~Bestimmung des Alters einer in Fettwachs übergegangenen Frucht.~
Ein nicht gewöhnlicher Fall! Die unverehelichte _L._ hatte heimlich
geboren, und das Kind beseitigt. Sie räumte ein, schon früher einmal
und dann auch jetzt, d. h. vor etwa 3 Wochen, ein Kind geboren zu
haben, das jedoch nicht älter als 3 bis 4 Monate alt gewesen sei.
Ich hatte die Wahrheit dieser Aussage durch Exploration der _L._
festzustellen, was, wie man sieht, seine Schwierigkeiten hatte, da
schon eine frühere Entbindung vorangegangen war. Die Brüste zeigten
noch Tropfen einer ~fetten~ Milch. Die bekannte runzlich-fleckigte
Beschaffenheit der Bauchhaut konnte für die vorliegende Frage nichts
beweisen. Von Lochien fand sich noch eine schwache Andeutung, aber
der Muttermund, welcher Einrisse hatte, war noch jetzt von der
Grösse eines Silbergroschens geöffnet. Nach diesem Befunde musste
ich urtheilen, dass die _L._ allerdings vor einigen Wochen geboren
habe, dass aber aus der fetten Beschaffenheit der Milch, und aus der
noch jetzt nicht völlig erfolgten Schliessung des _Os uteri_ mit
höchster Wahrscheinlichkeit zu folgern sei, dass das geborne Kind
mehr als 4 Monate alt gewesen sein müsse. Kurze Zeit darauf wurde
das Kind in dem Keller verscharrt gefunden und uns zur Obduction
übergeben. Es war bereits ganz in Auflösung und theilweise sogar schon
in Fettwachsbildung übergegangen, alle Höhlen waren geöffnet, die
auseinandergefallenen Schädelknochen lagen neben der Leiche, das Gehirn
war ausgeflossen. Aber nach der Beschaffenheit der wohl erhaltenen
linken Ober- und Unter-Extremität, welche letztere 8 Zoll lang und noch
sehr feist und gerundet war, nach dem Gewichte der Frucht, das, trotz
der Verwesung, aber mit der noch anklebenden Erde, noch 7 Pfund betrug,
nach der Länge endlich, die, so weit sie noch festzustellen war,
annähernd 19 Zoll betrug, mussten wir urtheilen, dass die Frucht gewiss
über 4 Monate alt, und dass sie höchst wahrscheinlich sogar reif, oder
wenigstens der Reife nahe gewesen sei. So wurde durch den Leichenbefund
auch unser Urtheil über die Untersuchung der Mutter bestätigt.