Bewusstseinssteigerung nach der Seite des abnormen Bewusstseins durch
Anleihen beim übersinnlichen Bewusstsein zu Stande komme (401), so
ist es doppelt unrichtig zu sagen, dass das im normalen Bewusstsein
zurückgetretene gemeinsame Subjekt der übersinnlichen und sinnlichen
Person in abnormen Bewusstseinszuständen „aus dem Unbewussten
hervortrete“ (139). Alle etwaigen übersinnlichen Einwirkungen des
Individualsubjekts auf das organisch vermittelte Bewusstsein können
von diesem letzteren nur aufgefasst werden, insofern sie zugleich
in dessen eigene sinnlich-bildliche Form eingekleidet werden (70),
und wenn auch eine abnorme Hyperästhesie des Gedächtniss- und
Phantasieorgans in untersinnlichen Bewusstseinszuständen diese
Auffassung und Einkleidung bis zu einem gewissen Grade erleichtert,
so beweist doch der Fortbestand des visionär-bildlichen Charakters
der Eingebungen, dass auch bei den äussersten Graden der somnambulen
Hellsichtigkeit die organisch-sinnliche Basis des Bewusstseins nicht
verlassen wird (117-118) und keineswegs ein direkter Uebergriff oder
Uebertritt in’s übersinnliche Bewusstsein stattfindet. Ein solcher
bleibt auch dann ausgeschlossen, wenn durch abnorme Hyperästhesie
des Gedächtniss- und Phantasieorgans die gewöhnliche Geschwindigkeit
des Vorstellungsablaufes zur Bilderflucht gesteigert wird, und es
ist unzulässig, in solchem Falle von „transcendentalen Zeitmass“ zu
reden (86), oder gar die krankhafte Bilderflucht eines überreizten
Gehirns mit Kants Lehre von der Idealität der Zeit und des Raumes
zusammenzurühren (93, 147), da zur Erklärung solcher seltener Beispiele
nicht einmal die Maximalgeschwindigkeit des wachen Vorstellungsablaufs
überschritten zu werden braucht (vgl. oben).
Die allen unsern heutigen Ansichten widersprechende Annahme du Prel’s,
dass das „transcendentale“ Bewusstsein ein leibfreies, d. h. ohne das
Substrat von Nervencentralorganen zu Stande kommendes Bewusstsein
sei, ist als der +physiologische+ Grundfehler seines Standpunktes zu
bezeichnen; die Verwechselung dieses „transcendentalen Bewusstseins“
mit dem (unbewussten) „transcendentalen Subjekt“ dagegen ist der
+logische+ Grundfehler seines Standpunktes. Du Prel hat in seinen
späteren Arbeiten leider keinen Versuch gemacht, meine Kritik
dieser beiden Grundfehler zu widerlegen, sondern hat unbeirrt auf
diesen beiden unhaltbaren Voraussetzungen weitergebaut, die bei ihm
ebenso unbegründet dastehen als sie ihrer Natur nach unbegründbar
sind. Man kann hiernach ermessen, welcher Werth einer so fundirten
„transcendentalen Psychologie“ beizulegen ist. --
Die Genauigkeit verlangt zu erwähnen, dass du Prel noch auf
einem vom Somnambulismus unabhängigen Wege die Bewusstheit der
übersinnlichen Funktionen des Subjekts zu erweisen sucht. Er verwirft
nämlich die physiologische Erklärung des Gedächtnisses, wonach
dasselbe in hinterlassenen Spuren der Vorstellungsfunktion in den
funktionirenden Gehirntheilen bestehen soll, und setzt an deren
Stelle eine metaphysische Erklärung, nach welcher alle vom sinnlichen
Bewusstsein zeitweilig vergessenen Vorstellungen im übersinnlichen
leibfreien Bewusstsein als aktuelle Vorstellungen fortbestehen, und
bei der Reproduktion oder Wiedererinnerung aus diesem von Neuem
in’s sinnliche Bewusstsein hinübertreten (371-375). Da die abnormen
Bewusstseinszustände thatsächlich keine gleichzeitige Aktualität aller
jemals gehabten Vorstellungen aufweisen, da vielmehr das zeitweilige
Vergessen und Wiedererinnern der Vorstellungen, d. h. das Problem des
Gedächtnisses, für die abnormen Bewusstseinszustände +ganz ebenso+
besteht wie für den normalen, so kann dasjenige Bewusstsein welches
den aktuellen Gedächtnissvorrath enthalten und erhalten soll, nur als
das übersinnliche, in +keiner+ Erfahrung anzutreffende, leibfreie
Bewusstsein verstanden werden, welchem dann gleichmässig die Aufgabe
zufiele, als Gedächtnissvorrathskammer sowohl für das normale
sinnliche, als auch für das abnorme untersinnliche Bewusstsein zu
dienen (346).
Ich halte diesen Erklärungsversuch aus zwei Gründen für verfehlt.
Erstens würde das übersinnliche Bewusstsein, wenn es alle jemals am
Menschen vorübergezogenen Vorstellungen und Gefühle in gleichzeitiger
Aktualität als seinen Inhalt umfasste, ein sinnverwirrendes
chaotisches Durcheinander sein, in welchem eben so wenig noch
bestimmte Vorstellungen enthalten wären, wie in der gleichzeitigen
Aufführung aller bisher geschriebenen Musikstücke noch Musik wäre; ein
solches Bewusstsein könnte niemals für irgend welche Erscheinung als
Erklärungsprincip dienen, auch ganz abgesehen davon, dass die Auswahl
einer bestimmten Vorstellung aus diesem chaotischen Bewusstsein und
die Art ihres Ueberganges aus demselben in das sinnliche Bewusstsein
doch immer noch unerklärlich bliebe. Zweitens aber soll der indirekte
Beweis für die Richtigkeit dieser Erklärung doch lediglich in der
Unannehmbarkeit der gewöhnlichen physiologischen Erklärung des
Gedächtnisses durch Gehirnspuren liegen; der Nachweis der Unhaltbarkeit
dieser letzteren scheint mir aber entschieden misslungen. Indem
nämlich du Prel einerseits die Wiederholung gleicher Vorstellungen,
die Verdichtung ähnlicher zu einem gemeinsamen Gedächtnisseindruck
ausser Acht lässt und das allmähliche Vergessen der nicht wieder
aufgefrischten Spuren bis zum absoluten Verschwinden nach einer
kürzeren oder längeren Zeit leugnet (314, 320), rechnet er grosse
Zahlen von Gehirnspuren heraus, denen jede Berechtigung fehlt;
andererseits unterschätzt er die ausserordentliche Feinheit der
organischen Materie und deren Fähigkeit, eine ungeheure Menge von
Spuren nicht nur nebeneinander, sondern geradezu ineinander geschoben
und verschränkt in sich aufzunehmen, wie ja auch eine unglaubliche
Zahl aktueller Bewegungen in jedem Massentheilchen gleichzeitig vor
sich gehen. Hätte er aber in seinen Bedenken gegen die Feinheit
der organischen Hirnmasse Recht, so würde doch dieses Bedenken
in noch weit höherem Grade für die ungleich geringere materielle
Dichtigkeit des Aetherleibes oder Metaorganismus zutreffen, auf dessen
Molekularbewegung die Summe aller im übersinnlichen Bewusstsein
gleichzeitig aktuellen Gedächtniss-Vorstellungen und Gefühle sich
ebenso stützen muss, wie die Summe der im sinnlichen Bewusstsein
aktuellen Vorstellungen und Gefühle auf die Molekularbewegungen der
Hirnmasse. Diese verfehlte Theorie des Erinnerungsvermögens würde du
Prel schwerlich in den Sinn gekommen sein, wenn er nicht vorher schon
die Existenz eines übersinnlichen Bewusstseins durch die Verwechselung
mit dem untersinnlichen erwiesen zu haben geglaubt hätte. --
Die Behauptung, dass die für uns unbewussten übersinnlichen psychischen
Funktionen unseres an und für sich unbewussten Individualsubjekts
doch ihrerseits von einem übersinnlichen Bewusstsein begleitet seien,
ist bis jetzt durch nichts erwiesen, und doch liegt die Beweislast
dem Behauptenden ob; man wird demnach auch ferner logisch im Rechte
sein, wenn man sie bis auf Weiteres (d. h. bis zur Erbringung des
Beweises vom Gegentheil) als an und für sich unbewusst betrachtet.
Es scheint denn doch eine sehr viel einfachere und natürlichere
Annahme, dass hinter den bewussten Funktionen des Individualsubjects
ohne Störung der Einheit der bewussten Persönlichkeit noch unbewusste
Funktionen desselben verlaufen, als dass in jedem Individuum zwei
Personen verkoppelt sind, deren eine (die sinnliche) durch die andere
(die übersinnliche) dämonisch besessen ist, ohne etwas davon zu
ahnen! Insbesondere ist zu beachten, dass die höchst bedenkliche,
aber schlechthin unentbehrliche Hülfshypothese eines unsterblichen
Aetherleibes oder Metaorganismus mit dem Wegfall des übersinnlichen
Bewusstseins fortfällt; denn bewusste psychische Funktionen brauchen
zwar ein materielles Substrat, an dem sie erst sich selbst empfindlich
werden, aber unbewusste psychische Funktionen sind allemal rein
immaterieller Natur. Alle unbewussten psychischen Funktionen,
welche sich auf einen individuellen Organismus beziehen, sind durch
dieses Ziel zu einer individuellen psychischen Gruppe von relativer
Beständigkeit geeint, ebenso wie sie rückwärts ihren Einheitspunkt an
dem sie gemeinsam tragenden Subjekt haben.
Auch ich will keineswegs den Individualgeist oder die individuelle
Psyche überspringen,[25] aber wenn du Prel die Frage, ob dieselbe
eine substantiell von ihres Gleichen und vom Absoluten getrennte
Monade, oder eine blosse Einschränkung oder funktionelle Konkretion
(dramatische Spaltung) des absoluten Subjekts sei, offen lässt
(72), so habe ich geglaubt, dieselbe zu Gunsten der letzteren Seite
der Alternative entscheiden zu müssen.[26] Gerade das Problem der
Inspiration des sinnlichen Bewusstseins durch unbewusste Funktionen
der Individualseele zwingt in allen Fällen, wo es sich um hellsehendes
Ahnen von räumlich oder zeitlich weit entfernten Vorgängen handelt, zu
der Lösung durch den konkreten Monismus überzugehen, weil hier eine
rückwärtige Verbindung aller Individualsubjekte im absoluten Subjekt
(gleichsam ein centraler Telephon-Anschluss für die Inspirationen
der unbewussten Individualseele in’s Bewusstsein) existirt,
während der monadologische Individualismus nur die Wahl hat, die
bezüglichen Thatsachen zu leugnen, oder auf eine ganz gewaltsame
oder unwahrscheinliche Art als Gefühlswahrnehmungen durch materielle
Vermittelung zu erklären (198, 421).
Hätte du Prel nicht den pathologischen Charakter des Somnambulismus
verkannt, und in Folge dessen nicht das untersinnliche Bewusstsein mit
einem übersinnlichen (transcendentalen) verwechselt, so würde sich
schwerlich eine Differenz zwischen unseren metaphysischen Deutungen
der fraglichen Erscheinungsgebiete herausgestellt haben. Von den
metaphysischen Konsequenzen seiner irrigen Theorien aber werden nur
zwei Richtungen Nutzen ziehen: der Spiritismus und die christliche
Apologetik. Die neueren Veröffentlichungen du Prel’s zeigen leider nur
zu sehr, dass er sich dem Spiritismus nicht zu entreissen vermocht
hat, nachdem er einmal durch die aufgezeigten Grundfehler demselben
eine Handhabe geboten hat. Der Mangel an kritischer Vorsicht in der
Benutzung der Berichte, welcher schon in seiner „Philosophie der
Mystik“ gerügt werden musste, macht sich in diesen späteren Schriften
theilweise in einem solchen Maasse geltend, dass dieselben dadurch
einer wissenschaftlichen Kritik entrückt erscheinen.
[Illustration]
Frühere Schriften desselben Verfassers.
Im Verlag der Königl. Hofbuchhandlung von =Wilhelm Friedrich= in
+Leipzig+ erschien:
Der Spiritismus.
8 Bogen gr. 8. M. 3.--.
Das Judenthum in Gegenwart und Zukunft.
Zweite durchgesehene Auflage. 13 Bogen gr. 8. M. 5.--.
Philosophische Fragen der Gegenwart.
19 Bogen gr. 8. Preis M. 6.--.
In =Carl Duncker’s= Verlag in +Berlin+ erschien:
A. Hauptwerke:
=Philosophie des Unbewussten.= Neunte erweiterte Auflage in 2
Bänden. Erster Theil: Phänomenologie des Unbewussten. Zweiter
Theil: Metaphysik des Unbewussten. 62 Bogen gr. 8.
M. 12.--
=Das sittliche Bewusstsein.= Zweite Auflage. 44 Bogen gr. 8.
M. 6.--
=Das religiöse Bewusstsein der Menschheit= im Stufengang seiner
Entwickelung. 40 Bogen gr. 8.
M. 10.--
=Die Religion des Geistes.= 22 Bogen gr. 8.
M. 7.--
=Aesthetik.= Erster Theil. Die deutsche Aesthetik seit Kant. 37
Bogen.
M. 5.-- Zweiter Theil: Philosophie des Schönen. 53 Bogen. M. 8.
Beide Bände. 90 Bogen gr. 8.
M. 13.--
B. Nebenwerke:
=Kritische Grundlegung des transcendentalen Realismus.= Zweite
erweiterte Aufl. von „Das Ding und seine Beschaffenheit“. 12 Bogen
gr. 8.
M. 4.--
=Gesammelte Studien und Aufsätze= gemeinverständlichen Inhalts.
Zugleich zweite Auflage von „Gesammelte philosophische
Abhandlungen“, „Schellings positive Philosophie“, „Aphorismen über
das Drama“, „Shakespeare’s Romeo und Julia“ u. s. w. 46 Bogen gr. 8.
M. 12.--
=Neukantianismus, Schopenhauerianismus und Hegelianismus= in
ihrer Stellung zu den philosophischen Aufgaben der Gegenwart.
Zweite erweiterte Auflage der „Erläuterungen zur Metaphysik des
Unbewussten“. 23 Bogen gr. 8.
M. 7.--
=Das Unbewusste= vom Standpunkt der Physiologie und
Descendenztheorie. Zweite vermehrte Auflage. Nebst einem Anhang,
enthaltend eine Entgegnung auf Professor Oscar Schmidt’s Kritik der
naturwissenschaftlichen Grundlagen der Philosophie des Unbewussten.
26 Bogen gr. 8.
M. 8.--
C. Kleinere Schriften:
=Wahrheit und Irrthum im Darwinismus.= Eine kritische Darstellung
der organischen Entwickelungstheorie. 11½ Bogen gr. 8.
M. 4.--
=Zur Geschichte und Begründung des Pessimismus.= 10 Bogen gr. 8.
M. 3.--
=Die Selbstzersetzung des Christenthums= und die Religion der
Zukunft. Zweite Auflage. 9 Bogen gr. 8.
M. 3.--
=Die Krisis des Christenthums= in der modernen Theologie. 9 Bogen
gr. 8.
M. 2.70
=J. H. von Kirchmann’s erkenntnisstheoretischer Realismus.= Ein
kritischer Beitrag zur Begründung des transcendentalen Realismus.
4½ Bogen gr. 8.
M. 2.--
=Ueber die dialektische Methode.= Historisch-kritische
Untersuchungen. 8 Bogen gr. 8.
M. 2.--
=Zur Reform des höheren Schulwesens.= 6 Bogen gr. 8.
M. 2.25
=Die politischen Aufgaben und Zustände des deutschen Reiches.= 4
Bogen gr. 8.
M. 1.--
D. Erläuterungs- und Vertheidigungsschriften:
=Lichtstrahlen= aus Eduard von Hartmann’s sämmtlichen Werken,
herausgegeben von Dr. M. Schneidewin. 22 Bogen kl. 8. Eleg. gebunden
M. 5.--
=Das philosophische System= Eduard von Hartmann’s. Von Dr. R.
Koeber. 26 Bogen gr. 8. (Breslau bei W. Koebner.)
M. 9.--
=Der Kampf um’s Unbewusste.= Von O. Plümacher. Nebst einem Anhang,
enthaltend ein chronologisches Verzeichniss der Hartmann-Literatur
von 1868 bis 1880 (circa 770 Nummern). 10 Bogen gr. 8.
M. 3.--
=Der Pessimismus in Vergangenheit und Gegenwart.= Geschichtliches
und Kritisches. Von O. Plümacher. 23 Bogen gr. 8. (Heidelberg bei
G. Weiss.)
M. 7.20
Fußnoten:
[1] In den Kapiteln: „Die Unchristlichkeit des liberalen
Protestantismus“ und „die Irreligiosität des lib. Prot.“
(Selbstzersetzung des Christenthums Cap. VI und VII) und in der Schrift
„Die Krisis des Christenthums“ Abschn. I. 2, II und IV.
[2] In der Satire: „Das Gefängniss der Zukunft“ (Gesammelte Studien und
Aufsätze A. X.) und in der Kritik des socialendämonistischen Princips
(Phänomenologie des sittlichen Bewusstseins Abth. II, B. I.)
[3] Gesammelte Studien und Aufsätze No. I; Philosophische Fragen der
Gegenwart No. I.
[4] Vergl. „Das sittliche Bewusstsein“, 2. Aufl., S. 415-418. (1. Aufl.
S. 516-518).
[5] Vergl. den Abschnitt über „Das Moralprincip des Mitgefühls“ in „Das
sittliche Bewusstsein“, 2. Aufl. S. 184-202 (1. Aufl. S. 217-240).
[6] Man vergleiche zu diesem Abschnitt meine „Phänomenologie des
sittlichen Bewusstseins“, S. 672-673, 692-696; 2. Aufl. S. 536-537,
552-555.
[7] Dieselbe beläuft sich nach medicinischen Annahmen auf 2 vor dem
20. Jahre, 5 in den 20ger, 3 in den 30ger und 1 in den 40ger Jahren,
zusammen auf 11. Bei der Verheirathung der Frau mit 26½ Jahren sinkt
die zu erwartende Kinderzahl auf die Hälfte, d. h. auf 5½, was mit dem
statistischen Durchschnitt in Deutschland übereinstimmt.
[8] Wollte man dem skrupulösesten Gerechtigkeitsgefühl Rechnung
tragen, so brauchte man nur die Bestimmung in das Gesetz aufzunehmen,
dass Jungfern durch die eidesstattliche Versicherung, niemals einen
Heirathsantrag gehabt zu haben, von der Steuererhöhung befreit werden.
Wer die Frauen kennt, wird keinen Augenblick daran zweifeln, dass eine
solche Klausel unbenutzt bleiben würde, und dass deshalb ihre Aufnahme
in’s Gesetz überflüssig und wirkungslos wäre.
[9] Die Besorgniss, dass durch Einreichung des Leitfadens eine zu
scharfe Kontrole von Seiten der Universitätsbehörden ermöglicht und
damit die Lehrfreiheit beeinträchtigt werden könnte, scheint mir ganz
grundlos. Wenn ein Docent Dinge sagt, die den Universitätsbehörden
Anstoss geben könnten, so sagt er sie in den mündlichen Erläuterungen,
aber nicht in demjenigen, was er den Studenten diktirt, -- und mehr
soll ja der Leitfaden nicht enthalten.
[10] +H. Klinkhardt+, Das höhere Schulwesen Schwedens. Leipzig, J.
Klinkhardt, 1887. Einen übersichtlichen Bericht über dieses Werk aus
der Feder des Grafen Pfeil findet man in der „Zeitung für das höhere
Unterrichtswesen“ 1887, Nr. 30-32.
[11] „Die Zukunft unserer höheren Schulen“ von F. Hornemann. Hannover,
Carl Meyer, 1887. S. 105 Anmerkung.
[12] Leçons sur les maladies du système nerveux tome III. -- Essai
d’une distinction nosographique des divers états nerveux, compris sous
le nom d’hypnotisme. (Comptes rendus de l’Académie des sciences 1882.)
[13] Die Philosophie der Mystik von Dr. Carl du Prel. Leipzig, Ernst
Günthers Verlag 1885.
[14] Die Philosophie der Mystik von Dr. Carl du Prel. Leipzig, Ernst
Günthers Verlag 1885.
[15] Vigouroux, Métalloscopie, Métallothérapie, Oesthésiogènes.
[16] „Versuch über das Geistersehen und was damit zusammenhängt“, in
den „Parerga und Paralipomena“, 2. Aufl. I. Band. S. 241-328.
[17] Parerga 2. Aufl. I. S. 262 (vgl. S. 264).
[18] Das Gleiche gilt für Träume, in denen ein äusserer Sinnenreiz
in den Traum ausnahmsweise einmal in der Art dramatisch verwoben
wird, dass die letzten Glieder des Traumes durch die Pointe bedingt
erscheinen; auch hier genügen die 2-3 Sekunden, die von der
Perception des Gehörseindrucks (z. B. eines Schlusses) im untersten
Perceptionscentrum für Gehörseindrücke bis zur Perception desselben
durch das Organ des Traumbewusstseins sehr wohl verstreichen können (S.
90 unten bis 91 oben), um 24-36 Vorstellungsbilder auf einander folgen
zu lassen.
[19] Bekanntlich zeigt der Traum eine Menge Erscheinungen des
Wahnsinns und macht dadurch viele der gewöhnlichsten Irrsinnsformen
für jeden, der auf seine Träume achtet, von innen heraus verständlich,
so z. B. den Verfolgungswahn, verschiedene sexuelle Abnormitäten,
Verbrecherwahn, Grössenwahn u. s. w.
[20] Die oben angeführten Versuche von Binet und Féré streifen bereits
an die Grenze des unheimlich Grausamen auch ohne Anwendung des Messers;
sie liefern dafür aber auch durch Bestimmung der schmerzenden Stelle
bei jeder Art von seitlich transferirter Hirnfunktion einen höchst
schätzbaren Beitrag zur Lokalisation der Hirnfunktionen.
[21] Statuvolence oder der gewollte Zustand. Von W. B. Fahnestock.
Deutsch von Wittig. Leipzig 1883.
[22] Diese lokale magnetische Hyperästhesirung bildet das Gegenstück
zu der lokalen Anästhesirung durch narkotische Mittel, und der lokalen
magnetischen Anästhesirung (z. B. bei Brandwunden).
[23] Die Wirksamkeit des Befehls zur Erinnerung ist analog der
Wirksamkeit des Befehls zum Vergessen und zur Elimination bestimmter
Wahrnehmungskomplexe aus der Wahrnehmungsphäre. Die Sage von der
Tarnkappe wird zur Wahrheit, indem die Somnambule nach dem Erwachen
unfähig ist, eine bestimmte anwesende Person wahrzunehmen, wenn ihr
diess im somnambulen Zustand befohlen war.
[24] Den äusseren Anlass zu dieser Konfusion giebt der Missbrauch
des Wortes „transcendental“ in der Bedeutung „latent“ (443) oder
„unterhalb der Schwelle des Bewusstseins gelegen“; denn nun bezeichnet
der Ausdruck „transcendentales Bewusstsein“ in doppelsinniger Weise
bald das untersinnliche, bald das übersinnliche Bewusstsein. Ich habe
deshalb das Wort „transcendental“ in der bisherigen Erörterung ganz
vermieden, um dieser Verwirrung zu entgehen.
[25] „Religion des Geistes“ S. 226-228.
[26] Vgl. „Das Unbewusste vom Standpunkte der Physiologie und
Descendenztheorie“ 2. Aufl. S. 297-306.