Hesse hat Indien ganz auf seine Art erlebt, mit jener selben
großen, verinnerlichten Gelassenheit, mit der er in seinen
Romanen und Novellen Menschen und Landschaften seiner
süddeutschen Heimat erlebt. Wohin er uns auch führt, es ist ein
berückender Genuß, ihm zu folgen. Alles Fremde, Exotische führt
den Dichter schließlich zu sich selbst zurück. So wirkt es denn
ganz selbstverständlich, daß seine Aufzeichnungen sich in einer
Reihe schön-schlichter Gedichte fortsetzen, in denen eine durch
alle östlichen Wunder nicht gestillte Wandersehnsucht Ausdruck
findet, und dann in einer Erzählung endigen, in der der Dichter
die neu eroberte Umwelt als Hintergrund für ein mit Meisterschaft
erzähltes Menschenschicksal benutzt. Damit pflückt er noch einmal
eine nach Farbe und Duft exotische Blüte, und doch ist der Baum,
an dem sie gewachsen, ein völlig heimischer; eine in die feinsten
seelischen Gründe tauchende Erzählkunst, wie sie Hesse mit unsern
besten deutschen Meistern verbindet.
(Königsberger Allgemeine Zeitung)