REBEKKA. Du bekommst es noch früh genug zu lesen.
ROSMER. Ah so. (Nimmt das Blatt und liest, am Tische stehend). -- Was!
-- -- »können nicht genug vor charakterlosen Überläufern warnen« --.
(Sieht sie an). Rebekka, sie nennen mich einen Überläufer.
REBEKKA. Es ist kein Name genannt.
ROSMER. Das bleibt sich gleich. (Liest weiter). -- »heimliche Verräter
an der guten Sache« --. -- »Judasnaturen, die frech ihren Abfall
bekennen, sobald sie den geeigneten und -- profitabelsten Zeitpunkt
gekommen glauben.« »Rücksichtsloses Attentat auf den Namen berühmter
Ahnen« --. -- »in der Erwartung, daß die augenblicklichen Machthaber
eine angemessne Belohnung nicht vorenthalten werden.« (Legt die Zeitung
auf den Tisch). Und das schreiben sie von mir. Sie, die mich schon so
lange und so genau kennen. Dinge, an die sie selbst nicht glauben.
Dinge, von denen sie wissen, daß nicht ein einziges Wort daran wahr ist
... und doch schreiben sie es.
REBEKKA. Es steht noch mehr darin.
ROSMER (nimmt die Zeitung wieder auf). -- »die einzige Entschuldigung
ist das schwache, wenig geübte Denkvermögen« --. -- »verderblicher
Einfluß, der sich vielleicht noch auf andre Gebiete erstreckt; vor der
Hand wollen wir den Herrn =des=halb öffentlich weder =be=klagen noch
=an=klagen« --. (Sieht sie an). Was ist das?
REBEKKA. Das gilt mir, wie du siehst.
ROSMER (legt die Zeitung fort). Rebekka, -- so handeln nur unehrenhafte
Männer.
REBEKKA. Ja, ich finde, sie sind Mortensgaard noch über.
ROSMER (geht auf und ab). Hier =muß= etwas geschehen. Alles was gut ist
in den Menschen, wird erstickt, wenn dies so weitergeht. Aber das soll
es nicht. O, wie froh, -- wie glücklich würd ich mich fühlen, könnt ich
in diesen Abgrund von Finsternis und Häßlichkeit ein wenig Licht
bringen.
REBEKKA (steht auf). Ja, nicht wahr, Rosmer? Das wäre für dich eine
große herrliche Aufgabe.
ROSMER. Bedenke nur, könnt ich sie zur Selbsterkenntnis aufrütteln. Sie
zur Reue und Scham über sich selbst bringen. Sie bewegen, Rebekka, sich
einander in Verträglichkeit und Liebe zu nähern.
REBEKKA. Ja, setz all deine Kraft hierfür ein, und du sollst sehen, du
gewinnst.
ROSMER. Mir scheint, es muß glücken. O, welche Freude es dann sein würde
zu leben! Kein gehässiger Streit mehr. Nur noch Wettstreit. Alle Augen
auf das eine Ziel gerichtet. Alle Triebe, alle Sinne vorwärts strebend,
-- empor, -- jeder auf seinem eignen naturnotwendigen Wege. Das Glück
aller, -- geschaffen durch alle. (Sieht zufällig durchs Fenster ins
Freie, fährt zusammen und sagt traurig.) Ach! Nicht durch mich.
REBEKKA. Nicht --? Nicht durch dich?
ROSMER. Und auch nicht =für= mich.
REBEKKA. O, Rosmer, laß solche Zweifel nicht in dir aufkommen!
ROSMER. Glück, -- liebe Rebekka, -- Glück, das ist vor allen Dingen das
stille frohe sichre Bewußtsein der Schuldlosigkeit.
REBEKKA (sieht vor sich hin). Ja, das mit der Schuld --.