Seine zwei Kanarienvögel

Abenteuer

eines

Junggesellen

von

Wilhelm Busch.

[Illustration]

81^{stes} bis 85^{stes} Tausend.

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München.

Verlag von Fr. Bassermann

1908.

Druck von Knorr & Hirth in München, G. m. b. H.

Die Sache wird bedenklich.

Sokrates, der alte Greis,

Sagte oft in tiefen Sorgen:

„Ach, wie viel ist doch verborgen,

Was man immer noch nicht weiß.“

Und so ist es. -- Doch indessen

Darf man eines nicht vergessen:

Eines weiß man doch hienieden,

Nämlich, wenn man unzufrieden. --

Dies ist auch Tobias Knopp,

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Und er ärgert sich darob.

Seine zwei Kanarienvögel

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Die sind immer froh und kregel,

Während ihn so Manches quält,

Weil es ihm bis dato fehlt.

Ja die Zeit entfliehet schnell;

Knopp, du bist noch Junggesell! --

Zwar für Stiefel, Bett, Kaffee

Sorgt die gute Dorothee;

Und auch, wenn er dann und wann

Etwas nicht alleine kann,

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Ist sie gleich darauf bedacht,

Daß sie es zurechte macht.

Doch ihm fehlt Zufriedenheit. --

Nur mit großer Traurigkeit

Bleibt er vor dem Spiegel stehn,

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Um sein Bildniß zu besehn.

Vornerum ist alles blank;

Aber hinten, gottseidank,

Denkt er sich mit frohem Hoffen,

Wird noch Manches angetroffen.

O, wie war der Schreck so groß!

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Hinten ist erst recht nichts los.

Und auch hier tritt ohne Frage

Nur der pure Kopf zu Tage. --

Auch bemerkt er außerdem,

Was ihm gar nicht recht bequem,

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Daß er um des Leibes Mitten

Längst die Wölbung überschritten,

Welche für den Speiseschlauch,

Bei natürlichem Gebrauch,

Wie zum Trinken, so zum Essen,

Festgesetzt und abgemessen. --

Doch es bietet die Natur

Hierfür eine sanfte Kur.

Draußen, wo die Blumen sprießen,

Karrelsbader Salz genießen

Und melodisch sich bewegen,

Ist ein rechter Himmelssegen;

Und es steigert noch die Lust,

Wenn man immer sagt: du mußt.

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Knopp, der sich dazu entschlossen,

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Wandelt treu und unverdrossen.

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Manchmal bleibt er sinnend stehn;

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Manchmal kann ihn keiner sehn.

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Aber bald so geht er wieder

Treubeflissen auf und nieder. --

Dieses treibt er vierzehn Tage;

Darnach steigt er auf die Waage;

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Und da wird es freudig kund:

Heißa, minus zwanzig Pfund!

Wieder schwinden vierzehn Tage,

Wieder sitzt er auf der Waage,

Autsch, nun ist ja offenbar

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Alles wieder, wie es war.

Ach, so denkt er, diese Welt

Hat doch viel, was nicht gefällt.

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Rosen, Tanten, Basen, Nelken

Sind genöthigt zu verwelken;

Ach, und endlich auch durch mich

Macht man einen dicken Strich.

Auch von mir wird man es lesen:

Knopp war da und ist gewesen.

Ach, und keine Thräne fließt

Aus dem Auge, was es liest;

Keiner wird, wenn ich begraben,

Unbequemlichkeiten haben;

Keine Seele wird genirt,

Weil man keinen Kummer spürt.

Dahingegen spricht man dann:

Was geht dieser Knopp uns an?

Dies mag aber Knopp nicht leiden.

Beim Gedanken, so zu scheiden

In ein unverziertes Grab,

Drückt er eine Thräne ab.

Sie liegt da, wo er gesessen,

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Seinem Schmerze angemessen.

Dieses ist ja fürchterlich.

Also, Knopp, vermähle dich.

Mach dich auf und sieh dich um,

Reise mal ’n Bissel rum.

Sieh mal dies und sieh mal das,

Und paß auf, du findest was.

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Einfach ist für seine Zwecke

Das benöthigte Gepäcke;

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Und die brave Dorothee

Ruft: Herr Knopp, nanu adjeh!

Eine alte Flamme.

Allererst und allsofort

Eilet Knopp an jenen Ort,

Wo sie wohnt die Wohlbekannte,

Welche sich Adele nannte;

Jene reizende Adele,

Die er einst mit ganzer Seele

Tiefgeliebt und hochgeehrt,

Die ihn aber nicht erhört,

So, daß er, seit dies geschah,

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Nur ihr süßes Bildniß sah.

Transpirirend und beklommen

Ist er vor die Thür gekommen,

Oh, sein Herze klopft so sehr,

Doch am Ende klopft auch er.

„Himmel, -- ruft sie, -- welches Glück!!“

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(Knopp sein Schweiß der tritt zurück.)

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„Komm, geliebter Herzensschatz,

Nimm auf der Berschäre Platz!

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Nur an dich bei Tag und Nacht,

Süßer Freund, hab ich gedacht.

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Unaussprechlich inniglich,

Freund und Engel, lieb ich dich!“

Knopp, aus Mangel an Gefühl,

Fühlt sich wieder äußerst schwül;

Doch in dieser Angstsekunde

Nahen sich drei fremde Hunde.

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„Hülfe, Hülfe!“ -- ruft Adele --

„Hilf, Geliebter meiner Seele!!!“

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Knopp hat keinen Sinn dafür.

Er entfernt sich durch die Thür. --

Schnell verläßt er diesen Ort

Und begibt sich weiter fort.

Ein schwarzer College.

Knopp verfügt sich weiter fort

Bis an einen andern Ort.

Da wohnt einer, den er kannte,

Der sich Förster Knarrtje nannte. --

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Unterwegs bemerkt er bald

Eine schwärzliche Gestalt,

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Und nun biegt dieselbe schräg

Ab auf einen Seitenweg.

Sieh, da kommt ja Knarrtje her!

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„Alter Knopp, das freut mich sehr!“

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Traulich wandeln diese zwei

Nach der nahen Försterei.

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„So, da sind wir, tritt hinein;

Meine Frau, die wird sich freu’n!“

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„He, zum Teufel, was ist das?

Alleh Waldmann, alleh faß!

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Oh, tu tu verruchtes Weib,

Jetzt kommt Knarrtje dir zu Leib!“

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Knopp’s Vermittlung will nicht glücken,

Wums! da liegt er auf dem Rücken.

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Schnell verläßt er diesen Ort

Und begibt sich weiter fort.

Rektor Debisch.

Abenteuer eines Junggesellen · 第 1 / 25 题