CHEIROMELES HORSF.

Cheiromeles torquatus Horsf.

Tafel XI, Fig. 11 u. 11 a–d, Tafel X, Fig. 6, 20, 21 a–e, 22, 23, 24 u.

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1 Exemplar in Spiritus von Java, ausserdem 1 ausgestopftes und 1

trockener Balg von Bórneo (SO u. W). Wie schon früher bemerkt, macht

der Körper dieses interessanten Thieres auf den ersten Anblick den

Eindruck völliger Nacktheit, thatsächlich aber ist die derbe

schwartenartige Haut, wenn wir von der Flugmembran absehen, überall in

verschiedenem Maasse, doch immer spärlich, behaart. Am dichtesten

stehen die Haare auf Brust und Bauch, aber auch der Rücken ist nicht

ganz nackt, wie Dobson (Catal. 1876, 178; Catal. 1878, 406) angiebt,

sondern trägt auf seiner chagrinartig rauhen Oberfläche in

regelmässiger Vertheilung einzeln und in sehr weiten Zwischenräumen

stehende kurze Haare. Alle diese Haare besitzen die früher geschilderte

Structur (siehe Tafel X, Fig. 21). Das Gleiche gilt auch für die

meisten längeren Haare, die sich an bestimmten Körperstellen finden,

besonders neben den Spatelhaaren und den ihnen verwandten Stacheln im

Gesichte (Fig. 20, Taf. X) und, eine Art Krause bildend, um den Hals.

Hier erreichen diese Haare die grösste Länge, 1–2 cm.

Die Form des Kopfes, der abgeplattet und langgestreckt, dabei zugleich

sehr breit ist (wie man aus einem Vergleiche der Seiten- mit der

Vorderansicht auf Tafel XI, Fig. 11 u. 11 a ersehen kann), finde ich

unter den mir vorliegenden Abbildungen nur in der bei Temminck (Monogr.

Mammal. II, Pl. 66, Leiden 1835–41) ziemlich naturgetreu wiedergegeben,

doch ist auch hier im Vergleiche zu dem Dresdener Spiritus-Exemplare

die Breite zu gering. In den ersten, nach einem getrockneten Balg

entworfenen, Abbildungen Horsfields (Zool. Res. Lond. 1824, No. VIII, 2

Taf., Kopie der Oberansicht bei Temminck: Monogr. Mammal. I, Pl. 17.

Paris 1827), sind die Formen verschiedentlich verzerrt, und bei Dobson

(Catal. 1878, Pl. XXI, Fig. 1 u. 1 a) erscheint der Kopf in

unnatürlicher Verkürzung und übertrieben hoch. Abweichend von dem

Verhalten der übrigen Molossiden sind bei Cheiromeles die Ohren

verhältnissmässig klein und durch einen weiten Zwischenraum getrennt.

Die Schnauze trägt am äussersten Ende in der Mitte unterhalb der

Nasenlöcher ein scharf begrenztes Feld von der Gestalt eines Dreiecks,

dessen Basis dem Mundrande genähert und parallel ist (Fig. 11 u. 11 a,

Taf. XI). Es ist dicht mit Spatelhaaren der in Fig. 22 u. 23 auf Tafel

X dargestellten modificirten Form besetzt, und trotz der Kürze der

einzelnen Borsten, die noch nicht 1 mm frei hervorragen, markirt es

sich doch auf der sonst fast nackten Haut am Spiritus- wie an den

trockenen Exemplaren schon für die Betrachtung mit blossem Auge sehr

deutlich. Indessen ist weder im Texte noch in den Abbildungen

Horsfields (Zool. Res. 1824), Temmincks (Monogr. Mammal. II, 1835–41)

und Dobsons (Catal. 1876 u. Cat. 1878) dieses Feld berücksichtigt.

Ausserdem finden sich am Kopfe neben spärlichen Haaren, die denen des

Körpers gleichen (Fig. 20, Taf. X), noch in geringer Zahl die derben

bald kürzeren, bald längeren Borsten oder Stacheln, die in Fig. 25 und

24 auf Tafel X abgebildet sind. Ein paar stehen einzeln seitwärts von

dem medianen Feld an der Vorderseite der Schnauze (Fig. 11 a, Tafel

XI), und weiter kann man längs des obern Randes ihrer Seitenfläche vom

Nasenloche bis gegen das Ohr hin etwa drei bis vier kleine Gruppen von

je zwei bis fünf Borsten unterscheiden. Die Anordnung, wie sie die

Figur 11 (Taf. XI) von dem Spiritusexemplare von Java zeigt, ist an den

beiden trockenen von Bórneo fast genau dieselbe.

Diese Gruppen hat schon Horsfield gesehen. Er unterscheidet (Zool. Res.

1824, No. VIII. Cheiromeles, 3. S.) genau „three small fascicles of

short, stiff bristles, conical and glandular at the base, rigid and

spinous at the point“. Auch in der Artdiagnose berücksichtigt er diesen

Charakter: „Rostrum conicum, sulcatum, glandulis confertis setiferis in

paribus tribus oppositis coronatum“. Der Ausdruck „glandular at the

base“ bezieht sich vermuthlich auf das Grübchen, das die Haut, ähnlich

wie an den Spatelhaaren, auch am Grunde dieser Stacheln öfter bildet.

Auch Temminck (Monogr. Mammal. II, 349; Pl. 66, Fig. 3, 1835–41)

erwähnt „de très petits mammelons qui donnent naissance à quelques

poils rares et très courts“, Dobson (Catal. 1876 u. Cat. 1878) dagegen

sagt nichts darüber.

Vereinzelt stehen solche Stacheln auch auf dem Unterkiefer in einiger

Entfernung von der Medianlinie, und, merkwürdigerweise, auch auf der

Rückseite der Interfemoralmembran, während ich hier bei den übrigen

Molossiden vergeblich nach Spatelhaaren oder gleichwerthigen Borsten

suchte. Beide Standorte sind auch bei Horsfield angegeben.

Die Füsse, deren Beschaffenheit nur am Spiritusexemplare klar zu

erkennen ist, sind derb fleischig, mit dicken Zehen, deren Haut

regelmässig quer gerunzelt ist (Taf. XI, Fig. 11 b). Die grosse Zehe

ist doppelt so breit wie die anderen und wie ein Daumen frei beweglich.

Auf der ganzen äusseren Fläche, nahe vom Grunde bis zum Nagel, trägt

sie einen Besatz von langen, weit vorragenden Spatelhaaren, der bei der

Betrachtung des Thieres sogleich ins Auge fällt (Tafel XI, Fig. 11

b–d). Horsfield hat davon schon in der ersten Beschreibung des

Cheiromeles (Zool. Res. 1824. VIII, 6. S.) eine ganz zutreffende

Schilderung gegeben, der ich mich nur anschliessen kann: „Together with

the structure and position of the thumb, a very peculiar character is

afforded to the Cheiromeles by an appendage or brush, consisting of

bristly hairs, directed to one side, and forming a regular series along

the outer margin of the thumb. At the extremity the hairs are long, and

spread as a fan over the nail; they gradually decrease in length as

they approach the base, preserving throughout the same direction. The

separate hairs are rigid, thicker at the base, then gradually

attenuated, and terminated by a hook.“ Ergänzend ist hierzu noch zu

bemerken, dass die einzelnen Haare an ihrem Ende nicht nur hakig

gekrümmt, sondern zugleich auch spatelförmig verbreitert sind. Die Form

der Endplatte ist meist von mittlerer Ausprägung, am besten bei den

kürzeren Haaren entwickelt. Mit der wachsenden Länge der Haare wird die

Abplattung und Erweiterung am Ende immer geringer bis zu dem Grade der

Fig. 11 auf Tafel X, und manchmal erscheint das Ende auch gleichmässig

zugespitzt. Die längsten Haare erreichen bis 8–10 mm, aber auch die von

mittlerer Ausbildung werden 2 mm und darüber lang (Fig. 6, Taf. X). Die

Richtung der Krümmung ist durchweg plantar und proximal. Das einzelne

Haar ist röthlich braun gefärbt.

Der fünften Zehe fehlen Spatelhaare durchaus, im Gegensatze zu dem

Verhalten aller anderen Molossiden, dagegen finden sich wie dort so

auch bei Cheiromeles an den Nagelgliedern der zweiten bis fünften Zehe

einige längere Haare, die aber immer kürzer sind als die bei Molossus

und Nyctinomus und, anders wie bei diesen Gattungen, vorwiegend an der

ventralen Seite des Klauengliedes entspringen. In der Structur gleichen

sie sehr den Spatelhaaren der ersten Zehe, sind aber heller. An der

Spitze sind sie etwas abgestumpft. Horsfield (Zool. Res. VIII, 6. S.

1824) bemerkt über diese Haare wieder ganz richtig: „This character [d.

i. der Haarbesatz der grossen Zehe] must not be confounded with the

long, solitary, bristly hairs which, in Cheiromeles as well as in

Nyctinomus, are loosely scattered over the fingers, and particularly

over the extremity, near the insertion of the claws.“ Die späteren

Autoren Temminck (Monogr. Mammal. II, 348, 1835–41) und Dobson (Catal.

1876, 178; Catal. 1878, 406) schildern die Verhältnisse der Behaarung

an den Füssen lange nicht so eingehend und klar wie Horsfield.

Die im Vorstehenden aufgeführten 19 Arten umfassen nur wenig über ein

Drittel der bis jetzt überhaupt bekannt gewordenen Molossiden. Nach dem

neuesten Verzeichnisse der Säugethiere von Trouessart (Catal. Mammal.

Nov. Edit. 1898–99. T. I, 142–149, T. II, Append. 1285–1286) und mit

Einschluss der beiden von A. B. Meyer neu aufgestellten Nyctinomus

sarasinorum (s. oben S. 16) und astrolabiensis (desgl. S. 19) stehen

den 14 von mir untersuchten Nyctinomus-Arten 24, den 4 Species von

Molossus 6 gegenüber, von denen ich kein Exemplar zur Verfügung hatte.

Das Verhalten dieser Arten in Bezug auf den Besitz löffelförmiger oder

entsprechender Haare wird sich durch Prüfung des in den Museen

vorhandenen Materials mit Leichtigkeit feststellen lassen, inzwischen

mögen hier noch einige Notizen aus der Literatur Platz finden, die das

Vorkommen solcher Haare für mehrere Arten wahrscheinlich machen, z. Th.

sogar mit Sicherheit erweisen.

Dies gilt zunächst für Molossus temmincki (Lund), wie aus der Bemerkung

Burmeisters [108] „die Lippen mit Hakenborsten [109] gleichmässig

zerstreut besetzt“ ganz klar hervorgeht.

Sodann ist Nyctinomus macrotis Gr. zu nennen, über den Gray (Ann. Nat.

Hist. IV, 5–6, 1840) folgende Angaben macht: „The pads of the great and

little toes rather large, covered with white hairs, which are curved

and rather dilated at the tip“[109]. Und ferner: „.. muzzle bald, with

a central longitudinal and a transverse marginal ridge of close set

short rigid hairs; upper lip with an oblong tuft of black hairs under

the nose ..“. Dass es sich auch in der letzteren Bemerkung um

Spatelhaare handelt, ist nicht unwahrscheinlich, zumal auch in der

Abbildung der oberen Parthie des Kopfes dieser Species bei Dobson (PZS.

1876, 716, Fig. 3) oberhalb der Nasenlöcher vom Zeichner kurze steife

Borsten angegeben sind, die wohl Spatelhaare vorstellen könnten.

Eine Anzahl weiterer, weniger bestimmter Äusserungen stelle ich nach

der Reihenfolge der Arten in Trouessarts Catal. Mammal. 1898–99 hier

noch kurz zusammen.

Molossus fluminensis Lat. „Des poils raides et courts occupent l’espace

de demi cercle qui sépare le nez de la lèvre supérieure“. (Lataste,

Ann. Mus. Genov. 30, 661; vgl. Fig. 1, 660. 1891). Vermuthlich

entsprechen diese Haare dem Feld unterhalb der Nase bei Molossus rufus,

dem diese Art sehr nahe steht (Lataste, l. c. 660).

M. bonariensis (Ptrs.). Die Abbildung bei Peters (Mb. Akad. Berl. 1874,

234. Taf. Fig. 1) zeigt die kurzen Härchen an den Verdickungen der

Zehen sehr deutlich, eine Andeutung ist vielleicht an der Schnauze zu

erkennen (Fig. 2 daselbst). Im Texte wird nichts darüber gesagt.

Nyctinomus orthotis H. Allen. „The face is occupied by a number of

stout bristles between the ears and the muzzle“ (Allen, Proc. U. S.

Nat. Mus. XII, 638. 1889).

N. kalinowskii Thos. In der Abbildung bei Thomas (PZS. 1893, pl. XXIX,

Fig. 10) sind vorn an der Schnauze unterhalb der Nase kurze steife

Borsten angegeben. Im Texte nicht erwähnt.

N. acetabulosus (Comm.). „Face thinly sprinkled with short rigid hairs,

or rather bristles“. (Smith, Ill. Zool. S. Afr. Mammal. Dysopes

natalensis Smith [pl. 49] 1849).

N. setiger (Ptrs.). „Die breite wulstige, aber nicht quergefaltete

Oberlippe ist jederseits mit vier bis fünf Längsreihen kurzer

stachelförmiger dicker Borsten bekleidet, zwischen denen sparsame feine

kurze und längere Härchen hervortreten. Die Unterlippe zeigt noch

kürzere und schwächere sparsame Borsten und Haare“ (Peters, Mb. Akad.

Berl. 1878, 196; Taf. 1, Fig. 2–2 c). — Es scheint sich bei N. setiger

um ähnliche Borsten wie bei brasiliensis zu handeln.

Hier wäre möglicherweise noch N. jugularis (Ptrs.) anzureihen, der nach

der Abbildung bei Peters (M. B. Akad. Berl. 1881, 485, Taf. Fig. 2) auf

der Oberlippe und auf der Schnauze oberhalb der Nase kurze Borsten

besitzt. Doch ist die Synonymie der Art zweifelhaft. Peters hat sie

1865 aufgestellt (PZS. 468), Dobson 1876 (PZS. 734; auch Catal. 1878,

440) sie mit N. acetabulosus (Comm.) identificirt, dem sich Trouessart

(Catal. Mamm. 1898–99, I, 149) anschliesst. Dagegen hat noch 1881

Peters (M. B. Akad. Berl. 483) dies nicht anerkannt, vielmehr N.

jugularis mit dem später von Dobson (PZS. 1876, 733) aufgestellten N.

albiventer für identisch erklärt. Ein Vergleich der Figuren bei Peters

(M. B. Akad. Berl. 1881, 485, Tafel, 1 a und 2 a) mit denen bei Dobson

(Catal. 1878, Pl. XXI, 5 u. 4) spricht mehr zu Gunsten der Auffassung

von Peters. Einer vergleichenden Prüfung der vorhandenen Exemplare

beider Arten muss es vorbehalten bleiben, die Sache klarzustellen.

Rechnen wir die zuletzt erwähnten 8–9 Arten den von uns untersuchten

hinzu, so würden wir bis jetzt Spatelhaare oder stellvertretende

Borsten bei etwas mehr als der Hälfte der bekannten Molossiden im

Gesicht anzunehmen haben. Für ziemlich sicher können wir es halten,

dass sie allen Arten von Molossus und Nyctinomus an den Aussenseiten

der ersten und fünften Zehe zukommen, da die Verdickung dieser Zehen

als allgemeiner Charakter der beiden Gattungen aufgeführt wird (vgl.

Dobson, Catal. 1878, 404), die verdickten Stellen aber bei allen

untersuchten Arten solche Haare tragen und durch die Anhäufung ihrer

Bälge verursacht sind.

Erst nach genauer Kenntniss des Verhaltens sämmtlicher Arten wird es

möglich sein, die Frage zu beantworten, ob diesen Haaren eine Bedeutung

in systematischer Hinsicht beizumessen sei. Einiges lässt sich in

dieser Beziehung indessen wohl schon aus den hier beigebrachten

Beobachtungen entnehmen, worauf ich, vorbehaltlich der Controlle durch

eingehendere an reicherem Material anzustellende Prüfung, jetzt im

Zusammenhange kurz aufmerksam machen möchte.

Für jedes der drei Molossiden-Genera ist auch ein besonderes Verhalten

der Spatelhaare charakteristisch. Alle besitzen solche an den Füssen,

aber Cheiromeles, der auch im übrigen isolirter steht, nur an der

ersten Zehe, Molossus und Nyctinomus an der ersten und fünften. Bei den

von mir untersuchten Molossus-Arten sind Spatelhaare am Kopf

ausschliesslich auf die Region zwischen den Nasenlöchern oder zwischen

ihnen und dem oberen Mundrande beschränkt [110], bei Nyctinomus sind

sie oder die entsprechenden Borsten fast immer auch über die seitlichen

Parthieen der Oberlippe verbreitet.

Was die Ausnahmen betrifft, so kann Nyctinomus gracilis, bei dem ich

solche Haare oder Borsten am Kopf überhaupt nicht mit Sicherheit

nachweisen konnte, hier ausser Betracht bleiben, da mir von der Art nur

éin Exemplar zur Verfügung stand, dessen Erhaltung nicht besonders

günstig war, so dass die Untersuchung eines reicheren Materiales leicht

zu anderen Ergebnissen führen könnte. Von dieser Species also

abgesehen, bilden Nyctinomus norfolcensis, loriae und astrolabiensis

eine Gruppe, für die bezeichnend ist, dass die Haare in einfacher Reihe

zwischen Nase und Mundrand angeordnet und fast ausschliesslich auf

diese Stelle beschränkt sind. Hierin ähneln die drei Arten den von mir

untersuchten Molossi, bei denen nur nicht die Anordnung in einfacher

transversaler Reihe vorkommt.

Nun steht N. loriae dem norfolcensis sehr nahe (Thomas, Ann. Mus.

Genov. 38, 609, 1898), und dieser schliesst sich wieder zunächst an die

Untergattung Mormopterus Ptrs. an, die in mehrfacher Hinsicht eine

mittlere Stellung zwischen den übrigen Nyctinomus-Arten und der Gattung

Molossus einnimmt (Dobson, Catal. 1878, 441–442). Auch N.

astrolabiensis steht zu diesen Arten in näherer Beziehung (vgl. das von

A. B. Meyer oben S. 19 Bemerkte).

Unter den übrigen Nyctinomus-Arten ist die Anordnung, Menge und

Ausbildung der Spatelhaare sehr übereinstimmend bei plicatus,

sarasinorum und bivittatus, von denen letztere beiden auch im übrigen

gewissermaassen als celebensischer (A. B. Meyer, oben S. 17), bezw.

afrikanischer (Dobson, Catal. 1878, 426) Vertreter des plicatus zu

betrachten sind.

N. pumilus und limbatus, zwischen denen nach Dobson (Catal. 1878, 429)

nur geringfügige Unterschiede von kaum specifischem Werthe bestehen,

haben die Sonderung des Feldes unterhalb der Nase in eine obere und

untere Abtheilung gemeinsam.

Die Arten, denen Spatelhaare im Gesichte fehlen (africanus, cestonii,

gracilis [?], brasiliensis), lassen sich gegenwärtig wohl nicht unter

gemeinsamem Gesichtspunkte betrachten.

Innerhalb des Genus Molossus bilden die Haare bei rufus, rufus obscurus

und nasutus eine scharf begrenzte compacte Gruppe unterhalb der

Nasenlöcher, bei abrasus und perotis nehmen sie ein längliches

leistenartiges Feld zwischen ihnen ein.

Mit Rücksicht auf die Bezahnung werden Molossus rufus (und rufus

obscurus) einerseits, abrasus und perotis andererseits verschiedenen

Untergattungen (Molossus Ptrs. und Promops Gerv.) zugetheilt, und

nasutus, der danach allerdings zu Promops gehört, ist doch in anderer

Beziehung „quite intermediate between M. rufus and M. abrasus“ (Dobson,

Catal. 1878, 415), so dass auch die dem Subgenus Molossus entsprechende

Anordnung der Spatelhaare bei nasutus nichts Auffälliges hat.

Cheiromeles schliesst sich durch den Besitz des scharf begrenzten

dreieckigen Feldes modificirter Spatelhaare an der Schnauzenspitze

näher an Molossus als an Nyctinomus, und zu dieser Auffassung führt

auch die Betrachtung der Gesammtorganisation des merkwürdigen Thieres

(Dobson, Catal. 1878, 404).

Kann man, wie wir gesehen haben, mit ziemlicher Sicherheit annehmen,

dass jedem Molossiden Spatelhaare (wenigstens an den Füssen, wenn auch

nur in rudimentärer Form) zukommen, so bleibt die Frage, ob man diese

merkwürdig geformten Haare als einen ausschliesslich den Molossiden

eigenthümlichen Charakter betrachten dürfe. Ich bemerkte schon am

Eingange der Abhandlung, dass ich ausserhalb der genannten Gruppe bei

keiner Fledermaus solche gefunden habe. Immerhin hätten bei der

nothgedrungen cursorischen Prüfung des reichen Materiales einzelne

löffelförmige Haare der Beobachtung entgehen können, und die

Chiropteren-Sammlung des Dresdener Museums weist natürlich auch manche

Lücke auf, so dass diesem Punkte besondere Aufmerksamkeit zu schenken

sein wird, ehe man ein abschliessendes Urtheil fällen darf.

Hierbei will ich besonders hervorheben, dass in der Dresdener Sammlung

die den Molossiden nächstverwandte Gattung Mystacina Gr. (mit der

einzigen Art tuberculata Gr.) nicht vertreten ist, und es auch nicht

gelang, sie von anderwärts für diese Untersuchung zu erhalten. Es

spricht aber manches, auch abgesehen von der nahen systematischen

Verwandtschaft, dafür, bei dieser Art am ehesten solche Haare zu

vermuthen.

Die Füsse der Mystacina (vgl. die eingehende Schilderung Dobsons, PZS.

1876, 488) sind wie die der Molossi breit, mit verdickter äusserer und

innerer Zehe. Die langen gekrümmten Haare werden als fehlend angegeben,

dagegen scheinen nach der Abbildung bei Dobson (PZS. 1876, 487, Fig.

b.) die äusseren Seiten der ersten und fünften Zehe mit kurzen Härchen

besetzt zu sein. Was das Gesicht betrifft, so finde ich bei Gray (Zool.

Voy. Sulphur, Mammal. II. 23, 1843) eine vielleicht in diesem

Zusammenhange zu deutende Bemerkung: „Nose rather produced, surrounded

at the base with a series of short rigid bristles“.

Es wird sich also jedenfalls empfehlen, Mystacina in erster Linie auf

das Vorkommen löffelförmiger oder ähnlicher Haare genau zu prüfen.

Sollte es sich durch weitere Untersuchungen endgiltig bestätigen, dass

das Vorkommen löffelförmiger und verwandter Haare auf die Molossiden

und etwa noch Mystacina beschränkt ist, so würde diese Thatsache im

Vereine mit anderen vielleicht zu erwägen geben, ob nicht der Gruppe

Molossi eine selbständigere Stellung im System, als besondere Familie,

anzuweisen sein möchte.

Säugethiere vom Celebes- und Philippinen-Archipel · 第 185 / 190 题