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Prinzessin Sidonie.
Prinzessin Sidonie.
Roman
von
Julius Bacher.
Erster Band.
[Illustration]
Leipzig,
Verlag von Friedrich Fleischer.
1870.
Erstes Kapitel.
Der nachfolgenden Erzählung liegen geschichtliche Thatsachen zu Grunde;
da dieselben jedoch der neueren Zeit angehören und aus anderen Ursachen
haben wir es uns versagen müssen, das Bild der unglücklichen Prinzessin
in einen historischen Rahmen zu fassen, überzeugt, daß es dem in
die Geschichte der Höfe eingeweihten Leser leicht sein dürfte, die
Vorbilder zu den in dem Roman gezeichneten Charakteren zu erkennen.
* * * * *
Es war etwa fünf Uhr Morgens. In dem Palais des Prinzen Albert
herrschte, wie gewöhnlich um eine so frühe Zeit, lautlose Stille. Vor
acht oder neun Uhr pflegte sich daselbst selten das Tagewerk geltend
zu machen, besonders wenn der Prinz in seinem Palais anwesend war; er
huldigte der Morgenruhe, da ihm das Nachtleben zusagte.
Anders war es mit seiner Gemahlin, der Prinzessin Sidonie; sie war eine
Freundin des frischen Frühmorgens und seiner Sabbathstille, und liebte
es, sich, ohne mehr als ihre Kammerfrau zu beanspruchen, allein oder
in Gesellschaft der ihr befreundeten Hofdame, Aurelie von Ketten, des
ersteren zu erfreuen. Gewöhnlich machte sie alsdann einen Gang durch
den an das Schloß grenzenden Park, oder dehnte den erstern wol auch bis
in den nahen, von lustigen Vogelstimmen durchtönten würzigen Wald aus,
dessen ungekünstelte Naturschönheit sie ganz besonders liebte.
In einem kleinen Gemach des Palais befand sich an diesem Morgen eine
Dame von ungefähr dreiundzwanzig Jahren; sie saß an dem geöffneten
Fenster und schaute, den schön geformten Kopf in die Hand gestützt,
gedankenvoll in den sich vor ihr ausbreitenden Garten und Park. Diese
Dame war die Prinzessin Sidonie.
Ueber die Wipfel der von der Kunstscheere unberührt gebliebenen hohen
Bäume stieg die Sonne empor und warf ihre blitzenden Lichter durch
die Alleen und Gebüsche, vergoldete die hin und her aufgestellten
Marmorstatuen und die aufschießenden Strahlen der Wasserkünste, welche
in der Nähe des Palais sprudelten und eine verkleinerte Nachbildung der
in Versailles befindlichen zeigten.
In der Ferne tönten vereinzelte Vogelstimmen, die allein die
Morgenstille in dem einsamen Garten unterbrachen. Niemand vom Hofe noch
irgend ein Arbeiter war daselbst zu entdecken.
Schweigend und gedankenvoll hatte die Prinzessin eine kurze Zeit
hingebracht, als sich aus ihren tiefblauen Augen Thräne auf Thräne
drängte, die langsam über die bleichen Wangen hinabrollten, ohne daß
sie es zu fühlen schien, während sich zugleich der Ausdruck tiefen
Seelenleidens in ihrem schönen, jugendlichen Antlitz geltend machte.
Dieses Leid schien alle ihre Empfindungen und Gedanken gefesselt zu
haben, so daß sie die goldene Herrlichkeit des Morgens nicht gewahrte.
O, wie tief, wie unendlich tief mußte sie leiden, da ihr die Natur
kein Interesse abzugewinnen vermochte, die mit einer Ueberfülle von
Reizen ausgestattete Natur, die sie so sehr liebte! -- Wie rührend war
ihr feines, bleiches Antlitz anzuschauen, das, mit Jugendschönheit
geschmückt, die Spuren eines langen, schmerzlichen Kummers trug, der so
früh über sie hereingebrochen war und die reizende Frühlingsblume mit
seinem winterlichen Reif berührt hatte.
Die in dem Palais herrschende Stille wurde durch keinen Laut
unterbrochen; auch befand sich außer Sidonien Niemand in dem Gemach, so
daß sie durch nichts in der Hingabe an ihr Leid gestört wurde.
Länger denn eine halbe Stunde mochte sie also hingebracht haben, als
sie das feine Spitzentuch gegen die feuchten Augen drückte und alsdann
voll der tiefsten Innigkeit ein Medaillon betrachtete, das sie so lange
in der Hand verborgen gehalten hatte. Sie versenkte sich in dessen
Anblick und bedeckte es mit Küssen, nachdem sie sich vergewissert
hatte, nicht belauscht zu sein. Eine feine Röthe färbte dabei ihre
blasse Wange, das Auge erhielt einen matten Glanz, und den feinen,
lieblichen Mund umspielte ein süßes Lächeln, ein Lächeln, wie innige
Liebe lächelt in stillem Glück und dem Angedenken des mit der ganzen
Seele umfaßten Geliebten. O, wer sie hätte erlauschen können diese
nur von der Seele gesprochenen Dichtungen innigster Liebe! Wie süß,
wie köstlich mußten sie sein! Aber das Leid in ihrer Brust schien
größer als das Glück der Erinnerung zu sein, denn in die dem Medaillon
geschenkten Küsse drängte sich bald und immer rascher und heißer die
Thräne; schon versiegt, entquoll sie auf’s Neue dem Auge.
Ein Geräusch in dem Nebengemach schreckte sie auf; rasch glitt das
Medaillon in den Busen. Scheu und argwöhnisch blickte sie auf;
hastig fuhr sie mit dem Tuch über Augen und Antlitz, lauschte einige
Augenblicke, erhob sich alsdann und lehnte sich aus dem Fenster,
um an der Morgenluft die gerötheten Augen zu erfrischen und die
verrätherischen Spuren des Weinens zu verbergen.
In solcher Weise hatte sie eine kurze Zeit hingebracht, ohne daß
jedoch irgend Jemand erschien; dadurch beruhigt, gab sie sich wieder
ihrem Nachdenken hin, ohne daß sie jedoch das Medaillon auf’s Neue zu
betrachten wagte, obwol die Hand mehrmals darnach langte und im Begriff
war, dasselbe hervorzuziehen.
Sie bezwang jedoch ihr Verlangen, wahrscheinlich durch besondere
Umstände dazu veranlaßt; doch ließ sie die Hand auf dem Busen ruhen, um
sich in solcher Weise wenigstens der Gegenwart des Bildes zu erfreuen.
Ihre Vorsicht zeigte sich bald als durchaus begründet; denn unhörbar
und von ihr unbemerkt trat, einen Seidenshawl in der Hand, eine bereits
bejahrte Frau ein, nahte ihr und bemerkte:
»Wollten Hoheit sich nicht des Shawls bedienen? Die Morgenluft ist
feucht und kühl, und Hoheit sind so leicht gekleidet und haben sich
meiner beim Ankleiden wieder nicht bedient.«
»Warum sollte ich Dich stören, liebe Marion? Ein Morgenkleid ist bald
angethan auch ohne Hilfe, und -- Du kennst mich darin,« entgegnete
Sidonie in herzlichem Ton, indem sie sich den Shawl umlegen ließ.
»Ich weiß nur zu gut, wie gnädig Eure Hoheit gegen Jedermann, zumal
gegen mich, sind; aber ich bitte, schonen Sie mich nicht, wenn es gilt,
Hoheit vor Schaden zu bewahren.«
»Gut, gut, Marion. Mache Dir keine übeln Gedanken. Es schadet mir weder
Wind noch Wetter; ich habe meinen Körper, wie Du weißt, in der Kindheit
nicht verweichlicht, und daher erträgt er wol leicht ein wenig frische
Luft, die mir heute ganz besonders zusagt.«
»Eben heute, Hoheit, dürfen Sie am wenigsten unpaß werden, heute, wo
Sie so Viele zu empfangen haben und sich nicht wenig anstrengen müssen.«
»Fürchte nichts, liebe Marion. Ich werde gesund und kräftig sein und
das Meinige thun. Und der Tag wird rasch vergehen, vergehen -- wie alle
anderen.«
Theilnehmend, doch schweigend schaute Marion zu ihrer Herrin auf;
sie hatte ihre geliebte Prinzessin seit deren Jugend gehütet, hatte
sie zur Jungfrau erblühen sehen und sie immer bedient. Mit fast
mütterlicher Liebe hing sie an ihr, deren Güte und Freundlichkeit sie
stets genossen, und so war sie hocherfreut, als sie dieselbe an den
fremden Hof begleiten und in deren Diensten bleiben durfte.
»Ist Fräulein von Ketten schon auf?« fragte Sidonie nach kurzem
Schweigen.
»Ich vermuthe; wenigstens bemerkte ich, daß das Fenster ihres
Schlafzimmers geöffnet ist, ein Zeichen, daß das Fräulein das Bett
verlassen hat.«
»So wird es sein; denn Aurelie weiß, daß ich sie heute früher als
gewöhnlich erwarte.«
»Da ist das Fräulein schon!« fiel Marion in diesem Augenblick erfreut
ein, als sich die Außenthür öffnete und die genannte Dame eintrat.
»So komme ich also doch schon zu spät!« rief diese, indem sie, sich
nahend, hinzufügte: »Es war meine Absicht, Hoheit in diesem Zimmer zu
überraschen, und nun erkenne ich bedauernd, daß ich doch nicht früh
genug aufgestanden bin. Hoheit sind mir in dieser Beziehung zuvor
gekommen.«
»Ihr Besuch, liebste Ketten, ist mir darum nicht minder angenehm und
ich danke Ihnen herzlich dafür,« entgegnete Sidonie mit sichtlicher
Bewegung, streckte dem Fräulein die Hände entgegen und zog, als sich
in diesem Augenblick die Thür hinter der sich entfernenden Marion
geschlossen hatte, Aurelie heftig und mit ausbrechenden Thränen in die
Arme. Innig und fest drückte diese die Prinzessin an die Brust, und
obgleich Aurelie bemüht war, Fassung und Ruhe zu bewahren, füllten sich
auch ihre Augen mit Thränen.
Schweigend hielten sich die beiden Frauen einige Augenblicke
umschlungen; alsdann erhob Aurelie das Haupt und blickte die Prinzessin
voll und innig an, indem sie mit gedämpfter Stimme bemerkte:
»Verlange an dem heutigen Tage kein Wort von mir. Segne Dich der Ewige
mit Geduld, Muth und Kraft, und möge er bald, bald Dein Leid enden!«
Mit diesen Worten schloß sie die Prinzessin auf’s Neue in die Arme.
»Ich danke Dir, Aurelie, ich danke Dir aus vollem, innigem Herzen für
Deine Liebe und Freundschaft, die mein Trost und meine Stütze in meinem
Kummer sind. Wie hätte ich ohne sie die mir aufgebürdete Last ertragen,
alles das entbehren können, was das Glück meines Lebens ausmacht?! O,
bewahre mir Deine Liebe, ohne sie könnte ich nicht leben! Verlaß mich
nicht, meine Aurelie!«
»Wie könnte ich Dich verlassen, verlassen in Deinem Leid? Fürchte das
nicht; denn ich will bei Dir ausharren alle Zeit und so lange es Dir
gefällt!« fiel Aurelie in dem herzlichsten Ton ein.
»O Du Gute, wie soll ich Dir für Deine seltene Hingabe danken!
Doch Du kennst ja die Empfindungen meines Herzens, wozu also der
Versicherungen!« entgegnete Sidonie. »Ich kenne sie, meine theure
Sidonie, und weiß nur zu wohl, wie innig unsere Herzen verkettet sind,«
bemerkte Aurelie und fuhr alsdann fort: »O, ich würde ganz glücklich
sein, wollte der Himmel auch endlich Deinem Herzen Frieden und Glück
verleihen!«
Die Prinzessin schüttelte traurig das Haupt und entgegnete seufzend:
»Du weißt, ich habe jede Hoffnung darauf begraben; laß’ uns darum nicht
mehr des Unmöglichen gedenken, es kann unsern Kummer nur vermehren. Ich
will mein Leid so lange tragen, als ich es vermag, des Weiteren mag
Gott walten! Hilf- und machtlos, wie ich dastehe, kann er nur helfen.«
Stumm drückten sich die Freundinnen die Hände.
Nach kurzer Pause fragte Sidonie:
»Ist der Prinz gestern nach Hause gekommen?«
Aurelie verneinte, und sichtlich erfreut fuhr die Prinzessin fort:
»Das ist gut, so werde ich ihn wahrscheinlich erst beim Empfang sehen
und er wird mich in dem Genuß des schönen Morgens nicht stören. O
könnte ich,« fuhr sie in tiefer Bewegung fort, »könnte ich mit der
eiligen Schwalbe dahinziehen weit, weit über die Wälder und Berge fort
in die Ferne zu anderen Menschen und Gegenden und dort in der Stille
mein armes Leben ausleben! Sieh,« bemerkte sie nach einer kleinen
Pause und deutete auf das Gesims draußen, »sieh, wie der Vogel dort
sein Nest anklebt, ohne zu ahnen, welche Stätte er sich zu seinem
Liebesleben gewählt, ohne zu ahnen, daß, während er in der Liebe und
Sorge für die Seinen aufgeht, in den Mauern dieser Stätte Liebesglück
und Menschenwürde mit Füßen getreten werden und die Selbstsucht allein
das Scepter führt. Welch eine Erniedrigung der menschlichen Natur, von
einem thierischen Geschöpf übertroffen zu werden! O, suche Keiner das
Lebensglück dort, wo die Sorge ihren Fuß scheu von dem goldenen Prunk
wendet, wo der Macht die Erfüllung der Wünsche gleich einer Sklavin
folgt, um sie zu Lieblosigkeit und Ungerechtigkeit zu führen; wo die
Ueberfülle den Ueberdruß zeugt und die edleren Gefühle des Menschen
in dem Sumpf ekler Gemeinheit ertränkt! O, daß ich in diesen Kreis
schnöder Selbstsucht, niederer Sittenlosigkeit gebannt wurde und sich
der Himmel nicht meiner erbarmte und mir zugleich auch das Gefühl für
das Bessere und Gute in der Seele zerstörte, um mit diesen Creaturen
einzustimmen in den Hymnus ihres zügellosen Treibens! Aber sie sollen
mich nicht herabziehen zu sich; ich habe gekämpft, und kämpfen will
ich, um mich zu behaupten, so lange mir noch Kraft bleibt und Odem
meine Brust belebt!«
Die Prinzessin hatte mit sich rasch steigernder Aufregung gesprochen,
die so groß war, daß sich ihr Antlitz röthete, ihr Auge glänzte und
ihre schlanke, hohe Gestalt voll Bewegung erschien. Von der Heftigkeit
ihrer schmerzlichen Empfindungen fortgerissen, vergaß sie sogar die
nöthige Vorsicht, mit gedämpfter Stimme zu sprechen, um nicht von
unberufenen Ohren belauscht zu werden, und die nicht minder tief
ergriffene Freundin vergaß es ebenso in ihrem innigen Mitleiden, sie
auf den letzteren Umstand aufmerksam zu machen. Fast bedurfte es dessen
jedoch kaum. Nur die treue Marion befand sich in der Nähe und konnte
die nur zu gerechten Ausbrüche des Schmerzes und Unmuthes vernehmen,
die sie nicht überraschten. Sie kannte das Unglück ihrer geliebten
Prinzessin nur zu wohl, wie auch die Welt, die Sidonie mit warmem
Herzen bemitleidete und den Prinzen verdammte, dessen Verhalten und
wildes Treiben alles Unheil herbeigeführt hatte.
Was sich hier in der Familie eines Fürsten enthüllte, wiederholte
sich in mancher geringeren Familie und forderte auch das geduldigste
und anspruchsloseste Herz heraus. Es waren die natürlichsten und
einfachsten Beziehungen zwischen Mann und Weib, und darum hielt sich
ein Jeder zu der Theilnahme an diesen Vorgängen berechtigt, so Hoch als
Niedrig, denn in den rein menschlichen Interessen vereinen sich nur zu
leicht alle Stimmen. Uebersah Fräulein von Ketten in ihrem Mitleiden
mit der Prinzessin auch die näher bezeichnete Vorsicht, so fühlte
dagegen ihr treues, warmes Herz die Pflicht, die fürstliche Freundin
zu trösten, vor Allem zu beruhigen, um sie für einen leicht möglichen
Besuch des Prinzen, der wegen des heutigen Geburtstages der Prinzessin
zu erwarten war, in die erforderliche Stimmung zu versetzen.
Aurelie kannte ihren Einfluß auf Sidonie, und darum schloß sie diese
in die Arme und entgegnete mit bittender Stimme:
»Vergiß, vergiß, meine geliebte, theure Freundin, vergiß wenigstens
für einige Stunden, was Dein armes Herz so tief bewegt! Der Prinz
könnte leicht früher eintreffen, als wir vermuthen, Du besäßest alsdann
nicht diejenige Ruhe, die ein Zusammentreffen mit ihm erfordert.
Deine Seele ist so sehr erregt und würde nach einem Ausdruck ihrer
Empfindungen verlangen, und die Folge davon wäre ein ähnliches übles
Benehmen des Prinzen gegen Dich, wie Du es leider schon oft erfahren
mußtest. Du kennst seinen Jähzorn namentlich in Momenten, in welchen
er als Schuldiger vor Dir steht und ihn die Nöthigung peinigt,
ein versöhnendes Wort vor Dir auszusprechen. Ein Vorwurf von Dir,
so gerecht derselbe auch immerhin wäre, könnte daher leicht eine
Unterredung zwischen Euch herbeiführen, die Dich zu dem gewöhnlichen
Empfang des Fürsten und der übrigen Hof- und Staatspersonen unfähig
macht. Dadurch würde der Fürst unangenehm berührt werden, Du weißt
es, und die Welt fände darin überdies willkommenen Stoff, sich in
Betrachtungen über Dein eheliches Zerwürfniß zu ergehen. Darum bemühe
Dich zu vergessen, und ich hoffe, es wird Dir gelingen. Ich habe ein
geeignetes Mittel dazu in der Nähe und Du wirst mir gestatten, es zu
Dir zu führen.« -- --
»Ja, ja, meine gute Aurelie, Dein treues Herz weiß, was mir dient.
Geh’, geh’ und bringe mir meinen einzigen Trost, meine einzige
Freude!« fiel die Prinzessin beruhigter, wenngleich noch im
schmerzlichen Ton ein.
Aurelie beeilte sich, ihren Wunsch zu erfüllen, begab sich in eins der
Nebengemächer und kehrte sehr bald mit einem lieblichen Mädchen von
ungefähr zwei Jahren, dem treuen Ebenbilde der Prinzessin und deren
Tochter, zurück und legte es in Sidoniens Arme. Diese herzte und küßte
das Kind unter hervorbrechenden Thränen, während das Letztere ein paar
französische Worte lallte, die Aurelie seinem Gedächtniß eingeprägt
hatte und deren Bedeutung lautete: »Gott segne Mama!«
Aurelie hatte, wie sie zu ihrer Freude erkannte, das geeignetste Mittel
zur Beruhigung ihrer fürstlichen Freundin erwählt, denn indem sich
Sidonie mit ihrer Tochter beschäftigte, erheiterte sich ihr Antlitz,
und die Freude an dem Antlitz ihres lieblichen Kindes verdrängte
allmälig die Bitterkeit aus ihrem Herzen.
In dem Anschauen des Letzteren verloren, bemerkte sie mit freudiger
Stimme:
»O, wie beglückt es mich, daß Isabella nur ~mir~ gleicht und
keinen ~seiner~ Züge trägt! Sieh nur, Aurelie, die Farbe und
der Schnitt der Augen, die blonden Haare und der ganze Ausdruck des
Gesichtchens, sind sie mir nicht abgestohlen?«
»Gewiß, gewiß, und je mehr sich Isabella entwickelt, um so lebhafter
tritt diese Aehnlichkeit hervor,« beeilte sich Aurelie zu entgegnen,
über Sidoniens ruhigere und angenehmere Stimmung erfreut. Die
Prinzessin veranlaßte ihre Tochter, den Glückwunsch noch einigemal zu
wiederholen, was auch mit ihrer und Aureliens Nachhilfe so ziemlich
gelang und deren innige Freude erzeugte.
Isabella, dadurch angeregt, wurde lebhafter und begann mit der
Prinzessin nach Kinderart zu tändeln, wobei es geschah, daß sie das
Händchen in dem mütterlichen Busen barg und dabei das Medaillon
entdeckte, das sie plötzlich hervorzog.
»Was thust Du?!« rief Sidonie erschreckt und beeilte sich, dem Kinde
das Bild zu entziehen; ehe ihr dies jedoch gelang, ließ Isabella das
Medaillon fallen, und Aurelie fing es auf und behielt es in der Hand.
In diesem Augenblick trat die Wärterin des Kindes ein und näherte sich
der Prinzessin, worauf Sidonie, nachdem sie Isabella geküßt, diese der
Ersteren mit dem Bedeuten übergab, die Kleine in den Garten zu führen.
Dies geschah, und die Frauen blieben allein.
Ein Blick hatte Aurelie genügt, das in dem Medaillon enthaltene
männliche Portrait zu erkennen und sie in Folge dessen bestürzt
gemacht; dennoch wußte sie ihre Bewegung der Wärterin zu verbergen; als
sich diese entfernt hatte, bemerkte sie mit erregtem Ton:
»Welche Unvorsichtigkeit!«
»Zürne mir nicht, Aurelie, und bedenke, wie sehr sich mein Herz an
dem heutigen Morgen nach dem Anblick des theuern, geliebten Freundes
sehnte,« fiel Sidonie in leisem, bittenden Ton ein. »Wie könnte ich
Dir zürnen, ich, die Dich über Alles liebt?! Doch ich beschwöre Dich,
sei vorsichtig und bedenke, welche üble Folgen die Entdeckung dieses
Bildes bei Dir nach sich ziehen kann! Zwar ist dem Prinzen Deine Liebe
zu dem Jugendfreunde, sowie dieser selbst unbekannt, auch zeigte Albert
bisher keine Eifersucht; dennoch können Umstände eintreten, die ihn mit
dem Original dieses Portraits bekannt machen, und der verrathene Besitz
des letzteren müßte alsdann zu gefährlichen Mißdeutungen Veranlassung
geben!« --
»Ich will Dir nicht widersprechen, liebe Aurelie, da Deine Vorstellung
viel Wahres enthält, das unter anderen Verhältnissen in der That die
von Dir bezeichnete Bedeutung und Gefahr für mich mit sich führen
könnte. Ich sage, unter anderen Verhältnissen; denn bei des Prinzen
Abneigung und Gleichgiltigkeit gegen mich dürfte demselben eine solche
Entdeckung kaum von irgend welchem Interesse sein.« --
»Man sollte dies voraussetzen, und dennoch werden wir oft durch die
Entdeckung überrascht, daß dies nicht nur nicht der Fall ist, sondern
die Selbstsucht und verletzte Eitelkeit eines solchen Mannes dadurch
zur heftigsten Eifersucht herausgefordert werden, obgleich er durch
die Lieblosigkeit und Vernachlässigung seiner Gattin sich ein jedes
Anrecht auf ihre Liebe verscherzte. Dies, fürchte ich, dürfte auch bei
dem eigenwilligen und heftigen Charakter des Prinzen zu erwarten sein,
und so rathe ich, Du überlässest mir das Portrait, um einem solchen
möglichen Fall vorzubeugen. Der Graf ist ja auch ~mein~ Freund,
und der Besitz seines Portraits darf ~mir~ nicht verargt werden.
Ich kann es Dir in jedem Augenblick einhändigen, theure Sidonie, und
der Werth desselben dürfte sich für Dich nicht verringern, weil es die
Hand der Freundschaft bewahrt und Du es aus dieser empfängst.« --
»Gewiß, gewiß, meine Gute, so ist es, und dennoch -- -- dennoch
trenne ich mich so schwer von ihm. Du wirst mich verstehen. Unsere
Empfindungen stimmen ja innig überein, und so bedarf es der Erinnerung
nicht, daß der Liebe selbst eine wohlgemeinte Vermittlung der
Freundschaft wie eine Verringerung ihres stillen Glücks erscheint,«
fiel Sidonie ein.
»Ich gebe Dir Recht; doch erwäge, daß Deine Verhältnisse ein solches
Opfer erfordern.« --
»Und warum? Der Prinz kümmert sich nicht um mich; meine Verwandten
ebenso; warum sollte daher irgend welche Gefahr für mich in dem Besitz
des Medaillons liegen, nach welchem Niemand forschen wird und kann, da
man, bis auf meinen Bruder, keine Ahnung von dem tiefen Interesse hat,
das mich an Bernhard fesselt?« --
»Und dennoch rathe ich Dir dazu, ja ich bitte Dich, Sidonie, laß mir
das Bild!«
»Wie sehr Du mich drängst!« fiel Sidonie mit Befremden ein. »Wie Du
mich drängst, mich von dem theuern Bilde zu trennen, das mir in meinen
finsteren Stunden Trost und das Hoffen auf ein glücklicheres Leben
in die Seele lächelt, das mir, wenn ich in meinem Leid verzweifeln
will, ermuthigend zuruft: nicht zu verzagen und zu bedenken, daß
mir sein Herz in treuer, unwandelbarer Liebe schlägt, das nahe und
fern mit mir leidet und lebt, und vielleicht mehr als ich leidet,
mich als die Gemahlin eines ungeliebten Mannes zu wissen. Siehst Du,
Aurelie, so spricht dies Bild zu mir, und so spreche ich zu ihm,
wenn meine beunruhigte, gepeinigte Seele sich zu ihm flüchtet, und
ich werde muthiger, ruhiger, und sein Anblick zaubert mir die schöne
Vergangenheit der Jugend zurück, und ich plaudere mit ihm über sie und
über uns, und alle Ereignisse, geringe und bedeutsame, ziehen an mir
vorüber und lassen mich das Leid der Gegenwart wenigstens für kurze
Zeit vergessen. Und Du willst mir diesen Trost nehmen, willst mich
des einzigen Mittels berauben, mir das Leben erträglich zu machen,
wenn sich meine Seele in dem Bewußtsein eines verfehlten, unheilvollen
Lebens krümmt, und sich meine Jugend, mein sittliches Gefühl und die
Ehre des tief verletzten Weibes gegen die aufgebürdete, entnervende
Last empört und sie mit der ganzen Gewalt des pulsenden Lebens von sich
abzuwälzen bestrebt ist?«
»In meiner reinen, verzichtenden Liebe finde ich meine Religion,
die mein Herz veredelt und ihm durch diese Veredlung Trost und Muth
verleiht. Darum, Freundin, laß mir das Bild, ich verspreche Dir,
vorsichtiger zu sein und mich dessen nur in der sichersten Einsamkeit
zu erfreuen.« Sidonie hatte mit so vieler Wärme und so tiefem Gefühl
gesprochen, daß Niemand ihren sanften, bittenden Worten zu widerstehen
vermocht hätte, und auch Aurelie empfand die tiefe Wirkung derselben
auf ihr Herz. Die in ihren Augen schimmernden Thränen waren redende
Zeugen davon; dennoch wies sie diese Empfindungen von sich ab und gab
nur der warnenden Stimme der Vorsicht Gehör, und darum entgegnete sie,
der Prinzessin Hand ergreifend und an die Brust drückend:
»Verkenne mich nicht, Geliebte, wenn ich trotz Deiner Worte dennoch auf
meiner Bitte bestehen muß. Vielleicht wirst Du dereinst, vielleicht
bald meine Beharrlichkeit gerechtfertigt und natürlich finden, wenn
ich Dir sage, daß ich Dir für den Verlust des Bildes einen Ersatz
versprechen darf --«
Sie hielt ein und schaute Sidonie lächelnd an, sich an der
Ueberraschung derselben weidend.
»Du sprichst von einem Ersatz! Was meinst Du, Liebe?« fragte die
Prinzessin erregt, Aurelie voll Spannung anblickend.
»Bemühe Dich, ruhig zu bleiben, denn eine angenehme Nachricht soll Dich
überraschen, auf die Du nicht vorbereitet bist und die Dein Herz daher
um so tiefer berühren wird,« fuhr Aurelie freundlich und mit bewegter
Stimme fort.
»So sage mir, sage mir schnell, was Du mir Gutes mitzutheilen hast!«
rief die Prinzessin in gesteigerter Erregung. »Ich denke, Liebste,
Du erfüllst meine Bitte und gestattest mir die Aufbewahrung des
Medaillons, wenn ich Dich dagegen durch das Original desselben
entschädige« -- -- bemerkte Aurelie mit Nachdruck.
»Was sagst Du!« rief die Prinzessin, von freudigem Schreck durchbebt.
»Bernhard ist hier, ist zurückgekehrt? Ich soll ihn sehen, seine Stimme
wieder vernehmen? O, Aurelie, Aurelie!«
Von dieser beglückenden Aussicht überwunden, umschlang sie die Freundin
leidenschaftlich und barg das Haupt an deren Busen.
Laut pochte ihr Herz; ein nervöses Beben ging durch ihren Körper,
dessen Kraft der unverhofften, so beglückenden Mittheilung nicht
gewachsen war.
Aurelie ließ einige Augenblicke vorübergehen, ehe sie antwortete; sie
bedurfte selbst der Sammlung; alsdann entgegnete sie:
»Fasse Dich, fasse Dich, meine theure Sidonie! Ja, Bernhard ist
zurückgekehrt, ist seit gestern Abend hier und wünscht Dich im
Auftrage Deines Bruders, des Herzogs, zu sprechen und Dir ein
Glückwunsch-Schreiben zu Deinem Geburtstage zu überreichen.«
»O, welch ein glücklicher Tag!« fiel Sidonie bewegt ein. »Kaum wage ich
an seine Wirklichkeit zu glauben.«
»Ueberzeuge Dich selbst. Hier ist Bernhard’s Brief, den ich gestern am
Abend empfing und in welchem er mir seine Anwesenheit und Sendung an
Dich anzeigt und mich fragt, in welcher Weise er sich der letzteren
entledigen soll.« »Gieb, gieb!« rief Sidonie, sich hastig aufrichtend,
und nahm mit zitternden Händen das ihr dargereichte Schreiben. »Ja,
ja, seine Schrift, ja, ja, seine Worte!« fuhr sie in jauchzendem Ton
fort, den Brief mit zärtlichen Blicken betrachtend. »Nach Jahren, nach
drei langen, langen Jahren das erste Lebenszeichen von dem Freunde!
O, konnte mir der Himmel ein süßeres Geschenk an dem heutigen Tage
gewähren?! Nein, o nein! Wie bin ich ihm dankbar für seine Güte, die
mir ein Zeichen ist, daß er mein bekümmertes Herz nicht vergessen hat.
Lies, lies die lieben Worte, Aurelie; ich vermag es nicht,« bat Sidonie
und reichte den Brief der Freundin dar, den sie jedoch mit Aurelien
gemeinschaftlich hielt und, während diese mit leiser Stimme las, jeden
Satz mit den Blicken verfolgte und unhörbar nachsprach.
Der Brief war kurz und enthielt nur die bereits von Aurelien
bezeichnete Mittheilung unter Beobachtung der üblichen Formen, indem
er jede, auch die leiseste Beziehung auf das zwischen ihnen bestehende
freundschaftliche Verhältniß ausschloß.
»Wie förmlich seine Worte sind und der Freundschaft zu Dir nicht
gedenken!« bemerkte Sidonie, nachdem sie die Durchsicht des Schreibens
beendet hatten.
»Bernhard konnte nicht anders, und ich lobe ihn seiner Vorsicht
halber. Seine Worte sind mit großem Bedacht geschrieben, wie es die
Verhältnisse bedingen. Er konnte nicht wissen, ob der Brief außer von
mir nicht auch noch von anderen Personen gelesen würde, und zeigt sich
daher in diesem Briefe lediglich als den Gesandten des Fürsten, in
dessen Auftrag er erschienen ist,« gab Aurelie zu bedenken.
»Ich erkenne, er hat recht gethan, wenn mir auch die Abgemessenheit
seines Styls anfangs nicht zusagte. O, mein von dem langen Weh
durchkältetes Herz verlangt ungestüm nach dem warmen Liebeswort, um
sich daran zu erquicken; darum befriedigten mich seine Worte nicht.
Ich sehe jedoch meine Unbilligkeit ein. Gewiß, gewiß, er konnte
nicht anders. Was der Gesandte des Fürsten zu sagen hatte, hat er
ausgesprochen; was der Freund, was sein Herz zu sprechen hat, durfte
nicht durch die Schrift ausgedrückt werden, das mußte von Lippe zu
Lippe, von Herz zu Herzen gehen,« fiel Sidonie eifrig ein und fügte
alsdann hinzu: »Und was hast Du ihm geantwortet?«
»Ich habe ihm geantwortet, daß es Dein Wunsch ist, ihn um die eilfte
Stunde in Gegenwart des Hofes zu empfangen und das Schreiben des
Herzogs, sowie die mündlichen Aufträge desselben entgegen zu nehmen,«
entgegnete Aurelie mit Betonung.
»O, mein Gott!« seufzte Sidonie bestürzt.
»Beruhige Dich, meine Freundin; es mußte so sein. Ich erkannte jedoch
auch die Nothwendigkeit, daß Du ihn vorher sehen und sprechen müßtest,«
fuhr Aurelie fort.
»Von Herzen danke ich Dir!« rief Sidonie und umarmte die Freundin.
»Du wußtest, wie es sein mußte, sollte ich mich nicht verrathen, was
jedenfalls geschehen wäre, hätte ich ihn zum ersten Mal vor dem ganzen
Hof empfangen müssen. O, wie süß und schön wird jetzt das Wiedersehen
sein! Wie übermannt mich der Gedanke, den lang entbehrten Freund, den
ich nicht mehr zu sehen erwartete, nun als Boten der Liebe zu schauen
und Auge in Auge der schönen Vergangenheit schweigend zu gedenken. --
-- Doch wie richten wir es ein, um seinen Besuch zu verheimlichen?
Erführe die Oberhofmeisterin diesen Verstoß gegen die Etikette, so
würde sie sogleich Argwohn schöpfen. Du weißt, sie beobachtet mich mit
der Begier, jede Regung meines Herzens zu entdecken und sich in mein
Vertrauen zu stehlen, um Herrschaft über mich zu gewinnen. Verderbt,
wie sie und das Leben hier am Hofe und in der Residenz ist, glaubt
sie an keine Tugend des Weibes und ersehnt daher den Augenblick, in
welchem ich eine Schwäche zeige, um über mich zu triumphiren und ihren
Vertrauten in die Ohren zu flüstern, daß ich eine Scheinheilige wäre,
wie alle Anderen, und meine Sittlichkeit mir daher keinen Platz über
ihnen gestattet. Du kennst das Alles; nun sage, wie soll es mir möglich
werden, den Grafen vorher unbeobachtet zu sprechen?«
»Ich habe alle diese Dinge natürlich genau erwogen und den Grafen
zugleich gebeten, mich um die neunte Stunde zu besuchen, um ihm noch
Näheres über die gewünschte Audienz mitzutheilen,« entgegnete Aurelie,
zögerte jedoch fortzufahren, indem sie die Prinzessin bedeutsam
anblickte.
»O, ich verstehe, Du Gute!« fiel Sidonie leise und freudig ein und
drückte der Freundin die Hand. »Ich bin überzeugt, von Bernhard
verstanden zu sein, und so wird er sich bemühen, ohne Aufsehen zu mir
zu gelangen. Aus meinem Zimmer werde ich ihn dann nach dem Blumenhaus
führen, dasselbe grenzt an den Gartensaal und ist durch eine offene
Thür mit dem letzteren verbunden. Der Prinz ist nicht hier und wird
wahrscheinlich erst um die Mittagszeit zurückkehren; seine Diener und
Beamten betreten den von Dir bewohnten Flügel des Schlosses nicht, eben
so wenig den Gartensaal oder das Blumenzimmer. Die Oberhofmeisterin und
die übrigen Hofdamen erscheinen erst gegen die zwölfte Stunde und es
ist von ihnen daher keine Störung zu befürchten. Komm’, meine theure
Sidonie, um die bezeichnete Zeit unter dem Vorwande eines Spazierganges
nach dem Saal, und ich hoffe, Du wirst Bernhard dort alsdann ohne
Zeugen sehen und sprechen können.« --
Mit glänzenden Augen hatte Sidonie dem Munde der Freundin die
mitgetheilten Worte abgelauscht, ab und zu mit dem lieblichen Haupt
beifällig nickend; als Aurelie endete, schloß sie diese bewegt und
schweigend in die Arme; ihr fehlten die Worte zum Ausdruck des dankbar
und freudig bewegten Herzens.
»Ich denke, Du hast nichts zu besorgen und Alles wird sich nach unseren
Wünschen fügen,« fuhr Aurelie fort. »Wie sehr freue ich mich über des
Prinzen Abwesenheit, die es uns möglich macht, eine solche Begegnung
zwischen euch herbei zu führen. O, ich gestehe Dir offen, meine theure
Sidonie, der Gedanke, Du solltest den Grafen in Gegenwart des Hofes
zum ersten Mal wiedersehen, hat mich schwer beunruhigt, bis ich mich
von der Nothwendigkeit überzeugte, die kleinere, unbestimmte Gefahr
der größeren und gewissen vorzuziehen. Denn Dein Zusammentreffen mit
dem Grafen in dem Gartensaal kann als die kleinere bezeichnet werden;
jedenfalls würde Dich für den Fall eines Verraths keine Schuld treffen,
sondern diese lediglich auf mich gewälzt werden, und ich denke, ich
werde mich zu entschuldigen wissen. Geh’ nun an Deine Toilette, meine
Freundin. Es ist bereits acht Uhr; in einer Stunde also führe ich Dir
den Freund zu.«
Nachdem die beiden Frauen noch einige leise Worte über diese
Angelegenheit gewechselt hatten, begab sich die Prinzessin nach dem
Ankleidezimmer, woselbst ihrer bereits die mit der Toilette betrauten
Dienerinnen harrten.
Fräulein von Ketten schaute ihr in schmerzlicher Bewegung und
gedankenvoll nach und entfernte sich alsdann gleichfalls. In der Hand
barg sie das bedeutsame Medaillon, das sie beim Betreten ihrer Wohnung
in einer Cassette verschloß, deren Schlüssel sie stets bei sich zu
tragen pflegte.
Eine große Sorge schien ihr Herz zu erleichtern, nachdem dies geschehen
war.
Ehe sie das Medaillon bewahrte, hatte sie dasselbe mit großer
Theilnahme betrachtet und dabei seufzend die bedeutsamen Worte vor sich
hingesprochen:
»Armer Bernhard, unglückliche Sidonie!« Diese Worte des innigsten
Bedauerns waren leider nur zu sehr gerechtfertigt.
Prinzessin Sidonie war die Tochter eines regierenden Herzogs und seit
drei Jahren mit dem Prinzen Albert vermählt. Diese Verbindung war auf
den Wunsch des Oheims des Prinzen, des regierenden Fürsten, zu Stande
gekommen und konnte keine glückliche genannt werden, da die Neigungen
und Charaktere der beiden Gatten eine viel zu verschiedene waren, als
daß man von diesem Bunde Heil erwarten durfte. Es war zur Zeit Ludwig
des Fünfzehnten, einer Zeit der höchsten Entsittlichung, namentlich an
dem französischen Hofe, worin demselben die deutschen Höfe nachzuahmen
bestrebt waren, wie in den französischen Gebräuchen und Moden. Dies war
auch am Hofe des Fürsten im ganzen Umfange der Fall, und Prinz Albert
huldigte dem frivolen Zeitgeist mit ganzer Hingabe.
Sidonie war an dem kleinen Hofe ihres Vaters erzogen und hatte sich,
unberührt von jenen Einflüssen, die ihrem Elternhaus fern blieben,
zur sittenreinen Jungfrau entwickelt. Ausgestattet mit einer Fülle
weiblicher Reize, einem für alles Schöne und Edle empfänglichen Geist
und unbekannt mit dem sittenlosen Treiben an den Höfen, hatte sie still
und harmlos gelebt, gepflegt von der liebenden Elternhand und der nicht
minder liebenden Hand der Freundschaft.
Ihr Herz fühlte sich in dem engen Kreise ihrer Familie, in dem
unbeschränkten Genuß der sich ihr in großer Schönheit darbietenden
Natur und in dem eben so unbeschränkten Umgang mit ihren
Jugendfreundinnen und Freunden vollkommen befriedigt, und es drang
nicht die leiseste Ahnung in ihre unbefangene Seele, ihr glückliches
Leben könnte jemals enden oder eine unheilvolle Wendung nehmen. Dieser
beglückende Glaube fand um so mehr Raum in ihrem reinen Herzen, da sie,
fern von aller Eitelkeit und dem Ehrgeiz, eine hervorragende Rolle zu
spielen und also einst einem bedeutenden Fürsten verbunden zu werden,
sich in der Hoffnung beglückt und befriedigt fühlte, dem Manne ihrer
Liebe dereinst angehören zu dürfen.
Graf Bernhard Römer war dieser Mann, der, um etwa zehn Jahre älter
als sie, ihre Zuneigung in hohem Grade gewonnen hatte. Ihre Liebe zu
ihm keimte bereits in dem Kindesherzen und entwickelte sich in der
heranreifenden Jungfrau, durch die eigenthümlichen Umstände begünstigt
und genährt, zur schönsten Blüthe.
Der Graf war nämlich ein an dem Hofe von Sidoniens Vater gern gesehener
Gast und fand dadurch Gelegenheit, dem aufblühenden Mädchen häufig
nahe zu sein, das von seiner edlen, ritterlichen Persönlichkeit, von
seinem männlichen, ernsten, durch Milde und Seelengüte verschönten
Wesen um so stärker angezogen wurde, da sie ein unbefangenes und für
das Edle empfängliches Herz besaß, das in jeder Hinsicht mit dem seinen
übereinstimmte. Mit jener vertraulichen Unbefangenheit, welche der
reizende Vorzug eines reinen weiblichen Herzens zu sein pflegt, kam ihm
Sidonie entgegen, und der Graf nahm das ehrende Geschenk des Vertrauens
und der Achtung um so dankbarer an, da er Sidonie schon als Kind
geliebt und sich seine Neigung während ihrer reizenden Entwicklung zur
Jungfrau nur noch gesteigert hatte.
Er war jedoch besonnen und edel genug, ihr seine Neigung zu verhehlen
und sich ihr gegenüber stets als der achtungsvolle Freund zu zeigen,
wie es sich für ihn im Hinblick auf ihren fürstlichen Stand geziemte.
Fühlte er sich auch durch ihre liebende Hingebung hochbeglückt und
verlieh ihm dieselbe einen gewissen Anspruch auf ihren Besitz, so
übersah er dennoch nicht, daß ihre Schönheit und Liebenswürdigkeit
sie zu einer hohen Stellung berechtigten, und erachtete es für
eine Ehrenpflicht, ihr bei dem Eintreten einer solchen Wendung das
Entsagen seiner Liebe durch ein Geständniß oder Entgegenkommen nicht
zu erschweren, oder vielleicht unmöglich zu machen. Der Graf liebte
zu tief und zu rein, um jemals das Wohl Sidoniens aus dem Auge zu
verlieren. Die Eltern der Letzteren ahnten von der gegenseitigen
Zuneigung nichts; das zwischen beiden bestehende freundschaftliche
Verhältniß erschien natürlich, da es sich bereits seit der Kindheit der
Prinzessin gebildet und man sich also mit der Zeit daran gewöhnt hatte.
Ueberdies schätzten sie des Grafen Umgang besonders hoch, da derselbe
nicht nur unterhaltend war, sondern auch auf Sidoniens geistige
Entwicklung einen nicht unwichtigen Einfluß ausübte.
Denn der Graf bot eine sehr lobenswerthe Ausnahme unter seinen
Standesgenossen dar, indem er, was in jener Zeit sehr selten geschah,
sich eine wissenschaftliche Bildung angeeignet hatte und den damals
üblichen, ziemlich rohen und seichten Belustigungen des Adels nichts
weniger als huldigte. Seine ganze Naturanlage hielt ihn davon zurück,
ebenso seine Vorliebe für Künste und Wissenschaften. Sein Wesen war
ernst und zurückhaltend, doch auch herzlich und entgegenkommend, sobald
er sich Gleichgesinnten nahte, die seine Seele sympathisch berührten.
Ein nicht geringerer Vorzug war sein fester, besonnener Charakter und
die ihm innewohnende Energie, mit welcher er seine Absichten und seinen
Willen durchführte. Trotz der eben bezeichneten edeln Entschlüsse
hatte der Graf dennoch nicht auf das Glück der Liebe und den Besitz
der Prinzessin verzichtet. Denn welche Liebe wäre ohne alle Hoffnung,
ihre heißen Wünsche erfüllt zu sehen! -- Von Sidoniens voller Hingabe
überzeugt und ebenso überzeugt, daß sie selbst die glänzendste Stellung
ihrer Liebe mit Freuden opfern würde, däuchte seinem Selbstgefühl
Sidoniens fürstlicher Stand kein unbesiegbares Hinderniß.
Seine Familie gehörte zu dem ältesten und begütertsten Adel, war
hochangesehen bei seinem Fürsten und ein Zweig derselben bereits mit
einem regierenden Fürstenhause durch Vermählung verbunden.
Was ihn jedoch zu der bezeichneten Zurückhaltung gegen Sidonie
ganz besonders bewog, waren die von dem Herzog zufällig gemachten
Andeutungen über die Berechtigung seiner Tochter zu einer glänzenden
Stellung, zu welcher ihn die sich immer reicher und schöner
entfaltenden Vorzüge Sidoniens zu veranlassen schienen.
Es wiederholt sich dasjenige in den fürstlichen Familien, was ein
Gegenstand hohen Interesses in allen anderen Ständen zu sein pflegt:
man bemüht sich, seinen Kindern eine vornehmere und glänzendere
Lebensstellung, als es die eigene ist, zu verschaffen, indem man
dadurch für sich selbst ein höheres Ansehen zu erzielen hofft, ganz
abgesehen von dem natürlichen Verlangen, seine Kinder dadurch zu
beglücken. Der Herzog besaß nur diese eine Tochter und außerdem zwei
Söhne, von welchen der älteste ihm einst in der Regentschaft folgte
und der jüngere eine militärische Stellung in dem Heere des Oheims des
Prinzen Albert einnahm; es konnte also nur durch Sidonie seinem Hofe
dereinst ein vermehrter Glanz durch die Vermählung mit einem mächtigen
Fürsten verliehen werden.
Dem Grafen war dies Alles bekannt, und es stand der Entschluß daher
in ihm fest, bis zu dem Zeitpunkt, in welchem Sidonie ein gereifteres
Alter erreicht hatte, ruhig auszuharren und dem Weiteren entgegen zu
sehen, ehe er mit seiner Werbung vorging.
Bewahrte sie ihm ihre Liebe und bestätigten sich die Voraussetzungen
des Herzogs nicht, so hoffte er alsdann mit um so größerer Sicherheit
auf Erfolg seinen Antrag machen zu können.
Ueberdies däuchte ihm das Harren nicht zu schwer.
Seine Besitzung lag an der Grenze des kleinen, in einer Stunde
zu erreichenden herzoglichen Hofes und gestattete ihm daher den
lebhaftesten Verkehr mit der Geliebten; er entbehrte sie daher nicht
und fühlte sich in ihrem Umgange beglückt. In ihrer Liebe besaß er sie
ja; jeder neue Tag, den er mit ihr verlebte, überzeugte ihn immer mehr
davon, überzeugte ihn, wie weit entfernt Sidonie war, die Pläne ihres
Vaters zu theilen, ja nicht einmal zu ahnen.
So hatte die Prinzessin das achtzehnte Jahr erreicht und sich zur
reizenden Jungfrau entfaltet, worauf ihre Liebe zu dem Grafen und
dessen bildender Umgang einen sehr wesentlichen Einfluß ausgeübt
hatten. Mit stiller Wonne ruhte des Grafen Auge auf ihr, sei’s, wenn
er mit ihr plaudernd den Garten durchwanderte, oder ihre Pferde auf
weiteren Ausflügen neben einander gingen, und vielleicht mehr noch,
wenn ein ernstes Gespräch sie vereinte, oder Sidonie ein Lied sang und
mit der Harfe begleitete, die sie meisterhaft spielte.
Ein so inniger Umgang war nur zu sehr geeignet, ihre Seelen mit der
Zeit immer fester zu verketten und sie mit dem heißen Wunsch zu
erfüllen, es möchte ihr Glück nie und nie aufhören.
Sidonie hatte sich darin bereits so ganz eingelebt, daß ihr der Gedanke
durchaus fern lag, es könnte jemals anders werden; denn so sehr auch
der Graf bemüht war, ihr seine Zuneigung durch ein stets achtungsvolles
und zurückhaltendes Benehmen zu verhüllen, hatte sie dennoch mit dem
ihr innewohnenden Feingefühl schon lange seine Liebe zu ihr erkannt und
gehörte ihm darum mit ganzer Seele an.
Zweites Kapitel.
Was der Graf vorausgesehen, traf sehr bald ein, Der Ruf von Sidoniens
Liebenswürdigkeit verbreitete sich und zog einen und den andern
Fürstensohn an des Herzogs Hof, der in der Absicht kam, sich um sie zu
bewerben. Alle verließen denselben jedoch, ohne ihre Wünsche erfüllt zu
sehen; Sidoniens Benehmen hatte ihnen jede Hoffnung genommen, irgend
welchen Eindruck auf sie gemacht zu haben.
Dem Herzog war das durchaus genehm, da die Bewerber nicht nach seinem
Sinn und Söhne nur unbedeutender Fürstenhäuser waren.
Diese Bewerbungen übten jedoch auf Sidonie einen besondern Einfluß
aus, indem sie durch dieselben zu der Betrachtung geleitet wurde,
warum der Graf nicht bei ihren Eltern um ihre Hand warb, um ähnlichen
Vorkommnissen vorzubeugen. Was konnte ihn davon abhalten? so fragte
sie sich; wußte er nicht, daß sie ihn liebte und ihm angehören wollte,
und liebte er sie nicht auch? -- Weshalb zögerte er daher, das sie so
beglückende Wort auszusprechen? -- Sie konnte es nicht begreifen; hegte
jedoch zu viel Vertrauen und Achtung vor ihm, um sich seinem Willen
nicht gern zu unterwerfen. Gewiß, so sagte sie sich, hatte der Graf
bestimmte Gründe, die ihn davon zurückhielten.
So wollte sie sich geduldig fügen, und that dies um so bereitwilliger,
da sie überzeugt war, früher oder später ihm anzugehören. Sie ahnte
des Grafen Entschlüsse in dieser Beziehung nicht, und wurde in ihren
Erwartungen um so mehr befestigt, da ihr Vater die Ablehnung der
stattgehabten Bewerbungen billigte, indem ihr dieser Umstand zugleich
als der sichere Beweis diente, daß man sie bereits als die künftige
Gemahlin des Grafen betrachtete. Um so unbesorgter gab sie sich ihrer
Liebe und den angenehmsten Hoffnungen für die Zukunft hin.
Sie sollte leider sehr bald zur Einsicht ihrer lieblichen Täuschungen
gelangen.
Des Prinzen Albert Oheim war zwar vermählt, seine Ehe jedoch kinderlos
geblieben, auch befand sich das fürstliche Ehepaar in einem so hohen
Alter, daß auf eine Nachfolge nicht mehr gerechnet werden durfte.
Der Fürst hatte daher nach dem Tode seines Bruders, des rechtmäßigen
Thronfolgers, den ältesten Sohn desselben, den Prinzen Albert, als
seinen Nachfolger den Ständen des Reichs bezeichnet, der seitdem als
der künftige Regent betrachtet wurde. Diese Bestimmung entsprach zwar
dem Staatsgesetz; es fragte sich jedoch, ob sich das Volk zu derselben
Glück wünschen durfte. Leider wurde diese Frage im Allgemeinen
verneint, und mit nicht eben geringer Besorgniß sah man dem Augenblick
entgegen, in welchem Prinz Albert den Thron besteigen würde.
Das bisherige ausschweifende Leben des Prinzen, seine Abneigung für
ernste Staatsgeschäfte, noch mehr sein leichtsinniger, jähzorniger
Charakter, der sich eben so wechselnd wie seine Neigungen und Launen
zeigte, die übelste Schwäche eines Fürsten, Schmeichlern und Heuchlern
gern Gehör zu schenken, waren wenig geeignete Momente, um zu der
Erwartung zu berechtigen, ein mit dergleichen Schwächen und Fehlern
behafteter Mann könnte einst ein guter Regent werden.
Alle die genannten Fehler und vielleicht noch andere mehr waren dem
Prinzen eigen, die sich mit dem Augenblick gewiß noch erhöhten, in
welchem er sich als einstigen Regenten betrachten durfte. Nicht
nur wurde ihm eine namhafte Apanage bewilligt, die ihm die Mittel
gewährte, seinen übeln Neigungen nachzugehen, sondern dem künftigen
Regenten standen auch alle Kassen offen, und die Geldleute drängten
sich an ihn, um sich der Ehre zu erfreuen, denselben unter die Zahl
ihrer Schuldner zählen und daraus die besten Vortheile für die Folge
ziehen zu können. Der herabgekommene und verarmte Adel, die aus
fremden Ländern nach der Residenz geströmten Parvenus, welche daselbst
Carrière zu machen hofften und zu denen besonders Paris ein namhaftes,
in alle Ausschweifungen eingeweihtes Contingent lieferte, reihten
sich den Geldleuten an. Diese Leute drängten sich in die Nähe des
Prinzen, um nicht nur sein genußvolles Leben zu theilen, sondern sich
ihm auch durch allerlei gewünschte Dienste zu verbinden und diesen
fester an sich zu fesseln, um dereinst durch einträgliche Staatsämter
ihren zerrütteten Finanzen und dem verblichenen Glanz ihres Hauses
aufzuhelfen.
Daß die Frauen dabei eine sehr wichtige Rolle spielten, darf kaum
bemerkt werden, und des Prinzen Freunde waren bedacht, seine Vorliebe
für dieselben in ihrem eigenen Nutzen zu verwerthen, indem sie
ihm nicht nur die galanten Damen des Ballets, sondern auch selbst
diejenigen aus ihren eigenen Familien zuführten.
Eine Schaar verführerischer Odalisken hatte sich an des Fürsten Hof
gedrängt, und es gehörte nicht zu den Seltenheiten, an einem und dem
andern deutschen Hof eine zweite Madame Pompadour zu finden, der, wie
am Hofe Ludwig des Fünfzehnten, die rechtmäßige Gemahlin hintenan
gesetzt wurde.
Es war damals Hofton, das Beispiel des französischen Königs
nachzuahmen, indem man, über jedes Sittengesetz erhaben,
dergleichen eben so kostspielige als verderbliche Einrichtungen
als selbstverständlich betrachtete, wie man dies hinsichts einer
herrschenden Mode zu thun pflegt. Ja, man war nur zu sehr geneigt,
diejenigen zu bespötteln, welche die Moral über die gebräuchliche und
als vornehm und fürstlich bezeichnete Sitte zu stellen sich bewogen
fühlten.
Es darf kaum bemerkt werden, daß die letztere sich nicht auf die Höfe
allein beschränkte, sondern in alle Schichten der Gesellschaft drang
und so die besseren und edleren Gefühle untergrub.
Die Genußsucht bedurfte zu ihrer Befriedigung Mittel, und so war alles
Thun und Trachten auf die Beschaffung derselben gerichtet, um sich
der ersteren nach Wünschen hingeben zu können. Alle Wege, dieselben
mochten noch so verwerflicher Art sein, wurden dazu eingeschlagen,
gleichviel, ob dabei die Ehre verunglimpft, die Unschuld geopfert und
die heiligsten Bande zerrissen wurden.
Die Selbstsucht frägt nicht nach den Mitteln zur Erreichung ihrer
Zwecke, und diese war damals in erschreckender Weise ausgebildet.