~Vermuthete Vergiftung durch Wasserschierling.~
Ein 5jähriger Knabe war nach sehr kurzer Krankheit, über welche ich
nichts erfahren habe, Ende Aprils, angeblich durch Wasserschierling
vergiftet, gestorben. Am 1. Mai, drei Tage nach dem Tode, geschah die
gerichtliche Obduction, wobei es zunächst auffiel, dass bei einer
Lufttemperatur von +10-12° R. die Leiche noch frisch, und nur erst der
Bauch grünlich gefärbt war. Die Gelenke waren biegsam. Der blasse Magen
enthielt etwas röthlich flüssigen Brei und einige Flocken gekäster
Milch, sonst nichts Auffallendes, namentlich keine Pflanzenreste.
Der Dünndarm war von sichtlicher Gefässinjection geröthet, der
Dickdarm enthielt Koth. Leber und Nieren waren ziemlich stark mit
Blut angefüllt, das überall im Körper, namentlich auch in den grossen
Venenstämmen, sehr dunkel und flüssig war. Nirgends zeigten sich im
Magen und Darmtractus Ecchymosen. Die gesunden Lungen waren stark
blutgefüllt. Das rechte Herz enthielt etwas dunkelflüssiges Blut, das
linke war leer. In jedem Pleurasack ein Esslöffel voll Blutwasser. Die
Thymusdrüse noch sehr gross. Die Luftröhrenschleimhaut war röthlich
gefärbt. Die blutführenden Hirnhäute zeigten sich stark injicirt, die
_Sinus_ überfüllt, und auch das Gehirn war blutreicher als gewöhnlich.
Die chemische Untersuchung des Magens und seines Inhaltes ergab
Abwesenheit jeder schädlichen mineralischen Substanz, und in Betreff
der muthmaasslichen Vergiftung durch Wasserschierling wurde im Berichte
gesagt: »dass diese Vermuthung deshalb nicht zur Gewissheit, ja nicht
einmal zur Wahrscheinlichkeit erhoben werden könne, weil sich im Magen
keine erkennbaren Pflanzenreste vorgefunden hätten, und die Chemie kein
Mittel besitze, im thierischen Körper nach stattgefundener Verdauung
das Gift des Wasserschierlings nachzuweisen«.