aetherisirten, wie von Graefe bemerkt)

Seite 59: "hei" geändert in "bei"

(das Schmerzgefühl bei chirurgischen Operationen)

Seite 86: "Aetherrauschs" geändert in "Aetherrausches"

(Das Ausziehen der Zähne während des Aetherrausches)

Seite 93: "wrid" geändert in "wird"

(Erleichterung um die Hälfte verschafft wird)

Seite 103: "Gehirn,-" geändert in "Gehirn-,"

(Neigung zum Schlagfluß, Gefäß-, Gehirn-, Herz- und Lungenstörungen)

Seite 109: "Bewußlosigkeit" geändert in "Bewußtlosigkeit"

(dann trat Erschlaffung und vollkommene Bewußtlosigkeit ein)

Seite 116: "Verdickt" geändert in "Verdikt"

(so wie der Zeugenaussagen folgendes Verdikt)

Seite 117: "Londner" geändert in "Londoner"

(Die Londoner medizinische Zeitung stellt über diesen Fall)

Seite 118: "Aezte" geändert in "Aerzte"

(der gesunde Sinn der Aerzte und Laien)

Seite 118: "Sinnne" geändert in "Sinne"

(Im ganz entgegengesetzten Sinne spricht sich)

Seite 119: "das" geändert in "daß"

(Jeder weiß es übrigens, daß neue Mittel)

Seite 120: "Aufhehung" geändert in "Aufhebung"

(nur in Aufhebung der Schmerzen)

Seite 122: "Kreisenden" geändert in "Kreißenden"

(Hammer wandte bei einer 18jährigen Kreißenden)

Seite 128: "bisjetzt" geändert in "bis jetzt"

(bis jetzt hat er dem Aether)

Seite 172: "Knopfnäthe" geändert in "Knopfnähte"

(durch eine Anzahl umschlungener und Knopfnähte)

Seite 189: "Blumentöpfe" geändert in "Blumentöpfe."

(und auf dem Fenster die Blumentöpfe.)

Seite 211: "den" geändert in "dem"

(litt seit langer Zeit an Blutungen aus dem Mastdarm)

Seite 214: "durchnitt" geändert in "durchschnitt"

(durchschnitt beim ersten Schnitt die Haut)

Seite 225: "Fixirung der" geändert in "Fixirung, der"

(trotz der gehörigen Fixirung, der richtig angewendeten Kräfte, und)

Seite 225: "Tractionenen" geändert in "Tractionen"

(und den methodisch verstärkten Tractionen)

Seite 228: "gewöhnlish" geändert in "gewöhnlich"

(Wunden mit Substanzverlust gewöhnlich langsamer)]

Der Aether gegen den Schmerz · 第 13 / 13 段