ROSMER. Du sagtest --?
KROLL. Höre. Was hier heimlich vor sich gegangen ist, als Beate noch
lebte, -- und was hier jetzt noch vor sich geht, -- das will ich nicht
näher untersuchen. Du warst ja tief unglücklich in deiner Ehe. Und das
muß dir gewissermaßen zur Entschuldigung dienen.
ROSMER. O, wie wenig kennst du mich doch im Grunde --!
KROLL. Unterbrich mich nicht. Ich wollte sagen: soll nun mal dies
Zusammenleben mit Fräulein West fortgesetzt werden, so ist es unbedingt
notwendig, daß du diesen Umfall, -- diesen traurigen Abfall, -- wozu sie
dich verführt hat, vertuschest. Laß mich reden! Laß mich reden! Ich
sage: gehts gar nicht anders, so denk und meine und glaub in Gottes
Namen alles was du willst -- und inbezug auf alle Dinge unter der Sonne.
Aber behalt deine Meinungen hübsch für dich. 'S ist ja doch eine rein
persönliche Sache. Es liegt gar keine Notwendigkeit vor, so etwas ins
ganze Land hinauszurufen.
ROSMER. Für mich liegt =die= Notwendigkeit vor, daß ich aus einer
falschen und zweideutigen Stellung herauskomme.
KROLL. Aber du hast Pflichten gegen die Traditionen deines Geschlechts,
Rosmer! Das bedenke wohl! Seit unvordenklichen Zeiten war Rosmersholm
eine Pflegestätte der Zucht und Ordnung, -- der respektvollen Achtung
vor allem, was die besten unsres Volkes anerkannt und hoch gehalten
haben. Von Rosmersholm hat die ganze Gegend ihren Stempel empfangen.
Eine unheilvolle, nie wieder gut zu machende Verwirrung entsteht, wird
es ruchbar: du selber hättest mit dem gebrochen, was ich den Rosmerschen
Familiengedanken nennen möchte!
ROSMER. Lieber Kroll, -- so kann =ich= die Sache nicht ansehn. Ich halt
es für meine unabweisbare Pflicht, hier, wo durch all die langen langen
Zeiten vom Geschlecht der Rosmer Finsternis und Unterdrückung
ausgegangen sind, ein wenig Licht und Freude zu verbreiten.
KROLL (sieht ihn streng an). Jawohl, das wäre eine würdige Tat für den
Mann, mit dem das Geschlecht ausstirbt. Du, das laß bleiben. Das ist
keine angemessne Arbeit für dich. Du bist dazu geschaffen, als stiller
Forscher zu leben.
ROSMER. Mag sein. Aber ich will nun einmal teilnehmen am Kampf des
Lebens.
KROLL. Am Kampf des Lebens --! Weißt du, was für ein Kampf das für dich
wird? Ein Kampf auf Leben und Tod mit all deinen Freunden.
ROSMER (ruhig). Sie werden doch nicht =alle= so fanatisch sein wie du.
KROLL. Du bist eine treuherzige Seele, Rosmer. Und unerfahren wie ein
Kind. Du ahnst nicht, welch übermächtiger Sturm über dich hereinbrechen
wird.
(FRAU HILSETH lugt durch die Tür links.)