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Dr. Oscar Baumann.
Durch Massailand
zur Nilquelle.
[Illustration: TAFEL I. MASSAI-WEIB]
Durch
Massailand zur Nilquelle.
Reisen und Forschungen der Massai-Expedition
des deutschen Antisklaverei-Komite
in den Jahren 1891-1893.
Von
Dr. Oscar Baumann.
386 Seiten Text
mit 27 Vollbildern und 140 Text-Illustrationen in Heliogravüre,
Lichtdruck und Autotypie nach Photographien und Skizzen des
Verfassers von •Rud. Bacher• und •Ludwig Hans Fischer•
in Wien und einer Originalkarte in 1:1,500,000 reducirt von
•Dr. Bruno Hassenstein•.
BERLIN 1894.
Geographische Verlagshandlung DIETRICH REIMER
Inh.: •=HOEFER & VOHSEN=•.
Das Recht der Uebersetzung in fremde Sprachen und der
Vervielfältigung vorbehalten.
DEM ANDENKEN
AN
$John Hanning Speke$
GEWIDMET
vom VERFASSER.
VORWORT.
Die Expedition, deren Ergebnisse nachfolgend veröffentlicht werden,
wurde vom Deutschen Antisklaverei-Komite ausgerüstet, unter namhafter
Betheiligung der Eisenbahn-Gesellschaft für Deutsch-Ostafrika und der
Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft, welch' letztere die Anregung
zu dem Unternehmen gab.
Meine Aufgabe lag in der geographischen und wirthschaftlichen
Erforschung der weiten, unbekannten Striche, die sich noch im Norden
der deutschen Interessensphäre ausdehnten. Unter Vermeidung aller
Karawanenstrassen wandte ich mich daher vorzugsweise Gebieten zu, die
vorher noch kein Europäer betreten. Der Schwerpunkt meiner Arbeiten
lag auch diesmal in der kartographischen Aufnahme der durchreisten
Länder. Deren Ergebnisse bleiben einer besonderen Publikation in
grösserem Maassstabe vorbehalten, erscheinen jedoch in der dem
Buche beigegebenen Uebersichtskarte bereits in den Hauptzügen
erkennbar. Als einziger Europäer hatte ich auch die ganze Last des
Expeditionsdienstes zu tragen. Dieser Umstand, sowie die Raschheit
mit der meine Reise ausgeführt wurde, möge als Entschuldigung
dienen, wenn der wissenschaftliche Theil dieses Buches nicht jene
Gründlichkeit besitzt, die ich selbst am meisten gewünscht hätte.
Besonders in ethnologischen Fragen war ich meist auf Erkundigungen
bei Eingeborenen angewiesen, die ich durch Befragen mehrerer Personen
zu berichtigen suchte. Immerhin mögen dabei Irrthümer unterlaufen
sein, deren Aufklärung ich meinen Nachfolgern überlasse. Wenn ich
es trotz des fragmentarischen Charakters meines Materials versucht
habe im II. Theil dieser Veröffentlichung ein allgemeines Bild der
durchreisten Länder zu entwerfen, so geschah dies keineswegs in der
Absicht, eine Monographie dieser weiten Gebiete zu schreiben. Dazu
fehlt noch so gut wie Alles. Diese Anordnung des Stoffes schien
mir nur wünschenswerth, da sie allein dem Fachmann eine leichte
Uebersicht in der täglich anwachsenden Literatur gestattet.
Es erübrigt mir noch Jenen meinen Dank auszusprechen, die meinem
Unternehmen ihre Förderung angedeihen liessen. Es sind dies die
Körperschaften, welchen ich die Mittel zu demselben verdanke, vor
Allem das Deutsche Antisklaverei-Komite, unter dem Vorsitze Sr.
=Durchlaucht des Fürsten Wilhelm zu Wied=, das mir nicht nur während
meiner Thätigkeit in Afrika volles Entgegenkommen bewies, sondern
auch in liberaler Weise die Mittel zur Herausgabe dieses Reisewerkes
bewilligte. Dadurch wurde es der Verlagsanstalt =Dietrich Reimer=,
unter der bewährten Leitung meines verehrten Freundes Consul
=Vohsen=, möglich, der Publikation die Ausstattung zu geben, in
welcher sie heute an die Oeffentlichkeit gelangt. An dieser Stelle
dürfen die Herren Maler =Rudolf Bacher= und =Ludwig Hans Fischer=
in Wien nicht unerwähnt bleiben, die nach meinen Photographien und
Zeichnungen naturwahre und dabei künstlerisch schöne Illustrationen
entwarfen.
Mit herzlichen Grüssen gedenke ich auch der Freunde in Ostafrika,
aller jener zahlreichen Europäer, seien es Deutsche, Engländer oder
Franzosen, seien es Gouvernementsbeamte, Kaufleute oder Missionare,
die meiner Expedition liebenswürdige Gastlichkeit und kräftige
Unterstützung zu Theil werden liessen. Möge ihnen ein frohes Wirken
im sonnigen Tropenlande beschieden sein!
Bei wissenschaftlichen Fachleuten fand ich freundliches
Entgegenkommen, vor Allem bei jenen ausgezeichneten Gelehrten, deren
Arbeiten im Anhang zur Veröffentlichung kommen, sowie bei Dr. =Bruno
Hassenstein=, der die Herstellung der Uebersichtskarte leitete.
Zuletzt sei es mir gestattet, jene zu erwähnen, die durch Wochen
und Monate meine einzigen Gefährten waren: die schwarzen Soldaten
und Träger der Massai-Expedition. Diese pflegen an ähnlicher Stelle
meist mit vornehmem Stillschweigen übergangen zu werden. Jedoch mit
Unrecht. Denn der Forschungsdrang und wie alle die Triebe heissen
mögen, welche den Europäer in schweren Stunden aufrecht erhalten, sie
fehlen seinen farbigen Begleitern. Und doch ist es ihre Treue, ihr
Gehorsam, ihr Heldenmuth vor dem Feinde und ihre unvergleichliche
Zähigkeit im Ertragen aller Mühsale allein, die es ihm möglich
machen, in Afrika Erfolge zu erringen.
Wien, am Weihnachtsabend 1893.
Dr. Oscar Baumann
Inhalts-Verzeichniss.
I. THEIL.
Seite
I. Kapitel. =Von Tanga nach Aruscha.=
Die Massai-Expedition. Reisevorbereitungen.
Anwerbung der Mannschaft. Die Spitzen der Karawane.
Aufbruch von Tanga. Ein Tag aus dem Karawanenleben.
Unruhen im Wadigo-Land. Durch die Umba Nyika.
Kisuani. Aruscha. 1-17
II. Kapitel. =Durch Massai-Land zum Victoria-Nyansa.=
Die östliche Massai-Steppe. Umbugwe. Der
Manyara-See. Das Mutyek-Plateau. Ngorongoro. Der
Eyassi-See. Serengeti. Ikoma. Katoto. 18-41
III. Kapitel. =Im östlichen Nyansa-Gebiet.=
Katoto und Mwansa. Ukerewe. Ukara. Der Baumann-Golf.
Gefechte in Mugango. Die Schaschi-Länder. Ngoroïne.
Ikoma. Kämpfe in Ututwa. Ntussu. Meatu. Munyi
Hemedis Niederlassung. Zur Nynrasa-Steppe. Der
Salzfluss Simbiti. Die Elephantenjäger. Die Weiber
der Karawane. Usmau und Usukuma. Mwansa. 42-67
IV. Kapitel. =Vom Victoria-See zum Tanganyika.=
Durch Usinja. Ussui. Kassussura's Residenz. Uyogoma.
An der Nil-Fähre. Urundi. Freudenfeste der Warundi.
Der Akanyaru. Ruanda. Raserei der Warundi. Gefecht
mit Watussi. An der Nilquelle. Uebersteigung der
Missosi ya Mwesi (Mondberge). Am Tanganyika. 68-92
V. Kapitel. =Vom Tanganyika nach Irangi.=
Das Lager der Sklavenhändler. Kämpfe mit Watussi.
Die südlichsten Nilzuflüsse. Baumdörfer am
Mlagarassi. Im Waldland Uha. Kirambo. Die Mission
Urambo. Tabora. Erstürmung von Tambarale. Sunguisi.
Die Wembere-Steppe und Usure. Turu. Ussandaui.
Irangi. 93-113
VI. Kapitel. =Von Irangi nach Pangani.=
Aufenthalt in Irangi. Uassi. Ufiomi und die Wafiomi.
Wieder in Umbugwe. Iraku und die Höhlenbewohner.
Meri. Mangati und der Gurui-Berg. Die Massai-Steppe.
Unguu. Ankunft an der Küste. 114-129
II. THEIL.
VII. Kapitel. =Zur physischen Erdkunde der erforschten
Gebiete.=
Allgemeine Uebersicht. Das abflusslose Gebiet. Der
Kilimanjaro-Graben. Der grosse ostafrikanische
Graben. Der Wembere-Graben. Das Granitplateau von
Unyamwesi. Der Victoria-Nyansa. Die Quelle des Nil
und das Mondgebirge. Das centralafrikanische
Schiefergebirge und der centrale Graben. 133-155
VIII. Kapitel. =Die Völker des abflusslosen Gebietes.=
Die Massai. Die Wandorobo. Die Wataturu. Die
Wafiomi. Die Wambugwe. Die Wanyaturu. Die
Wassandaui. Wanderungen der Stämme. 156-195
IX. Kapitel. =Die Völker der Nilquell-Gebiete.=
Die Waschaschi. Die Watussi. Die Wasinja. Die
Warundi. Die Wanyamwesi. 196-239
X. Kapitel. =Der wirthschaftliche Werth des Landes.=
Der Karawanen-Handel. Die Massai-Karawanen. Der
Tabora-Handel. Die Manyema-Araber. Rohprodukte des
Landes. Anbaufähigkeit des Gebietes.
Bevölkerungsdichtigkeit. Kulturpflanzen. Viehzucht.
Import. Eingeborene und fremde Einwanderung.
Ostafrikanische Eisenbahnen. 240-261
ANHANG.
I. =Ueber Gesteine aus Deutsch-Ostafrika= von Dr. =Hans
Lenk= (Leipzig) 263-294
II. =Kulturpflanzen=, gesammelt von Dr. O. Baumann. Von
Dr. =F. Körnicke= (Bonn) 295-296
III. =Ueber die Molluskenfauna Centralafrikas= von Dr.
=Rudolf Sturany= (Wien) 297-298
I. Formen aus dem Tanganyika-See 298-303
II. Zur Fauna des Nilquellgebietes und hauptsächlich
des Victoria-Sees 303-309
III. Ueber die Fauna des Manyara-Sees 309-311
IV. Landschnecken 311-314
Uebersicht der von Dr. Baumann gesammelten Mollusken 314-315
Verzeichniss der benutzten einschlägigen Literatur 315-322
Figuren-Erklärung zu Taf. XXIV und XXV 322
IV. =Ueber Insekten aus Deutsch-Ostafrika.=
=Lepidopteren= von =H. Rebel= und =A. Rogenhofer= 323-341
(Wien)
=Coleoptera= von Custos =Gangelbauer= (Wien) 341-348
=Orthoptera= von Hofrath =Brunner von Wattenwyl= 348-349
(Wien)
=Hymenoptera= von =Franz Kohl= 350
=Rhynchota= von =Anton Handlirsch= 350
=Diptera= von Professor =Friedrich Brauer= 350
V. =Das Watussi-Rind= von =Dr. Leopold Adametz= 351-359
(Krakau)
VI. =Untersuchung von acht Schädeln= von =Prof. Dr. 360-362
Zuckerkandl= (Wien)
VII. =Sprachproben= von =Dr. O. Baumann= 363-369
VIII. =Mannschaft der Massai-Expedition= 370-377
=Index= 378-385
Verzeichniss der Text-Illustrationen.
Seite
Die Spitze der Karawane. Gez. von R. Bacher 1
Dr. Oscar Baumann. Photogr. von Dr. Reinhardt in Sansibar 6
Lagerscene. Photogr. des Verf. 17
Temben in Umbugwe. Nach Skizze des Verf. gez.
von L. H. Fischer 18
Junger Mann aus Umbugwe. Photogr. des Verf. 22
Der Manyara-See vom Mutyek-Plateau. Nach Skizze des Verf.
gez. von L. H. Fischer 29
Massai-Kraal. Nach Photogr. des Verf. gez. von L. H. Fischer 32
Zusammentreffen mit Waschaschi. Nach Photogr. des Verf. gez.
von R. Bacher 37
Waschaschi-Dorf in Usenye. Nach Skizze des Verf. gez. von R.
Bacher 39
Angel für Welse der Waschaschi 40
Kanu am Victoria-Nyansa. Photogr. von Graf von Schweinitz 41
Lager in Katoto. Nach Skizze des Verf. gez. von L. H. Fischer 42
Ruderblatt, Ukerewe 44
Ukara. Nach Skizze des Verf. gez. von L. H. Fischer 48
Hütten und Futterschober der Wakara. Nach Skizze des Verf.
gez. von L. H. Fischer 49
Irera-Insel und Baumann-Golf. Nach Skizze des Verf. gez. von
L. H. Fischer 51
Dorf der Waschaschi. Nach Skizze des Verf. gez. von L. H.
Fischer 55
Saiteninstrument der Wangoroïne 57
Krieger aus Usukuma. Nach Photogr. der Verf. gez. von R.
Bacher 60
Munyi Hemedi's Niederlassung in Meatu. Nach Skizze des Verf.
gez. L. H. Fischer 62
Feldbeil, Usukuma 66
Weiber der Karawane. Photogr. des Verf. 67
Gruss der Nyansa-Völker. Nach Photogr. von Graf von
Schweinitz gez. von R. Bacher 68
Dorf der Wasinja. Nach Skizze des Verf. gez. von L. H.
Fischer 71
Hackenklinge, Usinja 72
Wassui. Photogr. des Verf. 74
Armring der Warundi 77
Warundi-Weiber. Nach Photogr. des Verf. gez. von R. Bacher 80
Landschaft in Nord-Urundi. Nach Skizze des Verf. gez. L. H.
Fischer 82
Watussi-Rind. Nach Photogr. des Verf. gez. von R. Bacher 85
Wuruhukiro und der Ganso Kulu. Nach Skizze des Verf. von L.
H. Fischer 89
Warundi vom Tanganyika. Photogr. des Verf. 92
Ussure. Nach Skizze des Verf. gez. von L. H. Fischer 93
Mhogo hadim Kivunja. Photogr. von Dr. Szekely 95
Kiyonzo. Nach Skizze des Verf. gez. von L. H. Fischer 98
Waha. Photogr. des Verf. 100
Mission Kilimani-Urambo. Nach Skizze des Verf. gez. von L. H.
Fischer 103
Itandulu. Nach Skizze des Verf. gez. von L. H. Fischer 109
Mann aus Turu. Nach Photogr. des Verf. gez. von R. Bacher 110
Mann aus Ussandaui. Photogr. des Verf. 112
Mtoro's Dorf. Ussandaui. Nach Skizze des Verf. gez. von L. H.
Fischer 113
Wataturu Sagiro's. Photogr. des Verf. 114
Ufiomi. Nach Skizze des Verf. gez. von L. H. Fischer 116
Weib aus Ufiomi. Photogr. des Verf. 117
Landschaft in Iraku. Nach Skizze des Verf. gez. von L. H.
Fischer 116
Iraku-Leute. Nach Photogr. des Verf. gez. von R. Bacher 120
Pangani 129
Felsterassen des Plateaus von Nyakahama in Ost-Ussui. Nach
Skizze des Verf. gez. von L. H. Fischer 116
Granitfelsen in Usukuma. Photogr. von Kapt. Spring 155
Massai-Knabe. Nach Photogr. des Verf. gez. von R. Bacher 156
Pfeil zum Aderlassen der Rinder, Massai 161
Bogen der Wandorobo 167
Wataturu-Mann aus Mangati. Nach Photogr. des Verf. gez. von
R. Bacher 170
Alte Speerformen der Wataturu 172
Schematischer Durchschnitt der Wafiomi-Erdhöhlen 176
Topf der Wafiomi 178
Milchgefäss der Wafiomi 178
Klapper, Wafiomi 178
Wambugwe-Häuptling Mbi. Photogr. des Verf. 181
Tembe der Warangi. Nach Skizze des Verf. gez. von L. H.
Fischer 184
Hacke der Wambugwe 185
Kalebassen-Ornamente der Wambugwe 185
Speer der Warangi 186
Steinschleuder der Wambugwe 186
Wanyaturu-Ehepaar. Photogr. des Verf. 186
Pfeilspitze, Wanyaturu 190
Hacke mit Holzklinge der Wanyaturu 190
Saiteninstrument der Wanyaturu 190
Bogen, Speer und Pfeilspitze der Wassandaui 192
Iraku-Leute. Photogr. des Verf. 195
Mann aus Ussui. Photogr. des Verf. 196
Rückenkratzer und Fingerring der Waschaschi 198
Fingerring der Waschaschi 198
Tabakspfeife der Wangoroïne 199
Grundriss eines Weilers der Waschaschi 199
Schnupftabaksdose der Wangoroïne 199
Flusspferdharpune der Waschaschi 199
Dorfamulett, Waschaschi 201
Stockschild, Waschaschi 201
Lederkratzer, Waschaschi 201
Hacke mit Holzklinge, Wakara 201
Hacke, Ngoroïne 201
Kopfpolster, Waschaschi 201
Schlagschild, Ngoroïne 201
Trommel der Wakara 202
Saiten-Instrument, Waschaschi 202
Speer der Wangoroïne 203
Milchgefäss aus Holz, Watussi 207
Geräth zum Aushöhlen der Milchgefässe, Watussi 207
Krieger aus Ukerewe. Nach Photogr. des Verf. gez. von R.
Bacher 208
Gefäss mit Sand zum Zahnreinigen der Wakerewe 210
Pfeilspitzen, Usinja 212
Sichel, Ukerewe 212
Sichel der Wasinja 212
Trinkkalebasse der Wakerewe 212
Korbflasche der Wakerewe 212
Speere der Wassui 213
Topf der Watwa (Urundi) 213
Holzfigur des verstorbenen Häuptlings, Ukerewe 213
Paradebeil der Wasinja 213
Schild aus Ambatschholz, Ukerewe 213
Köcher der Wassui 213
Watwa-Dorf, Urundi 214
Haartrachten der Warundi 216
Zeug-Ornamente der Warundi 217
Halsschmuck der Warundi 218
Grundriss einer Hütte der Warundi 218
Sichel, Urundi 219
Hackenklinge, Urundi 219
Topf, Ruanda 219
Speerspitze der Warundi 220
Pfeilspitze, Warundi 220
Hammer zum Fertigen von Rindenzeug, Urundi 220
Schild, Ruanda 220
Schwert, Ruanda 220
Schwert der Warundi vom Tanganyika 220
Pfeilbehälter der Warundi 220
Topf der Warundi 221
Klapper der Zauberdoktoren der Warundi 222
Zaubergeräth, Warundi 222
Wohnhütte mit Umgebung der Waha. Nach Skizze des Verf. gez.
von L. H. Fischer 225
Puppe der Waha 226
Speer der Waha 226
Trommel der Waha 226
Rindenzeughammer, Uha 226
Wohnhütte mit Umgebung der Wanyamwesi in Urambo. Nach Skizze
des Verf. gez. von L. H. Fischer 229
Feldbeil der Wanyamwesi 231
Köcher aus Urambo 233
Elephantenjagdspeer, Wasukuma 233
Korbnadel, Wasukuma 233
Speer, Usukuma 233
Speerform der Wanyamwesi 233
Puppe aus Lehm, Wasukuma 235
Amulettfigur der Wasukuma 236
Hüttenamulett der Wasukuma 236
Schädel des Watussi-Rindes 239
Tabora. Nach Skizze des Verf. gez. von L. H. Fischer 240
Schluss-Vignette (Eisenbahn) 260
Schädel des Watussi-Rindes, Seitenansicht 354
Schädel des Watussi-Rindes, Vorderansicht 355
Verzeichniss der Vollbilder.
Tafel Seite
I. Massaiweib. Nach Photogr. des Verf.
gez. von R. Bacher. Heliogravüre Titelbild
II. Lager am Sogonoi-Berg. Nach Skizze des
Verf. gez. von Ludw. Hans Fischer 8
III. Manyara-See und Simangori-Berg. Nach
Skizze des Verf. gez. von Ludw. Hans
Fischer 16
IV. Wambugwe-Krieger. Nach Photogr. des
Verf. gez. von R. Bacher. Heliogravüre 24
V. Hungernder Massai. Nach Photogr. des
Verf. gez. von R. Bacher. Heliogravüre 32
VI. Station Mwansa am Victoria-See. Nach
Skizze des Verf. gez. von Ludw. Hans
Fischer 40
VII. Felsdorf in Uaschi. Nach Skizze des
Verf. gez. von Ludw. Hans Fischer 40
VIII. Wasukuma-Weib. Nach Photogr. des Verf.
gez. von R. Bacher 64
IX. Uebergang über den Kagera. Nach Skizze
des Verf. gez. von Ludw. Hans Fischer 80
X. Missosi ya Mwesi und die Nilquelle.
Nach Skizze des Verf. gez. von Ludw.
Hans Fischer 88
XI. Tanganyika von Usige. Nach Skizze des
Verf. gez. von Ludw. Hans Fischer 96
XII. Pfahldorf am Mlagarassi. Nach Skizze
des Verf. gez. von Ludw. Hans Fischer 104
XIII. Wanyaturu-Stockkämpfer. Nach Photogr.
des Verf. gez. von R. Bacher.
Heliogravüre 112
XIV. Wataturu aus Mangati. Nach Photogr.
des Verf. gez. von R. Bacher.
Heliogravüre 120
XV. Massai-Krieger aus Mutyek. Nach
Photogr. des Verf. gez. von R. Bacher.
Heliogravüre Titelbild zum II. Theil
XVI. Ausblick von Meri gegen Nord. Nach
Skizze des Verf. gez. von Ludw. Hans
Fischer 136
XVII. Mangati und der Gurui-Berg. Nach
Skizze des Verf. gez. von Ludw. Hans
Fischer 144
XVIII. »Iraku-Leute« und »Wafiomi«,
Heliogravüre nach Photogr. des Verf. 168
XIX. Unterirdische Wohnstätten, Iraku. Nach
Skizze des Verf. gez. von Ludw. Hans
Fischer 176
XX. Hirt aus Ufiomi. Nach Photogr. des
Verf. gez. von R. Bacher. Heliogravüre 184
XXI. Leute aus Iraku. Nach Photogr. des
Verf. gez. von R. Bacher. Heliogravüre 192
XXII. Ornamente auf Körben der Wakerewe 208
XXIV. Watussi. Nach Photogr. des Verf. gez.
von R. Bacher 224
XXIV. Mollusken, Lichtdruck 305
XXV. " " 320
XXVI. Schädel, " 360
XXVII. " " 360
Karten.
Karte des Forschungsgebietes der Massai-Expedition des Deutschen
Antisklaverei-Komite. Nach den Original-Aufnahmen von Dr. Oscar
Baumann, reducirt von Dr. Bruno Hassenstein 1:1,500,000.
Kartons: Geologische Uebersichtskarte 1:4,000,000.
Ethnologische Uebersichtskarte 1:5,000,000.
Schematisches Profil der Victoria-See-Bahn, 1:400,000, fünffach
überhöht Seite 256.
I. THEIL.
I. KAPITEL.
Von Tanga nach Aruscha.
Die Massai-Expedition. -- Reisevorbereitungen. -- Anwerbung der
Mannschaft. -- Die Spitzen der Karawane. -- Aufbruch von Tanga. --
Ein Tag aus dem Karawanenleben. -- Unruhen im Wadigo-Land. -- Durch
die Umba. Nyika. -- Kisuani. -- Aruscha.
[Illustration: Fahnenträger]
Am 16. November 1891 langte ich mit dem deutschen Postdampfer in
Tanga, Deutsch-Ostafrika, an. Vor meinen Blicken erhob sich die
üppige Tanga-Insel aus der tiefblauen Fluth, dahinter lugten auf
hoher Uferrampe die braunen Hütten des Städtchens zwischen schlanken
Kokospalmen hervor und tauchte der breite Bau des Forts auf, wie ein
weisser Klecks in der Landschaft erscheinend. Im Hintergrunde ragten
die bläulichen Berge Usambára's; alte liebe Bekannte. Betrat ich doch
nicht als Fremdling den Boden Afrikas, war es doch das vierte Mal,
dass ich mein Glück im dunklen Welttheil versuchte.
Einmal hatte ich Westafrika befahren und den Riesenstrom des Kongo
bis in's Herz des Kontinents, bis Stanley-Falls, verfolgt, zwei
Mal hatte ich in Ost-Afrika der Erforschung Usambára's und der
Länder bis zum Kilimanjaro mich gewidmet. Diesmal freilich stand
eine grössere Aufgabe vor mir, galt es doch die weiten gänzlich
unerforschten Massai-Gebiete zwischen Kilimanjaro und Victoria-Nyansa
zu durchziehen, welche nach den spärlichen Berichten als wasserarme,
von feindlichen Stämmen durchstreifte Wüsten dargestellt wurden.
Da mir jedoch die Haupterfordernisse des Reisenden: Kenntniss der
Sprache und Kenntniss des Landes zu Gebote standen, so blickte
ich mit Vertrauen in die Zukunft. Die Weltsprache Ostafrikas, das
Kiswahíli, spreche ich völlig fliessend und afrikanische Erfahrung
besass ich zur Genüge; so fehlten nur sorgfältige Ausrüstung und
tüchtige Mannschaft, um das Gelingen des Unternehmens -- die Gunst
des Schicksals vorausgesetzt -- wahrscheinlich zu machen.
Was die Ausrüstung anbelangt, so kann ich mich nicht zur Ansicht
Jener bekennen, welche behaupten, in Ostafrika bekomme man »Alles«.
Allerdings man bekommt mehr oder weniger Alles, aber schlecht und
theuer, so dass ein Reisender, der sich in Europa ausrüstet, selbst
wenn er das Vorzüglichste wählt, immer noch billiger wegkommt. Ein
Zelt wie das von Benjamin Edgington in London, welches mir während
zwei Reisen Obdach gewährte, ein Feldbett, Feldtisch, Feldstuhl
und Blechkoffer wie die von Silver in London, gehören nicht zu dem
»Alles«, welches man in Ostafrika erhält.
Selbst die Provisionen, die man noch am ehesten an Ort und Stelle
beziehen kann, zog ich vor, aus Europa mitzunehmen, da eine
sorgfältige, gegen alle Fälle gesicherte Verpackung draussen kaum
durchführbar ist. Die Firma Wilhelm Richers in Hamburg lieferte sie
mir in durchwegs vorzüglicher Qualität und zu sehr mässigen Preisen.
Dieselben wurden genau nach meiner Angabe in längliche Holzkisten
verpackt, deren jede ungefähr dasselbe enthielt, so dass der Verlust
einer Kiste keinen unersetzlichen Schaden verursacht hätte. Alle
hatten einen verlötheten Blecheinsatz, der erst geöffnet wurde,
wenn die Kiste in Verwendung kam und den wohlverstauten Inhalt vor
Verderben schützte.
So wurden denn alle die Kisten und Ballen der Expedition in
Tanga ausgeladen, daneben auch drei Kameele, die ich für etwaige
Wüstenwanderungen aus Aden mitgenommen und welche ihre Treiber,
braune untersetzte Araber aus Yemen, mit grosser Sorgfalt
unterbrachten. Auch 15 kohlschwarze Sudanesensoldaten, die ich
in Massaua angeworben, fanden ein vorübergehendes Heim in einer
Negerhütte, während mir selbst in den wohlbekannten Räumen des
Usagarahauses gastliche Aufnahme geboten wurde.
Noch am Abend meiner Ankunft stellten sich schwarze Freunde, meist
Getreue von meinen früheren Reisen ein, darunter auch der brave
Kihara wadi Mwamba, der 1888 die schweren Stunden der Gefangenschaft
bei Buschiri mit Dr. Meyer und mir durchgemacht. Alle erfuhren von
meinen neuen Plänen und erklärten sich unbedenklich bereit, bei der
Massai-Expedition wieder einzutreten. Auch meine treue Reisegefährtin
von der Usambára-Fahrt, die Halbaraberin Ranïe binti Abedi, meist
»Kibibi« genannt, liess nicht lange auf sich warten.
Nachdem ich mich noch einige Tage in Tanga aufgehalten und dem
späteren Engagement der Mannschaften vorgearbeitet, begab ich mich
nach Sansibar, um ein wichtiges Geschäft, den Ankauf der Tauschwaaren
zu besorgen. Während mehrerer Tage durchschlenderte ich mit Sapojee,
dem gewandten Parsi der Ostafrikanischen Gesellschaft, die Bazars,
um »Merikani« und »Kaniki«, »Mishanga kuta« und »Mutinarok«, alle
die verschiedenen Baumwollstoffe, Glasperlen und sonstigen Artikel
anzukaufen, welche im Innern Afrika's das Geld ersetzen. In Sansibar
traf ich auch einen Landsmann aus Transleithanien, den ungarischen
Sportsman Herrn =von Inkey=, der eben auf einer Jagdexkursion
begriffen war und mich bat, die Expedition bis zum Kilimanjaro
begleiten zu dürfen, was ich ihm gerne zugestand.
Bald jedoch kehrte ich wieder nach Tanga zurück, harrte doch meiner
eine wichtige Aufgabe, ja die wichtigste, welche meiner Ansicht
nach ein Expeditionsführer in Afrika zu lösen hat: die Anwerbung der
Mannschaft. Es ist allerdings in Ostafrika die Möglichkeit geboten
sich die Sache bequem zu machen: man braucht nur mit einem indischen
Agenten einen Trägervertrag zu schliessen, in welchem sich derselbe
verpflichtet, die Mannschaften bis zu einem gewissen Tage zu stellen.
Dann kann man die Zwischenzeit bequem im Lehnstuhl verträumen, in
der Ueberzeugung, am bestimmten Tage seine Leute bereit zu finden.
Dieser Vorgang scheint ungemein einfach und wurde auch thatsächlich
bis in die neueste Zeit von Gouvernements-Expeditionen sowie von
Privaten eingeschlagen. Dabei war es fast ausschliesslich der
indische Kaufmann Sewah Haji, der mit den Aufträgen der Europäer
beehrt wurde. Dieser ist nicht etwa ein indischer Grosshändler im
Stile Sir Taria Topan's, dessen Handelsbeziehungen bis ins Herz des
Kontinents reichen und der die bedeutendsten Araber wie Tippo-Tip
als seine Agenten bezeichnen kann, sondern er hat eigentliche
kaufmännische Geschäfte fast ganz aufgegeben. Seine Firma ist jetzt
ein Dienstvermittelungs-Bureau in grossem Stile, er ist Träger-
und Arbeiter-Agent, d. i. ein Mann, der durch die Unerfahrenheit
und Bequemlichkeit der Europäer und den Unverstand der Afrikaner
Reichthümer sammelt. Diese gestatten es ihm, zeitweise Reisen nach
Europa zu unternehmen, wo er von Jenen, die ihm ihr Geld in den
Rachen geworfen, zum Frühstück eingeladen wird.
Für Alle, für Deutsche, Engländer, Franzosen und für den Kongostaat
wirbt Sewah Haji Träger an. Aber er lässt sich auch dafür bezahlen.
Während er selbst dem Küstenmann höchstens 10 Rps. pro Monat, dem
Mnyamwesi und Msángo gar nur einige Ellen Baumwollstoff giebt, muss
der Europäer 15-20 Rps. monatlich bezahlen! Durch kleine Beträge, die
Sewah den Schwarzen in ihrer arbeitsfreien Zeit vorschiesst und dann
wucherisch verzinst, weiss er sich stets Leute an der Hand zu halten.
Durch hohe Bezahlungen gewinnt er einflussreiche Karawanenführer,
dafür werden die Anderen in ihren hart verdienten Löhnungen um so
mehr verkürzt. Ausser den Vorschüssen, die mit Zins und Zinseszins
bis ins Unendliche anwachsen, werden ihnen noch allerlei »Gebühren«
abgezogen, besonders wenn es sich um naivere Inlandleute handelt.
Schliesslich ist der arme Afrikaner froh, wenn er nur einige Rupies
oder etwas weissen Baumwollstoff bekommt, ja er freut sich noch, wenn
man ihm eine rothe Mütze oder sonst einen Plunder als »Bakschisch«
schenkt. Er führt ja keine Bücher, während der Inder alles schwarz
auf weiss hat und Unzufriedene auffordert, nur immerhin auf die
Station zu gehen und sich über ihn zu beschweren. Der Begriff
»Station« ist jedoch in Ostafrika noch so innig mit dem Begriffe
»Prügel« verbunden, dass Jedermann es sich dreimal überlegt dahin
klagen zu gehen, wenn er seiner Sache nicht ganz sicher ist.
Es ist jedoch begreiflich, dass die Mannschaften unter solchen
Umständen dem Unternehmen wenig Lust und Liebe entgegenbringen und
besonders wenn der europäische Gebieter, den sie am Abmarschtage zum
ersten Mal sehen, ihnen nicht zusagt, einfach davonlaufen. Geschieht
dies in der Nähe der Küste, so muss Sewah Haji selbst, sonst seine
Agenten in Tabora und Mwansa freilich Nachschub leisten und der
Karren wird mit Mühe und Noth im Gange erhalten, doch mit unendlichem
Aerger und Verzögerungen muss der Reisende die Mussestunden an der
Küste büssen.
Da ich während der Dr. Meyer'schen Expedition 1888 das Sewah
Haji'sche Trägerelend gründlich ausgekostet, so beschloss ich
mich nie mehr mit diesem oder einem andern Agenten einzulassen,
sondern meine Leute selbst zu engagiren. Schon 1890, während der
Usambára-Expedition, war mir dies trefflich gelungen, und obwohl
»Kenner« mir diesmal versicherten, dass bei der herrschenden
»Trägertheuerung« und dem »Trägermangel« Sewah Haji absolut nicht zu
umgehen sei, wollte ich dies dennoch versuchen.
Von einschneidender Wirkung für das Gelingen einer Expedition ist
die Wahl guter Karawanenführer. Für mich war dies um so mehr der
Fall, als ich beschlossen hatte, keinen europäischen Begleiter
mitzunehmen, sondern =allein= zu reisen. Vor Allem brachte mich
zu diesem Entschluss der Umstand, dass ich, wie ich offen gestehe,
mich in Afrika unter Schwarzen am wohlsten fühle. Doch würde dieses,
mehr persönliche Moment, mich selbstverständlich nicht abgehalten
haben einen Europäer mitzunehmen, falls ich dies im Interesse der
Expedition für nothwendig gehalten hätte. Ich bin jedoch zu der
Ansicht gelangt, dass man Europäer in Afrika nur da verwenden soll,
wo Schwarze absolut nicht zu brauchen sind. Dies ist bei einer
Expedition nur bezüglich der Oberleitung und der wissenschaftlichen
Forschung der Fall, denn alles Andere, von der Marschdisziplin
angefangen, bis zu den kleinsten Details des Karawanenlebens,
verstehen ja die Schwarzen unendlich besser als wir. Es ist ja
begreiflich, dass ein Mann, dessen Väter schon vor Livingstone und
Krapf nach dem Innern Afrika's zogen, der in den Verhältnissen
geboren und darin aufgewachsen ist, unter kräftiger Leitung und
bei entsprechender Befähigung ganz anderes leisten muss als ein
europäischer Neuling. Ob durch Mitnahme des Vertreters eines anderen
Faches wissenschaftlich mehr ausgerichtet worden wäre, ist noch
fraglich. Denn bekanntlich können verschiedene Fachleute sehr schwer
zusammen arbeiten und es ist ferner sicher, dass man allein, schon
durch Langeweile getrieben, weit mehr Studien macht als etwa in
angenehmer Gesellschaft.
Einer jener Leute, welche mir mehr werth sind als ein und selbst
mehrere Weisse, stellte sich mir nach meiner Rückkehr in Tanga
vor. Es war =Mzimba bin Omari=, ein Swahíli aus Bweni bei Pangani,
der s. Zt. bei der Usambára-Expedition als Träger eintrat, durch
seine Tüchtigkeit es rasch zum Askari (Soldaten) brachte und
während einer Krankheit des damaligen ersten Mnyapara (Anführers)
dessen Stelle vertrat. Diesmal hatte ich ihn selbst trotz seiner
Jugend -- er ist kaum 25 Jahr alt -- zu diesem wichtigsten Posten
bestimmt. Der Mnyapara spielt eine ähnliche Rolle in der Expedition,
wie der Feldwebel in der Kompagnie, nur dass die Expedition eben
vollständig selbstständig ist und alle Zwischenglieder zwischen
Hauptmann und Feldwebel fehlen. Mehr als einmal hat Mzimba während
meiner Abwesenheit und Erkrankung meine Stelle vertreten und ich
hatte dann stets das Gefühl dass es eben so gut, ja besser ging,
denn Mzimba hatte den Ehrgeiz, mir zu beweisen, dass er auch ohne
mich fertig werden könne. Ueberhaupt hatte er eine bei Schwarzen
seltene Selbstständigkeit und hat mehr als einmal allein Gefechte mit
Besonnenheit und Muth auf das Schneidigste geleitet. Der Mannschaft
gegenüber besass er grosse Autorität, die er hauptsächlich dadurch
aufrecht erhielt, dass er nur mit einigen jüngeren Verwandten unter
den Trägern, sonst aber mit den Leuten garnicht verkehrte. Obwohl
musterhaft gehorsam, zögerte Mzimba doch nie, eine ganz bestimmte
Meinung abzugeben, wenn ich ihn um seinen Rath befragte. Freilich
hatte er sich derart in mein Reisesystem und in meine Denkweise
eingelebt, dass er meist nur das äusserte, was mir selbst als das
richtigste erschien.
Während Mzimba ein untersetzter, lichtbrauner Bursche mit klugen
Augen und von nicht übermässiger Schönheit ist, war =Mkamba=, der
zweite Anführer der Kirongozi, ein hochgewachsener, schwarzer junger
Hüne, ein ernster, auffallend hübscher Bursche. Er war im Gegensatz
zu Mzimba Sklave, doch schienen ihn seine Fesseln gerade nicht
zu drücken, denn ungehemmt durchstreifte er jahraus jahrein das
Massailand. Er bildet den Typus eines »Msafíri« (Karawanenmannes) aus
Pangani. Heute kehrt er vom Rudolfsee zurück um einige Tage darauf
wieder nach Kavirondo aufzubrechen, bei einer Karawane zahlt man ihm
seinen spärlichen Lohn und bei der andern nimmt er schon Vorschuss
für die nächste Reise.
[Illustration: Dr. Baumann]
Eine weitere, sehr wichtige Persönlichkeit für eine Massaireise ist
der Leigwenan, der Dolmetscher. Diesen fand ich in der Person des
=Bakari bin Mfawme= aus Mtangata, der meist mit seinem Massainamen
»Kiburdangóp« genannt wurde. Er war ein im Massailand ergrauter Mann,
der die Sprache der gefürchteten Viehräuber fliessend handhabte und
eine erstaunliche Landeskenntniss besass, ein gutmüthiger, etwas
ängstlicher Swahíli.
Nachdem ich diese drei Stützen der Expedition gesichert, ging ich
daran mit ihrer Hilfe die Askari und Träger anzuwerben. Vor Allem
die =Askari=, die Soldaten. Denn es ist selbstverständlich, dass
der Reisende in unerforschten Theilen Afrika's auch heute, wo
die rothen und blauen Grenzlinien der Kolonien, Schutzgebiete und
Interessensphären Kreuz und Quer durch die Karte des Kontinents
gezogen sind, doch noch einzig und allein auf seine eigene Kraft
angewiesen ist. Die Stationen, die hunderte von Meilen weit entfernt
an den grossen Heerstrassen liegen, können ihm auch nicht den
Schatten von Schutz gewähren. Ebensowenig kann er erwarten von
der kaiserlichen Schutztruppe, die ohnehin nur das Nothwendigste
an Mannschaft besitzt, eine Bedeckung zu bekommen. Der letztere
Nachtheil ist übrigens nicht so gross als man annehmen sollte, da
es ja dem Reisenden freisteht zu thun, was bei der Schutztruppe
geschieht, nämlich Neger anzuwerben, dieselben zu uniformiren und
militärisch abzurichten. Da das Menschenmaterial genau dasselbe ist,
so ist solche eigene »Schutztruppe« jener des Gouvernements völlig
ebenbürtig, ja ich habe diesmal mit meinen selbst angeworbenen Leuten
weit bessere Erfahrungen gemacht als auf der Usambárareise mit den
7 Askari des Reichskommissariats, von welchen drei ausrissen und
überhaupt nur einer als Soldat verwendet werden konnte.
Fünfzehn Sudanesen hatte ich mir, wie erwähnt, schon mitgebracht.
Die übrigen Askari wurden zusammen mit den Trägern angeworben und
nur gutempfohlene und anscheinend intelligente Leute zu diesem
Dienst berufen. Viele darunter hatten während des Aufstandes in
der Schutztruppe gedient und sich dabei die deutschen Kommandos und
Griffe angeeignet. Ihre Ombascha's (Gefreiten) waren der Sudanese
Bahid Mohammed, ein tiefschwarzer, langer Dinkaneger und der Swahíli
Hailala wadi Baruti, ein hübscher, kluger Yao. Freilich wurde
mancher, der als Askari angeworben war, im Laufe der Zeit zum Träger
gemacht und dafür Träger, die besondere Eigenschaften zeigten, zu
Askari befördert.
Zur Anwerbung der Träger begab ich mich von Tanga nach Mtangata,
Pangani und Bagamoyo und sandte Leute nach Bondei und Muoa aus.
Ich verfolgte dabei stets den Grundsatz im Allgemeinen nur Leute
zu nehmen, die durch einen an der Küste ansässigen und bekannten
Gewährsmann empfohlen wurden. Bei Sklaven waren dies meist ihre
Herren. Mit diesem Gewährsmann wurde ein schriftlicher Vertrag
abgeschlossen, wonach er sich verpflichtete den Vorschuss des Trägers
zurück zu zahlen, falls dieser zu irgend einer Zeit davonliefe. Es
mag ja freilich langweilig sein an 200 solcher Verträge aufzusetzen,
doch sind diese das einzige Mittel welches gegen Desertionen schützt.
Irgend welche Schwierigkeit, die Leute zu bekommen, fand ich trotz
des angeblichen »Trägermangels« keineswegs. Im Gegentheil, die
Massai-Expedition war populär geworden, aus allen Dörfern kamen junge
Burschen, und Kontraktarbeiter lösten ihre Verträge um als Träger
einzutreten. Leute die 12 und 15 Rps. monatlich hatten, traten bei
mir für 10 ein; ich hätte, falls ich damals gewollt hätte, 1000 und
mehr Leute anwerben können.
Die 200 Mann, die ich angeworben, hatten sich Anfangs Januar 1892
in Tanga vereinigt und ich beschleunigte das Packen der Lasten,
um rasch fortzukommen. Denn dass zweihundert junge Burschen, die
einer unsicheren Zukunft entgegengehen, die Vorschuss erhalten
haben und täglich Zehrgeld bekommen, zu allerlei Unfug geneigt
und ganz danach angethan sind, ein Nest wie Tanga auf den Kopf zu
stellen, scheint begreiflich. Ich selbst stand diesem Treiben völlig
machtlos gegenüber, da ich die Leute, die in der Stadt zerstreut
lebten, nicht in der Hand hatte und es mir auch im Interesse der
Sache garnicht einfiel, jetzt schon die Zügel straff anzuziehen
-- dazu war im Massailand Zeit. Ich wäre denn wohl in häufigen
Konflikt mit den Behörden gerathen, wenn die löbliche Polizei in
den ostafrikanischen Küstenstädten nicht zum Glück aus Egyptern
und Sudanesen bestände und wann hätte ein Egypter oder Sudanese dem
Zauberworte »Bakschisch« jemals widerstanden? So drückten denn die
biederen Stadtsoldaten nicht nur ein sondern beide Augen zu und mir
sowohl wie dem Bezirkshauptmann blieb viel Aerger erspart. Mehrmals
am Tage erschienen Weiber welche »verführt« oder Greise, Kinder und
andere Leute die durchgeprügelt worden waren: sie alle wurden durch
einen Bakschisch zufriedengestellt. Selbst den Vali von Tanga, den
würdigen, arabischen Bürgermeister gelang es mir zu beruhigen, als
er eines Abends wuthentbrannt mit äusserst schiefgewickeltem Turban
bei mir ankam und klagte, dass einige meiner Manyema-Träger ihn aus
seiner eigenen Veranda hinausgeworfen hätten, um dort dem verpönten
Kartenspiel zu fröhnen. Ich lud ihn ein auf den Schreck einen Cognac
zu nehmen, ein Getränk, welches, nebenbei gesagt, ihm die Freuden
des islamitischen Paradieses ersetzen muss, das er sich durch dessen
Genuss, sowie durch andere, minder salonfähige Neigungen vulgo Laster
schon längst verscherzt hat. Nachdem er etwa die halbe Flasche »in
Gedanken« ausgetrunken, ging auch er befriedigt ab.
Solange meine Kerls sich begnügten die Weiber zu »verführen« und die
Männer durchzuprügeln ging, wie gesagt, alles ganz gut. Einer aber
wollte die Sache umkehren und begann damit, Weiber durchzuprügeln.
Das bekam ihm jedoch schlecht; einige schwarze Megären fielen über
ihn her, warfen ihn zu Boden und traten ihn buchstäblich todt.
Seine Gefährten fanden den armen Baraka Manyema als Leiche und
das Bezirksamt leitete eine gründliche Untersuchung ein, deren
Ende ich nicht abwartete. Denn der Boden brannte mir in Tanga
begreiflicherweise unter den Füssen und Mzimba mit seinen Getreuen
packten vom Morgen bis in die Nacht, um uns rasch flott zu bekommen.
Am 14. Januar schickte ich die 40 bepackten Massai-Esel, die
gewissermaassen den Train der Expedition bildeten unter Mkambas
Befehl voraus nach Amboni. Am Morgen des 15. liess ich meine »Bande«
antreten, jeder bekam sein Gewehr und Pulverhorn, die Askari
ihren Hinterlader, und die Lasten wurden vertheilt. Dann liess
der Tambour seine mächtige Negertrommel ertönen, der wohlbekannte
Wanyamwesimarsch, der Mganda ya Safari wurde mit Jubelgeschrei
begrüsst, Kopwe, ein halbverrückter, zwerghafter Mschambaa entlockte
einem Antilopenhorn die furchtbarsten Töne und, die deutsche Flagge
voran, setzte sich die Karawane in Bewegung. Im Vorbeimarschiren
drückte ich den deutschen Landsleuten die Hand und erhielt manches
-- oft recht ironisches -- Abschiedswort. Denn selbst alte Afrikaner
glaubten, dass sich auch bei mir die übliche Komödie wiederholen und
gleich am ersten Tage drei Viertel der Leute ausreissen würden. Der
Reisende, der heute Abschied genommen, taucht dann morgen mit langem
Gesicht wieder an der Küste auf, zur Erheiterung der schadenfrohen
Landsleute. Diesmal sollten sich diese aber geirrt haben. Keinerlei
Desertionen traten ein, die mich nöthigten wieder an die Küste
zu kommen, sondern im Gegentheil, ihre eigenen Bootleute und
Lohnarbeiter liefen rudelweise davon, um sich der Massai-Expedition
anzuschliessen, sodass sie schleunigst Boten absenden mussten um sie
wieder einzufangen.
[Illustration: TAFEL II. Lager am Sogonoi-Berg.]
Am ersten Tage lagerten wir unter den schattigen Mangos des Dorfes
=Amboni= am Sigifluss, am nächsten Morgen marschirten wir schon bei
Tagesanbruch an der Tabaksfarm vorbei und in's grasige, palmenreiche
Digoland.
Bevor ich den Reisebericht weiter verfolge, sei es mir gestattet ein
kurzes Bild unserer Märsche und unseres Lebens im Lager zu geben, wie
es sich täglich abspielte.
Schon lange vor Tagesanbruch kam in die schlummernde Karawane Leben.
Es waren die Eseljungen, die vom diensthabenden Unteroffizier geweckt
wurden, um das mühsame und langwierige Geschäft der Bepackung der
widerhaarigen Thiere zu besorgen. Unter dem wahnsinnigen Geschrei
ihres Aufsehers, Mabruki Wadudu, eines alten Bekannten von der
Meyer'schen Expedition, fingen sie die Thiere ein, legten ihnen die
mit Bananenlaub gefüllten Polster und die nach Massaiart genähten
ledernen Tragsättel mit den Lasten auf. Sobald ein zartrother Streif
sich am östlichen Himmel zeigte, schlug der Trommler die Tagwache und
Mzimba begann die Lasten zu vertheilen. Während ich eine Tasse Cacao
und einen kleinen Imbiss zu mir nahm, wurde mein Zelt abgebrochen,
dann gab ich durch einen schrillen Pfiff das Zeichen zum Abmarsch.
Den Vortrab bildete Mkamba mit 12 Askari, stets denselben Leuten. Bei
ihm befand sich der eingeborene Wegweiser, der manchmal freiwillig,
öfter gezwungen und nicht selten an der Kette marschirte. Denn ich
konnte, besonders in weglosen, wasserarmen Gegenden, das Wohl und
Wehe meiner Karawane nicht von den Launen eines Wilden abhängig
machen der, wenn er schliesslich nach einigen Tagen beschenkt wurde,
vergnügt nach Hause zurückkehrte. Mkamba wurde stets von mir über die
einzuschlagende Richtung aufgeklärt, die Details des Weges überliess
ich seinem Ermessen. Er hatte ferner auf etwaige Feindseligkeiten
der Eingeborenen scharf zu achten und war für Beseitigung von
Marschhindernissen, wie Dorngestrüpp u. s. w., verantwortlich. Seine
Leute waren mit Beilen und Waldmessern ausgerüstet.
Etwa 100 Schritt hinter dem Vortrab folgte die Karawane, deren Spitze
der Fahnenträger Askari Kipishi bildete, ein vielgereister Mann aus
Mtangata, der sein keineswegs leichtes Amt mit besonderem Geschick
versah. Von ihm hing es nämlich ab, ob die Karawane geschlossen oder
lose marschirte; lief er zu sehr, so kamen die Leute hinten nicht
nach, ging er zu langsam, so trat ein schleppendes Tempo ein, welches
für Träger sehr ermüdend ist. Diese folgten, so ziemlich stets in
derselben Reihenfolge in langer Linie dem Fahnenträger, zwischen
ihnen einzelne Askari, welche für die Marschdisziplin sorgten. Ich
hielt nämlich strenge darauf, dass die Karawane immer geschlossen
marschirte; Niemand durfte in der Eintheilung stehen bleiben oder
sich gar zur Rast niederlassen, dazu waren zwei Ruhepausen da,
die während jedes Marsches gehalten wurden. Der Marschdisziplin
war alles, Männlein und Weiblein, deren es, wie wir sehen werden,
meist gar nicht wenige in der Karawane gab, unterworfen und
Zuwiderhandelnde erhielten unfehlbar Hiebe.
Am Ende der Karawane folgte ich mit meinem »Stabe«, d. i. den Leuten,
welche die wissenschaftlichen Instrumente trugen, den Boys, Köchen
und dem Eseljungen des Reitesels, den ich stellenweise benutzte.
Selbstverständlich war ich ununterbrochen mit topographischen
Aufnahmen beschäftigt, die ich nach langjähriger Uebung halb
unbewusst ausführte. Hinter mir schwankte das eine Kameel das mir
noch geblieben -- zwei waren in Tanga gestorben -- und tönte das
wilde Geschrei der Eseltreiber und das noch tollere Wiehern der
Grauthiere. Den Schluss bildete Mzimba mit 15 Askari, ebenfalls
stets denselben Leuten. Er war verantwortlich, dass Niemand, der
zur Karawane gehörte, zurückblieb. Auch er musste die Augen tüchtig
offen halten, denn vielfach und besonders später als wir Rindvieh
mittrieben, waren die Angriffe der Eingeborenen gegen das Ende der
Karawane gerichtet. Das war auch mit ein Grund, warum ich selbst mich
näher an demselben aufhielt.
Sobald die Sonne nahe am Zenith war, begann Mkamba sich nach einem
Lagerplatz umzusehen. In Steppen und unbewohnten Gegenden handelt
es sich vor Allem um genügendes Wasser und Brennholz, waren diese
gefunden, so konnte ein Platz leicht bestimmt werden. In bewohnten
Ländern lagerten wir meist in Dörfern.
Der Fahnenträger stiess seine Flagge an der Stelle in die Erde, wo
das Lagerzelt errichtet werden sollte. Trommler und Hornist liessen
ihre Klänge ertönen und alles athmete erleichtert auf: für heute
war's wieder überstanden. Ein Theil der Askari schlug rasch mein
Zelt auf oder erbaute, falls keine Negerhütte Schatten bot, in aller
Eile eine »Kibanda«, eine Zweighütte mit Grasdach, die einen weit
angenehmeren Aufenthalt während des Tages bot als das Zelt. Die
übrigen Askari schichteten die Lasten, Munitionskisten, Blechbüchsen
mit Pulver, Tauschwaaren und Provisionskisten sorgfältig auf und
schlugen das Lastenzelt.
Die Jungen hatten inzwischen das Zelt in Ordnung gebracht und in
der Kibanda den Tisch gedeckt, der Koch den Mittagsimbiss fertig
gestellt. Bei dieser, wie bei allen Mahlzeiten hielt ich darauf,
dass die Hilfsquellen, welche das Land bot, möglichst vollständig
ausgenutzt, und auch möglichst gut gekocht wurde, da ich der Ansicht
huldige, dass eine gute Mahlzeit sicherer vor Fieber schützt als
eine Dosis Chinin oder Arsenik. Dafür, dass Reinlichkeit und Ordnung
in der Küche herrschte, sorgte die brave Kibibi, die dortselbst als
Alleinherrscherin regierte.
Die Träger hatten sich inzwischen ebenfalls Laubhütten gebaut
und begannen ihre Lebensmittel abzukochen. Dies geschah nach
Lagergenossenschaften, Kambi's, deren jede einen Aeltesten, den
Mkubwa ya Kambi, hatte. Die verschiedenen Landsleute, die Manyema,
Wadigo, Wabondei, Wasegua, Wassegeju, Wasaramo und Wanyamwesi,
die Leute von Tanga, Mtangata, Pangani, Bweni und Bagamoyo, die
Sansibariten und Sudanesen sondern sich da von einander ab, und
bilden kleine geschlossene Kreise.
Während ich Nachmittags damit beschäftigt war, meine Aufnahmen zu
ordnen und zu ergänzen, sowie ethnographische, linguistische und
andere Studien zu machen, waren die Askari darauf bedacht, das Lager
gegen einen nächtlichen Angriff zu befestigen.
In einem Dorf war das verhältnissmässig einfach, da
mittelafrikanische Siedelungen sehr häufig ohnehin mit Dornverhauen
oder anderen Schutzwehren umgeben sind. Im Busch musste jedoch stets
die »Boma«, der Stachelzaun, errichtet werden. Alle Mann hackten dann
Zweige von den dornigen Akazien und thürmten dieselben im Kreise
um das Lager so hoch auf, dass ein Darüberspringen unmöglich war.
Solche Maassregeln mögen übertrieben und unnütz erscheinen, aber
Sorglosigkeit hat in Deutsch-Ostafrika, wie ich glaube, gerade genug
schwere Niederlagen bereitet, sodass ein wenig zuviel Vorsicht nichts
schaden kann.
Gegen 5 Uhr Nachmittags versammeln sich die Kambi-Aeltesten bei
Mzimba und erhalten »Poscho«, Proviant. Die mitgebrachten oder
von den Eingeborenen erworbenen Nahrungsmittel hat dieser vor
sich aufgehäuft und giesst jedem Aeltesten mit der Kibaba, einer
Holzschüssel, soviel Portionen, als er Leute vertritt, in ein
ausgebreitetes Tuch. Dieses sogenannte »Kibabasystem« wird von
Arabern und Swahíli stets ausgeübt und war auch bei älteren Reisenden
üblich, während jetzt Europäer fast stets das »Mikonosystem«
verfolgen, d. h. den Leuten so und so viel Armlängen (Mikono)
Baumwollenzeug geben, mit welchen sie eine bestimmte Anzahl Tage
ausreichen müssen.