Tafel I, II Fig. 1–2 und III Fig. 1–2

Max Weber hat vor Kurzem (Zool. Ergebn. I, 103 1890) den interessanten

Nachweis geführt, dass Macacus maurus F. Cuv. und Macacus ocreatus

Ogilb. ausschliesslich auf Celebes [1] zu Haus und wahrscheinlich

identisch sind. Er hat damit das Dunkel, in dem diese beiden Formen

bisher standen, erhellt, und wenn er das Resultat seiner scharfsinnigen

Darlegung auch nur eine „supposition“ nennt (p. 108), so glaube ich

doch, dass es sich so verhält, wie er vermuthet. Wenn Weber M. maurus

aber lediglich auf Süd Celebes und die Insel Buton beschränkt sein

lässt [2], so ergeben zwei Exemplare, die das Museum kürzlich von

Tonkean, auf der nördlichen Halbinsel, gegenüber dem Banggai Archipel

[3], erhielt, dass die Art eine viel weitere Verbreitung hat. Bis dahin

war sie allerdings nur aus dem Süden und von Buton bekannt geworden,

und zwar nach Weber (p. 103) von Maros, Tanralili, Bantimurung,

Parepare, Bonthain [4] und Katjang auf der Südwest Halbinsel, von

Kandari auf der Südost Halbinsel, sowie von Buton, ferner nach Schlegel

(Cat. VII, 118 1876) und Jentink (XI, 32 1892) von Makassar, womit

jedenfalls die weitere Umgebung der Stadt gemeint ist, und von wo mir

auch die Herren Sarasin schrieben, dass sie M. maurus reichlich

bekämen. Ich selbst beobachtete diesen Affen am 16. Sept. 1871 in

Mandalli, ungefähr in der Mitte zwischen Makassar und Parepare; die

holländischen Beamten, mit denen ich zusammen war, wollten jedoch

durchaus nicht zugeben, dass ich einen schösse. Im October erhielt ich

welche in Makassar und reflectirte über die Unterschiede von

Cynopithecus niger (Desm.) bezüglich Färbung und Physiognomie; am 29.

Oct. erlegte ich am Wasserfalle von Bantimurung, östlich von Maros, ein

grosses Weibchen, das Milch hatte, und dessen Unbehaartheit mir

auffiel. Das auch geschossene Junge war im Dickichte nicht auffindbar.

Der Affe kam hier in Schaaren vor. Ich notirte auch, dass die

Gesässchwielen dunkel seien, gegenüber den rothen von C. niger in der

Minahassa, was mit Webers Angabe (p. 104) nicht übereinstimmt, der sie

als „rosy“ angiebt.

Wenn nun durch die Tonkean Exemplare das Vorkommen von M. maurus im

Nordosten, so weit vom Süden der Insel entfernt, sicher gestellt ist,

so wird damit ohne Weiteres wahrscheinlich, dass er auch das ganze

dazwischen liegende Gebiet bevölkert. Durch zwei im Ethnographischen

Museum befindliche Kopfbedeckungen mit Affenfell, die eine von „Ost

Celebes“, die andere vom Poso See [5], kann ich jedoch erweisen, dass

dem so ist; denn ein Vergleich der Haare mit denen von C. niger und M.

maurus ergiebt, dass sie von M. maurus, und nicht von C. niger stammen.

P. und F. Sarasin sagen von den Wäldern von Central Celebes (Z. Erdk.

Berlin XXX, 328 1895), dass Affen sich nicht blicken liessen, doch

fanden sie bei den Toradjas Mützen mit schwarzem langhaarigen Affenfell

überzogen (p. 339), jedenfalls solche, wie die eine der eben aus dem

Ethnographischen Museum vom Poso See erwähnten. In Luhu hörte Weber (p.

103) Nichts von einem Affen, allein obige Thatsachen lassen es mir

nicht zweifelhaft erscheinen, dass M. maurus ganz Celebes bis auf die

langgestreckte nördliche Halbinsel bevölkert. Hier kennt man (Schlegel

Cat. VII, 120 1870) von der Nordspitze der Minahassa bis Tomini (in der

Nordwestecke des Golfes gleichen Namens) C. niger (resp. nigrescens),

und wenn die beiden Affen, wie es scheint, nicht in derselben Gegend

zugleich vorkommen, so bliebe nur die Strecke Tomini-Kajeli-Mandar

unsicher hinsichtlich der Art, die sie beherbergt, oder, da es nicht

unwahrscheinlich ist, dass sich Kajeli-Mandar in dieser Beziehung Süd

und Central Celebes anschliessen, nur die schmale Landzunge, die den

Körper von Celebes mit dem nördlichen Arme verbindet. Dieses scheint

aber für die Frage der geographischen Verbreitung der zwei Arten im

Grossen und Ganzen nicht wesentlich, so erwünscht es auch ist, genaue

Kenntniss davon zu haben. Von der Tonkean nahen Insel Peling erhielt

das Museum M. maurus nicht, und da deren Fauna schon keinen echt

celebischen Charakter mehr hat (s. Abh. Mus. Dresden 1896/7 Nr. 2), so

ist das Nichtvorkommen daselbst auch nicht auffallend.

Auf Tafel I findet sich M. maurus in verschiedenen Haarkleidern (c. ⅙

n. Gr.) dargestellt, und zwar nach Exemplaren des Dresdner Museums und

nach Weberschen aus der Sammlung des Amsterdamer Zoologischen Gartens,

von denen mir zwei von Dr. Kerbert gütigst geliehen wurden. Man dürfte,

da bis jetzt nur jüngere Menagerie-Exemplare abgebildet worden sind,

die Wiedergabe charakteristischer Individuen von sicheren Fundorten

nicht für überflüssig erachten, besonders auch in Anbetracht der

Verwirrung, die bis zur Weberschen Darstellung über M. maurus und

ocreatus herrschte; ein adultes, wie das Dresdner von Tonkean, ist

überhaupt noch nicht abgebildet worden.

Figur 1. Junges Weibchen von Bantimurung (2076). 3. Molar noch

unentwickelt. So gut wie einfarbig, mit nur schwachen Spuren einer

helleren Zeichnung hinten. Es entspricht ungefähr der Cuvierschen

Abbildung (Hist. nat. III 1823 Avril) eines M. maurus „d’un pelage

uniformément brun foncé“, nach der man diesen Affen aber schwer

identificiren kann [6], sowie der Grayschen (P. Z. S. 1866 pl. XIX) von

M. inornatus (= maurus) eines jüngeren Individuums, „blackish brown,

nearly uniform ... the hinder part of the thigh greyish white“ (p.

202), das wohl etwas mehr Zeichnung hinten hatte. — Vom Vertex zum Anus

380 mm, Hinterhand 125, Schädellänge 106.5, Jochbogenbreite 69.2.

Figur 2. Junges Männchen von der Insel Buton, aus dem genannten

Amsterdamer Museum, von Weber (p. 103) lebend heimgebracht. 3. Molar

unentwickelt, Milchgebiss zum Theile noch vorhanden. Etwas grösser als

das Exemplar Figur 1. Gesammtfärbung noch bräunlich, wenn auch grauer

als bei Figur 1, die helle Zeichnung hinten gut ausgeprägt, Unterarm

und Unterschenkel deutlich heller grau abgesetzt. — Vom Vertex zum Anus

410 mm, Hinterhand 140, Schädellänge 115, Jochbogenbreite 68,1.

Figur 3. Junges Weibchen von Kandari, aus dem genannten Amsterdamer

Museum, auch von Weber (p. 103) lebend heimgebracht. 3. Molar noch

unentwickelt. Ziemlich von derselben Grösse, wie das junge Männchen

Figur 2, aber bereits schön glänzend schwarz mit weisslicher Zeichnung

hinten (hier in der Behaarung defect) und mit lebhafter grauem Unterarm

und Unterschenkel als das Männchen Figur 2. Es entspricht am Besten der

Sclaterschen Abbildung eines nicht adulten Exemplares von M. ocreatus

(P. Z. S. 1860 pl. LXXXII und Scl. & Wolf: Zool. Sketches II 1867 pl.

I), das die helle Zeichnung hinten noch nicht ausgeprägt aufweist [7].

— Vom Vertex zum Anus 420 mm, Hinterhand 140, Schädellänge 115,

Jochbogenbreite 71.

Figur 4. Junges Weibchen (nach einem Fell ohne Schädel gezeichnet) von

Tonkean (B 3167) in der ungefähren Grösse der Exemplare Figur 2 und 3,

mit ausgeprägter heller Zeichnung hinten und von bräunlich schwarzer

Färbung, nicht so tief glänzend schwarz wie Figur 3, aber die

Extremitäten ebenfalls bräunlichschwarz, nicht heller.

Figur 5. Adultes Männchen von Tonkean (2469), dessen Schädel Tafel II

Fig. 1–2 und III Fig. 1–2 in ¾ n. Gr. in der norma facialis, lateralis,

verticalis und basalis wiedergegeben ist. Stumpf schwarz, leicht

graubläulich angeflogen, mit sehr ausgeprägter heller Zeichnung hinten,

aber ebenfalls mit dunklen Extremitäten, und zwar: Unterarm und

Unterschenkel aussen stumpf schwarz, bräunlich angeflogen, innen heller

bräunlich [8]. — Vom Vertex zum Anus 490 mm, von der Lippe zum Anus

(alle Krümmungen mitgemessen) 650, Hinterhand 170. Von Schädel- und

Skeletmaassen dieses Exemplares seien nur die folgenden angegeben und

zum Vergleiche die eines alten männlichen Skelettes von Parepare, das

Weber (p. 103 und 104) „very large“ nennt, das aber erheblich kleiner

und schwächlicher ist als das von Tonkean, trotzdem die Schädelnähte

weit mehr verstrichen sind; ebenso weisen sich die Zähne bei dem

Tonkean Männchen in allen Dimensionen um ⅓ grösser aus. Dieses Parepare

Skelet gehört jetzt dem Dresdner Museum (B 3274).

Tonkean Parepare

(B 3166) (B 3274)

Schädellänge 144 mm 137 mm

Jochbogenbreite 100 ,, 88.5 ,,

Breite am proc. zygom. os.

front 77.3 ,, 70.6 ,,

Geringste Breite zwischen

den Augenhöhlen 7.2 ,, 6 ,,

Breite an den Alveolen der

Caninen 37.5 ,, 35.2 ,,

Geringste Breite am Pterion 49.4 ,, 47.8 ,,

Grösste Breite am Pterion 61.5 ,, 55 ,,

Länge des Femur 210 ,, 189 ,,

Länge der Tibia 193 ,, 166 ,,

Länge des Humerus 185 ,, 165 ,,

Länge des Radius 185 ,, 169 ,,

Einen jüngeren weiblichen Schädel hat Murie (P. Z. S. 1872, 725)

beschrieben und abgebildet, aber der adulte Schädel differirt

bedeutend, so dass auch die Charakteristik, die Anderson (Anat. Zool.

Res. 1878, 81) von dem jüngeren Schädel entwirft (und die Forbes:

Primates II, 12 1894 verkürzt reproducirt), durchaus nicht für den

alten zutrifft. Die Abbildungen dürften eine nähere Beschreibung des

adulten Tonkean-Schädels überflüssig machen. Das Exemplar hat 9

Caudalwirbel; Schlegel (Cat. VII, 117, 118 1876) giebt 8 für maurus und

ocreatus an, der 9., die Spitze, ist allerdings sehr klein; das

Parepare Exemplar hat 7, ist aber möglicherweise defect.

Das Museum besitzt noch den Schädel eines Jungen von Süd Celebes (259),

von mir mitgebracht, im Zahnwechsel, der 1. bleibende Molar bereits

vorhanden. Schädellänge 100 mm, Jochbogenbreite 63.

Ferner das Skelet eines mas juv. von Süd Celebes (B 1984), von mir

mitgebracht, noch nicht im Zahnwechsel, aber der 1. bleibende Molar im

Durchbruche. Schädellänge 90 mm, Jochbogenbreite 56.

Endlich einen Foetus in Spiritus vom Pik von Bonthain, 1500´ hoch, an

dem die Haarstellung vortrefflich zu sehen ist (Ribbe und Kühn 1883

coll.).

Beide Tonkean Exemplare, das junge Weibchen sowohl, als auch das adulte

Männchen, haben schwarze Extremitäten, gegenüber den grauen des jungen

Paares von Buton und Kandari, und, so viel mir scheint, kannte man

adulte schwarzgliedrige bis jetzt überhaupt nicht. So hat, wie Dr.

Jentink mir gütigst mittheilt [9], das grösste sehr alte Männchen des

Leidener Museums (Schlegel Cat. VI, 118 1876 Ex. 1, Jentink XI, 32 1892

Ex. g) Grau an den Unterarmen und Unterschenkeln; es dürfte dem

Tonkean-Männchen an Grösse kaum nachstehen, denn es misst vom Vertex

zum Anus 480 mm und von der Lippe zum Anus (mit allen Krümmungen) 640,

bei einer Hinterhandlänge von 155 (gegen 490, 650, 170 bei dem Tonkean

Exemplare). Wie sich das alte Männchen von Parepare (Weber p. 103 und

104 Nr. 333, Skelet B 3274 M. Dr.) in dieser Beziehung verhielt, ist

nicht mehr zu eruiren gewesen. Anderson (Cat. Mamm. Ind. Mus. I, 77

1881) registrirt nur graugliedrige, aber es sind keine adulten

darunter. Da das Grau gegenüber dem einfarbigen dunkleren Jugendkleide

schon der Charakter einer Altersentwicklung ist, so scheint das junge

schwarzgliedrige Weibchen von Tonkean zu beweisen, dass die graue Phase

an Unterarm und Unterschenkel auch übersprungen werden kann, allein es

ist weiteres Material nöthig, um hierin klar zu sehen.

Ich zögere um so weniger M. maurus nur für den jungen ocreatus

anzusehen, entgegen der Annahme Webers (p. 108), „that both are

variations of one species“, als bereits Bartlett (bei Murie P. Z. S.

1872, 723) am Lebenden beobachtet hat, dass die helle Zeichnung sich

aus einem einfarbigen Kleide mit dem Alter entwickelt. Auch Dr. Jentink

glaubt, wie er die Güte hatte mir mitzutheilen, dass die 11 Exemplare

des Leidener Museums dasselbe lehren. Es ist wohl möglich, wie Weber

(p. 107) meint, dass Manche diese Entwicklung überhaupt nicht

durchmachen und einfarbig bleiben, was ja auch das junge Tonkean

Weibchen zu lehren schien. Das Zusammenvorkommen der verschiedenen

Färbungen in einem Truppe, das Weber (p. 104 und 108) beobachtete,

spricht vielleicht ebenfalls dafür. Prof. Weber hatte die

Freundlichkeit mir dieses Zusammenvorkommen noch folgendermaassen

auszuführen: „In der Umgegend von Maros waren in einem Walde die

Exemplare zahlreich und nicht scheu; sie liessen sich daher gut

beobachten. Doch sah ich in demselben Truppe sehr verschiedene

Färbungen, namentlich bezüglich der Ausbreitung von Grau oder Weiss auf

der Hinterextremität und bei manchen auch auf der Vorderextremität.“ Es

sind jedoch weitere Beobachtungen und mehr Materialien nöthig, um hier

Klarheit zu gewinnen, denn diese liegt noch keineswegs sicher vor.

Säugethiere vom Celebes- und Philippinen-Archipel · 第 6 / 190 题